Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Moderator: Moderatoren Forum 5

Förderung: A ein Jahr vor Einschulung, B bei Einschulung, C bei mangelh. Sprachkenntnis 1J danach?

A: Freiwillige Sprachförderung
2
6%
A: Verpflichtende Sprachförderung
6
19%
B: Einschulung und freiwillige Sprachförderung
0
Keine Stimmen
B: Einschulung und verpflichtende Sprachförderung
9
28%
B: Keine Einschulung und verpflichtende Sprachförderung (ein Schuljahr)
4
13%
C: (Einschulung und) freiwillige Sprachförderung
0
Keine Stimmen
C: (Einschulung und) verpflichtende Sprachförderung
4
13%
C: Verpflichtende Sprachförderung und Einschulung erst mit ausreichender Sprachkenntnis
7
22%
 
Abstimmungen insgesamt: 32
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 11460
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Selina » Di 6. Aug 2019, 19:22

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:13)

Z.B., das halte ich für eine gute Idee, die auch dem kleinen Sepp aus Niederbayern, oder den kleinen Adrian aus Rheinland-Pfalz, die für die Lehrkraft nur unverständlichen Dialekt sprechen, zugute kommt.


Genau. Die Dialekt-Geschichte ist dann ein angenehmer Nebeneffekt der sehr nützlichen Vorschule.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Benutzeravatar
Vongole
Vorstand
Beiträge: 5239
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Vongole » Di 6. Aug 2019, 19:22

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:27)

Richtig, dass bereits früher angesetzt wird, empfiehlt er ja auch mit seiner “Vorschulpflicht“.

Für absurd halte ich die im Spiegel gelisteten “Erfolgsbespiele“, die gemessen an der Gesamtbevölkerung im Promillebereich liegen dürften. Als ob jedes Kind in der Lage wäre, ein Überflieger zu sein.


Die sind nicht absurd, wenn Du Dir das Alter der dort zitierten Personen anschaust. Zu der Zeit, als sie in die Schule kamen, hätte auch ich Linnemann vehement widersprochen, schon aus eigener Erfahrung.
Mittlerweile erleben wir in der ersten Schulklasse eine geradezu babylonische Sprachvielfalt, die das spielerische beiläufige Erlernen der deutschen Sprache ungeheuer erschweren.
Ich bin deswegen schon seit Jahren für eine verbindliche Kita-Pflicht, und sei es nur ein Vorschuljahr. Würde sie - unter Leitung von dafür qualifiziertem Personal - eingeführt, könnte man den Kindern
die spätere Einschulung ersparen.
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12655
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 19:23

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:15)

Weshalb ist jemand ein Idiot, der empfiehlt, Sechsjährige ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, ein Jahr zurück zu stellen und sie erst mit sieben Jahren und erweiterten Deutschkenntnissen mit der Grundschule starten zu lassen? Mir scheint das dem Kind gegenüber fairer zu sein, als es ohne Kenntnisse der deutschen Sprache zwei Lernprozessen gleichzeitig auszusetzen.

Für die Rückstellung wegen mangelnder Schulfähigkeit gibt es in Bayern längst Regelungen. Der Mann will eine Sonderregel fuer Fremdsprachler.

Es gibt mittlerweile auch eine kleine, besorgniserregende Gruppe von einheimischen Kindern mit stark verminderter Sprachkompetenz. Denen ist nicht geholfen, wenn sie noch mehr Zeit verlieren. Die Situation Schule ist insgesamt guenstig für den Spracherwerb. Die Kitas sind schon "schwer begeistert" von der neuen bayrischen Möglichkeit, Kinder auch unabhängig vom Stichtag ein weiteres Jahr in der Kita zu behalten. Jetzt noch ein Jahr mehr? Und wozu? Wer in 7 Jahren die Sprache nicht gut kann, braucht Hilfe. Aber nicht zwingend eine noch weiter vorenthaltene Schule. Die Kitas wissen mit denen nichts anzufangen. Die Prämisse, für den Schulzugang die Sprache gut können zu müssen, ist unsinnig. Kognitive Fähigkeiten sind wichtig, das sind Gründe für Zurückstellung oder Sonderfoerderung. Es gibt auch genug Beispiele für Spracherwerb an der Schule.

