Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

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Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Brainiac » Fr 19. Feb 2016, 10:00

Die Argumentation ist sattsam bekannt, auch hier ist sie immer wieder zu lesen.

1. Es sei doch unsozial, die hier ankommenden Flüchtlinge aufzunehmen – das seien doch überwiegend junge Männer mit finanziellen Mitteln (die ihnen die Reise ermöglicht hätten). Den wirklich Bedürftigen der Dritte Welt – Arme, Frauen, Kinder – werde nicht geholfen.
2. Und dann auch noch „Deserteure“, junge Männer aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, die vor dem Militärdienst zuhause flöhen und ihre Familien sowie ihr Heimatland feige im Stich ließen.

Nun ja. Ich will keinem Einzelnen, der jetzt gegen Merkel & Co. wettert, absprechen, diese Argumente aus ehrlicher Überzeugung zu bringen. In sehr vielen Fällen erscheint es mir aber als vorgeschoben. Aus angeblicher Sorge um die Dritte Welt werden alle möglichen Argumente angeführt, die dafür herhalten können, gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu sein. Besonders perfide daran ist, dass man damit sehr schön die Positionen verdrehen und die Gutmenschen als asozial und sich selbst als sozial darstellen kann.

In Wirklichkeit geht es aber doch hauptsächlich um eine egoistische Betrachtung – wir wollen "die" hier nicht, weil wir überzeugt sind, dass sie uns schaden. Wie es denen "da unten" geht, interessiert uns erst mal nur sekundär, wenn überhaupt. Was eine legitime Position ist, niemand kann zu Altruismus gezwungen werden. Und sie ist wenigstens ehrlich.

Da schreibt jemand im Netz: Was hat das mit christlichen Werten, Weltoffenheit und Willkommenskultur zu tun, wenn sich unsere Politiker, Kirchenfürsten und Journalisten nur für diejenigen interessieren, die die Kraft und das Geld haben, nach Deutschland zu reisen, aber diejenigen, die kaum noch auf die Beine kommen, also nicht mal als „Flüchtlinge“ bezeichnet werden können, weil sie einfach nicht fliehen KÖNNEN, elendig verrecken lassen? Ich glaube kein Wort davon, die Argumentation ist scheinheilig und vorgeschoben. Es geht darum, Stimmung gegen die Gutmenschen zu machen, nichts weiter.

Gibt es hier irgend jemanden, der:

- Die Flüchtlingsaufnahme aus den obigen Gründen für asozial und schädlich und die Politik von Fr Merkel für so verfehlt hält, dass er zur Beendigung der letzteren ggfs. sogar die AfD oder Ähnliches wählen würde
- sich aber schon vor Beginn der Flüchtlingskrise bereits in irgendeiner Form für Frieden und Wohlstand in der Dritten Welt engagiert hat? Und der mal dort war und beurteilen kann, was es bedeutet, in der Dritten Welt zu leben oder für Diktatoren kämpfen zu müssen?

Ich lasse mich gern überraschen.

Die weitaus meisten, auf die der zweite Punkt zutrifft - ich gehöre dazu -, dürften das etwas anders sehen: Besser denen helfen, die da kommen, als gar niemandem. (Dass es trotzdem irgendwann einfach zu viele für unser Land werden könnten, steht auf einem anderen Blatt.)
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Uriel » Fr 19. Feb 2016, 10:34

Brainiac hat geschrieben:(19 Feb 2016, 10:00)

Die Argumentation ist sattsam bekannt, auch hier ist sie immer wieder zu lesen.

1. Es sei doch unsozial, die hier ankommenden Flüchtlinge aufzunehmen – das seien doch überwiegend junge Männer mit finanziellen Mitteln (die ihnen die Reise ermöglicht hätten). Den wirklich Bedürftigen der Dritte Welt – Arme, Frauen, Kinder – werde nicht geholfen.
2. Und dann auch noch „Deserteure“, junge Männer aus Bürgerkriegsländern wie Syrien, die vor dem Militärdienst zuhause flöhen und ihre Familien sowie ihr Heimatland feige im Stich ließen.

