Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Moderator: Moderatoren Forum 5

Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Mo 16. Nov 2020, 23:11

NicMan hat geschrieben:(16 Nov 2020, 22:50)
Ich verstehe dich also richtig: Nach deiner Aufassung rekrutieren sich große Teile der journalistischen Zunft aus Menschen, die tendenziell „grünlinke“ Ansichten vertreten. Gleichzeitig gibts Du jedoch zu, dass diese persönlichen Ansichten offenbar nichts an der Ausrichtung von Blättern wie der „Welt“ ändern.

Dann stellt sich die Frage, weshalb die Ansichten der Journalisten überhaupt ein Problem sein sollten, wenn ihre persönlichen Ansichten ihr Geschreibsel doch kaum beeinflussen. Das ist doch im wesentlichen das was zählt: Das, was hinten rauskommt. Du aber wärst offenbar glücklicher, wenn die konservativen Artikel der Welt genauso erscheinen würden wie jetzt, aber eben von Autoren mit anderem „Mindset“ verfasst.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde das sehr absurd.

Wenn man die Welt statisch versteht, dann ist das möglicherweise absurd. Allerdings verändert sich die Welt mit den Menschen, und es ist nunmal eine Tatsache, dass sich durch eine immer klar politisch positioniertere Journalistenschaft, auch die Berichterstattung tendenziöser geben wird.

Heute wird das vor allem in großen und auch mit vielen liberal/konservativ ausgestatteten Redakteuren noch kompensiert. Aber die Aussagen und auch der erkennbare Trend sind eindeutig.

Was ich wirklich schwer verständlich finde ist, dass es offenbar für bekennende Linke oft schon heute eine nicht leistbare geistige Transferleistung darstellt, dass AUCH liberal/konservative Menschen eine Berichterstattung von Menschen wünschen, die ihrer eigenen politischen Weltanschauung nahe kommt. Für keinen Linken dürfte es ein behaglicher Gedanke sein, dass die TAZ mehrheitlich von katholischen Landfrauen der CDU besetzt wäre - vollkommen egal was die schreiben würden. Umgekehrt aber scheint es für dich eine Absurdität zu sein.

Für mich zeigt das einmal mehr, dass "Links" sich garnicht mehr als eine von vielen politischen Positionen auffasst, sondern mental bereits auf sakraler Ebene angekommen ist. Wie sonst lässt sich eine Haltung erklären, den Kopf über Forderungen zu schütteln, die man in selber Situation selber energisch vertreten würde (und dessen bin ich überzeugt).
Elmar Brok
Beiträge: 1175
Registriert: Fr 7. Feb 2020, 15:54

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Elmar Brok » Mo 16. Nov 2020, 23:12

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2020, 22:14)

Du scheinst überrascht zu sein, dass die Journalisten ihren Job machen, und ggf. nicht in erster Linie ihre Meinung verbreiten. Ich weiss, in deiner Generation wäre das ein absonderliches Verhalten. Darauf weist ja auch der letzte von mir von Fleischhauer zitierte Artikel hin.

Der Artikel von Fleischhauer ist ja scheinbar Grundlage für diesen Thread. Fleischhauer schreibt diesen Artikel sicherlich nicht ohne Grund. Er verfolgt ein Ziel und ist mindestens standortgebunden. Hast du Artikel oder Aufsätze von Journalisten, die politisch anders eingestellt sind, und dieses Thema behandeln? Evtl. habe ich diese übersehen? Etwas Diversität dürfte kaum schaden.
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 15819
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Selina » Mo 16. Nov 2020, 23:21

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:11)

Wenn man die Welt statisch versteht, dann ist das möglicherweise absurd. Allerdings verändert sich die Welt mit den Menschen, und es ist nunmal eine Tatsache, dass sich durch eine immer klar politisch positioniertere Journalistenschaft, auch die Berichterstattung tendenziöser geben wird.

Heute wird das vor allem in großen und auch mit vielen liberal/konservativ ausgestatteten Redakteuren noch kompensiert. Aber die Aussagen und auch der erkennbare Trend sind eindeutig.

Was ich wirklich schwer verständlich finde ist, dass es offenbar für bekennende Linke oft schon heute eine nicht leistbare geistige Transferleistung darstellt, dass AUCH liberal/konservative Menschen eine Berichterstattung von Menschen wünschen, die ihrer eigenen politischen Weltanschauung nahe kommt. Für keinen Linken dürfte es ein behaglicher Gedanke sein, dass die TAZ mehrheitlich von katholischen Landfrauen der CDU besetzt wäre - vollkommen egal was die schreiben würden. Umgekehrt aber scheint es für dich eine Absurdität zu sein.

Für mich zeigt das einmal mehr, dass "Links" sich garnicht mehr als eine von vielen politischen Positionen auffasst, sondern mental bereits auf sakraler Ebene angekommen ist. Wie sonst lässt sich eine Haltung erklären, den Kopf über Forderungen zu schütteln, die man in selber Situation selber energisch vertreten würde (und dessen bin ich überzeugt).


