Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

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franktoast
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Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon franktoast » Mi 19. Aug 2020, 14:34

Ich hab mich nun mal informiert, ob meine Kinder Bafög bekommen würden, wenn sie mal studieren sollten. Zu meiner Überraschung würde selbst bei brutto 60 000€ Einkommen und 2 zusätzlichen jüngeren Kindern noch fast der Höchstsatz rauskommen. Selbst bei 80 000€ Bruttoeinkommen kämen noch 300€ pro Monat heraus.
https://www.bafoeg-rechner.de/Rechner/index.php

Nun lese ich, dass nur knapp jeder 5te Student bafögberechtigt wäre. Ja, sie haben lange den Freibetrag nicht angehoben, aber inklusive 2020 sollte eine Anhebung durchgeführt worden sein, so dass vlt. jeder 4te bafägberechtigt wäre.


Was ist hier los? Verdienen 75% der Eltern von Studenten mehr als 80 000€ pro Monat? Ok, eigene Studenten werden sicherlich auch schon selber Einkommen oder Vermögen haben, aber mir kommt das ziemlich hoch vor?
https://www.sueddeutsche.de/bildung/baf ... -1.4549989

Meine Eltern hatten ein Einkommen von etwa 30 000€.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Sören74
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon Sören74 » Mi 19. Aug 2020, 20:47

franktoast hat geschrieben:(19 Aug 2020, 14:34)

Ich hab mich nun mal informiert, ob meine Kinder Bafög bekommen würden, wenn sie mal studieren sollten. Zu meiner Überraschung würde selbst bei brutto 60 000€ Einkommen und 2 zusätzlichen jüngeren Kindern noch fast der Höchstsatz rauskommen. Selbst bei 80 000€ Bruttoeinkommen kämen noch 300€ pro Monat heraus.
https://www.bafoeg-rechner.de/Rechner/index.php


Hmm, seltsam. Widerspricht dem, was ich hier gefunden habe:

"Sind Deine Eltern verheiratet, musst Du ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft kannst Du aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Deine Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich."

Weiter oben sind auch Freibeträge für weitere Kinder aufgeführt.

https://www.finanztip.de/bafoeg/
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franktoast
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon franktoast » Do 20. Aug 2020, 09:43

Sören74 hat geschrieben:(19 Aug 2020, 20:47)

Hmm, seltsam. Widerspricht dem, was ich hier gefunden habe:

"Sind Deine Eltern verheiratet, musst Du ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro im Jahr mit den ersten Einbußen beim Bafög rechnen (Arbeitnehmer, keine weiteren Kinder). Oft kannst Du aber auch noch eine Teilförderung erhalten, wenn Deine Eltern 45.000 Euro verdienen. Ab einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung eher unwahrscheinlich."

Weiter oben sind auch Freibeträge für weitere Kinder aufgeführt.

https://www.finanztip.de/bafoeg/

Ja, bei keinen weiteren Kindern. Aber gut, aber sollte das jüngste von 3 Kindern mal studieren, wäre es auch das Einzige...
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon Alana4 » Do 20. Aug 2020, 10:06

Es ist stellenweise noch absurder.
für das erste Kind (meist älteste) Kind beginnt das Studium, hat noch jüngere Geschwister, die zur Schule gehen....Einkommen der Eltern X, Anzahl der Kinder- ergibt Bafög Y. Kann man noch nachvollziehen.
Dann will Kind 2 auch studieren.....Einkommen der Eltern unverändert......Berechnung Bafög....Kind 2 kriegt schon weniger lt. Berechnung, Kind 1 bekommt nun auch weniger.
Bei Kind 3....das nun auch Bafög beantragt, geht es so weiter- für die beiden älteren Geschwister, die noch studieren, gibt es wieder weniger Bafög und Kind 3 erhält auch einen geringeren Betrag.

Mag Manchem als "gerecht" erscheinen- für Eltern mehrer Kinder mit Bildungsanspruch ist das echt schwierig.

....aber sollte das jüngste von 3 Kindern mal studieren, wäre es auch das Einzige..

nee, ist eben dann nicht ,das Einzige", wenn die Geschwister sich zeitgleich im Studium befinden. Aber allen wird das Bafög reduziert, und zwar merklich.
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon H2O » Sa 22. Aug 2020, 07:45

Diese Bemessungsweise kann ja nicht bedeuten, daß Anspruchsberechtigte auf BAFÖG verzichten. Allenfalls doch, daß sie ein BAFÖG erhalten, daß die Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Eltern berücksichtigt. Insofern verstehe ich auch nicht die Aussage, daß nur 20% der Studierenden BAFÖG-berechtigt sind. Könnte es sein, daß nur 20% der Studierenden Anspruch auf das ungeschmälerte BAFÖG haben?

