Russische Streitkräfte

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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 17:13

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:00)

Alles richtig. Audi hat die damaligen Ereignisse allerdings als Beleg dafür erwähnt, dass Russland Gründe habe, sich vor Polen zu fürchten. Und das ist und bleibt Quatsch. Die Polen haben damals lediglich um die Wiederherstellung ihrer Nation gekämpft, die von Russland "geschluckt" worden war.

Na, das ist diskutabel. Die Polen hatten keinen grundsätzlichen Plan, an irgendeiner bestimmten Landmarke es gut sein zu lassen, genau wie die anderen Kriegsparteien jener Jahre. Russland tut gut daran, sich zu rüsten. Aber heute ist Polen eher ein Bauer auf dem Schachbrett, keine überragende Figur. Da gibt es dringendere Probleme im Pazifik. Kina hat allein mehr Flugzeuge als Russland, USA hat mehr als beide zusammen. Allein die USA Navy hat mehr Flugzeuge als die sechstgrößte Luftmacht der Welt. Kina, Indien und Pakistan setzen zunehmend weder auf US/EU-Modelle noch auf russische Modelle. Insgesamt bewegt sich der Schwerpunkt der weltweiten Luftmacht zunehmend weg von Europa, Nordafrika und Kleinasien hin nach Asien und den Pazifikraum. Auch bei der See- und Landrüstung bewegt sich viel. Russland muss da mit begrenzten Mitteln seine Verteidigungsbereitschaft halten. Das geht nur auf, wenn es auch den einen oder anderen Exporterfolg gibt. Deshalb sind die Geschäfte in der Türkei nicht ganz unwichtig.

Und wenn es um territoriale Ansprüche geht, spielen immer auch "alte Karten" eine Rolle

In der Rhetorik gewiss. Eher selten sagt wer, wir können das, wir brauchen keinen Grund. Aber letztlich haben die alten Karten wenig Gewicht. Ob ein Land besteht oder Teile an sogenannte Unabhängige oder an dritte Länder verliert, entscheidet sich doch anders.

. In Europa wird das heute nur überdeckt durch die Existenz der EU. Trotzdem sind die "historischen" Forderungen nie ganz verstummt. "Deutschland in den Grenzen von 1937" fordern immer noch einige. Tirol ist manchen Leuten immer noch ein Zankapfel. Aber ich komme vom Thema ab....

Deshalb ist die Rüstung für Russland so wichtig. Sie trägt bei, die Integrität zu erhalten. Überall in der Welt stehen doch Separatisten in den Startlöchern, ob nun in Euskadi, Dagestan oder Kars - und finden im Ausland immer wen, der sie zum Schaden ihrer Länder fördert.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 17:27

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:13)Russland tut gut daran, sich zu rüsten. Aber heute ist Polen eher ein Bauer auf dem Schachbrett, keine überragende Figur.
Polen war nie etwas anderes. Deshalb ist die Nation ja lange vom Deutschen Orden bedrängt worden und irgendwann von der Landkarte verschwunden. Polen konnte und kann bis heute nur existieren durch die Hilfe von Bündnispartnern. Nato, USA, EU...


In der Rhetorik gewiss. Eher selten sagt wer, wir können das, wir brauchen keinen Grund. Aber letztlich haben die alten Karten wenig Gewicht.

Oh, das würde ich nicht unterschreiben. Krim, Ostukraine, Baltikum, Nordirland (selbst nach 800 Jahren!), Taiwan, Kurdengebiete, Balkan... Die Liste ließe sich noch verlängern, besonders in Regionen, in denen "halbfertige" Nationen aus dem Kolonialismus entstanden. Dieses Problem sind wir noch lange nicht los!

Deshalb ist die Rüstung für Russland so wichtig. Sie trägt bei, die Integrität zu erhalten. Überall in der Welt stehen doch Separatisten in den Startlöchern, ob nun in Euskadi, Dagestan oder Kars - und finden im Ausland immer wen, der sie zum Schaden ihrer Länder fördert.

Das Problem ist nur, dass Russland seine Streitkräfte gern offensiv einsetzt und selbst zu den "Förderern" solcher Bestrebungen gehört.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 17:30

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:27)

Oh, das würde ich nicht unterschreiben. Krim, Ostukraine, Baltikum, Nordirland (selbst nach 800 Jahren!), Taiwan, Kurdengebiete, Balkan... Die Liste ließe sich noch verlängern, besonders in Regionen, in denen "halbfertige" Nationen aus dem Kolonialismus entstanden. Dieses Problem sind wir noch lange nicht los!


