EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

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Wildermuth
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Wildermuth » Sa 17. Dez 2016, 12:12

Jekyll hat geschrieben:(16 Dec 2016, 20:26)

Die Türkei ist viel zu groß, um in der EU nur ein kleines Rädchen unter vielen anderen zu werden. Das konnte einfach nicht gut gehen. Der EU mangelt es einfach an Größe, daran wird sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern.


Imerhin hat die türkei den europäern erlaubt, mit ihnen zu verhandeln. War doch nett. :)
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Jekyll
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Jekyll » Sa 17. Dez 2016, 12:47

Größe ist eine Charaktereigenschaft. Die EU ist gemessen an Bevölkerung, Fläche und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht ein Gigant, aber vom Charakter her - und nur das zählt letzten Endes - nur ein Papiertiger in einem Pappkarton. Muss man nicht Ernst nehmen, tut auch keiner.
Sie schufen eine Wüste und nannten es...Frieden.
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Cobra9
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Cobra9 » Sa 17. Dez 2016, 12:55

Jekyll hat geschrieben:(17 Dec 2016, 12:47)

Größe ist eine Charaktereigenschaft. Die EU ist gemessen an Bevölkerung, Fläche und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht ein Gigant, aber vom Charakter her - und nur das zählt letzten Endes - nur ein Papiertiger in einem Pappkarton. Muss man nicht Ernst nehmen, tut auch keiner.


Ist Erdogan im Ernst die Grundlage für den Charakter der Türken ? Ach Du heiliges Blechle...dann bleibt man lieber Deutscher in einer gemischten GeBevölkerung. Erklär mir aber mal warum meine türkischen Kollegen vieles anders sehen wie Du. Sprechen gar von Veränderungen der Türkei die ungesund sind.
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Ger9374

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » So 18. Dez 2016, 00:24

Die Türken träumen von Zeiten des Osmanischen
Reiches, inklusive Pascha Erdogan. Die Islamisch
geprägte Bevölkerung unter der AKP Führung rennt jubelnd Richtung FÜHRER Staat. Die Trennung von Staat und Religion so gut wie vorbei. Die Demokratische Türkei schafft sich
selber ab. Ich bleibe lieber in einem Europa der
Meinungsfreiheit und ewiger Streiterei, als das
die ein Mann Türkei mir besser erschiene.
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Cat with a whip
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Cat with a whip » So 18. Dez 2016, 12:02

NMA hat geschrieben:(13 Dec 2016, 13:58)

Ich kann mit dem grünen Argument, dass man den Menschen eher helfe, wenn man weiter Einfluss nimmt, indem man verhandelt, überhaupt nichts anfangen. Wir (auch die Grünen) können nicht allen helfen.

Und wenn die EU nicht auch mal klare Kante zeigt, macht sie sich überflüssig, obsolet. Das hilft auch Niemandem. Die EU ist schon viel zu vorsichtig (oder unvorsichtig, wie mans nimmt) mit Polen und Ungarn.

Erdogan hat die Beitrittsverhandlungen verwirkt. Da muss sich viel ändern (z.B. ein neuer Präsident), um das wieder neu anzufangen. Soweit wenigstens mein Wunsch.


Das ist kein grünes Argument, sondern eine vernünftige, allgemeine politische Strategie die bisher in ALLEN Verhandlungen seit nun 55 Jahren eine gewisse Rolle spielte. Das war z.B. schon im Zypern-Konflikt so, als es die Grünen als etablierte Partei noch nichtmal gab.

Gerade die Grünen haben sich im Sommer bereits dezidiert gegen eine Mitgliedschaft der Türkei ausgesprochen. Insbesondere die überaus scharfe Zurückweisung durch Özdemir gegen Erdogan sollte jedem aufmerksamen Beobachter des politischen Tagesgeschehen nicht entgangen sein!

https://www.tagesschau.de/inland/oezdem ... t-101.html
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NMA
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon NMA » So 18. Dez 2016, 12:32

Ja, das ist richtig, dann ist dieses Argument nicht (mehr) allein grün. Aber es ist auf jeden Fall nicht vernünftig. Die EU verhält sich nicht vernünftig, wenn man konsequenzlos mit ihr herumkaspern kann. Wenn sie keinen Standpunkt hat, wozu soll sie dann gut sein? Es mag sein, dass diese Strategie teilweise zum Tragen kommen kann, wenn nicht eine bestimmte Grenze überschritten wird. Wenn aber das, was in der Türkei geschieht, keine Grenzüberschreitung darstellen soll, was dann?
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Cat with a whip
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Cat with a whip » So 18. Dez 2016, 13:35

Natürlich ist es nicht immer vernünftig. Jedenfalls hat sich die EU-Kommission so deutlich geäussert dass sich Beitrittsverhandlungen bald erledigt haben.

