Sammelstrang Musik

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Progressiver
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

BlueMonday hat geschrieben:(10 Jan 2020, 15:00)

Man stelle sich solche Diskussionen mal bei der Malerei vor, wie man dann darüber diskutiert, wie hart das Pinselhaar sein sollte, ob es aus Naturhaar (und dann von welchem Tier es stammen soll) oder ob doch nicht Kunsthaar besser wäre, aus welchem Holz die Palette des Meisters sein sollte, welcher Verdünner am besten verwendet werde, bei welchem Hersteller man die Leinwand und Farben am besten ordern solle, ob man sich streng an einem Fadengitter orientieren oder sich lieber ganz frei betätigen solle...

Sicherlich, das Handwerk ist unausweichlich zur Manifestation und auch eine "Kunst", aber das Eigentliche ist die immaterielle Idee dahinter und dann später die Perzeption des Geschaffenen, der Konsum, das Verzehren.
Ich finde, dass man die Malerei nicht mit der Musik vergleichen kann. Und sollte. Bei der Malerei will doch jeder gleich etwas eigenes erschaffen, oder? Um Musik machen zu können, muss man sich allerdings erst die entsprechenden Techniken erarbeiten. Und dies geht nur, wenn man versucht, bekannte Lieder absolut genau zu kopieren. Dafür gibt es dann ja auch die Notenbücher bzw. die Tabs bei Gitarristen. Und erst, wenn man sich so eine bestimmte Anzahl von Liedern erarbeitet hat plus Musiktheorie etc., dann kann man auch kreativ werden und die Lieder gekonnt in andere Musikstile abwandeln bzw. ihnen eine andere individuelle Note verpassen. Und auch das Selber Schreiben von Liedern -also textlich wie melodiemäßig- setzt eine gewisse musikalische Vorbildung voraus. Und viele Musiker wollen ja zunächst mal für eine lange Zeit noch gar nicht eigene Lieder schreiben und darbieten, sondern den gecoverten Originalen so nahe wie möglich kommen. So kommt es also insbesondere bei Gitarristen immer wieder zu Fachdiskussionen, mit welcher Gitarre, welchem Verstärkertyp und welchen Soundeffekten man dem Original am nähesten kommt.

Von elektronischer Musik kenne ich dies nicht. Diese irritiert mich sowieso spätetestens seit dem Zeitraum, als ich Techno als Musikform kennenlernen durfte. Meiner Einschätzung nach sind viele der Anhänger solcher Musik nur am passiven Konsum interessiert. Ich dagegen will auch selbst aktiv Musik machen können. Und auch unter anderem die emotionale Verkümmerung irritiert mich. Musik kann so viele Spielarten von Emotionen ausdrücken! Man kann die Taktart ändern oder den Rhythmus. Man kann sich zwischen Dur und Moll entscheiden. Und auch die Liedtexte können viel ausdrücken von Melancholie und Trauer bis harter Aggression. Und auf einem gelungenem Musikalbum schafft es eine Band auch, möglichst abwechslungsreich zu klingen. Wenn ich dagegen an das Techno der 1990er denke, dann erinnere ich mich nur an die gleichen monotonen Beats im immergleichen Tempo. Und auch die textliche Finesse, wenn überhaupt vorhanden, beschränkte sich auf Minimalismus pur.

Moderne elektronische Popmusik mag da wiederum etwas anders sein. Aber was ich auch sagen will, ist: Musik lebt nicht nur vom passiven Konsum, sondern auch davon, dass sie bei entsprechendem eigenem Können gecovert und nachgespielt werden kann. Ich zum Beispiel bin ja eigentlich kein Fan von Metallica. Als ich mir aber mit der Hilfe meines Gitarrenlehrers das Intro des Liedes "The Unforgiven" erarbeitet hatte, war ich sehr stolz. Ich hoffe, ich erreiche mal ein technisches Level, dass ich beispielsweise dieses Lied ganz nachspielen kann. Aber wäre so etwas bei synthetisch hergestellter Musik vorstellbar, die nur mit der Hilfe von Computerprogrammen entwickelt wurde? Wie spielt man die nach? Wie entwickelt sich der Stolz, etwas nachspielen zu können? Und wie bleibt solch ein Computersound nachhaltig hängen, wenn man ihn nicht noch nach Jahren nachspielen will und kann? Stirbt ein Lied nicht einen viel schnelleren Tod des Vergessens, wenn niemand es nachspielen kann und will, weil die Zuhörer diese Art von Musik immer nur passiv konsumieren? Und wird dieses immer nur passiv konsumierte Lied dann nicht wie eine Ware bzw. ein Wegwerfprodukt behandelt, welches bei der nächsten Gelegenheit durch etwas neueres ersetzt wird? Was sagt Musik überhaupt aus? Sollte man Musik nicht als Kunstform betrachten und versuchen, sich mit ihrer Hilfe künstlerisch auszudrücken?
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Ein Terraner
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Ein Terraner »

Progressiver hat geschrieben:(14 Jan 2020, 18:56)

Ich finde, dass man die Malerei nicht mit der Musik vergleichen kann.
Echt?

https://musescore.com/user/27529630/scores/5073302

P.S. wieso glaubst du eigentlich das man Malen nicht erlernen muss? Genau wie das lernen eines Instrumentes muss man auch den Umgang mit Farben erlernen.
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H2O
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von H2O »

Aber wäre so etwas bei synthetisch hergestellter Musik vorstellbar, die nur mit der Hilfe von Computerprogrammen entwickelt wurde? Wie spielt man die nach?
Wenn man bedenkt, daß Rechner nur das tun können, was ein Mensch ihnen ermöglicht, dann ist doch der Abstand zu einem herkömmlichen Musikinstrument nicht mehr so groß.

Einige Beiträge vorher hatte ich auf ein neuartiges elektronisches Instrument hingewiesen, das die Wirkung von Wischbewegungen in Bestandteile von Musik umsetzt. Mit der Klangerzeugung setzt ein solches Instrument eine Fülle von mathematisch wohldefinierten Abläufen in Gang, die in Ihrem klassischen Instrument durch Handwerk und Physik fest vorgegeben sind. Wenn Sie bei einem besonders meisterlich aufgebauten elektronischen Instrument eine Geige "perfekt" nachbilden können, dann sollte es möglich sein, bei entsprechender Übung damit anrührende Musikstücke nach zu spielen. Der Künstler weiß eben, wie er diese Klangwirkung aus seinem elektronischen Instrument heraus zaubert, so wie der Geigenspieler das mit seinem klassischen Instrument eingeübt hat. Also, in meiner "Theorie" müßten beide Künstler ein klassisches Duett meisterlich darbieten können.

Wenn das elektronische System allerdings Klänge und Töne erzeugt, die mit einem klassischen Instrument nicht möglich sind, dann wird der Vergleich der unterschiedlichen Künstler schwierig. Mir ist dann ihr Gedanke sehr verständlich, wenn sie von "nicht nachspielbar" sprechen... allenfalls auf diesem Instrumententyp. Damit sage ich sowenig wie Sie, daß dahinter kein künstlerischer Ausdruck verborgen sein könnte. Aber kaum zu fassen und noch weniger vielleicht singend und summend dar zu bieten.

Während ich also mit meinem Beitrag einerseits ein erfreuliches Miteinander in einem Duett dazu benutzt habe, diese elektronische Kunst mit der klassischen Kunst zusammen zu führen, sehe ich den Vergleich synthetischer Klänge schon im Abseits, wenn der Mensch sie nicht singend oder summend begleiten kann. Dabei spreche ich dem Künstler den künstlerischen Gestaltungswillen gar nicht ab, sehe aber auch, daß er sich mit seinem Instrument auf einer einsamen Insel befindet.
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schokoschendrezki
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von schokoschendrezki »

Zurück zur Musik. Um die (erst 18jährige) amerikanische Singer-Songwriterin Billie EIlish gibt es momentan einen ziemlichen medialen Hype. Um es vorsichtig zu sagen. Ich war von diesem bislang vollständig unbeleckt und hab' mir mal einige Titel dementsprechend unvoreingenommen angehört (bzw. die Videos mit angesehen). Aus meiner Sicht: Vollkommen berechtigt! Das erste was mir dazu einfiel war der Gedanke, es könnte sich um die weibliche Variante des ins Jahr 2019 gebeamten nur wenig älteren David Bowie aus der Zeit um 1970 handeln. :) Der war übrigens auch geprägt von dem Bewusstsein, einer Familie mit mehreren Psychose-Personen zu kommen.
Die musiktechnischen, gesangstechnischen Fähigkeiten der Billie Eilish sind nicht das Wesentliche (sondern ohnehin immer Notwendige) ... das Besondere besteht in der unmittelbaren musikalischen Suggestivkraft ihrer Songs. Die vermutlich - wie bei Bowie - darin begründet liegt, dass grundsätzlich alle gängigen (Erfolgs-)Muster vermieden werden. Dass einem vermeintlichen oder tatsächlichen Trend in keinster Weise hinterhergelaufen wird. In der Musik selbst wie auch in der optischen Umsetzung. Ich bin auch nicht der einzige (außerhalb ihrer Generation), der da völlig überrascht und hingerissen ist. Weniger übrigens von dem Megaerfolgstitel "Bad Guy" und vielmehr von "When the Party's Over".
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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BlueMonday
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Weiß nicht, Billie Eilish klingt für mich eher wie schon einige Male gehört, halt diese Singer-Songwriter*innen-Kiste, wie schon unzählige davor probiert. Hier halt als perfekte Collage mit Punktlandung.
Das, wonach alle gesucht haben, mit so einem kleinen visuellen Mansontwist als visueller Aufhänger drin. Und dann sauber poliert und produziert bis zum dorthinaus. Das macht dann den Unterschied zwischen 7 oder 70 Millionen yt-views und 700+ Millionen. Weiter tiefer im Untergrund gibt es einen Ozean an brauchbaren Versatzstücken, nur die wenigsten kommen als Ganzes nach oben an die Oberfläche der wetweite Bekanntheit. Da waren schon Leute am Werk, die es ganz genau wussten, was -weltweit- läuft und die tief gegraben und genau zugehört und zugesehen haben. Kontinuität würde man es in der Politik nennen :).
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Juan
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Juan »

billie eilish... klingt modernisch. ;-) Aber wie BlueMonday sagt, alles ist auf die eine oder andere Weise schon dagewesen. Schliesst man auf die Anzahl von klicks auf youtube, scheint dieser Sound jedoch breiten Anklang zu finden. Vor allem gut finde ich das Arrangement und zusammen mit der Band und den Technikern im Studio trägt es ebensoviel zum Erfolg des Songs "when the party's over" bei, da die Stimme von Billie ja nicht unbedingt umwerfend ist... wobei das natürlich Geschmacksache ist. Insgesammt aber ein interessantes Klangwerk. :-)
Die live Aufnahme im Duo mit dem Pianisten zeigt was ich meine, betreffs der Wichtigkeit des Pianisten und seiner Stimme im Song.
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Progressiver
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ein Terraner hat geschrieben:(16 Jan 2020, 23:29)

Echt?

https://musescore.com/user/27529630/scores/5073302

P.S. wieso glaubst du eigentlich das man Malen nicht erlernen muss? Genau wie das lernen eines Instrumentes muss man auch den Umgang mit Farben erlernen.
Vielleicht habe ich mich zu undeutlich ausgedrückt. Natürlich muss man auch den Umgang mit den Farben und dem Pinsel lernen. Trotzdem besteht meines Erachtens ein Unterschied: Beim Malen kann man sich ein Motiv aussuchen. Und dann kann man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Dies schon in einem relativ frühen Stadium. Wenn ich ein Instrument erlerne, dann geschieht dies in der Regel anhand von bekannten Liedern. Natürlich gibt es auch Technikübungen, Musiktheorie usw. Während ein Maler aber dem Kunstwerk ein individuelles Profil geben darf, muss ich beim Covern eines Liedes penibel darauf achten, dass ich jede einzelne Achtelnote und jede Pause beim Nachspielen exakt kopiere. Und erst, wenn jemand besser ist, kann er ein bestimmtes Lied individuell vertonen. Und manche kommen erst nach Jahren intensiven Abarbeitens an Coversongs auf die Idee, ihre eigenen Lieder zu entwickeln.

