Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

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Toblerone
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Toblerone » Di 17. Nov 2020, 12:05

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:56)

Umgekehrt würde ein Schuh daraus: Zum Job des Journalisten würde gehören, dass er seine Gefühle nicht mehr oder minder direkt vor dem Leser ausbreitet. Er muss also nicht meine Gefühle irgendwie berücksichtigen - sonst wäre ich ja identitätspolitischer Gefühlsfetischist - sondern er sollte sich seine Gefühle für sein Privatleben aufsparen. Mich interessiert weder, was der Journalist fühlt, noch was er denkt - und genau das bekommt man heute von allen brühwarm mitgeliefert. 90 % Zuckerguss der Gefühle, 10 % Fakten. Das ist das Missverhältnis. Und bei den Medien, die die Ränder bedienen, ist der Zuckerguss eben mit Ressentiments der mehr oder weniger üblen Sorte durchsetzt.

Ich empfehle einen Selbstversuch: Lesen Sie einmal ein paar Ausgaben des Qualitätsmediums Ihrer Wahl, sagen wir aus den Sechzigern den Siebzigern usw. Ein oder zwei Ausgaben, vielleicht zu einem vergleichbaren, vielleicht auch noch umstrittenen Thema oder einer BTW, und dann vergleichen Sie einmal. Das Sprachliche, das ich auch moniert habe, nehme ich dabei als idiosynkratisch auf meine Kappe, den Rest nicht automatisch.

90% Fakten, 10% Gefühle wären richtiger. ;) Man sollte es nicht im Gefühlserguß gleich übertreiben.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Uffhausen » Di 17. Nov 2020, 12:09

Toblerone hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:28)
Ausgewogen ist das Stichwort.

Findest du es besteht Ausgewogenheit, wenn man sich mal überlegt, wie extrem der Journalismus auf lächerliche bis verlogene Trump-Tweets anspringt und wie vergleichsweise vergesslich er bzgl. selbst aufgedeckter Steuerhinterziehungs-Skandale (bspw. Panama- und Paradise-Papers) ist?

Anhand dieses Beispiels finde ich persönlich, dass das Augenmerk des Jounalismus eher auf politische Konsquenzen hinsichtlich der Möglichkeit der Steuerhinterziehung liegen sollte. Und eben nicht die Welt unablässig bis penetrant darüber zu infomieren, wie intensiv das Trumpel aus den USA seinen Twitteraccount nutzt und wie seine Aussagen moralisch einzuordnen seien.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 17. Nov 2020, 12:12

Sauberer Journalismus verzichtet auf das Ansprechen von Gefühlen beim Leser. Dass darauf aber nur selten verzichtet wird, kann man schon anhand der Bildauswahl feststellen: Trump mit verzerrtem Gesicht, das Flüchtlingskind mit Kulleraugen, verdorrte Fichten, Pallywood. All das dient einer Agenda, die es aber angeblich nicht geben soll.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 12:14

Toblerone hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:05)

90% Fakten, 10% Gefühle wären richtiger. ;) Man sollte es nicht im Gefühlserguß gleich übertreiben.
Weißt du warum wir nicht mehr 1970 haben? Weil damals nicht alles besser war und man sich weiterentwickelt hat.
Damals war Rassismus noch alltäglicher Sprachgebrauch und das hat sich wenigstens in einem kleinem Häppchen gebessert. :thumbup:

Super - ich brauch 2020 keine 70er mehr. Weils eben nicht besser war.


Was Sie eher brauchsen, wäre das hier.

Seite 12 würden Sie fürn Anfang fündig. ;)
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 12:17

Tom Bombadil hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:12)

Sauberer Journalismus verzichtet auf das Ansprechen von Gefühlen beim Leser. Dass darauf aber nur selten verzichtet wird, kann man schon anhand der Bildauswahl feststellen: Trump mit verzerrtem Gesicht, das Flüchtlingskind mit Kulleraugen, verdorrte Fichten, Pallywood. All das dient einer Agenda, die es aber angeblich nicht geben soll.


