Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

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Europa2050
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Europa2050 » Mi 23. Sep 2020, 15:44

Orbiter1 hat geschrieben:(23 Sep 2020, 15:15)

Souverän sieht anders aus. Lukaschenko hat sich heimlich als neuer Präsident vereidigen lassen. Jetzt ist die Wut zurecht sehr groß.


Womit Belarus nach Auffassung aller, die die vorhergehende Wahl als nicht rechtmäßig abgelaufen betrachten, keinen amtierenden Präsidenten und damit keine Regierung mehr hat...
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Orbiter1
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Orbiter1 » Di 29. Sep 2020, 22:44

Zumindest die Briten und Kanada belegen Lukaschenko mit Sanktionen.

"Wegen Menschenrechtsverletzungen haben Großbritannien und Kanada Sanktionen gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko sowie dessen Sohn und sechs weitere Vertreter der Regierung verhängt. Für sie gelte ein Einreiseverbot, zudem werde das Vermögen der Betroffenen eingefroren, teilte der britische Außenminister Dominic Raab am Dienstag mit." Quelle: http://shared.upday.com/index.html?stre ... POSITION=1

Solange Zypern bei der Erpressung der anderen EU-Staaten keinen Erfolg hat wird es von der EU wohl keine Sanktionen gegen Lukaschenko geben.
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DevilsNeverCry
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon DevilsNeverCry » Mi 30. Sep 2020, 21:22

Tja, sein Apparat funktioniert noch. Die Streiks waren wohl so ein entscheidender Moment, aber der währte nicht lange. Man muss aber auch sagen das viele nicht aus wirtschaftlichen Gründen gegen Lukaschenko gestreikt haben, sondern aus politischen Gründen. Das ist natürlich in Belarus nicht erlaubt (ein Gesetz das schon lange vor den Streiks verabschiedet wurde).

Ich glaube nicht das er jetzt noch gestürzt wird, ich habe schon zuvor geschrieben das im Zuge seiner 26 jährigen Herrschaft Sicherheitsapparat und Staatsunternehmen zu fest in seiner Hand sind. Aber die Zeiten als er noch einen großen Rückhalt genossen hat scheinen wohl wirklich vorbei zu sein.
Nichtsdestotrotz ist der internationale Druck entscheidend und was ich da bisher sehe ist nun wirklich mau. Im Grunde ist die aktuelle Sanktionsspirale noch schwächer als 2006. Um Lukaschenko wirklich weh zu tun, müsste auch Druck aus dem Osten kommen. Hier mal ein Überblick wer die Wahlen anerkannt hat und wer nicht: https://en.wikipedia.org/wiki/2020_Bela ... action.svg Daraus geht eindeutig hervor das Lukaschenko international nicht so sehr isoliert ist wie es einige darstellen. Die Einzelaktionen der Balten sollen zwar einerseits Solidarität zeigen, sind aber auch gleichzeitig dumm da Lukaschenko einfach mit Gegensanktionen antwortet. Zukünftig lässt er einfach mal den Warenexport über russische Häfen laufen, anstelle über Riga oder Vilna. Damit treiben sie Batka nur noch mehr in die Arme Russlands. Ich gehe davon aus das das den wirtschaftlichen Einfluss von Putin über Belarus nur noch stärken wird.
Hier mal eine Übersicht über ein paar belorussisch-russische Wirtschaftsindikatoren ( https://valdaiclub.com/multimedia/infog ... id=1119369 ):

- Außenhandelsschulden belaufen sich gegenüber Moskau auf 8 Mrd€ mittlerweile
- zunehmender Migrationsstrom von Belatus nach Russland in den letzten Jahren
- Gewinn aus der Weiterverarbeitung und Export von russischem Rohöl
- Außenhandelsstrukturen mit Russland im Detail

2 interessante Fakten die in den letzten Tagen passiert sind:

- Internet wurde wieder unterbrochen -> Der IT Sektor, eines der starken Bereiche des belorussischen Privatsektors. Das wird (vor allem ausländische) Firmen davon abhalten in diesem Bereich in Belarus zu investieren, oder zumindest dazu verleiten Pläne zu überdenken
- Wiederaufnahme der Unionsgespräche zwischen Moskau und Belarus. Ich erwarte eigentlich keine großen Sachen, aber Batka wird wohl ein paar Zugeständnisse machen müssen.

