Antisemitismus

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Tetsu
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » So 21. Jul 2019, 17:35

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 13:16)

Das habe ich auch nicht behauptet. Es geht speziell bei diesem Aspekt um die Unbelehrbaren, die man weder mit Dialog oder sonstwie erreichen kann.
Sie, diese spezielle Gruppe, Aktivisten und braune, verbal auffallende Sympathisanten bleiben weitestgehend unbehelligt in Ihrem braunen Treiben und lachen sich halbtot über mögliche
strafrechtliche Konsequenzen, falls es je zu Anklagen vor Gericht kommt.


Die Frage ist halt ob dort das Problem liegt - handfeste Angriffe werden Antisemitismus unabhängig schon geahndet und die anderen Sachen sind in meinen Augen zwar Moralisch auch absolut daneben, aber wirklich ein Strafrechtliches Problem?!?

ich sehe das Problem eher in den bestehenden Machtstruckturen oder wie ich immer sage: Wenn der Chef einen hasst, liegt das Problem weniger in dessen Hass (auch wenn dieser bedauerlich sein mag) als vielmehr in den Spielräumen die er als Chef hat und bei einem ethischen Sachverhalt ist es ein großer unterscheid ob ich da mit meinem Nachbarn oder dem verfl*** Gesetzgeber unterschiedlicher Meinung bin, den ersterer kann mich (wenn er konservativ ist) als Sozialistisches- oder (so er Sozialist ist) als Neoliberales Arschloch beschimpfen, wodurch ich mich zwar missverstanden und ungeliebt fühle, aber wirklich Probleme machen kann er mir aber nicht; beim Anderen sieht das hingegen etwas anders aus (und der muss mich dafür nicht mal kennen um das zu tun); dementsprechend sollte das Strafrecht eher auf die Macht als auf die Unmoral abzielen, denn schon Mill schreibt:

„Dies Prinzip lautet: daß der einzige Grund, aus dem die Menschheit, einzeln oder vereint, sich in die Handlungsfreiheit eines ihrer Mitglieder einzumengen befugt ist, der ist: sich selbst zu schützen. Daß der einzige Zweck, um dessentwillen man Zwang gegen den Willen eines Mitglieds einer zivilisierten Gemeinschaft rechtmäßig ausüben darf, der ist: die Schädigung anderer zu verhüten. Das eigene Wohl, sei es das physische oder das moralische, ist keine genügende Rechtfertigung. Man kann einen Menschen nicht rechtmäßig zwingen, etwas zu tun oder zu lassen, weil dies besser für ihn wäre, weil es ihn glücklicher machen, weil er nach Meinung anderer klug oder sogar richtig handeln würde. Dies sind wohl gute Gründe, ihm Vorhaltungen zu machen, mit ihm zu rechten, ihn zu überreden oder mit ihm zu unterhandeln, aber keinesfalls um ihn zu zwingen oder ihn mit Unannehmlichkeiten zu bedrohen, wenn er anders handelt. Um das zu rechtfertigen, müßte das Verhalten, wovon man ihn abbringen will, darauf berechnet sein, anderen Schaden zu bringen. Nur insoweit sein Verhalten andere in Mitleidenschaft zieht, ist jemand der Gesellschaft verantwortlich. Soweit er dagegen selbst betroffen ist, bleibt seine Unabhängigkeit von Rechts wegen unbeschränkt. Über sich selbst, über seinen eigenen Körper und Geist ist der einzelne souveräner Herrscher.“

John Stuart Mill (1859): Über die Freiheit, Stuttgart: Reclam 1988 S. 16f.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 18:13

