Der langsame Tod der Rockmusik

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Schnitter
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Schnitter » Do 23. Jul 2020, 23:30

Wer auf Progressive Rock steht dem seien die babyblauen Seiten empfohlen.

Ich finde da immer wieder neues und vom Tod der Rockmusik ist ehrlich gesagt nichts zu spüren :thumbup:

Dass das alles nicht im TV stattfindet......ich höre Musik und mir sind zappelnde Typen im TV egal, die brauche ich nicht.
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schokoschendrezki
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Jul 2020, 13:19

Progressiver hat geschrieben:(23 Jul 2020, 15:59)

Danke an dich und die anderen für die warmen Worte! :thumbup:

Vielleicht war ich in der Vergangenheit einfach zu pessimistisch. Ich habe keine Ahnung, warum ich bei YouTube etc. immer auf die ganzen "Rock is dead?"-Videos stoße oder mich davon triggern lasse.

Was mich betrifft: Ich habe seit dieser Woche einen neuen Computer und ein neues Smartphone. Mein Bruder, der viel technikaffiner ist, hat mir auch eine Spotify-Mitgliedschaft besorgt und mir alles genau erklärt. Was das Hören von Musik betrifft, habe ich jetzt wohl für eine sehr lange Zeit ausgesorgt.

Was das Nachspielen der Lieder betrifft, so habe ich ja eigentlich auch genug Lieder und Notenbücher. Da geht mir der Stoff hoffentlich so schnell nicht aus. Ich bin ja sowieso noch dabei, die E-Gitarre als Musikinstrument weiterhin von der Pike auf zu erlernen.

Vielleicht muss man einfach nur gucken, dass man mit der Zeit geht? Das klassische Radio und der Fernseher sind ja eigentlich auch nicht totzukriegen.

Nein. Nicht einmal Vinyl ist totzukriegen. Im Gegenteil. Eine 180g-Vinylpressung zum Beispiel ... wird als reines Marketingding abgetan. Natürlich haben diese Schwergewichte keinerlei Vorteil in hinsicht auf die AKustik bei der Abspielung. Es ist einfach nur Haptik. Der Mensch ist ein sehr haptisches Wesen. Er will Dinge in der Hand halten und befühlen. Ein Gewicht spüren. Einen Widerstand. Ich bin mir sicher, dass kreative Leistungen nur gegen irgendeinen Widerstand erlangbar sind. AUch wenn das natürlich nicht zwangsläufig ein mechanischer WIderstand sein muss. AUs einer Violine oder Trompete einen sauber geformten Ton herauszubringen ... Nicht dass ich das könnte. Schön wärs ja! Erfordert Mühe gegen einen Widerstand.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon imp » Mo 3. Aug 2020, 12:36

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Jul 2020, 13:19)

Nein. Nicht einmal Vinyl ist totzukriegen. Im Gegenteil. Eine 180g-Vinylpressung zum Beispiel ... wird als reines Marketingding abgetan. Natürlich haben diese Schwergewichte keinerlei Vorteil in hinsicht auf die AKustik bei der Abspielung. Es ist einfach nur Haptik. Der Mensch ist ein sehr haptisches Wesen. Er will Dinge in der Hand halten und befühlen. Ein Gewicht spüren. Einen Widerstand. Ich bin mir sicher, dass kreative Leistungen nur gegen irgendeinen Widerstand erlangbar sind. AUch wenn das natürlich nicht zwangsläufig ein mechanischer WIderstand sein muss. AUs einer Violine oder Trompete einen sauber geformten Ton herauszubringen ... Nicht dass ich das könnte. Schön wärs ja! Erfordert Mühe gegen einen Widerstand.

Vinyl ist absolut tot als Tonträger. Vinyl ist als Sammlerobjekt und für Liebhaberei interessant, aber du siehst weder im Auto noch im ICE nennenswert Musikhörer mit Plattenspieler rumlaufen. Ich bezweifle, dass abgesehen von zelebrierten Vorführungen das zuhause großartig anders abgeht. Nichts gegen Schallplatten, aber unter den Abspielungen dürften die weit hinter der CD rangieren, die auch häufig nur noch für das Regal angeschafft wird.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon BlueMonday » Mo 3. Aug 2020, 14:45

imp hat geschrieben:(03 Aug 2020, 12:36)

aber du siehst weder im Auto noch im ICE nennenswert Musikhörer mit Plattenspieler rumlaufen.