Ich finde, beim Malen ist man da etwas freier bei der Ausgestaltung eines Kunstwerks. Ein Musiker in einer Coverband muss dagegen erst lernen, ein Lied anhand von einem Notenbuch bzw. mit Hilfe einer Tabulatur bei Gitarristen, immer wieder zu dem gleichen Ergebnis zu kommen. Ein Lied wird erlernt. Und als gelungene Kunst wird es gewertet, wenn es immer wieder perfekt nachgespielt wird. Jede Note muss stimmen. Man muss im Takt bleiben. Und wenn jemand in einer Coverband spielt, dann müssen sich alle aufeinander abstimmen. Dies gilt für einfache Rocksongs. Aber auch in der klassischen Musik mit den bekannten Quartetts wird enorm darauf geachtet, dass die Ideen des Komponisten exakt wiedergegeben werden.

Wollte man so etwas in der Malerei versuchen, dann würde man wohl bei einem Andy Warhol landen. Meines Wissens hat dieser auch Pop-Art-Kunstwerke geschaffen, die er jeweils unzählige Male vervielfältigt hatte. Oder man landet irgendwo im frühen Zwanzigsten Jahrhundert bei Menschen, die ihr ganzes Leben in der damaligen Psychiatrie verbrachten und teilweise auch immer nur immer wieder das gleiche Motiv malen konnten. Also beispielsweise immer wieder ein Selbstportrait. Für so etwas wurde man früher für verrückt gehalten und weggesperrt. Als Musiker von Coversongs muss man sich dagegen sehr oft zunächst einmal sklavisch an die Regel halten, dass jedes Lied vom ersten bis zum letzten Taktzeichen exakt nachgespielt wird. Vor allem darf man sich nicht verspielen. Wenn man dann besser ist, dann kann man dann immer noch eine eigene Interpretation eines Liedes abliefern. Beispiele dafür finden sich unzählige. Aber trotz allem muss der Musiker auch hier darauf achten, dass er dem Lied vielleicht einen anderen Ton gibt. Oder aber es in einer anderen Tonart spielt, von 4/4-Takt zu 3/4-Takt wechselt oder es in einem anderen Musikstil wiedergibt. Wenn der Musiker sich dagegen unabsichtliche Fehler leistet, weil er die Töne nicht trifft, dann hat er zu wenig geübt. Solange ich zum Beispiel nur für mich oder meinen Gitarrenlehrer bestimmte Lieder oder Teile davon einübe, ist das nicht schlimm. Würde ich dagegen ein unperfekt gespieltes Lied bei Youtube hochladen, dann wären mir die Verrisse sicher.

Beim Malen darf man sich auch noch korrigieren. Was zählt, das ist das Endprodukt. Schließlich wird ja auch kaum vor Publikum gemalt. Wer dagegen ein Lied einübt, der muss es bei beispielsweise einem Auftritt perfekt draufhaben. Und diese Perfektion muss im Ernstfall ohne Netz und doppelten Boden auch vor jedwedem Publikum dargebracht werden können, wenn man Konzerte gibt. Ansonsten schaut einem das Publikum dabei zu, wie man sich live blamiert, weil man sich total verspielt hat.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Ein Terraner »

Progressiver hat geschrieben:(09 Feb 2020, 00:39)

Vielleicht habe ich mich zu undeutlich ausgedrückt. Natürlich muss man auch den Umgang mit den Farben und dem Pinsel lernen. Trotzdem besteht meines Erachtens ein Unterschied: Beim Malen kann man sich ein Motiv aussuchen. Und dann kann man seiner eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Dies schon in einem relativ frühen Stadium. Wenn ich ein Instrument erlerne, dann geschieht dies in der Regel anhand von bekannten Liedern. Natürlich gibt es auch Technikübungen, Musiktheorie usw. Während ein Maler aber dem Kunstwerk ein individuelles Profil geben darf, muss ich beim Covern eines Liedes penibel darauf achten, dass ich jede einzelne Achtelnote und jede Pause beim Nachspielen exakt kopiere. Und erst, wenn jemand besser ist, kann er ein bestimmtes Lied individuell vertonen. Und manche kommen erst nach Jahren intensiven Abarbeitens an Coversongs auf die Idee, ihre eigenen Lieder zu entwickeln.

Ich finde, beim Malen ist man da etwas freier bei der Ausgestaltung eines Kunstwerks. Ein Musiker in einer Coverband muss dagegen erst lernen, ein Lied anhand von einem Notenbuch bzw. mit Hilfe einer Tabulatur bei Gitarristen, immer wieder zu dem gleichen Ergebnis zu kommen. Ein Lied wird erlernt. Und als gelungene Kunst wird es gewertet, wenn es immer wieder perfekt nachgespielt wird. Jede Note muss stimmen. Man muss im Takt bleiben. Und wenn jemand in einer Coverband spielt, dann müssen sich alle aufeinander abstimmen. Dies gilt für einfache Rocksongs. Aber auch in der klassischen Musik mit den bekannten Quartetts wird enorm darauf geachtet, dass die Ideen des Komponisten exakt wiedergegeben werden.

Wollte man so etwas in der Malerei versuchen, dann würde man wohl bei einem Andy Warhol landen. Meines Wissens hat dieser auch Pop-Art-Kunstwerke geschaffen, die er jeweils unzählige Male vervielfältigt hatte. Oder man landet irgendwo im frühen Zwanzigsten Jahrhundert bei Menschen, die ihr ganzes Leben in der damaligen Psychiatrie verbrachten und teilweise auch immer nur immer wieder das gleiche Motiv malen konnten. Also beispielsweise immer wieder ein Selbstportrait. Für so etwas wurde man früher für verrückt gehalten und weggesperrt. Als Musiker von Coversongs muss man sich dagegen sehr oft zunächst einmal sklavisch an die Regel halten, dass jedes Lied vom ersten bis zum letzten Taktzeichen exakt nachgespielt wird. Vor allem darf man sich nicht verspielen. Wenn man dann besser ist, dann kann man dann immer noch eine eigene Interpretation eines Liedes abliefern. Beispiele dafür finden sich unzählige. Aber trotz allem muss der Musiker auch hier darauf achten, dass er dem Lied vielleicht einen anderen Ton gibt. Oder aber es in einer anderen Tonart spielt, von 4/4-Takt zu 3/4-Takt wechselt oder es in einem anderen Musikstil wiedergibt. Wenn der Musiker sich dagegen unabsichtliche Fehler leistet, weil er die Töne nicht trifft, dann hat er zu wenig geübt. Solange ich zum Beispiel nur für mich oder meinen Gitarrenlehrer bestimmte Lieder oder Teile davon einübe, ist das nicht schlimm. Würde ich dagegen ein unperfekt gespieltes Lied bei Youtube hochladen, dann wären mir die Verrisse sicher.

Beim Malen darf man sich auch noch korrigieren. Was zählt, das ist das Endprodukt. Schließlich wird ja auch kaum vor Publikum gemalt. Wer dagegen ein Lied einübt, der muss es bei beispielsweise einem Auftritt perfekt draufhaben. Und diese Perfektion muss im Ernstfall ohne Netz und doppelten Boden auch vor jedwedem Publikum dargebracht werden können, wenn man Konzerte gibt. Ansonsten schaut einem das Publikum dabei zu, wie man sich live blamiert, weil man sich total verspielt hat.
Ne das kann ich nicht nachvollziehen, natürlich versucht man an Anfang Lieder entsprechend nachzuspielen oder auf sein Instrument "umzubauen". Aber man fängt eigentlich recht früh damit an darauf los zu spielen und rumzuprobieren.
Ich sehe da keinen Unterschied zur Malerei, vielleicht im produzierten Müll in Form von vollgeschmierten Leinwänden. Und glaub mir, mit einer Übungsmalerei würde niemand auf Youtube hausieren gehen. ;)

P.S. Probiere es doch einfach mal aus und fang an ein Instrument zu spielen.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ein Terraner hat geschrieben:(09 Feb 2020, 00:58)

Ne das kann ich nicht nachvollziehen, natürlich versucht man an Anfang Lieder entsprechend nachzuspielen oder auf sein Instrument "umzubauen". Aber man fängt eigentlich recht früh damit an darauf los zu spielen und rumzuprobieren.
Ich sehe da keinen Unterschied zur Malerei, vielleicht im produzierten Müll in Form von vollgeschmierten Leinwänden. Und glaub mir, mit einer Übungsmalerei würde niemand auf Youtube hausieren gehen. ;)

P.S. Probiere es doch einfach mal aus und fang an ein Instrument zu spielen.
Also, wenn nichts dazwischen kommt wie Schulferien, Krankheit oder ähnliches, dann habe ich jede Woche einmal Gitarrenunterricht. Davor hatte ich es jahrelang vergeblich versucht, mir als Autodidakt das Instrument überwiegend selbst beizubringen. Und auch mit meinem aktuellen Gitarrenlehrer musste ich mich erst zusammenfinden. Seit über einem Jahr übe ich mit ihm die Liedstücke aus der "Schule der Rockgitarre" von Andreas Scheinhütte. Die "Lagerfeuerakkorde" sowie Powerchords oder Barreegriffe musste er mir nicht beibringen. Mit der Hilfe von diesem Buch war es mir aber auch möglich, kurze Liedstücke nicht nur zu begleiten, sondern auch die Melodieführung hinzukriegen. Und ganz wichtig: Er konnte mir die Angst vor dem Noten lesen lernen nehmen! Was da noch möglich sein wird, wird sich zeigen. Ein "Gitarrengott" wird aus mir nie werden. Wenn ich ehrlich sein kann, dann bin ich auch nur gewissermaßen ein Halbblutgitarrist, da ich auch noch andere Hobbies und Interessen habe, die auch zu ihrem Recht kommen wollen. Aber mein Gitarrenlehrer meinte in der letzten Stunde, dass wir in dem Lehrbuch schon ziemlich schnell ziemlich weit gekommen sind. Natürlich ist auch die Motivation bei mir nicht immer gleich stark. Wenn ich da aber am Ball bleibe, dann werde ich sicher bescheidene Erfolge feiern dürfen. Und Spaß sollte es ja auch machen dürfen.

