Berichterstattung von Seymour Hersh über außenpolitische Themen. Kritische Analyse seiner Arbeit.

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EinePerson
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Berichterstattung von Seymour Hersh über außenpolitische Themen. Kritische Analyse seiner Arbeit.

Beitragvon EinePerson » So 8. Jul 2018, 09:48

Ich möchte eine Diskussion in diesen Faden ausgliedern, welche hier startete:

EinePerson hat geschrieben:(24 May 2018, 16:07)

Seymour Hersh schrieb ...



Ursprünglich sollte ein Artikel von Seymour Hersh lediglich als Gesprächsgrundlage dienen, es entwickelte sich dann jedoch eine Diskussion über Seymour Hersh als Journalist daraus. Diese Diskussion wurde leider in dem besagten Faden leider abgebrochen. Deshalb soll sie hier weiter geführt werden.


Hallo SirToby,

I. Hersh und der Iran

1.
SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)

Januar 2005 berichtet Hersh von einer kurz bevorstehenden Krieg der USA gegen den Iran. Wie wir heute wissen, ist der halt nicht erfolgt
https://www.newyorker.com/magazine/2005 ... oming-wars



In diesem Artikel wird an keiner Stelle gesagt, dass ein Krieg bevorstehen würde. Es wird noch nicht mal gesagt, dass eine solche Entscheidung überhaupt getroffen worden wäre. Hersh beschreibt lediglich „contingency plans“ - das sind Pläne für den Fall, dass der Präsident/sein Stab entscheiden würde, dass sie den Iran angreifen/sabotieren wollten. Es hätte Forderung gegeben, dass solche Pläne ausgearbeitet werden sollten, sodass man sie im Falle eines Falles quasi innerhalb von wenigen Tagen umsetzen könnte. Das heißt aber nicht, dass sie jemals umgesetzt werden.

2.

SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)

Im Jahr 2006 dann dasselbe Bild, der bevorstehende Krieg gegen den Iran
https://www.newyorker.com/magazine/2006 ... iran-plans



Auch das stimmt nicht. Alles, was Hersh hier schreibt ist, dass die Planungen für den Fall eines Krieges schneller vorangetrieben werden, aber dass es noch keine Entscheidung für einen Angriff gäbe und möglicherweise nie geben wird. Auch in diesem Artikel wird nur von „contigency plans“ gesprochen.










3.



Hersh sagt ganz deutlich, dass es sich nur um Planungen für Eventualitäten handelt und es keinen Beschluss gäbe, den Iran anzugreifen.




4.



Schauen wir uns mal an, was wirklich in dem Artikel steht:


„Rep. Duncan Hunter, R-Calif., did not appear alarmed by Hersh's reporting.
"We have contingency plans around the world," Hunter, a presidential hopeful and the former chairman of the House Armed Services Committee, told CNN. "We had contingency plans with the Soviet Union, and we had specific targets. That didn't mean we were planning to attack the Soviet Union."“

Übersetzung:
"Wir haben "contingency plans" für alle Regionen dieser Welt", sagte Hunter, Präsidentschaftskandidat und ehemaliger Vorsitzender des "House Armed Services Committee" CNN. "Wir hatten "contingency plans für die Soviet Union und wir hatten ganz konkrete Ziele. Das bedeutete aber nicht, dass wir die Soviet Union angegriffen haben"

http://edition.cnn.com/2007/WORLD/meast ... index.html


Also genau das, was ich auch schon unter 1. und 2. schrieb.

