Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

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hallelujah
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:12

frems hat geschrieben:Und gerade für Fußgänger sind die Kreisel schlecht, da sie in der Regel häufiger die Straße queren müssen und sie Sicht schlechter ist. Eine Ampel bietet da eben mehr Schutz, speziell für Menschen, deren Sinne nicht mehr (oder noch nicht) ganz fit sind. Und da reicht die niedrigere Geschwindigkeit für schwere Unfälle bereits, wenn das Opfer keinen Blechpanzer um sich hat.



Wieso ist die Sicht schlechter? Wo ist der Unterschied zur Kreuzung?

Wenn ich über eine Kreuzung fahre, dann habe ich innerorts Tempo 50. Ok, ich bin ehrlich, 60 :D
Fahre ich aus dem Kreisel raus, habe ich die 50 oder 60 noch nicht auf dem Tacho. Die Chance für den Fussgänger, daß ich also rechtzeitig bremsen kann, steigt für ihn enorm.
Sogar wenn wir beide nicht aufgepaßt haben, schon die geringere Geschwindigkeit an dieser Stelle erhöht die Chance, daß es nicht zu einer Kollision kommt, weil meist wenigsten Einer doch noch wach wird.

Du kannst auch hinter dem Kreisel immer noch einen beampelten Fussgängerüberweg bauen. Die Möglichkeit bleibt unbenommen.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:15

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:03 hat geschrieben:Nun, daß die regionalen Abweichungen SO hoch sind, finde ich erstaunlich und bemerkenswert. Die Zahl über die Schuldfrage / Unfallverursacher habe ich dir mitgeliefert. Nicht immer nur der böse Autofahrer...

Ich hab doch nicht gesagt, daß Autofahrer immer schuld sind. Das brauchst Du mir doch nicht unterzujubeln, genau wie ich nicht sagte, daß Menschen, die ein bestimmtes Verkehrsmittel wählen, egoistischer oder unaufmerksamer wären als andere. Und Deine Zahlen belegen ja, daß mehrheitlich bei den Autofahrern liegt, was umso schlimmer ist, da wir in einem Rechtsstaat leben. Ein "der Stärkere setzt sich durch und hat damit recht" wäre in allen anderen Lebensbereich keine weitverbreitete Selbstverständlichkeit.

Hat vermutlich doch etwas damit zu tun, daß "ruhigeres" Autofahren nicht immer aufmerksamer bedeutet. Im Süden fährt man meiner Einschätzung nach etwas "sportlicher", aber es gibt deutlich weniger tote Radfahrer. Müsste es deiner Meinung nach nicht umgekehrt sein...?

Nee, müßte es nicht. Wenn Du unbedingt einen Nord-Süd-Vergleich anstellen willst, müßtest Du z.B. eine norddeutsche Stadt mit einer süddeutschen Stadt vergleichen, die möglichst ähnlich groß sind (Einwohnerzahl, Dichte, Raumtypologien, ...). Wichtiger ist aber noch der Modal Split und die jeweils zurückgelegten Kilometer. Angenommen: Wenn in Bremen pro Kopf dreimal so viele Leute mit dem Rad fahren wie im Bayrischen Wald, ist es nicht überraschend, wenn es (ebenfalls pro Kopf) mehr Unfälle mit Radfahrern in Bremen gibt. Zur Aufmerksamkeit sagt das wenig.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:18

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:12 hat geschrieben:Wieso ist die Sicht schlechter? Wo ist der Unterschied zur Kreuzung?

Unter anderem die Größe. In Berlin hast Du dann noch Späße wie den Kreisel am Ernst-Reuter-Platz, wo Du als Fußgänger nicht nur schauen mußt, ob Du gerade Grün hast, sondern auch, ob sich die Fahrzeuge im Kreisel daran halten.