Ich weiß jedenfalls auch aus der eigenen Übungspraxis, was es heißt, aktiv ein Instrument zu erlernen. Und deswegen bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, diesen Thread zu starten. Ich muss aber auch sagen, dass ich auch so sehr audiophil veranlagt bin. Ich kaufe mir pro Jahr wohl vergleichsweise viele CDs. Die Musik, die dagegen auf den verschiedenen Radiosendern kommt, die liegt mir überhaupt nicht. Hauptsächlich muss ich aber sagen, dass ich auf Musik mit Saiteninstrumenten stehe. Und hier insbesondere natürlich auf E-Gitarrenmusik. Da bin ich dann aber offen für verschiedene Musikrichtungen. Von Hardrock, Punkrock über Blues und Folk bis hin zu Bluegrass, Funk, ein ganz klein wenig Jazz bis hin zu Liedern der Band Metallica reicht mein Musikgeschmack. Komischerweise kenne ich keinen Radiosender, den ich auf der Arbeit einstellen könnte, der so etwas bringt. Na ja. Da werde ich eben zum musikalischen Selbstversorger und versuche immer wieder, neue Bands und Künstler zu entdecken.

Welches Instrument kannst du denn spielen bzw. hast es erlernt?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Ein Terraner »

Progressiver hat geschrieben:(28 Feb 2020, 19:45)

Welches Instrument kannst du denn spielen bzw. hast es erlernt?
So richtig keines, aber ich hab als ich jünger viel mit Schlagzeug und Percussion rum probiert. Und seit einem Jahr lerne ich autodidaktisch Cello bzw. E-Cello, Noten lernen war relativ schnell erlernt, vom Blatt spielen klappt noch nicht so. :D Ich hab mir ein Haufen Notenbücher für Cello zugelegt und kämpfe mich da durch, ist aber alles recht angenehme Film oder Rock Musik. Und natürlich YouTube, wie ging das früher nur ohne.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ein Terraner hat geschrieben:(29 Feb 2020, 00:16)

So richtig keines, aber ich hab als ich jünger viel mit Schlagzeug und Percussion rum probiert. Und seit einem Jahr lerne ich autodidaktisch Cello bzw. E-Cello, Noten lernen war relativ schnell erlernt, vom Blatt spielen klappt noch nicht so. :D Ich hab mir ein Haufen Notenbücher für Cello zugelegt und kämpfe mich da durch, ist aber alles recht angenehme Film oder Rock Musik. Und natürlich YouTube, wie ging das früher nur ohne.
Na dann viel Erfolg! Es gibt ja wohl bei jedem Instrument Leute, die sich als Autodidakten das Spielen beibringen können. Mich selbst zähle ich, wie gesagt, nicht so sehr dazu. In meiner "Karriere" als Autodidakt konnte ich mir zwar die "Lagerfeuerakkorde" und Barreeakkorde und die sogenannten Powerchords beibringen, die das Spiel irgendwie rockiger machen. Aber ich hielt mich jahrzehntelang fälschlicherweise für zu dumm, um das Spielen nach Noten erlernen zu können. Vielleicht habe ich auch am Anfang wirklich die falschen Bücher gehabt und das System dahinter nicht durchschaut. Am Schluss wusste ich aber, dass reine Technikbücher einen nicht weiter bringen. Ich wollte Lieder spielen. Ich besitze jetzt jedenfalls auch unzählige Notenbücher. Als ich meinen Gitarrenlehrer getroffen habe, mussten wir folglich auch erst einmal fast ein Jahr zusammenarbeiten, bis wir einen gemeinsamen Nenner gefunden hatten. Er wollte mir nach der "Rockschool Exam"-Methode Lieder beibringen, mit denen ich dann quasi international anerkannte Fähigkeitsstufen erreichen hätte können. Ich dagegen hatte daneben eine Liste mit Liedern aus meinen unzähligen Notenbüchern, die ich unbedingt erlernen wollte. Das gute daran, dass wir jetzt zu dem Buch "Schule der Rockgitarre" gefunden hatten, war also, dass ich quasi noch einmal von der Pike und nach Noten von Grund auf alles systematisch erlernen konnte. Also das Melodiespiel, die Akkordbegleitung, Musiktheorie, Technik usw. Mir hat das alles sehr viel gebracht, denn ich selbst wusste davor nicht, wie ich die verschiedenen Themenbereiche zusammendenken hätte können. Oder kurz gesagt: Ich mache mit der Hilfe meines Gitarrenlehrers viel mehr Fortschritte. Und auch viel schneller. Ich hätte vorher zum Beispiel auch nie gedacht, dass man den Gitarrenhals beim Melodiespiel anders halten muss als beim Greifen der Akkorde. Ehrlich gesagt, hätte ich mich auch beim Melodiespiel krampfhaft am Gitarrenhals festgehalten. Um die einzelnen Noten schneller spielen zu können, muss man den Gitarrenhals aber viel lockerer und weiter unten halten. Von alleine wäre ich da wohl nie drauf gekommen.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ich hätte da mal eine andere Frage:

Kann mir vielleicht jemand die Logik von Nichtgitarristen erklären?

Bei mir ist diese Woche folgendes vorgefallen: Da ich im Moment genug Geld hätte, um mir eine neue E-Gitarre zu leisten, habe ich in einem Telefonat mit meiner Mutter zu erörtern versucht, ob und wann ich diesen Kauf tätigen will. Mein Bruder, der gerade bei meinen Eltern zu Besuch war, meinte im Hintergrund nur: "Aber du wirst doch dann deine anderen Gitarren verkaufen, wenn du dir eine neue zulegst, nicht wahr?"

Genau diese Logik ist es aber, die ich nicht verstehe: Wieso muss man als Gitarrist nur eine einzige Gitarre besitzen dürfen? Bei einigen Youtube-Gitarristen habe ich es auch schon gesehen, dass ihre Ehefrau im Hintergrund meinte, als sie sich mal wieder eine neue Gitarre gönnen wollten: "Aber du wirst dann dafür eine andere Gitarre verkaufen, nicht wahr?" Nun gibt es ja genug Gitarristen, die an G.A.S. leiden. Also an Gear Aquirement Syndrome. Diese sind nur zufrieden zu stellen, wenn sie sich immer mehr Gitarren und Zubehör leisten können. Bzw. genauer: Nicht sie selbst leiden, sondern nur der eigene Kontostand. Und so bin ich ja nicht gerade gestrickt. Ich selbst bin voll auf der Linie meines Gitarrenlehrers, der neulich meinte: "Mit Gitarren ist es wie mit Frauen. Man sollte nicht allzu viele von ihnen haben. Denn wenn man sich einer widmet, dann vernachlässigt man gleichzeitig alle anderen." Mein Gitarrenlehrer besitzt im Übrigen dreißig Gitarren. Und er ärgert sich jedes Mal, wenn er bemerkt, dass er eine bestimmte Gitarre jetzt monatelang verstauben ließ, weil er auf seinen anderen Gitarren gespielt hat.

Klar ist: Wer dreißig Gitarren besitzt, der kann nicht dreißig Mal besser spielen als jemand, der nur eine oder drei zur Verfügung hat. Aber wenn jemand wirklich nur eine einzige Gitarre besitzt, für den wird es dann doch etwas schwieriger. Eine Gitarre ist meines Erachtens wie ein Werkzeug, mit dem man Musik machen kann. Es gibt sie in unterschiedlichen Farben und Formen. Und nicht alle sind für jeden Musikstil gleichermaßen geeignet. Manche haben dicke Seiten. Andere dagegen dünnere. Bestimmte Typen haben einen längeren Hals. Andere einen kürzeren. Eine Telecaster kriegt beispielsweise einen ihr eigenen "Twang" hin, während eine Stratocaster von der Klangfarbe eher glockenähnlich klingt. Es gibt E-Gitarren mit Humbuckern, die einen eher weichen, runden Ton rüber bringen. Andere wie die Stratocaster oder die Telecaster haben dagegen nur Single Coil Units. Und letztendlich haben bestimmte Gitarrentypen noch ein Tremolosystem. Andere aber nicht.

So wie es verschiedene Weinsorten gibt, so gibt es eben auch verschiedene Gitarrentypen. So wie manche Frauen hundert Paar Schuhe brauchen, so kaufen sich manche Gitarristen zwanzig Gitarren. Und auch hier kann man noch einen Unterschied machen: Manche kaufen sich den gleichen Gitarrentyp von der gleichen Marke x-mal. Andere wiederum wollen für jede Gelegenheit eine andere Gitarre haben.

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu ausschweifend. Ich selbst leide zwar nicht an Gear Aquirement Syndrome. Ich will mir aber auch ein kleines, aber feines Sortiment zulegen. Wobei ich es natürlich für Quatsch halte, jetzt jeden Gitarrentyp bei sich zu Hause stehen zu haben. Denn ich übe ja auch nur die Sachen, die mir Spaß machen. Aber gleichzeitig beispielsweise für Jazz, Metal etc. gerüstet zu sein, halte ich für übertrieben.

Wie gesagt, verstehe ich nur die Reflexe von Nichtgitarristen nicht, die meinen, dass eine einzige Gitarre schon reichen sollte. Und wenn man mehrere besitzt und sich eine weitere unter Umständen zulegen will, mit dem Spruch kommen, dass man dann automatisch eine alte verkaufen würde.

Kann mir da vielleicht jemand helfen, wieso Nichtgitarristen so denken? Oder ist das überhaupt eine Frage, die nur Gitarristen betreffen? Oder haben auch andere Musiker das gleiche Problem, wenn sie sich ein neues Instrument kaufen wollen?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Brainiac »

Der gemeine Nichtgitarrist nimmt möglicherweise an, dass eine Gitarre gut zu spielen, eine gewisse Übung und Eingespieltheit auf dem konkreten Instrument erfordert, die auf 30 Gitarren gleichzeitig kaum aufrecht erhalten werden können. Und man sich somit für ein Hauptinstrument entscheidet.