Meinst du das ernst? Plattenspieler waren nun konstruktionsbedingt schon immer vor allem ein stationäres Gerät. Früher ist man mit Walkman, Discman und sowas "rumgelaufen".

https://de.statista.com/statistik/daten ... zeitreihe/

Vinyl ist sicherlich ne Nische, aber die weiterlebt. Und mehr wurde ja nicht behauptet.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon imp » Mo 3. Aug 2020, 15:17

BlueMonday hat geschrieben:(03 Aug 2020, 14:45)

Meinst du das ernst? Plattenspieler waren nun konstruktionsbedingt schon immer vor allem ein stationäres Gerät. Früher ist man mit Walkman, Discman und sowas "rumgelaufen".

https://de.statista.com/statistik/daten ... zeitreihe/

Vinyl ist sicherlich ne Nische, aber die weiterlebt. Und mehr wurde ja nicht behauptet.

Es gab durchaus Plattenspieler fürs gehobene Auto. Ja, ich meine das ernst. Neue Schallplatten werden ganz überwiegend nicht zum regelmäßig anhören gekauft. Dass häufig das Digitalalbum gleich mitkommt, zeigt das auch.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon BlueMonday » Mo 3. Aug 2020, 15:39

imp hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:17)

Es gab durchaus Plattenspieler fürs gehobene Auto.


Das war ja wohl schon damals ne Nische. Wie gesagt die Hauptanwendung besteht zunehmend darin, dass ein Plattenspieler zuhause steht, angeschlossen an eine hochwertige Anlage. Tragbare Geräte gab es auch sicherlich, aber die waren eben zum leichteren Transport gedacht, nicht zum Rumlaufen und dabei Abspielen. Dazu hat man wie gesagt andere Geräte benutzt (Kassettenrecorder, "Boomboxes", tragbare Radios, "Kofferradio" bishin heute zum Mp3player, Smartphone)


Neue Schallplatten werden ganz überwiegend nicht zum regelmäßig anhören gekauft. Dass häufig das Digitalalbum gleich mitkommt, zeigt das auch.

Selbst wenn das so wäre, würde es den Tod des Vinyls verhindern. Selbst wenn man sie vorwiegend als Frisbeeersatz(Sakrileg!) benutzen würde statt sie abzuspielen. Es gibt jedenfalls nach wie vor ne Vinylszene, die auch die Platten auflegt und abspielt. Das ist ja Teil des Kults, dass solche Platten sich eben abnutzen und man das Abspielen umso behutsamer und bewusst zelebriert und das Ganze keine Alltagssache ist.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon imp » Mo 3. Aug 2020, 15:46

BlueMonday hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:39)

Das war ja wohl schon damals ne Nische. Wie gesagt die Hauptanwendung besteht zunehmend darin, dass ein Plattenspieler zuhause steht, angeschlossen an eine hochwertige Anlage. Tragbare Geräte gab es auch sicherlich, aber die waren eben zum leichteren Transport gedacht, nicht zum Rumlaufen und dabei Abspielen. Dazu hat man wie gesagt andere Geräte benutzt (Kassettenrecorder, "Boomboxes", tragbare Radios, "Kofferradio" bishin heute zum Mp3player, Smartphone)



Selbst wenn das so wäre, würde es den Tod des Vinyls verhindern. Selbst wenn man sie vorwiegend als Frisbeeersatz(Sakrileg!) benutzen würde statt sie abzuspielen. Es gibt jedenfalls nach wie vor ne Vinylszene, die auch die Platten auflegt und abspielt. Das ist ja Teil des Kults, dass solche Platten sich eben abnutzen und man das Abspielen umso behutsamer und bewusst zelebriert und das Ganze keine Alltagssache ist.

Klar, wenn man sich das Bild vom Papst zum Arsch abwischen kauft, ist das auch Umsatz. Im Sinne von Tod der Rockmusik als das heiße Jugendding für den Normalo ohne besondere Szenebindung hat die ganze Schallplattendiskussion aber keien Wert. Dass der Metin sich nen "Schallplattenkratzer" ;-) ans Smartphone anschließt, um seinen neuen Garagenhit bei den Chicks an der Schule zu verbreiten, das werden wir nicht unbedingt erleben.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Do 6. Aug 2020, 22:50

imp hat geschrieben:(03 Aug 2020, 12:36)

Vinyl ist absolut tot als Tonträger. Vinyl ist als Sammlerobjekt und für Liebhaberei interessant, aber du siehst weder im Auto noch im ICE nennenswert Musikhörer mit Plattenspieler rumlaufen. Ich bezweifle, dass abgesehen von zelebrierten Vorführungen das zuhause großartig anders abgeht. Nichts gegen Schallplatten, aber unter den Abspielungen dürften die weit hinter der CD rangieren, die auch häufig nur noch für das Regal angeschafft wird.

