Grundsatzdiskussion Islam

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jellobiafra
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon jellobiafra » Do 18. Okt 2018, 16:04

In den USA soll die Integration der Muslime deutlich besser verlaufen als in Deutschland.

Die Muslime in der USA sind durchweg überdurchschnittlich gebildet und berufstätig.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article6070702/USA-Wie-die-Integration-von-Muslimen-gelingt.html

In den USA sind die Muslime besser integriert als in Europa. Zurückzuführen ist das vor allem auf die größere Durchlässigkeit der amerikanischen Gesellschaft. In Europa hingegen sind die Strukturen starrer. Kein Wunder also, dass die Assimilationsbereitschaft hier schwächer ausgeprägt ist.


Was dieser Artikel unerwähnt lässt, ist dass es in den USA kaum Muslime gibt, (Weniger als 1 % der Bevölkerung). Was es noch weniger gibt, ist ein Sozialsystem, in das man einwandern kann. Wer nicht in den Arbeitsmarkt integriert ist, wird überhaupt nicht rein gelassen, oder kann sehen, wo er bleibt. Die Situation in Deutschland ist deutlich komplizierter. (Weitaus höherer muslimischer Anteil (Über 4 Prozent) und diese eher unterdurchschnittlich gebildet und deshalb häufiger arbeitslos.)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Wolverine » Do 18. Okt 2018, 16:06

jellobiafra hat geschrieben:(18 Oct 2018, 16:04)

In den USA soll die Integration der Muslime deutlich besser verlaufen als in Deutschland.

Die Muslime in der USA sind durchweg überdurchschnittlich gebildet und berufstätig.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article6070702/USA-Wie-die-Integration-von-Muslimen-gelingt.html



Was dieser Artikel unerwähnt lässt, ist dass es in den USA kaum Muslime gibt, (Weniger als 1 % der Bevölkerung). Was es noch weniger gibt, ist ein Sozialsystem, in das man einwandern kann. Wer nicht in den Arbeitsmarkt integriert ist, wird überhaupt nicht rein gelassen, oder kann sehen, wo er bleibt. Die Situation in Deutschland ist deutlich komplizierter. (Weitaus höherer muslimischer Anteil (Über 4 Prozent) und diese eher unterdurchschnittlich gebildet und deshalb häufiger arbeitslos.)


Auch im europäischen Vergleich ist Deutschland ein Schlaraffenland für Muslime..
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon jellobiafra » Do 18. Okt 2018, 16:17

Helmut Schmidt schrieb in seinem Buch "Außer Dienst":

„Wer die Zahlen der Muslime in Deutschland erhöhen will, nimmt eine zunehmende Gefährdung unseres inneren Friedens in Kauf.“


Abgesehen vom rechten Flügel der AfD gibt es allerdings niemand, der die Zahl der Muslime in Deutschland nicht erhöhen will.

Dazu wäre nicht nur ein sofortiger totaler Einreisestopp von Muslimen nötig, sondern es muss auch eine Antwort auf den demographischen Bevölkerungswachstum
der hier lebenden Muslime gefunden werden. Das heißt, man muss einen Teil der bereits hier lebenden wieder loswerden. Dies wird auf absehbare Zeit nicht mehrheitsfähig
sein.

Wenn Helmut Schmidt recht hat, werden wir dann wohl mit einer zunehmenden Gefährdung unseres inneren Friedens leben müssen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 17:07

Liegestuhl hat geschrieben:(17 Oct 2018, 16:22)
Wo können wir denn hinschauen, wo Muslime eine Mehrheit haben und es klappt?
Bleibtreu hat geschrieben:(18 Oct 2018, 11:21)
Mohlenbeck nannte er unverkennbar als GegenBeispiel. Wo bleibt dein PositivBeispiel, ist es so schwer eines zu finden?
relativ hat geschrieben:(18 Oct 2018, 11:57)
ich habe ein Bock auf diese dämlichen Spielchen.

Ich kenne kein Beispiel dafür, dass Mohammedaner in einer Gesellschaft die Mehrheit stellen und dennoch niemand religiös und/oder sozial unterdrückt wird.
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon aleph » Do 18. Okt 2018, 20:15

jellobiafra hat geschrieben:(18 Oct 2018, 16:04)

In den USA soll die Integration der Muslime deutlich besser verlaufen als in Deutschland.

