Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

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Billie Holiday
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Billie Holiday » So 27. Dez 2020, 14:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:35)

Weil ich befürchte, dass eine weltweite Gesellschaft aus großen, starken, gut aussehenden und superintelligenten Männern furchtbar öde sein wird. Frauen dürfte es dann nur noch wenige geben, weil sich mW. gerade in bevölkerungsreichen Ländern die meisten Leute einen Sohn wünschen.


Schon heute fehlen im ostasiatischen Raum Millionen von Frauen - ganz einfach, weil sie abgetrieben werden. Ein Sohn ist mehr wert.
Einfach „Frauenmangel Ostasien“ googeln.
Dass der eigene Sohn vielleicht keine Frau findet und einsam und kinderlos bleibt, kommt in den Köpfen nicht vor. Mir egal, ich gönne es den Mädchenabtreibern.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon el loco » So 27. Dez 2020, 14:58

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:43)

Schon heute fehlen im ostasiatischen Raum Millionen von Frauen - ganz einfach, weil sie abgetrieben werden. Ein Sohn ist mehr wert.
Einfach „Frauenmangel Ostasien“ googeln.
Dass der eigene Sohn vielleicht keine Frau findet und einsam und kinderlos bleibt, kommt in den Köpfen nicht vor. Mir egal, ich gönne es den Mädchenabtreibern.

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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Juan » So 27. Dez 2020, 15:06

Billie Holiday hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:43)

Schon heute fehlen im ostasiatischen Raum Millionen von Frauen - ganz einfach, weil sie abgetrieben werden. Ein Sohn ist mehr wert.
Einfach „Frauenmangel Ostasien“ googeln.
Dass der eigene Sohn vielleicht keine Frau findet und einsam und kinderlos bleibt, kommt in den Köpfen nicht vor. Mir egal, ich gönne es den Mädchenabtreibern.

Vielleicht wäre dann die Hinwendung zur Homosexualität für die einsamen Söhne eine Alternative. :?: :)
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Papaloooo » So 27. Dez 2020, 15:27

Juan hat geschrieben:(27 Dec 2020, 15:06)

Vielleicht wäre dann die Hinwendung zur Homosexualität für die einsamen Söhne eine Alternative. :?: :)

Hier mal eine keine Scince Fiction Ausschweifung:

In den Sterntagebüchern, des Autors Stanisław Lem die 21. Reise:

Ion Tichy besucht die höchsten entwickelten Kosmos-Zivilisationen, auf dem Planeten Dychtonien.
die Technologie erlaubt hier, prinzipiell alle denkbaren Körperformen und -funktionen zu realisieren.
Man wird einfach Mann und Frau zugleich.
Und da die Geschlechtsorgane nicht genügend Lust bereiten, werden zusätzlich neue erzeugt.
Als Zwitter hat man dann beide und braucht niemand mehr.
Das ist Kapitalismus:
Man kauft Dinge, die man nicht braucht von Geld, das man nicht hat, um Leute zu beeindrucken, die man nicht leiden kann.

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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 19:18

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 14:40)

Allein die steigende Zahl gleichgeschlechtlicher Ehen sowie die immer häufigeren Kinderwünsche älterer Herrschaften werden dafür sorgen, dass immer häufiger der "natürliche" Weg der Zeugung durch künstliche ersetzt werden wird. Und genau dann fragt man sich, welche Wünsche nach bestimmten Merkmalen denn mit welcher Berechtigung ausgeschlossen werden sollten. Die negativen (Krankheiten) sind wahrscheinlich relativ unstrittig, anders dagegen die positiven. Aber warum sollte ich mir nicht Augenfarbe oder Hauttönung oder Haarfarbe oder gar das Geschlecht wünschen dürfen? In dem Augenblick, in dem die Götter ausgedient haben, gibt es keinen moralischen Grund mehr, Eltern vorzuschreiben, wie ihr Baby nicht aussehen darf.


Ja, diese Entwicklung ist möglich; vielleicht sogar ein Clon seiner Mutter oder seines Vaters... mehr "Identität" ist ja nicht mehr möglich.