Und um auf die journalistische Qualität des Artikels oder die journalistische Integrität des Autors zu sprechen zu kommen: In diesem CNN Artikel wird folgendes Zitat von Hersh benutzt:

„Inside the military, they are planning very seriously, at the president's request, to attack Iran.“

Übersetzung:

"Das Militär ist eifrig dabei einen Angriff auf den Iran zu planen, auf Anordnung des Präsidenten"

http://edition.cnn.com/2007/WORLD/meast ... index.html


Das erweckt den Eindruck, als ob Hersh sagen würde, dass ein Angriff quasi schon beschlossene Sache sei, oder? Schauen wir doch mal, wie sich die Interpretation von Hershs Aussage ändert, wenn man auch noch den folgenden Satz von Hersh mitliest, welcher in dem CNN Artikel ganz einfach ausgespart wurde:

„But inside the military, they are planning very seriously, at the president’s request, to attack Iran. And as I wrote in the article, one of the assignments they’d been given, contingency assignments — there is no operational order, no order to hit anything — but one of the contingency assignments would enable the president to at 2:00 in the afternoon say, “I want to hit,” and within 24 hours, targets would be struck — a 24-hour package.“

Übersetzung:

"Das Militär ist eifrig dabei einen Angriff auf den Iran zu planen, auf Anordnung des Präsidenten. Und wir ich in dem Artikel geschrieben habe, war eine der Aufgaben, die dem Militär aufgetragen wurde, "contingency assignments" (Planungen für den Notfall), es gibt keinen Einsatzbefehl, keinen Befehl irgendwas anzugreifen - lediglich Notfallplanungen, welche den Präsidenten in die Lage versetzen würden um 2 Uhr Nachmittags zu sagen "Ich will angreifen" und innerhalb von 24h könnten Ziele angegriffen werden - ein 24h Paket"

https://thinkprogress.org/hersh-bush-ad ... ef3ccb53e/


Und schon ist die Aussage eine komplett andere! CNN lässt es so erscheinen, als ob Hersh sagt, der Krieg sei beschlossen, tatsächlich sagt Hersh aber, dass es dabei lediglich um „contingency plans“ geht, also um Vorbereitungen auf Eventualitäten – eine Entscheidung für einen Angriff auf den Iran gäbe es also nicht, bzw er wüsste nichts davon. Das ist eine häufig verwendete Methode unserer Medien zur Manipulation der öffentlichen Meinung – es wird ganz einfach alles das ausgespart, was nicht zu dem Narrativ passt, das man transportieren möchte.


SirToby, sei mal ehrlich, du hast dir außer dem CNN Artikel nicht eine dieser Quellen durchgelesen beziehungsweise angesehen, oder? Lass mich raten,….du hast versucht etwas zu finden, um Hersh zu diskreditieren, hast dir vermutlich erst mal den Wikiartikel zu Hersh angesehen und den Absatz „Kritik“ , hast dort gelesen, dass er oft auf namentlich nicht genannte Quellen verweist und dir dann mit Google Artikel von Hersh gesucht die etwas mit Iran zutun haben ohne diese überhaupt zu lesen – liege ich richtig?

In keinem der Artikel, die du angibst, steht das, was du behauptest was drin stehen soll, auch tatsächlich drin. Damit fällt deine Beweisführung für Hershs häufige Fehlgriffe (oder sogar Lügen?) erst mal ins Wasser. Damit will ich nicht behaupten, dass alles was Hersh sagt wirklich zutrifft – ich glaube das wäre eine völlig utopische Erwartung an einen Journalisten oder irgend einen Menschen. Jeder kann sich mal irren, jeder kann man einen Fehler machen, oder einer schlechten Quelle auf den Leim gehen, die man für vertrauenswürdig hielt, oder die bisher immer vertrauenswürdig war, usw. Aber soweit bist du erst mal noch den Nachweis schuldig, dass Hersh ständig von bevorstehenden Angriffen auf den Iran geschrieben hätte und alle sich als Hoax heraugestellt hätten.


SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)

und dann wurde nochmal nachgelegt im Oktober...
https://www.newyorker.com/magazine/2007 ... ng-targets





In diesem Artikel schreibt Hersh, dass ihm Quellen sagen würden, dass das nächste strategische Ziel der Iran sei. Aber da wird kein Zeitpunkt eines möglichen Angriffes genannt, es wird nicht mal genau gesagt, was eigentlich die Handlung sein soll – Bombardierung? Infiltration und Sabotage? Regime change durch Gewalt, durch color revolution, durch Propaganda?

