Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

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Sören74
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Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Sören74 » Sa 29. Aug 2020, 23:34

Hallo,

ich stelle mal das Thema Briefmarken unter die Rubrik "Kultur", weil ein ähnliches Thema wie die bildende Kunst etwas ist, was von Menschen gesammelt wird und damit auch immer wieder neu bewertet wird. Aber genau diese Sammelleidenschaft scheint in der Bevölkerung verflogen zu sein, oder täuscht dieser Eindruck? Vor 30-40 Jahre, ein Zeitraum den ich noch selbst miterlebt habe, wirkte das noch anders. Viele sammelten, in der einfachsten Form die Briefmarken, die man auf den zugestellten Briefen und Postkarten vorfand oder auf den Postamt ungestempelt kaufen konnte. Es gab viele Philatelievereine und fast jede Kreisstadt hatte einen Philatelieladen (ich meine in Ost und West war es ähnlich).

Es gibt aber Entwicklungen, die nicht spurlos an dem Hobby vorbeigehen konnten. Zum einen spielt die Briefpost im Zeitalter der eMails eine immer untergeordnete Rolle. Und auch wenn der Paketversand zunimmt, so finden sich dort nur noch aufgedruckte Portobestätigungen oder QR-Codes. Kinder kommen mit den klassischen Briefmarken immer weniger in Berührung. Die Generationen, die noch sammeln, werden immer älter. Das führt zu dem Phänomen, dass die Aussage "Du erbst mal Opas Briefmarkensammlung" nicht mehr dazu führt, dass echte Freunde aufkommt und die Sammlung weiter geführt wird, sondern die ehemaligen Schätze eher zum Ballast werden.

Male ich zu schwarz? Oder ist das einfach ein Wandel, wie es sie bei vielen Hobbys schon gab? Was denkt ihr? Es gibt auch andere Entwicklungen. In China beispielsweise entdecken gerade viele die Liebe zu ihren eigenen Briefmarken, insbesondere aus ihrer Anfangszeit der Volksrepublik und davor. Briefmarken werden dort fast wie Aktien gehandelt, deren Verkaufswert sich täglich ändern kann. Bei einem wachsenden Markt sicher kein Problem, immer wieder Käufer zu finden.
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Ein Terraner
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Ein Terraner » Sa 29. Aug 2020, 23:54

Was sind Briefmarken ?
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Skeptiker
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Skeptiker » So 30. Aug 2020, 00:01

Ein Terraner hat geschrieben:(29 Aug 2020, 23:54)

Was sind Briefmarken ?

Authentifizierungsetiketten. Durch deinen Speichel heftest du einen Biomarker an den Briefumschlag (Behälter für physikalische Nachrichtenträger in Papierform). Dadurch kann man nachweisen, dass die Post von dir kommt.

Viele glauben auch, dass man so das Porto bezahlt. Das mag eine Nebenfunktion sein.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon H2O » So 30. Aug 2020, 08:07

Vermutlich kommen zwei Entwicklungen zusammen, die derzeit der Sammelleidenschaft ein Ende setzen. Nicht zu übersehen war doch in den 70er Jahren, daß fast jeder junge Mensch hierzulande eine Briefmarkensammlung betrieb. Die Briefmarkensammlung verlor dadurch ein wenig von ihrer Besonderheit. Und natürlich der Übergang zur elektronischen Übertragung ganz ohne Briefmarke. Wer also Marken in seine Sammlung einfügen wollte, konnte ihm noch fehlenden Marken bei seiner Poststelle erwerben.Eine Geldfrage. Also nichts mehr damit, daß einer einen kennt, der oft Sendungen aus abgelegenen Ländern der Welt mit sehr seltenen Briefmarken erhält. Als der Sammler noch Hartnäckigkeit und Spürsinn entfalten mußte, um zu seinen Schätzen zu kommen.