Das zunehmende Alter von Eltern dürfte aber auch gesellschaftliche Folgen haben, was die "artgerechte" Aufzucht dieses Nachwuchses betrifft.

Man kann nur hoffen, daß rechtzeitig vor der Verfügbarkeit dieser Möglichkeiten ein Gesetz den Wildwuchs bremst, so daß eine strafbare Handlung begangen wird, wenn hier vernünftige Grenzen zu Lasten der Gemeinschaft überschritten werden. Einfach laufen lassen darf man die Entwicklung wohl nicht... das ist jedenfalls erst einmal meine Meinung dazu.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 19:50

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 19:18)

Ja, diese Entwicklung ist möglich; vielleicht sogar ein Clon seiner Mutter oder seines Vaters... mehr "Identität" ist ja nicht mehr möglich.

Das zunehmende Alter von Eltern dürfte aber auch gesellschaftliche Folgen haben, was die "artgerechte" Aufzucht dieses Nachwuchses betrifft.

Man kann nur hoffen, daß rechtzeitig vor der Verfügbarkeit dieser Möglichkeiten ein Gesetz den Wildwuchs bremst, so daß eine strafbare Handlung begangen wird, wenn hier vernünftige Grenzen zu Lasten der Gemeinschaft überschritten werden. Einfach laufen lassen darf man die Entwicklung wohl nicht... das ist jedenfalls erst einmal meine Meinung dazu.


Das "Problem", das man sich mit einer solchen Meinung zuzieht, lautet in etwa: Auf der Basis welcher Ethik will man "meine" Freiheit, selbst über den Zeitpunkt des Kinderkriegens oder des Geschlechts etc. zu entscheiden, denn einschränken? Da wäre ich äußerst gespannt.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 20:04

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 19:50)

Das "Problem", das man sich mit einer solchen Meinung zuzieht, lautet in etwa: Auf der Basis welcher Ethik will man "meine" Freiheit, selbst über den Zeitpunkt des Kinderkriegens oder des Geschlechts etc. zu entscheiden, denn einschränken? Da wäre ich äußerst gespannt.


Spontan fiele mir dazu die Menschenwürde ein. Wir lehnen ja die unbedingte Verfügbarkeit über andere Menschen ab. Mit der technischen Erzeugung legen wir aber die weitere Zukunft dieses Menschen fest. Aber bestimmt gibt es klügere Einwendungen gegen die hemmungslose Anwendung der Technik in der Fortpflanzung des Menschen.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon jorikke » So 27. Dez 2020, 20:08

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 19:50)

Das "Problem", das man sich mit einer solchen Meinung zuzieht, lautet in etwa: Auf der Basis welcher Ethik will man "meine" Freiheit, selbst über den Zeitpunkt des Kinderkriegens oder des Geschlechts etc. zu entscheiden, denn einschränken? Da wäre ich äußerst gespannt.


Auf der Basis 193 unterschiedlicher "Ethiken".
So viel von der UNO anerkannte Staaten gibt es.
Die Oberbedenkenträger Staaten werden zunächst rigide "ethische" Einschränkungen festlegen.
Andere Staaten werden lockere und pragmatischere Regeln einführen.
Erfolg, Gewinn und der bessere Weg werden sich durchsetzen.
Dann wird nachgezogen und ethische Fragen werden zu Randthemen.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 20:33

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 20:04)

Spontan fiele mir dazu die Menschenwürde ein. Wir lehnen ja die unbedingte Verfügbarkeit über andere Menschen ab. Mit der technischen Erzeugung legen wir aber die weitere Zukunft dieses Menschen fest. Aber bestimmt gibt es klügere Einwendungen gegen die hemmungslose Anwendung der Technik in der Fortpflanzung des Menschen.


