Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

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schokoschendrezki
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 20. Jan 2021, 15:06

Nightrain hat geschrieben:(20 Jan 2021, 14:55)

Seine eigenen Serien als "gut" kann ja jeder beliebig definieren und schon ist man bei einer unbegrenzten Finanzforderung... :p

Wohl wahr.
Wenn reine Unterhaltungsserien gut sind, sind diese auch für den Markt interessant. Kann man auch eine Stiftung für private Unterhaltungsformate draus machen, die sich im Markt durch Bereitstellung der Serien auf privaten Sendern und Online-PayTV Anbietern finanziert.

Der Übergang dazu kann auch innerhalb des ÖR erfolgten, z.B. indem nicht jede Rundfunkanstalt kreuz und quer Sendungen auflegt, sondern die Entwicklung und Produktion zentral zusammengefasst wird. Von mir aus als eigene "deutschlandweite" Rundfunkanstalt, die später dann aus dem Konstrukt öffentlicher Rundfunk heraus genommen wird und eigenständig wirtschaftet.

Oder eben (wesentlich konsequenter): Beschränkung des ÖRR auf den Hörfunk. Selbst mit der Hälfte, einem Viertel, einem Sechstel des Gesamt-Budgets ließe sich der ohnehin gute DLF zu einer auch international hochangesehenen Institution machen.

Ich habe eine schlimmer Befürchtung: Sollten die heutigen Kritiker des ÖRR irgendwann mal die Bestimmer sein ... dann werden sie keineswegs das ÖR-TV abschaffen. Im Gegenteil! Es geht ihnen sehr häufig und vor allem, wenn sie aus der rechtskonservativen Ecke kommen, gar nicht so sehr um das "Prinzip ÖRR" sondern darum, dass dort nicht das und nicht so gesendet wird, was und wie sie's gerne hätten. Überall dort, wo rechtskonservative an der Regierung sind (Polen, Ungarn, Slowenien usw.) kann man nämlich beobachten, wie das ehemalige ÖRR zu einem Regierungsfernsehen umgebaut wird.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 20. Jan 2021, 15:33

Nightrain hat geschrieben:(20 Jan 2021, 14:55)

Seine eigenen Serien als "gut" kann ja jeder beliebig definieren und schon ist man bei einer unbegrenzten Finanzforderung... :p


So wie man auch behaupten kann, dass die Privaten ausreichend Angebote liefern. ;)

Nightrain hat geschrieben:Wenn reine Unterhaltungsserien gut sind, sind diese auch für den Markt interessant. Kann man auch eine Stiftung für private Unterhaltungsformate draus machen, die sich im Markt durch Bereitstellung der Serien auf privaten Sendern und Online-PayTV Anbietern finanziert.


Und wer entscheidet darüber, wer diese "Stiftung" finanziert und nach welchen Kriterien sie arbeiten soll?

Nightrain hat geschrieben:Der Übergang dazu kann auch innerhalb des ÖR erfolgten, z.B. indem nicht jede Rundfunkanstalt kreuz und quer Sendungen auflegt, sondern die Entwicklung und Produktion zentral zusammengefasst wird. Von mir aus als eigene "deutschlandweite" Rundfunkanstalt, die später dann aus dem Konstrukt öffentlicher Rundfunk heraus genommen wird und eigenständig wirtschaftet.


Den Sinn dieses Vorschlages verstehe ich nicht so ganz. Warum sollen Rundfunkanstalten nicht selbständig eigene Sendungen entwickeln und produzieren dürfen? Und warum sollte ein zentraler öffentlich-rechtlicher Sender eigenständig wirtschaften?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 20. Jan 2021, 15:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:06)

Wohl wahr.

Oder eben (wesentlich konsequenter): Beschränkung des ÖRR auf den Hörfunk. Selbst mit der Hälfte, einem Viertel, einem Sechstel des Gesamt-Budgets ließe sich der ohnehin gute DLF zu einer auch international hochangesehenen Institution machen.


