Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

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Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Progressiver » Sa 26. Dez 2020, 18:04

Immer wieder mal kommt gerade von der rechten Seite des politischen Spektrums der Ruf nach einer sogenannten deutschen Leitkultur. Doch wie soll diese aussehen? Jetzt in der Corona-Krise sitzen viele Kulturschaffende finanziell auf dem Trockenen. Hilfen gibt es kaum. Viele müssen auch wohl Hartz IV beantragen. Die Autoindustrie wird komischerweise gepampert. Die Kulturschaffenden, die mindestens genau so viele Leute umfassen, müssen in die Röhre gucken.

Pikanterweise waren es wohl auch Typen vom Schlage eines Friedrich Merz, die vor zwanzig Jahren die Leitkulturdebatte befeuerten. Jetzt habe ich mir zu Ohren kommen lassen, dass er, falls er mal Kanzler werden könnte, alle Subventionen und Sozialleistungen auf den Prüfstand stellen will. Also: Zuerst schickt man die vielen Kulturschschaffenden im schlimmsten Fall in die Hartz IV-Falle. Und als Bonus will er womöglich dann noch das Existenzminimum für solche Leute kürzen? Mal abgesehen davon, dass das gegen das Grundgesetz verstößt.

Trotzdem frage ich mich und alle anderen hier: Was macht denn für die Rechten die Leitkultur hierzulande aus? Wie viel ist sie ihnen weiterhin wert, wenn man völlig hemmungslos die vielen Kulturschaffenden finanziell im Regen stehen lässt, während die Autoindustrie und die Lufthansa Milliarden von Euros nachgeschmissen bekommen? Oder war das etwa alles nicht so gemeint? Handelt es sich da nur um dumpfen Populismus?

Und vor allem: Wie viel "Leitkultur" wollen sich solche Politiker denn leisten? Und was bleibt von diesen Forderungen und Versprechen übrig, wenn die Corona-Krise mal vorbei sein wird?
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Skeptiker » Sa 26. Dez 2020, 18:10

Ich glaube wenn wir beide von "Leitkultur" reden, meinen wir beide grundverschiedene Dinge. "Meine" Leitkultur hat absolut nichts mit "Kulturschaffenden" zu tun.

Du kannst ja vielleicht mal definieren, was für dich Leitkultur ist, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Das passiert gerade beim Thema Leitkultur, wie ich meine, recht häufig.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon BlueMonday » Sa 26. Dez 2020, 18:11

Gerade mal bei Goopgle als Zeitgeistgradmesser nachgeschaut: https://trends.google.com/trends/explor ... Leitkultur

Interesse nach "Leitkultur" auf Null gesunken. Gibt es denn irgendeinen verweisbaren aktuellen Anlass? Wer hat denn "gerade gerufen"?
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon BlueMonday » Sa 26. Dez 2020, 18:17

Die Leitkultur in der "Coronakrise" besteht jedenfalls aus AHA-Irgendwas-Regeln mit Symbolmaskentragen, Abstandhalten, Zuhausebleiben, Risikogruppe schützen, Impfenlassen, Kritik diffamieren, "der Wissenschaft" unbesehen glauben usw. Hat augenscheinlich die Klimarettungsleitkultur zumindest temporär abgelöst. Aber wie heißt es so schön: Nach dem Virus ist vor dem Virus.
Zuletzt geändert von BlueMonday am Sa 26. Dez 2020, 18:19, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Stoner » Sa 26. Dez 2020, 18:19

Skeptiker hat geschrieben:(26 Dec 2020, 18:10)

Ich glaube wenn wir beide von "Leitkultur" reden, meinen wir beide grundverschiedene Dinge. "Meine" Leitkultur hat absolut nichts mit "Kulturschaffenden" zu tun.

Du kannst ja vielleicht mal definieren, was für dich Leitkultur ist, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Das passiert gerade beim Thema Leitkultur, wie ich meine, recht häufig.


Sie waren schneller, denn hier werden eindeutig zwei Kulturbegriffe vermischt. Die geistigen und künstlerischen Leistungen von Kulturschaffenden sind zwar Teil der Kultur, aber sie sind nicht der Teil der Kultur, um die es geht, wenn jemand über "Leitkultur" schwafelt.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Teeernte » Sa 26. Dez 2020, 18:42

Die Leitkultur in der Corona-Krise - was zahlt viel Steuern und muss erhalten bleiben ? --- (Damit später wieder viel Steuern eingenommen werden können ! - Die Struktur der Steuerzahler weiter besteht.

