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Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 12:53
von ThorsHamar
aleph hat geschrieben:(30 Aug 2017, 11:44)

Aha, jetzt wird es interessant: was heißt das für die Deutsche Kultur? Hat die Ministerin da nicht Recht?


Das heisst für jede Kultur, dass sie durch Individuen lebt, welche durch ihre Sozialisation ein Agreement leben.
So geht der Kulturbegriff eben vom Einzelnen, über Familie, Nation, Kontinent bis Menschheit, je nach Fokus.
Viele Menschen kacken nicht auf Strasse, viele tun das.


Da kann ich mitreden, weil das in meiner Branche sehr häufig vorkommt und ich Erfahrungen damit habe. Nun ja, ich muss da nichts umstellen. Es ist egal, aus welcher Kultur jemand kommt. Ich habe mal mit einem Perser zusammen gearbeitet, der übertraf jedes Klischee (Pünktlichkeit, Ordnungsbewusstsein usw.) jedes Deutschen. Genauso arbeitete ich einmal mit einem Perser zusammen, der war das Gegenteil davon.


Ich habe schon mal an anderer Stelle geschrieben, dass es nicht plakativ um Pünktlichkeit geht.
Es geht um die Bewusstheit der Notwendigkeit von Gemeinschaft und Staatswesen vor Ort, welche über Stammesdenken hinausgeht, um nämlich Zukunft überhaupt halbwegs planen zu können.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 12:56
von relativ
watisdatdenn? hat geschrieben:(30 Aug 2017, 12:46)

du hast "kriegsgeilheit" als preußische Tugend vergessen.
charakterzüge sind zwar auch etwas kultur, aber darüber hinaus haben die preußen (und Brandenburg/Berlin als Restpreußen) vor lauter kriegsgeilheit keine kulturellen errungenschaften entwickelt.
Darum kann man eine Ministerin Özoguz durchaus verstehen, wenn sie mitten im kulturlosen Berlin der Ansicht ist, es gäbe gar keine deutsche Kultur.

Im kulturreichen Bayern käme niemand auf so abwegige Ideen.

Auf das Maßstemmen und Schuhplattlern scheinst du kulturell ja mächtig stolz zu sein, die sonstige Kultur aus Südeutschland hat eher was mit der Natur zu tun, der Rest ist importiert :D

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 12:58
von gödelchen
Herr Kister in der SZ liefert heute eine stimmige Erklärung was Leitkultur ist, was verbindet und verbinden kann. Eine kulturvergessene Staatsministerin kann das nicht, sei verbindet nur totes Holz mit ausgeleierten Stricken..:-)

Übrigens ist auch Ausfluss der Leitkultur Deutschlands die hervorragende Anzeige des Herr Dr Fischer Bundesrichter aD wg. Volksverhetzung gegen den National-Chauvi Herr Gauland

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 13:15
von imp
Eine deutsche Kultur in dem Sinne gibt es nicht. Es gibt aber eine Unkultur, die sich zumindest teilweise mit Deutschland identifizieren lässt.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 13:23
von watisdatdenn?
relativ hat geschrieben:(30 Aug 2017, 12:56) der Rest ist importiert :D

falsch.
woher sollen wir z.B. die Zither (z.B. in Psalterform) importiert haben?

für berlin trifft deine behauptung natürlich zu. dort wurde sämtliche kultur nur importiert und deswegen kommt ja die SPD-Ministerin überhaupt erst auf so eine Idee.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 14:10
von JJazzGold
watisdatdenn? hat geschrieben:(30 Aug 2017, 13:23)

falsch.
woher sollen wir z.B. die Zither (z.B. in Psalterform) importiert haben?

für berlin trifft deine behauptung natürlich zu. dort wurde sämtliche kultur nur importiert und deswegen kommt ja die SPD-Ministerin überhaupt erst auf so eine Idee.


Die Erfinder der Zither sind die Hebräer.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 14:46
von schokoschendrezki
Senexx hat geschrieben:(30 Aug 2017, 09:37)

Die "niederdeutschen Mundarten" gehören nicht zum Dialektkontinuum des (Hoch-)Deutschen, sondern zu einer eigenen Sprache, dem Niederdeutschen. Haben Sie das in der Schule nicht gelernt?

