Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

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Misterfritz
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Misterfritz » Mi 6. Mär 2019, 18:42

Billie Holiday hat geschrieben:(06 Mar 2019, 14:20)

Mein Atheismus hat nichts mit Ablehnung zu tun, sondern mit schlichter Abwesenheit jedlicher Götter. Das kann man sich nicht aussuchen, das passiert einfach so.
Nicht, dass ich etwas vermisse.
Ist bei mir auch so, Religion/Gott fand bei uns zu Hause nicht statt.
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Jekyll
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Jekyll » Mi 6. Mär 2019, 23:42

Inhaltlich sind sie natürlich gegensätzlich, aber in der Methodik sehe ich schon Parallelen; beide Lager bauen ihren Standpunkt auf subjektive Annahmen, die ohne jeglichen Anspruch auf objektive Beweisbarkeit auskommen.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Amun Ra » Mi 6. Mär 2019, 23:57

Jekyll hat geschrieben:(06 Mar 2019, 23:42)

Inhaltlich sind sie natürlich gegensätzlich, aber in der Methodik sehe ich schon Parallelen; beide Lager bauen ihren Standpunkt auf subjektive Annahmen, die ohne jeglichen Anspruch auf objektive Beweisbarkeit auskommen.

Der Gläubige sagt: "Es gibt einen/mehrere Götter."
Der Atheist antwortet: "Ohne Beweise glaube ich dir nicht."

Welcher subjektiven Annahme unterliegt hier der Atheist? Atheismus ist doch gerade die Ablehnung einer ganz bestimmten, subjektiven Annahme (nämlich des Postulats der Existenz einer oder mehrerer Götter) eben weil diese einer objektiven Betrachtungsweise nicht standhält. Die Prämisse der Atheisten kommt ja nicht aus dem luftleeren Raum. Ohne die Theisten und deren subjektiven Annahme gäbe es doch gar keine Atheisten. :?:
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Jekyll » Mi 6. Mär 2019, 23:59

imp hat geschrieben:(04 Mar 2019, 17:08)

Atheismus geht auch komplett ohne Sinnsucherei, wenn man möchte. Viele Atheisten wollen gar keine Metatexte zum Thema schreiben. Solange man sie in Ruhe lässt, interessiert viele Atheisten Religion gar nicht.
Finde ich bißchen widersprüchlich. Desinteresse führt für gewöhnlich nicht dazu, dass man sich gegen oder für etwas Bestimmtes positioniert.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Jekyll » Do 7. Mär 2019, 00:11

Amun Ra hat geschrieben:(06 Mar 2019, 23:57)

Der Gläubige sagt: "Es gibt einen/mehrere Götter."
Der Atheist antwortet: "Ohne Beweise glaube ich dir nicht."
Ich denke, der Atheist hat da seinen eigenen Standpunkt, der da lautet: "Es gibt keinen Gott/keine Götter."

Das ist von gleicher Qualität wie der Glaubenssatz des Religiösen. Beide Standpunkte sind nicht beweisbar.

Welcher subjektiven Annahme unterliegt hier der Atheist? Atheismus ist doch gerade die Ablehnung einer ganz bestimmten, subjektiven Annahme (nämlich des Postulats der Existenz einer oder mehrerer Götter) eben weil diese einer objektiven Betrachtungsweise nicht standhält. Die Prämisse der Atheisten kommt ja nicht aus dem luftleeren Raum. Ohne die Theisten und deren subjektiven Annahme gäbe es doch gar keine Atheisten. :?:
Ich glaube, du verwechselst den Atheisten mit einem Wissenschaftler. Letzterer folgt einer strengen empirischen Methodik, um zu (möglichst) objektiven Schlüssen zu gelangen. Ein Atheist hat aber ad hoc eine bestimmte Grundhaltung, die er für wahr hält.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon BlueMonday » Do 7. Mär 2019, 00:42

Amun Ra hat geschrieben:(06 Mar 2019, 23:57)

Der Gläubige sagt: "Es gibt einen/mehrere Götter."
Der Atheist antwortet: "Ohne Beweise glaube ich dir nicht."