Als Percussionist hatte ich jedenfalls, sobald ich mir eine neue Conga oder Repinique zugelegt hatte (selten genug), nicht das Bedürfnis, die alten Instrumente weiter zu benutzen. Aufbewahrungsstauraum ist auch ein Aspekt.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Keoma »

Brainiac hat geschrieben:(14 Mar 2020, 21:46)

Der gemeine Nichtgitarrist nimmt möglicherweise an, dass eine Gitarre gut zu spielen, eine gewisse Übung und Eingespieltheit auf dem konkreten Instrument erfordert, die auf 30 Gitarren gleichzeitig kaum aufrecht erhalten werden können. Und man sich somit für ein Hauptinstrument entscheidet.

Als Percussionist hatte ich jedenfalls, sobald ich mir eine neue Conga oder Repinique zugelegt hatte (selten genug), nicht das Bedürfnis, die alten Instrumente weiter zu benutzen. Aufbewahrungsstauraum ist auch ein Aspekt.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Brainiac »

Keoma hat geschrieben:(14 Mar 2020, 21:50)

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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Keoma »

Brainiac hat geschrieben:(14 Mar 2020, 21:50)

War. Das Hobby hat es nicht in die Jetztzeit geschafft.
Ich bin mangels Proberaum derzeit in Zwangsrente.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Brainiac »

Keoma hat geschrieben:(14 Mar 2020, 22:19)

Ich bin mangels Proberaum derzeit in Zwangsrente.
Tja, die Lärmtoleranz der Nachbarn dürfte aktuell nicht unbedingt besser werden, als zuvor. Aber vielleicht ließe sich in irgendeine leerstehende Veranstaltungshalle einbrechen. :)
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Alexyessin »

Ein Terraner hat geschrieben:(29 Feb 2020, 00:16)
Und natürlich YouTube, wie ging das früher nur ohne.
Ich hatte das Nirvana Unplugged als Album und das komplette Songheft mit allem Brimborium. Und dann einfach sooooo lange ausprobieren, bis es gepasst hat. Ich glaub Where did you Sleep last night bekomme ich noch hin. Vielleicht, ist ja auch schon - leck mich am Arsch - 25 Jahre her...…..
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Brainiac hat geschrieben:(14 Mar 2020, 21:46)

Der gemeine Nichtgitarrist nimmt möglicherweise an, dass eine Gitarre gut zu spielen, eine gewisse Übung und Eingespieltheit auf dem konkreten Instrument erfordert, die auf 30 Gitarren gleichzeitig kaum aufrecht erhalten werden können. Und man sich somit für ein Hauptinstrument entscheidet.

Als Percussionist hatte ich jedenfalls, sobald ich mir eine neue Conga oder Repinique zugelegt hatte (selten genug), nicht das Bedürfnis, die alten Instrumente weiter zu benutzen. Aufbewahrungsstauraum ist auch ein Aspekt.
Also, ich besitze aktuell an E-Gitarren: Eine Ibanez Superstrat, Baujahr 1994. Daneben eine Gibson Les Paul Tribute, Baujahr 2018. Eine Akustikgitarre der Marke Ovation Celebrity besitze ich auch. Soweit zu meinem bescheidenen Arsenal.

Ich überlege mir mit ungewissem Ausgang, ob ich mir nicht irgendwann einmal eine PRS Student Edition zulegen will, weil diese besagte Gitarre eine mit einem guten Tremolosystem ist. Meine Gibson dagegen hat natürlich dagegen kein Tremolosystem. Daneben gucke ich mir regelmäßig bei Thomann die Gibson SG-Modelle an. Und auch die Telecaster-Modelle interessieren mich. Aber keine Angst: Ich werde mir nicht alle diese Typen kaufen wollen. :) ;) Ebenso träume ich davon, mir irgendwann eine zwölfsaitige Westerngitarre der Marke Applause zu kaufen sowie ein sechssaitiges E-Banjo. Ich weiß nicht, ob es hier erlaubt ist, die von mir beschriebenen Artikel zu verlinken. Aber das ist der Gitarrenhimmel, um den meine Gedanken kreisen.

Mehr also als drei E-Gitarren will ich eigentlich gar nicht besitzen. Dies nicht nur wegen des Platzmangels. Aber der oben beschriebene Reflex von Nichtgitarristen, man solle doch eine oder alle Gitarren verkaufen, wenn man sich eine neue zulegen will, wundert mich vor diesem Hintergrund eben doch. Dies auch, weil dieser Reflex wohl sehr häufig auftritt.

Zu Punkt zwei der letzten Debattenbeiträge: Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile auch E-Drums. Diese sind weniger laut als die klassischen Drumsets. Und anscheinend kann man bei diesen nicht nur den Lautstärkepegel einstellen, sondern sie auch mit Kopfhörern spielen. Was haltet ihr davon, würde mich interessieren.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Brainiac »

Progressiver hat geschrieben:(17 Mar 2020, 22:33)

Zu Punkt zwei der letzten Debattenbeiträge: Soweit ich weiß, gibt es mittlerweile auch E-Drums. Diese sind weniger laut als die klassischen Drumsets. Und anscheinend kann man bei diesen nicht nur den Lautstärkepegel einstellen, sondern sie auch mit Kopfhörern spielen. Was haltet ihr davon, würde mich interessieren.
Nun... da muss man wohl differenzieren. Ich bin (bzw. war) kein ausgebildeter Drummer, nur Percussionist. Auf Percussionsinstrumenten wie zB einer Conga oder Bongos spielt das Haptische und das räumliche Soundfeeling eine sehr große Rolle. Man berührt ein Fell mit einem Schlag, versetzt es in Schwingungen, fühlt diese und produziert einen bestimmten Sound im Raum, den man hört. Das kann ich mir elektronisch kaum vorstellen, habe es allerdings auch nie ausprobiert.

Wenn jemand an einem Drumset spielt und zB vor allem auf Schnelligkeit und Exaktheit geht, mag das anders aussehen, dort könnte ich mir die elektronische Variante eher vorstellen. Das ist sozusagen digitalisierungsaffiner.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ein etwas anderes Thema: Hört hier jemand gerne EDM? Also, ganz ausgeschrieben: "Electronic Dance Music". Was fasziniert euch daran?

Ich selbst kann nämlich mit Musik, die nicht "handgemacht" entsteht und wiedergegeben wird, nichts anfangen.

Ich war schon in den 1990ern geschockt, wie die Loveparade und Techno offensichtlich zu einer Massenbewegung wurden. Ich verbinde damit vor allem wummernde Beats und stampfende Rhythmen, die aus dem Computer kommen. In der Regel kann ich bei solchen Liedern keine besonders ausgefeilten Anteile erkennen. Mir gefallen zum Beispiel auch Lieder, die sich in puncto Tempo und Dynamik ändern. Bei Bluesmusik gibt es ja auch das ternäre Bluesfeeling. Oder aber in der klassischen Musik gibt es Lieder im 4/4-, aber auch im 3/4-Takt. Bei vielen Musikstilen gibt es in einem Lied langsame und/oder leise Anteile, aber auch schnelle und laute Parts. Was den Inhalt der Liedtexte betrifft, so kommen dort ebenfalls alle möglichen Emotionen und Themen vor. Bei Technomusik oder bei Electronic Dance Music sehe ich diese variable Breite jedoch nicht.

Für die entsprechenden Clubs, die im Laufe der Coronakrise sterben werden, mag es vielleicht schlimm sein, wenn sie ihre Musik nicht mehr spielen können. Aber was fasziniert junge Leute daran, immer wieder nur Musik im 4/4-Takt bei voller Lautstärke zu hören, in denen es inhaltlich immer nur um ein beschränktes emotionales Themenfeld geht? Kann man denn Musik nicht mehr ausdifferenzieren und, was den emotionalen Gehalt der Lieder betrifft, das gesamte Gefühlsspektrum eines Menschen darstellen? Mir wäre das jedenfalls zu minimalistisch.

Und eine Frage des Alters ist das meiner Beobachtung nach nicht. Es gibt da die relativ junge Rock-(?)Band Larkin Poe. Diese machen auch teilweise sehr kurze Lieder. Aber sie können auch emotional ausdifferenzieren. Und auch bei Folk- und anderen Rocksongs haben die Lieder verschiedene Anteile wie Verse und Chorus, Bridge, Soloteil etc. Von daher verstehe ich es nicht, wie man nur immerzu zu EDM tanzen will.

Aber auch moderne Rapmusik kann ich nicht verstehen. Hierzulande versuchen sich ja viele als Rapper, anstatt sich die Mühe zu machen, ein Instrument zu lernen. Und raus kommt dann irgendein Gangster-Rap, der für Normalsterbliche nicht erträglich ist. Was ist es, das viele junge Leute gerade diese Musik hören lässt?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von imp »

Progressiver hat geschrieben:(12 Jul 2020, 12:10)

Ein etwas anderes Thema: Hört hier jemand gerne EDM? Also, ganz ausgeschrieben: "Electronic Dance Music". Was fasziniert euch daran?

Ich selbst kann nämlich mit Musik, die nicht "handgemacht" entsteht und wiedergegeben wird, nichts anfangen.

Ich war schon in den 1990ern geschockt, wie die Loveparade und Techno offensichtlich zu einer Massenbewegung wurden. Ich verbinde damit vor allem wummernde Beats und stampfende Rhythmen, die aus dem Computer kommen. In der Regel kann ich bei solchen Liedern keine besonders ausgefeilten Anteile erkennen. Mir gefallen zum Beispiel auch Lieder, die sich in puncto Tempo und Dynamik ändern. Bei Bluesmusik gibt es ja auch das ternäre Bluesfeeling. Oder aber in der klassischen Musik gibt es Lieder im 4/4-, aber auch im 3/4-Takt. Bei vielen Musikstilen gibt es in einem Lied langsame und/oder leise Anteile, aber auch schnelle und laute Parts. Was den Inhalt der Liedtexte betrifft, so kommen dort ebenfalls alle möglichen Emotionen und Themen vor. Bei Technomusik oder bei Electronic Dance Music sehe ich diese variable Breite jedoch nicht.

Für die entsprechenden Clubs, die im Laufe der Coronakrise sterben werden, mag es vielleicht schlimm sein, wenn sie ihre Musik nicht mehr spielen können. Aber was fasziniert junge Leute daran, immer wieder nur Musik im 4/4-Takt bei voller Lautstärke zu hören, in denen es inhaltlich immer nur um ein beschränktes emotionales Themenfeld geht? Kann man denn Musik nicht mehr ausdifferenzieren und, was den emotionalen Gehalt der Lieder betrifft, das gesamte Gefühlsspektrum eines Menschen darstellen? Mir wäre das jedenfalls zu minimalistisch.