Das alles könnte irgendwann darauf hinaus laufen das der Griff des Kremls so stark wird das jede neue politische Klasse in Belarus kaum Spielraum für Manöver haben wird da man zu abhängig von Russland ist. Aktuell beläuft sich der Außenhandelsumsatz zu fast 50% nur auf RUS.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon JJazzGold » Do 1. Okt 2020, 10:36

Russland hat nach eigener Darstellung jetzt eigene Hinweise auf die Anwesenheit von Söldnern bei den Kämpfen um die Konfliktregion Bergkarabach. Dort würden bewaffnete Kämpfer aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen eingesetzt, teilte das Außenministerium in Moskau auf seiner Internetseite mit. Russland forderte den sofortigen Abzug dieser ausländischen Kämpfer illegaler Gruppierungen.


Das Außenministerium in Moskau zeigte sich besorgt, dass der Einsatz ausländischer Kämpfer zu einer weiteren Zuspitzung der Lage und zu einer langfristigen Gefahr für die Sicherheit in der Region führe. "Wir fordern die Führungen der beteiligten Staaten auf, dafür zu sorgen, dass dort keine Terroristen und Söldner in dem Konflikt eingesetzt und sie dort umgehend abgezogen werden", hieß es in der veröffentlichten Mitteilung. Russlands Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte nach einem Telefonat mit seinen Kollegen in Baku und Eriwan die Bereitschaft Moskaus, in dem Konflikt zu vermitteln und Räume für die Gespräche zur Verfügung zu stellen.

https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 9f22d7-amp


Mr. Lawrow, das sind doch nur Söldner, die dort Urlaub machen.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Rautenberger » Di 6. Okt 2020, 19:23

JJazzGold hat geschrieben:(01 Oct 2020, 10:36)

Mr. Lawrow, das sind doch nur Söldner, die dort Urlaub machen.

Genau! :D
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Orbiter1 » Mi 7. Okt 2020, 19:36

Zu spät. Gestern war sie noch bei Merkel.

"Russland hat die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja nach Angaben der Agentur Tass zur Fahndung ausgeschrieben. Dies ergebe sich aus der Datenbank des Innenministeriums in Moskau. Sie werde wegen Verstößen gegen das Strafgesetzbuch gesucht." Quelle: https://www.zeit.de/amp/politik/2020-10 ... g-russland
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon streicher » Mi 7. Okt 2020, 20:59

Orbiter1 hat geschrieben:(07 Oct 2020, 19:36)

Zu spät. Gestern war sie noch bei Merkel.

"Russland hat die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja nach Angaben der Agentur Tass zur Fahndung ausgeschrieben. Dies ergebe sich aus der Datenbank des Innenministeriums in Moskau. Sie werde wegen Verstößen gegen das Strafgesetzbuch gesucht." Quelle: https://www.zeit.de/amp/politik/2020-10 ... g-russland
Gegen das Strafgesetzbuch also. Das ist schon eine eigenartige Politikpraxis gegen eine Oppositionspolitikerin im Nachbarland...
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Lukaschenka besucht Oppositionelle im Gefängnis

Beitragvon Rautenberger » So 11. Okt 2020, 16:27

Lukaschenka hat gestern mit ausgewählten Oppositionellen im Gefängnis ein Gespräch geführt (FAZ) - ein bemerkenswerter und ungewöhnlicher Vorgang. Zahlreiche belarussische und ausländische Beobachter sehen darin ein Zeichen der Schwäche: Das Regime sucht offenbar nach einem Ausweg aus der gegenwärtigen Lage und zweifelt daran, dass es diesen mit den derzeitigen Methoden erreichen kann. Zugleich ist es ein Eingeständnis, dass es sich bei den Inhaftierten um politische Gefangene handelt. Wenn z. B. Wiktar Babaryka ein Wirtschaftskrimineller wäre, wie die offizielle Version ist, warum sollte sich der Präsident mit so jemandem treffen, um über die derzeitige Lage im Land zu sprechen?
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon streicher » Di 13. Okt 2020, 09:19