Infrastruktur >>> Gas Wasser ...Sch.. :D :D :D ....Bahn, Strassen, Städte...

Firmen...>> Schreiner, Autobauer... Händler.

---------------------------------------------------------

Dann gibt es Unternehmen die die Digitalisierung >> VERSCHLAFEN HABEN ! und Firmen - die die Technologieveränderung bereits VOLL überholt hat. ->> wie Viedeotheken....

Generell - so regelt es der MARKT haben Selbständige ein HOHES Risiko - aber ebenso einen hohe Gewinnspanne.

GESCHÄFTSRISIKO.

Bei Angestellten - ist der Lohn GEREGELT. >> Gesetzlich/Vertraglich GEREGELT.

Also >> (Sozial-) KAPITALISMUS. (Leitkultur)

Dagegen - im Sozialismus - wären die "Kunst- und Kulturschaffenden" im VEB ANGESTELLT. NUR - die DDR hat den letzten Köttel 1990 gesch... Sozialistische Kultur.

-------------

Wer NICHTS mehr hat - Hartz4 NIVEAU wird vom sozialen Netz aufgefangen. bis dahin ist sich JEDER selbst der Nächste.

Selbständigen Uhrmachern, Nutten, Gesundbetrern, Beratern in "Geld" und "Versicherung", Handauflegern, ......geht es nicht anders als "Künstlern" .

Digital "Klempner" wird NICHT funktionieren.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Stoner » Sa 26. Dez 2020, 19:12

BlueMonday hat geschrieben:(26 Dec 2020, 18:11)


Interesse nach "Leitkultur" auf Null gesunken. Gibt es denn irgendeinen verweisbaren aktuellen Anlass?


Vielleicht die intensiv diskutierte Frage der Abrollrichtung von Toilettenpapier, die von eminenter Bedeutung zu sein scheint. Das würde gut zur Frage der Leitkultur passen.

Wobei ja die neue Leitkultur derzeit Cancel Culture heißt. Die dann, wenn die Kulturschaffenden pleite gehen sollten, auch wiederum ins Leere liefe, weil die schon "gecancelt" sind. :D
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon streicher » Sa 26. Dez 2020, 21:03

Da ziehe ich mal die Notbremse. Es wird ausgekehrt.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon streicher » Sa 26. Dez 2020, 21:09

Die letzten vier Beiträge habe ich verschoben. Die Diffamierung ist nun im Zähler.
Jetzt nicht mehr über einen User diskutieren, sondern bitte wieder über das Strangthema.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Progressiver » Sa 26. Dez 2020, 22:21

Hier im Übrigen der originale Twitterpost von Friedrich Merz:

https://twitter.com/_friedrichmerz/stat ... 2482514945

Den hatte ich im Eingangsposting vergessen, zu verlinken.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Progressiver » Sa 26. Dez 2020, 22:34

Skeptiker hat geschrieben:(26 Dec 2020, 18:10)

Ich glaube wenn wir beide von "Leitkultur" reden, meinen wir beide grundverschiedene Dinge. "Meine" Leitkultur hat absolut nichts mit "Kulturschaffenden" zu tun.

Du kannst ja vielleicht mal definieren, was für dich Leitkultur ist, damit wir nicht aneinander vorbeireden. Das passiert gerade beim Thema Leitkultur, wie ich meine, recht häufig.


Um von einer "Leitkultur" zu reden, braucht es überhaupt mal so etwas wie Kultur. Wenn diese den Bach runtergeht, weil die Kulturschaffenden oft in Hartz IV landen und Theater, Kinos, teilweise Museen, meinetwegen auch Technoclubs usw. oft nie wieder aufmachen können, weil sie pleite gehen, dann hat man auch keine "Leitkultur" mehr. Dann wird Deutschland zur Kulturwüste.

Ich wundere mich ebenfalls, warum die Autoindustrie oder beispielsweise die Lufthansa so viel Geld kriegen. Für die Erhaltung der Kultur ist dagegen kaum Geld übrig.

Ich denke, dass das Beispiel Friedrich Merz ebenfalls sehr gut taugt. Es sind nämlich oft solche Politiker, die eine Leitkultur fordern bzw. forderten, die in der Praxis jetzt androhen, Deutschland in eine Kulturwüste zu verwandeln. Diese Diskrepanz zwischen theoretischen Ansagen und der tatsächlichen Praxis ist es, die mir aufstösst.