Und eine Frage des Alters ist das meiner Beobachtung nach nicht. Es gibt da die relativ junge Rock-(?)Band Larkin Poe. Diese machen auch teilweise sehr kurze Lieder. Aber sie können auch emotional ausdifferenzieren. Und auch bei Folk- und anderen Rocksongs haben die Lieder verschiedene Anteile wie Verse und Chorus, Bridge, Soloteil etc. Von daher verstehe ich es nicht, wie man nur immerzu zu EDM tanzen will.

Aber auch moderne Rapmusik kann ich nicht verstehen. Hierzulande versuchen sich ja viele als Rapper, anstatt sich die Mühe zu machen, ein Instrument zu lernen. Und raus kommt dann irgendein Gangster-Rap, der für Normalsterbliche nicht erträglich ist. Was ist es, das viele junge Leute gerade diese Musik hören lässt?
Es gibt eine bestimmte Ecke zwischen Elektronischem und Gothic-Themen, da höre ich ganz gern mal zu. Manche EBM-Sachen aus den 80ern finde ich auch ganz nett.

Die meisten Dance-Remixe orthodoxer Popsongs oder typische DJ-Kreationen sind aber oft nicht mein Fall.
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imp
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von imp »

Progressiver hat geschrieben:(12 Jul 2020, 12:10)

Ein etwas anderes Thema: Hört hier jemand gerne EDM? Also, ganz ausgeschrieben: "Electronic Dance Music". Was fasziniert euch daran?

Ich selbst kann nämlich mit Musik, die nicht "handgemacht" entsteht und wiedergegeben wird, nichts anfangen.

Ich war schon in den 1990ern geschockt, wie die Loveparade und Techno offensichtlich zu einer Massenbewegung wurden. Ich verbinde damit vor allem wummernde Beats und stampfende Rhythmen, die aus dem Computer kommen. In der Regel kann ich bei solchen Liedern keine besonders ausgefeilten Anteile erkennen. Mir gefallen zum Beispiel auch Lieder, die sich in puncto Tempo und Dynamik ändern. Bei Bluesmusik gibt es ja auch das ternäre Bluesfeeling. Oder aber in der klassischen Musik gibt es Lieder im 4/4-, aber auch im 3/4-Takt. Bei vielen Musikstilen gibt es in einem Lied langsame und/oder leise Anteile, aber auch schnelle und laute Parts. Was den Inhalt der Liedtexte betrifft, so kommen dort ebenfalls alle möglichen Emotionen und Themen vor. Bei Technomusik oder bei Electronic Dance Music sehe ich diese variable Breite jedoch nicht.

Für die entsprechenden Clubs, die im Laufe der Coronakrise sterben werden, mag es vielleicht schlimm sein, wenn sie ihre Musik nicht mehr spielen können. Aber was fasziniert junge Leute daran, immer wieder nur Musik im 4/4-Takt bei voller Lautstärke zu hören, in denen es inhaltlich immer nur um ein beschränktes emotionales Themenfeld geht? Kann man denn Musik nicht mehr ausdifferenzieren und, was den emotionalen Gehalt der Lieder betrifft, das gesamte Gefühlsspektrum eines Menschen darstellen? Mir wäre das jedenfalls zu minimalistisch.

Und eine Frage des Alters ist das meiner Beobachtung nach nicht. Es gibt da die relativ junge Rock-(?)Band Larkin Poe. Diese machen auch teilweise sehr kurze Lieder. Aber sie können auch emotional ausdifferenzieren. Und auch bei Folk- und anderen Rocksongs haben die Lieder verschiedene Anteile wie Verse und Chorus, Bridge, Soloteil etc. Von daher verstehe ich es nicht, wie man nur immerzu zu EDM tanzen will.

Aber auch moderne Rapmusik kann ich nicht verstehen. Hierzulande versuchen sich ja viele als Rapper, anstatt sich die Mühe zu machen, ein Instrument zu lernen. Und raus kommt dann irgendein Gangster-Rap, der für Normalsterbliche nicht erträglich ist. Was ist es, das viele junge Leute gerade diese Musik hören lässt?
Rap gerade auf Deutsch ist oft eher so ein Gymnasiastending. Wie alle Einordnungen ist das sehr unscharf, aber die Zielgruppe ist oft gebildeter als man annehmen könnte.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Ich finde nach wie vor diese Fixierung auf die Art der Instruments bizarr. EDM ist auch nicht nur "umpf umpf umpf". Das ist das Cliché, aber nicht die Sache selbst.

Da mal ein Crossover zum Verständnis:

:)

"Worakls ist ein französischer DJ und Musikproduzent im Bereich der elektronischen Tanzmusik. Er produziert überwiegend Musik der Genres Minimal Techno, Tech House und Deep House."

Oder:

Das ist praktisch die "Übersetzung" oder Adaption für konventionellere Ohren von:
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Wenn man es ganz minimalistisch ausfallen lässt, dann ist es die Differenz zwischen dem, was man ist (ein immer wieder nach Veränderungen und Überraschungen lechzendes Wesen) und der treibenden Monotonie, die nur minimal, bis zur Grenze ausreizend unterbrochen wird. Man bleibt im Wesentlichen selbst übrig. Mit trockenem Mund versteht man am besten, was ein Schluck Wasser ist. Es geht um einen meditativen Zweck, sich zu lösen, sich im Moment einzufinden, ihn fast endlos zu dehnen, aufhören, etwas zu erwarten, passiv "unterhalten" werden zu wollen.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

BlueMonday hat geschrieben:(12 Jul 2020, 17:05)

Wenn man es ganz minimalistisch ausfallen lässt, dann ist es die Differenz zwischen dem, was man ist (ein immer wieder nach Veränderungen und Überraschungen lechzendes Wesen) und der treibenden Monotonie, die nur minimal, bis zur Grenze ausreizend unterbrochen wird. Man bleibt im Wesentlichen selbst übrig. Mit trockenem Mund versteht man am besten, was ein Schluck Wasser ist. Es geht um einen meditativen Zweck, sich zu lösen, sich im Moment einzufinden, ihn fast endlos zu dehnen, aufhören, etwas zu erwarten, passiv "unterhalten" werden zu wollen.
Wenn ich ein gutes Lied vor mir habe, dann will ich nicht nur passiv unterhalten werden. In mir steigt auch der Wunsch auf, mir Notenbücher davon zu besorgen, um beispielsweise einen Rocksong irgendwann nachspielen zu können. Selbst solche Dinger wie Luftgitarre zu dem Lied zu spielen, reichen mir irgendwann nicht mehr. Im Idealfall -und wenn das Lied jetzt nicht gerade ein Studium an der Gitarre erforderlich macht- kann ich es auch irgendwann versuchen, solch einen Song aktiv nachzuspielen und zu covern. Bei Musik, bei denen noch echte Instrumente zum Zug kommen, ist das ja irgendwie möglich. Wenn man dagegen ein Lied eines DJs vor sich hat, der seine Effekte nur noch aus dem Computer heraus kreiert, finde ich das Covern und aktiv nachspielen und musizieren äußerst schwierig.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

imp hat geschrieben:(12 Jul 2020, 16:39)

Rap gerade auf Deutsch ist oft eher so ein Gymnasiastending. Wie alle Einordnungen ist das sehr unscharf, aber die Zielgruppe ist oft gebildeter als man annehmen könnte.
Was ist mit den ganzen antisemitischen und frauenverachtenden Möchtegern-Gangsterrappern? Immerhin gab es ja auch schon einen Eklat, weil irgendwelche Gangsterrapper einen Musikpreis abgesahnt hatten. Ich glaube, dass einer dieser Typen Farid Bang hieß. Und weil viele andere Musiker sich empört hatten, wurde dieser Musikpreis ja dann gänzlich abgeschafft.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von imp »

Progressiver hat geschrieben:(14 Jul 2020, 21:17)

Was ist mit den ganzen antisemitischen und frauenverachtenden Möchtegern-Gangsterrappern? Immerhin gab es ja auch schon einen Eklat, weil irgendwelche Gangsterrapper einen Musikpreis abgesahnt hatten. Ich glaube, dass einer dieser Typen Farid Bang hieß. Und weil viele andere Musiker sich empört hatten, wurde dieser Musikpreis ja dann gänzlich abgeschafft.
Die einen hören es ironisch "for the laugh", die anderen aus Überzeugung. Ob der damalige Skandal wirklich Hand und Fuß hatte, würde ich mir lieber nochmal nachlesen, aber generell ist Antisemitismus und Misogynie in den Hitparaden gar nicht so selten. Das ist, richtig verpackt, massenkompatibel. Damit muss man erst mal klar kommen. Aber auch anderer Hass und unterschwellig völkische Botschaften schwappen gerne mal so durch, sogar im Schlager.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Ich habe mir im Übrigen gestern in der ARD eine Dokumentation angesehen über Technomusik und den Aufstieg der Love Parade. Ich wollte mal irgendwie verstehen, wie die Leute tickten, die auf die Love Parade gingen und tanzten, tanzten, tanzten. Irgendwie hat sich bei mir aber der Eindruck bestätigt, dass die damaligen Technojünger ein völlig anderer Menschenschlag waren bzw. sind als beispielsweise Leute wie ich.

Wenn ich alleine in meinem privaten Räumen bin und Musik höre, dann kommt bei mir ab und zu mindestens der Impuls hoch, dazu Luftgitarre zu spielen. Effektiv besser finde ich es jedoch mittlerweile, einige Lieder auf der Gitarre zu erlernen, um sie irgendwie nachspielen zu können. So etwas kann mich mit Stolz und Freude erfüllen. Die Königsdisziplin wäre es jedoch, selbst Lieder zu schreiben, um sie anderen vorzuspielen. Ich für meinen Teil will also nicht nur passiv Musik hören, sondern wenigstens aktiv Lieder erlernen, um sie dann selbst spielen zu können.

Was ich in der Dokumentation über Techno und die Love Parade gesehen habe, da geht es immer nur darum, mit konstant 135 Beats per Minute ein Lied nach dem anderen abzuspielen und dazu zu tanzen, tanzen, tanzen. So kann man zwar ebenfalls Musik genießen. Die Musik nachzuspielen, um sie sich so aktiv anzueignen, klappt aber verständlicherweise nicht.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von schokoschendrezki »

Progressiver hat geschrieben:(16 Jul 2020, 21:31)

Ich habe mir im Übrigen gestern in der ARD eine Dokumentation angesehen über Technomusik und den Aufstieg der Love Parade. Ich wollte mal irgendwie verstehen, wie die Leute tickten, die auf die Love Parade gingen und tanzten, tanzten, tanzten. Irgendwie hat sich bei mir aber der Eindruck bestätigt, dass die damaligen Technojünger ein völlig anderer Menschenschlag waren bzw. sind als beispielsweise Leute wie ich.
Könnte es sein, dass es dabei eigentlich eher um das Love Parade Disaster 2010 in Duisburg ging? Nächste Woche zehn Jahre her. Das ist aber ein anderes Thema.