Möglicherweise werden im Belarus bald scharfe Waffen gegen Demonstranten eingesetzt.
https://www.n-tv.de/politik/Belarus-erl ... 94306.html
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Rautenberger » So 18. Okt 2020, 19:10

streicher hat geschrieben:(13 Oct 2020, 09:19)

Möglicherweise werden im Belarus bald scharfe Waffen gegen Demonstranten eingesetzt.
https://www.n-tv.de/politik/Belarus-erl ... 94306.html

Offenbar beeindruckt das die Menschen nicht:

Trotz Schusswaffen-Drohung: Zehntausende protestieren gegen Lukaschenko

Mit der Androhung von Waffengewalt hat das Regime die ultimative Drohung ausgesprochen. Wenn sich die Menschen davon nicht beeindrucken lassen und das Regime gleichzeitig nicht bereit ist, die Drohung umzusetzen (was ich hoffe), wird's für Lukaschenka schwierig. Die Botschaft dieses weiteren Protestwochenendes könnte sein: Die schießen nicht, auch wenn sie damit drohen. Damit hätte Lukaschenka sein letztes As ausgespielt. Was nun?
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon DevilsNeverCry » So 25. Okt 2020, 10:15

Da scheinen sich Risse zwischen Lukaschenko und dem Kreml gebildet zu haben. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes war in Minsk vor ein paar Tagen und auch wenn öffentlich nicht darüber gesprochen wird, eine Änderung der Verfassung war wohl auch ein Thema zwischen den beiden.
Jene Politiker in Belarus die sich gen Moskau orientieren, sitzen aber alle im Knast oder sind in Russland im Exil. Das gefällt denen in Moskau nicht weswegen sie nun versuchen Batkas schwache Position auszunutzen.
Im Grunde hat der Kreml dasselbe Problem wie Polen, die baltischen Staaten und Deutschland - man kriegt seine eigenen Leute nicht in den belorussischen Machtapparat installiert.

Nun hat ja die Opposition ein Ultimatum bis zum 25 Oktober gesetzt den Batka natürlich hat verstreichen lassen. Laut Tichanowskaja soll es daher zum nationalen Massenstreik kommen. Sprich keiner soll zur Arbeit gehen, Schulen und Unis sollen leer bleiben etc.. Da hat natürlich jemand die Messlatte ganz schön hoch gesetzt. Aber irgendwas muss sie sich einfallen lassen. Proteste wie im August oder Sept bei denen immer um die 50.000 bis 200.000 auf den Straßen in Minsk waren, sieht man schon länger nicht mehr. Letzten Sonntag waren laut ukrainischen und russ Medien 10.000 bis 15.000 Menschen in Minsk auf der Straße. Man merkt das der aktive Protest absinkt. Neue Impulse müssen her.
Die Kehrseite des ganzen. Wenn am Montag trotz der ein oder anderen Probleme das gesellschaftliche Leben weiter geht, dann steht die Opposition vor einem Problem. Die Leute werden nicht ewig ziellos auf der Straße rumlaufen. Aber in Prinzip richtig was sie macht, nur jetzt sind die Erwartungen entsprechend da.

Interessant das die Dame davon spricht das man jene finanziell kompensieren möchte die am morgigen Streik teilnehmen. Meine Frage wäre gleich - woher haben sie das Geld Werte Dame? Finanzieren das Sie und Ihre Kollegen aus dem Korrdinationsrat?
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Audi » So 25. Okt 2020, 20:32

DevilsNeverCry hat geschrieben:(25 Oct 2020, 10:15)

Da scheinen sich Risse zwischen Lukaschenko und dem Kreml gebildet zu haben. Der Chef des Auslandsgeheimdienstes war in Minsk vor ein paar Tagen und auch wenn öffentlich nicht darüber gesprochen wird, eine Änderung der Verfassung war wohl auch ein Thema zwischen den beiden.
Jene Politiker in Belarus die sich gen Moskau orientieren, sitzen aber alle im Knast oder sind in Russland im Exil. Das gefällt denen in Moskau nicht weswegen sie nun versuchen Batkas schwache Position auszunutzen.
Im Grunde hat der Kreml dasselbe Problem wie Polen, die baltischen Staaten und Deutschland - man kriegt seine eigenen Leute nicht in den belorussischen Machtapparat installiert.