Skeptiker, zu solchen Schlüssen kannst du nur kommen, wenn du den Journalismus dieses Landes wirklich gut kennst. Du müsstest also gründlich recherchieren, dich querbeet durch alle wichtigen Zeitungen mit verschiedenem politischen Profil arbeiten, sämtliche politische Talkrunden ansehen, und das über einen längeren Zeitraum, alle politischen Dokus von ARD bis Arte und und und. Außerdem müsstest du genauen Einblick nehmen in den Inhalt journalistischer Ausbildung bis hin zur Volontärs-Arbeit in sämtlichen Medien. Das wäre eine monatelange, wenn nicht jahrelange tiefgründige Arbeit, die ein Einzelner, noch dazu als Zufalls-Rezipient und Laie, nur schwer leisten kann. Also: Bitte den Ball flach halten und nur darüber reden, was du auch wirklich genau kennst und einschätzen kannst. Oder aber sparsamer mit den Schlussfolgerungen umgehen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Mo 16. Nov 2020, 23:27

Elmar Brok hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:12)
Der Artikel von Fleischhauer ist ja scheinbar Grundlage für diesen Thread. Fleischhauer schreibt diesen Artikel sicherlich nicht ohne Grund. Er verfolgt ein Ziel und ist mindestens standortgebunden. Hast du Artikel oder Aufsätze von Journalisten, die politisch anders eingestellt sind, und dieses Thema behandeln? Evtl. habe ich diese übersehen? Etwas Diversität dürfte kaum schaden.

Dann bringe die doch gerne ein. Ich habe die nicht. Alles was ich finden kann ist, dass es eine bekannte Tatsache ist, dass Journalisten als Berufsstand deutlich links verschoben sind, im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung. Sogar die Entgegenhaltung von Vongole, gibt das als bekannte Tatsache aus.

Du hast andere Erkenntnisse? Dann her damit. Ich freue mich natürlich über jede Information, welche das Thema bereichert.
Benutzeravatar
NicMan
Moderator
Beiträge: 1980
Registriert: Fr 23. Sep 2016, 12:27
Benutzertitel: Statistiker und Epistemologe

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon NicMan » Mo 16. Nov 2020, 23:29

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:11)

Wenn man die Welt statisch versteht, dann ist das möglicherweise absurd. Allerdings verändert sich die Welt mit den Menschen, und es ist nunmal eine Tatsache, dass sich durch eine immer klar politisch positioniertere Journalistenschaft, auch die Berichterstattung tendenziöser geben wird.

Heute wird das vor allem in großen und auch mit vielen liberal/konservativ ausgestatteten Redakteuren noch kompensiert. Aber die Aussagen und auch der erkennbare Trend sind eindeutig.

Was ich wirklich schwer verständlich finde ist, dass es offenbar für bekennende Linke oft schon heute eine nicht leistbare geistige Transferleistung darstellt, dass AUCH liberal/konservative Menschen eine Berichterstattung von Menschen wünschen, die ihrer eigenen politischen Weltanschauung nahe kommt. Für keinen Linken dürfte es ein behaglicher Gedanke sein, dass die TAZ mehrheitlich von katholischen Landfrauen der CDU besetzt wäre - vollkommen egal was die schreiben würden. Umgekehrt aber scheint es für dich eine Absurdität zu sein.

Für mich zeigt das einmal mehr, dass "Links" sich garnicht mehr als eine von vielen politischen Positionen auffasst, sondern mental bereits auf sakraler Ebene angekommen ist. Wie sonst lässt sich eine Haltung erklären, den Kopf über Forderungen zu schütteln, die man in selber Situation selber energisch vertreten würde (und dessen bin ich überzeugt).


Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Eben ging es doch um die Ansichten der Journalisten. Jetzt geht es auf einmal darum, eine entsprechende Berichterstattung zu erhalten, welche möglichst die eigenen konservativen Ansichten bestätigen soll, obwohl wir doch grade festgestellt hatten, dass es solcherlei Berichterstattung doch gibt (Welt, Focus).

Nachdem ich deinen Beitrag zweimal gelesen habe, schlussfolgere ich:
Du möchtest also konservative Berichterstattung (die gibt es schon), gleichzeitig verfasst von konservativen Autoren (die gibt es auch, siehe Don Alphonso und andere). Also wenn morgen AfDler positive Artikel über diverse und Alternative Lebensformen schreiben würden, dann fände ich das großartig. Wahrscheinlich wären sie dann allerdings nicht bei der AFD. Ich persönlich brauche das nicht, dass eine Linke Zeitung aus linken Autoren besteht. Aber gut, andere brauchen das offenbar, aktzeptiert.