Ich habe keine Ahnung von der Technik und dem Spirit der Herstellung von Rapmusik. Aber ich habe einige Varianten kennengelernt, die mich in ihrer eher melancholischen Art völlig begeistern und in ihren Bann ziehen. Völlig. (Aus Russland und Ukraine unter dem Label "abstract hip-hop". Alfaro, Наум Блик und andere.)

Mein Tip ist in jedem Fall, völlig offen zu bleiben für alles.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Progressiver hat geschrieben:(14 Jul 2020, 21:11)

Wenn ich ein gutes Lied vor mir habe, dann will ich nicht nur passiv unterhalten werden. In mir steigt auch der Wunsch auf, mir Notenbücher davon zu besorgen, um beispielsweise einen Rocksong irgendwann nachspielen zu können. Selbst solche Dinger wie Luftgitarre zu dem Lied zu spielen, reichen mir irgendwann nicht mehr. Im Idealfall -und wenn das Lied jetzt nicht gerade ein Studium an der Gitarre erforderlich macht- kann ich es auch irgendwann versuchen, solch einen Song aktiv nachzuspielen und zu covern. Bei Musik, bei denen noch echte Instrumente zum Zug kommen, ist das ja irgendwie möglich. Wenn man dagegen ein Lied eines DJs vor sich hat, der seine Effekte nur noch aus dem Computer heraus kreiert, finde ich das Covern und aktiv nachspielen und musizieren äußerst schwierig.
Bei dir klingt das immer so als wenn man nur auf einen Knopf drückt und dann kommt die Musik aus dem Computer. Der Computer(+ entsprechende Software und Peripherie) ist das Instrument schlechthin. Dahinter steht dieselbe Musiktheorie wie bei konventionell(er)en Instrumenten. Gerade am Computer eröffnet sich ja dem Musiker oder Komponisten eine noch größere Welt der Möglichkeiten. Sieh es doch als Erweiterung und nicht Begrenzung. Letztlich geht es immer darum, die Luft auf eine interessante Weise zum Schwingen zu bringen. Ob nun mit Stimmbändern, Saiten oder Membranen.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von H2O »

Ob nun mit Stimmbändern, Saiten oder Membranen.
Ist es nicht doch so, daß der Musiker Stimmbänder und Saiten noch sehr körperlich zum Klingen bringt, also der ganze Mensch als Körper, Geist und "Seele" sich selbst zum Klingen bringt? Natürlich gibt es Übergänge vom Instrument mit elektronischer Unterstützung bis zum rein elektronischen Gerät mit dem Menschen als Bediener, oder ganz ohne diese Unterstützung als programmierte Wiedergabe.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Juan »

Progressiver hat geschrieben:(16 Jul 2020, 21:31)
Was ich in der Dokumentation über Techno und die Love Parade gesehen habe, da geht es immer nur darum, mit konstant 135 Beats per Minute ein Lied nach dem anderen abzuspielen und dazu zu tanzen, tanzen, tanzen. So kann man zwar ebenfalls Musik genießen. Die Musik nachzuspielen, um sie sich so aktiv anzueignen, klappt aber verständlicherweise nicht.
Diese Elektrobeats sind in erster Linie ein Trigger, eine Art Leitlinie, die es den Protagonisten ermöglicht, so intensiv wie möglich zu zappeln und rumzuzucken... an den Loveparades wie auch auf den Tanzflächen der Disco's. Wems gefällt, warum nicht.
H2O hat geschrieben: Ist es nicht doch so, daß der Musiker Stimmbänder und Saiten noch sehr körperlich zum Klingen bringt, also der ganze Mensch als Körper, Geist und "Seele" sich selbst zum Klingen bringt? Natürlich gibt es Übergänge vom Instrument mit elektronischer Unterstützung bis zum rein elektronischen Gerät mit dem Menschen als Bediener, oder ganz ohne diese Unterstützung als programmierte Wiedergabe.
Das sehe ich auch so.
Sicher, alles erzeugt Schwingungen, wie BlueMonday sagt. Der Vorteil der herkömmlichen Saiten - Blas - und Schlaginstrumente inklusive Stimmbänder aber ist, dass sie bei einem flächendeckenden Stromausfall und falls gekonnt beherrscht, uns weiterhin Freude bereiten können. :)
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von H2O »

Der Vorteil der herkömmlichen Saiten - Blas - und Schlaginstrumente inklusive Stimmbänder aber ist, dass sie bei einem flächendeckenden Stromausfall und falls gekonnt beherrscht, uns weiterhin Freude bereiten können. :)
Das stimmt natürlich! Ich sehe den großen Vorteil der unmittelbar von Menschen erzeugten Musik darin, daß eben der Musiker davon ergriffen wird und sich in seiner Weise "ausdrückt", und daß die Zuhörer ihn dabei auch sehen können und ebenfalls mitgehen können. Ich meine natürlich nicht das Gehampele zu abgespulter Musik, das viele junge Leute veranstalten, um sich aus zu toben. Natürlich sei ihnen das von Herzen gegönnt.

Ich denke zurück an die vermutlichen Ursprünge des Musizierens. Das war eine Gemeinschaftsveranstaltung mit Gesang und Takt und Tanz. Die Gemeinschaft als Gesamtkunstwerk. Dagegen ist eine automatisch abgespulte Musik etwas für einfache Mitläufer. Die gab es früher sicher auch; aber getragen wurde die Musik und die von ihr ausgehenden Empfindungen von den Künstlern!
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Misterfritz »

H2O hat geschrieben:(17 Jul 2020, 08:29)

Ist es nicht doch so, daß der Musiker Stimmbänder und Saiten noch sehr körperlich zum Klingen bringt, also der ganze Mensch als Körper, Geist und "Seele" sich selbst zum Klingen bringt? Natürlich gibt es Übergänge vom Instrument mit elektronischer Unterstützung bis zum rein elektronischen Gerät mit dem Menschen als Bediener, oder ganz ohne diese Unterstützung als programmierte Wiedergabe.
Sehe (höre!) ich auch so.
Ich habe eine wundervolle Aufnahme der vier Jahreszeiten von der Camerata Lysi Gstaad mit Yehudi Menuhin. Man hört jeden Atemzug des Geigers, die ganze Emotion des Musikers kommt da rüber. Wie soll das mit Elektronik gehen?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

H2O hat geschrieben:(17 Jul 2020, 08:29)

Ist es nicht doch so, daß der Musiker Stimmbänder und Saiten noch sehr körperlich zum Klingen bringt, also der ganze Mensch als Körper, Geist und "Seele" sich selbst zum Klingen bringt? Natürlich gibt es Übergänge vom Instrument mit elektronischer Unterstützung bis zum rein elektronischen Gerät mit dem Menschen als Bediener, oder ganz ohne diese Unterstützung als programmierte Wiedergabe.
Es ist wie gesagt eine Erweiterung. Ließe sich ja auch auf rein mechanischem Wege ersinnen. Also dass man per Tastendruck nicht nur einen Ton erzeugt. sondern etwa einen Dreiklang oder eine kurze vorab festgelegte Sequenz. Vielleicht einen Akkord, den man physisch mit der menschlichen Hand allein auf einer Klaviatur gar nicht ausführen kann. Ein Klavier mit seiner Klaviatur ist ja schon eine aufwendige Verlängerung oder Erweiterung der Möglichkeiten.

Eine kleine Anekdote dazu:
Der Zufußläufer sagt zum Fahrradfahrer, dass der Beräderte den wirklichen Kontakt zum Boden verloren hätte und nicht mehr wisse, was es heißt, wirklich eine Entfernung zu überwinden. Und dann stößt zu den Zweien ein Barfußläufer und wirft ein, dass man schon mit Schuhen den Kontakt zum Boden verloren hätte und wirkliches Laufen und unverfälschte Bewegung nur mit barem Fuß möglich wäre. Und dann kommt eine Schlange vorbei geschlängelt... Und der Radfahrer ist mittlerweile weitergerollt und schon wo ganz anders.

Wie gesagt, ich halte die Fixerung auf auf irgendeine eine Technik, also auf ein begrenztes Wie für eine unnötige Beschneidung des Möglichen. Sicher kann man sich selbst bewusst beschränken bei den Mitteln, aber das steht dann neben den vielen anderen Wegen. Da ist kein Weg der "wirklichere", denn alle haben ja ihren Effekt.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Misterfritz »

BlueMonday hat geschrieben:(17 Jul 2020, 22:26)

Es ist wie gesagt eine Erweiterung.
Mag ja sein,
ich sehe das eher als Entseelung der Musik. Es können doch heutzutage mit Elektronik Leute Musik auf den Markt werfen, die kaum singen können - kann alles via Elektronik korrigiert werden. Da reicht dann gutes Aussehen oder Rumhüppen können.
Und die Masse der Musikproduktionen, die auf den Markt kommen und im Radio gespielt werden, klingt einfach auch so - völlig nichtssagend, kaum unterscheidbar.
Nun, es war früher nicht alles besser, aber man hörte wenigstens, wenn jemand nicht wirklich viel drauf hatte ;)
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Klaus Schulze, Pionier der elektronischen Musik:
"Man hat damals behauptet, Elektronik sei keine Musik, die sei furchtbar kalt. Die Leute sahen mich inmitten meiner Instrumente stehen, hinter meiner schwarzen Ritterburg. Da hieß es: "Sind ja nur Knöppe!" Ich antwortete, eine Geige wächst ja auch nicht auf dem Baum."

Elektronische Musik ist letztlich der Schritt weiter, also Beherrschung nicht nur des Tones, sondern des Geräusches, des gesamten Wellenverlaufes des Tones, Aufhebung der Limitierung durch ein spezifisches Instrument. Wenn man will kann man auch bspw. den Klang eines Klaviers nachbilden, irgendwann bis zur Perfektion. Aber das wäre ja eher langweilig, nur das nachzuahmen, was es sowieso schon gibt. Also konzentriert man sich eher auf elektronisch/künstlich Klingendes bei elektronischer Musik, aber auch mit einer ganz eigenen "Textur". Man kreiert das nie dagewesene Geräusch. Da liegt dann sicherlich der Schwerpunkt elektronischer Musik, also nicht unbedingt konventionell zu klingen.

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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von 3x schwarzer Kater »

BlueMonday hat geschrieben:(17 Jul 2020, 22:52)

Klaus Schulze, Pionier der elektronischen Musik:
"Man hat damals behauptet, Elektronik sei keine Musik, die sei furchtbar kalt. Die Leute sahen mich inmitten meiner Instrumente stehen, hinter meiner schwarzen Ritterburg. Da hieß es: "Sind ja nur Knöppe!" Ich antwortete, eine Geige wächst ja auch nicht auf dem Baum."

