Digitale Medien - Die neue Macht?

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immernoch_ratlos
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon immernoch_ratlos » Fr 15. Dez 2017, 13:15

Hi King Kong,

nun ich hoffe das artet nicht gleich so aus wie andere "Diskussionen" hier. Hab mir mal Deine beiden Sätze angesehen :
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
und mit Thementitel verglichen. Lässt man Trump weg, kann das problemlos "weltweit" angewandt werden.
Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)
§ 6 Rechte des Betroffenen


(1) Die Rechte des Betroffenen auf Auskunft (§§ 19, 34) und auf Berichtigung, Löschung oder Sperrung (§§ 20, 35) können nicht durch Rechtsgeschäft ausgeschlossen oder beschränkt werden.

(2) Sind die Daten des Betroffenen automatisiert in der Weise gespeichert, dass mehrere Stellen speicherungsberechtigt sind, und ist der Betroffene nicht in der Lage festzustellen, welche Stelle die Daten gespeichert hat, so kann er sich an jede dieser Stellen wenden. Diese ist verpflichtet, das Vorbringen des Betroffenen an die Stelle, die die Daten gespeichert hat, weiterzuleiten. Der Betroffene ist über die Weiterleitung und jene Stelle zu unterrichten. Die in § 19 Abs. 3 genannten Stellen, die Behörden der Staatsanwaltschaft und der Polizei sowie öffentliche Stellen der Finanzverwaltung, soweit sie personenbezogene Daten in Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgaben im Anwendungsbereich der Abgabenordnung zur Überwachung und Prüfung speichern, können statt des Betroffenen die Bundesbeauftragte oder den Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit unterrichten. In diesem Fall richtet sich das weitere Verfahren nach § 19 Abs. 6.

(3) Personenbezogene Daten über die Ausübung eines Rechts des Betroffenen, das sich aus diesem Gesetz oder aus einer anderen Vorschrift über den Datenschutz ergibt, dürfen nur zur Erfüllung der sich aus der Ausübung des Rechts ergebenden Pflichten der verantwortlichen Stelle verwendet werden.
Klingt toll und man ist beruhigt. - Zuviele "Flüchtlinge" ? - einfach die Grenzen verschließen / besser bewachen usw. usf

Interessantes Phänomen - viele - wohl die allermeisten glauben an solche einfachen Botschaften. Ja damit kann man zur stärksten Partei aufrücken. Das "Netz" ist inzwischen "grenzenlos". Schon wenn ich diesen Beitrag absende, habe ich jegliche Kontrolle darüber verloren. Wenn man zuviel weiß, ist es für Menschen schwierig noch den Überblick zu behalten - da wird selbst die einfachste Entscheidung schwierig. Wer allerdings über die aktuellen "Werkzeuge" verfügt - besser diese kontrolliert - kann alles damit anfangen.

Wo doch alle über KI sprechen - warum "versteht" Tante Google nicht längst wenigstens einfache Sätze ? Weil das der Manipulation die schlicht Geld bringt, keinen Nutzen bringt. Das wäre ja noch schöner, wenn jeder auf Nachfrage sofort die gewünschten Daten erhalten würde. Da wäre das "Ranking" für das richtig Geld fließt praktisch unmöglich. Bin sicher, wenn es jemand schaffen sollte eine Suchmaschine so zu komponieren, bei der nicht nur finanziellen Macht die dieser Konzern darstellt, würde "man" einfach die Rechte aufkaufen und Schluss damit. Anders "jemand" der heute einen Datenbestand durchsuchen lassen möchte. Längst eine Frage des Geldes. Wer KI wie "Watson" für seine Interessen nutzen kann, weiß sehr schnell "was des Pudels Kern" ist.

Das man nun für unterschiedlichen Zugangskriterien "Klassen" schafft, ist schon nahezu "naturgesetzlich". Im übrigen konnte man niemals zuvor so "hilfreich" bei der Bewältigung von "Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen" sein. Es werden überall einfache Lösungen angeboten - denken verboten. Letzteres ist sehr einfach durchsetzbar - wesentlich einfacher als das Gegenteil. Wenn es sich jemand "ganz oben" so offen leisten kann, irgendwelche offensichtlichen Unwahrheiten zu "alternativen Fakten" da entspricht semantisch "true lies" ("wahre" Lügen). Wachsende Bevölkerungsschichten sind damit höchst zufrieden. Waren es früher auch schon - nur eben nicht so einfach manipulierbar wie heute.

Wer sich mal im Lager der Verschwörungsszene umgesehen hat, gibt recht schnell den Gedanken auf, mit Wissen - also nicht mit "alternativem Wissen" - tatsächlich etwas bewirken zu können. Jeder kann sich heute die Welt die ihm behagt problemlos selbst schaffen. Das wird "hier" - wie sollte es ausgerechnet hier anders sein :?: - doch schnell sichtbar.

Es wäre doch eine schöne "Aufgabe" auf ein Forum die geballte Kraft heutiger "Datenverarbeitung" loszulassen, um möglichst über jeden hier ein "rundum Profil" zu erstellen.