Durchaus denkbar, daß besonders liebevoll nach Themen angelegte exotische Sammlungen eines Tages wieder einen unfaßbaren Sammlerwert erreichen, weil diese Sammlungen eben einmalig und auf jeden Fall nicht neu anlegbar sind. Liebhaber dieser Klasse werden so selten sein wie diese Schätze der Vergangenheit.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon franzmannzini » So 30. Aug 2020, 10:07

Ich habe auch die Briefmarkensammlung von meinem Großvater geerbt
und der hat seit den 20ziger Jahren gesammelt.
Selbst durch den Krieg hat er sie gebracht.
Dazu gibt es noch Alben mit Zigarettenbildchen (Saba-Gold), Münzen und anderes Gedöns, insgesamt fast 1m³ Zeugs.

Mein Großvater, ein gelernter Tresorbaumeister, hat mir auch erzählt wie er zu diesem Hobby gekommen ist.
Zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise, hat er u.a. auls Postbote in Behörden gearbeitet, wo er die geöffneten Briefumschläge
bekam und auch viel aus den Papierkörben fischte, somit hatte er wohl die Möglichkeit seine Sammlung schnell zu erweitern.

Nachdem ich Anfang der 90ziger einen kleinen Teil (Dubletten) in D-Mark umgewandelt hatte, was ich übrigens heute sehr bereue,
kam eine lange Pause, in welcher die Sammlung eine Art Dornröschenschlaf verbrachte.

Zu Corona-Zeiten hatte ich etwas Zeit und habe mit das ganze Zeug mal wieder angeschaut, besonders die Behältnisse mit
Briefen und Karten (Ganzsachen) oder auch abgerissenen Postwertzeichen von weit vor 1945.
Damit kann man Stunden verbringen.

Die eigentliche Sammlung Deutschland (Alben) geht von Altdeutschland bis 1995 gestempelt und postfrisch, natürlich nicht
zu 100% komplett, es gibt auch noch Polen, Östereich usw..
Die ältesten Marken sind aus 1852.

Bestimmte Marken würde ich gerne prüfen lassen, da sich aber die Kosten nach dem Katalogwert (Mondpreis) bemessen,
ist das einfach zu teuer.

So lasse ich die Sammlung weiter liegen, für den Fall das ich mal in finanzielle Schieflage gerate, sie wird ja nicht schlecht.
"Ek is 'n Ranger.
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Ons staan op die brug, en niemand mag slaag nie.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Teeernte » So 30. Aug 2020, 10:49

Ein - durch Tausch - preiswertes Hobby - mit einer Illusion von WERT und Ferne - der Traum mal dahin zu reisen - wo die bunte Dreiecksmarke mit Inselaufdruck herkam. Geografie - (wo liegt Maurizius) - ging damit viel einfacher...genau so wie "Gesichter" von alten Persönlichkeiten...
Selbst zu Ostzeiten waren Briefmarken - auch aus fremden fernen Ländern - preiswert erhältlich. Klein - leicht - ein Tauschalbum immer zur Hand.

Nun aber - ohne Nachfolgesammler - noch einen kleinen Bruchteil "Wert". >> Sachsendreier ? - ist kein Ostporno.

Alle DDR Marken (1Stück) sind bereits für 500 Eu zu haben. Mit Aussterben der Sammler - ohne Nachfolger - werden die Papierfetzen immer weniger "Wert".

Schön währe so eine "mildtätige" Vereinigung - denen man sowas (alte Sammelobjekte) für arme Kinder spenden kann..

Wird ja mit Spielzeugeisenbahn, Funkgeräten, Ü-Ei-Figuren...Fußballbildchen nicht anders.

Der Wert ist der Glanz im Auge des Käufers.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Sören74 » So 30. Aug 2020, 12:49

Viele interessante Einblicke. :) Etwas zum einzelnen Wert von Briefmarken, die allermeisten deutschen Marken in den Katalogen werden mit einem Mindestpreis von 30 Cent veranschlagt. Aber letztlich geht es da um den Arbeitsaufwand, den ein Briefmarkenhändler hat, wenn er diese Briefmarke zum Verkauf anbietet. In der Realität sind das niedrige einstellige Centbeträge.

