Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

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jorikke
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon jorikke » So 16. Sep 2018, 13:42

H2O hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:43)

Meine Einschätzung: Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, manche Mühlen viel zu langsam. Jede Entscheidung wird hin und her diskutiert, wo längst eine Entscheidung erwartet worden wäre. Die Leute gehen ausdauernd auf die Straße, beschimpfen die politische Klasse und wünschen sich kurze Entscheide in spontanen Volksabstimmungen.

Viele Leute im Osten wünschen sich eine "andere Demokratie", wo "das Volk" zugleich Regierung, Amt und Gericht ist. Im Grunde die ungebremste Macht der größten Schreihälse.


Ich drücke es mal übertrieben aus:
Jeder Pinscher (Ludwig Erhard) meint seine Blödheit müsse zur politischen Maxime erhoben werden und erkennt darin sein Mitentscheidungsrecht.
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Vongole
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Vongole » So 16. Sep 2018, 13:42

H2O hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:43)

Meine Einschätzung: Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, manche Mühlen viel zu langsam. Jede Entscheidung wird hin und her diskutiert, wo längst eine Entscheidung erwartet worden wäre. Die Leute gehen ausdauernd auf die Straße, beschimpfen die politische Klasse und wünschen sich kurze Entscheide in spontanen Volksabstimmungen.

Viele Leute im Osten wünschen sich eine "andere Demokratie", wo "das Volk" zugleich Regierung, Amt und Gericht ist. Im Grunde die ungebremste Macht der größten Schreihälse.


Sehen Sie, genau das glaube ich nicht.
Ich habe seit der Wiedervereinigung eher den Eindruck, dass sich die Ostdeutschen wünschen, endlich in der gleichen Republik anzukommen wie die Westdeutschen, bzw., als ebenbürtiger Teil dieser
Republik gesehen zu werden.
Den einzigen Beitrag gelebter Solidarität haben sie, nach anfänglicher Euphorie im Westen, durch den Soli erfahren, ansonsten jede Menge Hochnäsigkeit, Ablehnung und Vorurteile.
Ich denke, dass das noch immer sehr tief im kollektiven Gedächtnis vieler sitzt, die jetzt zu einer Partei laufen, die sie zwar auch verkaufen wird, aber ihnen wenigstens einen Sündenbock bietet.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon ThorsHamar » So 16. Sep 2018, 14:43

Vongole hat geschrieben:(16 Sep 2018, 14:42)

Sehen Sie, genau das glaube ich nicht.
Ich habe seit der Wiedervereinigung eher den Eindruck, dass sich die Ostdeutschen wünschen, endlich in der gleichen Republik anzukommen wie die Westdeutschen, bzw., als ebenbürtiger Teil dieser
Republik gesehen zu werden.
Den einzigen Beitrag gelebter Solidarität haben sie, nach anfänglicher Euphorie im Westen, durch den Soli erfahren, ansonsten jede Menge Hochnäsigkeit, Ablehnung und Vorurteile.
Ich denke, dass das noch immer sehr tief im kollektiven Gedächtnis vieler sitzt, die jetzt zu einer Partei laufen, die sie zwar auch verkaufen wird, aber ihnen wenigstens einen Sündenbock bietet.


Das ist ein vernünftiger Ansatz, meine ich. btw.: Was oft vergessen oder gar nicht gewusst wird, ist, dass der Soli ebenfalls von den Ossis bezahlt wurde und wird.
Ansonsten gibt es im Westen ebenfalls Aufmärsche von Rechts, AfD Hochburgen und sonderbare Ansichten, was denn Demokratie sei.
Ich finde, dass man die Gründen der Menschen, die da involviert sind, ebenfalls so interessiert analysieren sollte, wie die der ostdeutschen DDR-Überlebenden und deren Nachfahren!
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon H2O » So 16. Sep 2018, 16:03

Vongole hat geschrieben:(16 Sep 2018, 14:42)