Nicht das ich Dich angreifen oder sonst wie feindlich Absichten hege Tom - glaubst Du wirklich daran, dass auch nur die Aussicht, auf all die schönen Gesetze die Du völlig völlig zu recht forderst, besteht ? Die rund 200 Nationalstaaten die es gegenwärtig noch gibt sind gerade noch souverän genug (nicht wirklich alle) um wenigsten im eigenen Land etwas durchzusetzen. Ein ganz Menge davon sind Diktaturen, wo einiges "leichter" fällt, als das in den wenigen echten Demokratien der Fall ist. Sobald jedoch die Landesgrenze überschritten wird, übernehmen andere - nicht etwa gezielt wie das die Verschwörungstheorien behaupten - die "Leitung". Mit mühsam ausgehandelten Verträgen versuchen Staaten das "irgendwie" zu regeln. Man installiert supranationale Gerichtshöfe und ignoriert sie dann. Wen wundert es dann noch, wenn z.B. bei der leidigen Abgassache - auch Europäer - deren Rechtsprechung einfach ignorieren ? Missliebige wissenschaftlich Erkenntnisse werden nicht nur ignoriert, sondern geradezu freudig bekämpft. Nachzulesen überall hier im Forum. Was nicht passt, wird einfach ignoriert. Das ist doch eine wunderbare Einladung an alle, deren Geschäft die Massenmanipulation ist.
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon rifk » Fr 15. Dez 2017, 21:49

Finde es immerwieder lustig, wie in Amerika, dem Land der Freiheit, jetzt die Netzneutralität abgeschafft wurde. Ist das nicht ein Oxymoron? :?:
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » So 10. Jun 2018, 14:33

In der Tat nicht ungefährlich. Die Technik schreitet voran. Irgendwann wird man es auf dem ersten Blick nicht mehr merken, ob da technisch gefaked wurde. In Anbetracht dessen, daß Verschwörungsanhänger schon bei weniger anspruchsvollen Ereignissen zu begeistern sind, ist das eine gefährliche Entwicklung.

Ein angebliches Obama-Video soll vor einer Gefahr für die Demokratie warnen

Seit Dienstagabend sorgt ein digital bearbeitetes Video des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama im Netz für Diskussionen. In dem Video, das auf die Gefahren manipulierter Inhalte im Netz und auf die Weiterentwicklung von Fake News aufmerksam machen soll, wird US-Präsident Donald Trump von seinem Amtsvorgänger vermeintlich als „totaler Volldepp“ bezeichnet.

Etwa bei der Hälfte des Videos, das das US-Onlineportal „Buzzfeed“ am Dienstag veröffentlicht hat, wird aufgelöst, dass Oscar-Preisträger Jordan Peele die Stimme des früheren US-Präsidenten imitiert. Zudem wurden Peeles Mundbewegungen digital in das Video eingefügt.

Hier seht ihr das ganze Video:

https://www.businessinsider.de/ein-ange ... nen-2018-4
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 2. Aug 2018, 09:31

Wie sehr digitale Medien das Leben und die Realität bestimmen können sieht man an Projekt Dragonfly von Google.

In dieser von Google geplanten Realität kommen "Menschenrechte" und "Demokratie" nicht mehr vor. Und das ist kein Projekt eines totalitären Staates. Sondern eines Konzerns aus dem Westen. Um Geld zu verdienen.

Projekt "Dragonfly"

Google soll zensierte Suche für China planen

Eine Android-App, die Suchbegriffe wie "Menschenrechte" und "Demokratie" blockiert? Mehreren Medienberichten zufolge will Google mit einer solchen Suchmaschine zurück auf den chinesischen Markt.


Google will Medienberichten zufolge eine Suchmaschine auf den chinesischen Markt bringen, die Suchbegriffe wie Menschenrechte, Demokratie oder friedliche Proteste zensiert und den Zugriff auf bestimmte Websites blockiert.


Amnesty-International-Forscher Patrick Poon in Hongkong aber geht davon aus, dass die Berichte stimmen und befürchtet "einen Sieg für die chinesische Regierung". "Es sendet ein Signal, dass sich niemand mehr die Mühe macht, die Zensur herauszufordern." Er fragte auch, wie Google dann die Privatsphäre seiner Nutzer schützen werde: "Wird Google auch einknicken und persönliche Daten herausrücken, sollten die chinesischen Behörden das verlangen?"

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/proj ... 21306.html
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon Tom Bombadil » Do 2. Aug 2018, 11:32

King Kong 2006 hat geschrieben:(02 Aug 2018, 09:31)

Und das ist kein Projekt eines totalitären Staates.

Aber ganz sicher ist die „Great Firewall of China“ ein Projekt des totalitären Staates "Volksrepublik China".
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 2. Aug 2018, 17:30

Tom Bombadil hat geschrieben:(02 Aug 2018, 11:32)

Aber ganz sicher ist die „Great Firewall of China“ ein Projekt des totalitären Staates "Volksrepublik China".


Aber Google ist kein Projekt der Volksrepublik. Wenn sie tatsächlich bestimmte Worte herausfiltern, dann kann man nicht Peking dafür verantwortlich machen. Oder sind sie gegenüber Google Weisungsbefugt?
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 13. Jan 2021, 17:38

Digitale Medien werden im Kontext des Infowars in den USA (Twitter vs. Donald Trump z.B) auch schon als vierte Macht bezeichnet. Wer sie beherrscht kann vortrefflich darauf spielen, wie Trump es tat. Aber es ist ein zweischneidiges Schwert. Wie er jetzt auch merkt.

