Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

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Sören74
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Sören74 » Fr 4. Dez 2020, 23:21

Vongole hat geschrieben:(04 Dec 2020, 15:48)

Wieso Spannung? Eckhart wurde ja nicht wegen ihres fragwürdigen "Humors" eingeladen, sondern wegen ihres Buches.
Mich wundert es lediglich ein wenig, dass es mittlerweile reicht, auf nicht literarischem Gebiet umstritten zu sein, um dieser Runde zu genügen, die sich leider weit von Reich-Ranickis Qualitätsstandard entfernt hat.


Das ist nun mal (mit) die Entscheidung von Thea Dorn. Du kannst sie ja gerne fragen. :)
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Stoner » Fr 4. Dez 2020, 23:33

Vongole hat geschrieben:(04 Dec 2020, 15:48)

Wieso Spannung? Eckhart wurde ja nicht wegen ihres fragwürdigen "Humors" eingeladen, sondern wegen ihres Buches.
Mich wundert es lediglich ein wenig, dass es mittlerweile reicht, auf nicht literarischem Gebiet umstritten zu sein, um dieser Runde zu genügen, die sich leider weit von Reich-Ranickis Qualitätsstandard entfernt hat.

Ich empfehle Ihnen einen Blick in die Sendung. Sollte Lisa Eckhart fehl am Platz gewesen sein, dann eher deshalb, weil solche Sendungen auf die Qualität, die sie bietet, nicht ausgerichtet sind. Sie würde in ihrem Literaturverständnis auch manchen Professor locker in die Tasche stecken.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Vongole » Sa 5. Dez 2020, 00:05

Stoner hat geschrieben:(04 Dec 2020, 23:33)

Ich empfehle Ihnen einen Blick in die Sendung. Sollte Lisa Eckhart fehl am Platz gewesen sein, dann eher deshalb, weil solche Sendungen auf die Qualität, die sie bietet, nicht ausgerichtet sind. Sie würde in ihrem Literaturverständnis auch manchen Professor locker in die Tasche stecken.

Ich spreche Lisa Eckart ihr Literaturverständnis nicht ab, so wenig wie ich Grass einen schlechten Schriftsteller, Nolde einen schlechten Maler oder Wagner einen schlechten Musiker nennen würde.
Was ich ihr abspreche, habe ich hinreichend dargelegt, ihr Literaturverständnis spricht sie davon nicht frei.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Stoner » Sa 5. Dez 2020, 00:22

Vongole hat geschrieben:(05 Dec 2020, 00:05)

Ich spreche Lisa Eckart ihr Literaturverständnis nicht ab, so wenig wie ich Grass einen schlechten Schriftsteller, Nolde einen schlechten Maler oder Wagner einen schlechten Musiker nennen würde.
Was ich ihr abspreche, habe ich hinreichend dargelegt, ihr Literaturverständnis spricht sie davon nicht frei.

Nun, Sie hatten angemerkt, dass es anscheinend genüge, umstritten zu sein auf fachfremden Gebiet, um eingeladen zu werden und dann die Frage der Qualität ins Spiel gebracht.

Im Übrigen glaube ich nicht, dass Menschen, die nicht angeklagt sind, von etwas freigesprochen werden müssen. Noch sind wir hier in diesem Land nicht soweit, wenn auch auf gutem Weg dahin.

Und falls Sie doch reinschauen: Schauen Sie sich Ulrich Matthes an beim letzten Buch.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Vongole » Sa 5. Dez 2020, 01:33

Stoner hat geschrieben:(05 Dec 2020, 00:22)

Nun, Sie hatten angemerkt, dass es anscheinend genüge, umstritten zu sein auf fachfremden Gebiet, um eingeladen zu werden und dann die Frage der Qualität ins Spiel gebracht.

Durchaus erfreulich, wenn dem nicht so war, und Thea Dorn Frau Eckhart auschließlich wegen ihres literarischen Verständnisses eingeladen hat.
Im Übrigen glaube ich nicht, dass Menschen, die nicht angeklagt sind, von etwas freigesprochen werden müssen. Noch sind wir hier in diesem Land nicht soweit, wenn auch auf gutem Weg dahin.