Ja, das ist richtig. Nur sollte man ehrlicherweise auch festhalten, dass inzwischen zu viele genau so angesprochen werden wollen - weil (Mit)Fühlen so wunderbar bequem und einfacher als der Gebrauch des Verstands ist. Es gibt kritisches Denken, aber kein kritisches Fühlen.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Uffhausen » Di 17. Nov 2020, 12:32

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:17)

Ja, das ist richtig. Nur sollte man ehrlicherweise auch festhalten, dass inzwischen zu viele genau so angesprochen werden wollen - weil (Mit)Fühlen so wunderbar bequem und einfacher als der Gebrauch des Verstands ist. Es gibt kritisches Denken, aber kein kritisches Fühlen.

Das ist auch das - für mich offensichtliche - Geheimnis des "Lügenpresse"-Vorwurfs. Es geht nicht um die Wahrheit, es geht nur um das Gegenteil.

Würde der Journalismus bspw. positivierende Berichterstattungen über Flüchtlinge oder Lobhudeleien auf die Merkel eben ins genaue (emotionale) Gegenteil verkehren, wären die "Lügenpresse"-Gläubigen glücklich und zufrieden = würden das aber freilich niemals zugeben, weil sie es eben nicht so mit der Wahrheit haben... ;)
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon naddy » Di 17. Nov 2020, 12:34

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:56)

90 % Zuckerguss der Gefühle, 10 % Fakten.

Also dann doch nochmal die "Fakten".

Nehmen wir 300 Leute, die sich für oder gegen irgendwas in Berlin versammelt haben. Was folgt daraus, wenn das in der medialen Darstellung wahlweise als "Demonstration", "Aufmarsch", "Protest" oder "Zusammenrottung" bezeichnet wird? Wie müßte die "faktenbasiert-korrekte" Bezeichnung lauten? Und ändert sich die, wenn unter den Versammelten 10 Figuren in Antifa- oder Neonazikluft identifiziert werden?

Bereits die Wortwahl spiegelt Meinung wider, ebenso wie die Themenauswahl des "Berichtenswerten" überhaupt.

Lesen Sie einmal ein paar Ausgaben des Qualitätsmediums Ihrer Wahl, sagen wir aus den Sechzigern den Siebzigern usw.

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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 13:06

naddy hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:34)

Also dann doch nochmal die "Fakten".

Nehmen wir 300 Leute, die sich für oder gegen irgendwas in Berlin versammelt haben. Was folgt daraus, wenn das in der medialen Darstellung wahlweise als "Demonstration", "Aufmarsch", "Protest" oder "Zusammenrottung" bezeichnet wird? Wie müßte die "faktenbasiert-korrekte" Bezeichnung lauten? Und ändert sich die, wenn unter den Versammelten 10 Figuren in Antifa- oder Neonazikluft identifiziert werden?

Bereits die Wortwahl spiegelt Meinung wider, ebenso wie die Themenauswahl des "Berichtenswerten" überhaupt.


Gutes Beispiel.

Der Begriff Demonstration gibt ein Faktum wieder: Es hat ein Ereignis stattgefunden, nämliche eine Demonstration (die zum Beispiel auch angemeldet sein muss, um den Begriff wasserdicht zu machen). Dass im Demonstrationszug auch Radikale mitlaufen, Antifa oder Neonazis, ändert nichts daran, dass es eine Demonstration ist. Demonstration beinhaltet ja immer: ein Grundrecht in Anspruch nehmen, wer immer da mitläuft, solange es friedlich bleibt.

Der Begriff Aufmarsch ist definitiv schon negativ konnotiert. Er hat im Berichtsteil nichts verloren, wenn es sich um eine angemeldete Demonstration handelt, ist dem Kommentarteil vorbehalten.

Der Begriff Protest ist eher kontextabhängig, aber noch neutral. Er würde eher bei einer kleinen Gruppe, die keine Demonstrationszugstärke hat, infrage kommen.

