Die Neue Rechte

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Die Neue Rechte

Beitragvon Skeptiker » Mi 8. Apr 2020, 17:20

Selina hat geschrieben:(08 Apr 2020, 16:49)
... Ich weiß nicht, woher in diesem Forum diese ständige Panik oder Aversion kommt, über die Neue Rechte zu reden. Kaum erwähnt man die mal, kriegt man eins drübergebraten. Gibts eigentlich einen Thread "Neue Rechte"? Nein, sicher nicht. Eine Erscheinung in der Gesellschaft, der zwischen 10 bis 25 Prozent der Menschen zustimmen und anhängen, überhaupt nicht zu thematisieren bzw. sich gegen Thematisierung der Zusammenhänge zu wehren, erscheint mir schon sehr merkwürdig. Die Neue Rechte besteht in Deutschland aus der AfD (als ihrem Kern), aus den Identitären, einigen Burschenschaften und Teilen der Reichsbürger und natürlich aus einem großen Anhängerkreis, der bis weit in die Mitte reicht. ...

f.v.m.

Möglicherweise fehlt hier also das Thema "Die Neue Rechte".

Ich möchte hiermit also einen Thread eröffnen, der sich ganz allgemein mit dem Thema "Neue Rechte" befasst.

Fragestellung wäre also:
  • Gibt es sie, oder sind sie ein Phantom?
  • Was kann man gegen sie tun?
  • Sollte man etwas für sie tun?
  • Was ist ihr Ziel?
  • Ist ihre Existenz Normalität, oder sollten wir besorgt sein?

Sicher gibt es viele weitere Aspekte, die es zu betrachten gilt. Ich bitte um rege Diskussion.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon lili » Mi 8. Apr 2020, 17:21

Die Frage die ich dazu stellen würde:

Bezieht sich das Wort Rechts auf die Kultur oder auch auf die Wirtschaftspolitik?
Erlaubt einmal ein König, dass Armut in seiner Nation auftritt, werden die Leute immer stehlen, um zu überleben.

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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Skeptiker » Mi 8. Apr 2020, 17:50

lili hat geschrieben:(08 Apr 2020, 17:21)
Die Frage die ich dazu stellen würde:

Bezieht sich das Wort Rechts auf die Kultur oder auch auf die Wirtschaftspolitik?

Gleich zu Anfang eine sehr schöne Frage, denn oft scheint mir genau an diesem Punkt die Diskussion auseinander zu laufen.

Ich denke für diejenigen die von der Neuen Rechte schreiben, geht es um ein Phänomen, welches einen Mindset beschreibt, der eher im gesellschaftspolitischen Kontext verstanden wird. Es geht da wohl eher darum wie Menschen mit dem Thema Staatliche Integrität, Nationalstaatlichkeit, Migration, aber auch Grundauffassungen rechtsstaatlicher Ordnung sowie ein bestimmtes Verständnis von Rollenverhalten geht.

Das was man früher noch als "konservaiv" bezeichnet hat, liegt da nach heutigem Verständnis oft im "neurechten Bereich", und es durchmischt sich mit Gedankengut, welches teils primitiv, teils extremistisch, teils kleinbürgerlich zu nennen wäre.

Daher würde ich eher ausschließen, dass es sich um Wirtschaftspolitik handelt. Tatsächlich laufen die Vorstellungen "neurechter" Strömungen zur Wirtschaftspolitik mE weit auseinander. Da würde ich von völkisch sozialistischen Prägungen bis hin zu sehr liberalen Strömungen alles erkennen können.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon lili » Mi 8. Apr 2020, 17:55

Skeptiker hat geschrieben:(08 Apr 2020, 17:50)

Gleich zu Anfang eine sehr schöne Frage, denn oft scheint mir genau an diesem Punkt die Diskussion auseinander zu laufen.

Ich denke für diejenigen die von der Neuen Rechte schreiben, geht es um ein Phänomen, welches einen Mindset beschreibt, der eher im gesellschaftspolitischen Kontext verstanden wird. Es geht da wohl eher darum wie Menschen mit dem Thema Staatliche Integrität, Nationalstaatlichkeit, Migration, aber auch Grundauffassungen rechtsstaatlicher Ordnung sowie ein bestimmtes Verständnis von Rollenverhalten geht.

