Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

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DarkLightbringer
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon DarkLightbringer » Di 3. Sep 2019, 12:02

Wolverine hat geschrieben:(03 Sep 2019, 11:57)

Ganz ehrlich? Ich bin froh, dass die Wahlen so ausgegangen sind, aber insgesamt war es eine Watschn für die Regierungsparteien. Jetzt muss neu koaliert werden. Da gibt es nichts schön zu reden.

Ich sehe nichts Häßliches an einer Kenia-Koalition.

Ganz früher gab es 3 Parteien und 2 davon haben koaliert. Jetzt gibt es 6 Parteien und 3 koalieren. So dramatisch ist das nicht, wie viele tun.
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Selina
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 12:16

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2019, 11:37)

Aber ist das nicht irgendwie insgesamt gesehen eine Art Luxusveranstaltung?

Ich war zufällig genau an dem Tag im schottischen Kilmarnock als 2012 die berühmte Whisky-Fabrik "Johnnie Walker" offiziell geschlossen wurde. Es gab Protesveranstaltungen. Und so gut wie alle Personen in unserer Partnergemeinde Galston (gleich neben Kilmarnock) waren in irgendeiner Art davon betroffen. Ich sag mal: Das ging aber dort nochmal ganz anders ab als etwa im Braunkohlenrevier in der Lausitz. In Deutschland sind das für mich alles Luxusprobleme. Vor allem wenn ich sie nicht mit Kilmarnock sondern mit dem Kosovo oder Bulgarien vergleiche.

Eine Wiedervereinigung nicht als "Überstülpung" und "Entwertung von Biographien" setzt voraus, dass man überhaupt irgendwie Teil irgendeines Ganzen sein will. Lass es doch einfach sein und mach dein Ding und kümmere dich nicht um irgendwelche Fremdzuschreibungen würde ich jedem Sachsen und Brandenburger zurufen wollen.


Naja, jeder fühlt sich nun mal so, wie er sich fühlt. Und dass man "ein Teil des Ganzen sein will", wie du sagst, ist in meinen Augen nicht die Schlussfolgerung aus "Überstülpungs"-Erfahrungen und "Lebensentwertung". Nein, ganz und gar nicht. Man empfindet das arrogante einseitige Gerede über die ständige Dankbarkeit, die man für die Kohlschen Millionen (aus welchen dunklen Quellen das Geld kommt, ist ja inzwischen bekannt) empfinden müsse, als eine larmoyante Geschichte von drüben, die halt keiner mehr hören kann. Ich würde da eher jedem Westdeutschen (also nur denen, die diese Dankbarkeit dauernd einfordern) zurufen, "let it be". Da halte ich es eher mit meiner Großmutter, die immer sagte "geschenkt ist geschenkt, da fragt man den Beschenkten nicht nach Dank und nicht danach, wofür er das Geschenk denn nun verwenden will". Kluger Satz. Und dann noch sowas wie: "Nun haben sie schon so viel Geld gekriegt von uns dieses Ossis, und da wählen sie auch noch falsch", einfach nur bescheuert. Für mich selbst käme trotz all dieser Befindlichkeiten dennoch nie in Frage, mich einer Partei zuzuwenden, die ohne Not mit faschistoiden Leuten kuschelt.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Alpha Centauri » Di 3. Sep 2019, 12:28

becksham hat geschrieben:(03 Sep 2019, 09:56)

Was für gruselige Wahlergebnisse. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.
Dass die Grünen und die Linke in Brandenburg relativ schlecht abgeschnitten haben, kann auch mit taktischem Wahlverhalten zu tun haben. Es gab sicherlich einige, die ihre Stimme der SPD gegeben haben, um zu verhindern, dass die Rechten stärkste Kraft werden. Das ist ja wenigstens noch gelungen. Und der NPD-Sympathisant hat auch kein Direktmandat geholt. Das ist ja auch schon mal was. Ansonsten verweise ich gern noch mal auf meine ersten beiden Sätze.


Nach Meinung der Wahlforscher lassen.die Wahlanalysen durchaus den.Schluss zu dass viele Taktik Wähler anderer Parteien ( LINKE, FDP, GRÜNE) der CDU un Sachsen der SPD in Brandenburg ihre Stimme gaben ( also nicht aus inhaltlicher Überzeugung heraus) da sie AFD als stärkste Partei verhindern wollten ( was ja auch gelungen ist) was Habeck schon bereits am Sonntagabend vermutete.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Wolverine » Di 3. Sep 2019, 12:28

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:02)

Ich sehe nichts Häßliches an einer Kenia-Koalition.