In den letzten Jahren sind social networks fast so ein Paralleluniversum geworden.



Zu Beginn des Internets wurde dies noch heroischer postuliert. Freie Meinungsäußerung. Sozusagen eine grass roots Demokratisierung von unten. Der kleine Mann und die kleine Frau bekommen eine Stimme. Auch in weniger demokratischen Staaten. Auch könnte jeder ein Star werden. Inzwischen sieht man, daß es dort aber auch ein Rudelverhalten gibt und man dort erhebliche Lenkungswirkungen erzeugen kann. Mit staatsbeinflußender Macht. Mit Heerscharen von Anhängern krudester Ideen. Nicht mehr erreichbar. Man hat offenbar damals "Echokammern" und "Blasen" nicht wirklich auf der Rechnung gehabt. Es öffnet die Meinungs- und Ideebildung, verstärkt und vergrößert aber in gleicher Weise extreme Haltungen.

Auf Telegramm tummeln sich mittlerweile ein Haufen Radikale jeder Coleur. Parler wurde als App von Apple und Google schon rausgeworfen. Telegramm ist auch ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite eine Fluchtburg und Brutkammer radikaler Strömungen geworden, auf der anderen Seite wollte man dies nie richtig angehen, da die Idee besteht, daß dort auch Oppositionelle mancher Staaten sich austauschen und organisieren können.

Kritiker halten Twitter und Facebook vor politisch, ideologisch zu zensieren. Andere halten diesen vor Radikale dort agieren zu lassen. Dann gebe es aber eine US-Geseztgebung die da kein Problem hat und Berlin auf seine Gesetze dazu verweist. Ein durcheinander. Muß es stärker reglementiert werden? Oder ist das Zensur? Oder müssen die große digitalen Konzerne zerschlagen werden? Warum? Und mit welcher Berechtigung?

Nach dem industriellen Zeitalter haben wir jetzt das digitale Zeitalter. Womöglich müssen Fragen der Staatsführung hier anders gedacht werden. Mit den Datenschutzgesetzen hat man versucht rechtlich mit der technologischen und sozialen Entwicklung mitzuhalten. Vielleicht braucht es noch mehr auf anderen Gebieten dazu.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 14. Jan 2021, 11:43

Brauchen wir eine Herdenimmunität?

Forscher über soziale Netzwerke

»Wir brauchen Herdenimmunität gegen Desinformation«

Falschinformationen im Netz werden zu einer Ware, die global gehandelt wird, warnt Phil Howard, Direktor des Oxford Internet Institute. Der Kommunikationsforscher fordert strengeres Eingreifen.

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpol ... 26d5d292aa


Ich meine ja. Jede Gesellschaftsform braucht Regeln, die natürlich abgewogen sein müssen. Aber ich kann mich auch nicht öffentlich irgendwo hinstellen und Hetzreden halten, Plakate mit Galgen hochhalten mit z.B. Merkel oder Gates drauf und erwarten, daß das so durchgeht. Wobei, es geht schon. Z.B. in Sachsen. Dasselbe gilt für das Internet.

Neue Oxford-Studie

Täuschung im Netz wird zum globalen Phänomen

Von russischen "Trollen" haben viele Deutsche schon gehört. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: Politische Desinformation im Netz nimmt weltweit rasant zu.


Die Regierungen in 26 Ländern versuchen demnach die öffentliche Meinung zu beeinflussen, um grundlegende Menschenrechte zu unterdrücken, politische Opponenten zu diskreditieren und abweichende Meinungen zu übertönen.

Meist werden Techniken wie Bots, falsche Accounts in den sozialen Medien oder bezahlte „Trolle“ eingesetzt, um die Öffentlichkeit im eigenen Land zu beeinflussen. Sieben Ländern wurde von Facebook und Twitter aber bescheinigt, Nutzer von sozialen Medien im Ausland anzusprechen. Dabei handelt es sich um China, Indien, Iran, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien und Venezuela. Besonders China sei in Bezug auf globale Desinformation zu einem „major player“ (Hauptakteur) aufgestiegen, der Facebook, Twitter und Youtube in aggressiver Weise nutze, urteilt die Studie. Dies sei ein Fakt, der Demokratien durchaus beunruhigen solle.