Sehen Sie, genau das glaube ich nicht.
Ich habe seit der Wiedervereinigung eher den Eindruck, dass sich die Ostdeutschen wünschen, endlich in der gleichen Republik anzukommen wie die Westdeutschen, bzw., als ebenbürtiger Teil dieser
Republik gesehen zu werden.
Den einzigen Beitrag gelebter Solidarität haben sie, nach anfänglicher Euphorie im Westen, durch den Soli erfahren, ansonsten jede Menge Hochnäsigkeit, Ablehnung und Vorurteile.
Ich denke, dass das noch immer sehr tief im kollektiven Gedächtnis vieler sitzt, die jetzt zu einer Partei laufen, die sie zwar auch verkaufen wird, aber ihnen wenigstens einen Sündenbock bietet.


Sehe ich nicht so. Amianus hat schon ganz vernünftig dargestellt, was da geschehen ist. Ich halte gar nichts davon, die Ossis in grenzenloser Güte zu vereinnahmen. Das sind schließlich erwachsene Leute mit Urteilsvermögen. So kenne ich jedenfalls meine Familie dort.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Vongole » So 16. Sep 2018, 16:11

H2O hat geschrieben:(16 Sep 2018, 17:03)

Sehe ich nicht so. Amianus hat schon ganz vernünftig dargestellt, was da geschehen ist. Ich halte gar nichts davon, die Ossis in grenzenloser Güte zu vereinnahmen. Das sind schließlich erwachsene Leute mit Urteilsvermögen. So kenne ich jedenfalls meine Familie dort.


Ich rede nicht von "Vereinnahmung in grenzenloser Güte", ich rede von Begegnung auf Augenhöhe.
Auch erwachsene Menschen können sich diskriminiert, abgewertet fühlen, z.B. durch niedrigere Löhne oder Renten, oder ganz einfach, weil man ihre Lebensleistung nur an der DDR festmacht.
Während und nach der Wiedereinigung ist vieles falsch gemacht worden, z.B. durch die Treuhand, und das wirkt bis heute nach.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon H2O » So 16. Sep 2018, 16:29

Vongole hat geschrieben:(16 Sep 2018, 17:11)

Ich rede nicht von "Vereinnahmung in grenzenloser Güte", ich rede von Begegnung auf Augenhöhe.
Auch erwachsene Menschen können sich diskriminiert, abgewertet fühlen, z.B. durch niedrigere Löhne oder Renten, oder ganz einfach, weil man ihre Lebensleistung nur an der DDR festmacht.
Während und nach der Wiedereinigung ist vieles falsch gemacht worden, z.B. durch die Treuhand, und das wirkt bis heute nach.


Ich habe mit Augenhöhe keine Mühe; kommt ganz auf den Menschen an, mit dem ich mich austausche. Diskriminierung durch Lohn- und Rentenhöhe... ja, was sollen jetzt meine Nachbarn ringsum in Pommern sagen? Irgendwie hängt Einkommen und anschließend Altersrente eben auch davon ab, was die Menschen mit ihrer Erwerbstätigkeit erwirtschaftet haben. Oder welche Maßstäbe schweben Ihnen da so vor?

Klar ist mit den Maßnahmen nach der Wiedervereinigung etliches nicht gut gelaufen. Ich schlage aber vor, sich auf das zu besinnen, was sehr gut gelaufen ist. Das hebt die Stimmung... oder?
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Vongole » So 16. Sep 2018, 17:25

H2O hat geschrieben:(16 Sep 2018, 17:29)

Ich habe mit Augenhöhe keine Mühe; kommt ganz auf den Menschen an, mit dem ich mich austausche. Diskriminierung durch Lohn- und Rentenhöhe... ja, was sollen jetzt meine Nachbarn ringsum in Pommern sagen? Irgendwie hängt Einkommen und anschließend Altersrente eben auch davon ab, was die Menschen mit ihrer Erwerbstätigkeit erwirtschaftet haben. Oder welche Maßstäbe schweben Ihnen da so vor?

Klar ist mit den Maßnahmen nach der Wiedervereinigung etliches nicht gut gelaufen. Ich schlage aber vor, sich auf das zu besinnen, was sehr gut gelaufen ist. Das hebt die Stimmung... oder?


Ja, im Westen. ;)
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon H2O » So 16. Sep 2018, 17:44

Vongole hat geschrieben:(16 Sep 2018, 18:25)

Ja, im Westen. ;)


Eben noch wollten Sie nicht großmütig vereinnahmen, und jetzt doch? :)
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Realist2014 » So 16. Sep 2018, 17:56

Odin1506 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 14:10)

Ich denke mal die Fragestellung ist schon mal falsch. Die Ostdeutschen wollen keine andere Republik, die Ostdeutschen wollen nach 29 Jahren endlich genauso viel wie die Westdeutschen. Und ich denke, das die Ostdeutschen auch soziale Sicherheit haben wollen.
W t.


inwiefern ist die "soziale Sicherheit" in den neuen Bundesländern ANDERS als in den alten Bundesländern?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Realist2014 » So 16. Sep 2018, 17:57

Vongole hat geschrieben:(16 Sep 2018, 17:11)

Ich rede nicht von "Vereinnahmung in grenzenloser Güte", ich rede von Begegnung auf Augenhöhe.
Auch erwachsene Menschen können sich diskriminiert, abgewertet fühlen, z.B. durch niedrigere Löhne oder Renten, oder ganz einfach, weil man ihre Lebensleistung nur an der DDR festmacht.
h.


inwiefern und in Bezug auf WAS soll das der Fall sein?
Laut Aussage der linken Ideologen sind alle ökonomisch erfolgreichen dumm, und die wahre Intelligenz tritt sich in der untersten ökonomischen Etage auf die Füße.....daher muss diese Etage ausgebaut werden
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Rote_Galaxie » So 16. Sep 2018, 18:38

Schon merkwürdig, die Ostdeutschen lebten in einem System welches offiziell die Gleichheit aller Menschen anstreben wollte. Und nun machen sie das Gegenteil ihrer Sozialisation.
Und wer kontrolliert die Kontrolle?
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Jekyll » So 16. Sep 2018, 20:56

Kölner1302 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 09:42)

Die AFD ist die stärkste Partei in den neuen Bundesländern - der Ex-DDR - und die AFD ist dort besonders stark geworden nach den Ausschreitungen in Chmnitz.

https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html

https://web.de/magazine/politik/afd-umf ... n-33166146

Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?
Ganz sicher ist, dass die Ostdeutschen eine andere Politik haben wollen. Zumindest das dürfte zweifelsfrei feststehen. Ob dieses Bedürfnis soweit reicht, auch an den Grundfesten des aktuellen Systems rütteln zu wollen, dürfte in der Tat noch unklar sein. Kann gut sein, dass irgendwann tatsächlich die kritische Masse überschritten sein wird. Dann hätten wir in der Tat ein großes Problem hier in Deutschland. Neben anderen großen Problemen, mit denen wir bereits reichlich gesegnet sind. Nicht ausschließen sollte man auch die Möglichkeit, dass es hier zu Synergien zwischen den einzelnen Großproblemen kommen könnte, die sich dann gegenseitig verstärken und bestätigen. Dann hätten wir echt den Supergau.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon frems » So 16. Sep 2018, 22:13

ThorsHamar hat geschrieben:(16 Sep 2018, 15:43)

Das ist ein vernünftiger Ansatz, meine ich. btw.: Was oft vergessen oder gar nicht gewusst wird, ist, dass der Soli ebenfalls von den Ossis bezahlt wurde und wird.