Wie soll denn "Menschenwürde" dadurch verletzt sein, dass man erstens Krankheiten ausschließt und dass zweitens die Eltern den Zeitpunkt ihres Kinderwunsches bestimmen und die Merkmale des neuen Menschen vom Geschlecht bis zur Haarfarbe etc, soweit das möglich ist? Wessen Würde soll das wie beeinträchtigen?
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » So 27. Dez 2020, 21:15

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 20:33)

Wie soll denn "Menschenwürde" dadurch verletzt sein, dass man erstens Krankheiten ausschließt und dass zweitens die Eltern den Zeitpunkt ihres Kinderwunsches bestimmen und die Merkmale des neuen Menschen vom Geschlecht bis zur Haarfarbe etc, soweit das möglich ist? Wessen Würde soll das wie beeinträchtigen?


In derartigen Gesprächen bin ich als gelernter Ingenieur deutlich schlechter ausgestattet als Menschen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. In Ihrer Antwort, so meine ich, werden verschiedene Abstufungen von Eingriffen zusammen geführt, die man wohl oder übel getrennt betrachten müßte.

So fände ich es geradezu strafwürdig, wenn man durch einen Eingriff, in welcher Stufe seiner Entwicklung auch immer, einem Menschen Leid ersparen kann, auf diesen möglichen Eingriff aber bewußt zu verzichten.

Die Menschenwürde wird verletzt, wenn Menschen viel zu spät Eltern werden wollen. Erfahrungsgemäß brauchen Kinder bis zur völligen Unabhängigkeit vom Elternhaus etwa 25 Jahre, wenn sie einen anspruchsvollen Beruf ausüben wollen. Wie will ein 80-jähriger (ich bin 80+) diese übernommene Pflicht erfüllen? Unweigerlich kippt er doch einem anderen gutwilligen Menschen diese Aufgabe vor die Tür... oder er versagt dem Kind eine gute Ausbildung, die ihm bei jüngeren Eltern sicher gewesen wäre. Mir ist schon klar, daß es Großeltern gibt, die sich rührend um ihre Enkel bemühen, und Rabeneltern, die ihren Nachwuchs in keiner Weise fördern. Aber eine Regel möchte ich daraus nicht ableiten.

Wir sollten dort die Schöpfung walten lassen, wo sie erkennbar keinen Schaden anrichten kann. Und dort, wo wir schlimmes Leid verhindern können, da sollten wir das auch tun... auch mit Blick auf den Schwangerschaftsabbruch, wenn für das Ungeborene und seine Eltern viel Leid vorher zu sehen ist.

Die Sache mit der Haarfarbe halte ich für eine Willkür der Eltern, die den Lauf der Schöpfung sinnlos verändert, und die Frage des Geschlechts muß nun wieder mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden.

Bei externer Befruchtung von Eizellen müssen irgendwann befruchtete Eizellen vernichtet werden, weil sie zur Sicherstellung eines Ergebnisses gebraucht wurden, aber danach eben nicht mehrfach. Da wird man eine Auswahl danach treffen müssen, welcher entstehende Mensch nach bestem Wissen und Gewissen die beste Entwicklungsmöglichkeit mitbringt. Das gewünschte Geschlecht sehe ich da so wie auch die Haarfarbe; das ist eine Art von Rassismus, die unzulässig ist.

Dennoch ist auch diese Frage kompliziert: Was mache ich als Ersatz des Schöpfers, wenn da kein klares Bild des künftigen Geschlechts zu erkennen ist, oder sogar sehr deutlich eine Zwittereigenschaft? Ordne ich sie in den Lauf der Schöpfung ein, oder betrachte ich sie als eine Behinderung und als eine Quelle von menschlichem Leid. Aus Mangel an Erfahrung würde ich sie als Behinderung werten und sie vernichten.

Wir sehen ja, was mit Gesellschaften geschieht, die männlichen Nachwuchs ganz obenan stellen. Da werden Mädchen vor der Geburt entsorgt, und am Ende hat diese Gesellschaft eine sehr hohe Überzahl an Männern erzeugt, die vom Menschenglück Elternschaft ausgeschlossen sind. Oder zum Raub der Sabinerinnen ausziehen...