Angesichts vieler Konservativer Meinungsäußerungen in einschlägigen Blättern mag ich nicht so recht glauben, dass das alle nur grünlinke Menschen sind, die für ihre Leserschaft gut Miene zum bösen Spiel machen.
"In God we trust, all others bring data." –William Edwards Deming (1900-1993)
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Mo 16. Nov 2020, 23:33

Selina hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:21)
Skeptiker, zu solchen Schlüssen kannst du nur kommen, wenn du den Journalismus dieses Landes wirklich gut kennst. Du müsstest also gründlich recherchieren, dich querbeet durch alle wichtigen Zeitungen mit verschiedenem politischen Profil arbeiten, sämtliche politische Talkrunden ansehen, und das über einen längeren Zeitraum, alle politischen Dokus von ARD bis Arte und und und. Außerdem müsstest du genauen Einblick nehmen in den Inhalt journalistischer Ausbildung bis hin zur Volontärs-Arbeit in sämtlichen Medien. Das wäre eine monatelange, wenn nicht jahrelange tiefgründige Arbeit, die ein Einzelner, noch dazu als Zufalls-Rezipient und Laie, nur schwer leisten kann. Also: Bitte den Ball flach halten und nur darüber reden, was du auch wirklich genau kennst und einschätzen kannst. Oder aber sparsamer mit den Schlussfolgerungen umgehen.

Liebe Selina, ich habe die Quellen für meine Behauptungen zitiert und mir sind keine gegenteiligen Fakten genannt worden (sogar die kritisch gemeinten unterstützten die Aussage der massiven Dominanz links stehender Journalisten). Dann erlaube ich mir auch Schlüsse zu ziehen.
Elmar Brok
Beiträge: 1175
Registriert: Fr 7. Feb 2020, 15:54

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Elmar Brok » Mo 16. Nov 2020, 23:45

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:27)

Dann bringe die doch gerne ein. Ich habe die nicht. Alles was ich finden kann ist, dass es eine bekannte Tatsache ist, dass Journalisten als Berufsstand deutlich links verschoben sind, im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung. Sogar die Entgegenhaltung von Vongole, gibt das als bekannte Tatsache aus.

Du hast andere Erkenntnisse? Dann her damit. Ich freue mich natürlich über jede Information, welche das Thema bereichert.

Ich habe mich doch hier schon zahlreich eingebracht.
Mich wundert nur, dass dir die Diversität so wichtig ist, du selber aber keine Diversität an Autoren zu Rate ziehst.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Di 17. Nov 2020, 00:11

NicMan hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:29)
Jetzt verstehe ich gar nichts mehr. Eben ging es doch um die Ansichten der Journalisten. Jetzt geht es auf einmal darum, eine entsprechende Berichterstattung zu erhalten, welche möglichst die eigenen konservativen Ansichten bestätigen soll, obwohl wir doch grade festgestellt hatten, dass es solcherlei Berichterstattung doch gibt (Welt, Focus).

Nachdem ich deinen Beitrag zweimal gelesen habe, schlussfolgere ich:
Du möchtest also konservative Berichterstattung (die gibt es schon), gleichzeitig verfasst von konservativen Autoren (die gibt es auch, siehe Don Alphonso und andere). Also wenn morgen AfDler positive Artikel über diverse und Alternative Lebensformen schreiben würden, dann fände ich das großartig. Wahrscheinlich wären sie dann allerdings nicht bei der AFD. Ich persönlich brauche das nicht, dass eine Linke Zeitung aus linken Autoren besteht. Aber gut, andere brauchen das offenbar, aktzeptiert.

Angesichts vieler Konservativer Meinungsäußerungen in einschlägigen Blättern mag ich nicht so recht glauben, dass das alle nur grünlinke Menschen sind, die für ihre Leserschaft gut Miene zum bösen Spiel machen.

Nicman, vielleicht machen wir mal ein Gedankenexperiment.

Stellen wir uns mal vor, es gäbe bei den jungen Leuten den Trend hin zu Religion. Stellen wir uns vor man würde begeistert erzkonservative Werte feiern. Die Studenten würden sich meist in Bruderschaften organisieren und von nationalem Stolz schwadronieren. Mit anderen Worten: Stellen wir uns vor, Deutschland wäre bei der Jungen Generation so rechts, wie sie aktuell links ist (zumindest auf den Bereich Politikwissenschaften und Journalistik bezogen).

Stellen wir uns ferner vor, all diese "patriotischen" jungen Leute drängen in die Redaktionen der Zeitungen und Medienhäuser, weil es ihnen ein Herzensanliegen ist, ihre Begeisterung zu teilen. All diese Redaktionen sind traditionell mit Leuten besetzt, die schon relativ konservativ sind, die aber einen hohen journalistischen Ethos hochhalten.