Das Problem ist nur, dass Russland seine Streitkräfte gern offensiv einsetzt und selbst zu den "Förderern" solcher Bestrebungen gehört.

Das ist überhaupt erst seit einer Weile wieder möglich. Davor war einige Jahre Zuschauertum angesagt. Es ist immer besser, wenn man nicht zuschauen muss.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 17:33

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:30)

Das ist überhaupt erst seit einer Weile wieder möglich. Davor war einige Jahre Zuschauertum angesagt. Es ist immer besser, wenn man nicht zuschauen muss.

Meinst Du das bezogen auf Russland?
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Tom Bombadil » So 19. Jan 2020, 17:39

Dann wird es ja höchste Zeit, dass Deutschland massiv aufrüstet, auch nuklear.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 17:45

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:33)

Meinst Du das bezogen auf Russland?

Kommt aufs Unterforum an. Das ist kein spezifisch russisches Problem, aber unter dieser Überschrift ist es gewünscht, es so zu thematisieren. Die Welt verändert sich rasant und anders als Deutschland ist Russland mitten im Zentrum, direkter Nachbar des Geschehens und daher sehr unmittelbar betroffen. Von Russland ist es ein Katzensprung zu den Aufstrebenden wie zu den Armen, nach Kina, nach Aserbaidschan, sogar nach Tibet ist es nicht so weit. Aber Tibet gibt es nur noch auf alten Karten.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 17:48

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:39)

Dann wird es ja höchste Zeit, dass Deutschland massiv aufrüstet, auch nuklear.

Konventionell auf jeden Fall. Nukleare Aufrüstung brauchen wir nicht.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 17:51

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:45)

Kommt aufs Unterforum an. Das ist kein spezifisch russisches Problem, aber unter dieser Überschrift ist es gewünscht, es so zu thematisieren. Die Welt verändert sich rasant und anders als Deutschland ist Russland mitten im Zentrum, direkter Nachbar des Geschehens und daher sehr unmittelbar betroffen. Von Russland ist es ein Katzensprung zu den Aufstrebenden wie zu den Armen, nach Kina, nach Aserbaidschan, sogar nach Tibet ist es nicht so weit. Aber Tibet gibt es nur noch auf alten Karten.

Dann widerspreche ich Dir. Russland hat seit dem Ende der Napoleonischen Kriege eine Politik der Aufrüstung und Expansion betrieben, insbesondere auch Richtung Europa.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Tom Bombadil » So 19. Jan 2020, 17:54

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:48)

Konventionell auf jeden Fall. Nukleare Aufrüstung brauchen wir nicht.

Wir haben doch hier gelernt, dass man nur mit Kernwaffen unantastbar ist, wie Kim ;)
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 18:00

Tom Bombadil hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:54)

Wir haben doch hier gelernt, dass man nur mit Kernwaffen unantastbar ist, wie Kim ;)

Na, dann sind wir doch unantastbar. Die USA haben Kernwaffen, Großbritannien hat Kernwaffen, Frankreich hat Kernwaffen (sogar ziemlich beachtliche!)... Warum sollte Deutschland jetzt auch noch Geld für diese Dinger verschwenden?

Ernsthaft: Da Deutschland nicht mehr den Anspruch erhebt, eine eigenständige, unabhängige Außen- und Machtpolitik zu betreiben, genügt den Europäern das, was an nuklearem Arsenal schon vorhanden ist. Meiner Kenntnis nach, gibt Frankreich dafür ein Drittel seines Militärhaushalts aus (ohne Gewähr!) Deutschland sollte sich deshalb auf die konventionelle Rüstung konzentrieren und Frankreich auf diese Weise entlasten. Die Bundeswehr sollte die mit Abstand stärkste konventionelle Armee Europas sein.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 18:03

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 17:51)

Dann widerspreche ich Dir. Russland hat seit dem Ende der Napoleonischen Kriege eine Politik der Aufrüstung und Expansion betrieben, insbesondere auch Richtung Europa.