Nun hat ja die Opposition ein Ultimatum bis zum 25 Oktober gesetzt den Batka natürlich hat verstreichen lassen. Laut Tichanowskaja soll es daher zum nationalen Massenstreik kommen. Sprich keiner soll zur Arbeit gehen, Schulen und Unis sollen leer bleiben etc.. Da hat natürlich jemand die Messlatte ganz schön hoch gesetzt. Aber irgendwas muss sie sich einfallen lassen. Proteste wie im August oder Sept bei denen immer um die 50.000 bis 200.000 auf den Straßen in Minsk waren, sieht man schon länger nicht mehr. Letzten Sonntag waren laut ukrainischen und russ Medien 10.000 bis 15.000 Menschen in Minsk auf der Straße. Man merkt das der aktive Protest absinkt. Neue Impulse müssen her.
Die Kehrseite des ganzen. Wenn am Montag trotz der ein oder anderen Probleme das gesellschaftliche Leben weiter geht, dann steht die Opposition vor einem Problem. Die Leute werden nicht ewig ziellos auf der Straße rumlaufen. Aber in Prinzip richtig was sie macht, nur jetzt sind die Erwartungen entsprechend da.

Interessant das die Dame davon spricht das man jene finanziell kompensieren möchte die am morgigen Streik teilnehmen. Meine Frage wäre gleich - woher haben sie das Geld Werte Dame? Finanzieren das Sie und Ihre Kollegen aus dem Korrdinationsrat?

Och da würden sich schon Kräfte zur Finanzierung finden.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Rautenberger » Mi 28. Okt 2020, 12:40

DevilsNeverCry hat geschrieben:(25 Oct 2020, 10:15)
Jene Politiker in Belarus die sich gen Moskau orientieren, sitzen aber alle im Knast oder sind in Russland im Exil. Das gefällt denen in Moskau nicht weswegen sie nun versuchen Batkas schwache Position auszunutzen.
Im Grunde hat der Kreml dasselbe Problem wie Polen, die baltischen Staaten und Deutschland - man kriegt seine eigenen Leute nicht in den belorussischen Machtapparat installiert.

Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Putin hat kein Interesse an einem demokratischen Machthaber in Minsk, egal wie russlandfreundlich er auch sein mag. Denn Demokraten lassen sich abwählen und dann könnte nach der nächsten oder übernächsten oder überübernächsten Wahl ein prowestlicher Kandidat gewinnen. Das ist für Putin viel zu unsicher. Da unterstützt er lieber Lukaschenka...
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Karol Karol » Mi 28. Okt 2020, 12:59

Rautenberger hat geschrieben:(28 Oct 2020, 12:40)

Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Putin hat kein Interesse an einem demokratischen Machthaber in Minsk, egal wie russlandfreundlich er auch sein mag. Denn Demokraten lassen sich abwählen und dann könnte nach der nächsten oder übernächsten oder überübernächsten Wahl ein prowestlicher Kandidat gewinnen. Das ist für Putin viel zu unsicher. Da unterstützt er lieber Lukaschenka...

Putin wurde vom russischen Volk gewählt, Merkel vom Politbüro.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon DevilsNeverCry » Sa 31. Okt 2020, 10:45

Rautenberger hat geschrieben:(28 Oct 2020, 12:40)

Das wage ich doch stark zu bezweifeln. Putin hat kein Interesse an einem demokratischen Machthaber in Minsk, egal wie russlandfreundlich er auch sein mag. Denn Demokraten lassen sich abwählen und dann könnte nach der nächsten oder übernächsten oder überübernächsten Wahl ein prowestlicher Kandidat gewinnen. Das ist für Putin viel zu unsicher. Da unterstützt er lieber Lukaschenka...