Aus meiner Sicht eine schwere Verletzung der Menschenwürde, auch wenn die angesprochene Gesellschaft das völlig anders sieht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, soll so nicht verfaßt sein. Meine Kinder und Enkel dürfen das anders sehen; allerdings hoffe ich, daß doch etwas von meinem Menschenbild in ihnen weiter leben wird.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » So 27. Dez 2020, 22:18

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)

In derartigen Gesprächen bin ich als gelernter Ingenieur deutlich schlechter ausgestattet als Menschen mit geisteswissenschaftlichem Hintergrund. In Ihrer Antwort, so meine ich, werden verschiedene Abstufungen von Eingriffen zusammen geführt, die man wohl oder übel getrennt betrachten müßte.


Um über Ethik und Moral zu sprechen, braucht man nicht einmal ein Studium. Moralisches Urteilen ist kein Ausbildungsberuf. ;)

Und Sie stellen ja entsprechend auch sehr viele Gebots- und Verbotstafeln (sollen, müssen, nicht dürfen) auf

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
So fände ich es geradezu strafwürdig, wenn man durch einen Eingriff, in welcher Stufe seiner Entwicklung auch immer, einem Menschen Leid ersparen kann, auf diesen möglichen Eingriff aber bewußt zu verzichten.


Das behinderte Menschen nicht gerne hören. Und manche Menschen bringen wider dieses Wissen um Leid auch schwerstbehinderte Kinder bewusst zur Welt.

Und sollen Menschen gezwungen werden, bestimmte Untersuchungen auf leidintensive Behinderungen durchzuführen? Und wenn sie sich in ihrer Würde dabei verletzt fühlen (beispielsweise aus religiösen Gründen)?


H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Die Menschenwürde wird verletzt, wenn Menschen viel zu spät Eltern werden wollen. Erfahrungsgemäß brauchen Kinder bis zur völligen Unabhängigkeit vom Elternhaus etwa 25 Jahre, wenn sie einen anspruchsvollen Beruf ausüben wollen. Wie will ein 80-jähriger (ich bin 80+) diese übernommene Pflicht erfüllen? Unweigerlich kippt er doch einem anderen gutwilligen Menschen diese Aufgabe vor die Tür... oder er versagt dem Kind eine gute Ausbildung, die ihm bei jüngeren Eltern sicher gewesen wäre. Mir ist schon klar, daß es Großeltern gibt, die sich rührend um ihre Enkel bemühen, und Rabeneltern, die ihren Nachwuchs in keiner Weise fördern. Aber eine Regel möchte ich daraus nicht ableiten.


Wessen Menschenwürde: Die des Kindes? Mick Jagger war 73, als er zuletzt Vater wurde.

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Wir sollten dort die Schöpfung walten lassen, wo sie erkennbar keinen Schaden anrichten kann. Und dort, wo wir schlimmes Leid verhindern können, da sollten wir das auch tun... auch mit Blick auf den Schwangerschaftsabbruch, wenn für das Ungeborene und seine Eltern viel Leid vorher zu sehen ist.


Haben Sie eine Definition von Leid, die alle teilen würden? Kann man Leid empirisch bestimmen?

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Die Sache mit der Haarfarbe halte ich für eine Willkür der Eltern, die den Lauf der Schöpfung sinnlos verändert, und die Frage des Geschlechts muß nun wieder mit viel Fingerspitzengefühl behandelt werden.


Kinderzeugen ist Willkür. Und verändern wir nicht jeden Tag den Lauf der "Schöpfung"? Was immer "Schöpfung" nun bedeutet, ich kann mit dem Begriff nichts anfangen, es ist ein christlicher Glaubensbegriff.

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Bei externer Befruchtung von Eizellen müssen irgendwann befruchtete Eizellen vernichtet werden, weil sie zur Sicherstellung eines Ergebnisses gebraucht wurden, aber danach eben nicht mehrfach. Da wird man eine Auswahl danach treffen müssen, welcher entstehende Mensch nach bestem Wissen und Gewissen die beste Entwicklungsmöglichkeit mitbringt. Das gewünschte Geschlecht sehe ich da so wie auch die Haarfarbe; das ist eine Art von Rassismus, die unzulässig ist.