Tetsu hat geschrieben:(21 Jul 2019, 17:35)


ich sehe das Problem eher in den bestehenden Machtstruckturen oder wie ich immer sage: Wenn der Chef einen hasst, liegt das Problem weniger in dessen Hass (auch wenn dieser bedauerlich sein mag) als vielmehr in den Spielräumen die er als Chef hat und bei einem ethischen Sachverhalt ist es ein großer unterscheid ob ich da mit meinem Nachbarn oder dem verfl*** Gesetzgeber unterschiedlicher Meinung bin, den ersterer kann mich (wenn er konservativ ist) als Sozialistisches- oder (so er Sozialist ist) als Neoliberales Arschloch beschimpfen, wodurch ich mich zwar missverstanden und ungeliebt fühle, aber wirklich Probleme machen kann er mir aber nicht; beim Anderen sieht das hingegen etwas anders aus (und der muss mich dafür nicht mal kennen um das zu tun); dementsprechend sollte das Strafrecht eher auf die Macht als auf die Unmoral abzielen, denn schon Mill schreibt:

Und wie verhielte es sich, wenn der Chef Jude ist und sein Arbeitnehmer Antisemit? Dann sind die Machtverhältnisse genau umgekehrt. Wäre in einem solchen Fall dann der Hass des Arbeitnehmers vorrangig das Problem und weniger die Macht des Chefs? :?:
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » So 21. Jul 2019, 18:20

Uffhausen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 18:13)

Und wie verhielte es sich, wenn der Chef Jude ist und sein Arbeitnehmer Antisemit? Dann sind die Machtverhältnisse genau umgekehrt. Wäre in einem solchen Fall dann der Hass des Arbeitnehmers vorrangig das Problem und weniger die Macht des Chefs? :?:


Wäre es dann überhaupt ein Problem? Der Chef hat relativ viele Möglichkeiten dagegen vorzugehen, wenn der Arbeitnehmer seinen Hass offen auslebt - hier hat eher der Antisemit ein Problem, da er seine Gefühlswelt kontrollieren muss, während der Chef ihn ziemlich trollen kann, ohne dass das als offene Provokation zu werten ist...
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 18:30

Tetsu hat geschrieben:(21 Jul 2019, 18:20)

Wäre es dann überhaupt ein Problem? Der Chef hat relativ viele Möglichkeiten dagegen vorzugehen, wenn der Arbeitnehmer seinen Hass offen auslebt - hier hat eher der Antisemit ein Problem, da er seine Gefühlswelt kontrollieren muss, während der Chef ihn ziemlich trollen kann, ohne dass das als offene Provokation zu werten ist...

Hm. Und warum hat ein antisemitischer Chef kein Problem; warum muss der nicht seine Gefühlswelt ggü. dem jüdischen Arbeitnehmer unter Kontrolle haben? Warum sollte man in einem solchen Fall eher Machtausübung/-ausnutzung als Gefahr sehen und Hass als solche ignorieren? :?:
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » So 21. Jul 2019, 18:51

Uffhausen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 18:30)

Hm. Und warum hat ein antisemitischer Chef kein Problem; warum muss der nicht seine Gefühlswelt ggü. dem jüdischen Arbeitnehmer unter Kontrolle haben? Warum sollte man in einem solchen Fall eher Machtausübung/-ausnutzung als Gefahr sehen und Hass als solche ignorieren? :?:



Weil die praktische Gefahr für den anderen von der Machtausübung abhängt - der Arbeitnehmer kann den Chef für rassistische Bemerkungen nicht abmahnen, ihn nicht einfach so eine Standpauke halten, der Chef ist nicht bei der Urlaubsplanung oder der nächsten Gehaltsrunde auf das Wohlwollen des Arbeitnehmers angewiesen und im Trennungsfall schreibt nicht der Arbeitnehmer das Arbeitszeugnis usw.

Es gibt einige wenige Fälle, wo das anders aussehen mag, aber da liegt dann auch meist eine Machtumkehr vor.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Bremer » So 21. Jul 2019, 18:52

Vongole hat geschrieben:(21 Jul 2019, 15:05)

Eine Frage, mit welchen Juden sollen denn Deutsche sprechen? Mit denen In Frankreich, GB, Schweden z.B.?
Ist Ihnen irgendwie entgangen, dass es in Deutschland jüdische Deutsche gibt?
Diese jüdischen Deutschen versuchen sich gerade im Dialog mit Muslimen:
https://www.zentralratderjuden.de/angeb ... m-aleikum/

Allerdings nehme ich an, dass man damit nur die ohnehin Gesprächsbereiten erreichen wird, oder auch diejenigen, die sehr selten antisemitisch eingestellt sind, wie z.B. die Kurden.