Und warum Beschränkung auf den Hörfunk?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 20. Jan 2021, 15:46

Ich vermute mal, dass es den ÖR nur als Funk und Fernsehen gibt liegt an Hitler, der damals sehr gut den Rundfunk für seine Propaganda zu nutzen wusste. Rundfunk wurde als das Medium der Zukunft angesehen, Zeitungen waren ein Auslaufmodell.

Den ÖR nur noch auf Hörfunk einzudampfen halte ich für zu radikal, es spricht imho nichts gegen ein paar ÖR-Fernsehprogramme.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Nightrain » Mi 20. Jan 2021, 17:40

Sören74 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:33)
Und wer entscheidet darüber, wer diese "Stiftung" finanziert und nach welchen Kriterien sie arbeiten soll?


Stiftungssatzung? Ein Grundvermögen wird aus den Rundfunkabgaben bereitgestellt, solange die Stiftung noch im ÖR zugehörig ist.


Sören74 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:33)
Den Sinn dieses Vorschlages verstehe ich nicht so ganz. Warum sollen Rundfunkanstalten nicht selbständig eigene Sendungen entwickeln und produzieren dürfen? Und warum sollte ein zentraler öffentlich-rechtlicher Sender eigenständig wirtschaften?



Derzeit haben fast alle Rundfunkanstalten eigenes Personal für die Planung und Erstellung der Unterhaltuns-/Kabarett-Sendungen. Packt man das in eine Organisation zusammen, kann man sich reichlich Personal und Verwaltungskosten einsparen. Es reicht ein Standort, zwei Studios.
Und zentral und eigenständig wirtschaftet dieser Sender/Betreiber dann, wenn er als Stiftung komplett aus dem ÖR raus genommen wird und dann eigenständig außerhalb des Gebührensystems wirtschaftet.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 20. Jan 2021, 17:56

Nightrain hat geschrieben:(20 Jan 2021, 17:40)

Stiftungssatzung? Ein Grundvermögen wird aus den Rundfunkabgaben bereitgestellt, solange die Stiftung noch im ÖR zugehörig ist.


Warum sollte eine Stiftungssatzung von notorischen ÖR-Gegnern eher akzeptiert werden, als die jetzige Form?

Nightrain hat geschrieben:Derzeit haben fast alle Rundfunkanstalten eigenes Personal für die Planung und Erstellung der Unterhaltuns-/Kabarett-Sendungen. Packt man das in eine Organisation zusammen, kann man sich reichlich Personal und Verwaltungskosten einsparen. Es reicht ein Standort, zwei Studios.
Und zentral und eigenständig wirtschaftet dieser Sender/Betreiber dann, wenn er als Stiftung komplett aus dem ÖR raus genommen wird und dann eigenständig außerhalb des Gebührensystems wirtschaftet.


Man würde nicht nur Personal und Ressourcen einsparen, sondern auch produzierte Sendeminuten. Mit anderen Worten eine Kürzung der Leistung, was zu Lasten von regionalen Bedürfnissen gehen wird. Auf meine eigentliche Frage, warum man das machen sollte, finde ich da keine Antwort. Die Vorstellung, dass dann Sendungen außerhalb des Gebührensystems wirtschaften ein Vorteil sein soll, erschließt sich mir nicht, denn irgendwer muss am Ende zahlen, wenn die Sendung gezeigt werden soll. Und was scheinbar viele nicht verstehen ist, dass wir über die Werbung das Privatfernsehen mitfinanzieren.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Nightrain » Mi 20. Jan 2021, 18:26

Sören74 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 17:56)

Warum sollte eine Stiftungssatzung von notorischen ÖR-Gegnern eher akzeptiert werden, als die jetzige Form?


Was interessieren mich irgendwelche "notorischen ÖR-Gegner"?


