Antisemitismus

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Eulenwoelfchen
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Eulenwoelfchen » Fr 19. Jul 2019, 12:41

Uffhausen hat geschrieben:(17 Jul 2019, 17:18)

Gibt es eine 100%ige Garantie, dass dieses politische Vorleben auch von der Bevölkerung entsprechend umgesetzt wird?


So mathematisch direkt auf Prozente reduziert: Nein.

Aber um dabei zu bleiben: Die Wahrscheinlichkeit, dass das politische Vorleben von einem SEHR großen Bevölkerungsteil
dann entsprechend umgesetzt und gelebt wird, nachdem er in die Köpfe von der vorlebenden Politik eingepflanzt wurde,
ist sehr hoch ... wie aus schrecklichen, vergangenen Zeiten in unserem Land bekannt sein dürfte.

Von daher ganz klar, eine gewisse Aufklärung und Erziehung, angefangen in Schulen, die dämonisierenden und seit Jahrhunderten
über Generationen tradierten Feindbilden wie jenem des "bösen und hinterhältigen Juden" mit objektiver, faktenbasierter Aufklärung
entgegen treten, sind bitter ! notwendig.

Wenn man ihrer These folgt, dass vorgelebte und gezeigte Haltung von Politikern NULL und NICHTS zum (Besseren) oder zur Korrektur von Volksirrtümern, Volksirrlichtern
beitragen könne, wie hier am Beispiel des Themas Antisemitismus betrachtet, dann kann man sich sowieso alles sparen.

Wieso Bildung und Aufklärung? - Wenn das nur dazu führt, so Ihr Verdacht, dass die Menschen Wissens- und Informationsvermittlung und politische
Aufklärung umso mehr ablehnen und genau das Gegenteil dessen denken und verinnerlichen werden, was man zu erreichen hoffte.

Je mehr man also Antisemitismus, in der Politik, in den Schulen - und überhaupt anspricht, thematisiert und dagegen ankämpft, desto mehr
erreicht man das Gegenteil: Eine Art "Martin Walser-ismus", den dieser vor längerer Zeit mahnend in die Preisverleihungsbotanik wuchtete. Und in die Köpfe. Wo er immer noch ist. Egal wie missinterpretiert und unverstanden sich der Herr (später) fühlte.

Wieso überhaupt Aufklärung und Diskussionen in Schulen und später durch die Politik? Etwa über Klimaerwärmung, über AKWs, über Verteilungsgerechtigkeit, über Gleichberechtigung,
über sexuelle Selbstbestimmung und gleiche Rechte für alle, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung? Oder gar Kritik an kriegerischen Gebietsannexionen aggressiver Staaten wie etwas Putins Keimcoup,
wenn den Leuten sowieso alles am Arsch vorbei geht und ein "ins Gewissen reden" reichlich sinnlos ist. Weil dann erst recht das Scharnier runtergeklappt wird und man ich belästigt fühlt.
Gerade deshalb genau das Gegenteil dessen denken wird, was man vorgeschrieben bekommt. Von der Politik oder Lehrern/Wissenschaftlern als selbsternannte Volkserzieher?
Und der Mensch an sich sowieso nur an sich und dem eigenen Vorteil interessiert ist. Meistens. Und vorrangig.

Klar kann man das (bildungs)politische Bekämpfen von Antisemitismus und Judenfeindlichkeit in der Politik und den Schulen als wenig sinnvoll oder gar kontraproduktiv ansehen und eigentlich sein lassen.
Zuerst fühlt sich Hänschen voll belästigt und genervt. Wie textete der Antisemit Roger Waters* so eindrücklich: We don't need no education, we don't need no thought control.
Teachers, leave us kids alone!