Der absolute Negativbegriff Zusammenrottung ist eindeutig. Wobei er interessanterweise Rechtsradikalen vorbehalten ist. Bei einem G-7-Gipfel mit linken Randalierern würde die Tagesschau nicht von einer Zusammenrottung sprechen, bei Hooligans oder rechten Randalierern wohl eher.


naddy hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:34)
Guter Hinweis. Unter dem Namen des von meinen Eltern präferierten Blättchens stand als Selbstbeschreibung:


Man wußte also mit wem man es zu tun hatte und legte Wert darauf, deren Meinung kennenzulernen. ;)


Die Medien dürfen gerne meinungsstark sein. Aber ich fürchte, die Unabhängigkeit und die Überparteilichkeit, die schon immer ein bisschen eine Illusion waren, sind heute schlicht verschwunden. Das ist im Zeitalter der Shitsorms nicht mehr durchzuhalten. Und die Leser halten auch immer weniger aus. Ich muss mir nur wöchentlich die Leserbriefe ("nicht mehr meine Zeitung", "kündige ich nach 30 Jahren", "kann ich nicht unterstützen" usw. usf.) anschauen, dann wird klar, warum Ausgewogenheit und Vielfalt beschworen, aber nicht geschätzt werden.

Ein Beispiel meinerseits. Im Studium (Mitte der Neunziger) wurden noch ein paar Subtilitäten der folgenden Art gelehrt:

Der Kanzler (wir hatten damals noch einen Herrn) sagte, die Wirtschaft hat sich gut erholt.
Der Kanzler sagte, die Wirtschaft habe sich gut erholt.
Der Kanzler sagte, die Wirtschaft hätte sich gut erholt.

Ich glaube, die wenigsten, die heute über den Kanzler (also die Kanzlerin) berichten, verstehen, was sie da jeweils tun. Sie schreiben halt.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Selina » Di 17. Nov 2020, 13:16

Skeptiker hat geschrieben:(17 Nov 2020, 00:11)

Nicman, vielleicht machen wir mal ein Gedankenexperiment.

Stellen wir uns mal vor, es gäbe bei den jungen Leuten den Trend hin zu Religion. Stellen wir uns vor man würde begeistert erzkonservative Werte feiern. Die Studenten würden sich meist in Bruderschaften organisieren und von nationalem Stolz schwadronieren. Mit anderen Worten: Stellen wir uns vor, Deutschland wäre bei der Jungen Generation so rechts, wie sie aktuell links ist (zumindest auf den Bereich Politikwissenschaften und Journalistik bezogen).

Stellen wir uns ferner vor, all diese "patriotischen" jungen Leute drängen in die Redaktionen der Zeitungen und Medienhäuser, weil es ihnen ein Herzensanliegen ist, ihre Begeisterung zu teilen. All diese Redaktionen sind traditionell mit Leuten besetzt, die schon relativ konservativ sind, die aber einen hohen journalistischen Ethos hochhalten.

Was meinst du wie ein Linker sich in dieser Gesellschaft fühlen würde? Hey, die linken Blätter schreiben doch das was du lesen möchtest. Als Rechter kann man nur den Kopf darüber schütteln, warum sich Linke möglicherweise unwohl dabei fühlen könnten, wenn eine Generation junger Patrioten mit Sendungsbewusstsein und einer eher "pragmatischen" Vorstellung von journalistischem Ethos in den Job als Journalist drängen. Dem Linken wird doch das geschrieben was er lesen will, und da sind immernoch ein paar Originale die so denken wie die. Was wollen diese Linken denn überhaupt? Diesen jungen Patrioten die private Meinung vorgeben? Wie absurd - ist doch egal wer denen die Artikel schreibt, oder?


Nein, ist es eben nicht. Berichterstattung hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Dieses kann man bislang durchaus in die deutsche Presselandschaft haben. Wenn aber offensichtlich ist, dass ein problematischer Trend ggf. vollends aus dem Ruder läuft, dann sollte man das Thematisieren.

Der gesamte Teil der rechten neuen Medien speist sich fundamental aus dem Misstrauen, welches recht klar linksliberal positionierte Öffentlich Rechtliche erzeugen. Ich hätte es noch vor 10-15 Jahren nicht für möglich gehalten, dass Menschen in meinem Umfeld, die ich als politisch vollkommen unauffällig ansehen würde, mir klar zu verstehen geben, dass sie auf die Berichterstattung der ÖR nichts geben. Das wäre damals eine sehr exotische Meinung gewesen - heute ist sie nicht mehr exotisch.

Ich denke der Journalismus in Deutschland hat nicht nur eine durch die neuen Medien bedingte finanzielle Krise, er hat auch eine massive Vertrauenskrise. Und das ist absolut ungesund für eine Demokratie.