Mir ist es egal, ob Deutsche mit Franzosen reden oder Engländer mit Schweden. Mein Appell war es, überhaupt zu reden und auf Aktionen hinzuweisen, mit Menschen, die bereit sind, solche Dialoge zu führen. Das macht mehr Hoffnung, als sich gegenseitig zu Hatern zu erklären.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Vongole » So 21. Jul 2019, 19:09

Bremer hat geschrieben:(21 Jul 2019, 18:52)

Mir ist es egal, ob Deutsche mit Franzosen reden oder Engländer mit Schweden. Mein Appell war es, überhaupt zu reden und auf Aktionen hinzuweisen, mit Menschen, die bereit sind, solche Dialoge zu führen. Das macht mehr Hoffnung, als sich gegenseitig zu Hatern zu erklären.


Schon klar, die Aussage, dass Deutsche mit Juden reden sollten, war nur ein Mausrutscher.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 19:10

Tetsu hat geschrieben:(21 Jul 2019, 18:51)

Weil die praktische Gefahr für den anderen von der Machtausübung abhängt - der Arbeitnehmer kann den Chef für rassistische Bemerkungen nicht abmahnen, ihn nicht einfach so eine Standpauke halten, der Chef ist nicht bei der Urlaubsplanung oder der nächsten Gehaltsrunde auf das Wohlwollen des Arbeitnehmers angewiesen und im Trennungsfall schreibt nicht der Arbeitnehmer das Arbeitszeugnis usw.

Das muss sich ein Arbeitnehmer - unabhängig davon, ob er Jude ist, oder nicht! - aber nicht alles einfach so gefallen lassen = dafür gibt's schließlich Gesetze und Gerichte.

Es gibt einige wenige Fälle, wo das anders aussehen mag, aber da liegt dann auch meist eine Machtumkehr vor.

Und wenn GAR KEIN Machtverhältnis zwischen Täter und Opfer gegeben ist? Wenn es sich um den Juden und den Antemit um ganz normale Otto-Normalos handelt? Müssen dann ggf. Gerichte die Machtfrage klären, bspw. anhand der Nationalität? Oder dem Familienstand? Dem Verdienst? Den Schulzeugnisnoten? Dem Alter?

Besteht ein prinzipieller Machtunterschied zwischen bspw. einem deutschen Antisemit und bspw. einem deutschen Juden? :?:
Zuletzt geändert von Uffhausen am So 21. Jul 2019, 19:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Senexx » So 21. Jul 2019, 19:13

Vongole hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:09)

Schon klar, die Aussage, dass Deutsche mit Juden reden sollten, war nur ein Mausrutscher.

Diese präskriptive Attitude stört mich. Niemand hat das Recht, jemandem vorzuschreiben, mit wem er sich unterhalten soll.
Ich verwende niemals "copy+paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » So 21. Jul 2019, 19:15

Uffhausen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:10)

Besteht ein prinzipieller Machtunterschied zwischen bspw. einem deutschen Antisemit und bspw. einem deutschen Juden? :?:


Wenn es nur ein deutscher Antisemit ist, dann nicht. Wobei es dann auch keine Probleme gäbe.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Bremer » So 21. Jul 2019, 19:16

Vongole hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:09)

Schon klar, die Aussage, dass Deutsche mit Juden reden sollten, war nur ein Mausrutscher.

Ich kann sie ja so nennen wie Kollege Eulenwolf: *Urdeutsche, einheimische Buerger*. Daran hatten Sie ja nichts zu maekeln. Ist für mich allerdings das Gleiche und ich hatte es auch nicht anders gemeint.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 19:24

Adam Smith hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:15)

Wenn es nur ein deutscher Antisemit ist, dann nicht. Wobei es dann auch keine Probleme gäbe.