Nun ja. Ich will keinem Einzelnen, der jetzt gegen Merkel & Co. wettert, absprechen, diese Argumente aus ehrlicher Überzeugung zu bringen. In sehr vielen Fällen erscheint es mir aber als vorgeschoben. Aus angeblicher Sorge um die Dritte Welt werden alle möglichen Argumente angeführt, die dafür herhalten können, gegen die Aufnahme von Flüchtlingen zu sein. Besonders perfide daran ist, dass man damit sehr schön die Positionen verdrehen und die Gutmenschen als asozial und sich selbst als sozial darstellen kann.

In Wirklichkeit geht es aber doch hauptsächlich um eine egoistische Betrachtung – wir wollen "die" hier nicht, weil wir überzeugt sind, dass sie uns schaden. Wie es denen "da unten" geht, interessiert uns erst mal nur sekundär, wenn überhaupt. Was eine legitime Position ist, niemand kann zu Altruismus gezwungen werden. Und sie ist wenigstens ehrlich.

Da schreibt jemand im Netz: Was hat das mit christlichen Werten, Weltoffenheit und Willkommenskultur zu tun, wenn sich unsere Politiker, Kirchenfürsten und Journalisten nur für diejenigen interessieren, die die Kraft und das Geld haben, nach Deutschland zu reisen, aber diejenigen, die kaum noch auf die Beine kommen, also nicht mal als „Flüchtlinge“ bezeichnet werden können, weil sie einfach nicht fliehen KÖNNEN, elendig verrecken lassen? Ich glaube kein Wort davon, die Argumentation ist scheinheilig und vorgeschoben. Es geht darum, Stimmung gegen die Gutmenschen zu machen, nichts weiter.

Gibt es hier irgend jemanden, der:

- Die Flüchtlingsaufnahme aus den obigen Gründen für asozial und schädlich und die Politik von Fr Merkel für so verfehlt hält, dass er zur Beendigung der letzteren ggfs. sogar die AfD oder Ähnliches wählen würde
- sich aber schon vor Beginn der Flüchtlingskrise bereits in irgendeiner Form für Frieden und Wohlstand in der Dritten Welt engagiert hat? Und der mal dort war und beurteilen kann, was es bedeutet, in der Dritten Welt zu leben oder für Diktatoren kämpfen zu müssen?

Ich lasse mich gern überraschen.

Die weitaus meisten, auf die der zweite Punkt zutrifft - ich gehöre dazu -, dürften das etwas anders sehen: Besser denen helfen, die da kommen, als gar niemandem. (Dass es trotzdem irgendwann einfach zu viele für unser Land werden könnten, steht auf einem anderen Blatt.)






Menschen die sich dem Wehrdienst entziehen sind Straftäter. Das ist in Deutschland auch so. Ich wäre im Knast geladet hätte ich mich meiner Wehrpflicht entzogen.

Der weit überwiegende Teil der Menschen die hier als "Flüchtlinge" bezeichnet werden sind de jure keine Flüchtlinge. Flüchtlinge wären es dann, wenn z.B. in Österreich Krieg herrschen würde und die Österreicher nach Deutschland fliehen/flüchten müßten.

Letztlich ist die ganze Debatte durchzogen von diversen Lügengeschichten. Unser Bundespräsident fährt z.B. nach Jordanien und schaut sich dort Flüchtlingslager an. Deutschland ist nicht bereit seine Anteil für das UN Flüchtlinshilfwerk zu bezahlen.. Jedenfalls schaut sich unser Gauck die Lager an und vergießt dort Betroffenheitstränen.. Und fährt wieder nach Berlin. Er hätte auch einige Flüchtlinge mit nehmen können. Schön sicher im Flugzeug nach Deutschland. Aber diese Menschen müssen / wollen dann über Mittelmeer fahren. Wenn sie dann ertrinken steht genau dieser Bundespräsident da und vergießt wieder Betroffenheitstränen.