Sören74 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 17:56)
Man würde nicht nur Personal und Ressourcen einsparen, sondern auch produzierte Sendeminuten. Mit anderen Worten eine Kürzung der Leistung, was zu Lasten von regionalen Bedürfnissen gehen wird. Auf meine eigentliche Frage, warum man das machen sollte, finde ich da keine Antwort. Die Vorstellung, dass dann Sendungen außerhalb des Gebührensystems wirtschaften ein Vorteil sein soll, erschließt sich mir nicht, denn irgendwer muss am Ende zahlen, wenn die Sendung gezeigt werden soll. Und was scheinbar viele nicht verstehen ist, dass wir über die Werbung das Privatfernsehen mitfinanzieren.


Die Antwort ist: die finanzielle Grundbelastung der Bürger zu reduzieren, indem man als Grundsatzentscheidung den ÖR Programmauftrag reduziert.
Ich bin aber nicht dafür das Unterhaltungsprogramm einfach einzustellen, sondern daraus eine eigenständige Stiftung zu machen, die weiterhin qualitativ hochwertige Sendungen produziert. Es gibt da ja gutes Personal mit dem man gut Sendungen auf dem markt platzieren kann (Welke,...)

"Irgendwer muss am Ende zahlen" ist in der wirtschaftlich natürlich immer richtig. Hier lautet die Antwort: die Nutzer von Unterhaltungssendungen zahlen die Unterhaltungssendungen. Die "SPORT BILD" als Unterhaltungszeitung am Kiosk kann man auch nicht allgemeinheitsfinanziert mitnehmen, nur weil man die gerne liest.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Mi 20. Jan 2021, 19:03

Tom Bombadil hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:46)

Ich vermute mal, dass es den ÖR nur als Funk und Fernsehen gibt liegt an Hitler, der damals sehr gut den Rundfunk für seine Propaganda zu nutzen wusste. Rundfunk wurde als das Medium der Zukunft angesehen, Zeitungen waren ein Auslaufmodell.

Den ÖR nur noch auf Hörfunk einzudampfen halte ich für zu radikal, es spricht imho nichts gegen ein paar ÖR-Fernsehprogramme.

Die Geschichte der BBC genau aus dieser Zeit ist eben das große Hindernis für Boris Johnson, der sie zwar gern abschaffen würde, aber sie ist nun mal eine historisch gewachsene Instanz und eine zu harte Nuss für ihn.
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaf ... 88368.html

In Ländern wie Polen, Ungarn oder Russland ist es viel leichter den Rundfunk auf Linie zu bringen, weil diese Länder keine demokratische Vergangenheit mit freien Medien haben. In UK und Deutschland liegt der Fall ganz anders und so sehr es die Rechtspopulisten und Anhänger von autokratischen Systemen gern anders hätten, diese Nuss wird nicht zu knacken sein. ;)
Gib dich nicht so, dass alle andern dich für etwas halten, was du nicht sein willst.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Mi 20. Jan 2021, 21:28

Nightrain hat geschrieben:(20 Jan 2021, 18:26)

Was interessieren mich irgendwelche "notorischen ÖR-Gegner"?


Dann frage ich anders, wozu eine Stiftung?

Nightrain hat geschrieben:Die Antwort ist: die finanzielle Grundbelastung der Bürger zu reduzieren, indem man als Grundsatzentscheidung den ÖR Programmauftrag reduziert.


Kannst Du ja gerne fordern. Dann braucht es auch die politischen Mehrheiten.

Nightrain hat geschrieben:Ich bin aber nicht dafür das Unterhaltungsprogramm einfach einzustellen, sondern daraus eine eigenständige Stiftung zu machen, die weiterhin qualitativ hochwertige Sendungen produziert. Es gibt da ja gutes Personal mit dem man gut Sendungen auf dem markt platzieren kann (Welke,...)

"Irgendwer muss am Ende zahlen" ist in der wirtschaftlich natürlich immer richtig. Hier lautet die Antwort: die Nutzer von Unterhaltungssendungen zahlen die Unterhaltungssendungen. Die "SPORT BILD" als Unterhaltungszeitung am Kiosk kann man auch nicht allgemeinheitsfinanziert mitnehmen, nur weil man die gerne liest.