Ganz früher gab es 3 Parteien und 2 davon haben koaliert. Jetzt gibt es 6 Parteien und 3 koalieren. So dramatisch ist das nicht, wie viele tun.


Da sind wir absolut einer Meinung. :thumbup:
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 12:32

Alpha Centauri hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:28)

Nach Meinung der Wahlforscher lassen.die Wahlanalysen durchaus den.Schluss zu dass viele Taktik Wähler anderer Parteien ( LINKE, FDP, GRÜNE) der CDU un Sachsen der SPD in Brandenburg ihre Stimme gaben ( also nicht aus inhaltlicher Überzeugung heraus) da sie AFD als stärkste Partei verhindern wollten ( was ja auch gelungen ist) was Habeck schon bereits am Sonntagabend vermutete.


Genauso siehts aus. In Sachsen etwa sollen über 30.000 Stamm-Linken-Wähler andere Parteien gewählt haben, um die rechtsradikale AfD nicht gewinnen zu lassen. So hat sich halt eine edle Absicht am Ende so negativ für die Linke selbst ausgewirkt. Hinzu kommt, dass die Partei nicht mehr als Ost-Kümmer-Partei wahrgenommen wird. Das Personal debattiert und berät ja auch gerade sehr intensiv, was nun zu tun ist.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Wolverine » Di 3. Sep 2019, 12:36

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:16)

Naja, jeder fühlt sich nun mal so, wie er sich fühlt. Und dass man "ein Teil des Ganzen sein will", wie du sagst, ist in meinen Augen nicht die Schlussfolgerung aus "Überstülpungs"-Erfahrungen und "Lebensentwertung". Nein, ganz und gar nicht. Man empfindet das arrogante einseitige Gerede über die ständige Dankbarkeit, die man für die Kohlschen Millionen (aus welchen dunklen Quellen das Geld kommt, ist ja inzwischen bekannt) empfinden müsse, als eine larmoyante Geschichte von drüben, die halt keiner mehr hören kann. Ich würde da eher jedem Westdeutschen (also nur denen, die diese Dankbarkeit dauernd einfordern) zurufen, "let it be". Da halte ich es eher mit meiner Großmutter, die immer sagte "geschenkt ist geschenkt, da fragt man den Beschenkten nicht nach Dank und nicht danach, wofür er das Geschenk denn nun verwenden will". Kluger Satz. Und dann noch sowas wie: "Nun haben sie schon so viel Geld gekriegt von uns dieses Ossis, und da wählen sie auch noch falsch", einfach nur bescheuert. Für mich selbst käme trotz all dieser Befindlichkeiten dennoch nie in Frage, mich einer Partei zuzuwenden, die ohne Not mit faschistoiden Leuten kuschelt.


Mich hat der Einigungsvorgang eigentlich nur am Rande interessiert. Ich war selbst erst 1992 nach Deutschland gekommen und hatte mit mir selbst genug zu tun. Von den Ossis Dankbarkeit zu verlangen ist nicht meines, vor allem deswegen nicht, weil ich noch kein deutscher Staatsbürger war. Aber danach auch nicht. Nun, was "falsch wählen" anbelangt bist Du ja Expertin. Wählen ist ein Grundrecht und als Demokrat musst Du akzeptieren, dass die Leute das Recht auf eine freie und geheime Wahl haben. Es gibt also kein falsch wählen. Es gibt nur falsche Politik und daher kommen auch die Ergebnisse.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 12:45

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2019, 11:05)

Der Maßstab für mich sind Länder Ostmitteleuropas mit einem Durchschnittseinkommen von vielleicht einem Drittel von dem in Deutschland und mittlerweile ziemlich gleichen Endverbraucherpreisen. Ich sehe auch dort ganz überwiegend nicht verhärmte Kinder und unglückliche Menschen. Überhaupt nicht!