Diese Beschreibung mit den "jungen Patrioten" in den Fantasie-Redaktionen (hast du dir das selbst ausgedacht?) erinnert mich an den Fernsehfilm vor einiger Zeit, wo es darum ging, dass in Deutschland eine rechtsnationale Diktatur ausbrach und alle Demokraten nach Afrika fliehen mussten. Verkehrte Welt also. Da sah man Szenen, wie sich die letzten Journalisten aus einer Zeitungsredaktion verstecken mussten vor dem braunen Mob. Die anderen Redaktions-Kollegen waren bereits interniert worden oder geflüchtet. Es war eine üble nationalistische Zeit der Gleichschaltung und der grausamen Verfolgung Andersdenkender angebrochen. Die Nazizeit quasi ins Moderne übersetzt. Das war zwar alles nur science fiction. Aber mit einem Körnchen Wahrheit. Denn einige der neurechten Herrschaften haben die Pläne schon im Schrank, wie sie in Krisenzeiten nacheinander die Schlüsselpositionen der Gesellschaft besetzen wollen. Zu ihren ersten Zielen gehören die Verlage und Redaktionen. Gruselige Vorstellung. Aber leider nicht ganz aus der Luft gegriffen.
Zuletzt geändert von Selina am Di 17. Nov 2020, 15:16, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 13:29

Selina hat geschrieben:(17 Nov 2020, 13:16)

rechtsnationale Diktatur ... braunen Mob ... nationalistische Zeit der Gleichschaltung ... Die Nazizeit ... neurechten Herrschaften


:thumbup:

Alle Signalwörter wieder untergebracht, die übrigen rein grammatisch-funktionalen Kettenglieder kann man sich getrost schenken. :p
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Selina
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Selina » Di 17. Nov 2020, 14:05

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 13:29)

:thumbup:

Alle Signalwörter wieder untergebracht, die übrigen rein grammatisch-funktionalen Kettenglieder kann man sich getrost schenken. :p


Betroffenheits-Reaktion. Das war eine Beschreibung des Fernsehfilms "Aufbruch ins Ungewisse".

https://de.wikipedia.org/wiki/Aufbruch_ins_Ungewisse
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Quatschki » Di 17. Nov 2020, 14:21

Linke wissen doch schon von 1989 her, dass es ihnen an den Kragen geht, wenn die Konterrevolution siegt...
Und die Mutti blickte stumm.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon BlueMonday » Di 17. Nov 2020, 17:35

Als ob es nun darauf ankäme, in welcher Lackierung die Totalitären daherkommen. Die Rotlackierten haben bekanntlich ne Mauer um die Bevölkerung gebaut. Nix mit Flucht nach Afrika. Und klar, in Afrika hätte man die Horden Mitteleuropäer, die aus dem sozialistischen Paradies fliehen, mit offenen Armen empfangen... Auf so etwas muss man erst einmal kommen.

"Der Film wurde im Auftrag der ARD von Degeto Film, WDR und Hager Moss Film für Das Erste hergestellt." (Q: wikipedia) Also hübsch mit Zwangsgebührengeldern finanziert. Auch so ein Mechanismus, der mindestens zu "Einseitigkeiten" führt.
Aber wenn es gegen die Gefahr von "Neurechts" hilft, ist jedes Mittel recht. Neulich hab ich gelesen, dass der Sellner nicht mal irgendwo ein Konto öffnen kann. Da schlottern einem doch die Knie, was da an neuer Macht aufzieht.
Greif niemals in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann greife fest.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon franzmannzini » Di 17. Nov 2020, 17:42

Uniform besetzter Journalismus wird dann zum Problem, wenn die uniforme Besetzung der des Staates weitestgehend entspricht,
denn dann fällt die vierte Macht im Staat, der Macht des Staates zu und ist damit nicht mehr fähig zur Kritik.
Noch ist es nicht soweit, aber ein Trend ist erkennbar.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon tarkomed » Di 17. Nov 2020, 17:50

Tom Bombadil hat geschrieben:(17 Nov 2020, 12:12)

Sauberer Journalismus verzichtet auf das Ansprechen von Gefühlen beim Leser. Dass darauf aber nur selten verzichtet wird, kann man schon anhand der Bildauswahl feststellen: Trump mit verzerrtem Gesicht, das Flüchtlingskind mit Kulleraugen, verdorrte Fichten, Pallywood. All das dient einer Agenda, die es aber angeblich nicht geben soll.