Was meinst du wie ein Linker sich in dieser Gesellschaft fühlen würde? Hey, die linken Blätter schreiben doch das was du lesen möchtest. Als Rechter kann man nur den Kopf darüber schütteln, warum sich Linke möglicherweise unwohl dabei fühlen könnten, wenn eine Generation junger Patrioten mit Sendungsbewusstsein und einer eher "pragmatischen" Vorstellung von journalistischem Ethos in den Job als Journalist drängen. Dem Linken wird doch das geschrieben was er lesen will, und da sind immernoch ein paar Originale die so denken wie die. Was wollen diese Linken denn überhaupt? Diesen jungen Patrioten die private Meinung vorgeben? Wie absurd - ist doch egal wer denen die Artikel schreibt, oder?


Nein, ist es eben nicht. Berichterstattung hat auch etwas mit Vertrauen zu tun. Dieses kann man bislang durchaus in die deutsche Presselandschaft haben. Wenn aber offensichtlich ist, dass ein problematischer Trend ggf. vollends aus dem Ruder läuft, dann sollte man das Thematisieren.

Der gesamte Teil der rechten neuen Medien speist sich fundamental aus dem Misstrauen, welches recht klar linksliberal positionierte Öffentlich Rechtliche erzeugen. Ich hätte es noch vor 10-15 Jahren nicht für möglich gehalten, dass Menschen in meinem Umfeld, die ich als politisch vollkommen unauffällig ansehen würde, mir klar zu verstehen geben, dass sie auf die Berichterstattung der ÖR nichts geben. Das wäre damals eine sehr exotische Meinung gewesen - heute ist sie nicht mehr exotisch.

Ich denke der Journalismus in Deutschland hat nicht nur eine durch die neuen Medien bedingte finanzielle Krise, er hat auch eine massive Vertrauenskrise. Und das ist absolut ungesund für eine Demokratie.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Di 17. Nov 2020, 00:16

Elmar Brok hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:45)
Ich habe mich doch hier schon zahlreich eingebracht.
Mich wundert nur, dass dir die Diversität so wichtig ist, du selber aber keine Diversität an Autoren zu Rate ziehst.

Ich gehe doch auf die Entgegenhaltungen ein. Aber ich finde eben nirgendwo Informationen, die eine andere Aussage liefern als die, dass Journalisten in Deutschland stark dominant linksgrün eingestellt sind (im Vergleich zur Restbevölkerung).

So lange ich dazu nichts anderes finde, besteht ja die theoretische Möglichkeit, dass es vielleicht sogar genau so ist. Hast du das schonmal in Erwägung gezogen?

Wenn du also andere Hinweise hast, dann gerne her damit. Mehr kann ich nicht tun. Ich jedenfalls schließe keinerlei Hinweise aus seriöser Quelle aus.
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 10306
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Vongole » Di 17. Nov 2020, 00:19

Skeptiker hat geschrieben:(16 Nov 2020, 23:27)

Dann bringe die doch gerne ein. Ich habe die nicht. Alles was ich finden kann ist, dass es eine bekannte Tatsache ist, dass Journalisten als Berufsstand deutlich links verschoben sind, im Vergleich zur sonstigen Bevölkerung. Sogar die Entgegenhaltung von Vongole, gibt das als bekannte Tatsache aus.
(..)

Nein, ich habe dir lediglich entgegen gehalten, dass es eine Bandbreite von dezidiert linkem Journalismus (TAZ) bis konservativem (FAZ, Welt u.a.) gibt, und damit Diversität in der seriösen Presse vorhanden ist.
Sollten tatsächlich Journalisten/Redakteure der Welt eher die Grünen als die CDU wählen, sagt das eigentlich nur aus, dass sich grüne und konservative Einstellungen durchaus unter einen Hut bringen lassen, ohne dass sich der
konservative Blickwinkel in der Zeitung selbst ändert.
Benutzeravatar
Skeptiker
Beiträge: 7958
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Skeptiker » Di 17. Nov 2020, 00:34

Vongole hat geschrieben:(17 Nov 2020, 00:19)
Nein, ich habe dir lediglich entgegen gehalten, dass es eine Bandbreite von dezidiert linkem Journalismus (TAZ) bis konservativem (FAZ, Welt u.a.) gibt, und damit Diversität in der seriösen Presse vorhanden ist.
Sollten tatsächlich Journalisten/Redakteure der Welt eher die Grünen als die CDU wählen, sagt das eigentlich nur aus, dass sich grüne und konservative Einstellungen durchaus unter einen Hut bringen lassen, ohne dass sich der
konservative Blickwinkel in der Zeitung selbst ändert.