Die Muslime in der USA sind durchweg überdurchschnittlich gebildet und berufstätig.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article6070702/USA-Wie-die-Integration-von-Muslimen-gelingt.html



Was dieser Artikel unerwähnt lässt, ist dass es in den USA kaum Muslime gibt, (Weniger als 1 % der Bevölkerung). Was es noch weniger gibt, ist ein Sozialsystem, in das man einwandern kann. Wer nicht in den Arbeitsmarkt integriert ist, wird überhaupt nicht rein gelassen, oder kann sehen, wo er bleibt. Die Situation in Deutschland ist deutlich komplizierter. (Weitaus höherer muslimischer Anteil (Über 4 Prozent) und diese eher unterdurchschnittlich gebildet und deshalb häufiger arbeitslos.)

3,4 mio muslime gibt es in den usa. ein sozialsystem gibt es sehr wohl. allerdings kann man da nicht ohne weiteres einwandern, in deutschland allerdings auch nicht. sozialhilfe gibt es in den usa allerdings nicht nach dem gieskannenprinzip, das stimmt. hierzulande war das aber auch schon mal großzügiger.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon aleph » Do 18. Okt 2018, 20:24

indonesien ist recht tolerant gegenüber andersgläubigen
https://orange.handelsblatt.com/artikel/26542

in albanien und bosnien kann man als christ ebenso gut leben.

man sollte es aber nicht übertreiben. toleranz nach der westlichen tradition gibt es eben fast nur im westen und das sind eben fast alle christlich. christliche staaten außerhalb des westens sind auch nicht übermäßig tolerant, vor allem nicht gegen homosexuelle.

welcher maßstab wird vorgeschlagen, wie man die toleranz eines staates messen kann?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Fliege » Do 18. Okt 2018, 21:17

aleph hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:24)
welcher maßstab wird vorgeschlagen, wie man die toleranz eines staates messen kann?

Ich schlage vor: Wenn Religionsausübung nur Privatsache und nichts anderes ist, dann ist in einem Staatswesen religiöse Toleranz verwirklicht. Der Maßstab lautet also: Wie sehr ist Religionsausübung nur Privatsache und nichts anderes.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Ammianus » Do 18. Okt 2018, 21:23

Das beginnt schon damit, ob es so etwas wie eine "Staatsreligion" geben soll. In meinen Augen ist das eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Religionen und auch Agnostikern und Atheisten. Der Staat, also die Gesellschaft sollte die voll Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse, Philosophien und Lebensweisen tolerieren und schützen, so lange sie nicht in die Freiheit der anderen eingreifen. Wenn es meiner Meinung nach noch eine zu große Verzahnung staatlicher und kirchlicher Bereiche in Deutschland gibt, sind wir hier aber schon auf einem guten Weg. Es gibt aber eben auch Länder, wo das besser geregelt ist. Allerdings darf man eben die christliche Tradition und das noch deutlich mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung Christen sind, außer acht lassen.

Konkret heisst das auch, dass jeder seine Religion selbst wählen kann. Er darf dafür werben, darf sie wechseln, reformieren, sich eine völlig neue Ausdenken usw. Dies ist von der Gesellschaft nicht nur zu tolerieren, sondern auch zu schützen. Religionen und Philosophien sowie damit verbundene Personen dürfen offen diskutiert, kritisiert, wiederlegt und abgelehnt werden.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon unity in diversity » Fr 19. Okt 2018, 04:27

@Ammianus
Es gibt Fundis, die jeder sachlichen Diskussion, oder gar Kritik unaufgeschlossen gegenüberstehen.
Besonders feindlich reagieren sie auf humorvolle und ironische "Hinweise zum gewinnenderen Auftritt".
Dann kommt der autoritäre Glaubenshintergrund zum Vorschein.
Wer keine vernünftigen Argumente für seine Sache darbringen kann, wird immer autoritär. Anders kann er sich nicht in die Gesellschaft reindrängeln.
So war das auch bei den Kommunisten.
Wer aus der Reihe tanzte, dessen Gehirn hatte der Klassengegner angebohrt.
Die Konsequenzen werden immer noch aufgearbeitet.
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Julian » Fr 19. Okt 2018, 08:32

aleph hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:24)

indonesien ist recht tolerant gegenüber andersgläubigen
https://orange.handelsblatt.com/artikel/26542


Aus dem von Ihnen verlinkten Artikel:
Mehr als 215 Millionen Muslime leben in Indonesien, das Land gilt als Musterstaat des offenen Islam. Jetzt wird ein christlicher Gouverneur wegen Gotteslästerung verurteilt. Siegt der politische Islam und spaltet die Gesellschaft?


Offenbar gewinnt der radikale Islam an Einfluss in Indonesien. Der Autor versucht im folgenden eher verzweifelt seinen Punkt zu machen, dass Indonesien weiterhin tolerant sei, kann dafür aber keine tatsächlichen Fakten anführen.

Ahoks Amtszeit ist einmalig in Jakarta: Er gehört als Christ im muslimischen Indonesien zu einer Minderheit und ist dennoch ins Amt gekommen.


Der Normalfall scheint also zu sein, dass man in Indonesien nur als Muslim in ein Amt kommt. Wer dies für vereinbar hält mit einer offenen, liberalen Gesellschaft, dem ist nicht mehr zu helfen.

Einige Muslime legen eine Sure im Koran (5:51) so aus, dass sie verbietet, einen Christen zu wählen. Im Oktober letzten Jahres verwies Ahok auf diese Sure. Seine genaue Wortwahl ist unklar, Videos gelten als gefälscht. Trotzdem haben islamische Gruppierungen diese Rede als Beleidigung des Korans interpretiert, Ahok wegen Gotteslästerung verklagt und Millionen von Muslime davon überzeugt, nicht für ihn zu stimmen.
[...]
Im Gegensatz zu Yusuf und Indah hat die Mehrheit sich gegen Ahok entschieden – zu stark war der Einfluss seiner Gegner.


Der Christ wurde also aufgrund der Agitation von Mohammedanern abgewählt.

Ahoks lautester Gegner ist die Islamic Defenders Front, in der sich etwa 200.000 radikale Muslime organisiert haben. Ihr Ziel: Eine islamische Gesetzgebung nach der Scharia. Ihre Mittel: die sozialen Medien und Milliardeninvestitionen aus Saudi-Arabien. Und ihre Zielgruppe: die Ärmsten der Ärmsten.


Hier ein Artikel, der ganz gut die Leugnung der Islamisierung Indonesiens durch interessierte westliche Kreise thematisiert:
Indonesien galt lange als ein Land, das Demokratie und Islam vereinbart - nun schreitet die Islamisierung zügig voran. Ein Beitrag in einer Zeitschrift der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich "als Partnerin der deutschen Außen- und Entwicklungspolitik" versteht, zeigt allerdings, dass die westliche Öffentlichkeit diese Entwicklung immer noch verharmlost oder leugnet. Frauen und Homosexuelle sind die Opfer dieser Indifferenz.

https://www.perlentaucher.de/essay/die- ... gnung.html

aleph hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:24)
in albanien und bosnien kann man als christ ebenso gut leben.


Albanien wurde während des Sozialismus stark säkularisiert; davon lebt das Land im Grunde immer noch. Eine Re-Islamisierung ist jederzeit möglich und könnte zu den allseits bekannten Problemen führen, wenn nicht der stark ausgeprägt albanische Nationalismus sich als stärker erweist.

Im übrigen würde ich Albanien nicht als ein Vorbild für politische und wirtschaftliche Entwicklung ansehen.

Bosnien wird von der EU als Protektorat verwaltet; was ohne diese Einwirkung von außen geschähe, kann man sich ausmalen: Die Leute würden sich wieder an die Gurgel gehen. Einen funktionierenden Staat gibt es dort eigentlich nicht, und der Grund ist der, dass die Loyalität dort eben nach Religion funktioniert. Kein Vorbild.

aleph hat geschrieben:(18 Oct 2018, 20:24)
man sollte es aber nicht übertreiben. toleranz nach der westlichen tradition gibt es eben fast nur im westen und das sind eben fast alle christlich. christliche staaten außerhalb des westens sind auch nicht übermäßig tolerant, vor allem nicht gegen homosexuelle.