https://www.tagesspiegel.de/politik/neu ... 58606.html


Der Iran wird erwähnt. Als ein Beispiel. Bleiben wir da. Der Iran hat erheblich in den letzten Jahren in Punkto Cyberwar aufgerüstet. Stuxnet und massive Angriffe auf seine Infrastruktur waren ein harter Lehrmeister. Mittlerweile werden ihm ebenso massive Angriffe auf Netzwerke von Staudäummen, der Energieversorgung und Banken in den USA oder anderen Staaten unterstellt. Aber das ist kein Infowar. In Sachen Infowar war bis Mitte der G.W.Bush Regierung, wenn man auf Google unter Images Iran eingab sofort nur drei Alternativen zu sehen. Galgen, Raketen, Mullahs. Immer. Als sich die Lage schon unter Bush gegen Ende seiner Amtszeit entspannte war das plötzlich - fast - ganz weg. WTF? Wieso, warum? Jetzt sah man die Denkmäler von Dichtern wie Hafez, Lächelnde Iranerinnen, schöne Landschaften, antike Bauwerke usw. Dieser Wechsel erfolgte praktisch in wenigen Wochen. Das hat jemand natürlich verändert, falls keine Paranoia vorliegt. Ob jetzt die Infowar-Abteilung der USA (auch die haben Progandaabteilungen), Irans oder wer auch immer. Google war sozusagen der Wirt, der Träger dieses aggressiven Virus. Oder mischen sie mit? Oder werden sie nur instrumentalisiert? Bis zu diesem Zeitpunkt war das Bild, das man unter Images dort fand ein gefährliches Bild Irans. Danach nicht mehr. Das ist kein Zufall. Der Krieg der Bilder gehört zum Infowar des digitalen Zeitalters.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon streicher » Do 14. Jan 2021, 13:58

"Herdenimmunität gegen Desinformation" finde ich einen echt interessanten Begriff, allerdings auch gut gewählt. Es stimmt, im Informationszeitalter, in dem wir uns befinden, wird um Information gekämpft, um ihre Verbreitung und auch, welche Information als eine tatsächlich wahre Information tituliert wird, und: ob fake news zu "Wahrheiten" gemacht werden und damit eine neue Wirklichkeit aufgezogen werden soll.

Zur Macht der Bilder: ein Bild kann zum Beispiel auch tatsächlich am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen sein, also eine "wahre Momentaufnahme", nur dadurch, dass man den Ausschnitt, welches ein Bild immer darstellt, gezielt weiter zuschneidet, kann man gezielt einen Eindruck erwecken oder verstärken.
Die Zukunft ist Geschichte.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon Kohlhaas » Do 14. Jan 2021, 14:23

streicher hat geschrieben:(14 Jan 2021, 13:58)

"Herdenimmunität gegen Desinformation" finde ich einen echt interessanten Begriff, allerdings auch gut gewählt. Es stimmt, im Informationszeitalter, in dem wir uns befinden, wird um Information gekämpft, um ihre Verbreitung und auch, welche Information als eine tatsächlich wahre Information tituliert wird, und: ob fake news zu "Wahrheiten" gemacht werden und damit eine neue Wirklichkeit aufgezogen werden soll.

Zur Macht der Bilder: ein Bild kann zum Beispiel auch tatsächlich am richtigen Ort zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen sein, also eine "wahre Momentaufnahme", nur dadurch, dass man den Ausschnitt, welches ein Bild immer darstellt, gezielt weiter zuschneidet, kann man gezielt einen Eindruck erwecken oder verstärken.

Bilder sind grundsätzlich "gefährlich". Sie können nicht erst bei der "Nachbearbeitung" manipuliert werden. Schon die Auswahl des Motivs kann "manipulativ" sein. Auf jeden Fall ist die Motivwahl subjektiv. Das ist nicht schlimm, es ist auch gar nicht anders denkbar. Sorry, ich schweife ab.... Liegt daran, dass ich selbst fotografiere und ein großer Freund journalistischer Fotografie bin.

Zum Thema: Die Sache mit der "Herdenimmunität" verstehe ich so, dass die denk- und kritikfähige Mehrheit der Menschen aufgerufen ist, die Desinformationen, die in gewissen Nachrichtenblasen verbreitet und vervielfältigt werden, nicht unwidersprochen zu lassen. Das Beispiel "Trump" hat den Beweis erbracht, dass die asozialen Medien eine echte Gefahr für die Demokratie sind. Begegnen kann man diesem Problem nur, wenn man die Nutzer dieser Medien zwingt, keine Lügen zu verbreiten. Keine Ahnung, wie das gehen soll. Die Alternative liegt darin, dass alle anderen Menschen den Lügen konsequent entgegentreten.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon Astrocreep2000 » Do 14. Jan 2021, 16:19

King Kong 2006 hat geschrieben:(13 Jan 2021, 17:38)
Kritiker halten Twitter und Facebook vor politisch, ideologisch zu zensieren. Andere halten diesen vor Radikale dort agieren zu lassen. Dann gebe es aber eine US-Geseztgebung die da kein Problem hat und Berlin auf seine Gesetze dazu verweist. Ein durcheinander. Muß es stärker reglementiert werden? Oder ist das Zensur? Oder müssen die große digitalen Konzerne zerschlagen werden? Warum? Und mit welcher Berechtigung?

Nach dem industriellen Zeitalter haben wir jetzt das digitale Zeitalter. Womöglich müssen Fragen der Staatsführung hier anders gedacht werden. Mit den Datenschutzgesetzen hat man versucht rechtlich mit der technologischen und sozialen Entwicklung mitzuhalten. Vielleicht braucht es noch mehr auf anderen Gebieten dazu.

Mir missfällt, dass für digitale Medien offenbar andere Regeln gelten sollen, als für die klassischen Printmedien: Eine Zeitung kann einen Leserbrief abdrucken mit dem Hinweis, dass sie sich von dort getätigten Aussagen distanziert. Wenn diese Aussagen aber einen Straftatbestand erfüllen (z.b. Leugnung des Holocaust), dann macht sich auch die Zeitung strafbar. Sie wird also prüfen, was sie veröffentlicht.