Und auf eine Frage gibt es auch keine Antwort. Was machen wir wenn dieses Jahr wieder über eine Million Menschen kommen. Oder was tun wir wenn alle Menschen die Grund haben ihren Lebensstandart zu verbessern nach Deutschland kommen wollen?
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 19. Feb 2016, 10:49

Man muss das imho unterscheiden in Flüchtlinge aus Staaten, wo Leib und Leben durch Krieg oder Verfolgung bedroht ist und Wirtschaftsflüchtlingen. Letztere gehören für mich rigoros abgeschoben und man muss auch klare Zeichen der Abschreckung setzen, dass solche Menschen hier nicht willkommen sind. Das Geld, das sie Schleppern in den Rachen geworfen haben, hätten sie besser in den Aufbau des eigenen Landes gesteckt.

Echten Flüchtlingen muss geholfen werden, egal ob Mann, Frau oder Kind. Wenn man so dumm ist und das UNHCR nicht ausreichend finanziert, dann muss man diese Menschen eben bei sich zu Hause aufnehmen und ihnen Schutz bieten. Allerdings ist für mich auch klar, dass Flüchtlinge wieder nach Hause gehen und ihr Land nach einem Krieg oder Terrorregime wieder aufbauen. Flüchtlinge sind keine Migranten, das wird hier aber von Politik und Medien immer wieder anders kommuniziert. Während der Asylzeit müssen die Menschen beschäftigt werden, Kinder bekommen Schulunterricht in ihrer Landessprache, Erwachsene werden in Berufen ausgebildet, die im Heimatland zum Wiederaufbau benötigt werden.

Polemik gegen "Gutmenschen" interessiert mich nicht, selbige teilen auch ordentlich aus und sehen in jedem, der nicht ihrer Meinung ist einen Nazi, also müssen sie auch mit dem Echo leben.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Brainiac » Fr 19. Feb 2016, 11:03

Uriel hat geschrieben:(19 Feb 2016, 10:34)Menschen die sich dem Wehrdienst entziehen sind Straftäter. Das ist in Deutschland auch so. Ich wäre im Knast geladet hätte ich mich meiner Wehrpflicht entzogen.

Du würdest für Assad kämpfen und sterben?

Die syrische Armee ist nach mehr als vier Jahren Kampf gegen Rebellen und Dschihadisten stark geschwächt. Seit Beginn des Konflikts im März 2011 wurden mehr als 80.000 Soldaten der Regierungstruppen und verbündeter Milizen getötet. Die hohe Opferzahl hat zur Folge, dass selbst regierungstreue Syrer ihren Militärdienst nicht ableisten wollen.
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/syrien-baschar-al-assad-buergerkrieg-armee-unterstuetzung
Mehr als 9.000 Menschen sind nach Zählung der UN in dem Konflikt bisher getötet worden. Regierungstruppen haben Städte mit Panzern und Artillerie beschossen, am Donnerstag schreckten Berichte über ein erneutes Massaker nahe der Protesthochburg Hama die internationale Gemeinschaft auf - knapp zwei Wochen, nachdem mehr als 100 Menschen in Hula umgebracht wurden.[...]Örtliche Menschenrechtler warfen alawitischen Banden vor, Dorfbewohner aus kurzer Distanz erschossen zu haben, während Regierungstruppen mit schweren Waffen den Ort beschossen.
http://www.handelsblatt.com/politik/international/flucht-vor-wehrdienst-junge-syrier-verweigern-sich-assads-armee/6723022.html

Uriel hat geschrieben:(19 Feb 2016, 10:34)Der weit überwiegende Teil der Menschen die hier als "Flüchtlinge" bezeichnet werden sind de jure keine Flüchtlinge. Flüchtlinge wären es dann, wenn z.B. in Österreich Krieg herrschen würde und die Österreicher nach Deutschland fliehen/flüchten müßten.