Welcher subjektiven Annahme unterliegt hier der Atheist? Atheismus ist doch gerade die Ablehnung einer ganz bestimmten, subjektiven Annahme (nämlich des Postulats der Existenz einer oder mehrerer Götter) eben weil diese einer objektiven Betrachtungsweise nicht standhält. Die Prämisse der Atheisten kommt ja nicht aus dem luftleeren Raum. Ohne die Theisten und deren subjektiven Annahme gäbe es doch gar keine Atheisten. :?:


Naja, die Existenz eines Gottes (als jenseitiger Schöpfer oder so etwas) kann nun weder bewiesen noch widerlegt werden, also sowohl Atheist wie Theist glauben oder spekulieren da.
Dann gibt es noch den Positivisten. Der sagt: "Alles was ich nicht messen, erfassen, begreifen etc. kann, interessiert mich nicht und von allem anderen weiß ich auch nichts." Er ist also ein Agnostiker. Der Gnostiker wiederum behauptet einen Zugang zu Gott zu haben ... was immer auch Gott für ihn sein mag.

Sicher ist wohl nur, dass es eine Welt gibt, dass es also wenigstens *etwas* gibt, sonst könnten wir nicht hier sein und darüber nachdenken.
Woher stammt nun diese Welt? Das weiß niemand, sondern es wird nur vermutet, sich vorgestellt. Der eine nennt dann seine Vermutung oder Vorstellung "Gott", ein anderer "Urknall", "Singularität" oder so etwas. Man erfindet Worte für etwas, für das man keinen Begriff hat. Einen Urgrund sucht man letztlich. Eine erste Ursache, von der sich eine Kausalkette oder ein Kausalnetz bis zum heutigen Tag spinnt. Und schon sind wir beim Begriff der Kausalität. Was ist Kausalität? Für den Philosophen Hume ist es nicht mehr als eine Denkgewohnheit. Gott ist damit das menschliche Bedürfnis einer Denkgewohnheit einen Ausgangspunkt zu geben, einen Boden zu bereiten, auf der er sie stellen kann, einen Anfang. Man mag sich nicht etwas vorstellen, das schon immer da war. Als endliches Wesen kann man sich kaum in die Unendlichkeit versetzen. Das Denken giert nach einem Beginn und einem Ende. Mit Untergangsvorstellungen bewegt man am heftigsten die Gemüter (aktuell diese ganze Klimahysterie).

Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass Menschen, die sich betont atheistisch oder ungläubig, oder "wissend" darstellen, in anderer Weise äußerst fromm und tief gläubig sind, indem sie sich Ersatzgötter geschaffen haben. Der "Anfang" und Lebensgrund rückt dann näher an die eigene Lebenszeit. Besonders beliebt ist da "der Staat" heutzutage oder "die Gesellschaft" oder "die Demokratie". Oder man glaubt irgendwelchen "Autoritäten".
But who would build the roads?
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Misterfritz » Do 7. Mär 2019, 06:36

Ihr sprecht hier von "aktiven" Atheisten, wie ich das mal nennen will.
Das sind oft Menschen, die gläubig erzogen wurden und sich bewusst davon abgewandt haben. Die meisten Atheisten dürften aber Menschen sein, die nie geglaubt haben (ausser an den Weihnachtsmann ;) )- Und die machen sich schlicht gar keine Gedanken dazu oder geben von sich aus Statements gegen Gottesglaube ab, nur wenn sie explizit danach gefragt werden.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Selina » Do 7. Mär 2019, 07:11

Der Denkerr hat geschrieben:(04 Mar 2019, 16:46)

Sowohl im Atheismus wie auch im Bereich der Religion fallen imme wieder Argumente, welche den Sinn des Lebens, das Leiden in der Welt usw. berühren. Auffällig ist dabei, dass beide Seiten für sich beanspruchen durch ihre Einstellung ein sinnerfüllteres und besseres Leben zu führen. Atheisten propagieren bspw. mit ebensolcher Überzeugung für Humanität wie moderne Christen. Häufig lassen sich Ähnlichkeiten zwischen überzeugten Gläubigen und überzeugten Atheisten feststellen.