Ich finde, dasselbe müsste für Facebook & Co. gelten. Ja, da ist eine Masse mehr zu prüfen - aber die verdienen "damit" ja auch eine Masse mehr Geld und das Geschäftsmodell müsste eben beinhalten, die nötigen Kosten zur Prüfung (ob durch Menchen oder KI/Algorithmen) tragen zu können. Wenn sich das nicht rechnet, muss Zuckerberg sein Geld eben mit etwas anderem verdienen. Simple as that.

Maßstab, was zensiert wird, wäre natürlich nicht das Ermessen oder die politische Färbung von Facebook & Co. sondern die Gesetzte des jeweiligen Landes.

Will sich der Betreiber denen nicht unterordnen, darf er sein Geschäftsmodell nicht betreiben.

Für mich wäre das als ganz einfach, ich weiß nicht, warum man die Digitalwirtschaft da anders behandelt als die analoge Wirtschaft und warum man das überhaupt diskutieren muss?

Ich vermute, die Digitalisierung wurde in diesem Bereich einfach zu lange zu unkritisch gesehen wurde, die Entwicklung und deren Kehrseiten unterschätzt (wir lernen aber auch wenig daraus, siehe, wie momentan das "Digitale Lernen" als Allheilmittel verkauft wird).

Du hast es weiter oben ja auch schon angesprochen: Was haben wir Mitte/Ende der 90er an den Unis gejubelt, welche Versprechen nach Demokratisierung und Chancengleicheit waren mit dem "www" verbunden - und was ist davon übrig geblieben? Für diejenigen, die es Dank Bildung zu nutzen wissen, ist es ohne Zweifel ein mächtiges Medium. Für die weniger Privilegierten/Gebildeten ist es doch ein reines Unterhaltungsmedium/schräges Parallelunisversum geworden. Eigentlich sind die bereits bestehenden Verhältnisse nur weiter zementiert worden, mit dem Unterschied, dass offensichtlich immer mehr Menschen unzufrieden und unglücklich werden. Aber das ist nochmal ein anderes Thema ...

Na, jedenfalls finde ich es überfällig, den US-Konzernen in Europa keine Extrawürste mehr zu braten. Wie der Rest der Welt das handhabt, ist mir da erstmal egal.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon Kohlhaas » Do 14. Jan 2021, 16:46

Astrocreep2000 hat geschrieben:(14 Jan 2021, 16:19)Für mich wäre das als ganz einfach, ich weiß nicht, warum man die Digitalwirtschaft da anders behandelt als die analoge Wirtschaft und warum man das überhaupt diskutieren muss?

Das liegt an der normativen Kraft des Faktischen. Es gibt die "sozialen" Medien, sie haben sich zu dem entwickelt was sie heute sind, und sie generieren tagtäglich hunderte von Millionen Beiträgen.Das ist so und lässt sich nicht mehr ändern. Das ist allein wegen des Ausmaßes unkontrollierbar geworden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man das noch in den Griff bekommen will. Außer vielleicht durch "Herdenimmunität" denkfähiger Menschen gegenüber blanker Blödheit oder bewusst gestreuter Desinformation.

Es gäbe daneben natürlich noch die Möglichkeit, all die Dienste wie Twitter und Co. schlicht "abzuschalten". Aber zum Glück leben wir ja in Deutschland und nicht in China. Ist also keine Option.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 14. Jan 2021, 19:47

Astrocreep2000 hat geschrieben:(14 Jan 2021, 16:19)

Mir missfällt, dass für digitale Medien offenbar andere Regeln gelten sollen, als für die klassischen Printmedien: Eine Zeitung kann einen Leserbrief abdrucken mit dem Hinweis, dass sie sich von dort getätigten Aussagen distanziert. Wenn diese Aussagen aber einen Straftatbestand erfüllen (z.b. Leugnung des Holocaust), dann macht sich auch die Zeitung strafbar. Sie wird also prüfen, was sie veröffentlicht.

Ich finde, dasselbe müsste für Facebook & Co. gelten. Ja, da ist eine Masse mehr zu prüfen - aber die verdienen "damit" ja auch eine Masse mehr Geld und das Geschäftsmodell müsste eben beinhalten, die nötigen Kosten zur Prüfung (ob durch Menchen oder KI/Algorithmen) tragen zu können. Wenn sich das nicht rechnet, muss Zuckerberg sein Geld eben mit etwas anderem verdienen. Simple as that.

Maßstab, was zensiert wird, wäre natürlich nicht das Ermessen oder die politische Färbung von Facebook & Co. sondern die Gesetzte des jeweiligen Landes.

Will sich der Betreiber denen nicht unterordnen, darf er sein Geschäftsmodell nicht betreiben.

Für mich wäre das als ganz einfach, ich weiß nicht, warum man die Digitalwirtschaft da anders behandelt als die analoge Wirtschaft und warum man das überhaupt diskutieren muss?