Das dient nur dem langfristigen Ziel dieses Land in die RF zu integrieren. Die EWU ist mehr ein wirtschaftlicher als politischer Verbund. Die Sanktionspolitik der EU während der Ostukrainekrise ist doch ein gutes Beispiel, da hat Russland auch Sanktionen eingeführt, aber wo waren Armenien, Belarus, Kasachstan und Kirgistan bei den Gegensanktionen Russlands? Dasselbe kann man auch in Bezug auf die Krim sagen.

Der Unionsstaat ist aber eindeutig ein politisches Projekt und hatte von Anfang an das "unausgesprochene" Ziel diese beiden Länder zu vereinigen. Damals hätte Batka wohl nur zu gerne dieses Projekt realisiert, schließlich war ein Alkoholiker in den 90ern im Kreml und den hätte er nur zu gerne beerbt. Tja, dann kam Putin und hat den Revolver auf Batka gezeigt. Der wollte nichts mehr vom gemeinsamen Haus wissen.

Indem Lukaschenko Machtbefugnisse an die Legislative und Judikative überträgt, gibt er dem Kreml langfristig gesehen Möglichkeiten Einfluss vorzunehmen und seine Leute aufzubauen. Aktuell gibt es keine Mehrheit für solche Integrationsformen? Glauben Sie mir, jemand der das aus ukrainischer Sicht verfolgt und miterlebt wie häufig sich die außenwirtschaftliche Doktrin eines Landes alle 5 Jahre ändert den würde es nicht überraschen wenn in 5 Jahren mal tatsächlich ein Kreml Kandidat in Minsk sitzt. Und wenn das passiert, dann war es das mit dem "Demokratieprozess" in Belarus. Russland ist in seiner aktuellen Form ein autokratisches Land und würde nach und nach dieses kleine Land usurpieren. Nach der gemeinsamen Währung kommt ein gemeinsames Parlament, dann folgt der Aufbau einer gemeinsamen Armee usw.
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DevilsNeverCry
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon DevilsNeverCry » So 6. Dez 2020, 13:29

Tichanowskaja hat vorgeschlagen Belarus von SWIFT abzukoppeln. Lukaschenko will dem vorbeugen und das Bankensystem auf SPFS umstellen damit zukünftige Transaktionen über dieses Netzwerk laufen.

Ich weiß nicht ob das so eine Aktion gut ist. Die Schäden an der Volkswirtschaft sind schwer messbar und können den einfachen Menschen hart treffen.

Anm.: SPFS besteht seit 2017/2018 und soll Russland wohl als Schutzweste dienen wenn es mal vom SWIFT System abgekoppelt wird (siehe 2014 den Krieg in der Ostukraine). 2019 wurden 15% der inländischen Transaktionen über dieses System abgewickelt .
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Alexander Sommer » So 6. Dez 2020, 14:24

DevilsNeverCry hat geschrieben:(06 Dec 2020, 13:29)

Tichanowskaja hat vorgeschlagen Belarus von SWIFT abzukoppeln. Lukaschenko will dem vorbeugen und das Bankensystem auf SPFS umstellen damit zukünftige Transaktionen über dieses Netzwerk laufen.

Ich weiß nicht ob das so eine Aktion gut ist. Die Schäden an der Volkswirtschaft sind schwer messbar und können den einfachen Menschen hart treffen.

Anm.: SPFS besteht seit 2017/2018 und soll Russland wohl als Schutzweste dienen wenn es mal vom SWIFT System abgekoppelt wird (siehe 2014 den Krieg in der Ostukraine). 2019 wurden 15% der inländischen Transaktionen über dieses System abgewickelt .




Die Dumm-Trude Tichanowskaja hat überhaupt nichts vorzuschlagen dafür fehlt ihr jegliche Legitimation.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Audi » So 6. Dez 2020, 18:36

DevilsNeverCry hat geschrieben:(06 Dec 2020, 13:29)

Tichanowskaja hat vorgeschlagen Belarus von SWIFT abzukoppeln. Lukaschenko will dem vorbeugen und das Bankensystem auf SPFS umstellen damit zukünftige Transaktionen über dieses Netzwerk laufen.