*Aus mega-watch vom 19.04.2019:
Waters stellt sich in eine Reihe mit Hassern wie der Hamas und Abbas, aber auch mit anderen Lieblingen von Teilen der europäischen Linken, wie Jeremy Corbyn. Weder sie noch Waters würden jemals sagen, dass sie Juden hassen. Heutzutage verstecken sich linke Antisemiten hinter dem, was sie ‚Kritik an Israel‘ nennen. (…)

Jetzt kommt Madonna die Ehre zu, von Waters drangsaliert zu werden, weil sie ihre Teilnahme am European Song Contest (ESC) nächsten Monat in Tel Aviv angekündigt hat. Die ersten paar Sätze von Waters‘ Beitrag zu diesem Thema in The Guardian klingen fast moderat: ‚Dass Madonna die der Einladung der Eurovision angenommen hat (….), wirft wieder einmal grundlegende ethische und politische Fragen auf, die jeder von uns in Betracht ziehen sollte‘, schreibt er.

Etwas weiter unten im Text konnte er sich nicht mehr zurückhalten: "In Israel aufzutreten ist ein lukrativer Gig, aber das zu tun, dient der Normalisierung der Besatzung, der Apartheid, der ethnischen Säuberung, der Inhaftierung von Kindern, der routinemäßigen Schlachtung unbewaffneter Demonstranten usw. … all diesen schlechten Dingen". Das mag für andere Israel-Hasser großartig klingen, aber nichts davon ist wahr. (Imanuel Marcus: „Roger Waters: Anti-Israeli Conspiracy Theories and Tantrums“)


Und der Hans lernt es später nimmer. Da kann die Politik machen, was sie will. Keine Chance.
Zuletzt geändert von Eulenwoelfchen am Fr 19. Jul 2019, 16:13, insgesamt 1-mal geändert.
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streicher
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Re: Antisemitismus

Beitragvon streicher » Fr 19. Jul 2019, 12:57

imp hat geschrieben:(19 Jul 2019, 08:08)

Meinungsfreude ist gut und in Ordnung. Der Lehrer darf die Schüler nicht überwältigen oder indoktrinieren. Er darf Position beziehen und das kann auch sehr förderlich sein.

Volle Zustimmung.
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Tetsu
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » Fr 19. Jul 2019, 13:50

imp hat geschrieben:(19 Jul 2019, 08:08)

Meinungsfreude ist gut und in Ordnung. Der Lehrer darf die Schüler nicht überwältigen [...]



Kommt darauf an was man darunter versteht.
Er sollte durchaus Meinungen und Fakten von einander trennen und auch contra-faktische Argumentationen von Schülern richtig stellen oder einseitige ergänzen - auch dass wird teilweise schon als Kritickwürdige Beeinflussung gesehen (nicht nur bei Lehrern) - gerade weil stark Bindungs- als auch Stark-Machtmotivierte Menschen in Fakten eher ein Mittel zum Zweck zu sehen scheinen und man bestenfalls als Klugscheißer gilt wenn man damit kommt und als Troublemaker wenn man sich damit nicht zufrieden gibt...

Problem ist eher, dass die Lehrer bei vielen Themen nicht nur wenig Ahnung haben, sondern eben auch bisweilen weniger als die Schüler sobald die herausfinden, dass man mit dem Smartphone unterm Tisch Wikipedia aufrufen kann (eventuell einer der gründe für die Handyverbote - die machen es den Schüler zu leicht die Kompetenz des Lehrers direkt zu überprüfen) - das Problem Liese sich zwar lösen indem man neue Medien unmittelbar in den unterricht mit einbindet, aber dass empfinden nicht nur viele alte Lehrer, sondern auch nicht wenige Eltern schon fast als Blasphemie.