Kann es also sein, dass jene unter anderen Umständen auf der anderen Seite zu finden wären ? Mein subjektiver Eindruck bei dem Lesen von Texten jeweiliger Autoren ist, dass sowohl radikale Atheisten wie auch fanatische Gläubige oftmals viel Leid in ihrer Leben durchlitten haben.

Denn beide verwenden für ihre Sache stets ähnliche Worte , nur ziehen sie andere Schlüsse daraus und betten ihre Erkentnise in unterschiedliche Kontexte ein. Aber im Grunde dreht es sich bei beidem um Lebensewältigung.

Welche Gemeinsamkeiten seht ihr zwischen Atheismus und Religiosität ? Hat es nur den Schein oder steckt Wahrheit in diesem Eindruck ?


Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es Menschen sind, die sich Atheisten oder Gläubige nennen. Atheisten glauben nicht an die Existenz eines Gottes oder einer göttlichen Idee, Gläubige tun das. Beide können sich jedoch entscheiden, ob sie ihre Überzeugungen und ihren Glauben auf humanistischem und liberalem Wege leben wollen oder eher auf dogmatischem. Wer ersteren Weg bevorzugt, kommt mit allen anderen ganz gut klar, egal, ob Atheist oder gläubiger Mensch. Mit anderen Worten: Ich halte nur die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Menschen (die sich unterschiedlich verhalten) für relativ bedeutsam, aber nicht die zwischen Religionen und Weltanschauungen, die man einfach großzügig und gleichberechtigt nebeneinander existieren lassen sollte.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon imp » Do 7. Mär 2019, 07:25

Jekyll hat geschrieben:(06 Mar 2019, 23:59)

Finde ich bißchen widersprüchlich. Desinteresse führt für gewöhnlich nicht dazu, dass man sich gegen oder für etwas Bestimmtes positioniert.

Die Religion der anderen ist dem normalen Atheisten egal. Das ist hier ein rhetorischer Trick, Atheismus auf irgendwelche Leute zu verengen, die die Auseinandersetzung mit den Religiösen zu ihrem Anliegen gemacht haben.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Keoma » Do 7. Mär 2019, 08:07

Es wundert manche Atheisten halt manchmal, wieso Menschen gewisse Riten und Handlungen für ihre Religion unabdingbar sind.
Die absolut nicht hinterfragt werden dürfen, sonst ist der unsichtbare Freund böse.
Der Glaube an sich ist ihnen völlig Conchita.
Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon aleph » Do 7. Mär 2019, 09:20

Man blendet hier die Philosophie aus, vermutlich ist das der Denkfehler. Atheisismus ist eine von vielen Merkmalen des Naturalismus. Zu den Grundannahmen des Naturalismus gehört, dass es nichts außer unserer physikalischen Welt gibt. Das ist eine Annahme. Folgerung dieser Annahme ist unter anderem, dass man die Existenz einer transzendenten Welt einschließlich Bewohner verneint.

Das ist eine Annahme, die auch falsch sein kann. Aber diese Annahme hat ja wohl gar nichts mit den Glauben von Religiösen zu tun, der sich in diverser Hinsicht äußert, angefangen bei merkwürdigen Riten nach der Geburt bis hin zu Bestattungszeremonien. Was aber nicht heißt, dass Atheisten keine Rituale kennen würden, allerdings hat das nichts mit deren Atheismus oder Naturalismus zu tun.
Auf dem Weg zum Abgrund kann eine Panne lebensrettend sein. Walter Jens
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Der Denkerr » Do 7. Mär 2019, 11:37

Misterfritz hat geschrieben:(07 Mar 2019, 06:36)

Ihr sprecht hier von "aktiven" Atheisten, wie ich das mal nennen will.
Das sind oft Menschen, die gläubig erzogen wurden und sich bewusst davon abgewandt haben. Die meisten Atheisten dürften aber Menschen sein, die nie geglaubt haben (ausser an den Weihnachtsmann ;) )- Und die machen sich schlicht gar keine Gedanken dazu oder geben von sich aus Statements gegen Gottesglaube ab, nur wenn sie explizit danach gefragt werden.