Das was man früher noch als "konservaiv" bezeichnet hat, liegt da nach heutigem Verständnis oft im "neurechten Bereich", und es durchmischt sich mit Gedankengut, welches teils primitiv, teils extremistisch, teils kleinbürgerlich zu nennen wäre.

Daher würde ich eher ausschließen, dass es sich um Wirtschaftspolitik handelt. Tatsächlich laufen die Vorstellungen "neurechter" Strömungen zur Wirtschaftspolitik mE weit auseinander. Da würde ich von völkisch sozialistischen Prägungen bis hin zu sehr liberalen Strömungen alles erkennen können.


Ok danke dann weiß ich um was es in dem Thread geht.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon NicMan » Mi 8. Apr 2020, 17:57

Wikipedia definiert die neue Rechte wie folgt:

Der Begriff Neue Rechte (englisch New Right, französisch Nouvelle droite) bezeichnet die Konzeption und ist zum Teil auch Selbstbezeichnung einer uneinheitlichen, rechtsextremen politischen Strömung in verschiedenen Staaten. Die deutschsprachige Variante wird als „Gegenmodell“ zur Neuen Linken verstanden, grenzt sich von der dem Nationalsozialismus verhafteten „alten Rechten“ ab, ist vor allem intellektuell ausgerichtet und sucht Querverbindungen ins konservative Spektrum. Charakteristisch für die Neue Rechte ist eine Fundamentalkritik an zentralen Verfassungsnormen, in Deutschland auch die Ablehnung tragender Prinzipien des Grundgesetzes; einige Gruppierungen wollen einen völkischen Nationalismus erneuern.

Kennzeichnend für die politikwissenschaftliche Betrachtung des Phänomens ist, dass „im Konzept der neuen radikalen Rechten […] die Bedeutung des Gegensatzes zwischen demokratischem Konservatismus und antidemokratischem Rechtsextremismus relativiert und stattdessen auf Gemeinsamkeiten am rechten Rand des politischen Systems hingewiesen“ wird.


Zu den thereotischen Grundlagen steht dort:

Vertreter der deutschen Neuen Rechten beziehen sich häufig auf bestimmte Denker der Weimarer Republik. Diese werden seit einer Dissertation Armin Mohlers von 1949 in dem Sammelbegriff „Konservative Revolution“ zusammengefasst, den viele Neue Rechte ihrerseits aufgreifen und aktualisieren. Als Vertreter dieser Richtung gelten Denker, die zwischen den Weltkriegen Menschenrechte, Liberalismus, Marxismus und die Parlamentarische Demokratie ablehnten, unter anderen Arthur Moeller van den Bruck, Ernst Jünger, Edgar Julius Jung, Ernst von Salomon und Carl Schmitt.[17] Ihre Gegenpositionen dazu waren uneinheitlich, tendierten aber auf autoritäre Staatsmodelle und einen deutschen „Sonderweg“ gegenüber der westlichen Zivilisation. Ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus ist umstritten; sie waren meist keine aktiven Nationalsozialisten, grenzten sich von diesen zum Teil ab und wurden nach 1933 vereinzelt verfolgt, während andere den NS-Staat bejahten und unterstützten. Historiker wie Kurt Sontheimer heben die ideologischen und praktischen Übereinstimmungen hervor, die den Aufstieg der NSDAP begünstigten und mit vorbereiteten.

Neue Rechte beziehen sich ferner auf Vordenker und Theoretiker des Faschismus wie Julius Evola, Robert Michels, Vilfredo Pareto, José Antonio Primo de Rivera und Georges Sorel. Die Wochenzeitung Junge Freiheit, die von Historikern und Politikwissenschaftlern als Organ der Neuen Rechten eingeordnet wird, hat diesen und ähnlichen Denkern eine Artikelserie gewidmet und rezensiert regelmäßig Bücher über sie.