Ich weiß nicht ob das so eine Aktion gut ist. Die Schäden an der Volkswirtschaft sind schwer messbar und können den einfachen Menschen hart treffen.

Anm.: SPFS besteht seit 2017/2018 und soll Russland wohl als Schutzweste dienen wenn es mal vom SWIFT System abgekoppelt wird (siehe 2014 den Krieg in der Ostukraine). 2019 wurden 15% der inländischen Transaktionen über dieses System abgewickelt .

Die Frau wird dich genutzt. Erst hieß es keine Sanktionen gegen Belarus. Nach dem Treffen mit einem baltischen Staat und Polen ging es in eine andere Richtung. Das Volk wird ihr danken
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon DevilsNeverCry » Di 22. Dez 2020, 00:20

Belarus suspends Klaipeda oil product exports

Oil terminal operator Klaipedos Nafta (KN) says that Belarusian products exporter BNK notified it at the start of this week of a planned temporary suspension in exports through the outlet. Belarusian oil products are shipped to KN under a contract running until the end of next year, but the latter says fulfilment of contractual obligations has been suspended "indefinitely".

(...)

Belarus has considered switching products shipments to Russian ports and away from Klaipeda because of Vilnius' support for the Belarusian opposition movement. In September, Belarus and Russia announced that they were working on shipping Belarusian oil products through Russian Baltic ports, but this option is $10-15/t more expensive than using ports in the Baltic states, according to market participants.

(...)


https://www.argusmedia.com/en/news/2169 ... ct-exports

So, damit hat Lukaschenko nun seinen Worten Taten folgend lassen. Litauen wurde wohl als erstes abgestraft für die Solidarität mit den Demonstranten. Ölexporte werden nun nicht mehr über Vilnius sondern russische Häfen am baltischen Meer abgewickelt. Damit entfallen Litauen wichtige Transiteinnahmen. Allerdings ist der Transit über Russland teurer. Die Transaktionskosten sind höher was wohl auch mit der Entfernung und der Preisliste Russlands zu tun hat. Allerdings gibt es ja die berüchtigten Sotschi Vereinbarungen zwischen Lukaschenko und Putin, möglich das Putin Lukaschenko hier einen Preisnachlass gewährt.

Kann durchaus sein das Lukaschenko in Zukunft nicht nur den Export von Öl über Russland laufen lässt.
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Re: Entwicklung in Belarus (Weißrussland)

Beitragvon Quatschki » Di 22. Dez 2020, 00:50

DevilsNeverCry hat geschrieben:(22 Dec 2020, 00:20)

https://www.argusmedia.com/en/news/2169 ... ct-exports

So, damit hat Lukaschenko nun seinen Worten Taten folgend lassen. Litauen wurde wohl als erstes abgestraft für die Solidarität mit den Demonstranten. Ölexporte werden nun nicht mehr über Vilnius sondern russische Häfen am baltischen Meer abgewickelt. Damit entfallen Litauen wichtige Transiteinnahmen. Allerdings ist der Transit über Russland teurer. Die Transaktionskosten sind höher was wohl auch mit der Entfernung und der Preisliste Russlands zu tun hat. Allerdings gibt es ja die berüchtigten Sotschi Vereinbarungen zwischen Lukaschenko und Putin, möglich das Putin Lukaschenko hier einen Preisnachlass gewährt.

Kann durchaus sein das Lukaschenko in Zukunft nicht nur den Export von Öl über Russland laufen lässt.

Es geht nicht um Öl, sondern um Ölprodukte.
Weißrussland hat große Raffinerien, die russisches Erdöl verarbeiten, aber keine eigenen Ölvorkommen.
Und Baltic Sea heißt auf deutsch nicht "baltisches Meer", sondern Ostsee!
Klaipeda hieß früher Memel und gehörte bis 1919 zu Preußen und zum Deutschen Reich.
Und die Mutti blickte stumm.
Auf dem ganzen Tisch herum.

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