Soweit rechnen kann ich grade auch noch... :rolleyes:

Es geht aber nicht um Zahlen, sondern um Macht.

Aber gut - sind die Antisemiten in Deutschland zahlenmäßig mächtiger aufgestellt als alle jüdischen Gemeindemitglieder zusammen? :?:
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Adam Smith » So 21. Jul 2019, 19:28

Uffhausen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:24)

Soweit rechnen kann ich grade auch noch... :rolleyes:

Es geht aber nicht um Zahlen, sondern um Macht.

Aber gut - sind die Antisemiten in Deutschland zahlenmäßig mächtiger aufgestellt als alle jüdischen Gemeindemitglieder zusammen? :?:


Das natürlich nicht. Ich meine z.B. die Situation in der Schule.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 19:44

Adam Smith hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:28)
Das natürlich nicht. Ich meine z.B. die Situation in der Schule.

Gibt's in Schulen denn ausschließlich nur Antisemiten und Juden? :s
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » So 21. Jul 2019, 20:23

Uffhausen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 19:10)

Das muss sich ein Arbeitnehmer - unabhängig davon, ob er Jude ist, oder nicht! - aber nicht alles einfach so gefallen lassen = dafür gibt's schließlich Gesetze und Gerichte.


Die Reichweite der Gerichte ist begrenzt und der nachweis oft schwierig (ist bei anderen Arbeitnehmern die der Chef auf dem Kicker hat nicht anders) - wo das nicht der Fall ist könnte aber z.B. so ein Fall von Machtumkehr vorliegen...


Uffhausen hat geschrieben:Und wenn GAR KEIN Machtverhältnis zwischen Täter und Opfer gegeben ist? Wenn es sich um den Juden und den Antemit um ganz normale Otto-Normalos handelt? Müssen dann ggf. Gerichte die Machtfrage klären, bspw. anhand der Nationalität? Oder dem Familienstand? Dem Verdienst? Den Schulzeugnisnoten? Dem Alter?


Das wäre ja mit dem Nachbarn der Fall: Sobald kein irgendwie geartetes Machtverhältnis so vorliegt besteht ja kein Problem; der Antisemit ist dann halt nen ganz normales Arschloch wie nen Nachbar der dich wegen deiner Frisur, deines hundes, deines Musikgeschmacks oder was auch immer hasst...
Welche verwirrten Verschwörungstheorien er sich zurecht legt um dich für das absolute Böse zu halten, kann dir da zunächst egal sein - wenn der jetzt meint du willst ihn mit Microwellenstrahlung die du durch die wand sendest ermorden ist dass jetzt auch nicht groß anders.

Besteht ein prinzipieller Machtunterschied zwischen bspw. einem deutschen Antisemit und bspw. einem deutschen Juden? :?:


Zunächst kann ein deutscher Jude zugleich deutscher Antisemit sein* - schon mal in sofern prinzipiell nein, denn dass würde zu einem ziemlichen Widerspruch führen...


*(ist bei Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im übrigen nicht selten, dass die Diskriminierte Gruppe die stereotypen und Zuschreibungen der diskriminierenden Gruppe für sich selbst übernehmen wenn sie sich in Abhängigkeit zu dieser befinden - ein Klassiker zu dem Thema sei hier das buch "etablierte und Aussenseiter" von Norbert Elias empfohlen)
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Re: Antisemitismus

Beitragvon PeterK » So 21. Jul 2019, 20:36

Senexx hat geschrieben:(21 Jul 2019, 12:42)
Wir benennen Kirchen auch nicht nach Kreuzzugpäpsten.