Die Aussage habe ich drüben schon oft gehört, aber er ist ziemlich egal, wenn die Einnahmen nur nach Himmelsrichtung wandern. Einer zahlt 50 Euro ein und in seinem Bundesland landen davon 0. Jemand anderes zahlt 25, aber seine Regierung kriegt 250 überwiesen. So weit muss nämlich auch gedacht werden und dann ist der Einwand nicht mehr kriegsentscheidend. Habe nun nicht den Eindruck, dass sich die Saarländer radikalisieren, weil sie mit einem Strukturwandel zu kämpfen haben. Dort weiß man: für Wohlstand müssen die Ärmel hochgekrempelt werden. Nur jammern, Opferrollen und Feindbilder bringen nichts, wenn man nach Geld anderer lüstet.

Interessanter Kommentar zum Thema kam aber bei SPIEGEL heute raus:
Woher kommt die Ablehnung gegenüber Zuwanderern, die Aggression, die Begeisterung für autoritäre und völkische Gedanken in Teilen Ostdeutschlands? Die Antwort dürfte gerade linken Theoretikern nicht gefallen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 28205.html
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon ThorsHamar » So 16. Sep 2018, 23:33

frems hat geschrieben:(16 Sep 2018, 23:13)

Die Aussage habe ich drüben schon oft gehört, aber er ist ziemlich egal, wenn die Einnahmen nur nach Himmelsrichtung wandern. Einer zahlt 50 Euro ein und in seinem Bundesland landen davon 0. Jemand anderes zahlt 25, aber seine Regierung kriegt 250 überwiesen. So weit muss nämlich auch gedacht werden und dann ist der Einwand nicht mehr kriegsentscheidend.


Jetzt aber mal bitte mitdenken ....
Hier kam die Behauptung, dass der sog. Solibeitrag als "gelebte Solidarität" des Westens für den Osten erlebt wurde.
Dabei ist aber richtig, dass der "Soli" ein Beitrag ALLER Deutschen für die deutsche Einheit sein sollte.
Was daraus gemacht wurde und dass einige Proleten im tiefsten Westen immer noch denken, sie würden für die Ossis bezahlen, ist eine andere Sache ...

Habe nun nicht den Eindruck, dass sich die Saarländer radikalisieren, weil sie mit einem Strukturwandel zu kämpfen haben. Dort weiß man: für Wohlstand müssen die Ärmel hochgekrempelt werden. Nur jammern, Opferrollen und Feindbilder bringen nichts, wenn man nach Geld anderer lüstet.


Das heisst jetzt was, bitte??
Du willst jetzt sagen, dass der Saarländer weiss, wie man arbeitet und der Ossi nicht? :D
Im Osten war doch jahrelang ein Saarländer Chef.
Und: Wann warst Du denn zuletzt im Osten?
BILD Dir Deine Meinung, was?


Interessanter Kommentar zum Thema kam aber bei SPIEGEL heute raus:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 28205.html


Kann ich nicht lesen ....
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon ThorsHamar » So 16. Sep 2018, 23:37

Rote_Galaxie hat geschrieben:(16 Sep 2018, 19:38)

Schon merkwürdig, die Ostdeutschen lebten in einem System welches offiziell die Gleichheit aller Menschen anstreben wollte. Und nun machen sie das Gegenteil ihrer Sozialisation.


Komisch, oder? Das könntest Du doch als fundamentale Erkenntnis in Deinem Sammelstrang verwenden... :cool:
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon frems » So 16. Sep 2018, 23:57

ThorsHamar hat geschrieben:(17 Sep 2018, 00:33)

Jetzt aber mal bitte mitdenken ....
Hier kam die Behauptung, dass der sog. Solibeitrag als "gelebte Solidarität" des Westens für den Osten erlebt wurde.
Dabei ist aber richtig, dass der "Soli" ein Beitrag ALLER Deutschen für die deutsche Einheit sein sollte.
Was daraus gemacht wurde und dass einige Proleten im tiefsten Westen immer noch denken, sie würden für die Ossis bezahlen, ist eine andere Sache ...

Eigentlich nicht, da es de facto ja so ist.

Das heisst jetzt was, bitte??
Du willst jetzt sagen, dass der Saarländer weiss, wie man arbeitet und der Ossi nicht? :D
Im Osten war doch jahrelang ein Saarländer Chef.
Und: Wann warst Du denn zuletzt im Osten?
BILD Dir Deine Meinung, was?