Ich vermute, die Digitalisierung wurde in diesem Bereich einfach zu lange zu unkritisch gesehen wurde, die Entwicklung und deren Kehrseiten unterschätzt (wir lernen aber auch wenig daraus, siehe, wie momentan das "Digitale Lernen" als Allheilmittel verkauft wird).

Du hast es weiter oben ja auch schon angesprochen: Was haben wir Mitte/Ende der 90er an den Unis gejubelt, welche Versprechen nach Demokratisierung und Chancengleicheit waren mit dem "www" verbunden - und was ist davon übrig geblieben? Für diejenigen, die es Dank Bildung zu nutzen wissen, ist es ohne Zweifel ein mächtiges Medium. Für die weniger Privilegierten/Gebildeten ist es doch ein reines Unterhaltungsmedium/schräges Parallelunisversum geworden. Eigentlich sind die bereits bestehenden Verhältnisse nur weiter zementiert worden, mit dem Unterschied, dass offensichtlich immer mehr Menschen unzufrieden und unglücklich werden. Aber das ist nochmal ein anderes Thema ...

Na, jedenfalls finde ich es überfällig, den US-Konzernen in Europa keine Extrawürste mehr zu braten. Wie der Rest der Welt das handhabt, ist mir da erstmal egal.


Ich glaube, daß es zwei Problemfelder gibt. Einmal die Schwierigkeit, die man damit umschreibt "in einer Demokratie muß man das aushalten". Das ist sicher ein philosophisch hehrer Ausspruch, aber auch brandgefährlich. Ich bin der Meinung, man muß nicht alles aushalten. Manchmal genügt ein kleiner Riß und das ganze Gefäß sprengt auseinander. Auch kleine Risse sind gefährlich und sollten repariert werden. Das andere Problemfeld ist eben, wie du auch angesprochen hast, daß man in der digitalen Welt nachziehen muß. Ich habe den Eindruck, man kommt da nicht hinterher. Das ist kein Rechtsfreier Raum und hat bestimmte Dynamiken, die anders sind als in der Realität. Das muß angepasst werden. Das gilt auch für Beleidigungen persönlicher Art. Z.B Künast, egal wie man zu ihr steht, es ist ein Unding, daß es so lange gedauert hat, bis die schweren Beleidigungen online geahndet wurden. Das hat eine fatale Wirkung. Auch im Großen.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 19. Feb 2021, 08:48

Wer ist stärker? Australien oder ein Tech-Konzern.

Kräftemessen in Australien

Darum blockiert Facebook jetzt Nachrichten

In Australien ist der Streit über ein neues Gesetz eskaliert: Facebook verbannt dort nun alle Medieninhalte aus seinem Netzwerk. Auch für deutsche Nutzerinnen und Nutzer hat der Vorstoß Konsequenzen.


Hat man sich schon zu abhängig gemacht?

Facebook schneidet seine Nutzer aus aller Welt also mal eben von allen Nachrichten direkt aus Australien ab – und seine australischen Nutzer direkt von Nachrichten aus aller Welt.


Schon das allein dürfte in Australien viele Menschen irritiert haben. Internetnutzer hatten zudem bemerkt, dass Facebooks neue Blockade zunächst nicht nur Inhalte von Medienhäusern traf, sondern zum Beispiel auch die Facebook-Seiten von mindestens drei Gesundheitsbehörden, auf denen aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie veröffentlicht wurden. Auch Meteorologie- und Feuerwehr-Seiten waren zeitweise gestört


Das Auftreten australischer Offizieller wie Morrison im Kontext dessen ist ähnlich befremdlich wie das von Maas beim Eingangsbeitrag. Australien wirkt eher wie ein Kunde beim Jobcenter. Befremdlich.

Premierminister Scott Morrison kündigte in seinem Posting an, man werde sich von den Internetunternehmen, die das Parlament vor der Abstimmung zum Gesetz unter Druck setzen wollten, nicht einschüchtern lassen. Facebook ermutigte er aber mit einem Verweis auf Google dazu, »konstruktiv mit der australischen Regierung zusammenzuarbeiten«.

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpol ... f178f99a86
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon streicher » Fr 19. Feb 2021, 15:07

King Kong 2006 hat geschrieben:(19 Feb 2021, 08:48)

Wer ist stärker? Australien oder ein Tech-Konzern.



Hat man sich schon zu abhängig gemacht?

Das Auftreten australischer Offizieller wie Morrison im Kontext dessen ist ähnlich befremdlich wie das von Maas beim Eingangsbeitrag. Australien wirkt eher wie ein Kunde beim Jobcenter. Befremdlich.

Die Beobachtung ist schon richtig: neben den Staaten scheinen diese Großkonzerne digitaler Macht als neue Player zu fungieren, mit denen also Staaten ringen müssen. Man denke auch an die Steuerfreiheit...
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 20. Feb 2021, 09:05

streicher hat geschrieben:(19 Feb 2021, 15:07)

Die Beobachtung ist schon richtig: neben den Staaten scheinen diese Großkonzerne digitaler Macht als neue Player zu fungieren, mit denen also Staaten ringen müssen. Man denke auch an die Steuerfreiheit...