Wieder ein albernes Scheinargument, das @Senexx hier zu platzieren versucht. "Wir" sprechen Kreuzzugsprediger heilig und benennen Kirchen nach ihnen.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Eulenwoelfchen » So 21. Jul 2019, 20:59

Tetsu hat geschrieben:(21 Jul 2019, 17:35)

Die Frage ist halt ob dort das Problem liegt - handfeste Angriffe werden Antisemitismus unabhängig schon geahndet und die anderen Sachen sind in meinen Augen zwar Moralisch auch absolut daneben, aber wirklich ein Strafrechtliches Problem?!?


Natürlich können Sie - sehr frei nach John Stuart Mill ausgelegt - "Juden ins Gas - Brüllerei" als Recht der allgemeinen Meinungsfreiheit interpretieren, die nur sich selbst schadet und nicht anderen...und sie deshalb
nonchalant unter den Teppich kehren, ohne jede Berechtigung für strafrechtliche Konsequenzen. Diese sogar für überzogen halten und einen Paragraphen wie Volksverhetzung in die Tonne kloppen.

Wie uns ja der Experte Uffhausen bereits erklärte, sind politische, öffentliche Appelle sowieso wirkungslos. Und genauso wie das für das dem Antisemitismus entschiedene und nutzlose Entgegentreten durch Politiker/inne gilt, dürfte dann ebenso die Vorbildwirkung volksverhetzender Antisemiten genauso wirkungslos sein. Wenn man davon ausgeht, dass das Internet schneller ist und irgendwann auch die Antisemitismusbekämpfung in den sozialen Medien genauso präsent und schnell ist. Sozusagen eine Wirkungsbalance irgendwann erreicht wird gegenüber dem braunen Gegenstück der fake-news und Verschwörungstherorieblasen von links aussen bis rechts unten in der Kloakenrinne.

Antisemitismus ist kein strafrechtliches Problem, wie sie das formulieren. Stimmt, Das hatte ich nie den Raum gestellt. Der straftrechtliche Aspekt ist mir nur insofern wichtig, als gesellschaftspolitisches und wirkungsvolles Signal an alle jene Unbelehrbaren: Hier in Deutschland gehen die Uhren in Bezug auf Antisemitismus anders. Hier drohen euch ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen, angefangen von wirklich satten Geldstrafen bis zu Knast ohne Bewährung. Also wirklich und jederzeit ernsthafte Sanktionen für das Absondern von judenfeindlichem Propaganda - und Antisemitismusdreck. Überzeugen will ich solche Gestalten und -innen nicht. Aber sie sollen wissen, dass sie das nicht ungestraft tun können.
Nicht hier in Deutschland. Dem Land, das sich damals weder politisch noch gesellschaftlich dagegen wehrte bzw. es in einem sehr breiten gesellschaftlichen Konsens nicht nur duldete, sondern mitging.
Für mich auch eine Frage eines politischen Restanstands, wenn man schon sonst nicht bereit ist, aus der (Nazivergangenheits-)Geschichte etwas zu lernen oder dies für wichtig zu halten.

----------------------------------------------------------------------------------------------
Meine Meinung dazu allgemeiner:
Deutschland hat - anders als jedes andere Land der Welt - in meinen Augen eine besondere Verantwortung, die diesem Land niemand abnehmen kann. Auch, was Toleranz und strafrechtliche Grenzen angeht, die man hier dem Antisemitismus, Israel- und Judenhass zu setzen hat. Die sich weder mit US-Liberalität und Freiheit decken muss, noch mit britischer "freedom of speech", oder französischem "laissez faire". Dass eine wirkungsvolle Antisemitismusbekämpfung hierzulande nicht in allen Fällen nur mit Aufklärungs- und Gesprächsarbeit gelingen kann, sondern auch deutliche politische und strafrechtliche Signale braucht, sollte einleuchten.
Vorausgesetzt, man bemüht sich ernsthaft und politisch gewollt, antisemitische Straftaten auch als solche erkennen zu wollen...oder wie bisher meistens der Fall, eher nicht. Sowohl innerhalb der Ermittlungsbehörden, als auch in der staatsanwaltschaftlichen und richterlichen Bewertung...