Wenn ich über eine Kreuzung fahre, dann habe ich innerorts Tempo 50. Ok, ich bin ehrlich, 60 :D
Fahre ich aus dem Kreisel raus, habe ich die 50 oder 60 noch nicht auf dem Tacho. Die Chance für den Fussgänger, daß ich also rechtzeitig bremsen kann, steigt für ihn enorm.
Sogar wenn wir beide nicht aufgepaßt haben, schon die geringere Geschwindigkeit an dieser Stelle erhöht die Chance, daß es nicht zu einer Kollision kommt, weil meist wenigsten Einer doch noch wach wird.

Schön wär's. Dann dürfte es ja gar keine Abbiegeunfälle geben, wo die Geschwindigkeit noch geringer ist als im Kreisel. Trotzdem sterben dort die meisten Fußgänger und Radfahrer.

Du kannst auch hinter dem Kreisel immer noch einen beampelten Fussgängerüberweg bauen. Die Möglichkeit bleibt unbenommen.

Richtig, siehe oben. Trotzdem sind sie für Städte in der Regel (nicht immer, verdammich) ungeeignet.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:24

Sie sollen von der Bogenstraße in die Rutschbahn fahren, eine etwa 100 Meter entfernte Straße. Sie führt zum Grindel, einem beliebten Viertel mit Kino, Kneipen und Restaurants.

Eigentlich sollte das keine große Sache sein. Die beiden Straßen sind fast durch eine Gerade miteinander verbunden – und durch zwei Kreuzungen. An der zweiten darf man nur rechts abbiegen; der Weg in die Rutschbahn führt aber nach links. Wo muss man also lang, um dorthin zu kommen?

Spotts Studenten kennen sich in dem Stadtteil nicht aus, das merkt man. Die einen schummeln und wählen die kürzeste Verbindung: Das ist die Gerade über den Fußweg – Radfahren ist dort natürlich verboten. Andere fahren erst die direkte Verbindung auf der Straße, um an der Rechtsabbieger-Kreuzung ihr Rad auf den Fußweg zu heben. Dann fahren sie wie ihre Kommilitonen über die Fußgängerampel. Andere wiederum ordnen sich in der Bogenstraße auf der Linksabbiegerspur für Radfahrer ein, biegen ab und fahren an der nächsten Kreuzung rechts, um in einem großen Halbkreis umständlich bis zur Kreuzung an der Rutschbahn zu fahren.

Tatsächlich haben Hamburgs Verkehrsplaner eine ganz andere Route vorgesehen, die von Spotts Studenten nur einer gewählt hat – die anderen lagen falsch. Die richtige Lösung geht so: In der Bogenstraße müssen sie sich auf die Linksabbiegerspur einordnen. Dann lassen sie den entgegenkommenden Autoverkehr passieren und biegen nicht ab, sondern fahren geradeaus auf die Verkehrsinsel in der Mitte der Kreuzung. Dort existiert ein Zweispur-Radweg. Den dürfen sie befahren, um dann weiter geradeaus über die Radfahrer- und Fußgängerampel in die Fahrradstraße Rutschbahn zu gelangen. Das hört sich kompliziert an, und es ist auch kompliziert.

http://blog.zeit.de/fahrrad/2015/03/30/ ... s-hamburg/

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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:24

ich denke, die südwestdeutschen Städte kann man ganz gut mit Bremen vergleichen. Der Vergleich Hamburg / Bayerischer Wald oder Eifel wird nicht aufgehen, das ist klar.

Und wieder spreche ich aus persönlicher Erfahrung als Motorradfahrer. Den Franzosen wird nachgesagt, sie fahren ziemlich rücksichtslos Auto. Ich persönlich fahre aber lieber im Südwesten oder ja, in Frankreich mit dem Motorrad als in Norddeutschland. Meine persönliche Erfahrung ist es, daß die Autofahrer hier bzw. in Frankreich trotz des ihnen nachgesagten aggressiveren Fahrstil gegenüber Motorradfahrern aufmerksamer sind. Ich scheue mich nicht davor, diesen Vergleich auch auf Radfahrer zu übertragen.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:26

frems hat geschrieben:Schön wär's. Dann dürfte es ja gar keine Abbiegeunfälle geben, wo die Geschwindigkeit noch geringer ist als im Kreisel. Trotzdem sterben dort die meisten Fußgänger und Radfahrer.



DAS hat aber etwas mit dem toten Winkel zu tun. Und dieses Problem ist im Kreisel geringer.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:37

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:24 hat geschrieben:ich denke, die südwestdeutschen Städte kann man ganz gut mit Bremen vergleichen. Der Vergleich Hamburg / Bayerischer Wald oder Eifel wird nicht aufgehen, das ist klar.

Es wird ja bloß auf Bundesebene verglichen. Daß da Stadtstaaten herausstechen und weit/ganz vorne sind, ist doch logisch, einfach weil der Radfahreranteil in Städten höher ist aufgrund kürzerer Wege. Daher müßtest Du für statistische Erklärungen die Zahlen gewichten, sprich, wenn es doppelt so viele Radfahrer gibt und doppelt so viele Unfälle, in denen Radfahrer involviert sind, kommst Du in etwa aufs Gleiche. Daher ist der Modal Split eins der wichtigsten Kriterien in der Mobilitätsforschung und der Bund kategorisiert seine untersuchten Räume nach der Größe und Dichte von Städten statt Bundesländer zu vergleichen. Ansonsten liefern die Zahlen keine Erkenntnisse.

Und wieder spreche ich aus persönlicher Erfahrung als Motorradfahrer. Den Franzosen wird nachgesagt, sie fahren ziemlich rücksichtslos Auto. Ich persönlich fahre aber lieber im Südwesten oder ja, in Frankreich mit dem Motorrad als in Norddeutschland. Meine persönliche Erfahrung ist es, daß die Autofahrer hier bzw. in Frankreich trotz des ihnen nachgesagten aggressiveren Fahrstil gegenüber Motorradfahrern aufmerksamer sind. Ich scheue mich nicht davor, diesen Vergleich auch auf Radfahrer zu übertragen.

Dann sind indische Großstädte wohl der sicherste Ort für Verkehrsteilnehmer, während man in Kopenhagen um sein Leben fürchten muß. Glaub ich weniger. Aufmerksamkeit ist wichtig, aber Sicherheit benötigt auch sichere Straßen. Bloß findest Du die niedrigste Unfalldichte in den nordwestdeutschen Flächenländern, die nach Deiner Statistik ja die meisten Radfahrerunfälle hatten. Auf 100.000 Einwohner kamen im Saarland 3.087 Verkehrsunfälle, Rheinland-Pfalz 2.984, Sachsen 2.945, Bayern 2.846, Thüringen 2.668, Baden-Württemberg 2.561, Baden-Württemberg 2.561, Niedersachsen 2.554 und Schleswig-Holstein 2.353.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:37

frems hat geschrieben:http://blog.zeit.de/fahrrad/2015/03/30/ ... s-hamburg/

Bilder beachten. Viel Spaß. Da hilft's auch nicht die Wohngebäude abzureißen und Kreisel zu bauen. :|




ich schrieb eben auch von gleichwertigen Alternativen und nicht von verkehrsplanerischem Chaos, als es um Straße oder Radweg ging...

Ich schrieb auch nicht, daß Kreisel überall sinnvoll und möglich sind.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:40

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:26 hat geschrieben:

DAS hat aber etwas mit dem toten Winkel zu tun. Und dieses Problem ist im Kreisel geringer.

Bloß überholt der Autofahrer vorm Abbiegen für gewöhnlich den Radfahrer, aber sieht ihn eben nicht. Ich stimme Dir ja zu für den Fall, wenn zwei Autos zusammenkrachen, daß da ein Argument pro Kreisel entsteht, auch wenn es dadurch halt häufiger kracht. Aber nicht im Straßenraum, den man sich mit schwächeren Verkehrsteilnehmern teilt. Und da ist ein Fußgänger eben gleichberechtigt zum Autofahrer, auch wenn letzterer gerne seinen Motor aufheulen läßt und sich wie ein Neanderthaler fühlt, der sich auf die Brust trommelt. :p
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:47

frems » Di 31. Mär 2015, 22:37 hat geschrieben:Es wird ja bloß auf Bundesebene verglichen. Daß da Stadtstaaten herausstechen und weit/ganz vorne sind, ist doch logisch, einfach weil der Radfahreranteil in Städten höher ist aufgrund kürzerer Wege. Daher müßtest Du für statistische Erklärungen die Zahlen gewichten, sprich, wenn es doppelt so viele Radfahrer gibt und doppelt so viele Unfälle, in denen Radfahrer involviert sind, kommst Du in etwa aufs Gleiche. Daher ist der Modal Split eins der wichtigsten Kriterien in der Mobilitätsforschung und der Bund kategorisiert seine untersuchten Räume nach der Größe und Dichte von Städten statt Bundesländer zu vergleichen. Ansonsten liefern die Zahlen keine Erkenntnisse.


Dann sind indische Großstädte wohl der sicherste Ort für Verkehrsteilnehmer, während man in Kopenhagen um sein Leben fürchten muß. Glaub ich weniger. Aufmerksamkeit ist wichtig, aber Sicherheit benötigt auch sichere Straßen. Bloß findest Du die niedrigste Unfalldichte in den nordwestdeutschen Flächenländern, die nach Deiner Statistik ja die meisten Radfahrerunfälle hatten. Auf 100.000 Einwohner kamen im Saarland 3.087 Verkehrsunfälle, Rheinland-Pfalz 2.984, Sachsen 2.945, Bayern 2.846, Thüringen 2.668, Baden-Württemberg 2.561, Baden-Württemberg 2.561, Niedersachsen 2.554 und Schleswig-Holstein 2.353.



Natürlich spielt die Dichte und die Häufigkeit der Nutzung eine Rolle.
Der Vergleich Indien/Kopenhagen kann nicht ganz ernst gemeint sein...

Da oben gibt es auch kaum Kurven auf den Landstraßen...
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Di 31. Mär 2015, 23:54

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:47 hat geschrieben:

Natürlich spielt die Dichte und die Häufigkeit der Nutzung eine Rolle.
Der Vergleich Indien/Kopenhagen kann nicht ganz ernst gemeint sein...

Er war natürlich übertrieben, um zu veranschaulichen, daß ein aggressiverer bzw. chaotischerer Fahrstil eben nicht automatisch mehr Aufmerksamkeit und gleichzeitig mehr Sicherheit bedeutet.

Da oben gibt es auch kaum Kurven auf den Landstraßen...

Na siehste, der Straßenraum ist relevant für die Unfallhäufigkeit. Warum solle er das nicht sein, wenn man eine Stadt mit einem Flächenland vergleicht? Da sind die Unterschiede doch noch größer.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:55

frems » Di 31. Mär 2015, 22:40 hat geschrieben:Bloß überholt der Autofahrer vorm Abbiegen für gewöhnlich den Radfahrer, aber sieht ihn eben nicht. Ich stimme Dir ja zu für den Fall, wenn zwei Autos zusammenkrachen, daß da ein Argument pro Kreisel entsteht, auch wenn es dadurch halt häufiger kracht. Aber nicht im Straßenraum, den man sich mit schwächeren Verkehrsteilnehmern teilt. Und da ist ein Fußgänger eben gleichberechtigt zum Autofahrer, auch wenn letzterer gerne seinen Motor aufheulen läßt und sich wie ein Neanderthaler fühlt, der sich auf die Brust trommelt. :p



Fahr mal im geistigen Auge durch einen Kreisel, neben oder vor dir ein Radfahrer. Jetzt fahr mal deinen Weg und den des Radfahrers vorm geistigen Auge ab.
Und zum Vergleich die Szene an einer Kreuzung. Vergleiche hier mal die Wege und die Positionen von Auto- und Radfahrer.
Und zu beiden Szenen versuche mal, dein eigenes Blickfeld zu erforschen.
Der Radfahrer wird vor und im Kreisel besser gesehen und hat mehr Platz.
Ausserdem wird die Gefahrensituation entschärft, daß der Autofahrer abbiegt und der Radfahrer aus dem toten Winkel angeschossen kommt.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Mi 1. Apr 2015, 00:04

hallelujah » Di 31. Mär 2015, 23:55 hat geschrieben:

Fahr mal im geistigen Auge durch einen Kreisel, neben oder vor dir ein Radfahrer. Jetzt fahr mal deinen Weg und den des Radfahrers vorm geistigen Auge ab.
Und zum Vergleich die Szene an einer Kreuzung. Vergleiche hier mal die Wege und die Positionen von Auto- und Radfahrer.
Und zu beiden Szenen versuche mal, dein eigenes Blickfeld zu erforschen.
Der Radfahrer wird vor und im Kreisel besser gesehen und hat mehr Platz.
Ausserdem wird die Gefahrensituation entschärft, daß der Autofahrer abbiegt und der Radfahrer aus dem toten Winkel angeschossen kommt.

Du, ich nannte nicht grundlos den Ernst-Reuter-Platz als Beispiel, einem innerstädtischen Kreisel, der zudem Ampeln hat, aber auch ein hohes Verkehrsaufkommen. Dort knallt's pausenlos: http://www.berliner-woche.de/charlotten ... 37913.html

Innerstädtische Verkehre haben ganz andere Bedürfnisse als eine Autobahnabfahrt am Stadtrand oder ein Kreisel im ländlichen Raum. Ich hab Dir doch schon zugestimmt, insb. dann, wenn das Verkehrsaufkommen gering ist und ein Kreisel sicherlich häufig die bessere Alternative ist. In Städten, zudem mit Kontakt zu schwächeren Verkehrsteilnehmern, nicht.
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Mi 1. Apr 2015, 00:05

frems hat geschrieben:Er war natürlich übertrieben, um zu veranschaulichen, daß ein aggressiverer bzw. chaotischerer Fahrstil eben nicht automatisch mehr Aufmerksamkeit und gleichzeitig mehr Sicherheit bedeutet.




Ich gebe ja zu, daß ich dich ein klein wenig ärgern wollte.
Aber im Ernst, ich persönlich fühle mich auf dem Motorrad im Süden wohler als im Norden.

Naja, zum Thema ruhige und entspannte Fahrer: vor denen habe ich auf der Autobahn Respekt. Wenn die hinter einem LKW herzotteln, dann ziehen die raus, wenn ihnen danach ist und nicht, wenn hinter ihnen frei ist. Glaub mir, ich liege oft genug auf der Autobahn.
(den Hinweis auf Raser, die dir bei 200 auf dem Nummerschild kleben mit Handy am Ohr und Kaffee in der Hand, kannst dir sparen. Die sind nicht weniger gefährlich. Am liebsten sind mir die, die mit 160-180 fahren und wissen, was ein Spurwechsel ist.)

Ich selbst fahre zügig. Und toi toi toi noch keinen Unfall verursacht. Aber schon jede Menge Unfälle vermieden, weil ich auf die "entspannten" Kollegen aufgepasst hatte... (und auf Radfahrer... :D )
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Mi 1. Apr 2015, 00:16

frems » Di 31. Mär 2015, 23:04 hat geschrieben:Du, ich nannte nicht grundlos den Ernst-Reuter-Platz als Beispiel, einem innerstädtischen Kreisel, der zudem Ampeln hat, aber auch ein hohes Verkehrsaufkommen. Dort knallt's pausenlos: http://www.berliner-woche.de/charlotten ... 37913.html

