Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

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Senexx

Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Mo 18. Jan 2021, 14:16

Maredo, seit März in Insolvenz, hat jetzt fast alle Mitarbeiter entlassen. In der Verwaltung arbeitet nur noch eine Rumpftruppe.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Di 19. Jan 2021, 19:44

Die nächsten hat es erwischt.

Nach namhaften Gastronomieketten wie Vapiano und Maredo und Modehändlern wie Adler, fordert die Corona-Krise weitere Unternehmensopfer. Nun haben auch die zur Deutschen Confiserie Holding (DCH) gehörenden Fachhändler Arko, Eilles und Hussel beim Amtsgericht Norderstedt in Schleswig-Holstein vorläufige Insolvenz in Eigenregie beantragt. Arko und Hussel sind Süßwarenhändler, Eilles eine bekannte Teemarke.


Quelle: Welt.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Atue001 » Mi 20. Jan 2021, 00:53

Kann man so sehen, und irgendwie stimmt es auch. Andererseits kann man auch sagen: Arko und Hussel wurden eigentlich nicht geschlossen, und Eilles auch nicht. Ob da die Insolvenz durch Corona nicht nur vorgezogen wurde, sollte man also mal genauer anschauen.

Die Lücken, die ggf. Hussel, Arko und Eilles hinterlassen, und auch die Lücken von Maredo und Co werden nach dem Ende der Pandämie sicherlich binnen weniger Monate auch wieder geschlossen werden.
Der generelle Trend, dass mehr Online und weniger in Präsenz gekauft wird, wird aber zu einem 'Teil überleben. Doch auch da sage ich, dass Corona nur Veränderungen beschleunigt, die eigentlich auch schon davor klar erkennbar waren.

Im Bereich Textil sieht es schwieriger aus - wobei auch da Adler vor der Krise nicht unbedingt eine Wachstumsmarke war........
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Claud
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Claud » Mi 20. Jan 2021, 01:17

Atue001 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 00:53)

Kann man so sehen, und irgendwie stimmt es auch. Andererseits kann man auch sagen: Arko und Hussel wurden eigentlich nicht geschlossen, und Eilles auch nicht. Ob da die Insolvenz durch Corona nicht nur vorgezogen wurde, sollte man also mal genauer anschauen.

Die Lücken, die ggf. Hussel, Arko und Eilles hinterlassen, und auch die Lücken von Maredo und Co werden nach dem Ende der Pandämie sicherlich binnen weniger Monate auch wieder geschlossen werden.
Der generelle Trend, dass mehr Online und weniger in Präsenz gekauft wird, wird aber zu einem 'Teil überleben. Doch auch da sage ich, dass Corona nur Veränderungen beschleunigt, die eigentlich auch schon davor klar erkennbar waren.

Im Bereich Textil sieht es schwieriger aus - wobei auch da Adler vor der Krise nicht unbedingt eine Wachstumsmarke war........


Bei vielen Meldungen in den Wirtschaftsnachrichten sind es oft Kandidaten, welche schon vor Corona angezählt (Galeria Karstadt Kaufhof, Maredo, Vapiano, Esprit) gewesen sind und bei manchen ist nicht so ganz ersichtlich, wieso diese trotz Hilfen nach relativ kurzer Zeit in solch bedeutsame Schwierigkeiten geraten konnten, dass nun eine Insolvenz unvermeidlich gewesen ist.

Vielleicht sollte man das alles auch als eine gewisse Bereinigung sehen, die teilweise überfällig gewesen ist. Klar, unangenehm und für viele Arbeitnehmer echt beschissen.

In Berlin sind inzwischen mehr als 1000 Taxis abgemeldet worden, was sehr lange überfällig gewesen ist, da der Markt seid Jahren bis Jahrzehnten mit einer massiven Übersättigung vor sich herlief was nur zu (selbst-)ausbeuterischen Zuständen führte.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Mi 20. Jan 2021, 08:56

Dass es zuerst die Schwächeren erwischt, ist nun wirklich keine Überraschung. Aber es kommt nun ja geballt. Prozesse, die sich noch eine Weile hingezogen hätten, kommen plötzlich über Nacht. Und manch einer hätte auch überlebt.