Ob man, so wie es mir durchaus angenehm wäre, auch den Strafrechtsrahmen und das Strafmaß für Antisemitismus deutlich hochsetzen sollte, für unbelehrbare Fälle, oder den bisherigen juristischen und gesetzgeberischen HANDLUNGS-Rahmen für ausreichend hält, sofern er konsequent angewandt würde, darüber können Sie sich gerne mit anderen unterhalten. Ich bin für deutlich engere, gesetzliche Toleranzgrenzen und ein höheres Strafmaß bei antisemitischen Straftaten. Auch als politische Signalwirkung, um dem Irrtum vorzubeugen, hier handle es sich lediglich um Kavaliersdelikte, über die man dann halt miteinander sprechen sollte. (Vor allem mit jenen, bei denen es sowieso nichts nützt, weil sie unbelehrbare Judenhasser sind).

Es ist und war nämlich schon immer so bei uns:
Wenn im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen für (zu viele) heissgeliebte Feindbilder wegzubrechen beginnen, heutzutage etwa Frauenbilder/Feministinnen, Neger, Schwule/Lesben, die heilige, kathol. und evangel. Ehe (nur zwischen Mann und Frau, volkstümlich auch gerne Putinbund genannt) oder auch Muslime (diese staatspräsidial sogar als Teil Deutschlands erkärt werden, was ich gut fand!), bleibt halt nur noch das beste, altbewährte und immer vewendbare Feindbild: Der ewige Jude.

Da lehnt sich kein Politiker/in weit aus dem Fenster, da man sich klar darüber ist, dass das klammheimliche und unheimliche Denken (im Volk) darüber schnell Wählerstimmen kosten kann. Man schweigt lieber dazu oder richtet seinen politischen Kragen nach höherrangigen Öl- und Wirtschaftsinteressen aus. Oder nach "notwendiger" Gratulationsdiplomatie für allahabgesegnete Terrordiktaturen mit Turban, blinder Freiheitskampfideolgie/merkwürdiger NGO-Liebe, Abbas verstehender, kanzlerischer Siedlungskritik im gemeinsamen, großkoalitionärem K(r)ampf gegen die Reste von Apartheids- und Besatzungspolitik usw. Die es selbst in Südafrika nicht mehr gibt. Aber leider immer noch bei den Juden. Genauer gesagt in Israel.
Wie schön, liebes Deutschland. Musst keine Angst haben: Juden und ihr Staat als Objekt der irren Begierde bleiben dir erhalten. Von oben, von unten, von links, von rechts und aus der Mitte. Da findet sich immer was. Gell.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Uffhausen » So 21. Jul 2019, 21:23

Tetsu hat geschrieben:(21 Jul 2019, 20:23)
Das wäre ja mit dem Nachbarn der Fall: Sobald kein irgendwie geartetes Machtverhältnis so vorliegt besteht ja kein Problem; der Antisemit ist dann halt nen ganz normales Arschloch wie nen Nachbar der dich wegen deiner Frisur, deines hundes, deines Musikgeschmacks oder was auch immer hasst...
Welche verwirrten Verschwörungstheorien er sich zurecht legt um dich für das absolute Böse zu halten, kann dir da zunächst egal sein - wenn der jetzt meint du willst ihn mit Microwellenstrahlung die du durch die wand sendest ermorden ist dass jetzt auch nicht groß anders.

Ich finde schon, es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Mensch einen anderen Menschen hasst, oder gar tätlich angreift, nur weil er Jude ist - und ich finde eben nicht, dass es - wie im Fall eines Streits zwischen Nachbarn - dasselbe ist, wie wenn der eine den anderen hasst, oder gar tätlich angreift, aufgrund unterschiedlichen Musikgeschmacks oder unterschiedlicher Auffassung Ruhezeiten usw.