Mir ist bekannt, dass es eine ziemlich große Zahl von Menschen gibt, denen der Strom abgeschaltet wurde. Bei allen mir persönlich bekannten Fällen handelt es sich ganz klar und eindeutig um Selbstverschuldetheiten. Und die Familien, die ich kenne, wo zum Beispiel beide Eltern Ergotherapeuten sind, eine qualifizierte Tätitgkeit für einen Niedriglohn machen, Kinder haben, eine WOhnung bezahlen ... die sind auch nicht unglücklich. Die haben sich bewusst für eine solche Lebensform entschieden. Die wirklich Unglücklichen, wie gesagt, das sind exemplarisch die rumänischen Arbeiter in niedersächsischen Schlachtbetrieben. Die dafür sorgen, dass die Deutschen, denen der Strom abgestellt wurde, immer noch ein halbes Hänchen für Null komma irgendwas - nein nicht kaufen gehen! - sondern sich anliefern lassen. Vielleicht sind meine persönlichen Erfahrungen mit sozialen Gegebenheiten zu persönlich und zu begrenzt. Aber ich kenne außer Menschen mit Problemen und ohne deutschen Pass und Menschen mit deutschem Pass und selbstverschuldeten Problemen und Menschen ohne existenziellen Problemen und dann noch einigen Suchtkranken keine anderen Wirklichkeiten.


Nein, yogi61 hat schon recht. Die sozialen Probleme in diesem Land immer wegdrücken zu wollen mit dem Vergleich mit noch ärmeren Leuten im Osten, wirkt wie eine Bagatellisierung kapitalistischer Widersprüche. Insgesamt sind es keine Zustände, die man schönreden sollte, im eigenen Land genauso wenig wie in bitterarmen Ländern der Welt. Armut - ob nun absolute oder relative - ist nichts Gottgewolltes und gehört nicht einfach zum Leben dazu, wie es Leute aus der so genannten bürgerlichen Mitte des lieben Friedens wegen immer wieder predigen. Nein, das sind dringend zu überwindende Zustände. Weil sie etwas mit fehlender Chancengleichheit zu tun haben. Und nur, weil du in deiner Nachbarschaft keine echte Armut erleben musst, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt. Ich könnte dir massenhaft Gegenbeispiele bringen. Was auch gar nicht geht, das ist, Armut zu moralisieren, zum Beispiel mit "selbstverschuldet" und "unverschuldet". Das ist ein ganz übles Ding.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 12:52

Wolverine hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:36)

Mich hat der Einigungsvorgang eigentlich nur am Rande interessiert. Ich war selbst erst 1992 nach Deutschland gekommen und hatte mit mir selbst genug zu tun. Von den Ossis Dankbarkeit zu verlangen ist nicht meines, vor allem deswegen nicht, weil ich noch kein deutscher Staatsbürger war. Aber danach auch nicht. Nun, was "falsch wählen" anbelangt bist Du ja Expertin. Wählen ist ein Grundrecht und als Demokrat musst Du akzeptieren, dass die Leute das Recht auf eine freie und geheime Wahl haben. Es gibt also kein falsch wählen. Es gibt nur falsche Politik und daher kommen auch die Ergebnisse.


Nö. Wählen kann jeder, wen er will. Nur für mich selbst käme es niemals in Frage, eine Partei zu wählen, die mit faschistoiden Leuten kuschelt. So, wie ich es oben bereits schrieb. Rechtsextremisten (Flügel) sind nun mal keine Demokraten.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Zacherli » Di 3. Sep 2019, 12:55

Und wer kuschelt gehört dazu. War schon immer so.
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Skeptiker
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Skeptiker » Di 3. Sep 2019, 13:00

Alpha Centauri hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:28)

Nach Meinung der Wahlforscher lassen.die Wahlanalysen durchaus den.Schluss zu dass viele Taktik Wähler anderer Parteien ( LINKE, FDP, GRÜNE) der CDU un Sachsen der SPD in Brandenburg ihre Stimme gaben ( also nicht aus inhaltlicher Überzeugung heraus) da sie AFD als stärkste Partei verhindern wollten ( was ja auch gelungen ist) was Habeck schon bereits am Sonntagabend vermutete.