Jagen Saarländer nun Migranten als Feindbild für angeblich zu wenig Hartz IV oder Renten durch die Straßen? War übrigens vor wenigen Tagen erst wieder in MV. Was willst Du suggerieren?

Kann ich nicht lesen ....

Verstehe.
Labskaus!

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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Gandy » Mo 17. Sep 2018, 08:55

Ich bin der Meinug das es nicht ein Ost-West Deutsches Problem ist sondern das es zur Zeit ( noch ) im Osten stärker zu Tage tritt.
Es ist eher ein Europäisches Problem.
Schaut man sich den Trend in den Europäischen Ländern an, geht es immer weiter nach rechts.
Es ist eine generelle Politikverdrossenheit, genährt von der Tatsache das Europäische und Landespolitik nahezu nur noch für die Industrie und kaum noch für das Volk gemacht wird.
Schauen wir mal auf unserer Republik, kann man feststellen das das Realeinkommen und die Rente seit Ende der 70er Jahre stetig gesunken sind und wenn der Trend weiter anhält auch weiter sinken wird.
Das immer mehr Menschen keinen sicheren Arbeitsplatz haben ( Zeitverträge etc. ).
Das die Regierung es nicht zustande bringt Menschen die jahrelang gearbeitet habe und zum Teil unverschuldet in Harz 4 oder Obdachlosigkeit geraten sind eine Menschenwürdige Unterkunft zu gewähren, während
Asylanten und Krigsflüchtlinge dies alles bekommen.
Ich möchte auch klarstellen das ich nicht verurteile das man diesen Menschen hilft, sondern das das eigene Volk immer mehr verarmt.
Die Anzahl der eigenen Mitbürger die trotz Vollbeschäftigung auf Unterstützung auf den Staat angewiesen sind wächst von Jahr zu Jahr.
Und wenn dann ein Teil der Bevölkerung ( Ostdeutschland ) diese Missstände anprangert und dies öffentlich zeigt , werden sie ( weil unbequem ) sofort in die rechte Schublade gesteckt.
Unzweifelhaft habe die rechten da Potential entdeckt und konnten dies auch zu ihrem Vorteil nutzen.
Wenn man nun hingeht und diese Mensche anprangert und abkanzelt anstatt mit ihnen zu reden wird man nur noch mehr Trotzreaktionen hervorrufen. Als das Problem verschlimmern anstatt zu verbessern.
Ich befürchte das die Menscheit und insbesondere unsere Politiker aus der Vergangenheit nichts aber auch absolut nichts gelernt haben.
Die Anzeichen sind schon deutlich wahrzunehmen ( nicht nur in Deutschland ) das es immer weiter nach rechts geht.
Sollten unsere etablierten Parteien nicht schleunigst eine Kurskorrektur vornehmen und wieder das tun wofür sie gewählt wurden und was sie geschworen habe ( zum Wohle des deutsch Volkes zu handeln ) ,
dann befürchte ich das wir bald eine AFD haben die stärkste Partei in ganz Deutschland und nicht nur im Osten ist.
Es sind nicht nur die Ostdeutschen die eine andere Republik wollen, sie sind nur derzeit am lautesten.
Es ist ganz Europa.
Ob in Frankreich,Schweden,Niederlande,Österreich,Ungarn, oder Polen .. niemand ist mehr mit dem zufrieden was abgeliefert wird.
Es ist also kein OST-Deusches Problem sondern ein Probelm Europas. Insbesondere der einzelnen Staaten die nicht mehr in der Lage scheinen Politik für Menschen zu machen.
Ein trauriger Ausblich auf die Zukunft.. leider
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Skull » Mo 17. Sep 2018, 09:08

Gandy hat geschrieben:(17 Sep 2018, 09:55)

Schauen wir mal auf unserer Republik, kann man feststellen das das Realeinkommen
und die Rente seit Ende der 70er Jahre stetig gesunken sind

Diese Aussage ist natürlich...NICHT korrekt.

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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon imp » Mo 17. Sep 2018, 09:09

Gandy hat geschrieben:(17 Sep 2018, 09:55)

Ich bin der Meinug das es nicht ein Ost-West Deutsches Problem ist sondern das es zur Zeit ( noch ) im Osten stärker zu Tage tritt.
Es ist eher ein Europäisches Problem.
Schaut man sich den Trend in den Europäischen Ländern an, geht es immer weiter nach rechts.
Es ist eine generelle Politikverdrossenheit, genährt von der Tatsache das Europäische und Landespolitik nahezu nur noch für die Industrie und kaum noch für das Volk gemacht wird.

Willkommen in Forum. Ich denke, Politik für die Wirtschaft und für die Menschen ist nicht zu trennen. Die Menschen gehen arbeiten, damit sie ein Einkommen haben. Es stimmt aber, dass Ostland dabei ist hin und her gerissen zwischen deutsche Normalität und osteuropäische Denkweisen. Das liegt wohl an Sowjetdiktatur.

Ich möchte auch klarstellen das ich nicht verurteile das man diesen Menschen hilft, sondern das das eigene Volk immer mehr verarmt.
Die Anzahl der eigenen Mitbürger die trotz Vollbeschäftigung auf Unterstützung auf den Staat angewiesen sind wächst von Jahr zu Jahr.
Und wenn dann ein Teil der Bevölkerung ( Ostdeutschland ) diese Missstände anprangert und dies öffentlich zeigt , werden sie ( weil unbequem ) sofort in die rechte Schublade gesteckt.

Dieser Reflex ist rechts. Da gibt es nichts dran zu raten. Sicher hat die politische Bildung da ein wenig versagt. Wer unterscheidet zwischen "richtigen Deutschen" und "Passdeutschen", der denkt ganz klar außerhalb der Verfassung. Man kann dazulernen. Man kann Demokrat werden, wenn man will.

Wenn man nun hingeht und diese Mensche anprangert und abkanzelt anstatt mit ihnen zu reden wird man nur noch mehr Trotzreaktionen hervorrufen.

Ich denke, Trotz ist eine dumme Handlungsweise, die sich der rechte Bürger selbst zuzuschreiben hat. Wer rechte Parolen brüllt, ist dafür selbst verantwortlich. Jede Ausrede, daran seien andere schuldig, ist abwegig.

Sollten unsere etablierten Parteien nicht schleunigst eine Kurskorrektur vornehmen und wieder das tun wofür sie gewählt wurden und was sie geschworen habe ( zum Wohle des deutsch Volkes zu handeln ) ,
dann befürchte ich das wir bald eine AFD haben die stärkste Partei in ganz Deutschland und nicht nur im Osten ist.

Das sehe ich so gar nicht. In Bayern sinkt derzeit die Zustimmung zur AfD sehr deutlich. Man schätzt hier keinen Rechtsextremismus, keine Übergriffe auf Journalisten, keine Verfilzung mit Vollnazis und dergleichen. Der CSU hat der Versuch, diese Leute "abzuholen", ihnen nach dem Mund zu reden, sehr geschadet.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon ThorsHamar » Mo 17. Sep 2018, 09:22

frems hat geschrieben:(17 Sep 2018, 00:57)

Eigentlich nicht, da es de facto ja so ist.


Was soll das jetzt? Ich habe Dir doch gerade eben in Erinnerung gerufen, dass es de facto nicht so ist ?!


Jagen Saarländer nun Migranten als Feindbild für angeblich zu wenig Hartz IV oder Renten durch die Straßen? War übrigens vor wenigen Tagen erst wieder in MV. Was willst Du suggerieren?


Was ICH suggerieren will? Nichts, und Du? Menschenjagden im Osten?
Das ist eine schön einfache Verlagerung eines Problems, kaum anders im Geist als die Arschlöcher, die Du gerade ( zu Recht!! ) kritisiert hast.
Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft; wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit.
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