Das sehe ich nicht so. Mir fehlt die Begründung, warum das unzulässig sein soll, hier als Eltern nicht frei wählen zu dürfen. Wem sollte das schaden?

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Dennoch ist auch diese Frage kompliziert: Was mache ich als Ersatz des Schöpfers, wenn da kein klares Bild des künftigen Geschlechts zu erkennen ist, oder sogar sehr deutlich eine Zwittereigenschaft? Ordne ich sie in den Lauf der Schöpfung ein, oder betrachte ich sie als eine Behinderung und als eine Quelle von menschlichem Leid. Aus Mangel an Erfahrung würde ich sie als Behinderung werten und sie vernichten.


Das wäre dann Sache der Eltern.

H2O hat geschrieben:(27 Dec 2020, 21:15)
Wir sehen ja, was mit Gesellschaften geschieht, die männlichen Nachwuchs ganz obenan stellen. Da werden Mädchen vor der Geburt entsorgt, und am Ende hat diese Gesellschaft eine sehr hohe Überzahl an Männern erzeugt, die vom Menschenglück Elternschaft ausgeschlossen sind. Oder zum Raub der Sabinerinnen ausziehen...

Aus meiner Sicht eine schwere Verletzung der Menschenwürde, auch wenn die angesprochene Gesellschaft das völlig anders sieht. Die Gesellschaft, in der ich lebe, soll so nicht verfaßt sein. Meine Kinder und Enkel dürfen das anders sehen; allerdings hoffe ich, daß doch etwas von meinem Menschenbild in ihnen weiter leben wird.


"Soll nicht so verfasst sein": Warum? In unseren kulturellen Breiten zählt das Individuum fast grenzenlos - und was geht es zwei kinderwillige Menschen an, wie das Verhältnis m/w sich in der Gesellschaft darstellt? Es muss doch die freie Entscheidung derjenigen sein, die ein Kind wollen, das selbst festzulegen, wenn die Option besteht.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Papaloooo » Mo 28. Dez 2020, 06:31

jorikke hat geschrieben:(27 Dec 2020, 20:08)

Auf der Basis 193 unterschiedlicher "Ethiken".
So viel von der UNO anerkannte Staaten gibt es.
Die Oberbedenkenträger Staaten werden zunächst rigide "ethische" Einschränkungen festlegen.
Andere Staaten werden lockere und pragmatischere Regeln einführen.
Erfolg, Gewinn und der bessere Weg werden sich durchsetzen.
Dann wird nachgezogen und ethische Fragen werden zu Randthemen.

Genau so sehe ich das auch.
Während sich in Zukunft die Grenzen des Machbaren ständig erweitern werden,
werden sich die moralischen NoGo's ständig zurückziehen.
Angenommen ein Land sagt, ins Genom eines Embryos darf nicht zu Designerzwecken eingegriffen werden,
und ein anderes Land hat herausgefunden, was gemacht werden muss,
dass Kinder überdurchschnittlich häufig mit einem IQ von 120 aufwärts erzeugt werden,
dann wird das Land der Bedenkenträger auf dem Abstellgleis zurückbleiben,
wenn die Kinder erwachsen geworden sind.
Ethische Bedenken hin oder her.
Das ist Kapitalismus:
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Corella » Mo 28. Dez 2020, 07:15

Papaloooo hat geschrieben:(28 Dec 2020, 06:31)

Genau so sehe ich das auch.
Während sich in Zukunft die Grenzen des Machbaren ständig erweitern werden,
werden sich die moralischen NoGo's ständig zurückziehen.
Angenommen ein Land sagt, ins Genom eines Embryos darf nicht zu Designerzwecken eingegriffen werden,
und ein anderes Land hat herausgefunden, was gemacht werden muss,
dass Kinder überdurchschnittlich häufig mit einem IQ von 120 aufwärts erzeugt werden,
dann wird das Land der Bedenkenträger auf dem Abstellgleis zurückbleiben,
wenn die Kinder erwachsen geworden sind.
Ethische Bedenken hin oder her.