Insbesondere der Napoleon war ja einer, der Russland gern besucht hat. Dem folgte dann später so ein Mann aus Braunau. Insofern war es wohl alternativlos, sich zu verteidigen. Es ist noch nicht so lange her, da waren im deutschen Fernsehen diverse Teile Russland in einer Weise genannt als stünden sie zur Auktion an. Damit ist es erstmal vorbei. Also wenn du meinst, Russland sei ohne Verteidigung besser dran, da haben wir einen Dissens.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 18:19

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 18:03)

Insbesondere der Napoleon war ja einer, der Russland gern besucht hat. Dem folgte dann später so ein Mann aus Braunau. Insofern war es wohl alternativlos, sich zu verteidigen.

Oh, da hast Du aber den ganzen "Mittelteil" weggelassen. Die massive Aufrüstung des Zarenreichs ab etwa 1870, die kolonialen Spannungen mit Großbritannien in Asien, die Einmischung in den Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien - die letztlich zum Ersten Weltkrieg führte... Das kann man alles nicht unter "Verteidigung" abfassen. Gegen Napoleon und den Herrn aus Braunau war das zweifellos alternativlos!

Es ist noch nicht so lange her, da waren im deutschen Fernsehen diverse Teile Russland in einer Weise genannt als stünden sie zur Auktion an. Damit ist es erstmal vorbei. Also wenn du meinst, Russland sei ohne Verteidigung besser dran, da haben wir einen Dissens.

Russland stand nie ohne Verteidigung da. Sowas würde ich auch nicht fordern. Mit Verteidigung lässt sich nur das gegenwärtige Verhalten Russlands außerhalb seiner Grenzen nicht mehr erklären.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 18:39

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 18:19)

Oh, da hast Du aber den ganzen "Mittelteil" weggelassen. Die massive Aufrüstung des Zarenreichs ab etwa 1870, die kolonialen Spannungen mit Großbritannien in Asien, die Einmischung in den Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien - die letztlich zum Ersten Weltkrieg führte... Das kann man alles nicht unter "Verteidigung" abfassen. Gegen Napoleon und den Herrn aus Braunau war das zweifellos alternativlos!

Da sind wir uns ja einig. Was den sogenannten Mittelteil angeht, der Zar ist ja so tot wie das britische Empire. Warum man Russland nahegelegt haben sollte, in diesen Konflikten friedlich zuzugucken und selbst unter die Räder zu kommen, erschließt sich mir nicht. Insbesondere der erste Weltkrieg ist vorrangig ein Produkt der Deutschen und Österreicher - und nachrangig der Ungarn. In der weiteren Reihe folgen dann alle weiteren Großmächte inklusive Russland, schließlich stand schon wenige Jahre zuvor ein Krieg beinahe fest und wurde nur mit Mühe und Zufall noch einmal vertagt.

Russland stand nie ohne Verteidigung da. Sowas würde ich auch nicht fordern. Mit Verteidigung lässt sich nur das gegenwärtige Verhalten Russlands außerhalb seiner Grenzen nicht mehr erklären.

Das Thema sind die Streitkräfte. Die muss Russland haben. Dass Streitkräfte in dieser Größenordnung auch im Rahmen von Bündnis- und Machtpolitik eingesetzt werden, dürfte keiner Großmacht fremd sein.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Adam Smith » So 19. Jan 2020, 18:49

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 18:00)

Na, dann sind wir doch unantastbar. Die USA haben Kernwaffen, Großbritannien hat Kernwaffen, Frankreich hat Kernwaffen (sogar ziemlich beachtliche!)... Warum sollte Deutschland jetzt auch noch Geld für diese Dinger verschwenden?

Ernsthaft: Da Deutschland nicht mehr den Anspruch erhebt, eine eigenständige, unabhängige Außen- und Machtpolitik zu betreiben, genügt den Europäern das, was an nuklearem Arsenal schon vorhanden ist. Meiner Kenntnis nach, gibt Frankreich dafür ein Drittel seines Militärhaushalts aus (ohne Gewähr!) Deutschland sollte sich deshalb auf die konventionelle Rüstung konzentrieren und Frankreich auf diese Weise entlasten. Die Bundeswehr sollte die mit Abstand stärkste konventionelle Armee Europas sein.