In Japan kann man als Homosexueller ganz gut leben, ebenso in Brasilien. Es gibt allerdings einige rückständige, nicht-muslimische afrikanische Staaten, wo die Intoleranz (zusammen mit Rassismus gegen Weiße) ebenfalls sehr hoch ist (Bsp.: Simbabwe), und Länder, die durch afrikanische Bevölkerungsgruppen dominiert werden wie Jamaika, wo die Situation auch sehr unangenehm ist.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon relativ » Fr 19. Okt 2018, 10:00

Liegestuhl hat geschrieben:(18 Oct 2018, 14:33)

Richtig. Weil es eines von vielen Beispielen ist, wo es nicht funktioniert. Menschen handeln im Kontext und ein moderater Muslim handelt in einer Gruppe Muslime anders als in einer Gruppe Nicht-Muslime. Das ist kein Vorwurf. Molenbeek und andere Städte oder Stadtteile zeigen, dass die Existenz freiheitsfeindlicher Parallelgesellschaften nicht von radikalen Kräften abhängig ist. Ich kenne kein Gegenbeispiel und hatte dich danach gefragt.

Nochmal, es ging nicht um muslimische Länder sonder um die Muslime die in Deustchland leben. wenn du über die muslimische Staaten sprechen willst, dann klinke dich doch nicht in Diskussionen ein wo es um die Muslime in Deutschland geht, sondern mach ein neues Fass auf.
Das alltägliche Leben miteinander sind die Beispiele wo es Funktioniert, nur wird das Alltägliche Normale eben nur als Alltäglich und Normal wahr genommen. Jemand der kaum und gar keinen Kontakt zu Moslems hat, nimmt diese Normalität im Zusammenleben natürlich noch schlechter wahr . Von denjenigen Fremdeln will ich erst gar nicht anfangen
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Skeptiker » Mi 31. Okt 2018, 18:53

Heute ist die ursprünglich wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Asia Bibi freigesprochen worden. Prompt kommt es zu Protesten gegen die Freisprechung.
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... aedte.html

In Pakistan ist Blasphemie also mit Todesstrafe belegt. Wie passt das dann eigentlich damit zusammen, dass die Protestierenden pauschal Islamisten genannt werden?

Sollte man nicht davon ausgehen, dass die Gesetzgebung in einem Land tendenziell der Mehrheitsmeinung der dort lebenden Bevölkerung entspricht? Wenn dem aber so ist, wie kann man dann pauschal davon ausgehen, dass die dort demonstrierenden religiöse Extremisten sind, und nicht einfach nur Mainstreamer, die nicht verstehen warum die Gesetze nicht mehr angewendet werden?

Gibt es vielleicht irgendwelche Hinweise die ich nicht habe, dass extreme Minderheiten sich hier zum Protest aufgemacht haben? Oder ist es einfach eine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, indem man schreiben würde, dass die muslimische Bevölkerung hier für die Tötung von Ketzern protestiert?
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Fliege » Mi 31. Okt 2018, 19:10

Skeptiker hat geschrieben:(31 Oct 2018, 18:53)
Heute ist die ursprünglich wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Asia Bibi freigesprochen worden. Prompt kommt es zu Protesten gegen die Freisprechung.
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... aedte.html

In Pakistan ist Blasphemie also mit Todesstrafe belegt. Wie passt das dann eigentlich damit zusammen, dass die Protestierenden pauschal Islamisten genannt werden?

Sollte man nicht davon ausgehen, dass die Gesetzgebung in einem Land tendenziell der Mehrheitsmeinung der dort lebenden Bevölkerung entspricht? Wenn dem aber so ist, wie kann man dann pauschal davon ausgehen, dass die dort demonstrierenden religiöse Extremisten sind, und nicht einfach nur Mainstreamer, die nicht verstehen warum die Gesetze nicht mehr angewendet werden?

Gibt es vielleicht irgendwelche Hinweise die ich nicht habe, dass extreme Minderheiten sich hier zum Protest aufgemacht haben? Oder ist es einfach eine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, indem man schreiben würde, dass die muslimische Bevölkerung hier für die Tötung von Ketzern protestiert?