Die Motivation zu sammeln kann sehr unterschiedlich sein, das finde ich eigentlich auch interessant an dem Hobby zu hören, wieso jemand sammelt. So wie bei franzmannzinis Opa, der an viele leere Briefumschläge kam. Mein Opa beispielsweise war Prokurist zwischen den beiden Weltkriegen und hatte den Briefverkehr der Firma mit dem Ausland in Händen gehabt. Und er klebte(!) die Marken in ein kariertes Heft sortiert nach Ländern ein, auch wenn die allermeisten von Dauerserien stammen.

Aber das Spannende finde ich ist, dass man (wenn man eine Glaskugel besitzt) durch geschicktes Kaufen zur richtigen Zeit eine enorme Preissteigerung erreichen konnte/kann. Beispielsweise gab es Anfang der 50er Jahre die Posthornserie in der Bundesrepublik. Insgesamt 16 Briefmarken, die gestempelt keine Besonderheit sind, weil die eben damals ständig auf die Briefe und sonstiges geklebt wurden. Aber ungestempelt stehen die im Katalog immer noch bei 2.200 Euro. Selbst wenn man da die üblichen 20 Prozent ansetzt, wären das über 400 Euro, die man damals am Postschalter für gut 5 Mark kaufen konnte. Wenn man die ganze Serie noch paarweise oder als Eckrandstücke besitzt, ist es selbst heute noch ein mehrfaches wert. Also da könnten sich Reisen zurück in die Vergangenheit lohnen ;) oder eine Nachricht an den Vergangenheits-Opa, mal schnell zur Post zu gehen. Aber bitte dann nicht mit Falz ins Album kleben. :eek:

https://de.wikipedia.org/wiki/Posthornsatz
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Sören74 » So 30. Aug 2020, 12:55

Teeernte hat geschrieben:(30 Aug 2020, 10:49)

Schön währe so eine "mildtätige" Vereinigung - denen man sowas (alte Sammelobjekte) für arme Kinder spenden kann..

Wird ja mit Spielzeugeisenbahn, Funkgeräten, Ü-Ei-Figuren...Fußballbildchen nicht anders.

Der Wert ist der Glanz im Auge des Käufers.


Es gibt einige Philitalievereine, die das versuchen. Was man aber auch machen kann ist, seine Sammlung an die Briefmarkensammelstelle von Bethel zu spenden, einer Diakoniestiftung. Dort arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen und erstellen Kiloware, die man kaufen kann, hab mir da auch schon einiges geholt. Wenn es aber direkt an arme oder hilfsbedürftige Kinder gehen soll, dann geht das noch am besten, wenn man direkte Kontakte hat.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon schokoschendrezki » So 30. Aug 2020, 14:34

Sören74 hat geschrieben:(29 Aug 2020, 23:34)

Hallo,

ich stelle mal das Thema Briefmarken unter die Rubrik "Kultur", weil ein ähnliches Thema wie die bildende Kunst etwas ist, was von Menschen gesammelt wird und damit auch immer wieder neu bewertet wird. Aber genau diese Sammelleidenschaft scheint in der Bevölkerung verflogen zu sein, oder täuscht dieser Eindruck? Vor 30-40 Jahre, ein Zeitraum den ich noch selbst miterlebt habe, wirkte das noch anders. Viele sammelten, in der einfachsten Form die Briefmarken, die man auf den zugestellten Briefen und Postkarten vorfand oder auf den Postamt ungestempelt kaufen konnte. Es gab viele Philatelievereine und fast jede Kreisstadt hatte einen Philatelieladen (ich meine in Ost und West war es ähnlich).

Es gibt aber Entwicklungen, die nicht spurlos an dem Hobby vorbeigehen konnten. Zum einen spielt die Briefpost im Zeitalter der eMails eine immer untergeordnete Rolle. Und auch wenn der Paketversand zunimmt, so finden sich dort nur noch aufgedruckte Portobestätigungen oder QR-Codes. Kinder kommen mit den klassischen Briefmarken immer weniger in Berührung. Die Generationen, die noch sammeln, werden immer älter. Das führt zu dem Phänomen, dass die Aussage "Du erbst mal Opas Briefmarkensammlung" nicht mehr dazu führt, dass echte Freunde aufkommt und die Sammlung weiter geführt wird, sondern die ehemaligen Schätze eher zum Ballast werden.