Frankreich gibt etwa 15% von seinem Militärhaushalt für die Kernwaffen aus.

https://www.icanw.de/fakten/herstellung ... -ausgaben/

https://de.statista.com/statistik/daten ... rausgaben/

Deutschland muss den 2+4-Vertrag in Bezug auf die Anzahl der Soldaten beachten.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Zwei-plus-Vier-Vertrag

Wobei es laut den Anhängern des BGE immer mehr Arbeitslose gibt und aus dem Grund könnte es auch mehr Soldaten geben. Dieses ist aber nicht so.
Das ist Kapitalismus:

Die ständige Wahl der Bürger bestimmt das Angebot.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » So 19. Jan 2020, 19:09

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 18:39)

Da sind wir uns ja einig. Was den sogenannten Mittelteil angeht, der Zar ist ja so tot wie das britische Empire. Warum man Russland nahegelegt haben sollte, in diesen Konflikten friedlich zuzugucken und selbst unter die Räder zu kommen, erschließt sich mir nicht. Insbesondere der erste Weltkrieg ist vorrangig ein Produkt der Deutschen und Österreicher - und nachrangig der Ungarn.

Der Historiker-Streit um Fischer ist doch längst beigelegt. Heute wird das differenzierter betrachtet. Fakt ist, dass die massive Aufrüstung des Zarenreichs in Deutschland erhebliche Bedrohungsgefühle ausgelöst hatte. Fakt ist weiterhin, dass es sich bei den Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu Beginn um einen bedeutungslosen Regionalkonflikt handelte, der von den europäischen Großmächten zwar interessiert beobachtet wurde, in den sich aber niemand einzumischen gedachte. Deutschland nicht, Frankreich nicht, Großbritannien nicht. Die Sympathien lagen sogar auf der Seite Österreichs. Erst die Drohung des Zaren, an der Seite Serbiens in den Krieg einzutreten, löste die europäischen Bündnissysteme aus. Und Russland war durch den Konflikt zwischen Serbien und Österreich in keiner Weise "bedroht". Da ging es um blanke russische Machtinteressen, die weitab von Russland an den Grenzen einer anderen Großmacht durchgesetzt werden sollten! Die gleiche Konstellation hätte beim Zerbrechen Jugoslawiens wieder zu einem großen Krieg führen können. Nur, dass die Russen sich in dem Moment zurückgehalten haben...

Das Thema sind die Streitkräfte. Die muss Russland haben.

Das hat niemand bestritten. Dass Russland von diesen Streitkräften ziemlich rücksichtslos Gebrauch macht, ist ein anderes Thema. Krim, Ostukraine, Syrien, Libyen, Drohungen gegenüber dem Baltikum...

Dass Streitkräfte in dieser Größenordnung auch im Rahmen von Bündnis- und Machtpolitik eingesetzt werden, dürfte keiner Großmacht fremd sein.

Das hängt eben immer davon ab, wozu Bündnisse dienen. "Machtpolitik" ist da im Falle Russlands ein ziemlich bezeichnender Begriff.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Audi » So 19. Jan 2020, 19:41

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 19:09)

Der Historiker-Streit um Fischer ist doch längst beigelegt. Heute wird das differenzierter betrachtet. Fakt ist, dass die massive Aufrüstung des Zarenreichs in Deutschland erhebliche Bedrohungsgefühle ausgelöst hatte. Fakt ist weiterhin, dass es sich bei den Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu Beginn um einen bedeutungslosen Regionalkonflikt handelte, der von den europäischen Großmächten zwar interessiert beobachtet wurde, in den sich aber niemand einzumischen gedachte. Deutschland nicht, Frankreich nicht, Großbritannien nicht. Die Sympathien lagen sogar auf der Seite Österreichs. Erst die Drohung des Zaren, an der Seite Serbiens in den Krieg einzutreten, löste die europäischen Bündnissysteme aus. Und Russland war durch den Konflikt zwischen Serbien und Österreich in keiner Weise "bedroht". Da ging es um blanke russische Machtinteressen, die weitab von Russland an den Grenzen einer anderen Großmacht durchgesetzt werden sollten! Die gleiche Konstellation hätte beim Zerbrechen Jugoslawiens wieder zu einem großen Krieg führen können. Nur, dass die Russen sich in dem Moment zurückgehalten haben...


Das hat niemand bestritten. Dass Russland von diesen Streitkräften ziemlich rücksichtslos Gebrauch macht, ist ein anderes Thema. Krim, Ostukraine, Syrien, Libyen, Drohungen gegenüber dem Baltikum...


Das hängt eben immer davon ab, wozu Bündnisse dienen. "Machtpolitik" ist da im Falle Russlands ein ziemlich bezeichnender Begriff.