Man sollte in Erwägung ziehen und ins Auge fassen, dass kein signifikanter Unterschied zwischen Islam und Islamismus besteht.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Bartleby » Mi 31. Okt 2018, 19:29

Skeptiker hat geschrieben:(31 Oct 2018, 18:53)

Heute ist die ursprünglich wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Asia Bibi freigesprochen worden. Prompt kommt es zu Protesten gegen die Freisprechung.
https://www.welt.de/politik/ausland/art ... aedte.html

In Pakistan ist Blasphemie also mit Todesstrafe belegt. Wie passt das dann eigentlich damit zusammen, dass die Protestierenden pauschal Islamisten genannt werden?

Sollte man nicht davon ausgehen, dass die Gesetzgebung in einem Land tendenziell der Mehrheitsmeinung der dort lebenden Bevölkerung entspricht? Wenn dem aber so ist, wie kann man dann pauschal davon ausgehen, dass die dort demonstrierenden religiöse Extremisten sind, und nicht einfach nur Mainstreamer, die nicht verstehen warum die Gesetze nicht mehr angewendet werden?

Gibt es vielleicht irgendwelche Hinweise die ich nicht habe, dass extreme Minderheiten sich hier zum Protest aufgemacht haben? Oder ist es einfach eine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, indem man schreiben würde, dass die muslimische Bevölkerung hier für die Tötung von Ketzern protestiert?


Ob Gesetzgebungen der Mehrheitsmeinung, der moralischen zumal, entsprechen, war schon immer umstritten. Recht und Moral fallen oft genug auseinander. Als in den USA die Sklavenhaltung abgeschafft wurde, war das Recht nicht wirklich mehrheitsfähig, der gemeine Nigger galt seinerzeit der Mehrheit weiterhin für nicht vollständig menschlich und damit nicht rechtsfähig.

Im Falle Pakistans liegt die Sache klar auf der Hand. Die gesellschaftliche Moral, das Selbstverständnis der Gläubigen und das Recht sind dort im Einklang: Abtrünnige sind mit dem Tod zu bestrafen, wie es das Recht vorsieht. Dies jedoch in Deutschland auszusprechen ist keine Frage einer Betrachtung dieses Sachverhalts, sondern eine auf die hiesige Diskussion bezogene politische Frage nach den Folgen, sollte es ausgesprochen werden. Wenn es nach der eigenen Weltanschauung dazu führt, die gegnerische Weltanschauung zu stärken, wird man darauf verzichten. Das ist ein Teil dessen, was Samuel Schirmbeck einem Großteil der Linken, zu welcher er selbst gehört, als "Tabuisierungskultur" vorwirft.

https://www.ofv.ch/sachbuch/detail/gef%C3%A4hrliche-toleranz/103608/
In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Skeptiker » Mi 31. Okt 2018, 20:45

MäckIntaier hat geschrieben:(31 Oct 2018, 19:29)
Ob Gesetzgebungen der Mehrheitsmeinung, der moralischen zumal, entsprechen, war schon immer umstritten. Recht und Moral fallen oft genug auseinander. Als in den USA die Sklavenhaltung abgeschafft wurde, war das Recht nicht wirklich mehrheitsfähig, der gemeine Nigger galt seinerzeit der Mehrheit weiterhin für nicht vollständig menschlich und damit nicht rechtsfähig.

Im Falle Pakistans liegt die Sache klar auf der Hand. Die gesellschaftliche Moral, das Selbstverständnis der Gläubigen und das Recht sind dort im Einklang: Abtrünnige sind mit dem Tod zu bestrafen, wie es das Recht vorsieht. Dies jedoch in Deutschland auszusprechen ist keine Frage einer Betrachtung dieses Sachverhalts, sondern eine auf die hiesige Diskussion bezogene politische Frage nach den Folgen, sollte es ausgesprochen werden. Wenn es nach der eigenen Weltanschauung dazu führt, die gegnerische Weltanschauung zu stärken, wird man darauf verzichten. Das ist ein Teil dessen, was Samuel Schirmbeck einem Großteil der Linken, zu welcher er selbst gehört, als "Tabuisierungskultur" vorwirft.

https://www.ofv.ch/sachbuch/detail/gef%C3%A4hrliche-toleranz/103608/

Ja, bestimmt ein interessantes Buch.