Unter "Deutsch" verstehen wir das Althochdeutsche im Gegensatz zum Alt-Niederdeutschen. Der Übergang vom Germanischen zu den neueren deutschen Sprachen im Zuge der Althochdeutschen Lautverschiebung.



Sie sprachen (ursprünglich) aber nicht vom "Dialektkontinuum des Hochdeutschen" sondern vom "Deutschen Sprachraum" (ohne Zusatz). Ein Sprachraum ist umfassender. Der deutsche Sprachraum umfasst selbst getrennt liegende Gebiete wie das rumänische Siebenbürgen.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 14:55
von schokoschendrezki
Zunder hat geschrieben:(30 Aug 2017, 09:17)

Es sind nicht zuletzt die Sprachwissenschaftler, die die deutsche Sprache von der russischen, englischen oder arabischen unterscheiden können. Die Veränderungen vom Nibelungenlied über Luthers Bibelübersetzung bis in die Gegenwart gehören zur Geschichte der deutschen Sprache. Gäbe es die deutsche Sprache nicht, könnte sie sich auch nicht verändern. Das hat nichts mit Sprachschützerei zu tun, sondern mit der Anerkennung ziemlich banaler Tatsachen.

Ändert aber nix daran, dass der Duden, n-te Auflage (n=1..27) keine leitkulturell kanonische Verbindlichkeit sondern lediglich als Snapshot des aktuellen Sprachgebrauchs ein nützliches Tool und in seiner Verbindlichkeit von sehr temporärer Natur ist.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 14:58
von Adam Smith
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:55)

Ändert aber nix daran, dass der Duden, n-te Auflage (n=1..27) keine leitkulturell kanonische Verbindlichkeit sondern lediglich als Snapshot des aktuellen Sprachgebrauchs ein nützliches Tool und in seiner Verbindlichkeit von sehr temporärer Natur ist.

Es gibt aber den Duden. Das ist eine Tatsache. Und in Somalia und Jemen tragen fast alle Frauen eine Niqab.

Und für unsere Drogenbefürworter:

Hier kauen 75% der Männer Kath. Es gibt Bürgerkrieg, Wassermangel, Cholera und exorbitant viele Geisteskranke. Im Moment droht auch mal wieder eine Hungersnot.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:00
von schokoschendrezki
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(30 Aug 2017, 13:15)

Eine deutsche Kultur in dem Sinne gibt es nicht. Es gibt aber eine Unkultur, die sich zumindest teilweise mit Deutschland identifizieren lässt.

Ja.. Und die Unkultur der Leitkultur ist wie die Sehnsucht nach einer Straßenlaterne. Nur dass kreative Ideen wie Open Source oder neue innovative Musikstile natürlicherweise nicht im Lichtkegel solcher Leit-Scheinwerfer sondern grundsätzlich im Dunkeln liegen und dem gehören, der den Mut, die Mühe und das Risiko nicht scheut, den Dunstkreis leitkultureller Sichtbereiche zu verlassen.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:02
von schokoschendrezki
Adam Smith hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:58)

Es gibt aber den Duden. Das ist eine Tatsache. Und in Somalia und Jemen tragen fast alle Frauen eine Niqab.

Das hast Du gut beobachtet. Bekämst eine eins, wenn wir noch in der Schule wären.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:03
von gödelchen
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:55)

Ändert aber nix daran, dass der Duden, n-te Auflage (n=1..27) keine leitkulturell kanonische Verbindlichkeit sondern lediglich als Snapshot des aktuellen Sprachgebrauchs ein nützliches Tool und in seiner Verbindlichkeit von sehr temporärer Natur ist.


Nach Richtlinien der dt. Universitäten zur Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten ist der Duden maßgeblich. Deshalb ist er verbindlich überall. Das er sich entsprechend den sprachlichen Veränderungen anpasst, ändert an seiner Verbindlichkeit nichts.