Erkläre das mal einem Antisemitismus-Opfer, dass es sich nicht beschweren darf, falls keine eindeutigen Machtunterschiede zum Antisemitismus-Täter vorliegen. Und Antisemitismus somit auch nur als "ledigliche persönliche Differenz" oder "hundsgewöhnlicher Nachbarschaftstreit" bagatellisiert werden könne. Und man sich am besten einfach nur "Arschloch!" denken und sie Sache damit auf sich beruhen lassen solle.

...schon mal in sofern prinzipiell nein, denn dass würde zu einem ziemlichen Widerspruch führen...

Sehe ich auch so.
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Tetsu » Mo 22. Jul 2019, 00:47

Eulenwoelfchen hat geschrieben:(21 Jul 2019, 20:59)

Natürlich können Sie - sehr frei nach John Stuart Mill ausgelegt - "Juden ins Gas - Brüllerei" als Recht der allgemeinen Meinungsfreiheit interpretieren, die nur sich selbst schadet und nicht anderen...und sie deshalb
nonchalant unter den Teppich kehren, ohne jede Berechtigung für strafrechtliche Konsequenzen. Diese sogar für überzogen halten und einen Paragraphen wie Volksverhetzung in die Tonne kloppen.


Habe ich niemals gesagt und will auch Straftatbestände wie Beleidigung, Verleumdung und üble nachrede nicht abschaffen (gibt nen schönen Artikel von Thomas Fischer wo der ganz gut erklärt, warum die durchaus relevant sind - da greift das Milllimit durchaus schon) nur ist eine Verschärfung des bestehenden Strafrechts nicht notwendig, sondern lediglich eine konsequentere Anwendung desselben.

Gerade bei solchen verbrechen ist es zwar wichtig streng verhältnismäßig vorzugehen um nicht ein Einfallstor für Konservative zu schaffen, das Problem liegt aber eben nicht darin dass die Typen die strafen nicht fürchten, sondern dass sie davon ausgehen können damit meistens durchzukommen ...

...was aber nichts daran ändert, dass das Hauptproblem in Machtunterschieden liegt - Jüdische gemeinten können in DE einfach nicht adequad viele Spinner aufbringen, die gegen die Vulgärfaschos Wind machen, wodurch für die der eindruck entsteht sie säßen am längeren hebel (bzw. unterliege ich hier u.U. auch einem typisch libertären Fehlschluss - wir denken Konflikte manchmal zu ökonomisch, was zu Verwirrung führt, wenn Typen anfangen sich selbst in die Luft zu jagen)
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Re: Antisemitismus

Beitragvon Wolverine » Mo 22. Jul 2019, 10:21

Tetsu hat geschrieben:(19 Jul 2019, 17:30)

Sehe ich ähnlich, werde dies bezüglich aber immer wieder durch die Praxis belehrt, dass es scheinbar doch verschiedene Meinungen geben kann, auch wenn viele davon für mich nicht nachvollziehbar sind (einige zumindest teilweise schon, dass sind dann aber teilweise eher libertäre Grundsatzdiskussionen darüber in wieweit ein Staat ansich naturrechtlich begründet werden kann etc. die also nur indirekt was mit Israel zu tun haben)...

Gleichzeitig weis ich aber, dass es wohl nen Haufen Sachen gibt die ich als halber Aspi und Ignostiker nicht wirklich verstehe, für viele Menschen aber wohl äußerst wichtig sind - so verglich Abbas wohl einmal den Israelkonflickt mit der Frage wie wir uns als Deutsche fühlen würden, wenn uns polen einfach besetze...
?


Relativ einfach beantwortet. Deutschland ist ein souveräner Staat. "Palästina" nicht. Wer wie die Araber jede Lösung ablehnt bekommt am Ende gar nichts. Die Araber versuchen aber seit 1947 ständig den Staat Israel auszulöschen, sei es durch Kriege oder Terrorismus. Das ist völkerrechtswidrig und trotzdem duldet es die UN und Israel ist immer der Schuldige, auch wenn sie sich nur gegen Angriffe von Terroristen verteidigen.
If Israel were to put down its arms there would be no more Israel.
If the Arabs were to put down their arms there would be no more war.

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