Zur idelogischen Ausrichtung:

Die Neue Rechte wendet sich gegen die Prinzipien der Aufklärung, vor allem gegen Pluralismus und die Idee der Gleichheit aller Menschen, die den allgemeinen Menschenrechten zugrunde liegt. Sie ersetzt den „klassischen“ Rassismus durch das Konzept des Ethnopluralismus, indem sie intern ethnisch homogene, extern gleichberechtigte Nationalstaaten verlangt. Demokratie werde nicht von gleichberechtigten Bürgern, sondern von ethnischen und religiösen Gemeinschaften konstituiert. Dieser Ethnopluralismus eignet sich nach Richard Stöss besonders als „Scharnier“ zwischen Neokonservatismus und Rechtsextremismus.

In der neurechten Debatten werden beispielsweise die 68er-Bewegung und der Feminismus abgelehnt, Ideen für eine multikulturelle Gesellschaft oder egalitäre Bestrebungen verächtlich gemacht. Eliten sollen sich bilden und die Gesellschaft führen. Die neuen intellektuellen Rechten haben mit ihren Vorgängern von der „Konservativen Revolution“ gemein, so die Literaturwissenschaftlerin Gabriele Kämper, dass sie an die Sehnsucht nach einer Welt appellierten, in der männliche Werte und männliche Vorherrschaft unhinterfragt gelten. Sie würden eine Gegenwelt entwerfen, in der die Emanzipation von Frauen verhöhnt, die Demokratie als verweichlicht und verweiblicht denunziert wird und aggressive, vermeintlich männliche Tugenden verherrlicht werden.[20]
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Quatschki » Mi 8. Apr 2020, 18:05

Man könnte hier Artikel der "Sezession" diskutieren, die bekanntlich als das intellektuelle Kampfblatt der "Neuen Rechten" gilt.

https://sezession.de/kategorie/denken

Aber das findet ja in den Sachthemen schon längst statt, wo überall Leute mitdiskutieren, die solche Positionen auch haben und einbringen, ohne sich vielleicht immer bewußt zu sein, dass sie damit auf der Linie der "Neuen Rechten" liegen. Was ja auch nicht schlimm ist, da es letztlich nur eine Facette des Meinungsspektrums ist, die um Beachtung wirbt.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Selina » Mi 8. Apr 2020, 18:28

NicMan hat geschrieben:(08 Apr 2020, 17:57)

Wikipedia definiert die neue Rechte wie folgt:



Zu den thereotischen Grundlagen steht dort:



Zur idelogischen Ausrichtung:


Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza sind typische Vertreter der Neuen Rechten.

Zitat

Götz Kubitschek (* 17. August 1970 in Ravensburg) ist ein deutscher Verleger, Publizist und politischer Aktivist der Neuen Rechten.

Der aus den Reihen der Jungen Freiheit kommende Kubitschek ist Mitbegründer der neurechten Denkfabrik Institut für Staatspolitik (IfS). Seit 2002 ist er Geschäftsführer des heute in Schnellroda ansässigen Antaios-Verlags (bis 2012 Edition Antaios), seit 2003 außerdem verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Sezession und Betreiber des später hinzugekommenen Blogs Sezession im Netz. Er initiierte mehrere politische Kampagnen wie die Konservativ-subversive Aktion (KSA) und Ein Prozent für unser Land und war überdies federführend an der inhaltlich-konzeptionellen Fundierung der rechtsextremistischen Identitären Bewegung (IB) in Deutschland beteiligt. 2015 trat er mehrfach bei den völkisch-nationalistischen Pegida-Demonstrationen in Sachsen als Hauptredner auf. Ferner pflegt er einen engen Austausch mit Vertretern des Flügels der AfD wie Björn Höcke.


https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Kubitschek

Die fließenden Grenzen zwischen konservativem und rechtsextremem Denken findet man heute zum Beispiel bei vielen Achse-Autoren.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Selina » Mi 8. Apr 2020, 18:31

Quatschki hat geschrieben:(08 Apr 2020, 18:05)

Man könnte hier Artikel der "Sezession" diskutieren, die bekanntlich als das intellektuelle Kampfblatt der "Neuen Rechten" gilt.

https://sezession.de/kategorie/denken

Aber das findet ja in den Sachthemen schon längst statt, wo überall Leute mitdiskutieren, die solche Positionen auch haben und einbringen, ohne sich vielleicht immer bewußt zu sein, dass sie damit auf der Linie der "Neuen Rechten" liegen. Was ja auch nicht schlimm ist, da es letztlich nur eine Facette des Meinungsspektrums ist, die um Beachtung wirbt.