Ich emfpehle sich den geschichtlichen Abriss der Verhandlungen anzusehen. Es wurden schon mehrfach Verhandlungen ausgesetzt und Abkommen nulliert. Immer dann wenns in der Türkei ganz finster aussah. Militärputsch 1980 oder Intervention 1997 zum Beispiel. Da wurde alles gecancelt.

Danach gings aber einigermaßen hoffnungsvoll mit dem Sozialdemokraten Bülent Ecevit weiter. Derzeit machen natürlich Verhandlungen wieder wenig Sinn. Die Geschichte geht aber weiter. Wohin die Türkei geht soll sie selbst entscheiden. Den EU-Beitritt zwingt ja niemand der Türkei auf. Aktuell hat sie ja eine Zollunion mit der EU aus der Regierungszeit Tansu Cillers. Und mehr wirds erstmal nicht werden, wenn die Türkei den politischen Weg geht den sie unter Erdogan eingeschlagen hat.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Di 20. Dez 2016, 18:53

Cat with a whip hat geschrieben:(18 Dec 2016, 13:35)

Natürlich ist es nicht immer vernünftig. Jedenfalls hat sich die EU-Kommission so deutlich geäussert dass sich Beitrittsverhandlungen bald erledigt haben.

Ich emfpehle sich den geschichtlichen Abriss der Verhandlungen anzusehen. Es wurden schon mehrfach Verhandlungen ausgesetzt und Abkommen nulliert. Immer dann wenns in der Türkei ganz finster aussah. Militärputsch 1980 oder Intervention 1997 zum Beispiel. Da wurde alles gecancelt.

Danach gings aber einigermaßen hoffnungsvoll mit dem Sozialdemokraten Bülent Ecevit weiter. Derzeit machen natürlich Verhandlungen wieder wenig Sinn. Die Geschichte geht aber weiter. Wohin die Türkei geht soll sie selbst entscheiden. Den EU-Beitritt zwingt ja niemand der Türkei auf. Aktuell hat sie ja eine Zollunion mit der EU aus der Regierungszeit Tansu Cillers. Und mehr wirds erstmal nicht werden, wenn die Türkei den politischen Weg geht den sie unter Erdogan eingeschlagen hat.


Das nenne ich einen geschichtlichen Überblick. Was Sie hier darstellen, ist auch aus meiner Sicht völlig richtig. Etwas weh tut mir dieser Umschwung von Europabegeisterung in den ersten Jahren der 2000er Jahre in diesen widerborstigen und teilweise böswilligen Nationalismus in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts. Es tut wirklich weh, wenn man gebildete gute Freunde dort hat und man sich Sorgen machen muß, ob die weiter unbehelligt ihren Geschäften nachgehen können. Unsereiner getraut sich ja noch nicht einmal, mit denen über diese Entwicklung zu sprechen, um sie nicht irgend einer Bedrückung aus zu setzen. Schade, Demokratie ist eben nicht nur "Mehrheit"!
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Rautenberger
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Rautenberger » Mi 21. Dez 2016, 09:44

Jekyll hat geschrieben:(17 Dec 2016, 12:47)

Größe ist eine Charaktereigenschaft. Die EU ist gemessen an Bevölkerung, Fläche und vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht ein Gigant, aber vom Charakter her - und nur das zählt letzten Endes - nur ein Papiertiger in einem Pappkarton. Muss man nicht Ernst nehmen, tut auch keiner.


...woran aber nicht Brüssel schuld ist, sondern die Mitgliedsstaaten. Ohne die läuft in Brüssel gar nichts, was die politischen Elite aber nicht daran hindert, im Wahlkampf auf "Brüssel" zu schimpfen. Schäbig...
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Rautenberger » Mi 21. Dez 2016, 09:48

Viel brisanter ist eigentlich die Frage nach der NATO-Mitgliedschaft der Türkei. Dass die Türkei keine Demokratie ist, damit konnte die NATO jahrzehntelang leben. Aber kann sie auch mit einer Türkei leben, die mit Russland anbändelt? Und was will die Türkei überhaupt noch in der NATO?
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Fr 23. Dez 2016, 08:43

Rautenberger hat geschrieben:(21 Dec 2016, 09:48)

Viel brisanter ist eigentlich die Frage nach der NATO-Mitgliedschaft der Türkei. Dass die Türkei keine Demokratie ist, damit konnte die NATO jahrzehntelang leben. Aber kann sie auch mit einer Türkei leben, die mit Russland anbändelt? Und was will die Türkei überhaupt noch in der NATO?