Letztlich ist die ganze Debatte durchzogen von diversen Lügengeschichten. Unser Bundespräsident fährt z.B. nach Jordanien und schaut sich dort Flüchtlingslager an. Deutschland ist nicht bereit seine Anteil für das UN Flüchtlinshilfwerk zu bezahlen.. Jedenfalls schaut sich unser Gauck die Lager an und vergießt dort Betroffenheitstränen.. Und fährt wieder nach Berlin. Er hätte auch einige Flüchtlinge mit nehmen können. Schön sicher im Flugzeug nach Deutschland. Aber diese Menschen müssen / wollen dann über Mittelmeer fahren. Wenn sie dann ertrinken steht genau dieser Bundespräsident da und vergießt wieder Betroffenheitstränen.

Gutes Beispiel. Den Shitstorm möchte ich nicht erleben, der losgebrochen wäre, HÄTTE Gauck tatsächlich einige mitgenommen. "Reine Medienaktion"..."nur aus selbstsüchtigen Publicitygründen"..."was tut er für die restlichen Millionen"...

Und auf eine Frage gibt es auch keine Antwort. Was machen wir wenn dieses Jahr wieder über eine Million Menschen kommen. Oder was tun wir wenn alle Menschen die Grund haben ihren Lebensstandart zu verbessern nach Deutschland kommen wollen?

Irgendwann ist es zuviel, da sind wir uns wohl einig. Wahrscheinlich aber nicht über den Zeitpunkt. Ist es so, dass du, weil wir nicht alle aufnehmen können, lieber gar keinen aufnehmen willst?
Jeder hat das Recht
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Uriel » Fr 19. Feb 2016, 11:11

Brainiac hat geschrieben:(19 Feb 2016, 11:03)

Du würdest für Assad kämpfen und sterben?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-07/syrien-baschar-al-assad-buergerkrieg-armee-unterstuetzung
http://www.handelsblatt.com/politik/international/flucht-vor-wehrdienst-junge-syrier-verweigern-sich-assads-armee/6723022.html


Gutes Beispiel. Den Shitstorm möchte ich nicht erleben, der losgebrochen wäre, HÄTTE Gauck tatsächlich einige mitgenommen. "Reine Medienaktion"..."nur aus selbstsüchtigen Publicitygründen"..."was tut er für die restlichen Millionen"...


Irgendwann ist es zuviel, da sind wir uns wohl einig. Wahrscheinlich aber nicht über den Zeitpunkt. Ist es so, dass du, weil wir nicht alle aufnehmen können, lieber gar keinen aufnehmen willst?



Gauck war nur ein Bsp. Auch Panzerursel hat sich schon solche Lager angeschaut. Es gibt genügend Möglichkeiten vor Ort zu helfen.

Und fakt ist eben auch das der weit größte Teil der Menschen die hier her kommen de jure keine Flüchtlinge sind. Da spricht das Grundgesetz eine klare Sprache. Art16a.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 19. Feb 2016, 12:38

Nun, die Flüchtlingsgegner sorgen sich ja nicht nur um die dritte Welt, sie sorgen sich vielfach auch über den Ruf der hier seit langem lebenden gut integrierten Migranten.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Perdedor » Fr 19. Feb 2016, 13:25

3x schwarzer Kater hat geschrieben:Nun, die Flüchtlingsgegner sorgen sich ja nicht nur um die dritte Welt, sie sorgen sich vielfach auch über den Ruf der hier seit langem lebenden gut integrierten Migranten.


Außerdem ist es problematisch, dass Deutschland damit einen Sonderweg in der EU geht. Dabei war man doch immer dafür, dass man in der EU enger zusammenarbeitet.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 19. Feb 2016, 13:28

Perdedor hat geschrieben:(19 Feb 2016, 13:25)

Außerdem ist es problematisch, dass Deutschland damit einen Sonderweg in der EU geht. Dabei war man doch immer dafür, dass man in der EU enger zusammenarbeitet.


