Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

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franzmannzini
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon franzmannzini » Di 29. Sep 2020, 19:51

Tom Bombadil hat geschrieben:(29 Sep 2020, 19:18)

Deswegen ja auch mein Hinweis auf den Apple Pencil.


Natürlich sind wir 2020 etwas weiter, als 2012, aber ich meine Aversion gegen digitales Papier,
ist vielleicht meinem Alter geschuldet.
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H2O
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon H2O » Mi 30. Sep 2020, 09:19

Ich bin immer noch der Meinung, das man sich das gesagte Wort am besten einprägt, wenn man es selbst handschriftlich aufschreibt.
Digitalisierung kann ein Hilfsmittel sein, aber nicht für jeden.


Jein; ich habe einen polnischen Sprachkurs bis C1 mit Laptop bestritten. Natürlich mußte ich jedes Wort und jeden Satz eintippen. Ist dennoch alles gut gegangen. Ihr Nachsatz gilt also auch dann!

Na ja, das Unterrichtsmittel Overhead-Projektor war in den 60er Jahren sehr in Mode. Natürlich hätte der Dozent ein Skript seines Vortrags davon anfertigen können. Aber dann wäre in der schönen Jahreszeit wohl niemand mehr im Vortragsraum erschienen :D .
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Senexx » Mi 30. Sep 2020, 09:48

franzmannzini hat geschrieben:(29 Sep 2020, 19:51)

Natürlich sind wir 2020 etwas weiter, als 2012, aber ich meine Aversion gegen digitales Papier,
ist vielleicht meinem Alter geschuldet.

Das erscheint mir sehr bedenklich.

Papier ist auch nur ein Hilfsmittel. Und es gibt keinen Unterschied zu digitalem Schreiben.

Ich finde: Wer sich dem Fortschritt verweigert, dem sollte die Rente gekürzt werden.

Wer für sich in Anspruch nimmt, von der jungen Generation ausgehalten zu werden, der muss bereit sein, den Fortschritt zu unterstützen und mit der Zeit zu gehen.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Zahnderschreit » Mi 30. Sep 2020, 11:19

Senexx hat geschrieben:(30 Sep 2020, 09:48)
Papier ist auch nur ein Hilfsmittel. Und es gibt keinen Unterschied zu digitalem Schreiben.

Ich schreibe viel digital und bin damit bisher auch sehr zufrieden. Aber ohne Strom komme ich damit nicht weit, im Gegensatz zum Schreiben auf Papier. Auch schreibt der Handballen auf Papier nicht, sondern nur der Stift. Dieses Problem kann man analogen Schreiben nicht auftreten, egal welches Papier man verwendet (sofern die Hand sauber ist).
Dass es keinen Unterschied gibt, würde ich daher nicht sagen.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Divach » So 15. Nov 2020, 15:49

Ich habe ein Kind in der 9.Klasse einer Realschule, und möchte behaupten dass unser Schulsystem veraltet ist. Es gibt keine Veränderung seit ich vor 25 Jahren die Schule verlassen habe.
Natürlich sind die Fächer Deutsch, Mathe, Englisch wichtig. Auch Chemie, Physik, Geschichte und Biologie sollten nicht vernachlässigt werden.
Es fehlt einfach die Zeit, 4-5 Stunden Schule täglich wovon noch einige ausfallen sind einfach zu wenig.
Bildung ist der einzige Rohstoff den Deutschland noch hat, aber dafür wird zu wenig Investiert.
Über 20 Jahre nach meiner Ausbildung habe ich eine Fortbildung zum Meister begonnen, ich musste schnell lernen, dass Papier und Stift nicht mehr reichen. Mit Tablet und dem Pencil kann man nach kurzer Eingewöhnungszeit Wunderbar arbeiten. In der ersten Corona-Phase wurde innerhalb 2 Tage von Präsenz auf Onlineunterricht umgestellt. Bücher sind Digital und schnell abrufbar, informationen schnell erhältlich und teilbar.
Und in der Schule meines Kindes ist man trotz Corona-Ausfall immer noch nichts unternommen. Bei einem weiteren Lock-Down sitzen die Kinder zu Hause und verpassen uneinholbar Stoff.