Umgekehrt darf man an der Schule auch scheitern. Das gehört zur Wahrheit des Lehren und Lernen, dass manche trotz Problemen etwas schaffen und andere nicht motiviert oder unfähig sind.

Der Mann ist einfach ein Idiot. Die Union braucht ein Profil, nicht halbgare Vorschläge.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Selina
Beiträge: 11460
Registriert: Do 29. Sep 2016, 15:33

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Selina » Di 6. Aug 2019, 19:29

Darum ist der Vorschlag, das letzte Kita-Jahr einfach zur Vorschule zu machen, auch so gut. Da gibts nur Vorteile von. Keine zusätzliche Zeitvergeudung. Und für alle Kinder zum Schulanfang die gleichen Startbedingungen.
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
Nightrain
Beiträge: 1079
Registriert: Di 1. Mai 2018, 01:36

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Nightrain » Di 6. Aug 2019, 20:18

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:23)
Für die Rückstellung wegen mangelnder Schulfähigkeit gibt es in Bayern längst Regelungen. Der Mann will eine Sonderregel fuer Fremdsprachler.

Bestimmt ist das wieder so ein Nazihetzer! :p

Hat denn jedes Bundesland eine Regelung, die dafür sorgt, dass Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse nicht einfach in die 1. Klasse gesteckt werden?

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:23)
Es gibt mittlerweile auch eine kleine, besorgniserregende Gruppe von einheimischen Kindern mit stark verminderter Sprachkompetenz. Denen ist nicht geholfen, wenn sie noch mehr Zeit verlieren. Die Situation Schule ist insgesamt guenstig für den Spracherwerb. Die Kitas sind schon "schwer begeistert" von der neuen bayrischen Möglichkeit, Kinder auch unabhängig vom Stichtag ein weiteres Jahr in der Kita zu behalten. Jetzt noch ein Jahr mehr? Und wozu? Wer in 7 Jahren die Sprache nicht gut kann, braucht Hilfe. Aber nicht zwingend eine noch weiter vorenthaltene Schule. Die Kitas wissen mit denen nichts anzufangen. Die Prämisse, für den Schulzugang die Sprache gut können zu müssen, ist unsinnig. Kognitive Fähigkeiten sind wichtig, das sind Gründe für Zurückstellung oder Sonderfoerderung. Es gibt auch genug Beispiele für Spracherwerb an der Schule.

Fehlende Sprachkenntnisse zur Einschuldung sind aber genauso gute Gründe für eine Rückstellung. Wer kein Wort der Lehrerin versteht, wird die 1. Klasse nicht schaffen.

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:23)
Umgekehrt darf man an der Schule auch scheitern. Das gehört zur Wahrheit des Lehren und Lernen, dass manche trotz Problemen etwas schaffen und andere nicht motiviert oder unfähig sind.

Das klingt so als sollte man die Kinder einfach in die 1. Klasse stopfen und wenn es schief geht, dann noch ein paar Runden drehen lassen. Der Schulstoff in der 1. Klasse ist zu voll, um ohne Abspriche massiv Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.


Selina hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:29)
Darum ist der Vorschlag, das letzte Kita-Jahr einfach zur Vorschule zu machen, auch so gut. Da gibts nur Vorteile von. Keine zusätzliche Zeitvergeudung. Und für alle Kinder zum Schulanfang die gleichen Startbedingungen.


Das wird doch von solchen Versagerregierungen wie in Berlin aktiv verhindert:
"Tatsächlich wurden im vergangenen Jahr (2018) nach Daten der Bildungsverwaltung 3000 Kinder zu einer Sprachstandserhebung eingeladen. Getestet wurden aber nur 651. Schließlich erhielten die Erziehungsberechtigten von 469 Kindern einen Bescheid zur verpflichtenden Sprachförderung“. 413 erfüllten die Auflage nicht. 2017, als die Zahlen noch schlechter waren, verschickten die Bezirksämter nur in jedem dritten Fall nicht erfüllter Auflagen einen Bußgeld-Bescheid."
( https://www.morgenpost.de/berlin/articl ... ht-ab.html )


Es interessiert die Eltern mit sprachauffälligen Kindern mehrheitlich einen Dreck, ob die Kinder Sprachförderung brauchen!
"Gleiches gilt in Deutschland für AfD und Pegida. Der gewalttätige Antisemitismus kommt heute nicht von rechts, auch wenn die irreführenden Statistiken etwas anderes sagen." (Michael Wolffsohn)
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12655
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 21:09

Nightrain hat geschrieben:(06 Aug 2019, 20:18)

Bestimmt ist das wieder so ein Nazihetzer! :p

Eher nicht. CDU sind die Guten. Meistens.