Der Zeitungsmarkt ist auch nicht mit dem Fernsehmarkt vergleichbar. Bei ersteren funktioniert das Angebot eines Vollprogramms ohne großartige Regulierung. Beim Fernsehen leider nicht.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Do 21. Jan 2021, 19:57

Sören74 hat geschrieben:(20 Jan 2021, 15:34)

Und warum Beschränkung auf den Hörfunk?

Aus verschiedenen Gründen. Zuallererst: Die Kosten-Diskussion wäre beendet. Kein Mensch will mehr Unterhaltung und Sport im Hörfunk haben. Beschränkung auf den Hörfunk wäre ein Rückzugs- und gleichzeitig Erneuerungsprogramm. Beschränkung auf politische Analyse,, Berichterstattung, Reportage, Kommentar. Aber das richtig und ohne kommerzielle Ausrichtung. Gebührenfinanziert. Aber mit einem Bruchteil der gegenwärtigen Gebühren. Die ganzen Diskussionen um Zwangsgebühren, Geldverschwendung usw. usf. wären vom Tisch.

Ich meine: Man kann das einfach versuchen, als Vorschlag, als politische Option zu etablieren. Um die ewigen Geldverschwendungs-Nörgler ruhigzustellen und um gleichzeitig einen öffentlichen Rundfunk im Bereich Politik zu erhalten. Man muss das nur oft genug als Argument bringen ... vielleicht greift dieser Vorschlag ja vielleicht irgendwann. Fußball, Krimi, Vorabendserie, Unterhaltungsshow usw. usf. ... das bleibt ja alles. Das machen die privaten doch. Das wird ja niemandem weggenommen.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Atue001 » Do 21. Jan 2021, 21:28

Senexx hat geschrieben:(20 Jan 2021, 09:48)

Niemand braucht den ÖRR.

Wir haben auch keine ÖR-Zeitungen.

Fernsehen ist sowieso ein Verdummungsmedium. Für die, die nicht in der Lage sind, richtig zu lesen.

Wir sollten das Lesen fördern, nicht das Glotzen.


Die Zahlen sprechen da eine andere Sprache. Reichweite und Zuschauerzahl bzw. Hörerzahl sind doch beträchtlich. Zu unterstellen, dass die allermeisten von denen nur zu gerne auf den ÖR verzichten würden, ist nicht haltbar - denn tatsächlich können sie das ja schon. Es wird ja niemand gezwungen den ÖR zu nutzen - aber die Zahl derer, die tatsächlich über auch nur einen Monat hinweg keinen einzigen Dienst des ÖR nutzen, ist dann doch sehr überschaubar.

Ob Fernsehen jetzt mehr oder weniger verdummt als Zeitungen...da habe ich eine deutlich differenzierte Sichtweise drauf. Gerade im Bereich des ÖR ist das Angebot an durchaus guten Inhalten weit über Spielfilme hinaus doch ziemlich groß. Im Bereich der Lesemedien gibt es auch ziemlich viel Schund - die Bildzeitung kennt eigentlich auch jeder um nur ein Beispiel zu nennen. Es liegt also an dem, der auswählt, was er liest, ob er daraus einen Bildungsgewinn ziehen kann, oder eben auch nicht. Und ähnlich ist es bei Rundfunk und Fernsehen. Niemand wird gezwungen seichte Unterhaltung zu konsumieren - ok, wenn man gezielt auf den ÖR verzichtet, ist es schwerer....aber auf den braucht man ja dank unseres Grundgesetzes nicht zu verzichten. Welch weise Entscheidung, die unsere Gründerväter hier getroffen haben :-)
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Sören74 » Fr 22. Jan 2021, 01:08

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Jan 2021, 19:57)

Aus verschiedenen Gründen. Zuallererst: Die Kosten-Diskussion wäre beendet. Kein Mensch will mehr Unterhaltung und Sport im Hörfunk haben. Beschränkung auf den Hörfunk wäre ein Rückzugs- und gleichzeitig Erneuerungsprogramm. Beschränkung auf politische Analyse,, Berichterstattung, Reportage, Kommentar. Aber das richtig und ohne kommerzielle Ausrichtung. Gebührenfinanziert. Aber mit einem Bruchteil der gegenwärtigen Gebühren. Die ganzen Diskussionen um Zwangsgebühren, Geldverschwendung usw. usf. wären vom Tisch.