Technisch gesehen, ja, vielleicht. Auch wenns da Gegenargumentationen gibt, in denen es um sowas wie "Wärme" und "Kälte" der Tonwiedergabe analog vs digital geht. Wissenschaftlich ließe sich das sicherlich irgendwie objektivieren. Mir ist das egal. Mein Hörvermögen ist - wie bei jedem Menschen - altersbedingt hinsichtlich des Frequenzumfangs sowieso eingeschränkt. Die großen Scheiben von 2019, allen voran "The National: I am Easy To Find" habe ich als 180g Vinyl. Schon vor dem akustischen Genuss ist es ein haptischer Genuss, ein solches Produkt in der Hand zu halten. Mit einem großen Platten-Cover. Produkte dieser Art wiegen nicht nur etwas in der Hand sondern strömen auch einen jeweils charakteristischen Geruch aus. Ich schnuppere, ehrlich gesagt, an neuen Büchern und Platten auch. Und nun sage aber nicht, die Vorliebe für solche Extravaganzen würde es nun ausschließen, den eigentlichen musikalischen Gehalt des Albums gar nicht mehr wahrnehmen zu können. Dem ist nicht so!

Und an dem Beispiel: Tod der Rockmusik? Mmh. Was es gibt, ist der Tod eines für selbstverständlich erachteten Einverständnisses, was denn nun als angesagt gilt und was nicht, und dass es eine Einigkeit darüber gibt, nach welchen Mechanismen sich solche Urteile bilden.

Und nocheinmal davon abgesehen: "Musikhörer im Auto oder im ICE". ;) Na. Ob "Autobahnen oder ICEs" nun die Lokationen sind, in denen man "Musikhörer" findet? Ich weiß ja nicht. Leute, die da irgendwas hören, zeichnen sich nach meinen Beobachtungen hinsichtlich "Musikhörerschaft" eher durch eine gewisse Stupidität aus.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon BlueMonday » Fr 7. Aug 2020, 00:28

imp hat geschrieben:(03 Aug 2020, 15:46)

Klar, wenn man sich das Bild vom Papst zum Arsch abwischen kauft, ist das auch Umsatz. Im Sinne von Tod der Rockmusik als das heiße Jugendding für den Normalo ohne besondere Szenebindung hat die ganze Schallplattendiskussion aber keien Wert. Dass der Metin sich nen "Schallplattenkratzer" ;-) ans Smartphone anschließt, um seinen neuen Garagenhit bei den Chicks an der Schule zu verbreiten, das werden wir nicht unbedingt erleben.


Das ist halt was für die zahlungskräftigeren Herrschaften, die ihre Schulzeit schon ne Weile hinter sich haben. Die kaufen und sammeln nicht nur die Plattten, sondern kaufen sich teures Equipment dazu. Gerade in der Hifi-szene lebt das Vinyl.
Auch in der DJ-Szene lebt die Platte, wo der Plattenspieler gar zum Instrument wird. Also ich sehe keinen Tod. Ähnlich bei der "Rockmusik".

Sowas dürfte mit einer CD schwierig werden: https://www.youtube.com/watch?v=44F0d2CbjM0 :)
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon imp » Fr 7. Aug 2020, 07:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(06 Aug 2020, 22:50)

Technisch gesehen, ja, vielleicht. Auch wenns da Gegenargumentationen gibt, in denen es um sowas wie "Wärme" und "Kälte" der Tonwiedergabe analog vs digital geht. Wissenschaftlich ließe sich das sicherlich irgendwie objektivieren. Mir ist das egal. Mein Hörvermögen ist - wie bei jedem Menschen - altersbedingt hinsichtlich des Frequenzumfangs sowieso eingeschränkt. Die großen Scheiben von 2019, allen voran "The National: I am Easy To Find" habe ich als 180g Vinyl. Schon vor dem akustischen Genuss ist es ein haptischer Genuss, ein solches Produkt in der Hand zu halten. Mit einem großen Platten-Cover. Produkte dieser Art wiegen nicht nur etwas in der Hand sondern strömen auch einen jeweils charakteristischen Geruch aus. Ich schnuppere, ehrlich gesagt, an neuen Büchern und Platten auch. Und nun sage aber nicht, die Vorliebe für solche Extravaganzen würde es nun ausschließen, den eigentlichen musikalischen Gehalt des Albums gar nicht mehr wahrnehmen zu können. Dem ist nicht so!