Hat denn jedes Bundesland eine Regelung, die dafür sorgt, dass Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse nicht einfach in die 1. Klasse gesteckt werden?

Bildung ist Ländersache.


Fehlende Sprachkenntnisse zur Einschuldung sind aber genauso gute Gründe für eine Rückstellung. Wer kein Wort der Lehrerin versteht, wird die 1. Klasse nicht schaffen.

Einschuldung. Yeah. Die meisten Kinder holen ziemlich schnell auf. Zudem sind Förderungen anzubieten. Ixh halte aber nichts von einer Pflicht zum Deutschkurs. Wer anderweitig Sprache erwirbt, bon. Wer es lieber sein lässt, bekommt nun mal schlechtere Noten in Deutsch. Das ist sehr fair. Mathe koennen die Eltern auch aud Grundschulniveau bei den Hausaufgaben locker in der jeweiligen Sprache nachhelfen, wenn ihnen ihr Nachwuchs mit Fragen kommt.

Das klingt so als sollte man die Kinder einfach in die 1. Klasse stopfen

Die Klassenteiler sind heute allgemein vorteilhafter als noch in den 60ern. Da wird niemand gestopft.

und wenn es schief geht, dann noch ein paar Runden drehen lassen. Der Schulstoff in der 1. Klasse ist zu voll, um ohne Abspriche massiv Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten.

Abspriche kennt mein Wahrig nicht. DaF lernt man im freiwilligen Zusatzkurs. Das Land foerdert das.

Es interessiert die Eltern mit sprachauffälligen Kindern mehrheitlich einen Dreck, ob die Kinder Sprachförderung brauchen!

Das ist viel zu undifferenziert. Es gibt aber Faelle, in denen die Eltern Hilfsangebote nicht wuenschen oder die Kinder sich nicht genuegend bemühen. Das ist zu respektieren. Es gibt eine Schulpflicht. (Besser wäre eine Bildungspflicht.) Eine Pflicht, gut in der Schule sein zu wollen, gibt es nicht. Freiheit heißt auch eigenes Ermessen und Verantwortung fuer die Folgen.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Skeptiker
Moderator
Beiträge: 3269
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 21:38

Selina hat geschrieben:(06 Aug 2019, 19:29)

Darum ist der Vorschlag, das letzte Kita-Jahr einfach zur Vorschule zu machen, auch so gut. Da gibts nur Vorteile von. Keine zusätzliche Zeitvergeudung. Und für alle Kinder zum Schulanfang die gleichen Startbedingungen.

Und was wenn's nicht langt? Ich denke Linnemann ging es um den Zeitpunkt der Einschulung. Was, wenn das Kind - ggf. trotz Fördermaßnahmen im Kindergarten - einfach immernoch mangelhafte Sprachkenntnisse hat?
Benutzeravatar
becksham
Beiträge: 4508
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 10:58
Benutzertitel: Hoolady Tintling

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon becksham » Di 6. Aug 2019, 21:54

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2019, 21:38)

Und was wenn's nicht langt? Ich denke Linnemann ging es um den Zeitpunkt der Einschulung. Was, wenn das Kind - ggf. trotz Fördermaßnahmen im Kindergarten - einfach immernoch mangelhafte Sprachkenntnisse hat?

Dann würde ich ihm Zeit geben, sich in der Schule weiterzuentwickeln. Ich halte einen Schulbesuch mit nahezu gleichaltrigen Kindern (wie oben geschrieben maximal 1 Jahr älter) für wichtiger.
Benutzeravatar
jack000
Beiträge: 30178
Registriert: So 1. Jun 2008, 18:21
Wohnort: Stuttgart

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon jack000 » Di 6. Aug 2019, 21:57

JJazzGold hat geschrieben:(06 Aug 2019, 18:27)

Richtig, dass bereits früher angesetzt wird, empfiehlt er ja auch mit seiner “Vorschulpflicht“.