Stimmt .... und der türkische Arbeitskollege und Freund schüttelt beim gemeinsamen Feierabendbier sowieso schon den Kopf über die ungezügelte Zuwanderunspolitik Deutschlands.
Zuletzt geändert von 3x schwarzer Kater am Fr 19. Feb 2016, 13:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Uriel » Fr 19. Feb 2016, 13:32

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(19 Feb 2016, 13:28)

Stimmt .... und der türkische Arbeitskollege und Freund schüttelt beim gemeinsamen Feiersbendbier sowieso schon den Kopf über die ungezügelte Zuwanderunspolitik Deutschlands.



Ich kenne einige "ausländische" Kollegen die sich mit den Gedanken tragen wieder zurück zu gehen.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Fr 19. Feb 2016, 13:36

Uriel hat geschrieben:(19 Feb 2016, 13:32)

Ich kenne einige "ausländische" Kollegen die sich mit den Gedanken tragen wieder zurück zu gehen.


Sag ich doch :-))))
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Brainiac » Fr 19. Feb 2016, 14:55

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(19 Feb 2016, 12:38)

Nun, die Flüchtlingsgegner sorgen sich ja nicht nur um die dritte Welt, sie sorgen sich vielfach auch über den Ruf der hier seit langem lebenden gut integrierten Migranten.

Tun sie das wirklich? Und redest du von dir, oder deinem Kollegen? Bei dem ist es logisch, er ist ja selbst betroffen.

Die Argumentation habe ich jedenfalls noch nicht oft gelesen. Weitaus häufiger werden von den Leuten, die sich gegen die "Völkerwanderung" wenden, im selben Atemzug auch die bereits hier lebenden Migranten (insbesondere aus einem bestimmten Kulturkreis) pauschal angegriffen und auf Parallelgesellschaften, No-Go-Areas, Bildungsferne und ähnliches verwiesen. Die meine ich mit "Flüchtlingsgegner", mir fällt kein besserer Begriff für diese Gruppe ein. Und wenn von denen dann plötzlich auf die armen zurückgebliebenen Angehörigen oder auf das zu verteidigende Vaterland der Flüchtlinge verwiesen wird, als Grund, Flüchtlinge nicht mehr aufzunehmen, kaufe ich das denen nicht so recht ab.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Versutus » Fr 19. Feb 2016, 16:22

Hallo Brainiac.

Da die Ursachen in politischen Diskussionen meist gar nicht berücksichtigt werden,
habe ich bisher kaum einen Flüchtlingsgegener gesprochen, gelesen oder gesehen,
der sich um die Dritte Welt ebenfalls so sorgen würde, wie um das was er vermeintlich
zu verlieren glaubt.

Meistens wird sogar ein globaler Zusammenhang, damit auch ein Zusammenhang mit Deutschland
nicht nur übersehen, sondern auch geleugnet, ist gar nicht Inhalt der Debatte.

In vielen Krisenstaaten gibt es keine Aussicht auf Besserung.
Nachbarstaaten schauen weg. Die Welt schaut ebenfalls weg.
Hunderte von Millionen Menschen leben in absoluter Armut.
Wenige, bestimmte Regionen haben einen Lebensstandard erreicht,
der seines Gleichen sucht.

Während die eigenen Lebensumstände und Bedingungen als drückend, schwierig, gefährlich, auch
lebensbedrohlich ge- und erlebt werden, sieht ein Leben bei uns angenehm und erstrebenswert aus.

Hierunter fallen zum Beispiel die politische Freiheit, persönliche Sicherheit, Arbeitsplätze, materieller Wohlstand
ect.

Die Migrationsbereitschaft ist letzlich dann am größten, wenn die eigenen Lebensumstände besonders schlecht
erscheinen und aber gleichzeitig die Anziehungskraft anderer Regionen besonders groß ist.

Die meisten Flüchtlingsgegner bleiben am Flüchtling selbst haften, ohne Analyse seiner Motive.
Deshalb findet äußerst selten die Auseinandersetzung der Ursachen Raum.

