Mentalitätsunterschiede in Deutschland

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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Fr 20. Dez 2019, 17:08

Selina hat geschrieben:(20 Dec 2019, 10:22)

In Japan sagt auch niemand sowas wie, "Sie verstehen das nicht" oder "Sie haben keine Ahnung" oder "befassen Sie sich mal mit dem und dem". Der Respekt vor dem jeweiligen Gegenüber ist viel zu groß, als dass da jemand irgendwelche Wertungen oder "gutgemeinte" persönliche Ratschläge äußern würde. Davon könnte man Einiges lernen.


Ja, ich will mich bessern! :D Auch, wenn ich mich manchmal ärgere. :mad: Können Japaner eigentlich eine Faust in der Tasche ballen?
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Fr 20. Dez 2019, 17:14

Bartleby hat geschrieben:(20 Dec 2019, 14:36)

Was sonst? Glauben Sie denn im Ernst, Ihre Vorstellungen von der absoluten Wahrheit des Subjekts unterschiede sich von dem, was den als solchen titulierten "Wilden" immer als das Merkmal ihrer Wildheit unterschoben wurde? Der Subjektivismus, den Sie propagieren, ist ein philosophisches Vorurteil, mehr nicht. Es basiert auf bestimmten soziokulturellen Entwicklungen hier, ohne die ist er gar nicht zu verstehen (Ihr Subjektivismus). Gleiches gilt übrigens auch für Sartre, der ohne Descartes und Husserl gar nicht auf seine Gedanken gekommen wäre. Wobei lustigerweise Husserl zu denen gehörte, die glaubten, man könne nur in deutscher Sprache philsophieren. :D So denken halt heute manche übers neue Moralien: Auch hier werden die Deutschen wieder die Klassiker werden, wie bei Faschismus und real existierendem Sozialismus auch. Die Weisheit der Schafsherde der Subjektivisten. :D


Na ja, nun seien Sie 'mal nicht allzu streng mit uns sehr begrenzten Menschen; der eine ist nun einmal in seiner Muttersprache gefangen, der andere weniger, dafür aber windelweich anpassungsfähig. Also, so richtig philosophieren kann man nur in unseren europäischen Sprachen. :D :D :D
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Billie Holiday » Fr 20. Dez 2019, 17:35

H2O hat geschrieben:(20 Dec 2019, 17:08)

Ja, ich will mich bessern! :D Auch, wenn ich mich manchmal ärgere. :mad: Können Japaner eigentlich eine Faust in der Tasche ballen?


Bestimmt können die das auch.

Ein freundlich lächelndes Pokerface sagt jedenfalls nichts über seine eventuelle Abneigung aus.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Bartleby » Fr 20. Dez 2019, 18:03

H2O hat geschrieben:(20 Dec 2019, 17:14)

Na ja, nun seien Sie 'mal nicht allzu streng mit uns sehr begrenzten Menschen; der eine ist nun einmal in seiner Muttersprache gefangen, der andere weniger, dafür aber windelweich anpassungsfähig. Also, so richtig philosophieren kann man nur in unseren europäischen Sprachen. :D :D :D


In Asien haben sie schon philosophiert, als dem Husserl seine Vorfahren hier noch in Tierfellen rumliefen und mit Eichen gesprochen haben. Und in Irland, England oder Frankreich sah es da auch nicht viel besser aus.

Ob Eurozentrismus nicht auch ein Kulturalismus ist? ;)
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Fr 20. Dez 2019, 18:32

Bartleby hat geschrieben:(20 Dec 2019, 18:03)

In Asien haben sie schon philosophiert, als dem Husserl seine Vorfahren hier noch in Tierfellen rumliefen und mit Eichen gesprochen haben. Und in Irland, England oder Frankreich sah es da auch nicht viel besser aus.