Lies dir die Quellen, die du verlinkst, auch selbst durch!



II. Hersh und Operation Chaos, Mockingbird, Shemrock

SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)
..
Von den beiden letztgenannten Aufklärungen höre ich zum ersten Mal, na gut war er halt ein 4Hit-Wonder. Obwohl ich nicht so wirklich genau weiss, warum es Aufklärung sein soll, herausgefunden zu haben, dass Geheimdienste die öffentliche Meinung zu Gunsten der Regierung beeinflussen suchen. Anscheinend muss man den George Polk Award wohl in Frage stellen, wenn er so was als Verdienst um eine grosse Aufklärung bezeichnet
..




Du betreibst Bagatellisierung und benutzt die Methode der Aussparung. Ich habe mehrere Aspekte genannt, die im Rahmen dieser Missionen gegen das Volk angewendet wurden. a) Zusammenarbeit mit Telekommunikationsunternehmen, um breite Lauschangriffe auf die Bevölkerung durchzuführen b) Verletzung des Briefgeheimnisses, indem massenweise Briefe von unbescholtenen Bürgern geöffnet wurde. c) Infiltration diverser Gruppen, z.B. Frauenrechtsbewegungen, Menschenrechtsbewegungen, die sich für die Gleichstellung und Rechte der Schwarzen einsetzten. Sähen von Streit und Zwietracht in diesen Gruppen d) Unterwanderung der Medien in Amerika sowie weltweit, um sie als Spione zu benutzen und als Propagandawerkzeug.

Das ist keine vollständige Liste! Das sind nur einige Punkte, dass du das alles verknappst auf „ Geheimdienste die öffentliche Meinung zu Gunsten der Regierung beeinflussen“ ist eine Aussparung und eine Bagatellisierung und soll diese Handlungen harmloser erscheinen lassen als sie sind. In einer Demokratie sollten die Medien unter anderem als 4. Macht fungieren, sie sollten die Bürger wahrheitsgemäß informieren, damit diese mündig sein können und informierte Entscheidung treffen können. Die Medien sollen auch die Regierung kontrollieren, indem sie über deren Handlungen vollständig und wahrheitsgemäß berichten, damit der Bürger weiß was Phase ist und danach handeln kann. Wenn die Medien aber stark unterwandert sind von Institutionen, die der Regierung unterstehen, dann ist diese Funktion offensichtlich mindestens beeinträchtigt oder wird womöglich nahezu gar nicht mehr wahr genommen – abhängig davon wie weitgehend die Unterwanderung geht. Der Bürger, der angewiesen ist auf die Medien, um Informationen zu erhalten, wird dadurch zum unmündigen Tölpel, der am Nasenring (Propaganda) durch die Arena gezerrt wird.

Sollte sich eine Regierung oder Regierungen dazu entschließen einen immer totalitäreren Staat aufzubauen, wäre es sehr fraglich ob und wie die Bevölkerung dagegen einen effektiven Widerstand aufbauen sollte – die Möglichkeiten zur Überwachung sind heute um ein beträchtliches höher als in den 50ern, 60ern, 70ern – wie soll die Bevölkerung sich abstimmen, ohne dass sie dabei überwacht wird und staatliche Gewalt jede Widerstandszelle schon im Keim erstickt? Würde es eine Medienlandschaft geben, welche ihre Aufgabe der Überwachung und Kontrolle der Regierung wirklich nachkommen würde, dann hätte es meiner Meinung nach z.B. weder den Krieg in Afghanistan und schon gar nicht den Krieg im Irak gegeben und viele andere Kriege, Konflikte ebenso wenig, auch wäre es bedeutend schwerer für Regierung das Volk hinters Licht zu führen – z.B. wie bei den Privatisierungen, bei denen Volksvermögen für Bruchteile vom Wert verscherbelt wurde und immer noch verscherbelt wird (siehe die kommende Autobahnprivatisierung, die Privatisierung von Schulen, von Aufgaben der Gemeindeverwaltung usw).