Ich halte es für einen der ganz großen strategischen Fehler der politischen Linken sich derart zu positionieren. Die Auseinandersetzung mit totalitären antiliberalen Ideologien sollte eine Herzensangelegenheit für jeden Demokraten sein. Dennoch überwiegen Opferschutzreflexe bei denen progressive Kräfte in der Gesellschaft ihre entschiedensten Gegner fördern, anstatt sich an die Seite anderer Demokraten zu stellen und für eine liberale Gesellschaft einzustehen.

Was mich aber wirklich besorgt, ist die offenbar reflexartige Zuordnung von Hassbotschaften zu, mehr oder weniger, ideologisch dafür vorgesehene Gruppierungen. Wenn religiöser Mob die Todesstrafe für eine fünffache Mutter fordert, deren Verbrechen potentiell abfällige Äußerungen über den Islam waren, dann muss es einem schaurig den Rücken runterlaufen. Wieso muss man das verklären, indem man soetwas zu einem Minderheitenproblem macht, obwohl sich dafür keine HInweise finden lassen. Es wird nicht davon berichtet, dass irgendwelche extremistischen Organisationen dort demonstrieren. Nein, Demonstration für religiöse Ziele gilt scheinbar generell als islamistisch, was den Islam dahinter lapidar reinwäscht. Das mag in Deutschland annähernd zutreffen, warum aber malt man dieses Bild für Regionen in denen es garnicht passt?

Mein Eindruck ist, dass relativierende Sprachregelungen längst zur Norm geworden sind und die Wahrnehmung so beeinträchtigen, dass die wahre Natur des Problems immer nur durch einen rosaroten Schleier betrachtet wird.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Bartleby » Do 1. Nov 2018, 10:52

Skeptiker hat geschrieben:(31 Oct 2018, 20:45)

Ja, bestimmt ein interessantes Buch.

Ich halte es für einen der ganz großen strategischen Fehler der politischen Linken sich derart zu positionieren. Die Auseinandersetzung mit totalitären antiliberalen Ideologien sollte eine Herzensangelegenheit für jeden Demokraten sein. Dennoch überwiegen Opferschutzreflexe bei denen progressive Kräfte in der Gesellschaft ihre entschiedensten Gegner fördern, anstatt sich an die Seite anderer Demokraten zu stellen und für eine liberale Gesellschaft einzustehen.

Was mich aber wirklich besorgt, ist die offenbar reflexartige Zuordnung von Hassbotschaften zu, mehr oder weniger, ideologisch dafür vorgesehene Gruppierungen. Wenn religiöser Mob die Todesstrafe für eine fünffache Mutter fordert, deren Verbrechen potentiell abfällige Äußerungen über den Islam waren, dann muss es einem schaurig den Rücken runterlaufen. Wieso muss man das verklären, indem man soetwas zu einem Minderheitenproblem macht, obwohl sich dafür keine HInweise finden lassen. Es wird nicht davon berichtet, dass irgendwelche extremistischen Organisationen dort demonstrieren. Nein, Demonstration für religiöse Ziele gilt scheinbar generell als islamistisch, was den Islam dahinter lapidar reinwäscht. Das mag in Deutschland annähernd zutreffen, warum aber malt man dieses Bild für Regionen in denen es garnicht passt?

Mein Eindruck ist, dass relativierende Sprachregelungen längst zur Norm geworden sind und die Wahrnehmung so beeinträchtigen, dass die wahre Natur des Problems immer nur durch einen rosaroten Schleier betrachtet wird.


Der "rosarote Schleier" wäre noch das geringste Hindernis, nicht doch noch zurückzukehren zum kritischen Verstand. Aber die relativierenden Sprachregeln, deren man sich bedient, sind m.E. Ausdruck des vorherrschenden Freund-Feind-Denkens, in dem in der Anwendung der eigenen Begrifflichkeiten Freund und Feind geschieden werden. Dem Islam gegenüber würde sich eine an der traditionellen Religionskritik orientierte Haltung erst dann einstellen, wenn er aus der Minderheitenposition herauskäme. Bis dahin wird keine Auseinandersetzung stattfinden, wie es sie über die Macht und den Einfluss der christlichen Kirchen gab. Was natürlich auch ein wenig der dezentralistischen, schwer greifbaren Struktur dieser Religion geschuldet ist.
In der Einsamkeit frisst sich der Einsame selbst auf, in der Vielsamkeit fressen ihn die Vielen. Nun wähle.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Fliege » Fr 2. Nov 2018, 18:34