Das ist meine gemachte Erfahrung.
Abelina

Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Abelina » Fr 19. Feb 2016, 16:37

Versutus hat geschrieben:(19 Feb 2016, 16:22)

Hallo Brainiac.

Da die Ursachen in politischen Diskussionen meist gar nicht berücksichtigt werden,
habe ich bisher kaum einen Flüchtlingsgegener gesprochen, gelesen oder gesehen,
der sich um die Dritte Welt ebenfalls so sorgen würde, wie um das was er vermeintlich
zu verlieren glaubt.

Meistens wird sogar ein globaler Zusammenhang, damit auch ein Zusammenhang mit Deutschland
nicht nur übersehen, sondern auch geleugnet, ist gar nicht Inhalt der Debatte.

In vielen Krisenstaaten gibt es keine Aussicht auf Besserung.
Nachbarstaaten schauen weg. Die Welt schaut ebenfalls weg.
Hunderte von Millionen Menschen leben in absoluter Armut.
Wenige, bestimmte Regionen haben einen Lebensstandard erreicht,
der seines Gleichen sucht.

Während die eigenen Lebensumstände und Bedingungen als drückend, schwierig, gefährlich, auch
lebensbedrohlich ge- und erlebt werden, sieht ein Leben bei uns angenehm und erstrebenswert aus.

Hierunter fallen zum Beispiel die politische Freiheit, persönliche Sicherheit, Arbeitsplätze, materieller Wohlstand
ect.

Die Migrationsbereitschaft ist letzlich dann am größten, wenn die eigenen Lebensumstände besonders schlecht
erscheinen und aber gleichzeitig die Anziehungskraft anderer Regionen besonders groß ist.

Die meisten Flüchtlingsgegner bleiben am Flüchtling selbst haften, ohne Analyse seiner Motive.
Deshalb findet äußerst selten die Auseinandersetzung der Ursachen Raum.

Das ist meine gemachte Erfahrung.


Dass sich Leute um das Schicksal ihres eigenen Landes und Volkes mehr Sorgen machen, ist vollkommen natürlich und normal. Das macht jeder Afrikaner und Türke auch im Bezug auf sein Land - und zwar wesentlich schärfer als der gutmütige BRD-Deutsche. Die Ursachen der "Krise" sind sicherlich vielfältig; sie reichen von gezielter politischer Destabilisierung gewisser Regionen durch die US-Hochfinanz bis hin zu Kriegen, die selbige gerne am laufen hält. Dazu kommen offenbar auch Unfähigkeit, Faulheit und geringe Durchschnittsintelligenz - somit "Hochkulturunfähigkeit" - bei manchen Völkern trotz bester Bedingungen in ihren Heimatländern (Rohstoffe, Klima usw.)
Versutus

Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Versutus » Fr 19. Feb 2016, 17:10

Abelina hat geschrieben:(19 Feb 2016, 16:37)



Die USA als Alleinverantwortliche?
Nein.



Wie kommen sie darauf, dass ganze Völker unfähig, faul, dumm wären?
Versutus

Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Versutus » Fr 19. Feb 2016, 17:10

Abelina hat geschrieben:(19 Feb 2016, 16:37)

Dass sich Leute um das Schicksal ihres eigenen Landes und Volkes mehr Sorgen machen, ist vollkommen natürlich und normal. Das macht jeder Afrikaner und Türke auch im Bezug auf sein Land - und zwar wesentlich schärfer als der gutmütige BRD-Deutsche.
Die Ursachen der "Krise" sind sicherlich vielfältig; sie reichen von gezielter politischer Destabilisierung gewisser Regionen durch die US-Hochfinanz bis hin zu Kriegen, die selbige gerne am laufen hält.


Die USA als Alleinverantwortliche?
Nein.

Dazu kommen offenbar auch Unfähigkeit, Faulheit und geringe Durchschnittsintelligenz - somit "Hochkulturunfähigkeit" - bei manchen Völkern trotz bester Bedingungen in ihren Heimatländern (Rohstoffe, Klima usw.)