Für absurd halte ich die im Spiegel gelisteten “Erfolgsbespiele“, die gemessen an der Gesamtbevölkerung im Promillebereich liegen dürften. Als ob jedes Kind in der Lage wäre, ein Überflieger zu sein.

So ist es, man muss sich nur mal vorstellen selbst als Kind in einer Klasse/einem Land zur Schule zu gehen dessen Sprache man nicht versteht ...
=> Das wird in den meisten Fällen schief gehen !
DU30
"Wer die Sicherheit für Toleranz austauscht, der wird beides verlieren" (Dushan Wegner)
Benutzeravatar
Skeptiker
Moderator
Beiträge: 3269
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 21:59

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 21:54)

Dann würde ich ihm Zeit geben, sich in der Schule weiterzuentwickeln. Ich halte einen Schulbesuch mit nahezu gleichaltrigen Kindern (wie oben geschrieben maximal 1 Jahr älter) für wichtiger.

Es wurden Befürchtungen geäußert, dass die Doppelbelastung des Kindes, dieses den Anschluss verlieren lassen könnte. Also "mit Kumpels zusammen sein" wichtiger als "sinnvoll lernen können"?
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12655
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 22:01

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 21:54)

Dann würde ich ihm Zeit geben, sich in der Schule weiterzuentwickeln. Ich halte einen Schulbesuch mit nahezu gleichaltrigen Kindern (wie oben geschrieben maximal 1 Jahr älter) für wichtiger.

Ja, das ist wichtig. In diesem Alter überbrückt sich vieles noch. Ob einer die ersten paar Schuljahre nicht gut mitkam, fragt spaeter keiner mehr. Erhebliche, erklärungsbedürftige Altersunterschiede dagegen ziehen sich durch die gesamte Schulkarriere. "Sie waren wohl auf Auslandssemester?" - "Naja... nicht ganz".
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
jack000
Beiträge: 30178
Registriert: So 1. Jun 2008, 18:21
Wohnort: Stuttgart

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon jack000 » Di 6. Aug 2019, 22:02

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 22:01)

Ja, das ist wichtig. In diesem Alter überbrückt sich vieles noch. Ob einer die ersten paar Schuljahre nicht gut mitkam, fragt spaeter keiner mehr. Erhebliche, erklärungsbedürftige Altersunterschiede dagegen ziehen sich durch die gesamte Schulkarriere. "Sie waren wohl auf Auslandssemester?" - "Naja... nicht ganz".

Interessant wäre erstmal, ob überhaupt die Angabe des Alters der Realität entspricht ...
DU30
"Wer die Sicherheit für Toleranz austauscht, der wird beides verlieren" (Dushan Wegner)
Benutzeravatar
becksham
Beiträge: 4508
Registriert: Mo 2. Jun 2008, 10:58
Benutzertitel: Hoolady Tintling

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon becksham » Di 6. Aug 2019, 22:06

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2019, 21:59)

Es wurden Befürchtungen geäußert, dass die Doppelbelastung des Kindes, dieses den Anschluss verlieren lassen könnte. Also "mit Kumpels zusammen sein" wichtiger als "sinnvoll lernen können"?

Nicht wichtiger aber beides wichtig. Ich gehe davon aus, dass dein Beispiel sich nur auf Einzelfälle beziehen kann. Niemand lernt Sprachen so leicht wie Kinder (nehme ich jedenfalls so wahr). Wenn wir also davon ausgehen, dass schon 1 Vorschuljahr mit dem Lernen der Sprache absolviert wurde, denke ich, sind die Defizite nicht so groß, dass es zu massiven Problemen in der Schule kommen würde.
VaterMutterKind

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon VaterMutterKind » Di 6. Aug 2019, 22:09

Man kann ja für arabische Kinder extra Schulen eröffnen. Deutsch dann als Fremdsprache und der restliche Unterricht auf arabisch.
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12655
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 22:13

jack000 hat geschrieben:(06 Aug 2019, 22:02)

Interessant wäre erstmal, ob überhaupt die Angabe des Alters der Realität entspricht ...