Industrie 4.0, Digitalisierung, Automatisierung, das sind Herausforderungen die unsere heutigen Schüler bald meistern müssen, und in den Schulen muss man ihnen das Werzeug dafür geben.
Ich sehe es als ein Muss an, die Schüler mit Tablets, Office-Paketen und der Möglichkeit des Onlineunterrichts bzw. Onlinelernens auszustatten. Das Kindergeld wurde wegen Corona um 300 Euro erhöht, für dieses Geld hätte man Tablets für alle kaufen können.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon 3x schwarzer Kater » So 15. Nov 2020, 16:42

Tom Bombadil hat geschrieben:(29 Sep 2020, 13:07)

Entwicklungsland Deutschland: https://www.welt.de/politik/deutschland ... ehrer.html

Wie sollen die Kids da fit für das 21. Jahrhundert werden?



Beamte halt. Was will man da erwarten.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Uffhausen » Di 17. Nov 2020, 11:22

Divach hat geschrieben:(15 Nov 2020, 15:49)
Ich habe ein Kind in der 9.Klasse einer Realschule, und möchte behaupten dass unser Schulsystem veraltet ist. Es gibt keine Veränderung seit ich vor 25 Jahren die Schule verlassen habe.


Ich habe vor über 17 Jahren die Realschule abgeschlossen - wie sie sich heute zeigt, weiß ich zwar nicht, aber ich hatte damals nie das Gefühl, das System wäre veraltet = das Schulgebäude, die Möbel, das Lernmaterial, diverse Ansichten der Lehrer usw. dagegen JA!

Spätestes mit 15 Jahren ist mir bewusst geworden, was eigentlich an unserem deutschen Schulbildungssystem nicht stimmt: Es ist schlicht realitätsverweigernd bis menschenfeindlich!

Angefangen hat es damit, dass wir seinerzeit in der 9. Klasse im Erdkundeunterricht bestimmt ein ganzes Vierteljahr so ziemlich alles erdenkliche über Indien eingepaukt bekommen haben - Klassenarbeiten, Referarte, Gruppenarbeiten inklusive. Ich habe dann meinen damaligen Lehrer gefragt, WARUM wir so viel über Indien wissen müssen und überhaupt nichts über die Region, in der wir leben, bzw. Deutschland generell lernen würden.

Er: "Tja, vielleicht verschlägt es dich irgendwann mal nach Indien und dann bist du froh, dass du bei mir gelernt hast, welche klimatischen Bedingungen dort herrschen und du weißt, was du dort anziehen musst!"

Ich: "Und was ist, wenn ich niemals nach Indien will?"

Er (lachend): "Das kannst du HEUTE doch noch gar nicht wissen!"

Ich (todernst): "Aber Sie können das JETZT schon wissen?"

Ich habe noch nie einen Lehrer so dermaßen dumm aus der Wäsche gucken sehen. Logisches Denken erwarten sie seitens der Schüler immerfort, aber wenn sie dann tatsächlich damit konfrontiert werden, sind sie hilflos.

Das war quasi der Anfang von meinem Realitätsbewusstsein - ich habe mich seither in der Schule nicht mehr angestrengt, nur noch das gelernt, was mir relavant und nützlich erschien, ich habe keine Hausaufgaben mehr gemacht, ich habe nicht mehr auf Klassenarbeiten gelernt und schon gar nicht auf die Abschlussprüfungen und das, was ich nicht lernen dürfte, habe ich mir selber beibringen müssen = und habe dennoch eine zufriedenstellende Mittlere Reife von 2,3 erreicht. Ich habe zwei dicke Fünfer im Zeugnis, aber auch zwei glatte Einser geschafft.

Als ich mich dann für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich bewarb, waren meine Fünfer seltsamerweise immer Thema. Warum, wieso weshalb. Ich entgegnete dann immer: Warum, wieso, weshalb denn bitte NICHT? Ob die beiden Fünfer-Fächer ausbildungsrelevant seien - nein, aber trotzdem... Ob die beiden Einser-Fächer ausbildungsrelevant seien - ja, eines davon auf alle Fälle... Also, reden wir doch DARÜBER - und nicht über etwas, wovon Sie und ich keinen letztendlichen Nutzen haben.

Die Ausbildung selbst war dann eben auch geprägt von Realitätsferne - die schulische Theorie ließ sich schwer mit der praktischen Realität vereinbaren. Auch hier habe ich mich nicht mehr als nötig angestrengt - und trotzdem wieder einen zufriedenstellenden Abschluss von 2,5 geschafft.