Ja, darum geht der Thread. Die Wechselbeziehung zwischen dem Denken von aktiven Atheisten und aktiven Gläubigen. Die meisten Menschen fallen aber wohl aus diesem Rahmen. Sie sind so wie du, Misterfritz. Sie sehen die Probleme des Lebens und machen sich weder Sorgen aufgrund der Religion, noch schöpfen sie aus dieser Kraft. Wer nicht mit Religion aufwächst findet allenfalls Zugang zu dieser durch Krisen des Lebens oder aktiver Beschäftigung damit.

Und hier besteht wieder die Gemeinsamkeit zwischen aktiven Atheisten und frommen Gläubigen. Im Gegensatz zu der Mehrheit der Bevölkerung nutzen diese Gruppen ihre jeweiligen Weltanschauungen , um ihr Leben besser zu bewältigen. Viele User hier können den Schlagabtausch zwischen Atheisten und frommen wohl kaum nachvollziehen, da diese nicht gewohnt sind sich Gedanken über Übernatürliches zu machen und einfach ihr Leben leben.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon irgendwer » Do 7. Mär 2019, 11:46

aleph hat geschrieben:(07 Mar 2019, 09:20)

Man blendet hier die Philosophie aus, vermutlich ist das der Denkfehler. Atheisismus ist eine von vielen Merkmalen des Naturalismus. Zu den Grundannahmen des Naturalismus gehört, dass es nichts außer unserer physikalischen Welt gibt. Das ist eine Annahme. Folgerung dieser Annahme ist unter anderem, dass man die Existenz einer transzendenten Welt einschließlich Bewohner verneint.

Das ist eine Annahme, die auch falsch sein kann. Aber diese Annahme hat ja wohl gar nichts mit den Glauben von Religiösen zu tun, der sich in diverser Hinsicht äußert, angefangen bei merkwürdigen Riten nach der Geburt bis hin zu Bestattungszeremonien. Was aber nicht heißt, dass Atheisten keine Rituale kennen würden, allerdings hat das nichts mit deren Atheismus oder Naturalismus zu tun.


Das hat alles nichts mit dem Glauben von Religiösen zu tun? Doch, sowohl Atheisten als auch Religiöse können Sprechblasen (rund) produzieren, an die sie dann glauben. Beide SORTEN (von Einsortieren) von Menschen sind: Menschen.
Ich gebe jetzt folgendes Weltbild vor. Wir übersetzen das Wort ewig, also die Ewigkeit, mit Immer. Das Immer. Also etwas wird nicht IMMER schlechter, nein. Ab jetzt kreisen wir (all das, was so kreist) auf dem Ereignishorizonte. Sonst endet irgendetwas mit diesem verdammten weißen Zwerg oder so. Der Ereignishorizont ist ein Kreis, hinter den kein Mensch blicken kann, vor allem, weil er ihm nicht zu nahe kommen darf.
Sollte im Laufe der Zeit einem lebenswichtigen Objekt im Universum die Materie auszugehen drohen, erhält es sie auf kürzestem Wege direkt zugestellt, und das auf ganz behutsame Weise.
Die Lichtgeschwindigkeit sei auch noch immer konstant, daran kann man viel messen, aber es wird wohl schwierig bleiben für ein Menschenhirn, überhaupt so schnell zu denken, in diese Gedanken auch noch die Raumzeitkrümmung einzubeziehen und zusätzlich darüber nachzudenken, ob der Naturkreislauf eher rund oder eher kreisförmig ist, das dann auch noch allen Menschen mitzuteilen, die vielen Lichtjahre persönlich zurückzulegen, also das ... ist ... schwer vorstellbar.
Glaubt man aber als Nichtgläubiger logischerweise nicht an einen Gott, kommt irgendwie trotzdem in eine Situation, sich direkt an Gott zu wenden (geht eigentlich nicht, aber es soll schon vorgekommen sein, weil ja so viele Gläubige davon sprachen), dann kann sich ein nichtexistierender Gott mittels eines winzigen Zeichens wohl die Erlaubnis geben, falls er das darf, im Bruchteil einer Sekunde den gesamten Naturkreislauf einmal vollständig zu ... absolvieren ...
Und sich genau da wiederzufinden, wo er soeben ist.
Und dann sagt er: Oh. Da bin ich also.
Gott, also dieser Ursprung von allem, weiß alles. Und das kleine Menschenhirn denkt weiter: Großer Gott, die armen Kinder in der Zukunft, die gibt es ja auch noch (noch immer ...). Was bitte möchten wir ihnen denn zu forschen übrig lassen?
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon denkmal » Do 7. Mär 2019, 12:01