Menschenfeindlichkeit ist keine "Facette des Meinungsspektrums". Das ist Bagatellisierung faschistoiden Denkens.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Fliege » Mi 8. Apr 2020, 18:52

Selina hat geschrieben:(08 Apr 2020, 18:31)
Menschenfeindlichkeit ist keine "Facette des Meinungsspektrums". Das ist Bagatellisierung faschistoiden Denkens.

Ich halte es nicht für sinnvoll, einen neuen Thread schon kurz nach dem Start mit ideologisierender Begrifflichkeit wie "Menschenfeindlichkeit", die diskussionsausschließende Wirkung entfaltet, zu beschädigen. Daher meine Bitte: Gebt dem Thread eine Chance.
Fake-News-Bügelmaschine: "Glauben Sie nicht den Gerüchten, sondern nur den offiziellen Mitteilungen". — "Democracy will win" (Thomas Mann).
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Selina » Mi 8. Apr 2020, 19:33

Hier wird sehr klar und detailliert beschrieben, was man heute unter Neue Rechte versteht und wie dieses Netzwerk in Deutschland agiert:

Zitat:

"Die AfD ist das Kraftzentrum der Neuen Rechten"

Sie wollen alles sein, nur nicht Mainstream. Dabei sind sie dort längst angekommen. Die sogenannte Neue Rechte hat nicht erst seit der Flüchtlingskrise Konjunktur. Die Pegida-Bewegung, die Sarrazin-Debatte, Gründung und Aufstieg der AfD: All das gab es bereits vor 2015. Schleichend wurde die Wut vom Internet auf die Straße und schließlich in die Parlamente getragen. Die Wütenden eint dabei die Ablehnung der EU, das Feindbild Islam, sie feiern Donald Trump, Viktor Orban oder Wladimir Putin. Sie fürchten eine Islamisierung ihres Abendlandes und rufen zum Widerstand auf. Ihr Ziel: Die Revolution von rechts. Multiplikatoren wie der Chef des Compact-Magazins, Jürgen Elsässer, der Verleger Götz Kubitschek oder auch der Chef der AfD in Thüringen, Björn Höcke sind zentrale Figuren dieser Bewegung. "Sezession", "Blaue Narzisse", "PI-News", "Deutschland-Kurier", "Junge Freiheit" oder "Journalisten Watch" heißen die einschlägigen "Alternativmedien" dazu.

Drei Jahre lang haben die Journalisten Christian Fuchs und Paul Middelhoff Strukturen und Netzwerke der Neuen Rechten nachgespürt. Sie haben sich neben den einflussreichsten Personen und Publikationen vor allem die Ideologien und Finanzströme dahinter angeschaut und sind bei bei ihren Recherchen auf eine Konstante gestoßen: die AfD.

watson hat mit einem der Autoren, Paul Middelhoff, über das Netzwerk der Neuen Rechten gesprochen.

watson: Ihr habt euch die Strukturen und Netzwerke der sogenannten Neuen Rechten angeschaut. Was unterscheidet neu von alt?