Strafrechtlich gesehen haben Sie da völlig recht, schließlich gilt Antisemitismus, sofern er sich nicht in Taten wie körperlichen Angriffen oder bewaffneten Anschlägen ausdrückt, noch immer als Meinungsäußerung.
Dass Frau Eckhart Juden humoristisch zu den angeblich "Unantastbaren" erklärt - was angesichts von Halle, Polizeischutz vor sämtlichen jüdischen Einrichtungen, Grabschändungen, Klappspaten und dergleichen Nettigkeiten nicht nur einen Euphemismus sondergleichen darstellt, sondern als purer Hohn betrachtet werden kann, auch das ist keine strafbare Handlung.
Sie werden mir hoffentlich verzeihen, dass ich das anklage, und mich daher außerstande sehe, Frau Eckhart davon freizusprechen. Nehmen Sie es einfach als freie Meinungsäußerung.

Auf Ullrich Matthes, den ich für einen großartigen Schauspieler halte, kann ich leider nicht eingehen, da ich doch nicht reingeschaut habe.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 07:58

Vongole hat geschrieben:(05 Dec 2020, 01:33)

Durchaus erfreulich, wenn dem nicht so war, und Thea Dorn Frau Eckhart auschließlich wegen ihres literarischen Verständnisses eingeladen hat.

Strafrechtlich gesehen haben Sie da völlig recht, schließlich gilt Antisemitismus, sofern er sich nicht in Taten wie körperlichen Angriffen oder bewaffneten Anschlägen ausdrückt, noch immer als Meinungsäußerung.
Dass Frau Eckhart Juden humoristisch zu den angeblich "Unantastbaren" erklärt - was angesichts von Halle, Polizeischutz vor sämtlichen jüdischen Einrichtungen, Grabschändungen, Klappspaten und dergleichen Nettigkeiten nicht nur einen Euphemismus sondergleichen darstellt, sondern als purer Hohn betrachtet werden kann, auch das ist keine strafbare Handlung.
Sie werden mir hoffentlich verzeihen, dass ich das anklage, und mich daher außerstande sehe, Frau Eckhart davon freizusprechen. Nehmen Sie es einfach als freie Meinungsäußerung.

Auf Ullrich Matthes, den ich für einen großartigen Schauspieler halte, kann ich leider nicht eingehen, da ich doch nicht reingeschaut habe.

Dazu vielleicht eine ergänzende Meinungsäußerung...

Die Eckhart begründet nicht die sog. Political Correctness, sondern nimmt sie aufs Korn. Nicht sie erklärt irgendwas als "unantastbar", die Pointe im Bühnenprogramm liegt vielmehr darin, sich darüber lustig zu machen. Nennt sich Satire - mit dem Mittel der Pointe wird ein Hauch von Kritik transportiert.
Aber richtig erkannt - dass die Künstlerin die Absicht verfolgen könnte, einen bewaffneten Anschlag auszuführen, ist eher unwahrscheinlich.
Die gelernte Germanistin mit Master-Abschluß will sich ja erklärtermaßen der Schriftstellerei widmen. Vielleicht auch, weil man auf 300 Seiten eine Pointe besser erklären kann.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 08:30

Neues von der Westfront - Materialschlacht in den Feuilletons wird fortgesetzt

Zugegeben, der Schriftsteller Maxim Biller ist ein schweres Geschütz, und dieser hat nichts geringeres als den (verspäteten) Sieg der Nazis verkündet.

SZ-Kanonierin Marie Schmidt legt nun nach, erneuert nebenbei den Antisemitismus-Vorwurf und verdammt das "Literarische Quartett" als unliterarisch und langweilig.
Nicht jedoch, ohne das giftgrüne Jacket der Lisa Eckhart zu interpretieren - eine Art "Airbrush-Dschungel" sei aufgedruckt, die Laszivität unangenehm und berechnend.

Moderatorin Thea Dorn, das Gesicht des TV-Formats, wird indes als "Turnlehrerin" charakterisiert.

Man darf gespannt sein, was nun die Gegenfront ins Feld führen wird.

https://www.sueddeutsche.de/medien/lite ... -1.5138442
Zuletzt geändert von DarkLightbringer am Sa 5. Dez 2020, 08:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Senexx » Sa 5. Dez 2020, 08:37

Vongole hat geschrieben:(05 Dec 2020, 00:05)

Ich spreche Lisa Eckart ihr Literaturverständnis nicht ab, so wenig wie ich Grass einen schlechten Schriftsteller,

Grass war kein schlechter Schriftsteller, höchstens ein schlechter Mensch, weil erst Nazi und später folgerichtig Sozialdemokratist.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Stoner » Sa 5. Dez 2020, 10:31

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 08:30)

Neues von der Westfront - Materialschlacht in den Feuilletons wird fortgesetzt

Zugegeben, der Schriftsteller Maxim Biller ist ein schweres Geschütz, und dieser hat nichts geringeres als den (verspäteten) Sieg der Nazis verkündet.