Letzlich bin ich aufgrund meines Zivildienstes in die Altenpflege gewechselt. Hier fühle ich mich seither auch in der Realität angekommen. Ich wurde seinerzeit regelrecht bekniet, doch bittebbittebitte die Ausbildung zur Fachkraft zumachen - Ich habe immer abgelehnt: NIE WIEDER DEUTSCHES BILDUNGSSYSTEM! Im Lauf der Jahre hat sich meine Haltung auch immer wieder bestätigt. Die gelernte Theorie lässt sich kaum in die Praxis umsetzen. Man lehrt die Auszubildenden die "perfekte" Pflege - nur um ihnen hernach bei Praxisbesuchen für unbedeutende Nebensächlichkeiten tw. ganze Noten abzuziehen mit der Begründung, da sei schon recht so, fehlerfreie Pflege sei schließlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Seit einigen Wochen bin ich - trotz fehlender Fachausbildung, aber dafür qualitativ hochwertige Erfahrung - zum Praxisanleiter meiner Station ernannt worden. Heißt, ich habe Sorge dafür zu tragen, dass unsere Auszubildenden und Einzuarbeitenden gemäß externen und internen Vorschriften ihre Arbeit praktisch umsetzen. Aktuell ist mir ein Auszubildender zur Betreuungskraft zugeteilt, der coronabedingt in seiner eigentlichen Ausbildungstelle keine Praxiserfahrungen sammeln kann. Kurzfristig wurde ein Prüfungsbesuch angekündigt und nun musste ich ihn auf seine Aufgabe - eine Kleingruppenaktivierung zum Thema Märchen - vorbereiten.

Als er mir zeigte, was die Schule alles von ihm deswegen verlangt, bin ich schier vom Glauben abgefallen. Drei Tage Spätschicht waren vonnöten, um das ganze Schreibzeugs zu bewältigen - und nichts, aber auch gar nichts, hatte ansatzweise mit der eigentlichen Aufgabenstellung zutun. Der absolute Höhepunkt war, dass wir die Sessel im Wintergarten genau vermessen und bei einer Angehörigen anrufen mussten, um zu hinterfragen, in welchen Vereinen genau deren Mutter zu damaligen Zeiten Mitglied war. Ohne diese Angaben gibt es Notenabzug; ohne diese Wissen kann man keine Betreuungskraft werden! So lernen sie es tatsächlich in der Berufsschule.

Ich habe mir im Anschluss an den Praxisbesuch dann mal die Fachlehrerin vorgeknöpft - sie entpuppte sich als realitätsverweigerndes, ministeriumstreues, menschliches Arschloch, die allen Ernstes meinte, mir meine Arbeit erklären zu können und sich sonstwas drauf einbildet, weil sie vor über 20 Jahren (freiwillig!) ein dreitägiges Schnupperpraktikum in einer Pflegeeinrichtung absolviert hat.

Zum Schluss wurde sie noch beleidigend, als sie meinem Schüler "Bequemlichkeit" unterstellte, obgleich ihr bekannt ist, dass er bislang nur die Sonderschule besucht hat und dort niemals richtig lesen und schreiben gelernt hat. Sie hat damit bei dem Schüler einen Heulkrampf ausgelöst; seine Defizite sind ihm bewusst und unendlich peinlich, weswegen er sich in diesen Bereichen aufgrund fehlendem Selbstbewusstsein selbst im Weg steht. Als ich seine Lehrerin aufforderte, sich unverzüglich bei dem Schüler für ihre verbale Entgleisung zu entschuldigen, sagte sie nur, dass ich ihr gar nicht vorzuschreiben hätte - ich daraufhin: "Oh doch: RAUS!".

Ich habe tagsdrauf die Berufsschulleitung über den Vorfall informiert; man sagte mir, derartiges sei über die betroffene Lehrerin hinlänglich bekannt, man würde aber nichts unternehmen wollen, da sie mit dem Ende des laufenden Schuljahres ohnehin in Rente gehen würde.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon firlefanz11 » Do 4. Feb 2021, 20:43

Dem Vernehmen nach soll der Gymnasialabschluss 2020/21 "Halbitur" heissen.
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon schokoschendrezki » So 28. Feb 2021, 14:38

Uffhausen hat geschrieben:(17 Nov 2020, 11:22)

Ich habe vor über 17 Jahren die Realschule abgeschlossen - wie sie sich heute zeigt, weiß ich zwar nicht, aber ich hatte damals nie das Gefühl, das System wäre veraltet = das Schulgebäude, die Möbel, das Lernmaterial, diverse Ansichten der Lehrer usw. dagegen JA!