Und an dem Beispiel: Tod der Rockmusik? Mmh. Was es gibt, ist der Tod eines für selbstverständlich erachteten Einverständnisses, was denn nun als angesagt gilt und was nicht, und dass es eine Einigkeit darüber gibt, nach welchen Mechanismen sich solche Urteile bilden.

Und nocheinmal davon abgesehen: "Musikhörer im Auto oder im ICE". ;) Na. Ob "Autobahnen oder ICEs" nun die Lokationen sind, in denen man "Musikhörer" findet? Ich weiß ja nicht. Leute, die da irgendwas hören, zeichnen sich nach meinen Beobachtungen hinsichtlich "Musikhörerschaft" eher durch eine gewisse Stupidität aus.


Wenn du heraus hören kannst, dass im ICE die Musik stupide ist, dann ist sie vor allem zu laut. ;)

Heute ist das nicht mehr so, dass man entweder die Beatles oder die Stones mag oder, wenn man keine Freunde hat, Heino hört. Es gibt einen breiten Korridor an aktuell akzepzierter Musik für Jugend und Erwachsene und es gibt diverse Subkulturen mit eigenen Standards. Es gibt auch immer noch aktuelle breite Moden in der Frage, was "nicht geht". Meistens etwas, das dennoch einige Verkaufserfolge hat. Musik zum Einmalkaufen kommt heute oft in "Ausstattungsvarianten" - von Download&Stream über die CD im einfachen Schieber bis hin zu aufwändigen Büchern und Bildbänden, an denen der Tonträger nur noch Nebensache ist oder von Instrumental- oder Unplugged- Versionen ergänzt wird. Da gibt es einiges anzufassen, wenn man Wert darauf legt. Für den Rest gibt es die Bits und Bytes "ohne alles".

Gerade Rockmusik bietet sich an für Sticker, T-Shirts, Aufnäher und anderen haptisch-visuellen Plunder, mit dem man dem Künstlerquartett das Auskommen verbessert. Noch. Die Marktkonzentration bei Abspielstätten nimmt ebenso wie im Online- und Präsenzverkauf zu, bei den Eintrittskarten besteht in Deutschland, USA und vielen anderen Ländern ein Oligopol. Die Kette derer, die bei Devotionalien die Hand aufhalten und mitverdienen wollen, wird immer länger. Manche Musikgenres, auch manche Sparten der Rockmusik, leben vom Eindruck des Unfertigen, Unsauberen, Spontanen, was mit überproduzierten Alben und Hifi-Anlagen natürlich ebenso schnell verfliegt wie mit der rasenden Professionalisierung der Musiker spätestens nach dem zweiten Hit. Allzu genau darf man da sowieso nicht fragen, wenn man selig genießen und glauben will.
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Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Okt 2020, 19:25

Die älteste (oder zumindest eine der ältesten erhaltenen) nicht gesprochenen sondern musikalischen Tonaufnahmen stammen von dem britischen Komponisten Arthur Sullivan. ("The Lost Chord" für Klavier und Kornett). Er äußerte sich 1888 gegenüber dem Phonographen-Erfinder Edison wie folgt:
Also ich muss sagen, ich bin erstaunt, irgendwie aber auch erschrocken, über die Experimente des heutigen abends. Erstaunt über die unglaubliche Leistung, die sie da vollbracht haben, erschrocken, über den Gedanken, wieviel scheußliche und schlechte Musik da fortan für die Ewigkeit konserviert wird. Aber unterm Strich ist das die tollste Sache, die ich je erlebt habe -und ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen zu dieser wunderbaren Errungenschaft!
https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/klang-speicher-von-der-wachswalze-zum-usb-stick/1805113
:p
Er konnte ja 1888 noch nicht ahnen, wie recht er damit behalten sollte! In jeder Hinsicht!
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