Das kommt mir so vor wie das übliche Schubladen zuordnen.
Da die Schublade mit den Gläubigen, da die andere mit den Nichtgläubigen. Alles einsortiert, erledigt. Ist das denn überhaupt wichtig, ob wer was glaubt oder nicht glaubt? Ich weiß, das ist die menschliche Natur - oder soll ich sagen, ich glaube, das ist die menschliche Natur? :cool:
Das einzige, was mich stört, ist das Missionieren jeglicher Art, das der aktuelle Verein, dem man angehört, die ultimative Wahrheit erkannt hat, ohne Argumente befriedigend zu berücksichtigen.
Im Laufe ihres steinernen Daseins nehmen sogar manche Denkmäler menschliche Züge an.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Dampflok94 » Do 7. Mär 2019, 16:02

Jekyll hat geschrieben:(07 Mar 2019, 00:11)

Ich denke, der Atheist hat da seinen eigenen Standpunkt, der da lautet: "Es gibt keinen Gott/keine Götter."

Das ist von gleicher Qualität wie der Glaubenssatz des Religiösen. Beide Standpunkte sind nicht beweisbar.

Die Nicht-Existenz von irgendwas ist nie beweisbar. Oder kann mir jemand beweisen, daß es auf der Erde keine riesigen dreiköpfigen feuerspeienden Drachen gibt? ;)

Irgend etwas beweisen muß man doch frühestens, wenn man einen anderen überzeugen möchte. Wenn jemand einfach an einen Gott glaubt, weil für ihn die Tatsachen dafür sprechen, dann ist das eben so. Niemand hat das Recht von ihm einen Beweis zu fordern. Wenn diese Person aber zu missionieren versucht, dann sieht das ggf. anders aus. Da kann die angesprochene Person natürlich eine Aussage fordern, was denn dafür spräche.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 7. Mär 2019, 17:57

Wie nennt man jemand, der von allen möglichen Religionen/Glaubensrichtungen angewidert ist?
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Inspyration » Do 7. Mär 2019, 17:59

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Mar 2019, 17:57)

Wie nennt man jemand, der von allen möglichen Religionen/Glaubensrichtungen angewidert ist?


In der BRD islamfeindlich, in anderen Staaten fortschrittlich.
Zuletzt geändert von Inspyration am Do 7. Mär 2019, 18:03, insgesamt 2-mal geändert.
Westdeutsche braucht die Welt nicht.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Keoma » Do 7. Mär 2019, 17:59

Tom Bombadil hat geschrieben:(07 Mar 2019, 17:57)

Wie nennt man jemand, der von allen möglichen Religionen/Glaubensrichtungen angewidert ist?

Keoma.
Jeder hat das Grundrecht auf eine eigene Meinung. Aber nicht auf eigene Fakten.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon Skeptiker » Do 7. Mär 2019, 18:51

Der Denkerr hat geschrieben:(04 Mar 2019, 16:46)
Sowohl im Atheismus wie auch im Bereich der Religion fallen imme wieder Argumente, welche den Sinn des Lebens, das Leiden in der Welt usw. berühren. Auffällig ist dabei, dass beide Seiten für sich beanspruchen durch ihre Einstellung ein sinnerfüllteres und besseres Leben zu führen.