Libyen? Hä? Waren es nicht westliche Nato Staaten welche die staatlichen Strukturen zerbombt haben und seit dem überall Chaos herrscht? :?:
Syrien? Russland wurde von der Regierung eingeladen um Islamisten zu bekämpfen. Von anderen demokratisch regierten Ländern welche dort bestimmte grüppchen unterstützt haben brauchen wir gar nicht reden.
Wo hat Russland Baltikum bedroht?
Krim? Mehrheit wollte nicht mehr in der Ukraine sein und hat sich entschieden. Und kein Experte auf dem Gebiet hegt Zweifel an der Meinung dort.
Ost Ukraine? Hat da nicht die Putsch Regierung eine "Ato" gegen Demonstranten ausgerufen wo dann alles eskaliert ist?
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon harry52 » So 19. Jan 2020, 21:13

Audi hat geschrieben:Libyen? Hä? Waren es nicht westliche Nato Staaten welche die staatlichen Strukturen zerbombt haben und seit dem überall Chaos herrscht?

Falsch: Libyen befand sich bereits im Bürgerkrieg bzw. Chaos,
als Gaddafi seine irre Regenschirm Rede hielt. Auslöser der ganzen Sache war der junge Tunesier, der sich selbst verbrannte wegen seiner perspektivlosen Lage in der sozialistischen Diktatur von Ben Ali in Tunesien. Man nennt das den arabischen Frühling, in dessen Folge auch der syrische Bürgerkrieg entstand. Ursache sind doch ganz klar die Diktaturen in diesen Ländern, die vielen Morde, die Armut....

Erst als Gaddafi in der Rede ankündigte,
die Aufständischen wie Ratten abzuschlachten, griff die NATO ein. Gaddafi, der deiner Meinung nach für Ruhe und Ordnung in Libyen sorgte, war extrem kokainsüchtig und hat tausende ermordet und hunderte Minderjährige missbraucht. http://www.focus.de/politik/ausland/kri ... 70002.html
"Gut gemeint" ist nicht das Gleiche wie "gut gemacht".
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon imp » So 19. Jan 2020, 22:14

Kohlhaas hat geschrieben:(19 Jan 2020, 19:09)

Der Historiker-Streit um Fischer ist doch längst beigelegt. Heute wird das differenzierter betrachtet.

Für diese Form von Revisionismus erwärme ich mich nicht besonders, insbesondere mit Blick auf unser Thema.

Fakt ist, dass die massive Aufrüstung des Zarenreichs in Deutschland erhebliche Bedrohungsgefühle ausgelöst hatte.

Das ist insbesondere aus deutscher Sicht eine sehr spezielle Betrachtungsweise, rüstete doch gerade Deutschland als junge Großmacht zu Land und zur See ganz erheblich und zerschlug so einiges Porzellan.

Fakt ist weiterhin, dass es sich bei den Spannungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien zu Beginn um einen bedeutungslosen Regionalkonflikt handelte, der von den europäischen Großmächten zwar interessiert beobachtet wurde, in den sich aber niemand einzumischen gedachte.

Hier sehen wir wieder, wie beliebig der Blick auf alte Landkarten ist. Ein unabhängiges Serbien, wie auch die meisten anderen jungen Balkanstaaten, gab es ab dem 19. Jahrhundert aus zwei Gründen: Erstens, weil Russland und das osmanische Reich ihre Interessen ausfochten und zweitens, weil die übrigen Großmächte dabei ganz interessiert mitagierten. San Stefano, Berlin, das sind doch die Vorgeschichten, in denen aus Machtinteressen Serbien, Bulgarien und so weiter erstanden - längst vergessene Zwergreiche aus dem Mittelalter, jeder von ihnen an irgendeinem Punkt der Geschichte einmal wichtig gewesen. Selbstverständlich konnte Zuwarten keine Option für Russland sein. Wo sowas hinführt, haben ja die Osmanen erlebt. Im Konzert der Mächte spielt man offensiv und mit Macht mit oder man ist Spielball. Was für Deutschland, Frankreich, Britannien das normalste der Welt ist, bekommt immer so einen vorwurfsvollen Ton, wenn es um Russland geht oder gar die Türkei - bis heute. Russland, das ist unser Thema, braucht also heute wie damals seine Rüstung.

Das hat niemand bestritten. Dass Russland von diesen Streitkräften ziemlich rücksichtslos Gebrauch macht, ist ein anderes Thema. Krim, Ostukraine, Syrien, Libyen, Drohungen gegenüber dem Baltikum...