Innerstädtische Verkehre haben ganz andere Bedürfnisse als eine Autobahnabfahrt am Stadtrand oder ein Kreisel im ländlichen Raum. Ich hab Dir doch schon zugestimmt, insb. dann, wenn das Verkehrsaufkommen gering ist und ein Kreisel sicherlich häufig die bessere Alternative ist. In Städten, zudem mit Kontakt zu schwächeren Verkehrsteilnehmern, nicht.



den Ernst-Reuter-Platz kenne ich nicht, kann ich nichts zu sagen
Ich sagte eben auch schon, daß Kreisel NICHT überall sinnvoll sind. Besonders nicht dort mit mehrspurigen Fahrbahnen. Sagte ich aber schon.
In sehr vielen Fällen auch in Städten wären trotzdem Kreisel an sehr vielen Stellen sinnvoll und möglich.
Bei Straßen mit einspuriger Fahrbahn je Richtung ginge das in sehr vielen Fällen. Und die Verkehrssicherheit würde sich meiner Meinung nach für schwächere Verkehrsteilnehmer erhöhen, wie ich eben bereits versucht habe, zu erklären.

Lange Reden, irgendwie habe ich den Eindruck, wir reden hier ein wenig aneinander vorbei und im persönlichen Gespräch wären wir uns längst einig...
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon frems » Mi 1. Apr 2015, 00:19

hallelujah » Mi 1. Apr 2015, 00:05 hat geschrieben:Ich gebe ja zu, daß ich dich ein klein wenig ärgern wollte.
Aber im Ernst, ich persönlich fühle mich auf dem Motorrad im Süden wohler als im Norden.

Und ich fühl mich, wenn ich mal Rad fahre, auf dem Radweg wohler als auf der Straße. Letzteres ist aber halt trotzdem sicherer. Da spielen halt viele persönliche bzw. subjektive Gründe mit zu. Und auch viele Radfahrer glauben, daß der Radweg sicherer sei als die Straße. Mit Zahlen braucht man da nicht anzukommen, wenn jemand eine Gewohnheit seit Jahrzehnten praktiziert.

Naja, zum Thema ruhige und entspannte Fahrer: vor denen habe ich auf der Autobahn Respekt. Wenn die hinter einem LKW herzotteln, dann ziehen die raus, wenn ihnen danach ist und nicht, wenn hinter ihnen frei ist. Glaub mir, ich liege oft genug auf der Autobahn.
(den Hinweis auf Raser, die dir bei 200 auf dem Nummerschild kleben mit Handy am Ohr und Kaffee in der Hand, kannst dir sparen. Die sind nicht weniger gefährlich. Am liebsten sind mir die, die mit 160-180 fahren und wissen, was ein Spurwechsel ist.)

Ich selbst fahre zügig. Und toi toi toi noch keinen Unfall verursacht. Aber schon jede Menge Unfälle vermieden, weil ich auf die "entspannten" Kollegen aufgepasst hatte... (und auf Radfahrer... :D )

Konstant 100 auf der linken Spur, that's the spirit. Da sieht man die entspannten Gesichter im Rückspiegel. :thumbup: Als Schüler hat mich mal ein Autofahrer umgefahren, weil er von Licht am Fahrzeug weniger hielt als ich und rote Ampeln für ihn unsichtbar sind. Ergebnis: bei mir war zum Glück nur der Arm gebrochen, er war über alle sieben Berge. Weißt Du, was das Ergebnis wäre, wenn ich ohne Licht gefahren wäre und an einer roten Ampel nicht halten würde? Genau das selbe. Nur das schnallen viele Autofahrer nicht, die ihre Straßenpanzer fahren und meinen, sie müßten sogar weniger aufmerksam sein als andere. Zumindest im Stadtverkehr. Bei den Geschwindigkeiten kann ihnen ja meistens nichts passieren. Und so fahren sie dann auch. Siehe den Kreisel in Berlin. Würden sich alle an die Verkehrsregeln halten, hätten wir viele schwere Unfälle nicht. Und da bin ich im Auto eben auch mehr in der Pflicht als der Fußgänger. Der kann von mir aus auch über eine rote Ampel huschen. Damit bringt er nur sich selbst in Gefahr. Nicht mich. Ich kann aber auf der Arbeit auch zum Kollegen gehen und sagen "Mensch, Frank, Du glaubst ja nicht, was ich schon wieder sehen mußte! Diese Fußgänger ey... die glauben wohl, sie dürfen alles! Und wir kriegen gleich ein Bußgeld!"