Ob Eurozentrismus nicht auch ein Kulturalismus ist? ;)


Was ich auf meine Weise mit einem freundlichen Lächeln zum Ausdruck bringen wollte. :)
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon BlueMonday » Fr 20. Dez 2019, 20:09

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Dec 2019, 11:47)

All das in den letzten Beiträgen durchaus Interessante ändert aber nix an der Tatsache, dass grundsätzlich jeder Mensch, auch jeder Chinese und Japaner die Freiheit besitzt, sich aus den ihn umgebenden Konventionen und scheinbar unentrinnbaren kulturellen Prägungen zu lösen. Und das gilt selbstverständlich auch für die Deutschen in Ost wie West. Diese Freiheit ist die eine wirklich relevante anthropologische Konstante. Sie ist dem Menschen zu eigen und kann ihm nicht genommen werden.


Ja, wieso sollte sich nicht ein antiker Chinese schon dem bewusst gewesen sein, dass man nicht dort sitzenbleiben muss, wo man hingesetzt wurde. Letztlich steckt Freiheit als Lösung in jeder Handlung, Handlung als Hinwendung und Fortbewegung in einem.

Aus dem Dao De Jing/Tao Te King (Laotse):

以正治國,以奇用兵,以無事取天下。吾何以知其然哉?以此:天下多忌諱,而民彌貧;民多利器,國家滋昏;人多伎巧,奇物滋起;法令滋彰,盜賊多有。故聖人云:我無為,而民自化;我好靜,而民自正;我無事,而民自富;我無欲,而民自樸。

A state may be ruled by (measures of) correction; weapons of war may be used with crafty dexterity; (but) the kingdom is made one's own (only) by freedom from action and purpose.
How do I know that it is so? By these facts: - In the kingdom the multiplication of prohibitive enactments increases the poverty of the people; the more implements to add to their profit that the people have, the greater disorder is there in the state and clan; the more acts of crafty dexterity that men possess, the more do strange contrivances appear; the more display there is of legislation, the more thieves and robbers there are.
Therefore a sage has said, 'I will do nothing (of purpose), and the people will be transformed of themselves; I will be fond of keeping still, and the people will of themselves become correct. I will take no trouble about it, and the people will of themselves become rich; I will manifest no ambition, and the people will of themselves attain to the primitive simplicity.'

https://ctext.org/dao-de-jing#n11648

... Je mehr Gesetze desto mehr Diebe und Räuber
Das ist fast pures "laissez faire"
In dem ganzen Text stecken universale Ideen drin, wie sie hier und anderswo bis heute gedacht werden.
Was sich unterscheidet ist freilich die jeweilige Manifestation in ihrer Ästhetik und konkreten Ausformung, Entfaltung. Die verschiedensten Ideen wettstreiten auch schon ewig miteinander, mal hat die eine, mal die andere die Oberhand, mal hält sich eine Weile ein Gleichgewicht.
But who would build the roads?
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Bartleby » Sa 21. Dez 2019, 00:06

BlueMonday hat geschrieben:(20 Dec 2019, 20:09)

Ja, wieso sollte sich nicht ein antiker Chinese schon dem bewusst gewesen sein, dass man nicht dort sitzenbleiben muss, wo man hingesetzt wurde. Letztlich steckt Freiheit als Lösung in jeder Handlung, Handlung als Hinwendung und Fortbewegung in einem.

Aus dem Dao De Jing/Tao Te King (Laotse):

https://ctext.org/dao-de-jing#n11648

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Was sich unterscheidet ist freilich die jeweilige Manifestation in ihrer Ästhetik und konkreten Ausformung, Entfaltung. Die verschiedensten Ideen wettstreiten auch schon ewig miteinander, mal hat die eine, mal die andere die Oberhand, mal hält sich eine Weile ein Gleichgewicht.


Das würde ich gerne ausdiskutieren, aber nicht unter diesem Thema. Ich erkläre mich bereit, mal ein paar unterschiedlichen Übersetzungen aus dem Chinesischen einzustellen (mit Erklärungen), und nehme dann auch grundsätzlich Stellung zu dem, was hier an (ideologischen) Parallelen gezogen wird. Aber nur, wenn das abgetrennt in Philosophie verschoben wird.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon Bartleby » Sa 21. Dez 2019, 00:09

H2O hat geschrieben:(20 Dec 2019, 18:32)

Was ich auf meine Weise mit einem freundlichen Lächeln zum Ausdruck bringen wollte. :)


Was auch verstanden ward.

Jetzt fehlt ja nur, worauf Sie und ich lächelnd warten können, eine Erklärung, was denn dieser schröckliche "Kulturalismus" eigentlich ist - also über den impliziten Gedanken hinaus, es müsse etwas furchtbar Rechtes sein. :D Wobei "ebbes rächz" in meiner Heimat durchaus etwas sehr Gutes ist. :D
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon H2O » Sa 21. Dez 2019, 07:59

Bartleby hat geschrieben:(21 Dec 2019, 00:09)

Was auch verstanden ward.

Jetzt fehlt ja nur, worauf Sie und ich lächelnd warten können, eine Erklärung, was denn dieser schröckliche "Kulturalismus" eigentlich ist - also über den impliziten Gedanken hinaus, es müsse etwas furchtbar Rechtes sein. :D Wobei "ebbes rächz" in meiner Heimat durchaus etwas sehr Gutes ist. :D


Mütterlicherseits stamme ich aus dieser Gegend; aber mein Großvater war strammer Sozialdemokrat... und hat dafür auch bezahlt... wie so viele in jener Zeit. Ich habe aber nur gute Erinnerungen an meine Mutter und meine Großeltern. Auf ihre Weise waren sie auch national gesonnen, und alles andere wäre in diesem weit westlichen Landstrich auch gar nicht zu verstehen gewesen, auch angesichts des Drucks, der von französischer Seite auf die deutschen Sprachgruppen in ihrem Herrschaftsbereich ausgeübt wurde. Aber diese Zeiten sind ja längst vorüber, und nun gibt es sehr enge freundschaftliche Bande über die westlichen Grenzen hinweg. Nun muß uns Deutschen das auch nach Osten gelingen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Na ja, arbeiten wir daran!
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Fundsache...

Beitragvon Teeernte » Sa 21. Dez 2019, 18:41

Ich bin eigentlich ein positiver und optimistischer Mensch, aber anlässlich des dreißigsten Jahrestags von Wende und Mauerfall muss ich leider auf ein Problem zu sprechen kommen, das von offizieller Seite gern ignoriert wird. Sie ahnen es vielleicht schon:

Es geht um unsere westdeutschen Landsleute, die bis heute die Sorgenkinder des vereinigten Deutschlands geblieben sind.

Nach wie vor wollen sie sich einfach nicht integrieren, sondern verharren in trotziger Westalgie. Zu essen gibt es bei ihnen immer noch absonderliche Regionalspeisen wie »Spätzle« und »Schäufele«, statt wie bei normalen Menschen Soljanka und Jägerschnitzel. Sie schauen Woche für Woche mit anhaltender Begeisterung noch den schlechtesten »Tatort«, weigern sich aber verstockt, auch nur für eine Minute beim »Polizeiruf« reinzugucken. Und so weiter und so fort – wir berichten ausführlich ab Seite 22.

Aber trifft uns richtige Deutsche nicht auch eine Mitschuld?

Haben wir ihnen vielleicht nicht genug zugehört, uns nicht ausreichend für sie interessiert? Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, in Zukunft toleranter zu sein. Ich werde mich nicht mehr über ihren Dialekt lustig machen und sie auch nicht mehr korrigieren, wenn sie »Supermarkt« statt »Kaufhalle« sagen. Vielleicht können wir auf diese Weise erreichen, dass auch die Menschen im Westen eines Tages vollwertige Mitglieder unserer Gesellschaft werden.

https://epaper.eulenspiegel-zeitschrift ... ges/page/3


:D :D :D
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 28. Dez 2019, 18:48

BlueMonday hat geschrieben:(20 Dec 2019, 20:09)

Ja, wieso sollte sich nicht ein antiker Chinese schon dem bewusst gewesen sein, dass man nicht dort sitzenbleiben muss, wo man hingesetzt wurde. Letztlich steckt Freiheit als Lösung in jeder Handlung, Handlung als Hinwendung und Fortbewegung in einem.

Aus dem Dao De Jing/Tao Te King (Laotse):

https://ctext.org/dao-de-jing#n11648

... Je mehr Gesetze desto mehr Diebe und Räuber
Das ist fast pures "laissez faire"
In dem ganzen Text stecken universale Ideen drin, wie sie hier und anderswo bis heute gedacht werden.
Was sich unterscheidet ist freilich die jeweilige Manifestation in ihrer Ästhetik und konkreten Ausformung, Entfaltung. Die verschiedensten Ideen wettstreiten auch schon ewig miteinander, mal hat die eine, mal die andere die Oberhand, mal hält sich eine Weile ein Gleichgewicht.

Nehmen wir konkret das 20. Jahrhundert. Es gibt genug Intellektuelle, die sich 1914 der Faszination Augusterlebnis nicht entziehen konnten. Darunter auch nicht wenige spätere Kriegsgegner. Es gibt genug formal Gebildete, die noch 1945 in einem letzten Aufgebot Deutschland zum Sieg verhelfen wollten. Und es gibt nicht eben wenige formal kluge Menschen, die meinten, jetzt, mit dem ersten deutschen Arbeiterstaat oder auch der Adenauer-Nachkriegsbundesrepublik sei die Zeit gekommen, wo es "auf jeden ankomme". Wo man sich einzubringen hat. Irgendwann ist es einfach genug! Irgendwann zeigt es sich, dass man dann doch mit der Anhängerschaft zu der einen Gruppe am Ende zu denen gehört, die der anderen Gruppe die Köpfe einschlägt. Ob man nun bekennender und inzwischen wieder orthodoxe Serbe ist wie der berühmte und tatsächlich auch geniale Film-Regisseur Emir Kusturica oder der Literaturnobelpreisträger Handtke. Oder ob man sich einfach nur als loyaler und heimattreuer Bayer oder Preuße fühlt. Die Trennlinie zwischen den Dummköpfen auf der einen und den politisch bewussten Menschen auf der anderen Seite verläuft entlang dieser Grenze: Willst du Teil einer Gemeinschaft sein oder willst du nur deinen eigenen Maßstäben folgen?

Mentalität Deutschland west und ost in dieser Hinsicht ... Deutschland Ost ist sicher homogener und Deutschland West heterogener. Aber Deutschland West ist in gewisser Hinsicht verbohrter und selbtsvergessener. Die Deutschen in Deutschland West haben noch gar nicht richtig mitbekommen, wie sehr sich die Welt in den letzten 10, 20 Jahren gedreht hat. Ich kann mich oft nicht genug darüber wundern, wie hartnäckig die Erzählungen über Deutschland/West als Wirtschaftswunderland sich halten. Baden-Württemberg als Auto-Bundesland zum Beispiel: Es wird radikale Umbrüche geben. Tausende Arbeitsplätze werden überflüssig werden. Tausende andere werden in anderen Branchen gesucht werden. Das ganze Gebilde "Nachkriegsbundesrepublik" samt seinen Erzählungen ist ein Auslaufmodell.
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Re: Fundsache...

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 28. Dez 2019, 19:08


Ich finde das gar nicht so lustig. Waren es noch zu Wendezeiten Ende der 80er Jahre vor allem ökologische und kirchliche Gruppierungen, die zu einem D/Ost-Bild beitrugen und war es ein Theo Waigel, der den Finger hob und davor warnte, dass diese alternativen Chaoten eventuell mit der D-Mark nicht richtig umgehen könnten, hat sich das Bild inzwiswchen gedreht: Die Ostdeutschen werden in den Afd-Wahlplakaten als die Bewahrer irgendeines Volkstums angepriesen. "Nudeln mit Jagdwurst" und "Kaufhalle"als Kulturgut und Identitätsstiftung. Mir graust davor! Ich gehöre nicht dazu! Ich gehöre nicht dazu!! Ich gehöre nicht dazu!!!
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Re: Fundsache...

Beitragvon Billie Holiday » So 29. Dez 2019, 19:59

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Dec 2019, 19:08)

Ich finde das gar nicht so lustig. Waren es noch zu Wendezeiten Ende der 80er Jahre vor allem ökologische und kirchliche Gruppierungen, die zu einem D/Ost-Bild beitrugen und war es ein Theo Waigel, der den Finger hob und davor warnte, dass diese alternativen Chaoten eventuell mit der D-Mark nicht richtig umgehen könnten, hat sich das Bild inzwiswchen gedreht: Die Ostdeutschen werden in den Afd-Wahlplakaten als die Bewahrer irgendeines Volkstums angepriesen. "Nudeln mit Jagdwurst" und "Kaufhalle"als Kulturgut und Identitätsstiftung. Mir graust davor! Ich gehöre nicht dazu! Ich gehöre nicht dazu!! Ich gehöre nicht dazu!!!


Um ehrlich zu sein, ist mir das ziemlich wurscht. Mag aber sein, dass es allen anderen wichtig ist.
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Re: Fundsache...

Beitragvon schokoschendrezki » So 29. Dez 2019, 20:04

Billie Holiday hat geschrieben:(29 Dec 2019, 19:59)

[/u][/b]

Um ehrlich zu sein, ist mir das ziemlich wurscht. Mag aber sein, dass es allen anderen wichtig ist.

Der wesentliche Punkt ist der Bedeutungsverlust der ehemaligen DDR-Opposition. Der offizielle Parteiname "B90/Die Grünen" ist ein Witz. Scheint den Grünen allerdings auch Wurscht zu sein. Einschließlich der Tatsache, dass sie sich damit lächerlich machen.
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Re: Fundsache...

Beitragvon Ammianus » So 29. Dez 2019, 20:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Dec 2019, 20:04)

Der wesentliche Punkt ist der Bedeutungsverlust der ehemaligen DDR-Opposition. Der offizielle Parteiname "B90/Die Grünen" ist ein Witz. Scheint den Grünen allerdings auch Wurscht zu sein. Einschließlich der Tatsache, dass sie sich damit lächerlich machen.


Das ist nun mal so. Die absolute Mehrheit der Leute denkt ganz anders, hat ein völlig anderes Bild von der Welt, andere Wünsche und Vorstellungen. Und das spiegelt sich knallhart in der Realität und hat sich in ihr gespiegelt, in unserer Geschichte.
Helene Fischer ist nun mal gefragt und die Leute gucken im Fernsehen "Bares für Rares" und "Wer weiss den so was?". In den Zeitschriftenläden und an den Kassen der Discounter findet man jede Menge bunter Magazine, in denen - für mich - nur völlig uninteressanter Müll und Unwichtigkeiten stehen. Aber die Leute kaufen das und lesen das und sehen sich die Hochzeiten irgenwelcher Tunichtgute, Taugenichtse und Nichtsnutze mit Kronen auf den holen Schädeln im Fernsehen an. Selbst ein Mädel mit dem ich studiert habe war traurig, dass sie irgend so eine Verheiratung nicht live sehen konnte.
Die Leute kaufen sich SUV's und jetzt zu Silvester regelrechte Katjuschas zum sinnlosen Salvenabfeuern. Die geben 70 Euro für ein mit dem Namen ihrer Rasenballsporteumel bedrucktes Leibchen aus. Und wenn die nicht genug von diesen Lederkugeln in das Rechteck kriegen, dann sind sie tief traurig und ihre Welt droht zu zerbrechen.
Das ist die Realität.
Eine bessere DDR, eine demokratische DDR? Biermann hatte diesen Traum schon in den 80ern gebraben. Bei mir ging erst Mitte der 90er das Licht richtig auf. Die DDR-Opposition war ganz schnell weg vom Fenster und vergessen.
Ist eben so.
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon BingoBurner » Mo 30. Dez 2019, 04:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Dec 2019, 18:48)

Willst du Teil einer Gemeinschaft sein oder willst du nur deinen eigenen Maßstäben folgen?


In dieser Aussage erkenne ich einen Widerspruch.
Kurz :

Wenn Sie, sie bleiben werden sie immer nur zu einem Teil der "Gemeinschaft" gehören.


Adenauer drückte es mal so aus...Deutschland ist ein Stamm aus Völkern.
Ich für meinen Teil finde das gut.

Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel....Bayern. Ich.... total junger Mann, Testosteron bis zur Schädeldecke, keinen Plan von nix.
(Böse Zungen behaupten, ich hätte das immer noch nicht :) )

Ein Bayer sagte zu mir .....


"Du kriegst gleich ein paar Fotzen...."

Ich hätte am liebsten gesagt, Ok......her damit....welche Damen ?

Was ich damit sagen möchte, es ist ok das man eine andere Geschichte hat und diese erzählt.
Ok ist nicht mehr wenn wir nach rechts abdriften. Wenn jemand herum schnauzt er sei bürgerlich und die Anderen nicht.
Das ist Quatsch !

Wenn es um Sorgen oder Ängste geht, dann her damit.
Aber nicht mit den Finger auf andere zielen und dort das Problem suchen.

Den wir sind das Volk und bestimmen dieses Land.
#Demokratie

Ist manchmal ätzend und aufreibend aber das gehört dazu.
Mir geht es nicht um Friede, Freude, Eierkuchen falls das jetzt kommen sollte...
Dont take your organs to heaven !
Heaven knows we need them here !

Dinge, die Impfgegner sagen : https://www.facebook.com/impfgegnerzitate/

Sleep On The Floor https://www.youtube.com/watch?v=v4pi1LxuDHc
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Re: Mentalitätsunterschiede in Deutschland

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 30. Dez 2019, 23:06

BingoBurner hat geschrieben:(30 Dec 2019, 04:04)

In dieser Aussage erkenne ich einen Widerspruch.
Kurz :

Wenn Sie, sie bleiben werden sie immer nur zu einem Teil der "Gemeinschaft" gehören.


Adenauer drückte es mal so aus...Deutschland ist ein Stamm aus Völkern.
Ich für meinen Teil finde das gut.

Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel....Bayern. Ich.... total junger Mann, Testosteron bis zur Schädeldecke, keinen Plan von nix.
(Böse Zungen behaupten, ich hätte das immer noch nicht :) )

Nx für ungut, ich hab' auch keine "böse Zunge" aber nach
Ein Bayer sagte zu mir .....


"Du kriegst gleich ein paar Fotzen...."

Ich hätte am liebsten gesagt, Ok......her damit....welche Damen ?

Was ich damit sagen möchte, es ist ok das man eine andere Geschichte hat und diese erzählt.
Ok ist nicht mehr wenn wir nach rechts abdriften. Wenn jemand herum schnauzt er sei bürgerlich und die Anderen nicht.
Das ist Quatsch !

Wenn es um Sorgen oder Ängste geht, dann her damit.
Aber nicht mit den Finger auf andere zielen und dort das Problem suchen.

Den wir sind das Volk und bestimmen dieses Land.
#Demokratie

Ist manchmal ätzend und aufreibend aber das gehört dazu.
Mir geht es nicht um Friede, Freude, Eierkuchen falls das jetzt kommen sollte...

... ist mir diese Ansicht, sagen wir mal, nicht ganz unverständlich ....
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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