Elektronische Musik ist letztlich der Schritt weiter, also Beherrschung nicht nur des Tones, sondern des Geräusches, des gesamten Wellenverlaufes des Tones, Aufhebung der Limitierung durch ein spezifisches Instrument. Wenn man will kann man auch bspw. den Klang eines Klaviers nachbilden, irgendwann bis zur Perfektion. Aber das wäre ja eher langweilig, nur das nachzuahmen, was es sowieso schon gibt. Also konzentriert man sich eher auf elektronisch/künstlich Klingendes bei elektronischer Musik, aber auch mit einer ganz eigenen "Textur". Man kreiert das nie dagewesene Geräusch. Da liegt dann sicherlich der Schwerpunkt elektronischer Musik, also nicht unbedingt konventionell zu klingen.

Am Ende ist es der kreative Prozess der zählt. Und das Ergebnis dieses Prozess, das Werk als ganzes. Also etwas neues schaffen. Ein Sinn der ganz verloren geht, wenn man den Sinn nur daran erkennt, dass es kopierbar ist und man es für sinnig hält das auch zu tun.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von H2O »

BlueMonday hat geschrieben:(17 Jul 2020, 22:26)

Es ist wie gesagt eine Erweiterung. Ließe sich ja auch auf rein mechanischem Wege ersinnen. Also dass man per Tastendruck nicht nur einen Ton erzeugt. sondern etwa einen Dreiklang oder eine kurze vorab festgelegte Sequenz. Vielleicht einen Akkord, den man physisch mit der menschlichen Hand allein auf einer Klaviatur gar nicht ausführen kann. Ein Klavier mit seiner Klaviatur ist ja schon eine aufwendige Verlängerung oder Erweiterung der Möglichkeiten.

Eine kleine Anekdote dazu:
Der Zufußläufer sagt zum Fahrradfahrer, dass der Beräderte den wirklichen Kontakt zum Boden verloren hätte und nicht mehr wisse, was es heißt, wirklich eine Entfernung zu überwinden. Und dann stößt zu den Zweien ein Barfußläufer und wirft ein, dass man schon mit Schuhen den Kontakt zum Boden verloren hätte und wirkliches Laufen und unverfälschte Bewegung nur mit barem Fuß möglich wäre. Und dann kommt eine Schlange vorbei geschlängelt... Und der Radfahrer ist mittlerweile weitergerollt und schon wo ganz anders.

Wie gesagt, ich halte die Fixerung auf auf irgendeine eine Technik, also auf ein begrenztes Wie für eine unnötige Beschneidung des Möglichen. Sicher kann man sich selbst bewusst beschränken bei den Mitteln, aber das steht dann neben den vielen anderen Wegen. Da ist kein Weg der "wirklichere", denn alle haben ja ihren Effekt.
Leider kann ich hierüber gar nicht streiten, weil ich nie ein Musikinstrument gespielt habe. Wenn ich aber eine gefilmte Vorführung eines Gemeinschaftstanzes in einem Kral sehe und die Beteiligung der dort tanzenden und singenden Menschen, und damit vergleiche, was ich, auch wieder gefilmt, von einer LoveParade mitnehme, dann steht mein Urteil fest. Wäre ich Mitglied einer Dorfgemeinschaft im Kral... ich würde mittanzen und singen. Eine LoveParade würde ich meiden.

Es ging mir schon um die körperliche Beteiligung an der Klangerzeugung, wohl wissend, daß wir Menschen unsere körperlichen Grenzen haben.

Ihr Vergleich eines Menschen mit einer Schlange führt aus meiner Sicht in die Irre. Der Radfahrer nutzt ein Instrument zur Verbesserung seiner körperlichen Fähigkeiten bei der Fortbewegung... ich habe das Wort Instrument bewußt gesetzt. Ich meine schon, daß beide, der Läufer oder Barfußläufer ein Empfinden für die zurückgelegte Entfernung haben. Der Radfahrer wird sich sicher in sehr ähnlicher Weise den Schweiß von der Stirn wischen. Setze ich mich aber in ein Flugzeug und steige nach einigen Stunden geduldigen Halbwachseins in Singapur aus, dann habe ich wirklich jedes Gefühl für diesen Koordinatenwechsel verloren. Ich würde mir auch nie eine solche Strecke zu Fuß oder mit dem Fahrrad zutrauen... ja, ich würde den Sinn dieser Fortbewegung gar nicht sehen. Mit dem Auto ist das wieder etwas anderes, weil ich wenigstens noch diese Maschine steuere und meine Richtungsentscheidung ausführe. Aber ein Gefühl für die zurückgelegte Entfernung geht schon verloren, wenn ich in wenigen Stunden eine Strecke bewältige, zu der ich gut austrainiert zwei volle Wochen wandern müßte.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

H2O hat geschrieben:(18 Jul 2020, 05:51)

Leider kann ich hierüber gar nicht streiten, weil ich nie ein Musikinstrument gespielt habe. Wenn ich aber eine gefilmte Vorführung eines Gemeinschaftstanzes in einem Kral sehe und die Beteiligung der dort tanzenden und singenden Menschen, und damit vergleiche, was ich, auch wieder gefilmt, von einer LoveParade mitnehme, dann steht mein Urteil fest. Wäre ich Mitglied einer Dorfgemeinschaft im Kral... ich würde mittanzen und singen. Eine LoveParade würde ich meiden.
Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich im "Circlepit" auf einer Metalsause im Kreis bewegen... So unterschiedlich sind die Menschen. :) Aber ich find's auch interessant, sich in andere Vorlieben hinein zu fühlen, um nicht ratlos daneben stehen zu müssen. Walking in my shoes.

Mir ging es bei der kleinen Geschichte um die Evolution der Bewegung, eben vom hilfsmittellosen Bodenkriecher bis zum Düsenjet. Und all diesen Bewegungsformen würde ich nicht absprechen wollen, dass es um "wirkliche" Bewegung(resp. Musik) geht. Das, was Klaus Schulze auch andeutete mit der Geige, die ja auch schon Musiktechnologie ist, die nicht einfach "natürlich" auf Bäumen wächst. Dass man sich durch Technik oder Programmierung nicht notwendig entfernt vom Gegenstand. Eine Entfremdung ist freilich immer eine Gefahr. Aber auch der schuhlose Fußgänger kann sich entfremden von dem, was er da eigentlich tut.

Es gibt zwei Arten der Behauptung. Die eine muss anderen Formen aberkennen, überhaupt Form der fraglichen Disziplin zu sein ("Ist keine richtige Musik" usw.). Und die andere überzeugt und begeistert einfach dadurch, wie und was sie ist. Sie hat den Mut zur Koexistenz, kann damit leben, nicht alle Ohren für sich einzunehmen.

Und der Techno hat m.E. nun seine unübersehbaren Vorläufer in der Ritualmusik, also etwas Meditatives, betont Monotones. Und da habe ich ja schon versucht den Reiz und das Motiv dessen mit Worten darzustellen. Bei einer Meditation geht es darum, im "Moment" anzukommen und zu leben, das Morgen und Gestern zu vergessen. Und eine Brücke ist da oft der eigene Herzschlag oder eigene Atem, also auch etwas Repetives. Und ist das Lösen, die Befreiung von etwas nicht oft das Motiv von Musik? Sich in einen gewünschten psychischen Zustand, in eine Laune, Stimmung, Erinnerung zu bringen?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Misterfritz »

BlueMonday hat geschrieben:(18 Jul 2020, 21:07)
Und der Techno hat m.E. nun seine unübersehbaren Vorläufer in der Ritualmusik, also etwas Meditatives, betont Monotones. Und da habe ich ja schon versucht den Reiz und das Motiv dessen mit Worten darzustellen. Bei einer Meditation geht es darum, im "Moment" anzukommen und zu leben, das Morgen und Gestern zu vergessen. Und eine Brücke ist da oft der eigene Herzschlag oder eigene Atem, also auch etwas Repetives. Und ist das Lösen, die Befreiung von etwas nicht oft das Motiv von Musik? Sich in einen gewünschten psychischen Zustand, in eine Laune, Stimmung, Erinnerung zu bringen?
Das ist ja schön für Dich,
aber ging es nicht um den Unterschied von Musik, die per Hand, also einem Instrument, gemacht wird, und der, die am Computer erzeugt wird?
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von H2O »

Misterfritz hat geschrieben:(18 Jul 2020, 22:04)

Das ist ja schön für Dich,
aber ging es nicht um den Unterschied von Musik, die per Hand, also einem Instrument, gemacht wird, und der, die am Computer erzeugt wird?
Na ja, für unseren Teilnehmer Blue Monday ist auch vom Rechner erzeugte Musik ein Kunsterzeugnis, das ja auch in der Absicht erzeugt wurde, daß Hörer begeistert mitgehen. Ich kann das schon nachvollziehen, denn bei sorgfältig komponierten Klängen hat ein Komponist sicher einige Zeit nachgedacht, bis er auf sein Wunschgebilde kam.

Die Geige als Naturprodukt gibt es nicht; das ist schon richtig Handwerk und Kunstwerk an und für sich. Mein Akustikprofessor Cremer war selbst begeisterter und begeisternder Geiger und zugleich ein ganz ausgezeichneter Mathematiker.

Machen wir den Sprung in unser digitales Zeitalter: Ich kann mir schon vorstellen, daß ein musikbegeisterter Informatiker sich so tief mit diesen technischen Möglichkeiten beschäftigt, daß er uns insgehein für musikalische Analphabeten hält, wenn wir seine Komposition nicht erkennen. Leider bin ich einer von diesen Hinterwäldlern, leider auch grundsätzlich mit Komposition und Klangkunst nicht vertraut. Da habe ich leicht lästern...

Aber Freude an bewegenden Musikstücken habe ich dennoch, und ich singe auch gern bei der Arbeit so vor mich hin... meist Volkslieder aus meiner Kinderzeit. Einem Metaller werden beim Zuhören die Haare zu Berge stehen... vermute ich einmal!
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

Misterfritz hat geschrieben:(18 Jul 2020, 22:04)

aber ging es nicht um den Unterschied von Musik, die per Hand, also einem Instrument, gemacht wird, und der, die am Computer erzeugt wird?
Und ich schreib mir seit Längerem hier einen Wolf, dass der Computer auch ein Instrument ist, sogar das Instrument schlechthin. Ein Musikinstrument ist "ein Gerät zur Erzeugung von Klängen". Und ein Computersystem mit entsprechender Peripherie un Software und wird in der Regel auch noch mit Händen (via Keyboard, midi-Klaviatur, Maus...) bedient.

Computergestützt werden schon seit Jahrzehnten Klänge und Musik erzeugt. Namen sind schon gefallen, Tangerine Dream, Klaus Schulze, Johannes Schmoelling... bis hinein eben in den Populärbereich (EDM, Synth-Pop, Techno, Dubstep, whatever). Ein paar youtube-links waren auch schon dabei. Hier noch einer: Das war eines der ersten Alben, die ich mir gekauft habe. Pure elektronische Musik. Schlappe 30 Jahre her.