Ha, wenn Du ahntest, wie anspruchsvoll solche Kinder sind und in Möchtgernwirtschaftsdenken: wie teuer und aufwändig die Unterhaltung, wie störend im Betrieb!
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon H2O » Mo 28. Dez 2020, 07:24

Stoner hat geschrieben:(27 Dec 2020, 22:18)

Um über Ethik und Moral zu sprechen, braucht man nicht einmal ein Studium. Moralisches Urteilen ist kein Ausbildungsberuf. ;)

Und Sie stellen ja entsprechend auch sehr viele Gebots- und Verbotstafeln (sollen, müssen, nicht dürfen) auf

....


Jein; mir fehlen viele Kenntnisse und Ihnen höchstwahrscheinlich auch. Wenn wir hier über technische Fragen nachdenken, dann sehe ich mich im Vorteil, weil ich mich viele Jahre damit befaßt habe. Wenn wir hier philosophieren, dann habe ich schon Mühe mit dem Wortschatz, der in diesem Fachgebiet üblich ist.

Und erneut jein: Natürlich habe ich im Laufe meines Lebens meinen Kompaß erworben, mit dem ich leben kann. Was nicht bedeutet, das er vernünftig justiert ist. Das kann durch Einsicht in bessere Sichtweisen verändert werden. Ohne eigenen Kompaß kann man nun einmal ganz schlecht eine Meinung vortragen.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Corella » Mo 28. Dez 2020, 08:04

Also etwas erbster: solch Laborphantasie, bei aller Entwicklungsdramatik (z.Z. erwarten manche z.B. Durchbrüche in der Proteomik), setze der utopieaffine Leser solches doch bitte mal in ein Verhältnis zu bestehenden Potenzialen, die brach daliegen!
Eichmarke gibt zum Beispiel ein schwedisches Experiment, wo es ein nationales Schul- und Lehrerranking gibt und testweise mal für ein Jahr beste Lehrer mit problematischster Klasse kombiniert wurden.
Was auch bei so geartetwn Diskussionen regelmäßig ungewürdigt bleibt: die Abhängigkeit kulturtechnischer Errungenschaften von organisierter Menschenzahl.
Warnung: es berührt Disziplinen wie Sozialwissenschaft, Pädagogik und deduktives Denken. Für viele pure Esotherik... ;-)
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Papaloooo » Mo 28. Dez 2020, 08:15

Corella hat geschrieben:(28 Dec 2020, 07:15)

Ha, wenn Du ahntest, wie anspruchsvoll solche Kinder sind und in Möchtgernwirtschaftsdenken: wie teuer und aufwändig die Unterhaltung, wie störend im Betrieb!

Da ist zwar richtig, aber...

Auch wenn von 10 hochintelligenten Designerkindern nur einer die Karriereleiter hochklettern wird,
so wird das den Staat, der diesen Eingriff zulässt, ja gar fördert,
dennoch in einer Generation immens beflügeln.

Staaten die auf künftige Kapazitäten setzen, werde nun mal zukünftig im Vorteil sein.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon JJazzGold » Mo 28. Dez 2020, 08:50

jorikke hat geschrieben:(27 Dec 2020, 12:00)

Deine Einlassung halte ich für sehr vernünftig.
...zum jetzigen Zeitpunkt.
Wir sind med. schon sehr weit. In wenigen Jahren wird die Medizin aber noch viel mehr können. Dann wird sowohl die Früherkennung der Risiken des Embrios, wie auch dessen Beseitigung med. eine Kleinigkeit sein. Dann werden die Eltern wohl nicht mehr nur bei schweren vorhersehbaren Erkrankungen und Fehlbildungen für Abbruch entscheiden sondern die Hemmschwelle wird sinken.
Das Kind wird schielen? O.k., Pille und wir versuchen es nochmal.
Irgendwann wird das, was wir heute unter Hemmschwelle verstehen, zur Normalität werden.