Paul Middelhoff: Die Neue Rechte, zu der wir nach drei Jahren Recherche knapp 150 Organisationen zählen, unterscheidet sich von der Alten Rechten dadurch, dass sie viel professioneller auftritt, dass sie mit der AfD in den Parlamenten vertreten und auch inhaltlich anders aufgestellt ist. Die Alte Rechte, also die Neonazis der neunziger und frühen zweitausender Jahre romantisieren das NS-Regime. Die Neuen Rechten agieren anders: Sie sagen zwar, das Dritte Reich sei schlimm gewesen. Aber gleichzeitig relativieren sie den Nationalsozialismus, indem sie sagen, dass es ja nur zwölf Jahre Unrechtsherrschaft gewesen seien, also nur ein kleiner Teil einer ansonsten großen, reichen deutschen Geschichte. Heute wollen ja nicht mal mehr die Nazis Nazis sein, sondern geben sich blumig wie die Identitären oder sitzen stocksteif in den Parlamenten.

Was ist eigentlich aus dem traditionellen Neonazi mit Glatze und Springerstiefeln geworden?

Den gibt es heute immer noch. Die NPD hat zwar massiv Stimmen an die AfD verloren. Es gibt aber nach wie vor aktive Neonazigruppen, wie etwa das Unterstützerumfeld des NSU. Interessant ist eine Entwicklung, die bei den Demos in Chemnitz im letzten Jahr zu beobachten war. Dort sind alte Nazis und Neue Rechte zusammen auf die Straße gegangen. Zum ersten Mal war die Zusammenarbeit der beiden Gruppen da ganz öffentlich zu beobachten.

Die Neue Rechte grenzt sich bewusst von der Nazidiktatur ab und dockt ideologisch eher an die sogenannte "Konservative Revolution" der 1920er an, eine Bewegung, die einst gegen die verhasste Weimarer Demokratie wetterte. Heute allerdings mit sehr modernen Mitteln. Die habt ihr euch auch angeschaut …

Ein zentraler Begriff der Neuen Rechten ist die "kulturelle Hegemonie". Die wollen ihre Aktivsten zurückerlangen. Sie fühlen sich von den angeblichen Auswüchsen der "68-Revolution" beherrscht. Die Kulturelle Hegemonie verstehen sie als eine Art Gegenangriff auf das Establishment. Das Konzept wird in Zeitschriften und Blogs der Neuen Rechten immer wieder beschworen.

Ziel ist es, verschiedene gesellschaftliche Bereiche zurückzuerobern. Eben nicht nur die Parlamente, sondern auch andere Gruppen. Dazu gehören Tierschutz-Vereine, Gewerkschaften oder rechte Rapper. Die Identitären etwa geben sich jung, modern und hip und sind auf den ersten Blick gar nicht als Rechte zu erkennen. Nach und nach wollen die Rechten so die Gesellschaft mit ihren Themen und Perspektiven durchdringen.

Diese Gegenbewegung organisiert sich vor allem übers Netz. Was haben diese neurechten Netzwerke online anderen voraus?

Tatsächlich hat die AfD gemessen an ihrer Größe mehr Follower als alle anderen Parteien. Der Partei ist bewusst, wie wichtig das Netz für sie als Resonanzraum ist, in dem sie das Sagen hat. Aber nicht nur die AfD ist ihrer Konkurrenz im Netz überlegen: Auch die Aktivisten der Neuen Rechten tummeln sich dort, zum Beispiel auf Gameservern, die normalerweise für Onlinevideospiele genutzt werden. Dort verabreden sie sich ganz gezielt zu Aktionen, sind in militärische Ränge eingeteilt, es gibt eine Kommandostruktur. Dort werden dann Tagesbefehle ausgegeben: Greift diesen und jenen Nutzer auf Twitter an, beleidigt ihn, macht ihn fertig. Christian Fuchs, mit dem ich zusammen das Buch geschrieben habe, ist das letztes Jahr selbst passiert.

Ist die AfD so etwas wie der politischer Arm der neuen rechten Netzwerke?