Mit dem Ergebnis, dass das Angebot auf dem Fernsehsektor sich deutlich für die Nutzer verschlechtern wird. Ich finde kein wirklich guter Deal.

schokoschendrezki hat geschrieben:Ich meine: Man kann das einfach versuchen, als Vorschlag, als politische Option zu etablieren. Um die ewigen Geldverschwendungs-Nörgler ruhigzustellen und um gleichzeitig einen öffentlichen Rundfunk im Bereich Politik zu erhalten.


Um Nörgler zufriedenzustellen, soll man nicht das Fernsehangebot des ÖRR opfern? Sorry, ich kann dem wirklich nicht viel abgewinnen, und das ist noch übertrieben.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Kritikaster » Fr 22. Jan 2021, 06:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Jan 2021, 19:57)

Aus verschiedenen Gründen. Zuallererst: Die Kosten-Diskussion wäre beendet. Kein Mensch will mehr Unterhaltung und Sport im Hörfunk haben.

Sorry, aber das ist definitiv falsch - oder aber eine üble Herabwürdigung!

Also bitte nicht von Dir auf alle anderen schließen.
Der am höchsten entwickelte Sinn ist der Unsinn. (Peter E. Schumacher)
Wo der Sinn aufhört, beginnt der Wahnsinn. (Erhard Horst Bellermann)
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon Ebiker » Fr 22. Jan 2021, 09:14

Nun droht dem MDR Ärger. Die Kommunisten in Thühringen drohen mit Kündigung des Staatsvertrages. Jetzt nicht weil die Zwangsabgabe zu niedrig wäre. Im Gegenteil, die Genossen wollen das mehr Geld in Thüringen ausgegeben wird. Sind wahrscheinlich zu wenig Versorgungsposten . Und versorgt sind sie gut. Sind doch die Personalausgaben des MDR letztes Jahr um über 10%, die Aufwendungen für Altersvorsorge um über 55%. Öffentlich rechtliche Versorgungsanstalt mit Sendebetrieb trifft es genau.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon tarkomed » Fr 22. Jan 2021, 09:50

schokoschendrezki hat geschrieben:(21 Jan 2021, 19:57)

Aus verschiedenen Gründen. Zuallererst: Die Kosten-Diskussion wäre beendet. Kein Mensch will mehr Unterhaltung und Sport im Hörfunk haben. Beschränkung auf den Hörfunk wäre ein Rückzugs- und gleichzeitig Erneuerungsprogramm. Beschränkung auf politische Analyse,, Berichterstattung, Reportage, Kommentar. Aber das richtig und ohne kommerzielle Ausrichtung. Gebührenfinanziert. Aber mit einem Bruchteil der gegenwärtigen Gebühren. Die ganzen Diskussionen um Zwangsgebühren, Geldverschwendung usw. usf. wären vom Tisch.

Ich meine: Man kann das einfach versuchen, als Vorschlag, als politische Option zu etablieren. Um die ewigen Geldverschwendungs-Nörgler ruhigzustellen und um gleichzeitig einen öffentlichen Rundfunk im Bereich Politik zu erhalten. Man muss das nur oft genug als Argument bringen ... vielleicht greift dieser Vorschlag ja vielleicht irgendwann. Fußball, Krimi, Vorabendserie, Unterhaltungsshow usw. usf. ... das bleibt ja alles. Das machen die privaten doch. Das wird ja niemandem weggenommen.