Das zweite Problem ist, dass Lehrer mit Fakten auch schnell mit der eigenen Institution in Konflikt geraden könnten und das eben nicht nur bei privaten Agendaschulen, sondern auch bei staatlichen schulen bei Themen wie Ernährung etc., da es zwischen "halbwegs gesund" und "absolut tödlich" keine zwischen stufe zu geben scheint, wenn es um Ernährung geht und wenn man Energiedrinks nicht ausdrücklich verteufelt (auser den Geschmack natürlich, aber geschmack ist in unserer heutigen Esskultur ja eh nachrangig) und einige contra-faktische Verteufelungen richtig stellt, wird man schon gefragt, ob man vom Hersteller gekauft sei etc.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 19. Jul 2019, 14:30

Tetsu hat geschrieben:(19 Jul 2019, 13:50)

Kommt darauf an was man darunter versteht.
Er sollte durchaus Meinungen und Fakten von einander trennen und auch contra-faktische Argumentationen von Schülern richtig stellen oder einseitige ergänzen - auch dass wird teilweise schon als Kritickwürdige Beeinflussung gesehen (nicht nur bei Lehrern) - gerade weil stark Bindungs- als auch Stark-Machtmotivierte Menschen in Fakten eher ein Mittel zum Zweck zu sehen scheinen und man bestenfalls als Klugscheißer gilt wenn man damit kommt und als Troublemaker wenn man sich damit nicht zufrieden gibt...


Ja. Und zum Glück haben 2015 auch zahlreiche israelische Historiker Klein-Benjamins Argumentation richtig gestellt, die Einflüsterungen des Großmuftis von Jerusalem wären es gewesen, die Hitler von der bloßen Vertreibung abgebracht und zur Vernichtung der Juden angestiftet hätten. Als hätte es nicht bereits Anfang der 30er in jedem Winkel des deutschen Reiches einen auch eliminatorischen Judenhass gegeben. Als hätten sich die Zuhörer der Göbbelsreden nicht schon Anfang der 30er nicht eingekriegt vor Begeisterung bei den Worten, man werde "dem frechen Juden das Maul stopfen". Es hätte der unzweifelhaft antisemitischen und vom Kampf gegen das britische Mandat angetriebenen Worte Al-Husseinis wahrlich nicht bedurft. So haben wir jetzt einen fatalen und sozusagen amtilichen Aufhänger für einen großen Entlastungsmythos. "Puh. Der Großmufti von Jerusalem wars also. Na. Da sind wir ja noch mal mit einem blauen Auge davongekommen".
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Re: Antisemitismus

Beitragvon imp » Fr 19. Jul 2019, 14:53

Tetsu hat geschrieben:(19 Jul 2019, 13:50)

Kommt darauf an was man darunter versteht.
Er sollte durchaus Meinungen und Fakten von einander trennen und auch contra-faktische Argumentationen von Schülern richtig stellen oder einseitige ergänzen - auch dass wird teilweise schon als Kritickwürdige Beeinflussung gesehen (nicht nur bei Lehrern) - gerade weil stark Bindungs- als auch Stark-Machtmotivierte Menschen in Fakten eher ein Mittel zum Zweck zu sehen scheinen und man bestenfalls als Klugscheißer gilt wenn man damit kommt und als Troublemaker wenn man sich damit nicht zufrieden gibt...

Zu der Thematik, inwieweit Lehrer eigene Einstellungen, Weltanschauungen und politische Standpunkte vertreten dürfen/sollen und inwieweit sie im Unterricht in grob einseitige oder faktisch problematische Referate intervenieren sollen, haben wir uns zum Glück nicht als erste Gedanken gemacht. Es gibt da eine gut mit Einzelfällen unterfütterte Praxis.