Selbstverständlich werden Streitkräfte auch eingesetzt. Zum Verrosten im Depot sind sie auch viel zu teuer. Russland übernimmt Verantwortung in der Welt, so sagt man das doch heute. Gleich tut es die Türkei, der Iran, die EU würde gern, wenn sie könnte - aber das geht bislang meistens schief. Das eigentliche Thema für Russland bleibt aber Asien und insbesondere die immer mächtigere Position Kinas. Ohne eine hinreichende und moderne Rüstung wird da kein Bestehen sein.
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Audi » So 19. Jan 2020, 22:29

harry52 hat geschrieben:(19 Jan 2020, 21:13)

Falsch: Libyen befand sich bereits im Bürgerkrieg bzw. Chaos,
als Gaddafi seine irre Regenschirm Rede hielt. Auslöser der ganzen Sache war der junge Tunesier, der sich selbst verbrannte wegen seiner perspektivlosen Lage in der sozialistischen Diktatur von Ben Ali in Tunesien. Man nennt das den arabischen Frühling, in dessen Folge auch der syrische Bürgerkrieg entstand. Ursache sind doch ganz klar die Diktaturen in diesen Ländern, die vielen Morde, die Armut....

Erst als Gaddafi in der Rede ankündigte,
die Aufständischen wie Ratten abzuschlachten, griff die NATO ein. Gaddafi, der deiner Meinung nach für Ruhe und Ordnung in Libyen sorgte, war extrem kokainsüchtig und hat tausende ermordet und hunderte Minderjährige missbraucht. http://www.focus.de/politik/ausland/kri ... 70002.html

Jo und die Nato hat ihr un Mandat überdehnt. Die Luftwaffe von den Islamisten gespielt. "Turnschuh Rebellen" dannach hat man festgestellt, dass die meisten islamistisch sind... Jaja. Die Nato wollte nur helfen. Wie in Syrien. Resultat bekannt, in beiden Fällen
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Re: Russische Streitkräfte

Beitragvon Kohlhaas » Mo 20. Jan 2020, 13:23

imp hat geschrieben:(19 Jan 2020, 22:14)

Für diese Form von Revisionismus erwärme ich mich nicht besonders, insbesondere mit Blick auf unser Thema.

Achso, alles was Historiker in jüngerer Zeit über den Ersten Weltkrieg geschrieben haben, ist Revisionismus. Verstehe....

Das ist insbesondere aus deutscher Sicht eine sehr spezielle Betrachtungsweise, rüstete doch gerade Deutschland als junge Großmacht zu Land und zur See ganz erheblich und zerschlug so einiges Porzellan.


Selbstverständlich konnte Zuwarten keine Option für Russland sein. Wo sowas hinführt, haben ja die Osmanen erlebt. Im Konzert der Mächte spielt man offensiv und mit Macht mit oder man ist Spielball. Was für Deutschland, Frankreich, Britannien das normalste der Welt ist, bekommt immer so einen vorwurfsvollen Ton, wenn es um Russland geht oder gar die Türkei - bis heute. Russland, das ist unser Thema, braucht also heute wie damals seine Rüstung.

Wieso ist das selbstverständlich? Welche berechtigten Interessen hatte Russland denn in Serbien? Es gab keine gemeinsame Grenzen. Zwischen Russland und Serbien lag Österreich-Ungarn.

Und Russland hat damals nicht das gleiche getan wie Frankreich, Deutschland und Großbrittanien. Die haben sich rausgehalten, Russland hat sich eingemischt und Österreich mit Krieg gedroht.

Selbstverständlich werden Streitkräfte auch eingesetzt. Zum Verrosten im Depot sind sie auch viel zu teuer. Russland übernimmt Verantwortung in der Welt, so sagt man das doch heute. Gleich tut es die Türkei, der Iran, die EU würde gern, wenn sie könnte - aber das geht bislang meistens schief. Das eigentliche Thema für Russland bleibt aber Asien und insbesondere die immer mächtigere Position Kinas. Ohne eine hinreichende und moderne Rüstung wird da kein Bestehen sein.

Wenn das selbstverständlich ist, kann sich ja niemand beschweren, wenn z.B. die USA von ihrem Militär Gebrauch machen. Ich persönlich halte es auch gar nicht für selbstverständlich, ein vorhandenes Militär auch einzusetzen. Militär setzt man als allerletztes Mittel ein. Russland verhält sich anders. Welche Interessen hat Russland in Libyen? Welche russischen Interessen in Syrien rechtfertigen den Einsatz des Militärs?

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