Eine weitere Unsicherheit meinerseits (ich mußte mich vor 60 Jahren einmal mit ähnlichen Förderwerken befassen): Muß das BAFÖG am Ende des Studiums teilweise oder ganz abgestottert werden? Dann würde ich auch verstehen, daß viele Anspruchsberechtigte versuchen, ohne diese Beihilfe aus zu kommen.
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon Alana4 » Sa 22. Aug 2020, 08:33

H2O hat geschrieben:.... Muß das BAFÖG am Ende des Studiums teilweise oder ganz abgestottert werden? Dann würde ich auch verstehen, daß viele Anspruchsberechtigte versuchen, ohne diese Beihilfe aus zu kommen.


Ganz grob gesagt: es muss die Hälfte des Erhaltenen zurück gezahlt werden. Diese Rückzahlungsmodalitäten sind eigentlich ganz okay- langer Zeitraum (und dieser gedeckelt), geringe Raten. Berücksichtigung des Einkommens. Und wer eher zurückzahlt, dem wird doch einiges der Schuld erlassen.
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon H2O » Sa 22. Aug 2020, 08:38

Alana4 hat geschrieben:(22 Aug 2020, 08:33)

Ganz grob gesagt: es muss die Hälfte des Erhaltenen zurück gezahlt werden. Diese Rückzahlungsmodalitäten sind eigentlich ganz okay- langer Zeitraum (und dieser gedeckelt), geringe Raten. Berücksichtigung des Einkommens. Und wer eher zurückzahlt, dem wird doch einiges der Schuld erlassen.


Dann ist es nicht ganz so einfach, obige 20% zu verstehen... also nur jeder 5. Studierende bezieht BAFÖG.
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Re: Warum bekommen so wenig Studenten Bafög?

Beitragvon imp » Sa 22. Aug 2020, 21:24

Das Fördergeld soll die Ausbildung ermöglichen. Es ist in erster Linie eine Sozialleistung und steht nur dem zu, der nachweislich selbst mittellos ist und als "Kind" bis zu einer großzügigen Altersgrenze oder dem Ende der ersten abgeschlossenen Berufsausbildung auch aus dem Elternhaus nicht subsidiär unterhalten werden kann. Die Höhe der Einkommensgrenzen wird viel diskutiert. Ich weiß nicht, ob das in der Form heute noch sinnvoll ist. Meine Vorstellung wäre, das Einkommen des Elternhauses komplett zu ignorieren, wenn der Antragsteller außerhalb des Elternhauses lebt. Jegliche Prüfung, ob das für die Ausbildung nötig ist, würde ich einfach sein lassen. Ebenso, wie gut oder zerrüttet das Verhältnis wirklich ist oder ob die Eltern finanziell oder materiell aushelfen.

Lediglich das Einkommen des Studenten und ggf Lebenspartners/Ehepartners sollte berücksichtigt werden sowie im eigenen Haushalt lebende Kinder oder zu pflegende Angehörige. Wer sich zum Studium oder einer Berufsausbildung auf macht, ist nicht mehr vorrangig Kind von.

Im Gegenzug sollte man vielleicht den einen oder anderen vergünstigenden Steuertatbestand für die Eltern streichen oder verringern. Das Bafög als Darlehen ist für die gesamte Laufzeit bis ca 4 Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer zinsfrei. Die Rückzahlung beginnt dann. Pro Quartal sind 390 Euro zu entrichten. Bei Zahlungsrückstand über eine gewisse Zeit wird die gesamte Restschuld verzinst. Einen Nachlass erhält, wer vorzeitig viel oder alles tilgt. Details hier: https://www.bva.bund.de/DE/Services/Bue ... hensv.html

Für Geringverdiener gibt es die Möglichkeit, sich auf Zeit von der Rückzahlung freistellen zu lassen. Neuere Bafög-Fälle zahlen maximal 77 Monatsraten zurück. Das ist alles sehr darauf gerichtet, dauerhaft verarmte Geförderte nicht in eine Schuldenfalle rennen zu lassen.

Daneben gibt es das Instrument des verzinsten Bildungskredites. Dieser ist unabhängig vom Einkommen der Eltern und steht auch Ausländern offen. Einen Rechtsanspruch gibt es dabei nicht. Das Bildungskreditprogramm der KfW ist auf ein bestimmtes Gesamtvolumen beschränkt. Der Staat bürgt für zahlungsunfähige Kreditnehmer.
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