Ein Lehrer der ersten Klasse wird schon merken, wenn der Schuelerin dicke Brueste wachsen oder die Nabelschnur noch an der Mama dran ist.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
Skeptiker
Moderator
Beiträge: 3269
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 22:22

imp hat geschrieben:(06 Aug 2019, 22:01)
Ja, das ist wichtig. In diesem Alter überbrückt sich vieles noch. Ob einer die ersten paar Schuljahre nicht gut mitkam, fragt spaeter keiner mehr.

Da habe ich persönlich eher gegenteilige Erfahrungen gemacht. In meinen Augen bedeutet "Rückstand haben" eher einen Start in eine schlecht Schulkarriere, die sich durchzieht. Das sehe ich als einen der Gründe dafür, dass Migranten im Vergleich mit anderen Schülern (meines Wissens) eine schlechtere Schulleistung haben (man möge mich eines besseren belehren wenn es nicht so ist).

Ich bin kein Pädagoge und habe da auch keine Expertenkenntnisse, aber soweit es mir bekannt ist, haben z.B. die meisten Sitzenbleiber danach einen deutlichen Leistungsschub. Das ist mE nicht die Motivation, sondern schlicht die Tatsache, dass sie ihren Rückstand in einen Vorsprung umwandeln.
Erhebliche, erklärungsbedürftige Altersunterschiede dagegen ziehen sich durch die gesamte Schulkarriere. "Sie waren wohl auf Auslandssemester?" - "Naja... nicht ganz".

Bei einer Einschulung ein Jahr später sollte man sicher keine lebensbedrohlichen Nebenwirkungen auf die Karriere erwarten. Insbesondere, wenn man durch die Reife in der Lage ist höhere Leistung zu bringen als die Mitschüler.
Benutzeravatar
Fliege
Beiträge: 3735
Registriert: Sa 26. Mai 2018, 00:15

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Fliege » Di 6. Aug 2019, 22:26

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2019, 17:26)
Das Thema kommt gerade in den Medien hoch, weil der CDU-Politiker Linnemann diesbezüglich einen Vorschlag gemacht hat.

Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) hat ihre Fake-News zu Linnemann mittlerweile zurückgezogen und berichtigt (siehe den entsprechenden Twitter-Post).
Medienversagen: "für den gehobenen Moralbedarf"; Migrationsdesaster: "wie ein Hippie-Staat"; Klimahysterie: "weltweit dümmste Energiepolitik".
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 12655
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 20:37
Benutzertitel: Es ist Zeit fuer eine Pause.

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon imp » Di 6. Aug 2019, 22:28

Skeptiker hat geschrieben:(06 Aug 2019, 22:22)

Da habe ich persönlich eher gegenteilige Erfahrungen gemacht. In meinen Augen bedeutet "Rückstand haben" eher einen Start in eine schlecht Schulkarriere, die sich durchzieht.

Ich sehe das nicht. Wer beim ABC noch Probleme hatte, ging aufs Gymnasium, andere blieben zurück. Der Dauerstreber ist erst in der Pubertät Mittelmaß geworden. Manche Umsteiger von anderer Schulform haben am Gymnasium richtig aufgedreht. Man muss wollen und was dafuer tun. Irgendeinen Startnachteil hat doch jeder vorzubringen. Eine Gesellschaft soll Angebote machen, aber jedem selbst überlassen, daraus etwas zu schaffen.

Ich bin kein Pädagoge und habe da auch keine Expertenkenntnisse, aber soweit es mir bekannt ist, haben z.B. die meisten Sitzenbleiber danach einen deutlichen Leistungsschub. Das ist mE nicht die Motivation, sondern schlicht die Tatsache, dass sie ihren Rückstand in einen Vorsprung umwandeln.

Kommt vor, gibt es auch anders. Viele Bundesländer haben das sitzenbleiben eingeschränkt oder ganz abgeschafft.
"Don't say words you gonna regret" - Eric Woolfson
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 25567
Registriert: So 13. Sep 2015, 13:49

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon H2O » Di 6. Aug 2019, 22:40

Mich verblüfft diese aufgekommene Diskussion einigermaßen. Ich stimme sofort zu, daß Kinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse nicht in "normale" Schulklassen gehören. Dort binden sie Lehrkräfte und behindern den Unterricht und den Lerneifer der Normalos.