Ich finde die Nonchalance, mit der das abgetan wird, sehr befremdlich. Bekanntlich wächst das Geld ja auf den Bäumen. BGE lässt grüßen.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Atue001 » Do 21. Jan 2021, 21:40

Senexx hat geschrieben:(20 Jan 2021, 08:56)

Dass es zuerst die Schwächeren erwischt, ist nun wirklich keine Überraschung. Aber es kommt nun ja geballt. Prozesse, die sich noch eine Weile hingezogen hätten, kommen plötzlich über Nacht. Und manch einer hätte auch überlebt.

Ich finde die Nonchalance, mit der das abgetan wird, sehr befremdlich. Bekanntlich wächst das Geld ja auf den Bäumen. BGE lässt grüßen.


Was genau wäre denn die Alternative? Also - ich wünsche es keinem der Unternehmen, dass es pleite geht. Und mit jedem einzelnen Arbeitnehmer der dadurch seinen Arbeitsplatz verliert, habe ich Verständnis und setze mich auch dafür ein, dass er schnellstmöglich wieder einen Arbeitsplatz bekommt.

Nur - man muss schon unterscheiden, ob durch die Pandämie angezählte Unternehmen früher in Insolvenz gehen, oder ob bodenständige Unternehmen mit eigentlich ausreichend Rücklagen und einem gut funktionierenden Geschäftsmodell in Bedrängnis kommen.

Die Alternative zu den getroffenen Massnahmen wäre also genau was gewesen? Mehr Tote hätten natürlich den Bestattungsunternehmen eine kleine Spitzenkonjunktur geliefert.....also eine noch größere, als sie sie jetzt ja haben. Ist das viel wünschenswerter? Zumal mit jedem Toten zuviel auch ein Konsument weniger am Markt ist, der einkaufen geht.....

Die Frage hier im Forum war nicht die danach, ob und wie stark ich die wirtschaftlichen Verwerfungen bedaure, die das Virus verursacht, sondern welche negativen und positiven wirtschaftlichen Folgen erwartet werden. Da spielt mein Mitleid(en) und Verständnis nur eine untergeordnete Rolle.

Und der spitze Verweis auf ein BGE zeigt eigentlich auf, dass doch ein gewisses Grundverständnis zu Zusammenhängen fehlt. Tatsächlich ist gerade die Coronakrise ein sehr gutes Beispiel dafür, dass gerade bei den vielen Alleinunternehmern eine gewisse Grundhilfe auf Basis eines BGEs schon längst zur Verfügung stehen würde, weil es ja einfach da wäre. Dem gegenüber mahlen die Mühlen der Bürokratie bei der Zahlung zugesagter Hilfen deutlich langsamer - weil man ja die so beliebte Einzelfallprüfung braucht, um jeglichen Missbrauch im Keim zu ersticken. Die Folgen sind klar: So mancher Kleinunternehmer geht nicht nur insolvent, sondern ist nach der Pandämie auch wirtschaftlich finanziell ruiniert - weil die versprochene Hilfe zu spät kam. Dabei hätten gerade in diesem Bereich schon typische BGE-Beträge eine dramatische Entlastung gebracht. Wäre mal was, worüber es sich nachzudenken lohnen könnte...
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Do 21. Jan 2021, 22:25

Atue001 hat geschrieben:(21 Jan 2021, 21:40)

Nur - man muss schon unterscheiden, ob durch die Pandämie angezählte Unternehmen früher in Insolvenz gehen, oder ob bodenständige Unternehmen mit eigentlich ausreichend Rücklagen und einem gut funktionierenden Geschäftsmodell in Bedrängnis kommen.


Lesen Sie sich diesen Satz besser nochmal durch.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Atue001 » Do 21. Jan 2021, 22:30

Senexx hat geschrieben:(21 Jan 2021, 22:25)

Lesen Sie sich diesen Satz besser nochmal durch.


Was fehlt ihnen zum Verständnis? Das implizite "beliebige"? Dann ergänzen sie das. So schwer ist das nicht.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Do 21. Jan 2021, 22:32

Atue001 hat geschrieben:(21 Jan 2021, 22:30)

Was fehlt ihnen zum Verständnis? Das implizite "beliebige"? Dann ergänzen sie das. So schwer ist das nicht.

Wenn Ihnen der Unsinn selbst nicht auffällt, kann ich Ihnen nicht helfen.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Atue001 » Do 21. Jan 2021, 22:55

Senexx hat geschrieben:(21 Jan 2021, 22:32)

Wenn Ihnen der Unsinn selbst nicht auffällt, kann ich Ihnen nicht helfen.


Brauchen sie auch nicht - ich hab ja kein Problem.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Claud » Do 21. Jan 2021, 23:25

Senexx hat geschrieben:(21 Jan 2021, 22:25)

Lesen Sie sich diesen Satz besser nochmal durch.


Er hat aber recht. Bei den meisten genannten Beispielen aus der Wirtschaft sind es vor allen die angezählten Unternehmen, die jetzt Insolvenz anmelden und Beispiele von eher gesunden Unternehmen bleiben bisher aus, weshalb das alles ja bisher auch eher mit einen Achselzucken quittiert wird.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 01:44

Atue001 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 00:53)

Die Lücken, die ggf. Hussel, Arko und Eilles hinterlassen, und auch die Lücken von Maredo und Co werden nach dem Ende der Pandämie sicherlich binnen weniger Monate auch wieder geschlossen werden.


Das wäre mir neu, dass die Arbeitsplatzverluste durch größere Unternehmenskonkurse innerhalb weniger Monate wieder kompensiert werden. Insbesondere wenn man noch mitten in der Rezession ist. Zudem hat das bei den vielen Schleckerfrauen auch nicht wirklich funktioniert, dass alle nach Monaten wieder einen neuen Job hatten.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 01:46

Senexx hat geschrieben:(20 Jan 2021, 08:56)

Dass es zuerst die Schwächeren erwischt, ist nun wirklich keine Überraschung. Aber es kommt nun ja geballt. Prozesse, die sich noch eine Weile hingezogen hätten, kommen plötzlich über Nacht. Und manch einer hätte auch überlebt.

Ich finde die Nonchalance, mit der das abgetan wird, sehr befremdlich. Bekanntlich wächst das Geld ja auf den Bäumen. BGE lässt grüßen.


In der Tat, das verwundert mich auch. :|
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 01:55

Atue001 hat geschrieben:(21 Jan 2021, 21:40)

Was genau wäre denn die Alternative? Also - ich wünsche es keinem der Unternehmen, dass es pleite geht. Und mit jedem einzelnen Arbeitnehmer der dadurch seinen Arbeitsplatz verliert, habe ich Verständnis und setze mich auch dafür ein, dass er schnellstmöglich wieder einen Arbeitsplatz bekommt.

Nur - man muss schon unterscheiden, ob durch die Pandämie angezählte Unternehmen früher in Insolvenz gehen, oder ob bodenständige Unternehmen mit eigentlich ausreichend Rücklagen und einem gut funktionierenden Geschäftsmodell in Bedrängnis kommen.


Wir reden hier von Branchen, die wenn man alles zusammen- und hochrechnet vielleicht von 4-6 Monaten Schließung ausgehen müssen. Kann man wirklich davon ausgehen, dass das jedes gesunde Unternehmen stemmt? Und wäre jedes Unternehmen, was jetzt strauchelt sowieso ohne Corona auch später gestrauchelt?

Ich habe heute ein Interview mit Dirk Rossmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Drogeriekette, gesehen. Er stand mit seinem Unternehmen in den 90er Jahren finanziell kurz vor dem Aus. Wären einige Gläubiger vom Boot gesprungen, hätte man vermutlich Konkurs anmelden müssen, so wie eben auch Schlecker. Aber Rossmann überlebte und ist neben dm der Erfolgreichste in diesem Segment mit knapp 10 Mrd. Euro Umsatz und hat einige aufkaufen können, die es heute nicht mehr gibt.