Man muß sich womöglich grundlegend, neben der vorhandenen Gesetzeslage, Gedanken machen, wie man damit umzugehen hat. Anders als bei den Printmedien haben sich inzwischen viele Nachrichten-, und Informationsquellen von Firmen oder auch öffentlichen Stellen z.B. auch zu Facebook verlagert, siehe am Beispiel Australiens. Es kann nicht sein, daß bei einem Disput z.B. Facebook dann einfach den Saft abdrehen kann. Das gehört für mich zu einer hohheitlichen Pflicht des Staates da in letzter Instanz notfalls ein Monopol zu besitzen. Oder so etwas wie eine strategische Reserve, siehe z.B. Impfmedikamente in einer Pandemie. Die eigenen Produktionskapazitäten.

Man müßte im Falle digitaler Medien sich der sozialen Marktwirtschaft Deutschlands erinnern. Sprich völlig freies Spiel im wirtschaftsliberalen Sinne kann auch gefährlich sein. Der Staat muß eine Lenkungswirkung im Sozialen haben. Zum Wohle der Gesellschaft. Staaten wir China u.a. machen es zwar vor, wie es in die andere Richtung zu extrem wird, aber selbst in den USA (siehe den Vorwurf der Fake News und Medienschelte) fühlt man sich genötigt einzugreifen. Da kommen wir zum nächsten Punkt. Digitale Medien sind auch brandgefährlich. Einst gepriesen als Demokratiebooster werden sie jetzt immer öfter als systemische Gefahr für die Gesesllschaft und Demokratie gesehen. Nicht nur in China. Man sah zuletzt in den USA bei den Wahlen, siehe Kapitolerstürmung oder Querdenken und Co. in der Seuchensituation in Deutschland und dem Besuch im Bundestag was das für Dynamiken entwickeln kann.

Von 2019:

Soziale Medien: Eine Gefahr für die Demokratie?

Am 26. Mai ist Europawahl. Wählen wir dabei noch frei – oder beeinflussen Algorithmen unsere Meinung? Im Interview spricht Medienforscher Jan-Hinrik Schmidt über Meinungsvielfalt, den Ausbruch aus Filterblasen und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

https://www.bmbf.de/de/soziale-medien-e ... -8606.html


DEMOKRATIE
WIE BEEINFLUSSEN SOZIALE MEDIEN DIE DEMOKRATIE?

https://www.mdr.de/wissen/medien-und-de ... e-100.html



Big Tech ist längst zu einem Staat im Staate geworden

Die Zukunftsmacher der Techindustrie stehen weltweit in der Kritik. Wollen die Unternehmen drakonische Strafen verhindern, müssen sie die Risiken ernst nehmen.

https://www.handelsblatt.com/meinung/ko ... 02214.html



Sieben Ideen, sie zu zähmen

Wer den sozialen Netzwerken ihre Macht über Meinungsäußerungen wegnehmen will, muss auch sagen, wer sie bekommen soll. Die Politik? Die Polizei? Die Community? Sieben mögliche Strategien gegen Onlineextremismus.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/soz ... adb3df6ceb
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
Wissen stellt eine Barriere dar, die einen daran hindert, etwas in Erfahrung zu bringen.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon PersonalFreedom » Fr 26. Feb 2021, 12:33

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Feb 2021, 09:05)
Man muß sich womöglich grundlegend, neben der vorhandenen Gesetzeslage, Gedanken machen, wie man damit umzugehen hat. Anders als bei den Printmedien haben sich inzwischen viele Nachrichten-, und Informationsquellen von Firmen oder auch öffentlichen Stellen z.B. auch zu Facebook verlagert, siehe am Beispiel Australiens. Es kann nicht sein, daß bei einem Disput z.B. Facebook dann einfach den Saft abdrehen kann. Das gehört für mich zu einer hohheitlichen Pflicht des Staates da in letzter Instanz notfalls ein Monopol zu besitzen. Oder so etwas wie eine strategische Reserve, siehe z.B. Impfmedikamente in einer Pandemie. Die eigenen Produktionskapazitäten.


Eben noch in der ÖRR-Diskussion darüber nachgedacht, diesen müsste man von grundauf eben so ausrichten. Das Neue am Internet ist der Rückkanal. Im simpelsten Fall bedeutet das, ich gebe dem "Fernsehsender" die Meldung, dass ich jetzt diesen Film sehen will und nicht darauf hoffen muss, dass man beliebt ihn nochmal zu einer Zeit auszustrahlen, zu der ich auch Zeit habe.
Aber natürlich kann der noch viel mehr und hat die politische Debatte verändert. Die Politik, insbesondere die Union, tut sich bis heute schwer damit, dass man nicht mehr die üblichen großen Medien ansprechen oder in die Pflicht nehmen kann, sondern Inhalte auch abseits davon frei zirkulieren.

Ich glaube, nicht wenige sind darüber froh, dass sich die Diskussionen jetzt wieder auf wenigen Plattformen abspielen, auf die man "Zugriff" hat. Schlecht ist, dass diese Plattformen alle nicht in der EU oder in Deutschland beheimatet sind. Schlecht ist auch, dass sie nach Gutdünken Diskussionen beschneiden können und das ganz sicher nur im Hinblick auf Image- und Profitorientierung tun werden.
Will heißen, bei "Snowflake-Themen" wird man immer eher zensieren, da man ja eine teure Klage fürchten muss.