Problem ist eher, dass die Lehrer bei vielen Themen nicht nur wenig Ahnung haben, sondern eben auch bisweilen weniger als die Schüler

Das dürfte in Themen wie Gesellschaftskunde, Geschichte usw in der Regel kein praktisches Problem sein. Der Fachlehrer muss den konkreten Unterrichtsstoff hinreichend vorbereiten. Insbesondere geeignete Quellen für die Arbeit im Unterricht. Dabei muss es nicht zwingend die neueste Erkenntnis der Forscher sein - in keinem Fach. Grob überholte, allgemein nicht mehr akzeptierte Standpunkte müssen aber als solche kenntlich gemacht werden.

sobald die herausfinden, dass man mit dem Smartphone unterm Tisch Wikipedia aufrufen kann (eventuell einer der gründe für die Handyverbote - die machen es den Schüler zu leicht die Kompetenz des Lehrers direkt zu überprüfen)

Das ist in meinen Augen eine abenteuerliche Herleitung der Telefonverbote, die wesentlich älter sind als die Internet-Funktion auf solchen Geräten.

Das zweite Problem ist, dass Lehrer mit Fakten auch schnell mit der eigenen Institution in Konflikt geraden könnten und das eben nicht nur bei privaten Agendaschulen, sondern auch bei staatlichen schulen bei Themen wie Ernährung etc., da es zwischen "halbwegs gesund" und "absolut tödlich" keine zwischen stufe zu geben scheint, wenn es um Ernährung geht und wenn man Energiedrinks nicht ausdrücklich verteufelt (auser den Geschmack natürlich, aber geschmack ist in unserer heutigen Esskultur ja eh nachrangig) und einige contra-faktische Verteufelungen richtig stellt, wird man schon gefragt, ob man vom Hersteller gekauft sei etc.

Kenne ich auch anders - sollten wir aber unter Bildung abhandeln, nicht hier. Wir sprengen sonst den Rahmen.
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Tetsu
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » Fr 19. Jul 2019, 15:54

imp hat geschrieben:(19 Jul 2019, 14:53)

Das ist in meinen Augen eine abenteuerliche Herleitung der Telefonverbote, die wesentlich älter sind als die Internet-Funktion auf solchen Geräten.


Die war hier auch halb sarkastisch gemeint, ändert aber nichts daran, dass viele Verbote unzureichend begründet und auch bei der Widerlegung der Begründung aufrecht erhalten werden, solange sie eine Autoritäts- und Hierachiestabilisierend wirken, während selbst gute Begründungen ignoriert werden, wenn die folge das Gegenteil wäre.



schokoschendrezki hat geschrieben:(19 Jul 2019, 14:30)

Ja. Und zum Glück haben 2015 auch zahlreiche israelische Historiker Klein-Benjamins Argumentation richtig gestellt, die Einflüsterungen des Großmuftis von Jerusalem wären es gewesen, die Hitler von der bloßen Vertreibung abgebracht und zur Vernichtung der Juden angestiftet hätten. Als hätte es nicht bereits Anfang der 30er in jedem Winkel des deutschen Reiches einen auch eliminatorischen Judenhass gegeben. Als hätten sich die Zuhörer der Göbbelsreden nicht schon Anfang der 30er nicht eingekriegt vor Begeisterung bei den Worten, man werde "dem frechen Juden das Maul stopfen". Es hätte der unzweifelhaft antisemitischen und vom Kampf gegen das britische Mandat angetriebenen Worte Al-Husseinis wahrlich nicht bedurft. So haben wir jetzt einen fatalen und sozusagen amtilichen Aufhänger für einen großen Entlastungsmythos. "Puh. Der Großmufti von Jerusalem wars also. Na. Da sind wir ja noch mal mit einem blauen Auge davongekommen".


Das Netanjahu mit anderen Formen des Antisemitismus als Antizionismus nur dann ein Problem hat wenn sie mit Antizionismus zusammenfallen ist glaub ich ein offenes Geheimnis, genauso wie sich teilweise hartnäckig die Behauptung hält, das Juden selbst gar nicht antisemitisch sein könnten oder das jemand der nachweislich Anti-Antisemit sei deshalb kein Antisemit sein könne (gerade weil die Hydra viele Köpfe hat ist das nicht nur leicht möglich, sondern kommt halt auch häufig vor - gut möglich, dass ich da selbst noch irgendwo ne Leiche im Keller habe, von der ich selbst nichts weis, muss mir aber zumindest nicht vorwerfen, nicht aktiv nach ihr gesucht zu haben)...