Wie kommen sie darauf, dass ganze Völker unfähig, faul, dumm wären?
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Dingo » Fr 19. Feb 2016, 18:04

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Feb 2016, 10:49)

Man muss das imho unterscheiden in Flüchtlinge aus Staaten, wo Leib und Leben durch Krieg oder Verfolgung bedroht ist und Wirtschaftsflüchtlingen. Letztere gehören für mich rigoros abgeschoben und man muss auch klare Zeichen der Abschreckung setzen, dass solche Menschen hier nicht willkommen sind.
Warum eigentlich? Warum maßen wir uns an, das alleinige Recht zu haben, hier zu leben und zu arbeiten und Frieden und Wohlstand genießen zu dürfen? Aufgrund der tollen "Leistung", Nachfahre von Leuten zu sein, die schon hier geboren wurden, seien es nun Eltern, Großeltern, Urgroßeltern oder Ur... Urgroßeltern?
Ich bin ein Flüchtlingskind.

Sollten weiterführende Links auf Seiten, die ich verlinke, zu Inhalten führen, die als Gewaltaufruf verstanden werden könnten, so mache ich mir diese ausdrücklich nicht zu eigen.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Tom Bombadil » Fr 19. Feb 2016, 18:10

Selbstbestimmungsrecht der Völker.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Versutus » Fr 19. Feb 2016, 18:13

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Feb 2016, 18:10)

Selbstbestimmungsrecht der Völker.


Und das kommt in der Dritten Welt zum Tragen?

Artikel 1 Absatz 2 der UN-Sozialcharta sichert die wirtschaftliche Seite des Selbstbestimmungsrechts durch das Recht auf freie Verfügung der Völker über ihre Naturschätze und Wirtschaftsquellen, das später in Artikel 25 der Sozialcharta noch einmal aufgegriffen wird.


http://www.sozialpakt.info/selbstbestim ... lker-3181/
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon Billie Holiday » Fr 19. Feb 2016, 18:16

Dingo hat geschrieben:(19 Feb 2016, 18:04)

Warum eigentlich? Warum maßen wir uns an, das alleinige Recht zu haben, hier zu leben und zu arbeiten und Frieden und Wohlstand genießen zu dürfen? Aufgrund der tollen "Leistung", Nachfahre von Leuten zu sein, die schon hier geboren wurden, seien es nun Eltern, Großeltern, Urgroßeltern oder Ur... Urgroßeltern?


Du meinst, 7 Milliarden Menschen sollten das Recht haben, hierher zu kommen und an dem Wohlstand, der fortlaufend erarbeitet wird, teilzuhaben? Wie lange wird der Sozialstaat so bestehen bleiben?
Und wenn nicht alle 7 Milliarden....wer ja und wer nicht?
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Die angeblichen Sorgen der Flüchtlingsgegner um die Dritte Welt

Beitragvon jack000 » Fr 19. Feb 2016, 18:17

Dingo hat geschrieben:(19 Feb 2016, 18:04)

Warum eigentlich? Warum maßen wir uns an, das alleinige Recht zu haben, hier zu leben und zu arbeiten und Frieden und Wohlstand genießen zu dürfen? Aufgrund der tollen "Leistung", Nachfahre von Leuten zu sein, die schon hier geboren wurden, seien es nun Eltern, Großeltern, Urgroßeltern oder Ur... Urgroßeltern?

Der Wohlstand ist die Summe der hier lebenden und arbeitenden Menschen und regnet nicht vom Himmel. Wohlstand ist nicht nach dem Zufallsprinzip verteilt sondern das Resultat dessen wie die Menschen in Summe agieren.
=> Daher kann man Abkommen mit Ländern schließen, die auf Augenhöhe sind und so alles austauschen sowie Freizügigkeit zulassen (z.B. Deutschland und Frankreich).
Weltweit ist das derzeit nicht möglich!
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