Wenn du uns jetzt auch noch verrätst, wessen Agenda das sein soll, dann glaube ich es dir vielleicht.
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Tom Bombadil » Di 17. Nov 2020, 18:18

tarkomed hat geschrieben:(17 Nov 2020, 17:50)

Wenn du uns jetzt auch noch verrätst, wessen Agenda das sein soll...

Die der Regierung. Noch nie von "nudging" gehört? Storytelling ist da ein wichtiger Baustein.

... dann glaube ich es dir vielleicht.

Im Leben nicht :)
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon tarkomed » Di 17. Nov 2020, 18:23

Skeptiker hat geschrieben:(14 Nov 2020, 18:40)

Das Thema ist schon angeschnitten worden. Dennoch möchte ich einen Artikel von Jan Fleischhauer zum Anlass nehmen die Frage nochmal tiefer zu erörtern.

Zitat aus dem Artikel im Focus:

(fvm)
https://www.focus.de/politik/deutschlan ... 58785.html

Ich halte das für eine bedenkliche Entwicklung. Dabei geht es weniger darum, dass ich glauben würde, dass massenhaft Journalisten lügen oder Geschichten erfinden würden. Es ist eher meine Sorge, dass eine der Säulen der demokratischen Gesellschaft, in die Macht einer geschlossen und uniform denkenden Gesellschaft von Menschen fällt, die sich oft dazu noch eher als Aktivisten, denn als Journalisten fühlen.

Jeder Mensch hat eine Sichtweise auf die Gesellschaft und die Vorgänge in einer Gesellschaft. Dabei werden unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Dinge auffallen, die sie thematisieren würden. SIND aber die Menschen immer ähnlicher, dann nehmen sie auch immer ähnlicher wahr. Was aber nicht auf dem Radar ist, das kann nicht mehr Gegenstand von Berichterstattung sein. Das halte ich für hochgefährlich.

Dabei ist sicherlich jedem klar, wie dramatisch es wäre, wenn "ein Großkonzern alle Medienhäuser aufkauft und nur noch seine Sichtweise verkauft". Das leuchtet jedem SOFORT ein - ist auch sehr kompatibel mit "linksgrünen" Denkschemata. Wird aber ein Berufsstand von Journalisten durch eine hochgradige politische Selektion mental monopolisiert, dann scheint das schleichend und ohne großes Aufsehen zu passieren.

Was folgt aus dieser Entwicklung? Sind wir auf dem Weg in eine berichterstatterische Spaltung? Einer professionellen aber ideologisch unterwanderten, und einer unprofessionellen, und dadurch wahrscheinlich von der gegenseitigen Ideologie unterwanderten? Wo bleibt da der Wunsch nach vielschichtiger Berichterstattung abgedeckt?
Ist das vielleicht sogar eine gute Entwicklung, weil Journalismus sich sozusagen an die "Erfordernisse anpasst", wie man es linksseitig vielleicht sehen mag? Sind Journalisten also vielleicht "weiter", oder "auf dem falschen Weg"? Bekanntlich ändert sich das Urteil darüber mit der Zielvorstellung.