Auf der einen Seite veraltet. Aber auf der anderen Seite auch wieder irgendwie "überreformiert". Selbst in meiner Grundschulzeit, in den Endsechziger Jahren und selbst in der preußisch-konservativen DDR: Hielten bereits neben dem klassischen Frontalunterricht moderne Formen von gruppenorientiertem Lernen Einzug. "Lerngruppen". Ich habe sie gehasst. In meiner kindlichen Vorstellung haben sich damit die Erwachsenen und die Lehrer aus ihrer Verantwortung gestohlen. Ich wollte immer nur Frontalunterricht und für mich ganz allein und einsam lernen. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagte mir: Warum soll ich der dummen Bärbel die Grundrechenarten beibringen? Wofür gibts denn die Lehrer?
Ich habe nie in meinem Leben irgendein Volk oder Kollektiv geliebt ... ich liebe in der Tat nur meine Freunde und bin zu aller anderen Liebe völlig unfähig (Hannah Arendt)
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Uffhausen » So 28. Feb 2021, 15:12

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2021, 14:38)

Auf der einen Seite veraltet. Aber auf der anderen Seite auch wieder irgendwie "überreformiert". Selbst in meiner Grundschulzeit, in den Endsechziger Jahren und selbst in der preußisch-konservativen DDR: Hielten bereits neben dem klassischen Frontalunterricht moderne Formen von gruppenorientiertem Lernen Einzug. "Lerngruppen". Ich habe sie gehasst. In meiner kindlichen Vorstellung haben sich damit die Erwachsenen und die Lehrer aus ihrer Verantwortung gestohlen. Ich wollte immer nur Frontalunterricht und für mich ganz allein und einsam lernen. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagte mir: Warum soll ich der dummen Bärbel die Grundrechenarten beibringen? Wofür gibts denn die Lehrer?

Gruppenarbeit in der Schule habe ich auch gehasst. Ich hatte aber nie das Gefühl, anderen etwas beibringen zu müssen, sondern vielmehr Angst, dass die Dummheit oder Unfähigkeit der anderen letztlich notentechnisch auf mich übertragen wird. In der Regel haben hinterher alle Gruppenmitglieder nämlich dieselbe Benotung erhalten. Leider bin ich - bis heute - in solchen Situationen nicht sonderlich durchsetzungsfähig, sondern eher der stille Erdulder = weil ich dazu erzogen wurde, erst nachzudenken und dann zu handeln, bzw. zu reden. Das erwarte ich ebenso auch immer von meinen Mitmenschen - und werde deswegen regelmäßig von ihnen enttäuscht. Der Vorteil ist, dass mich deswegen im Grunde gar nichts mehr wirklich wundern kann! :D
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon schokoschendrezki » So 28. Feb 2021, 17:01

Uffhausen hat geschrieben:(28 Feb 2021, 15:12)

Gruppenarbeit in der Schule habe ich auch gehasst. Ich hatte aber nie das Gefühl, anderen etwas beibringen zu müssen, sondern vielmehr Angst, dass die Dummheit oder Unfähigkeit der anderen letztlich notentechnisch auf mich übertragen wird. In der Regel haben hinterher alle Gruppenmitglieder nämlich dieselbe Benotung erhalten. Leider bin ich - bis heute - in solchen Situationen nicht sonderlich durchsetzungsfähig, sondern eher der stille Erdulder = weil ich dazu erzogen wurde, erst nachzudenken und dann zu handeln, bzw. zu reden. Das erwarte ich ebenso auch immer von meinen Mitmenschen - und werde deswegen regelmäßig von ihnen enttäuscht. Der Vorteil ist, dass mich deswegen im Grunde gar nichts mehr wirklich wundern kann! :D

Ich muss dazu sagen, dass mich Gruppenarbeit nicht deshalb genervt hat, weil ich vielleicht lieber der einsame Streber gewesen wäre. "Streber" setzt irgendwie ein Konkurrenzbewusstsein voraus. Es hat mich einfach nicht interessiert, was die Mitschüler da so machten. Auch wenn ich keineswegs ein Einzelgänger war. Es hat mich - bis auf das Notwendigste - auch nur wenig interessiert, was die Lehrer von mir an abrechenbaren Leistungen erwarteten. Ebenso wie es mich heute - solange ich keine Existenzsorgen habe - nicht interessiert, was meine Mitmenschen verdienen oder besitzen.