Insgesamt sehe ich aber gerade beim Nahostkonflickt auch das Problem, dass sich übermäßig auf die historische Legitimation und die Frage wer eigentlich angefangen habe dreht und man ja durchaus auch die Konsequenzen betrachten kann (Ringparabel- oder Kaukasischer kreidekreis-Like), wo Israel (zu mindest nach meinen durch John Rawls geprägten Kriterien), ebenfalls klar in Führung geht - was auch der Grund sein dürfte, dass sich "Israel-Kriticker" nicht oder nur nach völlig anderen Gesichtspunkten als Individualwohl darauf einlassen...
...den anderen liefert mein eigener Advocatus Diabolie selbst, indem er anmerkt, dass die lessingsche Legitimation fast beliebige Robin-Hood-Allüren rechtfertigen kann, da sie ja im Grunde nur Voraussetzt, dass man bei den Eigentums- oder Besitzkonflickten nicht in der Lage sein darf einen Konsens zu finden und ich habe noch keine Möglichkeit gefunden einen derartigen Missbrauch des Ansatzes zu Umgehen...
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Wolverine
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Wolverine » Fr 19. Jul 2019, 16:03

Tetsu hat geschrieben:(19 Jul 2019, 15:54)

Die war hier auch halb sarkastisch gemeint, ändert aber nichts daran, dass viele Verbote unzureichend begründet und auch bei der Widerlegung der Begründung aufrecht erhalten werden, solange sie eine Autoritäts- und Hierachiestabilisierend wirken, während selbst gute Begründungen ignoriert werden, wenn die folge das Gegenteil wäre.





Das Netanjahu mit anderen Formen des Antisemitismus als Antizionismus nur dann ein Problem hat wenn sie mit Antizionismus zusammenfallen ist glaub ich ein offenes Geheimnis, genauso wie sich teilweise hartnäckig die Behauptung hält, das Juden selbst gar nicht antisemitisch sein könnten oder das jemand der nachweislich Anti-Antisemit sei deshalb kein Antisemit sein könne (gerade weil die Hydra viele Köpfe hat ist das nicht nur leicht möglich, sondern kommt halt auch häufig vor - gut möglich, dass ich da selbst noch irgendwo ne Leiche im Keller habe, von der ich selbst nichts weis, muss mir aber zumindest nicht vorwerfen, nicht aktiv nach ihr gesucht zu haben)...


Insgesamt sehe ich aber gerade beim Nahostkonflickt auch das Problem, dass sich übermäßig auf die historische Legitimation und die Frage wer eigentlich angefangen habe dreht und man ja durchaus auch die Konsequenzen betrachten kann (Ringparabel- oder Kaukasischer kreidekreis-Like), wo Israel (zu mindest nach meinen durch John Rawls geprägten Kriterien), ebenfalls klar in Führung geht - was auch der Grund sein dürfte, dass sich "Israel-Kriticker" nicht oder nur nach völlig anderen Gesichtspunkten als Individualwohl darauf einlassen...
...den anderen liefert mein eigener Advocatus Diabolie selbst, indem er anmerkt, dass die lessingsche Legitimation fast beliebige Robin-Hood-Allüren rechtfertigen kann, da sie ja im Grunde nur Voraussetzt, dass man bei den Eigentums- oder Besitzkonflickten nicht in der Lage sein darf einen Konsens zu finden und ich habe noch keine Möglichkeit gefunden einen derartigen Missbrauch des Ansatzes zu Umgehen...