Ich finde es sehr erstaunlich, dass du nicht zu erkennen scheinst, wie weitreichend, destruktiv und gefährlich diese Handlungen von Seiten des Staates und seiner Organe (in dem Fall CIA in den USA) sind, welche Hersh ans Licht zerrte und wie bedeutend dieser Beitrag von Hersh war. Ich finde das sogar so erstaunlich, dass ich ehrlich gesagt dazu neige zu glauben, dass das nicht deine ehrliche Meinung ist, sondern du lediglich versuchst Hersh zu diskreditieren – aber das ist meine Meinung, ich kann mich irren.

Ich teile somit deine Einschätzung dieser Leistung Hershs nicht und darauf aufbauend deine Kritik am George Polk Award auch nicht. Es wirkt auf mich eher so, als wolltest du den George Polk Award diskreditieren, um damit die Anerkennung von Hersh ebenso zu minimieren (da ich erwähnte, dass niemand den George Polk Award so oft gewonnen hat wie Hersh).


III. Hersh und Chile

SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)
..
Ihm ist überhaupt keine Enthüllung geglückt, er hat nur mal wieder Gerüchte in die Welt gesetzt, die Beteiligung der USA am Putsch ist heute übrigens unbewiesen...
..



Hast du den Artikel überhaupt gelesen?
https://www.nytimes.com/1974/09/20/arch ... gence.html

Eine Zusammenfassung bzw. einige Auflistungen aus dem genannten Artikel (das ist kein Zitat, deshalb steht es auch nicht In Anführungszeichen!!!)

1.1) Hersh beschreibt in dem Artikel, wie die US Regierung über die CIA in den Jahren 1972 und 1973 mehrere Millionen Dollar ausgab, um Anti-Allende Bewegungen zu unterstützen.
1.2) Z.B. einen Lkw-Fahrer Streik, einen Taxi-Fahrer Streik in der Hauptstadt usw. Auf dem Höhepunkt 1973 waren mehr als 250 000 Lkw-Fahrer, Taxifahrer, Verkäufer und andere Arbeiter daran beteiligt, die weite Teile der Wirtschaft lahm legten, so Hersh.

2.1) Hersh schreibt weiter, dass Nixons Ziel, so seine Quellen, ein regime change war – Allende muss weg.
2.2) Hersh gibt die finanziellen Hilfen durch die CIA mit 7-8 Million $ an

3.1) Weiter schreibt Hersh, dass die CIA in fast allen politischen Parteien ihre Bezugspersonen hatte, dazu in Gewerkschaften, usw.
3.2) Ein großer Teil des Geldes der CIA floss zudem in Nachrichtenstationen für Propagandazwecke. Es reicht ja nicht aus nur Streiks zu organisieren und die Wirtschaft lahm zu legen, es muss auch landesweit darüber im rechten Licht berichtet werden, um die Regierung Allende dafür verantwortlich zu machen und schlecht dastehen zu lassen.

4) Im Frühling 1973 hätte die CIA ihre Beziehung zum chilenischen Militär formal beendet, weil sie herausgefunden hätten, dass dieses einen Putsch plant – inoffiziell hielten sie aber eine Zusammenarbeit „liaison“ aufrecht für Geheimdienstliche Zwecke.

Du bezeichnest das alles als Gerüchte, mal schauen ob wir einige dieser Gerüchte verifizieren können. Aber bevor wir das tun, ein kleiner Überblick über CIA Missionen in Chile von 1962 bis 1973. Die CIA hat viele Dokumente frei gegeben aber weigert sich bis heute mehrere hundert Dokumente zu veröffentlichen, die mit ihren Missionen in Chile in den Jahren 1962 bis 1973 zutun haben. Also was wir finden werden ist ein Teil des Puzzles aber nicht das ganze Bild! Es ist wichtig, das im Auge zu behalten.

Der Link verweist auf einen Bericht des US-Senates, welcher die bis dato veröffentlichten Dokumente einsah und darauf basierend einen Bericht verfasst hat.

https://nsarchive2.gwu.edu//news/20000919/01-03.htm

Hier eine Zusammenfassung, die ich angefertigt habe (das ist kein Zitat, deshalb steht es auch nicht In Anführungszeichen!!!)

Alle Unterstützungsmaßnahmen, die im Folgenden aufgelistet werden richteten sich gegen Allende und waren Unterstützungen der Gegenkandidaten, bzw. Gegenparteien.
1962: Finanzielle Unterstützung der Christlich Demokratischen Partei (PDC), in der Hoffnung Allende zu verhindern und Frei als Präsidenten ins Amt zu befördern. Finanzielle Unterstützung diverser ziviler Aktivistengruppen, um Propaganda zu verbreiten

1963: Finanzielle Unterstützung der Demokratischen Front für ihre Präsidentschaftskampagnie

1964: Propagandaprogramm für die Präsidentschaftswahl. Unterstützung der Radikalen Partei. Etwa 3 Millionen $ machte die CIA insgesamt locker, um Allende als Präs. zu verhindern.

1967: Geld für Propaganda in Radio und Nachrichtenmedien.

1968: Geld für Kandidaten für die Kongresswahl, um die Politik zu beeinflussen und Allende als Präs. zu verhidnern. Einrichtung eines Propaganda work shops.

1970: CIA Missionen („spoiling operations“), welche Allende als Präsident verhindern sollen, es ging um Propaganda, um Allende, Sozialismus, Kommunismus, etc zu diskreditieren

Track I: Allende gewann die Präsidentschaftswahl aber erhielt keine absolute Mehrheit. Die CIA versuchte den Kongress dahingehend zu bestechen, dass sie Allende nicht zum Präsidenten ernennen.

Track II: Wenn Track I nicht klappt, sollte die CIA einen Coup durchführen, um Allende als Präsidenten zu verhindern. Dazu wurde die CIA beauftragt Kontakte zu hochrangigen chilenischen Militärs herzustellen, die bereit wären einen Putsch durchzuführen.

Nixon machte 10 Millionen $ locker und weis die CIA an eine Präsidentschaft Allende unbedingt zu verhindern, die CIA solle jedoch auf keinem Fall dem US Außenministerium oder der Us Botschaft darüber informieren. Die CIA drängte Frei dazu seinen Einfluss zu benutzen, um Angehörige des chilenischen Militärs davon zu überzeugen eine neue Regierung zu formen. Die CIA selbst kontaktierte mehrere Angehörige der chilenischen Armee und der Polizei, um sie davon zu überzeugen einen militärischen Coup durchzuführen.

1971-1972: Millionen Dollar wurden in die Oppositionsparteien investiert (z.B. PDC, National Party, Democratic Radical Party, etc), , dazu unterstützte die CIA militante rechtsextreme Organisationen, um eine Präsidentschaft Allende zu verhindern und Spannungen in der Gesellschaft zu erzeugen.

Die CIA arbeitete mit 3 verschiedenen Gruppen zusammen, welche einen Coup planten und jede dieser Gruppen machte ihre Position klar, dass dies beinhalten würde den Oberbefehlshaber der chilenischen Armee, Rene Schneider zu entführen, da dieser ein starker Befürworter der Verfassung war und der Meinung war, dass die Armee nicht verhindern dürfe, dass Allende sein Amt antritt. Die CIA stimmte mit dieser Einschätzung überein und war mit der Entführung einverstanden. Die CIA bewaffnete eine der Gruppen, brach den Kontakt mit einer anderen wegen ihrer extremen Ansichten ab. Schneider wurde bei der versuchten Entführung getötet.

Der ehemalige Armee General Viaux war einer der einflussreichsten Planer eines militärischen Coups gegen Allende, ihm waren mehrere Unteroffiziere und „junior officers“ ergeben, außerdem hatte er gute Kontakte zu mehreren rechtsextremen Gruppierungen. Es war Viaux Gruppe, welche Schneider entführte und tötete. Die CIA zahlte daraufhin dieser Gruppe 35 000 $ - behauptet gleichzeitig, dass beides nichts miteinander zu tun hätte, man hätte das Geld nur gezahlt, um den Kontakt zu dieser Gruppe geheim zu halten, weiterhin gute Beziehungen mit ihr aufrecht zu erhalten und nun kommt‘s….und aus humanitären Gründen! Oooook….das muss nun jeder für sich entscheiden, ob er das glauben will.