Schade, dass Merz nicht gewonnen hat, dann hätten wir das alles und einiges mehr. Manche AfD Forderung wäre dann obsolet, weil integraler Bestandteil des Programms der Werteunion und somit der Regierungspolitik. Die AfD würde bei der Bundestagswahl gemeinsam mit der FDP um die 5% Hürde bangen und ich müsste mich nicht jeden Sonntag ärgern, weil alle dritten Programme mit Sportsendungen besetzt wären. ;)
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 22. Jan 2021, 21:04

Kritikaster hat geschrieben:(22 Jan 2021, 06:41)

Sorry, aber das ist definitiv falsch - oder aber eine üble Herabwürdigung!

Also bitte nicht von Dir auf alle anderen schließen.

Das war missverständlich formuliert von mir. Mit "Kein Mensch will mehr Unterhaltung und Sport im Hörfunk haben" meine ich einfach, dass jemand, der sich für eine Sportveranstaltung, ein Schlager-Festival interessiert, dies nicht zuallererst im Hörfunk suchen wird. Und nicht, dass man das gesamte Hörfunkangebot sport- und unterhaltungsfrei haben will.

Seit Jahren ergießt sich eine FLut von Kritik am ÖRR in den öffentlichen Diskussionen. Ich will einfach nur den Vorschlag machen: Bitte! Dann schaffen wir eben das öffentliche TV ab, reduzieren die Gebühren dafür auf einen Bruchteil und konzentrieren die verbleibenden Gebühren dafür umso mehr auf einen auf politische Analysen, Reportagen, Diskussionen und Kommentare ausgerichteten Hörfunk.

Mir ist es nach wie vor völlig unbegreiflich, dass dieser Vorschlag ausgerechnet in einem Politik-Forum auf solche heftigen Gegenreaktionen stößt. Wir wollen doch hier nicht über Rosenheim-Cops diskutieren, oder?
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 22. Jan 2021, 21:17

tarkomed hat geschrieben:(22 Jan 2021, 09:50)

Schade, dass Merz nicht gewonnen hat, dann hätten wir das alles und einiges mehr. Manche AfD Forderung wäre dann obsolet, weil integraler Bestandteil des Programms der Werteunion und somit der Regierungspolitik. Die AfD würde bei der Bundestagswahl gemeinsam mit der FDP um die 5% Hürde bangen und ich müsste mich nicht jeden Sonntag ärgern, weil alle dritten Programme mit Sportsendungen besetzt wären. ;)



Vor zwei drei Tagen habe ich bis ziemlich spät eine Diskussion bei Markus Lanz gesehen. Und die war ziemlich gut. Frei von allem Scheiß. Einfach eine Diskussion mit kompetenten, gut unterrichteten Leuten. Sendungen wie Hart aber Fair dagegen sind audiovisuell gestaltet. Es geht ganz wesentlich auch um die Etablierung eines TV-Formats. Und bei der Lanz-Diskussion habe ich aufmerksam zugehört und mir so gedacht: Das Bild dazu brauche ich eigentlich gar nicht. Natürlich läuft die menschliche Kommunikation nicht nur über den reinen Text. Auf der anderen Seite jedoch leben wir in einer Welt der inflationären Bilderflut. Bilder, die zunehmend auch nicht mehr wirkliche sondern konstruierte Bilder sind. "Rückzug, Beschränkung und Minimalismus" sehe ich einfach als eine Strategie des Umgangs mit dieser medialen Wirklichkeit.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 22. Jan 2021, 21:41

Ebiker hat geschrieben:(22 Jan 2021, 09:14)

Nun droht dem MDR Ärger. Die Kommunisten in Thühringen drohen mit Kündigung des Staatsvertrages. Jetzt nicht weil die Zwangsabgabe zu niedrig wäre. Im Gegenteil, die Genossen wollen das mehr Geld in Thüringen ausgegeben wird. Sind wahrscheinlich zu wenig Versorgungsposten . Und versorgt sind sie gut. Sind doch die Personalausgaben des MDR letztes Jahr um über 10%, die Aufwendungen für Altersvorsorge um über 55%. Öffentlich rechtliche Versorgungsanstalt mit Sendebetrieb trifft es genau.