Die Sache ist relativ einfach. Die Araber haben die Resolution 181 abgelehnt und Israel mit fünf Staaten angegriffen. Dazu gibt es keine 2 Meinungen und kann es auch nicht geben. Ziel war die vollständige Vernichtung des jüdischen Staates.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 16:37

Wolverine hat geschrieben:(19 Jul 2019, 16:03)

Die Sache ist relativ einfach. Die Araber haben die Resolution 181 abgelehnt und Israel mit fünf Staaten angegriffen. Dazu gibt es keine 2 Meinungen und kann es auch nicht geben. Ziel war die vollständige Vernichtung des jüdischen Staates.


Welche 5 Staaten waren das?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Fr 19. Jul 2019, 17:26

Adam Smith hat geschrieben:(19 Jul 2019, 16:37)

Welche 5 Staaten waren das?


Irak, Syrien, Libanon, Ägypten und Transjordanien.
Sollte man eigentlich wissen, statt so dämlich zu fragen!
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » Fr 19. Jul 2019, 17:30

Wolverine hat geschrieben:(19 Jul 2019, 16:03)

Die Sache ist relativ einfach. Die Araber haben die Resolution 181 abgelehnt und Israel mit fünf Staaten angegriffen. Dazu gibt es keine 2 Meinungen und kann es auch nicht geben. Ziel war die vollständige Vernichtung des jüdischen Staates.


Sehe ich ähnlich, werde dies bezüglich aber immer wieder durch die Praxis belehrt, dass es scheinbar doch verschiedene Meinungen geben kann, auch wenn viele davon für mich nicht nachvollziehbar sind (einige zumindest teilweise schon, dass sind dann aber teilweise eher libertäre Grundsatzdiskussionen darüber in wieweit ein Staat ansich naturrechtlich begründet werden kann etc. die also nur indirekt was mit Israel zu tun haben)...

Gleichzeitig weis ich aber, dass es wohl nen Haufen Sachen gibt die ich als halber Aspi und Ignostiker nicht wirklich verstehe, für viele Menschen aber wohl äußerst wichtig sind - so verglich Abbas wohl einmal den Israelkonflickt mit der Frage wie wir uns als Deutsche fühlen würden, wenn uns polen einfach besetze...
...wenn man mal von dem völlig unpassenden vergleich absieht der ggf. versucht eine Parallele zu Schlesien und Pommern herzustellen, scheint er davon auszugehen, dass das ein grundsätzliches Problem für uns alle wäre. Da ich mich aber eher für das Selbstbestimmungsrecht der Menschen als für das der Völker einsetze (bzw. deren negative wie auch positive Freiheit), käme meine Bewertung der Besetzung Deutschlands durch Polen im wesentlichen darauf an, was das effektiv für die Besetzten bedeutet (oder im Sinne Rawls, für die durch die Besatzung am schlechtesten gestellten); somit ist das Gefühl auf was Abbas hier offensichtlich abzielt, für mich nicht ganz nachvollziehbar*, gleichzeitig aber so Intersubjektiv, dass er glaubt, dass es jeder versteht...

Ich bin beim Nahostkonflickt ganz bei dir nur braucht es dafür die Historischen gründe imo nicht unbedingt, der umstand dass ein Palästinenser (trotz zu recht zu kritisierender Diskriminierung) nicht nur in Israel wohl besser leben kann als ein Israeli in Gaza, sondern sogar besser als als Palästinenser in Gaza ist in meinen Augen schon für sich allein ein starkes Argument.
Dass ich bei den meisten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gruppen Israel grundsätzlich im recht sehe (auch wenn ich das konkrete Vorgehen nicht in jedem Fall gut heiße) wäre hierfür hingegen für mich allein nicht ausreichend und meine Beurteilung des Konflikts wäre "schwierig" wenn Israel einen schlechten FDI und HDI Wert die Palästinensergebiete aber einen hohen hätten...