hallelujah hat geschrieben:Lange Reden, irgendwie habe ich den Eindruck, wir reden hier ein wenig aneinander vorbei und im persönlichen Gespräch wären wir uns längst einig...

Glaub ich auch. Ich verabschiede mich auch mal. ;)
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon hallelujah » Mi 1. Apr 2015, 00:37

naja, ich glaube, hierrüber gibt keine Statistik etwas her.
Wodurch die Unfälle verursacht werden. Durch mehr ungeübte Fahrer, die im Verkehrsgewusel schnell überfordert sind und so gar nicht ins Bild des egoistischen Autodrängler passen?

Ich würde auch gar nicht mal versuchen, mit irgendwelchen Schuldigkeiten zu jonglieren. Insbesondere zwischen Rad- und Autofahrern neige ich eher zu der Meinung, die meisten Unfälle basieren auf Unachtmerksamkeit und Missverständnissen.
Um die Aussage etwas zu verdeutlichen, nehmen wir den LKW. Wer schon mal LKW gefahren ist weiß, daß es über die Spiegel schwieriger ist, den toten Winkel im Auge zu haben als beim Auto rechter Schulterblick beim Abbiegen nach rechts. Wer als Radfahrer noch nie LKW gefahren ist, der denk da nicht dran, daß der LKW-Fahrer ihn nicht gut sehen kann.

Ich bin dann auch mal weg. ;)
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 1. Apr 2015, 09:39

Ich wusste gar nicht, dass Radwege so gefährlich sind, dass Radfahrer auf der Straße besser aufgehoben sind! Danke frems für die Aufklärung. Man sollte diese teuflisch gefährlichen Einrichtungen also schleunigst rückbauen und die Straßen wieder verbreitern, dann haben die Radler auch auf der Straße mehr Platz :thumbup:
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon firlefanz11 » Mo 13. Apr 2015, 17:18

Kreisel am Ernst-Reuter-Platz, wo Du als Fußgänger nicht nur schauen mußt, ob Du gerade Grün hast, sondern auch, ob sich die Fahrzeuge im Kreisel daran halten.

Und als Autofahrer musste schauen, dass sich die Rdafahrer dran halten wenn se eigentlich rot haben. Big Deal...
Einigemn interessieren sich nämlich nen Dreck dafür so nach dem Motto "Auto hatt eh immer Schuld u. muss blechen"

Aber nebenbei: Als Füßler musste IMMER schauen ob die Autos auch stehen bleiben bevor de auf die Straße trittst wenn Dir Dein leben lieb is. Bin letztes Jahr von einer umgenietet worden, die auf ner Hauptstrasse mit Mittelinsel nen U-Turn um die Insel rum gemacht hat, und dabei die Füßlerampel übersehen hat. Waren zum Glück nur n paar leichte Prellungen aber an der gleichen Ampel hab ich seither auch schon drei mal miterlebt wie Autos, die nur geradeaus fuhren, bei rot drüber gerauscht sind. Und das naturgemäß mit deutlich mehr Speed als die U-Turnerin...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
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Re: Wie soll zunehmender Fahrradverkehr geregelt werden?

Beitragvon pikant » Di 14. Apr 2015, 11:11

gegen den zunehmenden Fahrradverkehr helfe nur neue Radwege :thumbup:

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