Dazu muss man wissen, dass es in Thüringen beim MDR etwa hundert feste Mitarbeiter gibt. Im CDU-regierten Sachsen dagen 1500. In Worten "tausendfünfhundert". Obwohl Sachen nicht fünzehnmal- sondern nur etwa doppelt soviele Einwohner wie Thüringen hat. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/drei-laenderchefs-versaeumen-modernisierung-des-mdr-17144155.html

Das eigentliche Problem beim MDR ist aber nicht eigentlich die Finanzierung sondern das Fehlen irgendeines inhaltlichen Konzepts. Das, was ich da so ab und an sehe, ist rückwärtsgewandt und (n)ostalgisch-verklärend.
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon jack000 » Fr 22. Jan 2021, 22:14

schokoschendrezki hat geschrieben:(22 Jan 2021, 21:41)

Dazu muss man wissen, dass es in Thüringen beim MDR etwa hundert feste Mitarbeiter gibt. Im CDU-regierten Sachsen dagen 1500. In Worten "tausendfünfhundert". Obwohl Sachen nicht fünzehnmal- sondern nur etwa doppelt soviele Einwohner wie Thüringen hat. https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/drei-laenderchefs-versaeumen-modernisierung-des-mdr-17144155.html

Was ist nun das Ziel? Die Mitarbeiter aus Sachsen abziehen nach Thüringen bis die Aufteilung gerecht ist oder werden neue Pöstchen in Thüringen geschaffen bis die Zahlen stimmen?

Das eigentliche Problem beim MDR ist aber nicht eigentlich die Finanzierung sondern das Fehlen irgendeines inhaltlichen Konzepts. Das, was ich da so ab und an sehe, ist rückwärtsgewandt und (n)ostalgisch-verklärend.

Korrekt, an Geld hat es ja nie gemangelt ...
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"Wer die Sicherheit für Toleranz austauscht, der wird beides verlieren" (Dushan Wegner)
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Re: Sammelstrang: ÖR (Öffentlich-rechtlicher Rundfunk)

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 22. Jan 2021, 22:33

jack000 hat geschrieben:(22 Jan 2021, 22:14)

Was ist nun das Ziel? Die Mitarbeiter aus Sachsen abziehen nach Thüringen bis die Aufteilung gerecht ist oder werden neue Pöstchen in Thüringen geschaffen bis die Zahlen stimmen?



Keine Ahnung. Der eigentlich Monstersender ist ohnehin nicht der MDR sondern der WDR. Auch die Tatsache eingerechnet, dass NRW das einwohnerzahlenmäßig größte Bundesland ist. Die genaue Zahl habe ich nicht. Aber angeblich (nach der BBC) die nach Mitarbeitern größte Sendeanstalt Europas.

Ich kann nur sagen: Ich bin in vielen Punkten Anhänger einer Politik, die andere als "Etatismus" bezeichnen würden: Für ein einheitliches staatliches Krankenversicherungssystem. Für ein staatliches Bildungssystem. Für den großzügigen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Aber ich bin für eine rückstandslose Privatierung des öffentlich-rechtlichen TVs. Und übrigens auch für eine so weitgehend wie mögliche Privatisierung des Straßenwesens. Für teure, kostenpflichtige Autobahnen.

Vielleicht liegts daran, dass ich ein persönliches Problem mit dem Zeitgeist der 90er habe. Da sind irgendwie die Formate und die angeblichen "Kultmoderatoren" aufgekommen, Harald Schmidt zum Beispiel. Da gabs das bahnbrechende Bosman-Entscheidung mit der Folge, dass der Profisport den ÖRR zur Melkkuh gemacht hat.
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