Das wäre mal eine These, die diskutiert werden könnte.

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 08:30)
SZ-Kanonierin Marie Schmidt legt nun nach, erneuert nebenbei den Antisemitismus-Vorwurf und verdammt das "Literarische Quartett" als unliterarisch und langweilig.
Nicht jedoch, ohne das giftgrüne Jacket der Lisa Eckhart zu interpretieren - eine Art "Airbrush-Dschungel" sei aufgedruckt, die Laszivität unangenehm und berechnend.


Den Vorwurf der Langeweile solcher Alibi-Kultursendungen für die Lieschens und Hänschens und zur Absicherung der eigenen Daseinsberechtigung teile ich, deshalb schaue ich seit Jahren nicht mehr. Dass sie nun die Langeweile angesichts Frau Eckharts Einladung entdeckt und durch eine sexualisierte Kritik begründet? So viel zum eigenen Niveau.


DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 08:30)

Man darf gespannt sein, was nun die Gegenfront ins Feld führen wird.

https://www.sueddeutsche.de/medien/lite ... -1.5138442


Lisa Eckhart hat in einer Talkshow dazu gesagt, ihr ginge es da wie dem Hofer Andreas mit seinen Feinden: Ach, wie schießt ihr schlecht!


Senexx hat geschrieben:(05 Dec 2020, 08:37)

Grass war kein schlechter Schriftsteller, höchstens ein schlechter Mensch, weil erst Nazi und später folgerichtig Sozialdemokratist.


Sind Sie nicht der Mann, der immer "Godwin's Law!" ins Forum ruft? Aber sonst: wirklich subtile Analyse*.

*Analyse ist der neue Euphemismus fürs Denunzieren.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Zunder » Sa 5. Dez 2020, 11:18

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 07:58)

Die Eckhart begründet nicht die sog. Political Correctness, sondern nimmt sie aufs Korn. Nicht sie erklärt irgendwas als "unantastbar", die Pointe im Bühnenprogramm liegt vielmehr darin, sich darüber lustig zu machen. Nennt sich Satire - mit dem Mittel der Pointe wird ein Hauch von Kritik transportiert.

In ihrer antisemitischen "Me-too"-Nummer erklärt Lisa Eckhart die Juden tatsächlich zu Unantastbaren. Einfach mal anschauen, dann weiß man auch, worum es geht. Daß man die Juden angeblich nicht kritisieren darf, gehört zu den üblichen antisemitischen Klischees. Sie dürfen sich alles erlauben, glaubt der Judenhasser, auch "unsere" Weiber aufgreifen. In der Realität werden aber Juden genauso angeklagt und verurteilt wie jeder andere auch.
Die vermeintliche Pointe ist demnach gar keine, sondern eine Lüge. Deswegen ist die vorgebliche Satire auch nichts anderes als Hetze. Dafür bekommt Lisa Eckhart Beifall. Von der richtigen, also antisemitischen Seite.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 11:24

Stoner hat geschrieben:(05 Dec 2020, 10:31)

Das wäre mal eine These, die diskutiert werden könnte.

Unbedingt, zumal es auch die Gegenposition von Henryk Broder gibt. Leider sind die Geschützfeuer beider Herren hinter einem antiprekären Schutzwall verborgen.
Somit muss die Frontberichterstattung wohl vorzugsweise auf Sekundärliteratur zurückgreifen.

Den Vorwurf der Langeweile solcher Alibi-Kultursendungen für die Lieschens und Hänschens und zur Absicherung der eigenen Daseinsberechtigung teile ich, deshalb schaue ich seit Jahren nicht mehr. Dass sie nun die Langeweile angesichts Frau Eckharts Einladung entdeckt und durch eine sexualisierte Kritik begründet? So viel zum eigenen Niveau.

Mir ergeht es eher umgekehrt, das LQ und Thea Dorn erlangen neue Aufmerksamkeit. Wobei das eigentliche Konfliktthema ja übergreifend ist und die Themenfelder Literaturskandal und Cancel Culture umfasst. Kulturwelt und Feuilletons sind zur Disputatio berufen.

Lisa Eckhart hat in einer Talkshow dazu gesagt, ihr ginge es da wie dem Hofer Andreas mit seinen Feinden: Ach, wie schießt ihr schlecht!