Nicht Grüne und FDP nein, Linke ja. Aber vor allem die Nichtwähler:
https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/ ... g-sachsen/

Wählerwanderung von und zur CDU:
Grüne -> CDU: 13000
CDU -> Grüne: 17000
Also 4000 zu den Grünen

Linke -> CDU: 30000
CDU -> Linke: 6000
Also 24000 zur CDU

FDP -> CDU: 13000
CDU -> FDP: 16000
Also 3000 zur FDP

Dagegen hat die CDU fast 140000 Stimmen aus den Nichtwählern mobilisiert. Das hat den Ausschlag gegeben.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon sunny.crockett » Di 3. Sep 2019, 13:07

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2019, 11:43)

Sie ist auch mitschuld an den Wahlsiegen von Kretschmer und Woidke, das mag sein.


Ja, Merkel war auch an mehreren Wahlsiegen (wie du das bezeichnest) beteiligt. In Bayern der Wahlsieg mit -10% und in Hessen mit -11% dürfte auch dem gewinnbringenden Merkel-Faktor zu verdanken sein. Da kann sich Kretschmer eigentlich nur beschweren, bei ihm fiel der Sieg nur mit -7,4% aus. Aber dafür darf er mit zwei linken Parteien koalieren, was ihm viel Spass in den nächsten 5 Jahren bescheren dürfte.

Aber ist schon schön, dass sich die Kanzlerin zu diesen Erfolgen nicht stellt und die ganzen Lorbeeren den Parteigenossen vor Ort überlässt :?
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon schokoschendrezki » Di 3. Sep 2019, 13:23

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:45)

Nein, yogi61 hat schon recht. Die sozialen Probleme in diesem Land immer wegdrücken zu wollen mit dem Vergleich mit noch ärmeren Leuten im Osten, wirkt wie eine Bagatellisierung kapitalistischer Widersprüche. Insgesamt sind es keine Zustände, die man schönreden sollte, im eigenen Land genauso wenig wie in bitterarmen Ländern der Welt. Armut - ob nun absolute oder relative - ist nichts Gottgewolltes und gehört nicht einfach zum Leben dazu, wie es Leute aus der so genannten bürgerlichen Mitte des lieben Friedens wegen immer wieder predigen. Nein, das sind dringend zu überwindende Zustände. Weil sie etwas mit fehlender Chancengleichheit zu tun haben. Und nur, weil du in deiner Nachbarschaft keine echte Armut erleben musst, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt. Ich könnte dir massenhaft Gegenbeispiele bringen. Was auch gar nicht geht, das ist, Armut zu moralisieren, zum Beispiel mit "selbstverschuldet" und "unverschuldet". Das ist ein ganz übles Ding.


Ich hab' gar nicht von "noch ärmeren Leuten im Osten" geschrieben. Ich erlebe in Ostmitteleuropa - abgesehen von bestimmten klassischen Armutsmillieus, die es genauso auch in Deutschland, Frankreich oder UK gibt - überhaupt keine Armut.

Ich bin mehrere male in der Woche auf den Bahnhöfen in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Neukölln. Und zwar nicht hinter Autofensterscheiben sondern persönlich und körperlich. Das sind nicht nur stadtweite oder regionale sondern bundesweit gesehen absolute HotSpots sozialer Probleme. Ich lebe wirklich nicht in einem Wolkenkuckucksheim. Das problematische Auseinanderdriften der Einkommens- und Vermögensverhältnisse findet am oberen Ende statt. Und das darf auch nicht wegdiskutiert werden. Das ist ja auch in einem Land wie China der Fall, wo inzwischen die soziale Ungleichheit ziemliche Weltspitze ist. Als "Weniger Arme. Mehr Ungleichheit" kann man es zusammenfassen. Keine Hungernden mehr und viele Millionäre.

Alle Umfragen zu den typischen AfD-Wählergruppen laufen auf "Der typische AfD-Wähler in Ostdeutschland ist männlich, berufstätig, mittelalt und hat einen mittleren Schulabschluss. " oder ähnlich hinaus. Wenn es die Sorge um Kinder wäre, die den Klassenausflug nicht bezahlen können ... dann muss man sich fragen, warum eigentlich nicht mehr Frauen die AfD wählen. Und wenn es die Sorgen der Arbeitslosen wären, dann muss man sich fragen, warum eigentlich der typische AfD-Wähler berufstätig ist.