Ich beziehe mich auf dieses Zitat in deinem Beitrag:
Für Gregor Daschmann von der Uni Mainz, der die politische Einstellung von Journalisten jahrelang untersucht hat, sind diese Ergebnisse allerdings: "Ein alter Hut. Dass die politische Orientierung der Journalisten in Deutschland nicht der politischen Orientierung der Gesamtbevölkerung entspricht - das kennen wir schon seit vierzig Jahren." Dieser Befund gelte für Journalistinnen und Journalisten allgemein, sei aber kein Alleinstellungsmerkmal der Öffentlich-Rechtlichen. Wenig überraschend sind die Zahlen zudem, wenn man bedenkt, dass die Grünen unter jungen, akademisch gebildeten Menschen regelmäßig überdurchschnittlich gut abschneiden. Denn unter den befragten Nachwuchsjournalisten haben 95 Prozent studiert - mehr als fünfmal so viele wie in der Gesamtbevölkerung.
(..)
Der Kommunikationswissenschaftler Daschmann kritisiert die Diskussion um die vermeintliche Einseitigkeit der Nachwuchskräfte. Diese basiere auf der Annahme, "dass ein Journalist mit einer bestimmten politischen Orientierung automatisch nicht objektiv sein kann.
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ ... hs200.html

viewtopic.php?p=4873785#p4873785

Das bestätigt klar die Vermutung, dass es Journalisten eben deutlich zu links grün tendieren - allerdings relativiert man dessen Bedeutung.

Was allerdings als "Alter Hut" bezeichnet wird, ist bei manchen hier ja noch nicht einmal als Realität angekommen. Auch hier musste ich schon die bekannte Studie zur Parteienpräferenz herausholen, sonst würde es nicht geglaubt. Verwunderlich eigentlich bei der Offensichtlichkeit, wenn man mit einigermaßen offenen Augen durchs Leben geht. Ist wohl so ein "Frosch im Topf" Effekt ...
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 10306
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Vongole » Di 17. Nov 2020, 00:52

Skeptiker hat geschrieben:(17 Nov 2020, 00:34)

Ich beziehe mich auf dieses Zitat in deinem Beitrag:

viewtopic.php?p=4873785#p4873785

Das bestätigt klar die Vermutung, dass es Journalisten eben deutlich zu links grün tendieren - allerdings relativiert man dessen Bedeutung.

Was allerdings als "Alter Hut" bezeichnet wird, ist bei manchen hier ja noch nicht einmal als Realität angekommen. Auch hier musste ich schon die bekannte Studie zur Parteienpräferenz herausholen, sonst würde es nicht geglaubt. Verwunderlich eigentlich bei der Offensichtlichkeit, wenn man mit einigermaßen offenen Augen durchs Leben geht. Ist wohl so ein "Frosch im Topf" Effekt ...

Wenn Journalisten zu grün, oder meinetwegen auch linksgrün tendieren, die journalistische Qualität aber auch in konservativen Medien nicht darunter leidet, dann frage ich nochmals, was du eigentlich willst.
Im Zitat wird bestätigt, dass sich Journalisten durch ihre akademische Ausbildung vom Durchschittswähler abheben, na und?
Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was in der Welt, der SZ, der Zeit oder im Merkur steht, fühle mich aber weder bevormundet noch beeinflusst. Schließlich kann kein noch so gut geschriebener Artikel
das eigene Denken ersetzen, höchstens zum Nachdenken anregen, wenn zu einem gleichen Thema jeweils aus liberal-progressiver oder konservativer Haltung berichtet oder kommentiert wird.
Das Schlimmste wäre ein durchgegarter Einheitsbrei von Medien, die alle gleich "ticken", und genau das tun sie eben nicht.

Genau deswegen ist auch ein Herr Fleischhauer für mich nicht das Maß aller Dinge, das war er schon damals nicht, als ich seine Beiträge im Spiegel noch mit einem gewissen Vergnügen las.
Hat in meinen Augen sehr nachgelassen, seit er beim Focus schreibt.
Toblerone
Beiträge: 356
Registriert: Mo 2. Nov 2020, 11:45

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Toblerone » Di 17. Nov 2020, 01:00

Nun wird es finster für die Studie, bzw. deren Umdeutungen ;)

Die Daten stammen aus einer Studie der Freien Universität Berlin (2010) unter Leitung der Kommunikationswissenschaftlerin Margreth Lünenborg. Gemeinsam mit ähnlichen Untersuchungen aus den Jahren 2005 und 2017 dient die Erhebung zahlreichen rechtskonservativen Zeitungen wie »Compact« oder »Tichys Einblick« als Beleg, um ihre Kritik an der deutschen Presselandschaft zu untermauern. Doch auch Redakteure von »Spiegel« oder »NZZ« behaupten mit Blick auf diese Daten: Die deutschen Medien sind linksgrün.


Scheint so, daß manche glauben Tichys Einblick und Compact seien ausgewogen. :D

Die Zahlen scheinen eindeutig. Das Problem: Weder die zitierte Studie noch andere ähnliche Untersuchungen belegen die Behauptungen. Im Gegenteil, die Autoren dieser Studien weisen auf Nachfrage von Katapult darauf hin, dass ihre Ergebnisse häufig falsch interpretiert und bewusst verzerrend dargestellt würden. Belege für eine von Linken dominierte Presse sehen sie in ihren Studien nicht. Vielmehr müsse man die redaktionelle Linie des jeweiligen Mediums in den Blick nehmen und mit Hilfe von Inhaltsanalysen bewerten, welche politische Orientierung tatsächlich überwiege.