Ich habe im Übrigen auch die letzten paar Postings gelesen. Wenn man nicht mehr sachlich über so ein Thema diskutieren kann und stattdessen irgendwelche Klopapier-Diskussionen kommen, dann frage ich mich ebenfalls, was hier schief läuft.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Progressiver » Sa 26. Dez 2020, 23:18

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist auch der Wikipedia-Artikel zum Thema "Leitkultur":

https://de.wikipedia.org/wiki/Leitkultur

Da kann man nachlesen, dass seit Friedrich Merz bei den rechten Parteien CDU, CSU und AfD immer wieder dieses Thema aufgegriffen wurde.

Besonders erwähnenswert finde ich jedoch den Schluss dieses Wikipedia-Artikels, in dem Francis Fukuyamas Haltung gebracht wird:

Eine „Leitkultur“ im Sinne Bassam Tibis erscheint Fukuyama daher erforderlich für eine „inkludierende Bekenntnisnation“ auf der Grundlage gemeinsamer demokratischer Grundwerte[53]. Diese „Leitkultur“ einer gemeinsamen Wertegrundhaltung helfe, das Auseinanderdriften der Gesellschaft und den Kampf unterschiedlicher ethnischer, sozialer und sonstiger Bekenntnisminderheiten gegeneinander zu verhindern


Leider fehlt es an einer solchen Leitkultur. Kulturschaffende, aber auch andere Berufsgruppen, haben Existenzsorgen. (Siehe oben.) Krankenschwestern müssen im Übrigen ihr Leben riskieren an der Gesundheitsfront, ohne auch nur eine Lohnerhöhung zu kriegen. Das nur am Rande.

Die großen Konzerne kriegen aber die Milliarden nachgeschmissen.

Die deutsche Leitkultur unserer regierenden rechten Politiker scheint zu sein: "Wer hat, dem wird gegeben. Wer fast nichts hat, dem wird auch das wenige genommen." (Bibelspruch).

Ansonsten halten sie sich gerade seltsam bedeckt.

Eine Leitkultur wird scheinbar immer nur von rechts und ganz rechts gefordert, wenn es um Normen geht, an die sich andere zu halten haben. Aber solche Themen wie Solidarität etc. -siehe Francis Fukuyama- sind ihnen fremd.

Solche Politiker reden folglich in der Theorie von einer deutschen Leitkultur. In der Praxis sorgen sie aber dafür, dass Deutschland zu einer Kulturwüste wird.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Skeptiker » Sa 26. Dez 2020, 23:36

Sorry, aber du verschwurbelst hier den Kunst- und Kulturbegriff mit dem Thema Leitkultur, der in erster Linie von Grundwerten und Verhaltensweisen bestimmt ist. Das macht auch die mehrfache Wiederholung nicht richtiger - das passt schlicht nicht zusammen.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Teeernte » Sa 26. Dez 2020, 23:36

Progressiver hat geschrieben:(26 Dec 2020, 22:34)

Um von einer "Leitkultur" zu reden, braucht es überhaupt mal so etwas wie Kultur. .


Wenn es grad ein "Überangebot" von Kunst und Kultur gibt .....

Warum ist dann bei den ÖR am Feiertag ....

Wer den Heiligabend mit den Öffentlichen-Rechtlichen verbringen wollte, hatte die Wahl zwischen der "Feuerzangenbowle" im Ersten und "Carmen Nebel" im Zweiten. Es war, als würde man vor die Wahl gestellt, entweder von Boko Haram oder von Al-Kaida als Geisel genommen zu werden.

....ein 76 Jahre alter Film aus dem Hause Goebbels, Rühmann und Partner, die Feuerzangenbowle. Die Dreharbeiten hatten vom März bis zum Juni 1943 gedauert.Und weil das, was damals lustig war, heute nicht unlustig sein kann, sendet die ARD die alte Schmonzette ohne jeden Hinweis darauf, wie tief Rühmann in das NS-System verwickelt war. Nicht zufällig und nicht umsonst wurde er noch 1944 in die Liste der Gottbegnadeten aufgenommen.Bei Rühmann erlaubt sich die ARD nicht einmal einen Hinweis, dass er ein Günstling von Goebbels und Göring war und sich von seiner jüdischen Frau scheiden ließ, um seine Schauspieler-Karriere nicht zu gefährden.


Bei Frau Nebel gab es einen Kessel Buntes aus allem, was man kurzfristig in der ZDF-Kantine finden und auftauen konnte: Ireen Sheer und Kerstin Ott, Ross Antony mit Ehemann Paul Reeves und Angelo Kelly mit seiner gesamten Familie, Bernd Stelter und Alfons Schuhbeck. Nur der Truppenunterhalter Johannes Heesters fehlte.