Atue001 hat geschrieben:Die Alternative zu den getroffenen Massnahmen wäre also genau was gewesen? Mehr Tote hätten natürlich den Bestattungsunternehmen eine kleine Spitzenkonjunktur geliefert.....also eine noch größere, als sie sie jetzt ja haben. Ist das viel wünschenswerter? Zumal mit jedem Toten zuviel auch ein Konsument weniger am Markt ist, der einkaufen geht.....


Die Alternative lautet immer erstmal schauen, was man erhaltbar ist, was später nur mühsam wieder aufgebaut werden kann.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 01:56

Claud hat geschrieben:(21 Jan 2021, 23:25)

Er hat aber recht. Bei den meisten genannten Beispielen aus der Wirtschaft sind es vor allen die angezählten Unternehmen, die jetzt Insolvenz anmelden und Beispiele von eher gesunden Unternehmen bleiben bisher aus


Wir sind hier wirklich noch nicht durch.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Claud » Fr 22. Jan 2021, 02:12

Sören74 hat geschrieben:(22 Jan 2021, 01:56)

Wir sind hier wirklich noch nicht durch.


Definitiv. Bisher bin ich aber überrascht, wie robust sich das in Deutschland darstellt und teilweise mache ich mir inzwischen auch Sorgen, dass eine Marktbereinigung aufgrund der aktuellen Hilfe- und Insolvenzregelungen verschleppt wird.

Klar, niemand soll seinen Job verlieren. Aber von Zombieunternehmen hat man gesamtwirtschaftlich in der Regel leider auch nicht viel.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Senexx » Fr 22. Jan 2021, 07:50

Claud hat geschrieben:(21 Jan 2021, 23:25)

Er hat aber recht. Bei den meisten genannten Beispielen aus der Wirtschaft sind es vor allen die angezählten Unternehmen, die jetzt Insolvenz anmelden und Beispiele von eher gesunden Unternehmen bleiben bisher aus, weshalb das alles ja bisher auch eher mit einen Achselzucken quittiert wird.

Hat er nicht.

Er schreibt von "durch die Pandemie angezählten Unternehmen". Ohne Pandemie wären die nicht "angezählt".

Und schwadroniert von Unternehmen, mit genügend Rücklagen, um die Pandemie zu überstehen. Kein Unternehmen hat für solche Fälle Rücklagen.

Falls die Lockdowns im Frühjahr enden sollten, werden manche fast ein Jahr beinahe durchgehend geschlossen haben.

Ich frage mich, wie jemand, der so flapsig über die wirtschaftlichen Probleme aus der Pandemie spricht, seinen Lebensunterhalt bestreitet.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 12:20

Das über Jahrzehnte krisengeschüttelte schwäbische Unternehmen Märklin profitiert von dem corona-indizierten Spielzeugboom. Märklin hatte schon mehrere Besitzerwechsel hinter sich.

https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/ ... 59323.html
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Atue001 » Fr 22. Jan 2021, 22:47

Sören74 hat geschrieben:(22 Jan 2021, 01:55)

Wir reden hier von Branchen, die wenn man alles zusammen- und hochrechnet vielleicht von 4-6 Monaten Schliessung ausgehen müssen. Kann man wirklich davon ausgehen, dass das jedes gesunde Unternehmen stemmt? Und wäre jedes Unternehmen, was jetzt strauchelt sowieso ohne Corona auch später gestrauchelt?

Ich habe heute ein Interview mit Dirk Rossmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Drogeriekette, gesehen. Er stand mit seinem Unternehmen in den 90er Jahren finanziell kurz vor dem Aus. Wären einige Gläubiger vom Boot gesprungen, hätte man vermutlich Konkurs anmelden müssen, so wie eben auch Schlecker. Aber Rossmann überlebte und ist neben dm der Erfolgreichste in diesem Segment mit knapp 10 Mrd. Euro Umsatz und hat einige aufkaufen können, die es heute nicht mehr gibt.



Die Alternative lautet immer erstmal schauen, was man erhaltbar ist, was später nur mühsam wieder aufgebaut werden kann.