Nach unseren Erkenntnissen ist die AfD noch mehr als das. Sie ist das Kraftzentrum der Bewegung. Durch die großen Wahlerfolge hat sie in den letzten Jahren viel Geld eingesammelt, ist gut vernetzt und funktioniert heute wie eine Art Sprachrohr der Bewegung. Viele der Redebeiträge haben ihren Ursprung und ihre intellektuellen Wurzeln in der Neuen Rechten. Gleichzeitig ist die AfD auch Arbeitgeber für viele Aktivisten und Publizisten aus der Neuen Rechten. Ehemalige Redakteure rechter Medien oder rechtsradikale Burschenschaftler arbeiten heute als Referenten oder wissenschaftlicher Mitarbeiter für die AfD in Landtagen und im Bundestag.


https://www.watson.de/deutschland/inter ... strukturen
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon BlueMonday » Mi 8. Apr 2020, 20:05

Quatschki hat geschrieben:(08 Apr 2020, 18:05)

Man könnte hier Artikel der "Sezession" diskutieren, die bekanntlich als das intellektuelle Kampfblatt der "Neuen Rechten" gilt.

https://sezession.de/kategorie/denken



Man könnte auch diskutieren, was nun das Neue an der "Neuen Rechten" ist, also worin sie sich von der alten Rechten unterscheidet. Jedes "Neu" oder "Neo" bringt ja in der Regel eine Aufweichung alter Prinzipien und Gedanken mit sich bishin zum Sichverkehren ins Gegenteil.

Sezession begrifflich ernst genommen verheißt ja nun einen abspaltenden Sonderweg, eine Eigentümlichkeit, eine gewisse Nichterreichbarkeit durch den "Hauptstrom". Das ist schon ein selten gewordener Stand, der eher aus den alten Tagen herrührt. Existenzen, die sich nicht völlig von allen anderen abhängig gemacht haben, die alternative Lebensräume geschaffen haben. Jüngers Waldgänger oder Anarch als Prototyp. Nichts "Neues", vielmehr aus Ewigkeiten geschöpft. Fixpunkte, die bleiben, selbst wenn wieder einmal die Welt unterzugehen scheint. "...ein Leben aus dem, was immer gilt". Das ist originär rechts. Ich glaub nicht, dass es überhaupt eine "Neue Rechte" gibt. Und wenn, dann ist sie nicht mehr rechts.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Skeptiker » Mi 8. Apr 2020, 20:29

Selina hat geschrieben:(08 Apr 2020, 18:31)

Menschenfeindlichkeit ist keine "Facette des Meinungsspektrums". Das ist Bagatellisierung faschistoiden Denkens.

Könntest du bitte erklären, was genau du mit der Menschenfeindlichkeit meinst?
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Schnitter » Mi 8. Apr 2020, 20:33

Skeptiker hat geschrieben:(08 Apr 2020, 17:20)

f.v.m.

Möglicherweise fehlt hier also das Thema "Die Neue Rechte".

Ich möchte hiermit also einen Thread eröffnen, der sich ganz allgemein mit dem Thema "Neue Rechte" befasst.

Fragestellung wäre also:
  • Gibt es sie, oder sind sie ein Phantom?
  • Was kann man gegen sie tun?
  • Sollte man etwas für sie tun?
  • Was ist ihr Ziel?
  • Ist ihre Existenz Normalität, oder sollten wir besorgt sein?

Sicher gibt es viele weitere Aspekte, die es zu betrachten gilt. Ich bitte um rege Diskussion.


Wenn man genau hinschaut sind die Personen hinter der neuen Rechten Personen die schon in den alten Kaderschmieden der Neonazis aktiv waren. Also NPD Jugend, rechtsextreme Burschenschaften, Witikobund etc.

Genau genommen ist an denen also nichts neu. Sie tragen jetzt halt nur Hipster Bärtchen.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon oga » Mi 8. Apr 2020, 20:37

Schnitter hat geschrieben:(08 Apr 2020, 20:33)

Wenn man genau hinschaut sind die Personen hinter der neuen Rechten Personen die schon in den alten Kaderschmieden der Neonazis aktiv waren. Also NPD Jugend, rechtsextreme Burschenschaften, Witikobund etc.
Wohin sollten sie denn sonst gehen? Zur SPD, oder Linken vielleicht? :D
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Schnitter » Mi 8. Apr 2020, 20:44

oga hat geschrieben:(08 Apr 2020, 20:37)

Wohin sollten sie denn sonst gehen? Zur SPD, oder Linken vielleicht? :D


Das ist eben der Punkt.