Falsch zitiert und verdreht gehört zur Propaganda ;)

Studien werden falsch zitiert

Häufig unterschlagen Redakteure die wichtigste Zahl: Die größte Gruppe der befragten Journalisten gibt an, sich keiner Partei verbunden zu fühlen. Im Fall der 743 von Lünenborg und Simon Berghofer befragten Politikjournalisten waren das 36,1 Prozent. Die Parteineigung von Journalisten lässt sich daher auch nicht problemlos mit der der Bevölkerung vergleichen, denn die Gruppe, die keine Präferenz nennt, ist auch nicht der Gruppe der Nichtwähler zuzuordnen.

Dennoch ist die Beobachtung richtig, dass sich die Mehrheit der Journalisten zumindest nicht rechts der Mitte verortet. Daraus abzuleiten, die deutsche Presse sei links und repräsentiere nicht die Bevölkerung, ist jedoch verkehrt.


https://mobile.katapult-magazin.de/inde ... &artID=868

Natürlich haben wir eine ausgewogene Presselandschaft :thumbup: Außer man duldet einfach keine andere Presse als die Eigene. Aber dieses Problem liegt dann nicht an der Presse.
Benutzeravatar
Stoner
Beiträge: 3414
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 11:21
Benutzertitel: Transzendental-Satiriker

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 09:35

Toblerone hat geschrieben:(17 Nov 2020, 01:00)

Natürlich haben wir eine ausgewogene Presselandschaft :thumbup:


Ja, was dem einen die Junge Welt ist, ist dem anderen die Junge Freiheit.

Wie ging das noch einmal: Wenn man die linke Hand auf die heiße Herdplatte legt und die rechte auf die kalte, herrscht (wo auch immer) eine ausgewogene Temperatur.

Wie der schwarze Pirat im Asterix sagt: O tempo'a, o mo'es!
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit. (Mark Twain)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 16152
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 16:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 17. Nov 2020, 10:09

DarkLightbringer hat geschrieben:(16 Nov 2020, 19:16)

Die DDR beanspruchte eine wissenschaftlich objektive Unumstößlichkeit, nicht? Mit letzten Wahrheiten wäre ich dann doch etwas vorsichtig.


"Wissenschaftlicher Kommunismus". Es handelte sich nicht nur einfach um einen exotischen Studiengang. Ein Semester Erst "Marxismus/Leninismus", dann "Politische Ökonomie" und dann "Wissenschaftlicher Kommunismus" - nur mal als kleiner Exkurs - waren in der DDR Pflichtvorlesungen und -Seminare für sämtliche Studienfächer. M/L, PolÖk und WehKah. Egal ob für Veterinärmediziner oder Theoretische Physiker. Wirklich interessant war nur M/L. Es hing natürlich auch vom Dozenten ab.
Das Problem ist auch weniger ein Algorithmus, die Echokammer oder die Deutung als vielmehr die Konzentration.
Anfang der 30-er Jahre dürfte auch weniger der "Völkische Beobachter" so entscheidend gewesen sein als vielmehr der Hugenberg-Konzern. Aber gut, das mögen Details sein.

Aus meiner Sicht spricht überhaupt nichts gegen den Pluralismus von taz und NZZ, Spiegel und FAZ oder SZ und WELT.
Im Gegenteil, der Schlagabtausch zur Causa Bohnert war ja überaus interessant, Panorama versus WELT-Blogger. Nur, der ÖR wird mehr oder weniger mit dem Staat gleichgesetzt und die dominante Stellung im Rundfunkwesen tut ihr übriges.
Pluralismus per se ist nicht das Problem, es ist die Argumentationsscheu.