Armut in Europa ist so gut wie immer relativ. Das macht sie nicht besser. ABer ganz grundsätzlich würde ich eher am oberen Ende den Veränderungsbedarf sehen.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Quatschki » Di 3. Sep 2019, 13:24

Alpha Centauri hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:28)

Nach Meinung der Wahlforscher lassen.die Wahlanalysen durchaus den.Schluss zu dass viele Taktik Wähler anderer Parteien ( LINKE, FDP, GRÜNE) der CDU un Sachsen der SPD in Brandenburg ihre Stimme gaben ( also nicht aus inhaltlicher Überzeugung heraus) da sie AFD als stärkste Partei verhindern wollten ( was ja auch gelungen ist) was Habeck schon bereits am Sonntagabend vermutete.

Es ist keine Taktik, die vorher kommuniziert worden wäre. Deshalb glaube ich nicht daran.
Für Anhänger der Grünen und Linken ging es darum, ihre Parteien für eine eventuelle Regierungsbeteiligung stark zu machen, für die FDP darum, überhaupt 5% zu schaffen.
Welchen Sinn hätte es da gemacht, die Stimme dem politischen Kontrahenten zu geben? Noch dazu für einen rein symbolischen Akt?
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Selina
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 13:46

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Sep 2019, 13:23)

Ich hab' gar nicht von "noch ärmeren Leuten im Osten" geschrieben. Ich erlebe in Ostmitteleuropa - abgesehen von bestimmten klassischen Armutsmillieus, die es genauso auch in Deutschland, Frankreich oder UK gibt - überhaupt keine Armut.

Ich bin mehrere male in der Woche auf den Bahnhöfen in Berlin-Lichtenberg und Berlin-Neukölln. Und zwar nicht hinter Autofensterscheiben sondern persönlich und körperlich. Das sind nicht nur stadtweite oder regionale sondern bundesweit gesehen absolute HotSpots sozialer Probleme. Ich lebe wirklich nicht in einem Wolkenkuckucksheim. Das problematische Auseinanderdriften der Einkommens- und Vermögensverhältnisse findet am oberen Ende statt. Und das darf auch nicht wegdiskutiert werden. Das ist ja auch in einem Land wie China der Fall, wo inzwischen die soziale Ungleichheit ziemliche Weltspitze ist. Als "Weniger Arme. Mehr Ungleichheit" kann man es zusammenfassen. Keine Hungernden mehr und viele Millionäre.

Alle Umfragen zu den typischen AfD-Wählergruppen laufen auf "Der typische AfD-Wähler in Ostdeutschland ist männlich, berufstätig, mittelalt und hat einen mittleren Schulabschluss. " oder ähnlich hinaus. Wenn es die Sorge um Kinder wäre, die den Klassenausflug nicht bezahlen können ... dann muss man sich fragen, warum eigentlich nicht mehr Frauen die AfD wählen. Und wenn es die Sorgen der Arbeitslosen wären, dann muss man sich fragen, warum eigentlich der typische AfD-Wähler berufstätig ist.

Armut in Europa ist so gut wie immer relativ. Das macht sie nicht besser. ABer ganz grundsätzlich würde ich eher am oberen Ende den Veränderungsbedarf sehen.


Die Kinder- und Altersarmut in Deutschland ist objektiv vorhanden und lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren. Auch wenn das Gesicht der Armut heute nicht mehr so manchesterkapitalistisch aussieht, so gibt es sie doch. Frag den Arche-Gründer Siggelkow, der kann Sachen erzählen, gerade auch aus Berlin-Marzahn, da schlackern einem die Ohren. Und nein, die Kinder, die ohne Frühstück zur Schule gehen (es werden immer mehr), haben nicht nur Eltern, die alles versaufen und verrauchen und sich nicht kümmern, wie es bestimmte selbst gut betuchte Leute immer wieder kolportieren. Nein, die Ursachen sind vielfältig. Sie nur als persönliches Versagen oder gar als "Schuld" zu beschreiben, ist grundfalsch. Da liegt schon strukturell und systembedingt unheimlich was im Argen. Das Ergebnis: Armut, Krankheit, Chancenungleichheit. Und die Entscheidung, die AfD zu wählen, hab ich im Moment gar nicht mit der Armutsgeschichte in Verbindung gebracht. Ja, da wirken andere Bedingungen und Motive viel mehr. Ich fand einfach die yogi61-Beschreibung ziemlich treffend und wollte nur deiner Entgegnung - trotz sonstiger Übereinstimmungen - widersprechen. Die Einkommens- und Vermögensschere wirkt sich immer noch am meisten auf die "ganz unten" aus.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Wolverine » Di 3. Sep 2019, 14:05

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:52)

Nö. Wählen kann jeder, wen er will. Nur für mich selbst käme es niemals in Frage, eine Partei zu wählen, die mit faschistoiden Leuten kuschelt. So, wie ich es oben bereits schrieb. Rechtsextremisten (Flügel) sind nun mal keine Demokraten.