Kanonierin Schmidt schießt wohl schlecht, dafür aber entschlossen.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 11:44

Zunder hat geschrieben:(05 Dec 2020, 11:18)

In ihrer antisemitischen "Me-too"-Nummer erklärt Lisa Eckhart die Juden tatsächlich zu Unantastbaren. Einfach mal anschauen, dann weiß man auch, worum es geht. Daß man die Juden angeblich nicht kritisieren darf, gehört zu den üblichen antisemitischen Klischees. Sie dürfen sich alles erlauben, glaubt der Judenhasser, auch "unsere" Weiber aufgreifen. In der Realität werden aber Juden genauso angeklagt und verurteilt wie jeder andere auch.
Die vermeintliche Pointe ist demnach gar keine, sondern eine Lüge. Deswegen ist die vorgebliche Satire auch nichts anderes als Hetze. Dafür bekommt Lisa Eckhart Beifall. Von der richtigen, also antisemitischen Seite.

Bei der Pointe in der Bühnennummer von 2018, in der es um diese Me Too-Sache ging, wurden nicht Stereotypen manifestiert, sondern im Kontext gebrochen. Ist ein bißchen kompliziert.

Knut Cordsen scheint etwas verstanden zu haben:
Die Dämonisierung der Autorin ("Omama") und Kabarettistin nimmt mittlerweile derart groteske Züge an, dass Lisa Eckhart sich in ihrer eigenen Masterarbeit in Germanistik wähnen muss. Deren Thema war die Figur des Teufels in der Literatur.
https://www.br.de/kultur/lisa-eckhart-d ... f-100.html
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Stoner » Sa 5. Dez 2020, 13:37

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 11:24)

Unbedingt, zumal es auch die Gegenposition von Henryk Broder gibt. Leider sind die Geschützfeuer beider Herren hinter einem antiprekären Schutzwall verborgen.
Somit muss die Frontberichterstattung wohl vorzugsweise auf Sekundärliteratur zurückgreifen.


Wenn ich mich Billers Diktum - also rein kulturbezogen - anschließen würde, dann aus anderen Gründen. Matthes Haltung zu Minka Pradelskis Roman rief mir das wieder in Erinnerung.


DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 11:24)
Mir ergeht es eher umgekehrt, das LQ und Thea Dorn erlangen neue Aufmerksamkeit. Wobei das eigentliche Konfliktthema ja übergreifend ist und die Themenfelder Literaturskandal und Cancel Culture umfasst. Kulturwelt und Feuilletons sind zur Disputatio berufen.


Einerseits schon - nur gehöre ich zu denen, die eigentlich genau diese Debatte nicht auch noch in einem Literaturmagazin führen wollen. Alle Kulturberichterstattung ist inzwischen dominiert von irgendwelchen Sorgen und Nöten um Quoten und Korrektheit; keiner braucht sich mehr mit dem, was geschrieben, gesungen, gemalt usw. wurde, zu befassen, es auch nicht verstehen, sondern nur noch moralisch beurteilen können. Wer könnte das nicht? Schon die Pfaffen wussten immer, was unmoralisch ist in der Kunst.

Wenn George Steiner sich vor gut 30 Jahren gegen die Kultur des sekundären Geschwätzes (er sagte: Diskurses) wandte, dann kann man heute froh sein, wenn dieses Sekundäre nicht schon vom Tertiären oder Quartären abgelöst wurde. Thea Dorn sollte versuchen, die Eckhart als feste Größe zu etablieren, die hat literarischen Biss, im Gegensatz zu Frau Schmidt, die nur stutigen Biss an den Tag legt. Dass nur Männer auf aufreizende Kleidung reagieren, ist angeblich ein Cliché (die verlinkte Studie habe ich nicht gelesen).

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 11:24)
Kanonierin Schmidt schießt wohl schlecht, dafür aber entschlossen.


Ja, wie alle, die zu schießen versuchen. Das handhabt jeder so, wie er kann. Auch in der Bildung ist ja die Entfaltung der Persönlichkeit ein wichtiges Ziel, und jede(r) entfaltet sich nach seinen Möglichkeiten. Die eine schaffts halt dabei in Stutenbranche, der andere ins Maler- und Anstreichergeschäft mit Spezialrichtung An- und Verbräunungsanstriche. Jeder halt, wie er kann und muss.
Zuletzt geändert von Stoner am Sa 5. Dez 2020, 16:40, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Sören74 » Sa 5. Dez 2020, 16:28

Mal eine Monumenterstürmung von der anderen Seiten. "auf direkte Anordnung von QAnon und Präsident Trump"

https://www.gmx.net/magazine/panorama/t ... n-35326988
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 16:50

Sören74 hat geschrieben:(05 Dec 2020, 16:28)

Mal eine Monumenterstürmung von der anderen Seiten. "auf direkte Anordnung von QAnon und Präsident Trump"

https://www.gmx.net/magazine/panorama/t ... n-35326988

Die bizarre Gruppe kritisiert damit Aliens aus Mexiko oder dem Weltall.