Eine "Öffentlich rechtliche Plattform", die Dinge nur löschen darf, wenn sie justiziabel sind und die sich auch an deutschem Recht orientiert, könnte hier Abhilfe schaffen. Ähnlich wie die öffentlichen Fernsehsender kann ich mir aber gut vorstellen, dass die Qualität in etwa so sein wird wie alles, was staatliche Stellen so fabrizieren.

Die Alternative wäre, die "Klumpung" bei diesen Plattformen aufzubrechen. Natürlich geht jeder dahin, "wo alle sind". Eine Meinung kann ich zwar auch hier äußern, aber seien wir ehrlich, die Reichweite dieses Forums ist begrenzt. Wenn ich von meinen Inhalten leben müsste, käme dieser Zwang hinzu.
Zudem sind die Leute oft schlicht zu faul, sich irgendwo zu registrieren. Man kauft bei Amazon, weil man da schon ist und "angemeldet bleiben" gehakt hat.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 27. Feb 2021, 08:12

Unter anderem Dänemark hat eine Art "Cyber-Botschafter" ins Silicon Valley entsandt. Und man will mit "Techplomacy" die Interessen des Landes bei den Tech-Giganten vertreten.
u.a. https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/02/23/daenemark_eine_digital_strategie_fuer_aussenpolitik_dlf_20210223_0912_6f17a2ad.mp3. Und Dänemark stellt sich in den jüngsten Auseinandersetzungen offensiv an die Seite Australiens. Es gelte, den Tech-Giganten "die Stirn zu bieten". Sie seien in ihren Gestaltungsspielräumen in Teilen zumindest mächtiger als die demokratisch gewählten Institutionen in den Staaten.

Sowohl der Lösungsansatz in Australien wie auch der skandinavische (und baltische) Weg sieht allerdings eher so aus, dass diese Unternehmen quasi national eingebunden, eingeschliffen werden sollen. Sie sollen die Algorithmen offenlegen, sie sollen die (Zeitungen, Institutionen usw.) an den Gewinnen beteiligen, die sie mit ihrer Dateneinspeisung machen.

Ich bin da skeptisch. Ich würde sie eher einfach niemals so groß werden lassen. Mit einer Steuerprogression zum Beispiel, die so drastisch ist, dass eine gewisse Maximalgröße eines Unternemens prinzipiell nicht überschreitbar ist.

Ging es früher einmal einfach um den Verkauf von IT-Technik, Software und Dienstleistungen, und war es früher einmal völlig in Ordnung, dass man mit guten Produkten gutes Geld verdient, so sind heute "Daten" und "Informationen" ein Teil der Währung geworden. Insbesondere droht eine Teilübernahme des Bildungswesens durch den Plattformkapitalismus. Ich weiß da, wovon ich rede. Ging es früher einmal einfach darum, einer Hochschule eine IT-Lösung für Campusmanagement, Hochschulbibliothek oder E-Learning zu verkaufen und damit ein bissel Bildungssteuergelder einzuheimsen ... so geht es heute um die Übernahme des Betriebs. Selbst aus so simplen Vorgängen wie der Suche nach Büchern, dem Entleihen und Zurückgeben von Büchern lassen sich per Mustererkennung extrem wertvolle Informationen gewinnen. Und sie betreffen gerade im Hochschulbereich die soziale Gruppe der umworbensten späteren Konsumenten.

Wir stehen hier vor einem Quo Vadis Demokratie. Nicht weniger.
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Re: Digitale Medien - Die neue Macht?

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 27. Feb 2021, 08:30

PersonalFreedom hat geschrieben:(26 Feb 2021, 12:33)
Die Alternative wäre, die "Klumpung" bei diesen Plattformen aufzubrechen. Natürlich geht jeder dahin, "wo alle sind". Eine Meinung kann ich zwar auch hier äußern, aber seien wir ehrlich, die Reichweite dieses Forums ist begrenzt. Wenn ich von meinen Inhalten leben müsste, käme dieser Zwang hinzu.
Zudem sind die Leute oft schlicht zu faul, sich irgendwo zu registrieren. Man kauft bei Amazon, weil man da schon ist und "angemeldet bleiben" gehakt hat.

Nicht unbedingt. Es gibt wie immer gerade durch die zunehmende Sättigung auch eine aufkeimende Gegenbewegung.

Zum Vergleich betrachte man die Entwicklungen in der Musikindustrie. Von etwa Mitte der 70er bis Anfang der 90er war es die Politik der Majorlabels, einfach so lange alles aufzukaufen, bis eine total marktbeherrschende Stellung erreicht war. Die aufgekaufteten Plattenfirmen wurden häufig in Form von Sublabels als scheinbar unabhängig platziert. Geffen-Records (u.a. "Nirvana") ist so ein Beispiel. Dann gab es aber ab etwa 2000 eine Rückkehr der "echten" Indie-Labels. Und inzwischen eine Zweiteilung. Die großen für die Masse. Die kleinen für die Individualisten. Im IT-Bereich wäre das so ungefähr die Tech-Giganten auf der einen und der OpenSource-Bereich auf der anderen Seite.
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