Das sind auch keine "Informatiker", sondern waschechte Musiker, teilweise hoch ausgebildet, mit klassischem Background. Oder der ganze Bereich der Filmmusik ("film scores") ist heutzutage und seit Längerem weitestgehend elektronischer Natur. Man denke da an Größen der Branche wie Hans Zimmer oder Clint Mansell. Die sitzen in ihren Studios vor einem riesigen Berg an elektronischem Equipment.



John Carpenter:
Auch ein Klassiker der Filmmusik.

Und dann die unendliche Zahl an"Tunes" aus dem reinen Computerbereich, aus Spielen(Huelsbeck&Co) und der ganzen "Demoszene"... Das ist mittlerweile Kulturgut:

So langsam wird mir klar, wieso manche denken, dass die Musik hier und da "stirbt", weil sie gar nicht mehr mitbekommen, wo die Musik lebt und wächst :).
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von BlueMonday »

H2O hat geschrieben:(19 Jul 2020, 10:05)
Aber Freude an bewegenden Musikstücken habe ich dennoch, und ich singe auch gern bei der Arbeit so vor mich hin... meist Volkslieder aus meiner Kinderzeit. Einem Metaller werden beim Zuhören die Haare zu Berge stehen... vermute ich einmal!
Ich bin eigentlich sehr offen was Musik (und vieles andere) angeht. Von Klassik bis Gabber. Metal liegt mir auch am Herzen. Auch gegen ein Volkslied hab ich nichts einzuwenden. Oder überhaupt "Lieder" (Schubert etc). So was wird ja auch durchaus genrefremd adaptiert. Der Maikäfer, der fliegt ... Pommerland ist abgebrannt: Oder Schubert:
Herrlich sperrig.

Umso eigenartiger mutet es mir an, wenn mancher Musik als einziges Problemfeld betrachtet, wo vermeintlich irgendwas "stirbt", niedergeht, entgleist oder Musik, die dann angeblich gar keine mehr wäre.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

Bevor ich einen neuen Thread aufmache, hole ich mal wieder den hier aus der Versenkung. Also:

Kennt ihr Joe Bonamassa? Ich meine, mich zu erinnern, dass dieses Video vor vier oder fünf Jahren in meiner Facebook-Timeline beworben wurde:


[youtube][/youtube]


Damals hat es mich allerdings relativ kalt gelassen. Vor ein paar Tagen bin ich jedoch bei Spotify auf dieses Lied gestoßen.

Zu Dokumentationszwecken will ich es hiermit posten. Dies soll allerdings kein YouTube-Thread werden.

Jetzt wiederum bin ich ziemlich begeistert von dem gesamten Album "Blues Of Desperation", das Joe Bonamassa da fabriziert hat. Dies wundert mich selbst jetzt auch. Habt ihr so etwas auch schon einmal oder mehrmals erlebt, dass euch etwas total begeistert, was euch vor ein paar Jahren noch absolut kalt gelassen hat? Ist das etwas eher ungewöhnlich oder passiert dies jedem öfters?

Und eine zweite Frage hätte ich noch: Wie ungewöhnlich ist es, dass sich der Musikgeschmack auch mit Mitte vierzig oder später noch wesentlich ändert? Ich für meinen Teil habe zeitlebens am ehesten mit dem sympathisiert, was man gemeinhin heute als "Classic Rock" oder irgendwie noch als Nachwehen des 1990er-"Grunge" bezeichnen würde. Ich habe allerdings auch immer wieder gerne herumexperimentiert. Blues und Bluesrock haben mich dagegen früher nicht so begeistert. Da bin ich erst allmählich auf den Trichter gekommen. Seit ich Spotify habe, merke ich aber erst, wie viele gute Blues- und Bluesrockmusiker es doch gab und gibt. Die Foo Fighters und all die anderen Rockbands will ich künftig trotzdem immer noch anhören. Ebenso die Folk-, Bluegrass- und Americana-Schiene. Gut gemachte Blues- und Bluesrockmusik finde ich jetzt aber auch immer öfter immer besser.

Oder, um es genauer zu sagen: Ich habe vor einigen Jahren das Label Ruf Records entdeckt, welches normalerweise mit seinem jährlichen Blues Caravan neue Blues(rock)-Musiker vorstellt. Aber so richtig kommerziell erfolgreiche und offensichtlich berühmtere Blues(rock)-Künstler kannte ich nicht. Und wenn, dann hätten diese mich früher eher abgeschreckt. Seit ich aber eher versehentlich bei Spotify auf andere Künstler gestoßen bin, ändere ich vielleicht noch meine Meinung zu dem Thema.

Auf jeden Fall dachte ich immer, dass solche wesentlichen Änderungen des Musikgeschmacks vor allem in der Zeit der Pubertät stattfinden, weil sich da die Teenager gerne in allen möglichen Richtungen ausprobieren, während die "gefestigteren" Älteren ihren alten Bands treu sind, bis es diese nicht mehr gibt. Was mich betrifft, so habe ich jedoch im letzten Jahrzehnt mehr CDs gekauft als in jedem anderen Jahrzehnt davor. Und herumexperimentiert habe ich wohl auch insofern, dass ich immer wieder neue Bands und Musikrichtungen entdeckt bzw. alte neu ausgegraben habe. Aber seit Spotify bei mir richtig wirkt, streame ich mir auch Künstler, an deren CDs ich mich vorher nie herangetraut hätte. Der Experimentiergrad ist jedenfalls noch einmal gestiegen. Gleichzeitig beobachte ich derzeit jedoch, dass mich gut gemachte Blues- oder Bluesrockmusik um ein Vielfaches mehr beeindruckt als früher.

Wem kommt so etwas bekannt vor?
"Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." Friedrich Nietzsche

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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von sünnerklaas »

Progressiver hat geschrieben:(18 Mar 2021, 07:34)

Oder, um es genauer zu sagen: Ich habe vor einigen Jahren das Label Ruf Records entdeckt, welches normalerweise mit seinem jährlichen Blues Caravan neue Blues(rock)-Musiker vorstellt. Aber so richtig kommerziell erfolgreiche und offensichtlich berühmtere Blues(rock)-Künstler kannte ich nicht. Und wenn, dann hätten diese mich früher eher abgeschreckt. Seit ich aber eher versehentlich bei Spotify auf andere Künstler gestoßen bin, ändere ich vielleicht noch meine Meinung zu dem Thema.

Auf jeden Fall dachte ich immer, dass solche wesentlichen Änderungen des Musikgeschmacks vor allem in der Zeit der Pubertät stattfinden, weil sich da die Teenager gerne in allen möglichen Richtungen ausprobieren, während die "gefestigteren" Älteren ihren alten Bands treu sind, bis es diese nicht mehr gibt. Was mich betrifft, so habe ich jedoch im letzten Jahrzehnt mehr CDs gekauft als in jedem anderen Jahrzehnt davor. Und herumexperimentiert habe ich wohl auch insofern, dass ich immer wieder neue Bands und Musikrichtungen entdeckt bzw. alte neu ausgegraben habe. Aber seit Spotify bei mir richtig wirkt, streame ich mir auch Künstler, an deren CDs ich mich vorher nie herangetraut hätte. Der Experimentiergrad ist jedenfalls noch einmal gestiegen. Gleichzeitig beobachte ich derzeit jedoch, dass mich gut gemachte Blues- oder Bluesrockmusik um ein Vielfaches mehr beeindruckt als früher.

Wem kommt so etwas bekannt vor?
Bluesrock ist ja auch eher eine Independent-Sparte. Und das ist ja in erster Linie eine Live-Musik-Szene, in der vieles über Mundpropaganda läuft. Für die Musiker in den Bands sind das in der Regel Interessensprojekte neben der normalen Berufs-Musikertätigkeit. Große wirtschaftliche Erfolgsambitionen stecken da oft gar nicht hinter, es geht da um Idealismus, darum, das zu machen, was man wirklich an Musik machen möchte, dazu aber eben auf Grund anderer Zwänge nicht kommt.
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Re: Sammelstrang Musik

Beitrag von Progressiver »

sünnerklaas hat geschrieben:(24 Mar 2021, 23:11)

Bluesrock ist ja auch eher eine Independent-Sparte. Und das ist ja in erster Linie eine Live-Musik-Szene, in der vieles über Mundpropaganda läuft. Für die Musiker in den Bands sind das in der Regel Interessensprojekte neben der normalen Berufs-Musikertätigkeit. Große wirtschaftliche Erfolgsambitionen stecken da oft gar nicht hinter, es geht da um Idealismus, darum, das zu machen, was man wirklich an Musik machen möchte, dazu aber eben auf Grund anderer Zwänge nicht kommt.
Ich glaube, es kommt auch darauf an, wo -bzw. auf welchem Kontinent- man lebt. Der einzige deutsche Künstler, den ich kenne und der in die Richtung Bluesrock geht, dürfte Henrik Freischlader sein. Jedenfalls ist er der einzige, der auch hierzulande erfolgreicher ist. Ansonsten dürften die meisten Musiker aus diesem Genre entweder aus England kommen oder aber ganz aus den USA. Was nicht verwunderlich wäre. Von dort kommen ja Blues, Rock und Bluesrock ja her. Diese Stile sind dort praktisch organisch gewachsen. Hier im heutigen Europa dagegen gibt es natürlich auch Künstler, die solche Musik machen. Aber kommerziellen Erfolg kann man mit Blues und Bluesrock hierzulande nicht haben.

Was die Musikgeschichte betrifft, so habe ich gelernt, dass anscheinend bis in die späten 1970er auch in Deutschland wohl Bluesrock angesagt war. Dann kam aber die "Neue Deutsche Welle". Und der Musikgeschmack änderte sich.

Für mich absolut einschneidend waren im Übrigen der Beginn der 1990er. Als wir zu Hause MTV empfangen konnten, habe ich mich auch für die Rockband Guns N´Roses begeistert. Und auch die Grunge-Welle habe ich mitgekriegt. Ansonsten wäre der amerikanische Radiosender AFN (?) zu nennen, den die Soldaten aus den USA hierzulande unterhielten. Aber dies entsprach wohl alles auf die Dauer auch nicht dem deutschen Massengeschmack. In den späteren 1990ern waren bei der Jugend eher der deutsche Musiksender VIVA angesagt, wo wiederum ganz andere Musik lief. Und irgendwann kam YouTube und hat die Musiksender alle de facto obsolet gemacht. Heute wiederum lebt wohl jeder in seiner eigenen Musikblase, wenn er nicht gerade zusammen mit anderen Helene-Fischer-Lieder grölt. Oder aber Teile des deutschen Massenpublikums kann ich mir auch vorstellen, dass sie nach wie vor in Techno-Clubs gehen würden, wenn Corona ihnen nicht den Garaus gemacht hätte.
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