Letzten Endes die Gewissheit, daß die Umarmung durch Rußland nicht so heftig ausfällt. :D
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Provokateur » Mi 25. Jan 2017, 11:25

Harry riss sich die Augen aus dem Kopf und warf sie tief in den Wald. Voldemort schaute überrascht zu Harry, der nun nichts mehr sehen konnte.
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Ger9374

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » So 29. Jan 2017, 22:00

Die Türkei hat auf beängstigende Weise gezeigt
wie schnell Demokratie zur Autokratie umfunktioniert werden kann.Ohne das die Wähler
ausgeschaltet wurden.Ganz im Gegenteil.
Mit Erdogan hat Europa einen Demokratisch gewählte Autokraten vor sich.Rein gefühlsmäßig
würde ich sagen, Nein Danke, Als Verhandlungspartner ja aber! Es kann auch in der
e.u zu so etwas kommen. Was machen wir dann?
tabernakel
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon tabernakel » Mo 30. Jan 2017, 02:25

Ger9374 hat geschrieben:(29 Jan 2017, 22:00)Die Türkei hat auf beängstigende Weise gezeigt wie schnell Demokratie zur Autokratie umfunktioniert werden kann.Ohne das die Wähler ausgeschaltet wurden.Ganz im Gegenteil.

Hitler hat Anfang der Dreißiger hierzulande schon mal vorgemacht wie schnell Demokratie zur Autokratie umfunktioniert werden kann, da ist Erdogan eher Nachläufer. In beiden Fällen war die Demokratie nicht fest verankert, in weiten Teilen der Bevölkerung umstritten, und daher anfällig.

Aus meiner Sicht bleibt es aber dabei, das ist nicht das Kernproblem bei den Beitrittsverhandlungen. Das Kernproblem ist dass diese niemals hätten begonnen werden dürfen: Die EU ist nicht groß genug einen 80 Millionen Staat am Rande Europas aufzunehmen der vom Osmanischen Reich träumt, und zudem mit dem Islam einer Religion frönt gegen die sich Europa 1500 Jahre lang gewehrt hat, um schließlich beim Atheismus zu landen. Und selbst ohne diesen Aspekt wären wir genauso wenig fähig Russland oder die USA aufzunehmen, auch bei solchen Beitritten wäre die EU erledigt. Je eher das in den Köpfen und in der Realpolitik ankommt und Ausdruck findet, umso besser.
Ger9374

Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Ger9374 » Mo 30. Jan 2017, 14:20

tabernakel hat geschrieben:(30 Jan 2017, 02:25)

Hitler hat Anfang der Dreißiger hierzulande schon mal vorgemacht wie schnell Demokratie zur Autokratie umfunktioniert werden kann, da ist Erdogan eher Nachläufer. In beiden Fällen war die Demokratie nicht fest verankert, in weiten Teilen der Bevölkerung umstritten, und daher anfällig.

Aus meiner Sicht bleibt es aber dabei, das ist nicht das Kernproblem bei den Beitrittsverhandlungen. Das Kernproblem ist dass diese niemals hätten begonnen werden dürfen: Die EU ist nicht groß genug einen 80 Millionen Staat am Rande Europas aufzunehmen der vom Osmanischen Reich träumt, und zudem mit dem Islam einer Religion frönt gegen die sich Europa 1500 Jahre lang gewehrt hat, um schließlich beim Atheismus zu landen. Und selbst ohne diesen Aspekt wären wir genauso wenig fähig Russland oder die USA aufzunehmen, auch bei solchen Beitritten wäre die EU erledigt. Je eher das in den Köpfen und in der Realpolitik ankommt und Ausdruck findet, umso besser.