Das kann ich nicht erkennen. Atheismus ist keine "Gegenreligion". Atheismus ist die Überzeugung, dass die Welt nicht von Göttern bestimmt wird. Es ist die Ablehnung des Glaubens an Gott - aus den unterschiedlichsten Gründen heraus.

Der Denkerr hat geschrieben:(04 Mar 2019, 16:46)
Atheisten propagieren bspw. mit ebensolcher Überzeugung für Humanität wie moderne Christen. Häufig lassen sich Ähnlichkeiten zwischen überzeugten Gläubigen und überzeugten Atheisten feststellen.

Nein, nicht "die Atheisten" sind Anhänger des Humanismus, sondern mache davon - vielleicht auch viele, schwer zu sagen. Dadurch aber, dass ich Götter als unsinnige Idee ansehe, mache ich noch keine positive Aussage zu einer anderen Lebensphilosophie.
Der Denkerr hat geschrieben:(04 Mar 2019, 16:46)
Kann es also sein, dass jene unter anderen Umständen auf der anderen Seite zu finden wären ? Mein subjektiver Eindruck bei dem Lesen von Texten jeweiliger Autoren ist, dass sowohl radikale Atheisten wie auch fanatische Gläubige oftmals viel Leid in ihrer Leben durchlitten haben.

Denn beide verwenden für ihre Sache stets ähnliche Worte , nur ziehen sie andere Schlüsse daraus und betten ihre Erkentnise in unterschiedliche Kontexte ein. Aber im Grunde dreht es sich bei beidem um Lebensewältigung.

Radikale Atheisten haben möglicherweise negative Erfahrungen mit einer Welt gesammelt, in der Religionsgemeinschaften weltweit noch immer die Gesellschaften kontrollieren. Das kann schonmal ärgerlich stimmen.

Für radikalen Theismus braucht es kein besonderes Leid. Er ist in manchen Gegenden der Welt Staatsreligion. Religiöser Extremismus baut auf der Gesellschaft auf in der die Menschen leben. Die Menschen im amerikanischen Biblebelt würden wir als vergleichbar extrem wahrnehmen wie Wahabiten in Saudi Arabien, nur kulturell steht man sich näher.
Der Denkerr hat geschrieben:(04 Mar 2019, 16:46)
Welche Gemeinsamkeiten seht ihr zwischen Atheismus und Religiosität ? Hat es nur den Schein oder steckt Wahrheit in diesem Eindruck ?

Es gibt keine - tatsächlich ist das eine das Gegenteil des anderen. Es ist eher ein typisch religiöse Argumentation Atheisten als "andere" Gläubige darzustellen. Typischerweise weil den Theisten das so einleuchtet, manchmal aber auch wider besseren Wissens.
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Re: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Atheismus und Religiosität ?

Beitragvon irgendwer » Do 7. Mär 2019, 21:08

denkmal hat geschrieben:(07 Mar 2019, 12:01)

Das kommt mir so vor wie das übliche Schubladen zuordnen.
Da die Schublade mit den Gläubigen, da die andere mit den Nichtgläubigen. Alles einsortiert, erledigt. Ist das denn überhaupt wichtig, ob wer was glaubt oder nicht glaubt? Ich weiß, das ist die menschliche Natur - oder soll ich sagen, ich glaube, das ist die menschliche Natur? :cool:
Das einzige, was mich stört, ist das Missionieren jeglicher Art, das der aktuelle Verein, dem man angehört, die ultimative Wahrheit erkannt hat, ohne Argumente befriedigend zu berücksichtigen.


Ja, die menschliche Natur ist so, wie sie ist.
Daraus ergeben sich auch schon Studien über Männer und Frauen. Was denken sie denn, woran glauben sie denn usw.

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