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Nein. Ueberhaupt nicht. Das Sammeln von allem Moeglichen (Briefmarken, Schmetterlinge, Kaefer, Flaggen etc) ist eine der charakteristischsten Merkmale der Biedermeierepoche. Also so etwa 1815 bis 1848. Wiener Kongress bis 48er Revolution. Kindern wurden typsicherweise leere Sammelalben geschenkt. Auf dass sie sie beharrlich und fleissig mit Sammelobjekten fuellen.

Wir befinden uns - so sehe ich es jedenfalls - aktuell auf dem Tiiefpunkt, auf dem dunkelsten Punkt einer Art von Neo-Biedermeier. Man will einer Nation, einer Religion oder wenigstens einer Region zugehoerig sein. Eine Heimat finden. Nordhesse, Oberbayer oder Uckermaerker sein. Das Biedermeierlichste, was ich kenne, ist die TV-Abteilung des Mitteldeutschen Rundfunks. Die sammeln DDR-Memorablien. Es kann nur besser werden. Gorbatschow war vielleicht so etwas wie der Joseph II des Vorabends dieses Neo-Biedermeiers. Es sollte nicht sein. Es durfte nicht sein! Zurueck zu Kirche, KUltur, NAtion, Zugehoerigkeit und Identitaet.Momentan jedoch kanns nur besser werden.Siehe zum Beispiel FFF-Bewegung.
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Billie Holiday » So 30. Aug 2020, 15:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2020, 14:34)

Nein. Ueberhaupt nicht. Das Sammeln von allem Moeglichen (Briefmarken, Schmetterlinge, Kaefer, Flaggen etc) ist eine der charakteristischsten Merkmale der Biedermeierepoche. Also so etwa 1815 bis 1848. Wiener Kongress bis 48er Revolution. Kindern wurden typsicherweise leere Sammelalben geschenkt. Auf dass sie sie beharrlich und fleissig mit Sammelobjekten fuellen.

Wir befinden uns - so sehe ich es jedenfalls - aktuell auf dem Tiiefpunkt, auf dem dunkelsten Punkt einer Art von Neo-Biedermeier. Man will einer Nation, einer Religion oder wenigstens einer Region zugehoerig sein. Eine Heimat finden. Nordhesse, Oberbayer oder Uckermaerker sein. Das Biedermeierlichste, was ich kenne, ist die TV-Abteilung des Mitteldeutschen Rundfunks. Die sammeln DDR-Memorablien. Es kann nur besser werden. Gorbatschow war vielleicht so etwas wie der Joseph II des Vorabends dieses Neo-Biedermeiers. Es sollte nicht sein. Es durfte nicht sein! Zurueck zu Kirche, KUltur, NAtion, Zugehoerigkeit und Identitaet.Momentan jedoch kanns nur besser werden.Siehe zum Beispiel FFF-Bewegung.


Ob man einer Kirche glaubt, oder der FFF Bewegung, ist gleich. Die einen reden von Gott und Glaube, die anderen von Klima und Glaube. Die einen laufen dem Papst hinterher, die anderen Greta.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon schokoschendrezki » So 30. Aug 2020, 18:16

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Aug 2020, 15:11)

Ob man einer Kirche glaubt, oder der FFF Bewegung, ist gleich. Die einen reden von Gott und Glaube, die anderen von Klima und Glaube. Die einen laufen dem Papst hinterher, die anderen Greta.

Die Biedermeier-Epoche war eigentlich nicht so sehr von strenger Religiösität gekennzeichnet. Wenn wir mal "Biedermeier-Epoche" als kulturgeschichtlichen Kern für das Aufkommen der bürgerlichen Sammelleidenschaft hernehmen. Vermuten würde ich dahinter einfach einmal den Wunsch nach einer Art Ordnungswiederherstellung und zum anderen eben die Verbürgerlichung des eigentlich erstmal zweckfreien aber luxuriösen Sammelns von irgendwelchen Objekten. Die biedermeierliche Sammeltassen-Sammlung ... das war quasi die Orangerie des kleinen Mannes. Der eine Umbruch war 1815. Der andere 1989. In beiden Fällen mit einer totalen politischen Neuordnung Europas verbunden. Nichts war mehr so wie es vorher war. Es ist erklärlich, dass dies auf eine Wiederentdeckung von Rückzug, Heimat, Identität und Verbundenheit hinausläuft.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Sören74 » So 30. Aug 2020, 18:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Aug 2020, 18:16)

Vermuten würde ich dahinter einfach einmal den Wunsch nach einer Art Ordnungswiederherstellung und zum anderen eben die Verbürgerlichung des eigentlich erstmal zweckfreien aber luxuriösen Sammelns von irgendwelchen Objekten.


Ja, es ist ein ständiger Kampf gegen die Entropie. Aber auch eine weitere Quelle der Bildung, die sich aus dem Sammeln ergibt. Wobei zwischen Bildungsbürgertum und Biedermeier-Epoche ebenso Parallelen bestehen.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Elmar Brok » So 30. Aug 2020, 19:01

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Aug 2020, 15:11)

Ob man einer Kirche glaubt, oder der FFF Bewegung, ist gleich. Die einen reden von Gott und Glaube, die anderen von Klima und Glaube. Die einen laufen dem Papst hinterher, die anderen Greta.

Wer glaubt denn nicht?
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon H2O » So 30. Aug 2020, 19:11

Elmar Brok hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:01)

Wer glaubt denn nicht?


Ich glaube z. B., daß Ihre Frage ein viel zu weites Feld erfaßt. :) Da war Billy Holliday schon etwas wählerischer. Ja, und an die Personen und ihre Gedankenwelt glaube ich nicht.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Elmar Brok » So 30. Aug 2020, 19:31

H2O hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:11)

Ich glaube z. B., daß Ihre Frage ein viel zu weites Feld erfaßt. :) Da war Billy Holliday schon etwas wählerischer. Ja, und an die Personen und ihre Gedankenwelt glaube ich nicht.

Das glaubst du zumindest :D
Fand nur die Gleichstellung des “Glaubens” an FFF mit Glauben an eine Religion und Gott und Klima etwas merkwürdig.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Ebiker » So 30. Aug 2020, 19:45

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Aug 2020, 15:11)

Ob man einer Kirche glaubt, oder der FFF Bewegung, ist gleich. Die einen reden von Gott und Glaube, die anderen von Klima und Glaube. Die einen laufen dem Papst hinterher, die anderen Greta.


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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon H2O » So 30. Aug 2020, 19:46

Elmar Brok hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:31)

Das glaubst du zumindest :D
Fand nur die Gleichstellung des “Glaubens” an FFF mit Glauben an eine Religion und Gott und Klima etwas merkwürdig.


Ist doch klar; Spaß muß auch einmal sein! ;)
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Ebiker » So 30. Aug 2020, 19:48

Elmar Brok hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:31)

Das glaubst du zumindest :D
Fand nur die Gleichstellung des “Glaubens” an FFF mit Glauben an eine Religion und Gott und Klima etwas merkwürdig.


Wieso, beides basiert auf unbewiesenen Behauptungen
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Billie Holiday » So 30. Aug 2020, 19:53

Ebiker hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:45)

Darf ich dir mal meine Briefmarkensammlung zeigen ?


:D Die Zeiten sind vorbei, dass die Briefmarkensammlung vorgeschoben werden mußte.
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Re: Briefmarkensammeln - eine Kultur die bald aussterben könnte?

Beitragvon Ebiker » So 30. Aug 2020, 19:55

Billie Holiday hat geschrieben:(30 Aug 2020, 19:53)

:D Die Zeiten sind vorbei, dass die Briefmarkensammlung vorgeschoben werden mußte.


Aber schön das du es noch kennst :thumbup:
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