Standardwerke über das, was die Deutsche Sprache ist, gibt es genüge z.B. Göttert ( https://www.amazon.de/Deutsch-Biografie ... rt+Sprache)

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:04
von Julian
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:55)

Ändert aber nix daran, dass der Duden, n-te Auflage (n=1..27) keine leitkulturell kanonische Verbindlichkeit sondern lediglich als Snapshot des aktuellen Sprachgebrauchs ein nützliches Tool und in seiner Verbindlichkeit von sehr temporärer Natur ist.


Der Duden hat sich auch dem Zeitgeist angebiedert, und der wabert eben in Unverbindlichkeit und Zufälligkeit. Lächerlich für ein Wörterbuch, dessen Aufgabe es ist, eine halbwegs einheitliche Rechtschreibung zu gewährleisten.

Fleicht, müßn vihr aber auch auff Eyne eynheidliche rächtsschreibung, värrzichtn umb den sinn ayner Sollchen tsu värrdoitlichn;

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:08
von imp
Adam Smith hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:58)

Es gibt aber den Duden. Das ist eine Tatsache.

Der Wahrig ist auch eine Tatsache. Eine besondere deutsche Kultur, die in Österreich oder Bulgarien nicht mit einheimischer verwechselt werden kann, gibt es aber nicht. Open Source ist so spezifisch deutsch wie Analverkehr und Polka.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:11
von schokoschendrezki
gödelchen hat geschrieben:(30 Aug 2017, 15:03)

Nach Richtlinien der dt. Universitäten zur Erstellung von wissenschaftlichen Arbeiten ist der Duden maßgeblich. Deshalb ist er verbindlich überall. Das er sich entsprechend den sprachlichen Veränderungen anpasst, ändert an seiner Verbindlichkeit nichts.


In Bezug auf das eigentliche Thema ("verbindende Deutsche Kultur") ist das schon maßgeblich. Denn wenn das Verbindende nicht in einem einmal festgelegten bindendem Sprachgebrauch liegt sondern in dem "Duden", also einem bestimmtem konkreten Produkt eines konkreten Verlags ... dann läuft das natürlich auf einen Unsinn hinaus. Das wäre so als würde man "Selters" als die verbindliche Form von "Mineralwasser" festlegen.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:12
von ThorsHamar
Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(30 Aug 2017, 15:08)

Der Wahrig ist auch eine Tatsache. Eine besondere deutsche Kultur, die in Österreich oder Bulgarien nicht mit einheimischer verwechselt werden kann, gibt es aber nicht....


Machst Du deutsche Kultur an Staatsgrenzen fest? Österreich ist deutsche Kultur, wie auch https://de.wikipedia.org/wiki/Bulgariendeutsche

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:16
von imp
ThorsHamar hat geschrieben:(30 Aug 2017, 15:12)

Machst Du deutsche Kultur an Staatsgrenzen fest? Österreich ist deutsche Kultur, wie auch https://de.wikipedia.org/wiki/Bulgariendeutsche

Wenn ein Brauchtum spezifisch deutsch ist, dann muss es einerseits in breiten Kreisen gelebt und ansonsten unumstritten sein, sich aber auch vom Brauchtum woanders absetzen.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:22
von ThorsHamar
Ja, und?

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:22
von Zunder
schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2017, 14:55)

Ändert aber nix daran, dass der Duden, n-te Auflage (n=1..27) keine leitkulturell kanonische Verbindlichkeit sondern lediglich als Snapshot des aktuellen Sprachgebrauchs ein nützliches Tool und in seiner Verbindlichkeit von sehr temporärer Natur ist.

Ja und?
Es geht nicht um Leitkultur oder Kanon, sondern um kulturelle Gemeinsamkeit. Und für Deutschlehrer war der Duden nicht nur zu meiner Schulzeit verbindlich. Er konnte übrigens nur deshalb republikweit verbindlich sein, weil sich die sprachlichen Veränderungen in diesem Standardwerk niedergeschlagen haben.

Re: Gibt es eine verbindende Deutsche Kultur?

Verfasst: Mi 30. Aug 2017, 15:28
von imp
ThorsHamar hat geschrieben:(30 Aug 2017, 15:22)

Ja, und?

Deshalb gibt es ein solches Brauchtum heute nicht. Nicht in Deutschland, nicht in Italien. Vielleicht in Nordkorea, wer weiß.