Skeptiker hat geschrieben:(31 Oct 2018, 20:45)
Wenn religiöser Mob die Todesstrafe für eine fünffache Mutter fordert, deren Verbrechen potentiell abfällige Äußerungen über den Islam waren, dann muss es einem schaurig den Rücken runterlaufen. [...]
Mein Eindruck ist, dass relativierende Sprachregelungen längst zur Norm geworden sind und die Wahrnehmung so beeinträchtigen, dass die wahre Natur des Problems immer nur durch einen rosaroten Schleier betrachtet wird.

Der Fall in Pakistan macht "Hoffnung". Doch auch Frankreich kann bei der Islamisierung weitere "Erfolge" vorweisen.

"Die Islamisierung Frankreichs: Zwei französische Starjournalisten haben ein Buch über die Ausbreitung eines extremen Islams in Frankreichs geschrieben. Sie beschreiben Parallelgesellschaften, die in Teilen des Landes entstanden seien – in denen sich selbst viele Muslime nicht mehr wohlfühlen" (Anreißer auf der Welt-online-Startseite; bezieht ich auf: Welt plus online, Die Islamisierung Frankreichs, 2. November 2018).

(Die Tüttelchen bei "Hoffnung" und "Erfolge" sind als Distanz-Tüttelchen zu verstehen.)
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Skeptiker » Fr 2. Nov 2018, 20:02

Fliege hat geschrieben:(02 Nov 2018, 18:34)
Der Fall in Pakistan macht "Hoffnung". Doch auch Frankreich kann bei der Islamisierung weitere "Erfolge" vorweisen.

"Die Islamisierung Frankreichs: Zwei französische Starjournalisten haben ein Buch über die Ausbreitung eines extremen Islams in Frankreichs geschrieben. Sie beschreiben Parallelgesellschaften, die in Teilen des Landes entstanden seien – in denen sich selbst viele Muslime nicht mehr wohlfühlen" (Anreißer auf der Welt-online-Startseite; bezieht ich auf: Welt plus online, Die Islamisierung Frankreichs, 2. November 2018).

(Die Tüttelchen bei "Hoffnung" und "Erfolge" sind als Distanz-Tüttelchen zu verstehen.)

Schöner Artikel. Ja, wie es aussieht ist in Frankreich die Tabuzone noch ausgeprägter als in Deutschland. Durch den größeren Teil arabisch geprägter Muslime wird das Problem dann umso größer. Schauen wir uns doch einfach mal an wie dieses Gesellschaftsexperiment weitergeht.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon Fliege » Fr 2. Nov 2018, 20:06

Skeptiker hat geschrieben:(02 Nov 2018, 20:02)
Schöner Artikel. Ja, wie es aussieht ist in Frankreich die Tabuzone noch ausgeprägter als in Deutschland. Durch den größeren Teil arabisch geprägter Muslime wird das Problem dann umso größer. Schauen wir uns doch einfach mal an wie dieses Gesellschaftsexperiment weitergeht.

Wenn wir warten, bis die Unterwerfung (nach Houellebecq) eingetreten ist, dann können wir Frankreich nach erfolgreichem Abschluss seiner Bemühungen aus der EU werfen.
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Re: Grundsatzdiskussion Islam

Beitragvon ThorsHamar » Fr 2. Nov 2018, 20:08

Skeptiker hat geschrieben:(02 Nov 2018, 20:02)

Schöner Artikel. Ja, wie es aussieht ist in Frankreich die Tabuzone noch ausgeprägter als in Deutschland. Durch den größeren Teil arabisch geprägter Muslime wird das Problem dann umso größer. Schauen wir uns doch einfach mal an wie dieses Gesellschaftsexperiment weitergeht.


Man muss doch nur auf Menschen hören, die in den islamischen Stadtteilen Deutschlands leben. Es gibt hier KEINEN Ansatz von berechtigter Hoffnung, dass sich die Probleme mit den Parallelgesellschaften irgendwie positiv entwickeln könnten ...

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