Es wird ja immer lustiger. Jan Fleischhauer arbeitet selbst bei einem Boulevardblatt, - endlich kann ich nur sagen, denn dorthin passt er am besten – das wohlgemerkt als Gegenstück zum Spiegel gegründet wurde, also ist dieses Blatt eher rechts positioniert. Er selbst sagt, dass Verlagshäuser Wirtschaftsunternehmungen sind, aber gleichzeitig behauptet er, dass 90% der Nachwuchs-Journalisten linksgrün sind. Sind sie denn Blind diese Verlagshäuser, bei der Auswahl ihrer Nachwuchs-Journalisten? Das wäre doch geschäftsschädigend.
Bei Überfliegen seiner Kolumne dachte ich zuerst, er hätte eine seiner Kolumnen aus den 70ern ausgegraben, aber dazu ist er zu jung. Was jedoch kein Grund wäre, nicht zu wissen, dass es in den 70ern unter den Studenten in war, links zu sein. Wenn ich mir allerdings die heutigen Studenten anschaue – und ich spreche aus persönliche Erfahrung, denn ich habe drei Kinder – es wäre schon ein Erfolg, wenn sie wenigsten einigermaßen politisch wären.
Die Nachwuchs-Journalisten kommen aus allen Schichten der Gesellschaft und ich möchte den Verlag sehen, der aus ihnen die 90% Linksgrünen herausfischen kann, mal ganz davon abgesehen, dass der Verlag kein Interesse daran hätte, denn das Blatt braucht auch Lesser und diese müssten auch zu 90% linksgrün sein.
Jan Fleischhauer gibt mit seiner Behauptung nur zu, dass er selbst zu den übrigen 10% gehört und wie es der Zufall will, diese 10% stimmen mit den aktuellen Umfragewerten der AfD überein.
Aus ihm spricht nur der Frust, weil er aus dem Spiegel hinausgeflogen ist, weil er untragbar geworden ist. Ich habe es genossen. :D
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 18:27

tarkomed hat geschrieben:(17 Nov 2020, 18:23)

Aus ihm spricht nur der Frust, weil er aus dem Spiegel hinausgeflogen ist, weil er untragbar geworden ist. Ich habe es genossen. :D


Im Ernst? Der ist rausgeflogen? Wofür um alles in der Welt?
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon tarkomed » Di 17. Nov 2020, 19:01

Skeptiker hat geschrieben:(17 Nov 2020, 00:11)

Der gesamte Teil der rechten neuen Medien speist sich fundamental aus dem Misstrauen, welches recht klar linksliberal positionierte Öffentlich Rechtliche erzeugen. Ich hätte es noch vor 10-15 Jahren nicht für möglich gehalten, dass Menschen in meinem Umfeld, die ich als politisch vollkommen unauffällig ansehen würde, mir klar zu verstehen geben, dass sie auf die Berichterstattung der ÖR nichts geben. Das wäre damals eine sehr exotische Meinung gewesen - heute ist sie nicht mehr exotisch.

Diese Menschen aus deinem Umfeld – ältere Jahrgänge nehme ich an - hatten vor 10-15 Jahren nur die Auswahl zwischen den Öffentlich Rechtlichen und den Privaten. Für das Internet waren sie noch nicht reif. Sie sind also nicht zu den rechten neuen Medien geflohen, sondern sie haben sie erst dann im Netz entdeckt. Rechts angehaucht waren sie zwar vorher, aber dann haben sie gesehen, dass man sich auch öffentlich als rechts bekennen darf, weil es so viele andere im Netz auch tun. Die Berichterstattung der ÖR hat ihnen schon damals nichts gegeben, aber sie kannten noch nicht die Alternative.
Und unter uns: die ÖR sind nicht linksgrün, wie du und Fleischhauer behauptet, sie sind ganz einfach nicht rechts, weil dieses Feld von anderen Medien abgedeckt wird. Sie können es sich auch nicht leisten, sich politisch in einer bestimmten Richtung zu positionieren, weil sie in Konkurrenz zu den Privaten stehen und möglichst keine Zuschauer vergraulen wollen.

Skeptiker hat geschrieben:(17 Nov 2020, 00:11)
Ich denke der Journalismus in Deutschland hat nicht nur eine durch die neuen Medien bedingte finanzielle Krise, er hat auch eine massive Vertrauenskrise. Und das ist absolut ungesund für eine Demokratie.

Mir fallen eine ganze Menge anderer Aspekte ein, die ungesund für die Demokratie sind und sie stimmen nicht mit deinen überein...
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
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Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon tarkomed » Di 17. Nov 2020, 19:08

Tom Bombadil hat geschrieben:(17 Nov 2020, 18:18)

Die der Regierung. Noch nie von "nudging" gehört? Storytelling ist da ein wichtiger Baustein.

Der Österreichischen wahrscheinlich, aber ihr hattet ja auch bis vor kurzem eine seltsame Regierung…
Tom Bombadil hat geschrieben:(17 Nov 2020, 18:18)
Im Leben nicht :)

Ich dachte, wir machen keine Witze mehr miteinander.
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
Wenn sie es trotzdem tun, dann bist du es...

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