*bei meinem im Profilbild verlinkten Politischen Kompass dürfte sich jetzt der ein der andere fragen, wie ich so etwas schreiben kann, da ich nach meiner Position doch Heteronomie ansich kritisch sehen müsse; das tue ich auch, aber weil ich sie ansich kritisch sehe, spielt es keine große Rolle von wem sie ausgeht - wenn es für mich eine rolle spielte, ob Unterdrückung von der deutschen oder der polnischen Regierung ausgeht; wäre ich dann noch primär gegen Unterdrückung oder nicht in Wirklichkeit nur gegen Polen?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 17:31

Dark Angel hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:26)

Irak, Syrien, Libanon, Ägypten und Transjordanien.
Sollte man eigentlich wissen, statt so dämlich zu fragen!


Der Iran demnach nicht. Darum geht es doch.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 17:36

Tetsu hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:30)

oder nicht in Wirklichkeit nur gegen Polen?


Und?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Fr 19. Jul 2019, 17:44

Adam Smith hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:31)

Der Iran demnach nicht. Darum geht es doch.

Nee - darum geht es nicht!
Wie ich bereits schrieb, so weit sollten die Grundkenntnisse zum Nahostkonflikt schon reichen, dass man sich so eine dämliche Frage sparen kann.
Gegen die menschliche Dummheit sind selbst die Götter machtlos.

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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Fr 19. Jul 2019, 17:46

Adam Smith hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:31)

Der Iran demnach nicht. Darum geht es doch.


Nein. Abgesehen davon, lässt sich der Iran von der Hamas vertreten.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 17:58

Vongole hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:46)

Nein. Abgesehen davon, lässt sich der Iran von der Hamas vertreten.


Doch. Darum geht es. Ohne den Iran sähe Israel ziemlich schlimm aus.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » Fr 19. Jul 2019, 18:07

Adam Smith hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:58)

Doch. Darum geht es. Ohne den Iran sähe Israel ziemlich schlimm aus.


Ohne den Iran sähe es für Israel etwas weniger schlimm aus.
Aber das ist ein Thema für den 35er Strang.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 18:18

Vongole hat geschrieben:(19 Jul 2019, 18:07)

Ohne den Iran sähe es für Israel etwas weniger schlimm aus.
Aber das ist ein Thema für den 35er Strang.


Historisch gerechtfertigt?
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Re: Antisemitismus

Beitragvon ThorsHamar » Fr 19. Jul 2019, 18:20

Wieviel Antisemitismus bleibt eigentlich übrig, wenn man wieder die tatsächliche Definition von Antisemitismus verwendet und nicht eine, in welche die Politik eines Staates einbezogen wird?

Wörterbuch google:

An·ti·se·mi·tis·mus
Substantiv, maskulin [der]
1.
Abneigung oder Feindschaft gegenüber den Juden
2.
[politische] Bewegung mit ausgeprägt antisemitischen Tendenzen
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » Fr 19. Jul 2019, 18:27

ThorsHamar hat geschrieben:(19 Jul 2019, 18:20)

Wieviel Antisemitismus bleibt eigentlich übrig, wenn man wieder die tatsächliche Definition von Antisemitismus verwendet und nicht eine, in welche die Politik eines Staates einbezogen wird?

Wörterbuch google:

An·ti·se·mi·tis·mus
Substantiv, maskulin [der]
1.
Abneigung oder Feindschaft gegenüber den Juden
2.
[politische] Bewegung mit ausgeprägt antisemitischen Tendenzen


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Re: Antisemitismus

Beitragvon Dark Angel » Fr 19. Jul 2019, 18:38

Adam Smith hat geschrieben:(19 Jul 2019, 18:18)

Historisch gerechtfertigt?

Wie wäre es, wenn Du Dich mal mit den historischen Hintergründen des Nahostkonfliktes und seinen Ursachen beschäftigen würdest, statt hier solchen BS von Dir zu geben.
So viel Ignoranz und Faktenresistenz geht ja auf keine Kuhhaut mehr! :mad2:
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