Wenn die Alternative lautet, immer erst mal schauen - dann schauen wir so lange, bis es hunderttausende Tote gibt. Insofern ist dieser Rat zwar richtig, aber nicht zielführend für das Problem der Corona-Pandämie.

Ich bin sofort dabei, dass man für die Pandämie auch über alternative Lösungsansätze nachdenken kann - allerdings ist es nicht so ganz einfach, eine Risikogruppe von 5 Millionen Einwohnern vor dem Virus zu isolieren. Patentrezepte habe ich hier noch nicht gelesen, und auch bisher weltweit noch nicht wirklich gefunden. Ich hätte im November den Lockdown schon früher angesetzt, und auch radikaler. Dafür aber dann auch entsprechend kürzer, dann mit allerdings nur zaghafter Öffnung. Und die vielen Versäumnisse im Sommer und teilweise früher (beispielsweise fehlende Digitalisierung der Verwaltung und der Schulen) sehe ich auch. Nur - die kann ich heute nicht ändern.

Wenn wir jetzt aber den Lockdown zu früh lockern, haben wir die Toten - und wenn wir den Lockdown zu scharf machen, haben wir die Pleitewelle. Wenn wir die Förderungen zu großzügig vergeben, nutzen dies sofort Dritte aus, und wenn man sie punktgenau prüft, dauert das Auszahlen von notwendigen Hilfen sehr lange.

Pragmatische Ansätze wie beispielsweise einen Systemwechsel in der Grundsicherung lehnen heute noch zu viele Menschen ab, dabei würde so etwas einiges leichter machen. Nur - auch wenn das vernünftig wäre, das ist so mal eben auf die Schnelle schlicht und einfach nicht zu machen.

Die Politik versucht heute schon zu helfen - erreicht aber dabei zu viele nicht richtig. Für radikalere Maßnahmen aber fehlt entweder das Geld oder die politischen Mehrheiten - wie bescheuert das mit den Mehrheiten ist, kann man in einem förderalen Land (und ich schätze Förderalismus prinzipiell schon - wenn er richtig gemacht ist) ja aktuell gut beobachten. Beschlüsse von einem Abend sind am nächsten Morgen schon wieder obsolet und werden aufgeweicht.

In einem solchen Rahmen, in dem der Bund nur begrenzt Handlungsfreiraum hat, und die Länder beliebig nach eigenen Wegen suchen, haben wir unterm Strich einen gordischen Knoten, der sich eigentlich nur lösen lässt, wenn man ihn einfach durchschlägt.

Im System sehe ich nur sehr begrenzt Handlungsmöglichkeiten - da kann man sicherlich viel im Detail verbessern, es kann aber auch sein, wenn man an einer Stelle einen Brand löscht, dass er dann an anderer Stelle aufflackert - und die Wirtschaft gegen Todesopfer auszuspielen, ist nicht so richtig zielführend. Umfassender geht es nur, wenn man am System Veränderungen anbringt - das aber ist derzeit nicht mehrheitsfähig. Insofern sehe ich wenig realistische Alternativen.
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Re: Negative und positive wirtschaftliche Folgen von Corona

Beitragvon Realist2014 » Sa 23. Jan 2021, 09:58

Atue001 hat geschrieben:(22 Jan 2021, 22:47)

Pragmatische Ansätze wie beispielsweise einen Systemwechsel in der Grundsicherung lehnen heute noch zu viele Menschen ab, dabei würde so etwas einiges leichter machen. Nur - auch wenn das vernünftig wäre, das ist so mal eben auf die Schnelle schlicht und einfach nicht zu machen.
n.

Gleichmacherei in der Grundsicherung würde neue Ungerechtigkeiten schaffen.
Aber das interssiert ja die ""BGE-Forderer" nicht.

Sie sind ja nicht mal bereit, auf das diesbezügliche Thema einzugehen.

Logischerweise sind irgendwelche Vorstellungen der dauerhaften Zusatzsteuereinnahmen über Steuererhöhungen oder weitere Steuern zur Finanzierung Hirngespinste
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden

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