Die Gäste saßen nah beieinander, hatten keine Masken an, das Klatschen eines unsichtbar anwesenden Publikums wurde nach jedem Akt dazugemischt. Es waren die längsten zwei Stunden und 13 Minuten seit dem Angriff der Killertomaten auf die USA.


https://www.achgut.com/artikel/der_angr ... nd_das_zdf

Bei den anderen war es auch nicht anders... (Kevin allein zu Haus, Sissi, Aschenbrödel, die Helene-Fischer-Show, das "Traumschiff", der "Tatort"...)

Bestimmt hatten die Künstler Deutschlands grad was anderes vor.... (Taschen voll GELD)
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Stoner » Sa 26. Dez 2020, 23:39

Progressiver hat geschrieben:(26 Dec 2020, 22:34)

Um von einer "Leitkultur" zu reden, braucht es überhaupt mal so etwas wie Kultur. Wenn diese den Bach runtergeht, weil die Kulturschaffenden oft in Hartz IV landen und Theater, Kinos, teilweise Museen, meinetwegen auch Technoclubs usw. oft nie wieder aufmachen können, weil sie pleite gehen, dann hat man auch keine "Leitkultur" mehr. Dann wird Deutschland zur Kulturwüste.

Ich habe im Übrigen auch die letzten paar Postings gelesen. Wenn man nicht mehr sachlich über so ein Thema diskutieren kann und stattdessen irgendwelche Klopapier-Diskussionen kommen, dann frage ich mich ebenfalls, was hier schief läuft.


Man kann höchst sachlich darüber diskutieren. Aber dafür dürfen Sie nicht zwei Begriffe vermischen. Sonst funktioniert das nicht.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Teeernte » So 27. Dez 2020, 00:05

Progressiver hat geschrieben:(26 Dec 2020, 23:18)

Die großen Konzerne kriegen aber die Milliarden nachgeschmissen.

Die deutsche Leitkultur unserer regierenden rechten Politiker scheint zu sein: "Wer hat, dem wird gegeben. Wer fast nichts hat, dem wird auch das wenige genommen." (Bibelspruch)..


Leidkultur - ZWANGSGEBÜR
Im Jahr 2019 ................... Rundfunkbeitrag auf insgesamt 8,068 Mrd Euro.


Zusätzlich Steuergeld:
Die öffentlichen Kulturausgaben (ohne kulturelle Daseinsvorsorge, wie z. B. Schulen als Kultuseinrichtungen) in Deutschland 9,6 Milliarden Euro .


Zuzüglich Einnahmen aus Werbung und Eintrittsgeld.

Bei Corona kommt zusätzlich .... Beispiel Soforthilfe und Grundsicherung.


....und die Konsumenten bekommen dadurch >> VORGEKAUTE, staatlich verordnete LEITKULTUR.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Progressiver » So 27. Dez 2020, 17:46

Stoner hat geschrieben:(26 Dec 2020, 23:39)

Man kann höchst sachlich darüber diskutieren. Aber dafür dürfen Sie nicht zwei Begriffe vermischen. Sonst funktioniert das nicht.


Wer hat hier wen oder was nicht verstanden? Du mich? Ich dich?

Man kann den Begriff "Leitkultur" auch auf "Werte, Normen, Handlungsweisen und eine gute Haltung" reduzieren. Auch wenn das ziemlich dürftig ist. Aber da kann ich trotzdem nur den in meinem letzten Posting zitierten Francis Fukuyama bringen, der sinngemäß sagte, dass eine sogenannte Leitkultur nötig sei, damit die Gesellschaft nicht auseinander driftet. Das genauere Zitat siehe dort. Und dazu zählt auch "Solidarität".

Gerade diese wird aber den Kulturschaffenden, Krankenschwestern etc. gegenüber nicht gezeigt. Daimler und Co. können sich mit Kurzarbeitergeld sanieren. Und auch die Lufthansa kriegt Milliarden vom Staat, welches für diese quasi wie Manna vom Himmel regnet. Aber den eigentlichen Leidtragenden gegenüber wird diese Solidarität verwehrt.