Schon wieder falsch. DU selbst spielst bei der Betrachtung keine Rolle. Dein Empfinden eben so wenig. Und wenn die Leute nicht wählen, was Deiner Ansicht nach gut wäre, dann machst Du alle zu Faschisten. So einfach geht es nun auch nicht. Du kannst und wirst auch niemandem vorschreiben, wen er zu wählen hat. Das ist Sinn und Zweck von geheimen und freien Wahlen. Dass Du damit ein Problem hast wissen wir ja inzwischen alle. :)
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon MäckIntaier » Di 3. Sep 2019, 14:20

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:32)

Genauso siehts aus. In Sachsen etwa sollen über 30.000 Stamm-Linken-Wähler andere Parteien gewählt haben, um die rechtsradikale AfD nicht gewinnen zu lassen. So hat sich halt eine edle Absicht am Ende so negativ für die Linke selbst ausgewirkt.


Das würde die Auffassung stützen, dass Politik heute nur noch auf dem semantischen Feld und als Anti-Rechts-Politik betrieben wird, wogegen positive politische Inhalte keine Rolle mehr spielen. Das macht aus dem Wähler letztendlich im allerbesten Fall einen edlen Narren.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Wolverine » Di 3. Sep 2019, 14:24

MäckIntaier hat geschrieben:(03 Sep 2019, 14:20)

Das würde die Auffassung stützen, dass Politik heute nur noch auf dem semantischen Feld und als Anti-Rechts-Politik betrieben wird, wogegen positive politische Inhalte keine Rolle mehr spielen. Das macht aus dem Wähler letztendlich im allerbesten Fall einen edlen Narren.


Gut erkannt.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Gen_Y » Di 3. Sep 2019, 14:32

DarkLightbringer hat geschrieben:(03 Sep 2019, 12:02)

Jetzt gibt es 6 Parteien und 3 koalieren. So dramatisch ist das nicht, wie viele tun.


Die CDU hat erst die FDP und jetzt die SPD verheizt. Die Grünen sollten daraus lernen und ihre Themen durchbringen. Wenn die auch nur ein Steigbügelhalter für die Union sind, dann kann die AfD in fünf Jahren aus dem vollen Schöpfen.
Regieren, nur um zu regieren, ist nicht mehr zeitgemäß.

Für Sachsen:

- Raus aus der Braunkohle.
- Neue Ankerzentren in Chemnitz und Leipzig.
- Kostenlose Kita.

Wenn Kretschmer weiterhin blockt, dann sollten die Grünen nicht in die Koalition gehen. Dann bliebe immer noch die Minderheitenregierung.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Selina » Di 3. Sep 2019, 14:51

Wolverine hat geschrieben:(03 Sep 2019, 14:05)

Schon wieder falsch. DU selbst spielst bei der Betrachtung keine Rolle. Dein Empfinden eben so wenig. Und wenn die Leute nicht wählen, was Deiner Ansicht nach gut wäre, dann machst Du alle zu Faschisten. So einfach geht es nun auch nicht. Du kannst und wirst auch niemandem vorschreiben, wen er zu wählen hat. Das ist Sinn und Zweck von geheimen und freien Wahlen. Dass Du damit ein Problem hast wissen wir ja inzwischen alle. :)


Wen meinst du nur immer mit "wir alle"? Ich schreibe niemandem was vor. Ich selbst kann nur einfach dieses rechtsextremistische völkische Zeuchs nicht ausstehen. Und das werde ich auch immer wieder sagen.
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Re: Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen 2019

Beitragvon Klopfer » Di 3. Sep 2019, 15:00

Selina hat geschrieben:(03 Sep 2019, 14:51)

Wen meinst du nur immer mit "wir alle"? Ich schreibe niemandem was vor. Ich selbst kann nur einfach dieses rechtsextremistische völkische Zeuchs nicht ausstehen. Und das werde ich auch immer wieder sagen.

Recht so....äh links so :thumbup:

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