Ob es eines Tages soweit geht, wahrscheinlich ja, aber auch damit könnte ich gut leben.
Es werden noch viele Grenzen ausgelotet werden und auch viele Irrwege dieses Auslotens nachträglich korrigiert werden. Vielleicht wird es nach rasanter Entwicklung auch eine Phase des Rückfalls in finstere Zeiten geben, aber nicht auf Dauer. Trial and error, die Geschichte der Menschheit. :)
Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Papaloooo » Mo 28. Dez 2020, 08:56

JJazzGold hat geschrieben:(28 Dec 2020, 08:50)

Ob es eines Tages soweit geht, wahrscheinlich ja, aber auch damit könnte ich gut leben.
Es werden noch viele Grenzen ausgelotet werden und auch viele Irrwege dieses Auslotens nachträglich korrigiert werden. Vielleicht wird es nach rasanter Entwicklung auch eine Phase des Rückfalls in finstere Zeiten geben, aber nicht auf Dauer. Trial and error, die Geschichte der Menschheit. :)

Sowie im dystopischen Film "Gattaca".
Wo Menschen, die nicht genetisch optimiert sind,
wegen des höheren Risikos für Erkrankungen von Weltraummissionen ausgeschlossen werden.
Der Filmheld hatte es dennoch geschafft,
wenn auch mit immensem Aufwand.
Er musste ständig DNA-Proben eines optimierten Menschen an seiner Stelle abgeben.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon Stoner » Mo 28. Dez 2020, 09:58

Papaloooo hat geschrieben:(28 Dec 2020, 08:56)

Sowie im dystopischen Film "Gattaca".
Wo Menschen, die nicht genetisch optimiert sind,
wegen des höheren Risikos für Erkrankungen von Weltraummissionen ausgeschlossen werden.
Der Filmheld hatte es dennoch geschafft,
wenn auch mit immensem Aufwand.
Er musste ständig DNA-Proben eines optimierten Menschen an seiner Stelle abgeben.


Ich habe den seinerzeit auch im Kino gesehen und glaube nach wie vor, dass hier die Zukunft liegen wird.

Wenn einerseits Debatten über Bildung, Bildung, Bildung und die neue Zeit der Digitalisierung geführt werden, andererseits der Fortschritt alternativlos ist, kann man nicht ernsthaft glauben, die Staaten würden nicht irgendwann zu Maßnahmen greifen, um sich ein Heer an Unterqualifizierten zu leisten, die man aus ethischen Gründen subventionieren muss, wenn es gleichzeitig Mittel und Wege gibt, das ganz einfach schon vor der Geburt eines Menschen durch Vorauswahl zu verhindern. Der Fortschritt wird seine Kinder fressen, und Gleichheit gibt es dann nur auf hohem Niveau.
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Re: Klone, Gentherapie, Bio-Hacking und transgene Menschen

Beitragvon JJazzGold » Mo 28. Dez 2020, 10:01

Papaloooo hat geschrieben:(28 Dec 2020, 08:56)

Sowie im dystopischen Film "Gattaca".
Wo Menschen, die nicht genetisch optimiert sind,
wegen des höheren Risikos für Erkrankungen von Weltraummissionen ausgeschlossen werden.
Der Filmheld hatte es dennoch geschafft,
wenn auch mit immensem Aufwand.
Er musste ständig DNA-Proben eines optimierten Menschen an seiner Stelle abgeben.


Umgekehrt hatte ich beim Schreiben eine Star Trek Folge vor Augen, in der ein “optimierter, junger Arzt“ seine Optimierung durch seine Eltern verbergen musste, weil er ansonsten nicht für seinen Job zugelassen worden wäre. Weil in der Entwicklung nachträglich die Optimierung durch die Eltern als Fehler und unlauterer Vorteil erkannt und als illegal erklärt wurde. ;)
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