Die Leute mussten sich irgendwie salonfähiger präsentieren. Das hat ja auch ein paar Jährchen geklappt.

Naja bis es dann alle durchschaut hatten. Bald muss wieder eine neue Strategie her.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon oga » Mi 8. Apr 2020, 21:00

Das mit der Rechtsphobie einiger finde ich eh übertrieben. In einer normalen politischen Landschaft muss es auch rechte Parteien geben. Die 2 Volksparteien sind mittlerweile so ins Zentrum gerückt, dass man sie kaum noch unterscheiden kann.
I guess I should warn you, if I turn out to be particularly clear, you've probably misunderstood what I've said.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon NicMan » Mi 8. Apr 2020, 21:02

oga hat geschrieben:(08 Apr 2020, 21:00)

Das mit der Rechtsphobie einiger finde ich eh übertrieben. In einer normalen politischen Landschaft muss es auch rechte Parteien geben. Die 2 Volksparteien sind mittlerweile so ins Zentrum gerückt, dass man sie kaum noch unterscheiden kann.


Wenn gewisse Parteien aus dem rechten Spektrum der FDGO feindlich gegenüberstehen gibt es keinen Grund, da von "Phobie" zu sprechen. Es sind freiheitsfeindliche Parteien, die in private Entscheidungen der Menschen eingreifen wollen.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon oga » Mi 8. Apr 2020, 21:26

NicMan hat geschrieben:(08 Apr 2020, 21:02)

Wenn gewisse Parteien aus dem rechten Spektrum der FDGO feindlich gegenüberstehen gibt es keinen Grund, da von "Phobie" zu sprechen.
Wenn...

NicMan hat geschrieben:(08 Apr 2020, 21:02)
Es sind freiheitsfeindliche Parteien, die in private Entscheidungen der Menschen eingreifen wollen.
In diesem Falle hat das BVerfG das Recht und die Pflicht diese zu verbieten.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Selina » Mi 8. Apr 2020, 21:28

Skeptiker hat geschrieben:(08 Apr 2020, 20:29)

Könntest du bitte erklären, was genau du mit der Menschenfeindlichkeit meinst?


Rassismus, Fremden-, Frauen- und Homosexuellen-Feindlichkeit, völkisches antidemokratisches Denken, Geschichtsrevisionismus. All das ist in höchstem Maße menschenfeindlich. Eine der neurechten Galionsfiguren, Höcke, schreibt, man müsse sich von einigen "Volksteilen" trennen, die seinen menschenverachtenden Unfug nicht mitmachen wollen, falls er und seine Leute "die Macht ergreifen". Da könne man dann auch mal Gewalt anwenden oder "wohltemperierte Grausamkeiten" ausüben.
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Re: Die Neue Rechte

Beitragvon Skeptiker » Mi 8. Apr 2020, 22:05

oga hat geschrieben:(08 Apr 2020, 21:00)
Das mit der Rechtsphobie einiger finde ich eh übertrieben. In einer normalen politischen Landschaft muss es auch rechte Parteien geben. Die 2 Volksparteien sind mittlerweile so ins Zentrum gerückt, dass man sie kaum noch unterscheiden kann.

Da bin ich absolut bei dir.

Ich kann mich noch an 90 erinnern. Bei der Bundeswehr mussten wir Lagerwache schieben und hatten da viel Zeit auch für politische Diskussionen. In der Zeit haben alle über die PDS gewettert, dass die überhaupt erlaubt sei usw.. Ich war einer der wenigen, die das recht entspannt gesehen haben. Warum sollen Linke und DDR Gestrige nicht auch ein Angebot besitzen?

Jetzt wird von Neu Rechts gesprochen und es dient vielen schon als perfekte Schublade jeden hineinzustecken, der in Teilbereichen mit Aussagen entsprechend zugeordneter Leute konform geht. Dabei sollte es als positive Eigenschaften empfunden werden sich kritisch aber offen, aus der vollen Bandbreite der politischen Lösungen, eine passende eigene Meinung zu erarbeiten. Für viele leider Teufelsszeug.

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