Argumentieren tut man schon. Jüngst in einer TV-Diskussion der Unions-Fraktionsvorsitzende Brinkhaus. Es ging um Klima und Nachhaltigkeit. Er verteidigte die "Nackensteakesser" als wichtiges Rückgrat der Nation. Wendete sich gegen eine Vorverurteilung der Nackensteakesser und Verbrennungsmotorfahrer. Das wirklich problematische, was da in Presse und Medien stattfindet ist eine Kulturalisierung. Und eigentlich auch eine Art Infantilisierung. Die Nation als eine Art Schülergruppe auf Klassenfahrt. Die einen benehmen sich, die anderen benehmen sich nicht und dann gibts noch die, die sich über das Benehmen der anderen mokieren. Zu unrecht vielleicht. So dass man auch mal die "Nackensteakesser" verteidigen muss. Ich zum Beispiel esse ab und an gern mal ein Berliner Eisbein oder Rippchen und bin überhaupt für allen möglichen Schweinskram zu haben. Und? Geht das irgendjemanden etwas an? Politiker vielleicht noch? Ist man denn inzwischen von allen liberalen Geistern verlassen? In Wirklichkeit sitzen Politikern an Stellschrauben. Anders als "Kultur" ist das nun allerdings öde, schwierig, kompliziert, langweilig und medial uninteressant. Nicht der "Gesinnungsjournalismus" ist das Problem sondern dass im Rahmen dieser allgemeinen KUlturalisierung ein Begriff wie "Gesinnungsjournalismus" einen solchen Stellenwert erhält. Nicht die Verurteilung oder Verteidigung der Nackensteakesser ist das Problem sondern die Tatsache, dass ein Land wie Rumänien eigentlich der Garten Europas sein könnte. Dass aber die flächenmäßig kleinen Niederlande der zweitgrößte Agrarexporteur der Welt sind. Woran liegt das? Weil die Niederländer irgendwie so und so drauf sind? Nein. Dass in der zum Himmel nach Ammoniakausdünstungen stinkenden Schweineprovinz Nordbrabant die Schweine praktisch übereinandergestapelt gehalten werden, liegt vermutlich an den Entscheidungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU. Und dass in Rumänien Ackerland von Deutschen Rentenfonds gegrabbt werden kann, hat vermutlich auch etwas mit der Niedrigzinspolitik der EZB zu tun.

In den Medien und von seiten der Politiker wird weiter kulturalisiert. Das macht Spaß, das begeistert. Irgendeine Art von öffentlichem Liken und Disliken wird bestimmt früher oder später auch in D eingeführt. Es läuft auf das Gesellschaftsmodell "china" hinaus. Sozialkreditsystem mit Handyapp. Soziale Distinktion über das Posten meines Frühstückstischbilds in Instagram. "Leitkultur" ist oder war im Grunde genommen bereits ein Vorstoß in dieses Sozialkreditsystem der China-Gesellschaft.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Beiträge: 20967
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 16:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Di 17. Nov 2020, 10:12

NicMan hat geschrieben:(16 Nov 2020, 18:24)

Laut Threadersteller müssten wir uns nun fragen, wie wir mehr Linke dazu bekommen, WiWi zu studieren.


und mehr Konservative dazu Journalismus zu studieren ;)

Ich sehe, du hast das Wesentliche verstanden.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Toblerone
Beiträge: 356
Registriert: Mo 2. Nov 2020, 11:45

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Toblerone » Di 17. Nov 2020, 11:06

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 09:35)

Ja, was dem einen die Junge Welt ist, ist dem anderen die Junge Freiheit.

Wie ging das noch einmal: Wenn man die linke Hand auf die heiße Herdplatte legt und die rechte auf die kalte, herrscht (wo auch immer) eine ausgewogene Temperatur.

Wie der schwarze Pirat im Asterix sagt: O tempo'a, o mo'es!

Stimmt. In Zeitungsläden liegen ja nur noch die Junge Freiheit und die Junge Welt. :rolleyes:

Also liegt es wohl eher daran, das die Leser dieser einseitigen Broschüren, die mit Abstand größte mittig angesiedelte Medienlandschaft gar nicht mehr lesen und deshalb nur noch schwarz-weiß sehen.
Ein Zeichen dafür, das die Medienbasher einfach nur lesen wollen, was sie glauben wollen, bzw. was die ideologische Richtung vorgibt, glauben zu müssen.

Das nennt sich Hirnwäsche und hat rein gar nichts mit unabhängiger Presse zu tun.

Aber wie man sieht, stimmt die Pseudodarstellung der Studie gar nicht, was die Macher der Studien auch selbst sagen.
Letztlich zählt was in der Zeitung am Ende steht und da sagt die Studie, das die Mehrzahl der Medien in ganz Europa Konservativ sind und nicht Links.
Das zeigen auch die Verkäufe

https://katapult-magazin.de/fileadmin/b ... 019_01.png

Wie üblich kann so Manchem aber das konsumierte Medium gar nicht "konservativ" genug sein. ;)
Benutzeravatar
Stoner
Beiträge: 3414
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 11:21
Benutzertitel: Transzendental-Satiriker

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 11:23

Toblerone hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:06)

Stimmt. In Zeitungsläden liegen ja nur noch die Junge Freiheit und die Junge Welt. :rolleyes:

Also liegt es wohl eher daran, das die Leser dieser einseitigen Broschüren, die mit Abstand größte mittig angesiedelte Medienlandschaft gar nicht mehr lesen und deshalb nur noch schwarz-weiß sehen.
Ein Zeichen dafür, das die Medienbasher einfach nur lesen wollen, was sie glauben wollen, bzw. was die ideologische Richtung vorgibt, glauben zu müssen.

Das nennt sich Hirnwäsche und hat rein gar nichts mit unabhängiger Presse zu tun.