1973: Eine weitere Million Dollar wurde den Oppositionsparteien zur Verfügung gestellt, womit die finanzielle Unterstützung für die Oppositionsparteien sich während der Präsidentschaft Allendes auf 6.5 Million Dollar belief.

1973: Die CIA hatte im Voraus Kenntnisse darüber, dass ein Coup gegen Allende kurz bevorstand. Sie legte ihre Verbindungen zum Militär auf Eis und untersagte, aktiv daran teil zu nehmen. Die CIA hatte Kenntnisse, dass Pinochet nach Allendes Tod anfing politisch Andersdenkende zu verfolgen und eine extreme Vorgehensweise gegen sie an den Tag legte. Nach Pinochets Machtübernahme hat die CIA Propaganda betrieben, um in den chilenischen Bevölkerung ein positives Bild von Pinochet und seiner Militärjunta zu erzeugen. Die CIA wusste davon, dass Pinochet plante politische Opponenten zu ermorden.


Historische Hintergründe:
Nach der kubanischen Revolution kam der Kommunismus auch in Amerika an, tausende chilenische Militärangehörige gingen in die USA und wurden dort politisch indoktriniert und ausgebildet. Die US Regierung war der Meinung, dass ein sozialistischer Präsident Allende den US Interessen sehr gefährlich werden könnte. Nixon und Kissinger waren überzeugt davon, dass Allende als Präsident verhindert werden muss. Nixon und Kissinger haben verfügt, dass die chilenische Wirtschaft schwer geschädigt werden müsse („make the economy scream“), um das Volk und Personen, die man dazu bewegen könnte einen Coup durchzuziehen, gegen Allende aufzubringen und ihn als Präsidenten zu verhindern. Dokumente zeigen, dass das US Militär seine Zusammenarbeit mit und Waffenverkäufe an das chilenische Militär am stärksten ausbauten in den Jahren der größten Menschenrechtsverletzungen durch Pinochets Militärjunta. Ein Memorandum offenbare, dass Kissinger 1976 zu Pinochet sagte, dass die US Regierung Pinochet wohlgesonnen sei.



Trotz der vielen und extremen Menschenrechtsverletzungen durch den chilenischen Geheimdienstchef Contreras, von denen die CIA wusste, unterhielten sie Kontakte zu ihm und überwiesen ihm auch Geld – eine Einmalzahlung, deren Höhe nicht genannt wird und über welche die CIA behauptet, dass es sich dabei nur im ein Missverständnis gehandelt hätte. Es gibt keine Berichte darüber, dass das Geld zurückgefordert wurde. Das macht diese Behauptung nicht unbedingt glaubwürdiger.

Es ist sehr interessant sich noch den Rest des Dokumentes anzusehen, ich werde jedoch den Rest nicht hier zusammenfassen.


Also, nach Angaben der CIA selbst war es ein dringliches Ziel der US Regierung, Allende zuerst als Präsidenten zu verhindern und als das nicht gelang, ihn als Präsidenten zu entfernen. Es wurden mehrere Millionen $ investiert, um Oppositionsparteien zu preppen, Politiker zu bestechen, Propaganda zu verbreiten, die chilenische Wirtschaft zu schädigen, um Volk und mögliche Coup Plotter gegen Allende aufzubringen. Kontakte wurden geknüpft zu Militär (diese wurden sogar in den USA ausgebildet) und rechtsextremen, militanten, gewalttätigen Gruppen, um einen Coup durchzuführen und allgemein durch nicht näher genannte Operationen dieser Gruppen eine angespannte Situation in Chile herzustellen. Die Cia gibt selbst zu, dass sie ihr ok gab für die Entführung von Schneider und dass Schneider ein maßgebliches Hindernis für einen Coup gegen Allende war, sie zahlte nach dem Mord an Schneider den Mördern 35 000 Dolar. Die Unterstützung der Opposition und die Propaganda lief nicht nur bis zu Allendes Sturz sondern danach noch weiter, um Pinochet zu stützen. Das heißt, die CIA hat nicht nur Leute zum putschen animiert (bewiesen in den Jahren bis 1970-anfang 1971), sondern auch ein allgemeines Klima hergestellt, in welchem ein Putsch begünstigt wurde (Propaganda, Ökonomie sabotiert) und nach dem militärischen Putsch hat die USA Beziehungen unterhalten zu den Putschisten!