In verschiedenen Threads in diesem Forum ist häufig von "Sozialisierungen" unter diesen und jenen Bedingungen die Rede. Und diese "Bedingungen" werden dann nicht selten als prinzipiell unüberschreitbare Beschränkungen gesehen. Zum Beispiel: "Sozialisierung in der DDR". "Hinter der Mauer". Dabei wird nicht berücksichtigt, dass "Beschränkungen" immer auch das Potenzial zum Beschränktheitsüberwindungswillen haben. Und umgekehrt: Dass Unbeschränktheit im Sinne von negativer Freiheit auch immer das Potenzial zur Erlahmung des Willens zur Überschreitung und zu positiver Freiheit birgt. Im Ganzen gleicht es sich wohl aus.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Selina » So 28. Feb 2021, 17:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2021, 17:01)

Ich muss dazu sagen, dass mich Gruppenarbeit nicht deshalb genervt hat, weil ich vielleicht lieber der einsame Streber gewesen wäre. "Streber" setzt irgendwie ein Konkurrenzbewusstsein voraus. Es hat mich einfach nicht interessiert, was die Mitschüler da so machten. Auch wenn ich keineswegs ein Einzelgänger war. Es hat mich - bis auf das Notwendigste - auch nur wenig interessiert, was die Lehrer von mir an abrechenbaren Leistungen erwarteten. Ebenso wie es mich heute - solange ich keine Existenzsorgen habe - nicht interessiert, was meine Mitmenschen verdienen oder besitzen.

In verschiedenen Threads in diesem Forum ist häufig von "Sozialisierungen" unter diesen und jenen Bedingungen die Rede. Und diese "Bedingungen" werden dann nicht selten als prinzipiell unüberschreitbare Beschränkungen gesehen. Zum Beispiel: "Sozialisierung in der DDR". "Hinter der Mauer". Dabei wird nicht berücksichtigt, dass "Beschränkungen" immer auch das Potenzial zum Beschränktheitsüberwindungswillen haben. Und umgekehrt: Dass Unbeschränktheit im Sinne von negativer Freiheit auch immer das Potenzial zur Erlahmung des Willens zur Überschreitung und zu positiver Freiheit birgt. Im Ganzen gleicht es sich wohl aus.


Eine bestimmte "Sozialisierung" zu "durchlaufen", hat meines Erachtens nichts mit scheinbar "unüberschreitbaren Beschränkungen" zu tun. Im Gegenteil: Gerade die Sozialisierung in der DDR hat bei vielen dazu geführt, ein gesamtes System über Bord zu werfen. Friedlich. Ich frag mich allerdings, wo heute solche "Sozialisationen" mit einem derartigen Änderungswillen und mit einer derartigen Änderungskraft zu finden sind.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » So 28. Feb 2021, 18:02

Selina hat geschrieben:(28 Feb 2021, 17:55)

. Ich frag mich, wo heute solche "Sozialisationen" mit einem derartigen Änderungswillen und mit einer derartigen Änderungskraft zu finden sind.


Wozu?

Es gibt keinen Weg weg von unserer sozialen Marktwirtchaft auf Basis der FDGO

Das weiß der große Teil der deutschen Bevölkerung- auch aufgrund der Schulbildung.
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » So 28. Feb 2021, 18:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2021, 17:01)

I
In verschiedenen Threads in diesem Forum ist häufig von "Sozialisierungen" unter diesen und jenen Bedingungen die Rede. Und diese "Bedingungen" werden dann nicht selten als prinzipiell unüberschreitbare Beschränkungen gesehen. Zum Beispiel: "Sozialisierung in der DDR". s.



Diese Denk-Beschränkung im Hinblick auf das uneingeschränkte Recht auf das Eigentum an den Produktionsmitteln ( = Unternehmen) ist für einige, die in der DDR "sozialisiert" wurden, ja auch im Forum immer wieder zu lesen... :x
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Billie Holiday » So 28. Feb 2021, 18:05

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Feb 2021, 14:38)

Auf der einen Seite veraltet. Aber auf der anderen Seite auch wieder irgendwie "überreformiert". Selbst in meiner Grundschulzeit, in den Endsechziger Jahren und selbst in der preußisch-konservativen DDR: Hielten bereits neben dem klassischen Frontalunterricht moderne Formen von gruppenorientiertem Lernen Einzug. "Lerngruppen". Ich habe sie gehasst. In meiner kindlichen Vorstellung haben sich damit die Erwachsenen und die Lehrer aus ihrer Verantwortung gestohlen. Ich wollte immer nur Frontalunterricht und für mich ganz allein und einsam lernen. Mein Gerechtigkeitsempfinden sagte mir: Warum soll ich der dummen Bärbel die Grundrechenarten beibringen? Wofür gibts denn die Lehrer?