Die Bilderstürmerei von links oder rechts kann ja heiter werden.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Zunder » Sa 5. Dez 2020, 16:57

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 11:44)

Bei der Pointe in der Bühnennummer von 2018, in der es um diese Me Too-Sache ging, wurden nicht Stereotypen manifestiert, sondern im Kontext gebrochen. Ist ein bißchen kompliziert.

Gebrochen würde da leider gar nichts. Falls sie sich an Ironie versucht haben sollte, worauf definitiv nichts hinweist, ist ihr das gründlich mißlungen. Sie wurde wohl nicht versehentlich wegen mangelnder Begabung von keiner Schauspielschule aufgenommen.

Noch die dümmsten antisemitischen und rassistischen Stereotype witzig zu finden, hat im deutschen Sprachraum durchaus Tradition.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 17:13

Zunder hat geschrieben:(05 Dec 2020, 16:57)

Gebrochen würde da leider gar nichts. Falls sie sich an Ironie versucht haben sollte, worauf definitiv nichts hinweist, ist ihr das gründlich mißlungen. Sie wurde wohl nicht versehentlich wegen mangelnder Begabung von keiner Schauspielschule aufgenommen.
Sie ist ja eher Literatin als Schauspielerin. Sie sagt ja selbst, wenn sie gleich ein Buch geschrieben hätte, hätte das keinen Verlag interessiert. Der Umweg über ein satirisches Bühnenprogramm kam insofern gelegen.
Immerhin malt sie nicht. ;)

Noch die dümmsten antisemitischen und rassistischen Stereotype witzig zu finden, hat im deutschen Sprachraum durchaus Tradition.

Glaube, als Germanistin mit Master-Abschluß versteht sie ihre Texte sehr wohl, das spezifische Publikum eher auch. Die grotesken Interpretationen kommen ja von außen, teils von Fachfremden.

So ist das Skandalon ein Politicum im Kontext des entbrannten Kulturkampfes und im Kern die Machtfrage, welche Sekte in der Deutungshoheit die Führung übernimmt.
Die Mitte zwischen den Extremen ist dabei das entscheidende Hindernis, denn diese Mitte ist Garant des Pluralismus.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 5. Dez 2020, 17:34

Jetzt fehlt nur noch Dieter Nuhr, resümiert der "Tagesspiegel", der sich im Kulturgefecht deutlich positioniert.

Auch hier ist der Tenor, das Format sei grundsätzlich überflüssig (natürlich nicht wegen einer Kontaktschuld, sondern wegen des zu beschwörenden Geistes von Reich-Ranicki, selbstverständlich).
Die "Turnlehrerin" (SZ) Thea Dorn wird derzeit noch kaum direkt angegriffen, dafür hier nun das ZDF, welches eine Provokation im Schilde geführt habe.

Und selbstverständlich wird Biller ausführlich zitiert, der Eckhart mit einer "sehr, sehr blonden HJ-Frisur" identifiziert.

Wir sehen schon, es geht rund im deutschen Feuilleton. Die Winteroffensive ist in vollem Gange.

Die Widerstandsnester rund um Fleischhauer und Don Alfonso werden sich wohl bald mit Beiträgen zum Scharmützel melden.

Referenz-Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/huch ... 88948.html
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Sören74 » Sa 5. Dez 2020, 17:44

Interessant fand ich auch, dass sich Leute aufregten, was Lisa Eckhart in einer Literatursendung zu suchen hätte, aber selbige Frage nicht bei den anderen beiden Gästen, der Tennisspielerin Andrea Petkovic und Schauspieler Ulrich Matthes, stellten.
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Re: Stehen wir vor Bücherverbrennungen zwecks Antirassismus?

Beitragvon Fliege » Sa 5. Dez 2020, 17:45

DarkLightbringer hat geschrieben:(05 Dec 2020, 17:34)

Wir sehen schon, es geht rund im deutschen Feuilleton. Die Winteroffensive ist in vollem Gange.

Ich verstehe Zeitgenossen, die zum Jahreswechsel über ihr Zeitungsabonnement (so sie noch eines haben) raisonnieren.
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