Ich bin sicher kein typischer Linker oder Grüner, denn diese verwehren sich ja -vielleicht zurecht- gegenüber dem Leitkulturbegriff der Rechten. Ich finde, dass es gerade jetzt in der Krise eine Leitkultur der Haltung braucht. Aber so haben es die Leute wie Friedrich Merz oder Söder vermutlich nicht gemeint. Für diese ist der Begriff der Leitkultur nur ein polemisches Schlagwort, mit dem sie gegen andere hetzen können. Das Beispiel von Francis Fukuyama, der den Begriff in seinem ursprünglichen Sinne von Bassam Tibi wieder aufgreift, zeigt aber, dass es auch anders gehen kann! Und wohlgemerkt: Hier geht es nicht um Solidarität mit den Flüchtlingen auf Lesbos, sondern mit Teilen der eigenen Bevölkerung. Es ist doch bezeichnend, um nicht zu sagen heuchlerisch, dass Friedrich Merz und seine Apologeten nicht zu einer Leitkultur im Sinne von Francis Fukuyama durchringen können.

Und selbst, wenn Merz, die CSU oder die AfD sich wieder zu dem Leitkulturthema äußern werden gegenüber Immigranten, so frage ich mich, was sie als deutsche Leitkultur anzubieten haben: Alles Geld den Konzernen, den Kulturschaffenden Hartz IV und den Krankenschwestern ein Hungerlohn? Wer hat, dem wird gegeben, den anderen wird auch das wenige noch genommen? Jedem das Seine, mir das meiste? Ich für meinen Teil habe das Thema mit Bedacht in dieses Unterforum gelegt, weil es gerade am Beispiel der Kulturschaffenden aufgezeigt wird, wie heuchlerisch dieser Leitkulturbegriff doch benutzt wird. Oder welche deutsche Kultur sollen sich die Immigranten denn zum Vorbild nehmen? Dass selbst Solidarität unter Deutschen ein Fremdwort ist, Stichwort Leitkultur. Oder aber, dass den rechten deutschen Politikern in der Praxis solche Themen derart egal sind, dass sie es zulassen, dass Deutschland nach der Corona-Krise eine Kulturwüste wird?

Oder überspitzt gesagt: Besteht die deutsche Leitkultur der Rechten einzig und alleine darin, zuzulassen, dass Deutschland eine Kulturwüste wird, wenn Corona erst einmal im Griff sein wird? Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis ist es, die mich doch brennend interessiert.

Ich habe keine Ahnung, wie das mit der Leitkultur in unserem Nachbarland Frankreich gehandhabt, welches sich ja selbst als Kulturnation bezeichnet. Aber beim "Noch-Exportweltmeister" Deutschland scheint es den Regierenden völlig egal zu sein, ob wir hier bald eine Kulturwüste haben werden.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon conscience » So 27. Dez 2020, 18:38

Es gibt keine Leitkultur mehr - diese ist nicht in einer wie auch immer definierten Volksseele zu finden, sondern in einer durch die Regierung Vorgegebenes. Und die Regierung gibt keine Leitkultur vor, damit ist seit 1945/68 Schluss. Der 08.Mai 1945 ist tatsächlich das Ende des Todeskampfes derjenigen soziologischen Gruppen, die bis dahin eine "Kultur" vorgegeben und teilweise vorgelebt hat; im Zuge der 68er Evolution sind ihre Reste dann endgültig verblasst. Deshalb ist das Ganze eine Phantom-Debatte.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Skeptiker » So 27. Dez 2020, 18:43

Okay, also ich bin dann hier mal raus. Offensichtlich ist es Zeitverschwendung auch nur eine Minute weiter zu versuchen manchen hier im Strang befindlichen Usern klarzumachen, was eine Leitkultur ist.
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Re: Die Leitkulturdebatte in der Corona-Krise

Beitragvon Troh.Klaus » So 27. Dez 2020, 18:54

conscience hat geschrieben:(27 Dec 2020, 18:38)
Es gibt keine Leitkultur mehr - diese ist nicht in einer wie auch immer definierten Volksseele zu finden, sondern in einer durch die Regierung Vorgegebenes. Und die Regierung gibt keine Leitkultur vor, damit ist seit 1945/68 Schluss. Der 08.Mai 1945 ist tatsächlich das Ende des Todeskampfes derjenigen soziologischen Gruppen, die bis dahin eine "Kultur" vorgegeben und teilweise vorgelebt hat; im Zuge der 68er Evolution sind ihre Reste dann endgültig verblasst. Deshalb ist das Ganze eine Phantom-Debatte.

Es gibt ja bekanntlich nicht einmal eine "deutsche" Kultur. Was soll dann eine "Leitkultur".
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