Ich habe nachmittags mit befreundeten Klassenkameraden freiwillig in kleiner Gruppe gelernt, als es auf die Abschlußprüfungen zuging. Auf besagte „dumme Bärbel“ hatten wir auch keine Lust. Frontalunterricht -einer redet, die anderen hören zu- hat mich nie gestört.
Ich war sehr gut in Mathe und Englisch und habe meinen Freunden gern geholfen, dafür hat mein Kumpel mir in Physik geholfen. Das war aber alles selbst organisiert, ohne Zutun der Lehrer. Mit den Klassenblöden wollten wir nicht zusammen lernen. Schulkinder sind da leider sehr ehrlich und direkt. Dass die Guten die weniger Guten hochziehen, ist eher ein rosaroter Traum.

Meine Tochter hatte nach Einführung der Inklusion einen Autisten in der Klasse, der Bücher durch die Gegend schmiss und sehr aggressiv auf die Mädchen reagiert hat. Vorteile hatte niemand, der Autist auch nicht. Die laute Klasse mit pubertären Jungs und Zicken hat ihn verschreckt. Bei Klassenarbeiten saß der Betreuer flüsternd neben ihm, was den Rest gestört und genervt hat. Kinder sind ehrlich.
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » So 28. Feb 2021, 18:08

Billie Holiday hat geschrieben:(28 Feb 2021, 18:05)

I r. Mit den Klassenblöden wollten wir nicht zusammen lernen. Schulkinder sind da leider sehr ehrlich und direkt. Dass die Guten die weniger Guten hochziehen, ist eher ein rosaroter Traum.
h.


Das ist in Unternehmen nicht anders... :x
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Billie Holiday » So 28. Feb 2021, 18:09

Realist2014 hat geschrieben:(28 Feb 2021, 18:08)

Das ist in Unternehmen nicht anders... :x


:?: Schulbildung?
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon Realist2014 » So 28. Feb 2021, 18:12

Billie Holiday hat geschrieben:(28 Feb 2021, 18:09)

:?: Schulbildung?


Das nicht zusammen arbeiten wollen mit den "Firmenblöden"..... :p
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon jack000 » So 28. Feb 2021, 18:14

In der Schule lernt man fast nur nutzloses Zeug. Wenn jemand Abitur hat, bedeutet das aber nicht das er in der Lage ist, an einem Automaten eine Bahnfahrkarte zu kaufen.

Wichtig wären die Themen, die einem auf das Leben vorbereiten:
- Wohnungssuche
- Kredit aufnehmen
- Auto kaufen (Neu und Gebraucht)
- Pflanzen im Garten und Zimmer
- Umgang mit verschiedenen Behörden
- Konsequenzen von Straftaten
- Jobsuche
- Haushalt führen (auch finanziell)
- Gesunde Ernährung / Kochen
- Vorbeugung von Krankheiten
- Schutz vor Betrug und Straftaten
- Altersvorsorge
- Umweltschutz / Abfall korrekt entsorgen
- Verbraucherschutz
- Handwerkliche Fähigkeiten (Tapezieren, Malern, Möbel zusammenbauen, Hauselektrik, etc...)
- etc ...
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Re: Deutsche Schulbildung: Sinn vs. Unsinn

Beitragvon jack000 » So 28. Feb 2021, 18:16

Billie Holiday hat geschrieben:(28 Feb 2021, 18:05)
Meine Tochter hatte nach Einführung der Inklusion einen Autisten in der Klasse, der Bücher durch die Gegend schmiss und sehr aggressiv auf die Mädchen reagiert hat. Vorteile hatte niemand, der Autist auch nicht. Die laute Klasse mit pubertären Jungs und Zicken hat ihn verschreckt. Bei Klassenarbeiten saß der Betreuer flüsternd neben ihm, was den Rest gestört und genervt hat. Kinder sind ehrlich.

Wer sich diesen Scheiß mit der Inklusion ausgedacht hat, sollte sich mal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Wieder nichts anderes als irgendein Scheiß den sich Linksorientiere ausgedacht haben.
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