Aber war denn nicht vor einigen Jahren die Rede von frühkindlichem Spracherwerb, der nicht nur Kindern aus Zuwandererfamilien helfen sollte, die Schulreife von Normalos zu erreichen? Da war die Rede von geschulten BetreuerInnen vom 3. Lebensjahr an, auf jeden Fall aber ein Vorschuljahr dort, wo es wirklich nur an der Sprache haperte.

Waren das denn alles Reden zum offenen Fenster heraus? Das empört mich dann doch! Hatte man endlich seinen inneren Frieden mit der erwartbaren Entwicklung gemacht, dann zeigt sich jetzt, daß nichts dergleichen flächendeckend auf den Weg gebracht wurde. Bevor ich mich wirklich ärgere hätte ich gern das Ausmaß und die Verteilung der Problematik auf Bundesländer erfahren. Weiß von den Teilnehmern jemand Genaueres dazu?
Benutzeravatar
Skeptiker
Moderator
Beiträge: 3269
Registriert: Do 11. Jan 2018, 22:26

Re: Wie umgehen mit mangelhaften Deutschkenntnissen von Schülern?

Beitragvon Skeptiker » Di 6. Aug 2019, 22:42

becksham hat geschrieben:(06 Aug 2019, 22:06)

Nicht wichtiger aber beides wichtig. Ich gehe davon aus, dass dein Beispiel sich nur auf Einzelfälle beziehen kann. Niemand lernt Sprachen so leicht wie Kinder (nehme ich jedenfalls so wahr). Wenn wir also davon ausgehen, dass schon 1 Vorschuljahr mit dem Lernen der Sprache absolviert wurde, denke ich, sind die Defizite nicht so groß, dass es zu massiven Problemen in der Schule kommen würde.

Im Moment bezieht es sich wohl auf einen erheblichen Anteil der Schüler - das sind keine Einzelfälle.
Was hat Carsten Linnemann wirklich gesagt?
Was war geschehen? Linnemann hatte gegenüber der "Rheinischen Post" folgendes ausgeführt: "Wenn wir in jeder Sonntagsrede erzählen, wie wichtig die Sprache für die Integration ist, dann müssen bei uns alle Alarmglocken schrillen, wenn bei Sprachtests in Duisburg über 16 Prozent der künftigen Erstklässler gar kein Deutsch können, und bei Vergleichstests in Berlin nahezu jeder dritte Grundschüler beim Lesen und Zuhören nicht einmal den Mindeststandard erreicht. Die Probleme werden immer größer, wir erleben neue Parallelgesellschaften in vielen Bereichen des Landes. Bis tief hinein in die Mittelschicht erlebe ich Eltern, die ihre Kinder auf Privatschulen schicken, weil das Niveau an staatlichen Schulen sinkt."

https://www.stern.de/politik/deutschlan ... 35860.html
Dir ist doch sicher klar welchen Hintergrund die besagten Schüler schwerpunktmäßig haben. Das offenbar ein massives Problem - kein von einzelnen Kindern.

Aus dem Beitrag von Nightrain geht hervor, dass es offenbar eine Neigung der Eltern von Kindern mit Sprachproblemen nicht sehr ausgeprägt ist, die Kinder selbst zu VERPFLICHTENDEN Fördermassnahmen zu bringen (88% sind dem nicht nachgekommen!!!). Das halte ich nicht nur für sehr bedenklich, sondern auch einen klaren Indikator, dass sich an der Situation nichts wesentliches verändern wird. Das ganz große Problem scheint das Thema "Konsequenz" zu sein. Das geht auch aus dem Welt-Artikel klar hervor.

Worauf basiert also Deine positive Einschätzung, dass nur vereinzelt Kinder Sprachprobleme haben werden, wenn das aktuell ein absolutes Desaster ist, und auch Maßnahmen unter Zwang daran bislang nichts geändert habe?

Zurück zu „5. Bildung - Kultur - Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste