Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

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Wähler
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Wähler » Di 9. Okt 2018, 15:51

Die privaten Haushalte haben auch Alternativen zum Geldsparen, also zum Sparen in Geldwerten. Der Erwerb von Sachwerten, Immobilienanteile über Wohnungsbaugenossenschaften und Aktienfondsanteilen, könnte gerade in der jetzigen Niedrigzinszeit nicht nur mikroökonomisch Probleme lösen.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon zollagent » Di 9. Okt 2018, 17:11

Ich frage mich sowieso, auf welche Aussage diese Schuldenbehauptung überhaupt hinsteuern soll.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Skull » Di 9. Okt 2018, 17:13

zollagent hat geschrieben:(09 Oct 2018, 18:11)

Ich frage mich sowieso, auf welche Aussage diese Schuldenbehauptung überhaupt hinsteuern soll.

Ist doch einfach...

Jederzeit und in allen Lagen...die Verschuldung ausweiten.
Jederzeit und in allen Lagen...die Zinsen niedrig halten.

Das waren in meiner Erinnerung @Hellmann's Thesen.
Über 15 Jahre...und unabhängig verschiedenster volkswirtschaftlicher Situationen in dieser Zeit.

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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon zollagent » Di 9. Okt 2018, 17:16

Skull hat geschrieben:(09 Oct 2018, 18:13)

Ist doch einfach...

Jederzeit und in allen Lagen...die Verschuldung ausweiten.
Jederzeit und in allen Lagen...die Zinsen niedrig halten.

Das waren in meiner Erinnerung @Hellmann's Thesen.
Über 15 Jahre...und unabhängig verschiedenster volkswirtschaftlicher Situationen in dieser Zeit.

mfg

Das Ganze muß doch auch eine Konsequenz haben. Und danach habe ich eigentlich gefragt. Sorry, wenn ich undeutlich formuliert haben sollte.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Maikel » Di 9. Okt 2018, 17:47

Hellmann hat geschrieben:(09 Oct 2018, 14:11)
Kapiert Ihr jetzt, zu welchem Zweck bei uns die Schuldenbremse propagiert und in das Grundgesetz geschrieben wurde?

Das ist die vorsätzlich angestrebte nächste Wirtschaftskrise

Ganz bestimmt nicht!

Als einen wesentlichen Grund für die Schuldenbremse sehe ich an, daß die meisten Politiker immer noch viel zu wenig Überblick über die Zusammenhänge haben und sich verhalten wie die sprichwörtliche "schwäbische Hausfrau", nach dem Motto "Schulden sind schlecht; möglichst gar keine Schulden."

Nur das Staatsdefizit kann dem Privaten das Geldsparen (im Saldo) ermöglichen!

Da könnte höchstens dann ein Schuh draus werden, wenn man davon ausgeht, daß die meisten Deustchen ihr Geld "sicher", also möglichst risikolos anlegen wollen. Dafür sind am besten deutsche Staatsanleihen etc. geeignet, ggf. indirekt über Banken, Versicherungen usw.
Für diesen Teil der Geldanlage sind tatsächlich staatliche Schulden eine wesentliche Voraussetzung.

Aber sicherlich nicht so allgemein, wie von dir behauptet.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon zollagent » Di 9. Okt 2018, 18:01

Maikel hat geschrieben:(09 Oct 2018, 18:47)

Ganz bestimmt nicht!

Als einen wesentlichen Grund für die Schuldenbremse sehe ich an, daß die meisten Politiker immer noch viel zu wenig Überblick über die Zusammenhänge haben und sich verhalten wie die sprichwörtliche "schwäbische Hausfrau", nach dem Motto "Schulden sind schlecht; möglichst gar keine Schulden."


Da könnte höchstens dann ein Schuh draus werden, wenn man davon ausgeht, daß die meisten Deustchen ihr Geld "sicher", also möglichst risikolos anlegen wollen. Dafür sind am besten deutsche Staatsanleihen etc. geeignet, ggf. indirekt über Banken, Versicherungen usw.
Für diesen Teil der Geldanlage sind tatsächlich staatliche Schulden eine wesentliche Voraussetzung.

Aber sicherlich nicht so allgemein, wie von dir behauptet.

Und auch das wäre nicht "risikolos". Dazu schaue man sich diejenigen an, die vor 1923 Staatsanleihen gezeichnet haben. Die konnten mit Anleihen in Millionenhöhe bestenfalls noch ein Brot kaufen.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon z4ubi » Di 9. Okt 2018, 22:27

Hellmann hat geschrieben:Der Denkfehler liegt darin, dass die Zinsen nicht unter Null fallen können, um die Deflation der Preise, die wegen der Arbeitslosigkeit sinkenden Löhne und das allgemeine Risiko der Verschuldung wegen der unsicheren Zukunft auszugleichen. Darum kann nur der Staat die Ökonomie retten, die Märkte können es nicht, wie ja ab 1929 zu erleben war.


Ja, die Märkte könnten es schon. Aber sie tun es nicht, weil sich in der Krise zu verschulden aus Sicht des einzelnen Unternehmens ein zu hohes Risiko darstellt.

franktoast hat geschrieben:Solange die Geldmenge zB. von der Zentralbank entsprechend erhöht wird, gibt es keine Deflation. Vormiraus auch durch Käufe oder Verschenken, damit der böse Zins nicht dabei ist.


Genau deshalb bietet sich der Staat als Kriesenretter an, wenn er sich in seiner eigenen Währung verschuldet. Denn wenn die Zentralbank die Staatsanleihen hält, zahlt der Staat die Zinsen an die eigene Zentralbank. ;)


Hellmann hat geschrieben:(09 Oct 2018, 14:11)

Kapiert Ihr jetzt, zu welchem Zweck bei uns die Schuldenbremse propagiert und in das Grundgesetz geschrieben wurde?

Das ist die vorsätzlich angestrebte nächste Wirtschaftskrise und der Bürger kapiert es nicht.



Naja, wenn man irgendwas Gutes in der Schuldenbremse sehen will, dann, dass es gestattet ist in Notlagen vom Bremspedal zu gehen.
Spätestens, wenn die dt. Autoindustrie Hilfe braucht, wird die Abwrackprämie 2.0 aus der Schublade gezogen. ;)


Maikel hat geschrieben:Als einen wesentlichen Grund für die Schuldenbremse sehe ich an, daß die meisten Politiker immer noch viel zu wenig Überblick über die Zusammenhänge haben und sich verhalten wie die sprichwörtliche "schwäbische Hausfrau", nach dem Motto "Schulden sind schlecht; möglichst gar keine Schulden."


Das wird es wohl sein. Wird man spätestens bei den künftigen Euroreformen sehen (falls sie überhaupt kommen werden).
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon unity in diversity » Di 9. Okt 2018, 23:13

Wer für eine grössere Anschaffung spart, muss temporär unter seinen Verhältnissen leben, bis er das Geld zusammen hat.
Wer es nicht abwarten kann, verschuldet sich. Lebt also über seinen Verhältnissen. Um den Kredit abzuzahlen, lebt er temporär unter seinen Verhältnissen.
Es sparen nicht alle gleichzeitig, oder verschulden sich. Es hebt sich in seinen Wirkungen auf.
Erst wenn ein Trend die Mehrheit erfasst, muss reagiert werden. Meistens wurde an der Zinsschraube gedreht, um inflationäre, oder deflationäre Verfestigungen zu verhindern.
Aktuell fällt die Möglichkeit, die Zinsen zu senken, aus. Sparen zu viele Menschen, oder welche Ursache sollte man in Betracht ziehen?
Wenn jeder in den Käuferstreik zieht, um Geld zu stapeln, kann es tatsächlich passieren, dass nicht nur die Autofirma pleite ist, bevor alle ihr Geld für das neue Auto gespart haben.
Jetzt soll der Staat in die Bresche springen und sich verschulden. Was macht er mit dem Kredit?
Kauft er nicht nur die Autohalden auf und hält alles solange vor, bis die Sparer soweit sind?
Für jedes Problem gibt es 2 Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon z4ubi » Mi 10. Okt 2018, 06:11

unity in diversity hat geschrieben:(10 Oct 2018, 00:13)
Wenn jeder in den Käuferstreik zieht, um Geld zu stapeln, kann es tatsächlich passieren, dass nicht nur die Autofirma pleite ist, bevor alle ihr Geld für das neue Auto gespart haben.
Jetzt soll der Staat in die Bresche springen und sich verschulden. Was macht er mit dem Kredit?
Kauft er nicht nur die Autohalden auf und hält alles solange vor, bis die Sparer soweit sind?


Wenn die Autofirma "systemrelevant" ist (mehrere Firmen drohen in Folge pleite zu gehen -> Massenarbeitslosigkeit), sollte der Staat sie retten.
In dem Beispiel würde es wohl reichen, wenn er die Schulden der Autofirma übernimmt und ihr damit mehr Zeit verschafft.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon franktoast » Mi 10. Okt 2018, 07:10

z4ubi hat geschrieben:(09 Oct 2018, 23:27)
Genau deshalb bietet sich der Staat als Kriesenretter an, wenn er sich in seiner eigenen Währung verschuldet. Denn wenn die Zentralbank die Staatsanleihen hält, zahlt der Staat die Zinsen an die eigene Zentralbank. ;)

Ja und der Staat bekommt wiederum die Gewinne, die die Zentralbank macht. Auch bei der FED in den USA, obwohl die Institution ansich aus privaten Banken besteht. Der Sinn dahinter ist, dass Zentralbanken zumindest in der Theorie politisch unabhängig sein sollten und Schulden nun mal Geld kosten sollten. Das schafft Vertrauen in die Währung und zügelt Staaten bei ihren Ausgaben. Ein einfaches und bewährtes Prinzip, um hohe und somit schädliche Inflationensraten zu verhindern.

Die Zentralbanken haben das Ziel der Preisstabilität. Also eine Inflationsrate von 2%. Politiker haben andere Ziele, in der Regel Geschenke, um Wähler für sich zu gewinnen. Gelddrucken und Geldausgeben zu trennen macht soviel Sinn wie die Gewaltenteilung.
Ein freier Mensch muß es ertragen können, daß seine Mitmenschen anders handeln und anders leben, als er es für richtig hält, und muß sich abgewöhnen, sobald ihm etwas nicht gefällt, nach der Polizei zu rufen.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon BlueMonday » Mi 10. Okt 2018, 12:23

Man könnte auch einen x-bliebig benannten Akteur herausnehmen und dann sagen, dass der sich "im Saldo verschulden muss", wenn der Rest als Aggregat im Plus sein will. Also Tante Hilde aus Buxtehude muss 1000 Euro im Minus sein, damit der Rest 1000 Euro im Plus sein kann. Tja, und wenn die Tante Hilde das nicht will, dann sieht es duster aus... Deflationsschreckgespenster gehen um, Krisen ziehen am Horizont auf, die armen Sparer, die nicht sparen können, nur weil Tante Hilde sich verweigert! Dieses ganze Denken ist schon befremdlich.

Mal ein anderes Bespiel:
Bauer H. wacht eines Morgens auf und hat die abseitige Eingebung, dass er ja auch Kartoffeln anbauen könnte. Dabei gibt es auf dem Markt schon Kartoffeln noch und nöcher und vor allem günstig. Aber das interessiert ihn nicht. Er baut an. Er kann natürlich nicht so günstig produzieren wie die anderen. Niemand braucht diese zusätzlichen Kartoffeln. Ein Problem ist entstanden. Die easy-money-Fraktion tritt nun auf den Plan und meint, wenn die Menschen mehr Geld hätten, dann würden sie dem Bauern H auch seine teureren Kartoffeln abkaufen. Also soll der Staat einspringen (falls Tante Hilde sich immer noch beharrlich weigert) und die Kartoffeln kaufen, am besten indem er sich verschuldet und frisches Geld dadurch in die Wirtschaft strömt...

Tatsächlich werden durch so eine "Lösung" Ressourcen verbrannt. Bauer H. erzeugt Kartoffeln, die völlig unwichtig sind und ganz weit unten rangieren, und dies mit Ressourcen, die besser anders verwendet werden sollten als für diese zusätzlichen Kartoffeln. Aber diese Einsicht wird verdeckt durch die künstliche Kredit(geld)ausweitung.
But who would build the roads?
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon z4ubi » Mi 10. Okt 2018, 12:41

BlueMonday hat geschrieben:(10 Oct 2018, 13:23)

Man könnte auch einen x-bliebig benannten Akteur herausnehmen und dann sagen, dass der sich "im Saldo verschulden muss", wenn der Rest als Aggregat im Plus sein will. Also Tante Hilde aus Buxtehude muss 1000 Euro im Minus sein, damit der Rest 1000 Euro im Plus sein kann. Tja, und wenn die Tante Hilde das nicht will, dann sieht es duster aus... Deflationsschreckgespenster gehen um, Krisen ziehen am Horizont auf, die armen Sparer, die nicht sparen können, nur weil Tante Hilde sich verweigert! Dieses ganze Denken ist schon befremdlich.

Mal ein anderes Bespiel:
Bauer H. wacht eines Morgens auf und hat die abseitige Eingebung, dass er ja auch Kartoffeln anbauen könnte. Dabei gibt es auf dem Markt schon Kartoffeln noch und nöcher und vor allem günstig. Aber das interessiert ihn nicht. Er baut an. Er kann natürlich nicht so günstig produzieren wie die anderen. Niemand braucht diese zusätzlichen Kartoffeln. Ein Problem ist entstanden. Die easy-money-Fraktion tritt nun auf den Plan und meint, wenn die Menschen mehr Geld hätten, dann würden sie dem Bauern H auch seine teureren Kartoffeln abkaufen. Also soll der Staat einspringen (falls Tante Hilde sich immer noch beharrlich weigert) und die Kartoffeln kaufen, am besten indem er sich verschuldet und frisches Geld dadurch in die Wirtschaft strömt...

Tatsächlich werden durch so eine "Lösung" Ressourcen verbrannt. Bauer H. erzeugt Kartoffeln, die völlig unwichtig sind und ganz weit unten rangieren, und dies mit Ressourcen, die besser anders verwendet werden sollten als für diese zusätzlichen Kartoffeln. Aber diese Einsicht wird verdeckt durch die künstliche Kredit(geld)ausweitung.


Der Staat muss hier nur "hart" eingreifen, wenn durch die Insolvenz des Bauern eine Wirtschaftskrise drohen würde.
Eleganter wäre es wenn der Staat für Anreize sorgt, die eine Kartoffelüberproduktion verhindern.

Außerdem kann der Staat über Steuern das Geld auch wieder zurückholen, wenn er meint, dass es an der Zeit wäre.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 10. Okt 2018, 13:48

Hellmann hat geschrieben:(09 Oct 2018, 14:55)

Genau das habe ich doch behauptet: Wenn die Privaten im Saldo kaum Geld sparen und selber ausreichend Schulden machen, braucht der Staat sich auch nicht für das Geldsparen der Privaten zu verschulden und die Verschuldung ist moderat. Aber das kann sich halt ändern, dann muss der Staat sein Defizit erhöhen.


Die Türkei als Staat hat sich aber nicht verschuldet. Die Banken haben zuviel Kredite an Privatleute verliehen. Für diese Kredite brauchen die Banken aber keine Spareinlagen. Sie brauchen keinen Staat der ihnen Geld gibt damit es weiterverliehen werden kann. Das läuft ganz nders. Sie schöpfen dass Geld. Aus dem Nichts. Und genau dadurch ist über viele Jahre die türkische Wirtschaft am laufen gehalten worden. Nur hat man jetzt ein Geldmengenproblem. Eigentlich schon länger aber durch die Ereignisse in und um die Türkei in den letzten 2-3 Jahren ist die Konjunktur eingebrochen. Firmen gehen pleite. Ausländische Firmen wandern ab. Das Exportdefizit weitet sich aus. Es gibt also zuviel Lira und zuwenig Dollar. So kommt es zur Inflation.

Deine Annahmen über Einlagen und Schulden sind also völlig falsch. Trenne dich von ihnen. Spareinlagen sind nett damit die Banken auch ein wenig Eigenkapital haben. Sie spielen aber nicht die große Rolle die du ihnen einräumst.
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...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Dampflok94 » Mi 10. Okt 2018, 22:11

Hellmann hat geschrieben:(09 Oct 2018, 14:11)
Kapiert Ihr jetzt, zu welchem Zweck bei uns die Schuldenbremse propagiert und in das Grundgesetz geschrieben wurde?

Das ist die vorsätzlich angestrebte nächste Wirtschaftskrise und der Bürger kapiert es nicht.

Wer strebt denn nun warum diese nächste Wirtschaftskrise an?
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon unity in diversity » Mi 10. Okt 2018, 23:57

Alter Stubentiger hat geschrieben:(10 Oct 2018, 14:48)

Die Türkei als Staat hat sich aber nicht verschuldet. Die Banken haben zuviel Kredite an Privatleute verliehen. Für diese Kredite brauchen die Banken aber keine Spareinlagen. Sie brauchen keinen Staat der ihnen Geld gibt damit es weiterverliehen werden kann. Das läuft ganz nders. Sie schöpfen dass Geld. Aus dem Nichts. Und genau dadurch ist über viele Jahre die türkische Wirtschaft am laufen gehalten worden. Nur hat man jetzt ein Geldmengenproblem. Eigentlich schon länger aber durch die Ereignisse in und um die Türkei in den letzten 2-3 Jahren ist die Konjunktur eingebrochen. Firmen gehen pleite. Ausländische Firmen wandern ab. Das Exportdefizit weitet sich aus. Es gibt also zuviel Lira und zuwenig Dollar. So kommt es zur Inflation.

Deine Annahmen über Einlagen und Schulden sind also völlig falsch. Trenne dich von ihnen. Spareinlagen sind nett damit die Banken auch ein wenig Eigenkapital haben. Sie spielen aber nicht die große Rolle die du ihnen einräumst.

Wird das aus dem Nichts geschaffenen Geld im Rahmen der Kreditrückzahlung wieder ausgebucht?
Wenn es durch dieses "Geld" tatsächlich zur Wertschöpfung kommt, könnte die Bank die Rückzahlungen natürlich auch als Einnahmen verbuchen.
Anderenfalls es ein Beitrag zur Blasenbildung wäre.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Hellmann » Do 11. Okt 2018, 06:51

Maikel hat geschrieben:(09 Oct 2018, 18:47)
Da könnte höchstens dann ein Schuh draus werden, wenn man davon ausgeht, daß die meisten Deustchen ihr Geld "sicher", also möglichst risikolos anlegen wollen. Dafür sind am besten deutsche Staatsanleihen etc. geeignet, ggf. indirekt über Banken, Versicherungen usw.
Für diesen Teil der Geldanlage sind tatsächlich staatliche Schulden eine wesentliche Voraussetzung.

Aber sicherlich nicht so allgemein, wie von dir behauptet.

Es geht darum, dass das Sparen von Geld makroökonomisch die den Sparplänen entsprechende Verschuldung anderer Haushalte erfordert, damit die Haushalte sich nicht gegenseitig ins Elend sparen. Nur der Staat kann seine Verschuldung am Bedarf der Geldsparer orientieren.

Aber grundsätzlich ist es natürlich besser, die Geldsparer mit anderen Mitteln zu entmutigen, wie etwa eine leichte Inflation, niedrige Nominalzinsen und einen negativen Realzins, vor allem aber ein Sozial- und Rentensystem, das privates Vorsorgen durch Geldsparen und Sparen überhaupt unnötig werden lässt. Dazu kann man noch die private Verschuldung fördern, wie etwa Investitionen von Firmen auf Kredit oder die privaten Häuslebauer, wie bis zur Finanzkrise, anstatt den Immobilienmarkt mit Hochzinspolitik der Notenbanken in einen Crash zu treiben.

Es geht um die makroökonomischen Gesetze, nicht um den Wunsch der Sparer, Staatsanleihen zu kaufen. ;)
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Hellmann » Do 11. Okt 2018, 07:00

Dampflok94 hat geschrieben:(10 Oct 2018, 23:11)

Wer strebt denn nun warum diese nächste Wirtschaftskrise an?

Das sind die Neoliberalen, die ständig mit ihrer Politik das private Geldsparen fördern wollen und gleichzeitig die Verschuldung der Staaten verteufeln. Die Neoliberalen behaupten dann, dass an den Folgen ihrer Politik, also an den Wirtschaftskrisen, die faulen Arbeitslosen, die überhöhten Löhne und die Belastung der Wirtschaft durch den Sozialstaat schuld wären. Außerdem wären die Profite noch immer zu niedrig und die Ausbeutung der Arbeiter würde sich einfach nicht genug rentieren, so die Neoliberalen nach jeder Wirtschaftskrise, die von ihrer Hochzinspolitik mit voller und böser Absicht verursacht wurde.

Die Neoliberalen haben auch die Schuldenbremsen propagiert und warten nur darauf, damit die nächsten Krisen auslösen zu können.

Und die Neoliberalen können das ganze Elend nur deshalb immer wieder verursachen, weil die braven Bürger zu blöde sind, die ökonomischen Zusammenhänge zu verstehen. Das geht seit mindestens zwei Jahrhunderten so.

Kapiert es endlich, dann ist es für immer vorbei mit dem Neoliberalismus.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Realist2014 » Do 11. Okt 2018, 08:14

Hellmann hat geschrieben:(11 Oct 2018, 07:51)


s, vor allem aber ein Sozial- und Rentensystem, das privates Vorsorgen durch Geldsparen und Sparen überhaupt unnötig werden lässt. ;)



diesen Zusammenhang hätte ich gerne mal erläutert...

also inwieweit die GKV, die Pflegeversicherung und die Arbeitslosenversicherung etwas mit "Sparen" zu tun haben

Und welches "Rentensystem" nun das individuelle Vorsorgen für das eigene Alter überflüssig machen soll...

Weiter hin wäre mal eine klare DEFINITION, was du eigentlich unter "sparen" verstehst, sehr hilfreich für die weitere Diskussion

Also fällt da für dich unter "sparen" lediglich die "Anhäufung" " von Geld in Form von Sparguthaben etc.?

Oder gehört dazu auch die Bildung von Realvermögen in Form von Immobilien & Aktien, Aktienfonds, Fondsbasierte LV, Fonds &Aktienbaiserte RV etc.?
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon Realist2014 » Do 11. Okt 2018, 08:19

Hellmann hat geschrieben:(11 Oct 2018, 08:00)

. Außerdem wären die Profite noch immer zu niedrig und die Ausbeutung der Arbeiter würde sich einfach nicht genug rentieren, so die Neoliberalen nach jeder Wirtschaftskrise, die von ihrer Hochzinspolitik mit voller und böser Absicht verursacht wurde.

Die Neoliberalen haben auch die Schuldenbremsen propagiert und warten nur darauf, damit die nächsten Krisen auslösen zu können.

Und die Neoliberalen können das ganze Elend nur deshalb immer wieder verursachen, weil die braven Bürger zu blöde sind, die ökonomischen Zusammenhänge zu verstehen. Das geht seit mindestens zwei Jahrhunderten so.

Kapiert es endlich, dann ist es für immer vorbei mit dem Neoliberalismus.



das klingt jetzt aber schon sehr stark "ideologisch verzerrt"- um nicht zu schreiben "alte Klassenkampfparolen"...

Auch hier die Frage nach deinem Verständnis von "Neoliberal"....

vielleicht mal deine Sichtweise zu der notwendigen Ausgewogenheit zwischen den "Erträgen" der Produktionsfaktoren Kapital ( = Eigenkapitalrendite der Unternehmen) und dem Produktionsfaktor Arbeit( Lohn & Gehalt), so dass DU dann nicht mehr von "Ausbeutung" schreiben würdest.
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Re: Der Staat muss sich für den Saldo der Geldsparpläne der Privaten verschulden

Beitragvon z4ubi » Do 11. Okt 2018, 08:47

Naja hinter 2008er Krise war sich mehr als nur eine verfehlte Zinspolitik.

Wenn allerdings alle paar Jahre die Schuldengrenze in den USA hochgeschraubt werden muss, sollte das allen Beteiligten doch mal zu denken geben, ob das wirtschaftstheoretische Konstrukt dahinter vielleicht etwas daneben liegt ;)




franktoast hat geschrieben:(11 Oct 2018, 09:10)

Naja, die Forderung nach Geld verschwindet. So wie wenn du dir einen Fernseher von Amazon bestellst. Dadurch entsteht eine Forderung nach einem Fernseher - "aus dem nichts".Kommt der Fernseher bei dir an, wird die Forderung nach dem Fernseher vernichtet...


Ja, nur die Zinszahlungen, die im Laufe der Zeit zusammengekommen sind, werden nicht vernichtet,
was soweit aber kein wirkliches Problem darstellt.

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