Nein, ich habe noch keine Beweise gesehen, dass die CIA oder das US Militär durch Waffengewalt an dem Putsch teilgenommen hat, aber deshalb zu behaupten, dass sie CIA zu dem gewaltsamen Umsturz nicht beigetragen hat ist in Anbetracht dessen, was die CIA selbst zugibt gerade zu grotesk. Und ich will nochmal hinzufügen, dass bisher noch nicht alle CIA Dokumente diesbezüglich veröffentlicht wurden – und es wird seine Gründe haben, wieso die CIA sich weigert, diese zurück zu halten!

Behauptungen 1.1, 2.1, 3.2, 4 von Hersh ist durch den Senatsreport bewiesen. Behauptung 2.2 kommt auch in etwa hin.
Behauptung 3.1: Es wird von der CIA angegeben, dass es sehr umfangreiche Unterstützung für die Oppositionsparteien gab – Gruppen wie Gewerkschaften werden in dem Senatsbericht nicht erwähnt. Allerdings ist der Senatsbericht auch keine vollständige Aufzählung, sondern ein Übersichtsbericht.
Behauptung 1.2: Es gibt keine Bestätigung dafür im Bericht, allerdings eine Bestätigung dafür, dass Nixon verordnet hat, dass die chilenische Wirtschaft sabotiert werden soll „make the economy scream“ - welche genauen Maßnahmen dazu ergriffen wurden wird nicht angegeben.


SirToby, damit steht deine Behauptung, Hersh hätte diesbezüglich nur mal wieder Gerüchte in die Welt gesetzt auf sehr wackligen Beinen, bzw. sie ist widerlegt – vieles von dem, was er schrieb ist später bestätigt worden, manches konnte ich noch nicht bestätigt finden. Was aber weder bedeutet, dass es keine Bestätigung gibt (ich kenne ja nicht alle Dokumente, die verfügbar sind), noch, dass diese Aussagen falsch wären.

Ebenso ist deine Aussage, dass die CIA nicht zu dem Gewaltsamen Umsturz beigetragen hätte ebenso widerlegt.

Damit ist Hersh mindestens schon ein 5-Hit-Wounder. Zwischenfrage: Ab welchem Wert von x hörst du auf Hersh ein x-Hit-Wounder zu nennen und bist bereit seine außergewöhnliche journalistische Leistung zu würdigen?


IV. Rest

SirToby hat geschrieben:(27 May 2018, 07:00)
..
Eine ganze Menge Behauptungen, die allesamt durch was gedeckt sind, anonyme Informanten... die letzte Auszeichnung ist angesichts Hershs Iran-Berichterstattung geradezu grotesk...
..



Hast du dir die Artikel, auf die sich deine Aussage bezieht, überhaupt gelesen? Hast du geprüft, ob sie sich als wahr herausgestellt haben, so wie ich das mit Hershs CIA-Chile Artikel gemacht habe? Ich habe den Eindruck, dass du dich wenig mit dem beschäftigst, worüber du urteilst, sondern hauptsächlich aufgrund von Vorurteilen urteilst.
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Re: Berichterstattung von Seymour Hersh über außenpolitische Themen. Kritische Analyse seiner Arbeit.

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 20. Jul 2018, 11:55

Es wäre vielleicht gut, zunächst mal die Rolle und Bedeutung von SH zu begründen. Vielen hier dürfte er unbekannt sein.
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