Eine Erdokei auf keinen Fall, der Islam ? Es gibt auch moderne Islamisten. Aber die sind in der Minderheit. Was wird mit der Türkei ohne E.U werden? Aber sie haben Recht, das Risiko ist zu hoch. Es gilt Europa zu einen und nicht weiter zu trennen. Europa ohne Türkei ist Realpolitik!
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Wasteland » Mo 30. Jan 2017, 14:32

Glaubt irgendwer ernsthaft das Erdogan jemals der EU beitreten wollte? Ernsthaft? Ich kann mir nicht vorstellen das jemand so blind ist.
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Zinnamon
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Zinnamon » Di 31. Jan 2017, 08:24

Wasteland hat geschrieben:(30 Jan 2017, 14:32)

Glaubt irgendwer ernsthaft das Erdogan jemals der EU beitreten wollte? Ernsthaft? Ich kann mir nicht vorstellen das jemand so blind ist.


Dennoch fällt auf, dass er grössten Wert darauf legt, dass der endgültige cut von der EU ausgeht. Über die Auswirkungen für seine Wählerschaft scheint er sich also immerhin bewusst zu sein.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon Wasteland » Di 31. Jan 2017, 10:30

Zinnamon hat geschrieben:(31 Jan 2017, 08:24)

Dennoch fällt auf, dass er grössten Wert darauf legt, dass der endgültige cut von der EU ausgeht. Über die Auswirkungen für seine Wählerschaft scheint er sich also immerhin bewusst zu sein.

Na klar, dann wird sein Narrativ bestätigt. "Seht ihr, die hassen uns und den Islam." Darum geht es ihm.
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Di 31. Jan 2017, 13:35

Wasteland hat geschrieben:(30 Jan 2017, 14:32)

Glaubt irgendwer ernsthaft das Erdogan jemals der EU beitreten wollte? Ernsthaft? Ich kann mir nicht vorstellen das jemand so blind ist.


Doch, ich meine schon, daß in der Türkei einige Jahre eine Stimmung vorherrschte, möglichst bald in die EU hinein zu kommen. Das Land war ja nicht durchgehend Hinterwald. Mit diesen verdammten Islamismus hat Erdogan letztlich die europäische Unterstützung des Beitritts verspielt und wohl auch bei den schlichteren Gemütern seines Landes gepunktet. Das wird die Türkei teuer zu stehen kommen, denn besonders viele innige Freunde sind um die Türkei herum nicht zu finden.

Es gab eine Art Rubikon der türkischen Europa-Politik. Das war die klare Parteinahme für Hamas und der sinnlose Streit mit Israel nach dem mißglückten Durchbruch der israelischen Blockade des Gaza-Streifens. Schließlich noch die verdeckte Unterstützung der Terrorgruppen in Syrien.

Das war das endgültige Aus für eine Türkei als Partner im "Westen". Eine Wiederannäherung kann nur einer laizistischen Türkei gelingen, in der Islamismus in der Bevölkerung keine Grundlage mehr findet. Ansonsten ist tiefstes Mißtrauen in türkische Absichten geboten... in der NATO und in der EU. Mindestens eine Armlänge Abstand halten!
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Re: EU und Türkei: Die Scheidung unvermeidlich

Beitragvon H2O » Di 31. Jan 2017, 13:55

Zinnamon hat geschrieben:(31 Jan 2017, 08:24)

Dennoch fällt auf, dass er grössten Wert darauf legt, dass der endgültige cut von der EU ausgeht. Über die Auswirkungen für seine Wählerschaft scheint er sich also immerhin bewusst zu sein.


Warum sollte die EU ohne Not diesen Schlußstrich ziehen? Die Beitrittsbedingungen sind nicht erfüllt, weil die Türkei keine Demokratie nach europäischem Muster geworden ist. Also warten wir darauf, daß der Kandidat diese eindeutige Vorbedingung erfüllt, warten auf die Öffnung türkischer Häfen für Schiffe der Republik Zypern, entwickeln wirtschaftliche Beziehungen, deren Abbruch für die Türkei schmerzhaft ist, und halten unsere Außengrenzen dicht, so daß noch nicht einmal die Drohung mit einer neuen Flüchtlingswelle ernst zu nehmen ist. Dann gibt es eben kein Geld mehr aus Brüssel.

Vielleicht fällt den türkischen Heißspornen irgendwann auch auf, daß ihnen durch kluge und vorausschauende Politik gelungen ist, an ihrer Südgrenze für weitere 99 Jahre einen russischen Flottenstützpunkt ein zu richten. Eine strategische Superleistung!

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