Aber wie man sieht, stimmt die Pseudodarstellung der Studie gar nicht, was die Macher der Studien auch selbst sagen.
Letztlich zählt was in der Zeitung am Ende steht und da sagt die Studie, das die Mehrzahl der Medien in ganz Europa Konservativ sind und nicht Links.
Das zeigen auch die Verkäufe

https://katapult-magazin.de/fileadmin/b ... 019_01.png

Wie üblich kann so Manchem aber das konsumierte Medium gar nicht "konservativ" genug sein. ;)


Sie haben den Gedanken nicht ganz verstanden.

Ob nun links, rechts, mittig: Was ich kritisiere ist die Gefühls- und Morallastigkeit von Journalisten. Das Triefende, das Sentimentale, der Appell an Gefühle und die Missachtung der Vernunft, den fehlenden Realitätssinn und einiges mehr. Und die gesäßgeografische Einstellung der Kitschproduzenten geht mir an selbigem relativ vorbei. Ausgewogenheit bedeutet für mich eine Balance zwischen dem Moralischen und der Realität. Hier haben alle immer größere Defizite, produzieren nur diese lauwarme Befindlichkeitsprosa kleinkarierter, spießiger Subjektivität. Das ist meine Polemik gegen die Branche - und gleichzeitig gegen die Masse der Konsumenten, die mit genau dieser Erwartungshaltung informiert werden möchte. Insofern kritisiere ich den gesamten Komplex der "Blödmaschinerie" (Metz/Seeßlen).
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit. (Mark Twain)
Toblerone
Beiträge: 356
Registriert: Mo 2. Nov 2020, 11:45

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Toblerone » Di 17. Nov 2020, 11:28

Stoner hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:23)

Sie haben den Gedanken nicht ganz verstanden.

Ob nun links, rechts, mittig: Was ich kritisiere ist die Gefühls- und Morallastigkeit von Journalisten. Das Triefende, das Sentimentale, der Appell an Gefühle und die Missachtung der Vernunft, den fehlenden Realitätssinn und einiges mehr. Und die gesäßgeografische Einstellung der Kitschproduzenten geht mir an selbigem relativ vorbei. Ausgewogenheit bedeutet für mich eine Balance zwischen dem Moralischen und der Realität. Hier haben alle immer größere Defizite, produzieren nur diese lauwarme Befindlichkeitsprosa kleinkarierter, spießiger Subjektivität. Das ist meine Polemik gegen die Branche - und gleichzeitig gegen die Masse der Konsumenten, die mit genau dieser Erwartungshaltung informiert werden möchte. Insofern kritisiere ich den gesamten Komplex der "Blödmaschinerie" (Metz/Seeßlen).

Das sind aber deine Gefühle. Es ist nicht der Job eines Journalisten speziell deine Gefühle zu berücksichtigen. Das geht gar nicht. Unabhängigkeit.
Die Medien sind Realistisch und zu der gehört eben auch Moral und Anstand. Ausgewogen ist das Stichwort.
Benutzeravatar
Stoner
Beiträge: 3414
Registriert: Mi 8. Aug 2018, 11:21
Benutzertitel: Transzendental-Satiriker

Re: Wie vielschichtig denkt und berichtet uniform besetzter Journalismus?

Beitragvon Stoner » Di 17. Nov 2020, 11:56

Toblerone hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:28)

Das sind aber deine Gefühle. Es ist nicht der Job eines Journalisten speziell deine Gefühle zu berücksichtigen. Das geht gar nicht. Unabhängigkeit.
Die Medien sind Realistisch und zu der gehört eben auch Moral und Anstand. Ausgewogen ist das Stichwort.


Umgekehrt würde ein Schuh daraus: Zum Job des Journalisten würde gehören, dass er seine Gefühle nicht mehr oder minder direkt vor dem Leser ausbreitet. Er muss also nicht meine Gefühle irgendwie berücksichtigen - sonst wäre ich ja identitätspolitischer Gefühlsfetischist - sondern er sollte sich seine Gefühle für sein Privatleben aufsparen. Mich interessiert weder, was der Journalist fühlt, noch was er denkt - und genau das bekommt man heute von allen brühwarm mitgeliefert. 90 % Zuckerguss der Gefühle, 10 % Fakten. Das ist das Missverhältnis. Und bei den Medien, die die Ränder bedienen, ist der Zuckerguss eben mit Ressentiments der mehr oder weniger üblen Sorte durchsetzt.

Ich empfehle einen Selbstversuch: Lesen Sie einmal ein paar Ausgaben des Qualitätsmediums Ihrer Wahl, sagen wir aus den Sechzigern den Siebzigern usw. Ein oder zwei Ausgaben, vielleicht zu einem vergleichbaren, vielleicht auch noch umstrittenen Thema oder einer BTW, und dann vergleichen Sie einmal. Das Sprachliche, das ich auch moniert habe, nehme ich dabei als idiosynkratisch auf meine Kappe, den Rest nicht automatisch.
Das Recht auf Dummheit gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit. (Mark Twain)

Zurück zu „5. Bildung - Kultur - Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste