Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

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Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Mo 8. Okt 2018, 16:00

Die Basler Zeitung berichtet, dass "Sozialwissenschaftler mit Hundesex und 'Mein Kampf' veräppelt" worden sind, so der Titel. "Drei Akademiker haben bei Fachzeitschriften absurde Fake-Studien eingereicht – und sie wurden publiziert" heißt es weiter (Basler Zeitung online, 5. Oktober 2018).

Von den Autoren Helen Pluckrose, James A. Lindsay und Peter Boghossian wurden insgesamt 20 Fake-Studien unter fiktivem Namen eingereicht, von denen bis zur Enttarnung der Verschwörung sieben zur Publikation akzeptiert worden waren, davon drei gedruckt, sieben weitere noch im Review-Prozess steckten, während nur sechs auf Ablehnung stießen.

Der fetteste Hoax gelang durch eine Fake-Studie zu Hunde- und Männersex, die im Mai 2018 in der britischen Zeitschrift für feministische Geografie namens Gender, Place & Culture, die Ansehen in ihrer Filterblase genießt, tatsächlich erschienen war. "Hundeparks seien ein 'überraschend repressiver und gewalttätiger Raum'. Um das herauszufinden hat die Sozialwissenschaftlerin Helen Wilson knapp eintausend Stunden in drei Pärken in Portland, Oregon, verbracht und die Vierbeiner bei Tausenden Paarungsversuchen beobachtet. Für die Forscherin steht klar: 'Hundeparks sind Petrischalen einer hündischen Vergewaltigungskultur'. Doch eben daraus könne die Menschheit eine wichtige Lehre ziehen: Männern könne man wie Hunden Manieren antrainieren, um so sexuellen Missbrauch zu verhindern, so Wilson", so die Basler Zeitung in ihrem Bericht.

Die Zeitung weiter: "Das Hunde-Exemplar ist die erfolgreichste Fälschung des Trios und überstand den Peer-Review-Prozess von Gender, Place & Culture mit Bravour: Die Arbeit sei 'wundervoll' und ein 'wichtiger Beitrag', meinten die anonymen Experten. Die Zeitschrift selbst – gemäss Scimago eine der zehn bestbewerteten Fachzeitschriften zu Geschlechterstudien und führend in feministischer Geografie – würdigte die Fälschung als einen von zwölf führenden Beiträgen zur feministischen Geografie im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Zeitschrift."

Hohn und Spott goss das US-Magazin National Review nach der Veröffentlichung über dieser "Studie" aus, noch bevor der Hoax aufflog. Eine Journalistin kam nämlich den Verschwörern im Juli 2018 auf die Schliche, so dass die Angelegenheit nun dieser Tage öffentlich gemacht wurde.

Zu den Autoren der Fake-Studien heißt es: "Hinter dem Projekt stecken Helen Pluckrose, eine selbst ernannte 'Exilantin aus den Humanities', die mittelalterliche religiöse Schriften über Frauen studiert; James A. Lindsay, ein Autor und Mathematiker; und Peter Boghossian, ein Assistenzprofessor für Philosophie an der Portland State University."

Zu den Hintergründen lässt sich sagen: "Das Trio ist überzeugt, dass an den Universitäten etwas schief gelaufen sei – speziell in bestimmten Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften, wie die Gruppe im Artikel zur Enthüllung schreibt {Helen Pluckrose, James A. Lindsay and Peter Boghossian, Academic Grievance Studies and the Corruption of Scholarship; Areo, 2. Oktober 2018}. Ihre Sorge und Kritik betreffen spezifisch die Bereiche, 'die lose als Kulturwissenschaften oder Identitätsstudien (z.B. Geschlechterforschung) oder kritische Theorie bekannt sind, weil sie in jener postmodernen Art der Theorie verwurzelt sind, die in den späten sechziger Jahren entstand'. Im Video {ebenda} spricht die Gruppe von einer 'politischen Korruption', die sich an den Universitäten ausgebreitet habe." Und weiter: "Diese relativistische Lehre habe sich in den betroffenen Bereichen 'fest etabliert, wenn sie die Bereiche nicht sogar vollständig dominiert'. Anhänger dieser Denkweise würden Studenten, Universitätsmitarbeiter und andere Abteilungen zunehmend dazu drängen, sich ihrer Weltanschauung anzuschliessen – obwohl diese Weltanschauung weder wissenschaftlich noch rigoros sei."

Nun kann über Genderologie und Pseudo-Feminismus nach Lust und Laune gelacht werden.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon lila-filzhut » Do 11. Okt 2018, 01:36

Fliege hat geschrieben:(08 Oct 2018, 17:00)


Nun kann über Genderologie und Pseudo-Feminismus nach Lust und Laune gelacht werden.


Was ist den der Unterschied zwischen Pseudofeminismus und Feminismus? Ob wirklich gelacht werden kann?

Wir leben ja mittlerweile in einem laut spiegel "frauenland," in dem eine "Journalistin" vollkommen folgenlos die Männliche Bevölkerung als Abfall bezeichnen darf, Fake Kampagnen wie #aufschrei von der gleichgeschalteten feministischen systempresse bejubelt waehrend die jüngsten Entwicklungen bei #metoo gekonnt verschwiegen werden. Ein feministischer Staatsfunk der auch gerne Sendungen aus dem Archiv löscht weil die eignen Femiborgs versagten. Das ganze wird als Stimme der "offenen Gesellschaft" verkauft und wer ein bisschen Realität in die Diskussion (im öffentlich-feministischen Fernsehen ist es durch die Wahl der Gäste eher ein Monolog) ist direkt Nazi.

Lachen? Kotzen wohl eher und einen gesunden Hass entwickeln.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 11. Okt 2018, 09:11

lila-filzhut hat geschrieben:(11 Oct 2018, 02:36)
Was ist den der Unterschied zwischen Pseudofeminismus und Feminismus? Ob wirklich gelacht werden kann?

An Alice Schwarzer lässt sich das festmachen. Sie hat nämlich erkannt, wie wichtig diese Trennlinie ist: "Worum geht es eigentlich wirklich? Es geht um zwei Sichten auf die Welt, um gegensätzliche politische Konzepte." Judith Butler als postmoderne Intellektuelle des Postfaktizismus positioniert sich hingegen im Pseudo-Feminismus.

lila-filzhut hat geschrieben:(11 Oct 2018, 02:36)
Lachen? Kotzen wohl eher und einen gesunden Hass entwickeln.

Vielleicht habe ich mich an der Stelle, wo ich "lachen" geschrieben habe, verschrieben, ich glaube jedoch nicht. Lächerlich zu sein ist für einen Intellekuellen schlimmer, als bloß Hassobjekt zu sein.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Okt 2018, 13:16

Das eigentliche Problem bei akademischen Publikationen - gleich welcher Art - ist ein ganz anderes: Das der Ökonomisierung. Forschung wird an Publikations- und Zitierungslisten gemessen. Die Folge ist u.a. etwas, was man als "Zitierungskartelle" bezeichnet. Und eine akademische Schattenwelt aus hunderten, wenn nicht tausenden (!) ominöser Fachzeitschriften, die als Mitherausgeber z.T. bedeutende Wissenschaftler angeben, die jedoch von dieser Mitherausgeberschaft nicht einmal etwas wissen. (Gender, Place & Culture gehört allerdings nicht dazu). Das Problem der Geisteswissenschaften und insbesondere der akademischen Philosophie in Deutschland ist genau in dieser fehlgesteuerten Ökonomisierung zu suchen. Wer sich ernsthaft mit solchen Fragen beschäftigen und nicht einfach über Genderologen lustig machen will, sei dieser aktuelle Vortrag empfohlen: http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/sendungen/2018/09/swr2-wissen-aula-20180909-aula-stillstand-die-krise-der-deutschen-philosoph.m.mp3
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon H2O » Do 11. Okt 2018, 14:07

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Oct 2018, 14:16)

Das eigentliche Problem bei akademischen Publikationen - gleich welcher Art - ist ein ganz anderes: Das der Ökonomisierung. Forschung wird an Publikations- und Zitierungslisten gemessen. Die Folge ist u.a. etwas, was man als "Zitierungskartelle" bezeichnet. Und eine akademische Schattenwelt aus hunderten, wenn nicht tausenden (!) ominöser Fachzeitschriften, die als Mitherausgeber z.T. bedeutende Wissenschaftler angeben, die jedoch von dieser Mitherausgeberschaft nicht einmal etwas wissen. (Gender, Place & Culture gehört allerdings nicht dazu). Das Problem der Geisteswissenschaften und insbesondere der akademischen Philosophie in Deutschland ist genau in dieser fehlgesteuerten Ökonomisierung zu suchen. Wer sich ernsthaft mit solchen Fragen beschäftigen und nicht einfach über Genderologen lustig machen will, sei dieser aktuelle Vortrag empfohlen: http://avdlswr-a.akamaihd.net/swr/swr2/wissen/sendungen/2018/09/swr2-wissen-aula-20180909-aula-stillstand-die-krise-der-deutschen-philosoph.m.mp3


Dieser beklagenswerte Zustand entsteht doch aus der Not, daß die Qualität wissenschaftlicher Arbeit so schwer zu messen ist. Gehen wir zurück in "bessere Zeiten": Ein Laie erkennt dann eine Gemeinde von vielleicht 50 Genies, die sich auch noch bekriegten oder gegenseitig förderten. Fast möchte ich wetten, daß um diese Genies herum hunderte erlauchter Geister ihr Glück versuchten und um ihr nacktes Überleben kämpften... ob nun Wissenschaften oder Schöne Künste.

Tja, dann geht das Abzählen von Zitaten und Veröffentlichungen noch am objektivsten... mit dem Ergebnis "Publish or perish!" Wobei findige Köpfe heraus finden, wie das am besten funktioniert. Das Abzählen wird von beamteten Wissenschaftlern verantwortet... und wer soll denen denn einen Vorwurf machen, wo sie sich auf Maß und Zahl berufen können.

Urplötzlich kommt dann einmal ein Genie zum Vorschein, das niemand auf dem Zettel hatte, wie der Mathematiker Perelman, der fast nichts veröffentlichte aber dennoch höchstes Ansehen genießt. Wenn ich sein Verhalten richtig deute, dann kann ihn die Gemeinschaft der Wissenschaftler kreuzweise... nach Brot für Frau und Kind ruft der jedenfalls nicht.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 11. Okt 2018, 14:32

H2O hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:07)
Dieser beklagenswerte Zustand entsteht doch aus der Not, daß die Qualität wissenschaftlicher Arbeit so schwer zu messen ist. Gehen wir zurück in "bessere Zeiten": Ein Laie erkennt dann eine Gemeinde von vielleicht 50 Genies, die sich auch noch bekriegten oder gegenseitig förderten. Fast möchte ich wetten, daß um diese Genies herum hunderte erlauchter Geister ihr Glück versuchten und um ihr nacktes Überleben kämpften... ob nun Wissenschaften oder Schöne Künste.

Tja, dann geht das Abzählen von Zitaten und Veröffentlichungen noch am objektivsten... mit dem Ergebnis "Publish or perish!" Wobei findige Köpfe heraus finden, wie das am besten funktioniert. Das Abzählen wird von beamteten Wissenschaftlern verantwortet... und wer soll denen denn einen Vorwurf machen, wo sie sich auf Maß und Zahl berufen können.

Urplötzlich kommt dann einmal ein Genie zum Vorschein, das niemand auf dem Zettel hatte, wie der Mathematiker Perelman, der fast nichts veröffentlichte aber dennoch höchstes Ansehen genießt. Wenn ich sein Verhalten richtig deute, dann kann ihn die Gemeinschaft der Wissenschaftler kreuzweise... nach Brot für Frau und Kind ruft der jedenfalls nicht.

Ein schönes Beispiel aus der Philosophie ist Edmund Gettier: "Seinen ersten Lehrauftrag erhielt er an der Wayne State University in Detroit, Michigan – unter anderem neben Keith Lehrer, R.C. Sleigh und Alvin Plantinga. Weil er wenig veröffentlicht hatte, drängten ihn seine Kollegen, wenigstens so viel zu schreiben, dass die Verwaltung zufrieden sei. Das Ergebnis war ein dreiseitiger Aufsatz – einer der bekanntesten in der Geschichte der modernen Philosophie" (Link zum Kurz-Aufsatz von Gettier, der 1963 erschien; und Gettier wird heute noch tüchtig zitiert *g*).
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon schokoschendrezki » Do 11. Okt 2018, 14:38

H2O hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:07)
Urplötzlich kommt dann einmal ein Genie zum Vorschein, das niemand auf dem Zettel hatte, wie der Mathematiker Perelman, der fast nichts veröffentlichte aber dennoch höchstes Ansehen genießt. Wenn ich sein Verhalten richtig deute, dann kann ihn die Gemeinschaft der Wissenschaftler kreuzweise... nach Brot für Frau und Kind ruft der jedenfalls nicht.

Als Doktorand in den USA war er durchaus Teil dessen, was man so die akademische Welt nennt. Aber der Mann ist eine derart krasse Ausnahmeerscheinung, dass er für nix irgendwie exemplarisch gelten kann.

Das Merkwürdige am Zustand der akademischen Philsophie ist, dass die akademischen Philosophen formal so gebildet und klug sind wie niemals zuvor. Und dennoch ist der Vortragende im Verweis weiter oben sich sicher und auch nicht allein mit der Meinung, dass bahnbrechende neue philsophische Ansätze nicht aus dieser Welt der ökonomisierten akademischen Philosophie kommen werden.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Watchful_Eye » Do 11. Okt 2018, 14:44

Ich hab die Berichterstattung dazu auch von Anfang an mitverfolgt, aber da hier eh kaum Feministinnen aktiv sind, dachte ich, ich könnte mir einen Thread dazu auch sparen. ;) Ist eine ungewöhnliche Situation hier.

Ich würde Gender Studies per se gar nicht abwürgen wollen. Aber was mich stört, ist, dass Modelle der Gender Studies im öffentlichen Diskurs immer wieder als vermeintlich modern, moralisch und richtig dargestellt werden, während evolutionspsychologische Modelle, die nach meinem Eindruck oft weit mehr Faktenbasis haben, in eine rechte Schmuddelecke gesteckt werden - in eine Schublade mit den Klimaleugnern. :|
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon H2O » Do 11. Okt 2018, 14:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:38)

Als Doktorand in den USA war er durchaus Teil dessen, was man so die akademische Welt nennt. Aber der Mann ist eine derart krasse Ausnahmeerscheinung, dass er für nix irgendwie exemplarisch gelten kann.

Das Merkwürdige am Zustand der akademischen Philsophie ist, dass die akademischen Philosophen formal so gebildet und klug sind wie niemals zuvor. Und dennoch ist der Vortragende im Verweis weiter oben sich sicher und auch nicht allein mit der Meinung, dass bahnbrechende neue philsophische Ansätze nicht aus dieser Welt der ökonomisierten akademischen Philosophie kommen werden.


Das wäre aber schade, weil damit der Lernfleiß und auch der Lehrerfolg ausschlösse, daß dort jemals ein wirklicher Genieblitz zündet. Vielleicht einmal ein Mensch, der den Akademiebetrieb leid ist, irgend etwas kommerziell Verkaufsfähiges betreibt und seine Wissenschaft als Liebhaberei weiter verfolgt?
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 11. Okt 2018, 16:23

Watchful_Eye hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:44)
Ich würde Gender Studies per se gar nicht abwürgen wollen. Aber was mich stört, ist, dass Modelle der Gender Studies im öffentlichen Diskurs immer wieder als vermeintlich modern, moralisch und richtig dargestellt werden, während evolutionspsychologische Modelle, die nach meinem Eindruck oft weit mehr Faktenbasis haben, in eine rechte Schmuddelecke gesteckt werden - in eine Schublade mit den Klimaleugnern. :|

Gender-Studies als Kind des Postmodernismus stehen im Verdacht, wie früher Marxismus-Leninismus bloß Fake-Wissenschaft zu sein. Als philosophischer Gegenspieler des Postmodernismus ist seit den 2010-er Jahren der Realismus wieder stärker hervorgetreten, der international und auch in Deutschland eine Renaissance erlebt.

In der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Information Philosophie gab Geert Keil (früher in Aachen, nun in Berlin) einschlägig zu bedenken:
"Bei dieser Gelegenheit sollten wir auch vor der eigenen Tür kehren und uns publizistisch sichtbar von Theoriemoden distanzieren, die das Feuilleton mit der Philosophie assoziiert, wiewohl sie dort kaum Anklang finden.

Es wäre ein schöner Dienst an der Allgemeinheit, einmal gut verständlich die begrifflichen Verwirrungen aufzudecken, die Slogans wie 'Wirklichkeit ist eine Konstruktion', 'Tatsachen sind interpretationsabhängig' und 'Es gibt keine objektive Wahrheit' zugrunde liegen. Die erforderlichen Unterscheidungen und Werkzeuge liegen in der theoretischen Philosophie bereit aber es wäre von Kulturwissenschaftlern und Journalisten, die sich mit Erkenntnistheorie nur oberflächlich und mit Wahrheitstheorie und Metaphysik überhaupt nicht beschäftigt haben, sehr viel verlangt, ohne professionelle Hilfe die jeweiligen Fehler zu erkennen und zu berichtigen.

Viele von ihnen, die im Studium mit postmoderner Theorie traktiert worden sind, wären vermutlich dankbar, Tatsachenverdrehungen und Lügen wieder solche nennen zu dürfen, ohne befürchten zu müssen, als erkenntnistheoretisch naiv oder als vormodern dogmatisch zu gelten" (Information Philosophie, Heft 1, März 2017, S. 19; meine Unterstreichungen).

Man kann Postmodernismus und Gender-Studies als "Theoriemode" charakterisieren, wie es Keil tut, oder, so man eine deutlichere Aussprache pflegt, als "Verbalwissenschaft" rubrizieren, wie es der Evolutionsbiologie Ulrich Kutschera für angemessen hält (HDP online, 10. September 2008). Es war Kutschera, der Genderologen auf die Palme brachte, indem er sagte: "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie" (HDP online, 2. Juli 2008).
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Ammianus » Do 11. Okt 2018, 16:56

Fliege hat geschrieben:(11 Oct 2018, 17:23)

...

Man kann Postmodernismus und Gender-Studies als "Theoriemode" charakterisieren, wie es Keil tut, oder, so man eine deutlichere Aussprache pflegt, als "Verbalwissenschaft" rubrizieren, wie es der Evolutionsbiologie Ulrich Kutschera für angemessen hält (HDP online, 10. September 2008). Es war Kutschera, der Genderologen auf die Palme brachte, indem er sagte: "Nichts in den Geisteswissenschaften ergibt einen Sinn außer im Lichte der Biologie" (HDP online, 2. Juli 2008).


Und dafür gibt es dann wieder den ideologischen Kampfbegriff "Biologismus".
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Watchful_Eye » Do 11. Okt 2018, 17:35

Fliege hat geschrieben:(11 Oct 2018, 17:23)

Gender-Studies als Kind des Postmodernismus stehen im Verdacht, wie früher Marxismus-Leninismus bloß Fake-Wissenschaft zu sein. Als philosophischer Gegenspieler des Postmodernismus ist seit den 2010-er Jahren der Realismus wieder stärker hervorgetreten, der international und auch in Deutschland eine Renaissance erlebt. [...]

Interessanter Beitrag. :) Ich kann diesen Verdacht auch sehr gut nachvollziehen und würde zumindest sagen, dass konstruktivistische Ideen oft arg überdehnt werden. Aber ich halte auch viel von freier Wissenschaft, insofern wäre es mir wichtiger, wenn diese Forschungen kritisch begleitet werden, als dass sie wirklich eingestellt werden müssten.

Ich ziehe bisher meine Erkenntnisse eher aus dem englischsprachigen Ausland. Die wichtigsten Anlaufstellen für mich sind/waren das Buch "Das unbeschriebene Blatt" von Steven Pinker sowie das australische Magazin Quillette, welches sich zu einem guten Teil in sehr sachlich-analytischer Form mit "politisch inkorrekter" Naturwissenschaft beschäftigt. Einen guten Einstieg zum Bekehren von Freunden bietet auch die Doku "Hjernevask" (6 Teile). (Ich hatte vor langer Zeit mal versucht, dazu eine Diskussion zu starten, die aber eher unterging.)

Meinem oberflächlichen Eindruck nach scheint Kutschera nicht ganz so um Sachlichkeit bemüht zu sein und eher zu polemisieren. Ob das auch auf seine Wissenschaft abfärbt, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Edit: Hab bemerkt, dass der Link zu Quillette kaputt war
Zuletzt geändert von Watchful_Eye am Fr 12. Okt 2018, 03:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon lila-filzhut » Do 11. Okt 2018, 18:19

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Zuletzt geändert von lila-filzhut am Do 11. Okt 2018, 18:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon lila-filzhut » Do 11. Okt 2018, 18:22

An Alice Schwarzer lässt sich das festmachen. Sie hat nämlich erkannt, wie wichtig diese Trennlinie ist: "Worum geht es eigentlich wirklich? Es geht um zwei Sichten auf die Welt, um gegensätzliche politische Konzepte." Judith Butler als postmoderne Intellektuelle des Postfaktizismus positioniert sich hingegen im Pseudo-Feminismus.


Haha, die Schwarzer, die steht aber so sowas von schnell wieder an der Seite von Butler und ihrer Jungschar, wenn es ihr nützt....

Sieh an, die Schwarzer....
https://3.bp.blogspot.com/-UkqHxJd18Cg/ ... 314074.jpg


aber sie hat jetzt mit den "Neurechten" "völkischen" und "nationalen" so ne Art feministischen Volkssturm. Den Männern sei gesagt, lest einfach mal Texte von der Schwarzer über deutsche Ehefrauen und Heimkehrer nach dem 2. Weltkrieg.
Zuletzt geändert von lila-filzhut am Do 11. Okt 2018, 18:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Selina » Do 11. Okt 2018, 18:24

Dazu empfehle ich einen interessanten Text mit dem Titel "Die irrationale Furcht vor den Gender Studies" im Blog deliberation daily:

http://www.deliberationdaily.de/2018/03 ... r-studies/
Drüben im Walde kängt ein Guruh - Warte nur balde kängurst auch du. Joachim Ringelnatz
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon lila-filzhut » Do 11. Okt 2018, 18:31

Watchful_Eye hat geschrieben:(11 Oct 2018, 15:44)

Ich hab die Berichterstattung dazu auch von Anfang an mitverfolgt, aber da hier eh kaum Feministinnen aktiv sind, dachte ich, ich könnte mir einen Thread dazu auch sparen. ;) Ist eine ungewöhnliche Situation hier.

Ich würde Gender Studies per se gar nicht abwürgen wollen. Aber was mich stört, ist, dass Modelle der Gender Studies im öffentlichen Diskurs immer wieder als vermeintlich modern, moralisch und richtig dargestellt werden, während evolutionspsychologische Modelle, die nach meinem Eindruck oft weit mehr Faktenbasis haben, in eine rechte Schmuddelecke gesteckt werden - in eine Schublade mit den Klimaleugnern. :|


Dabei geniessen Feministinnen in diesem Forum ja Sonderrechte. Wirklich erstaunlich..
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Misterfritz » Do 11. Okt 2018, 19:49

lila-filzhut hat geschrieben:(11 Oct 2018, 19:31)

Dabei geniessen Feministinnen in diesem Forum ja Sonderrechte.

Haben sie das? :?
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Skeptiker » Do 11. Okt 2018, 20:30

Selina hat geschrieben:(11 Oct 2018, 19:24)
Dazu empfehle ich einen interessanten Text mit dem Titel "Die irrationale Furcht vor den Gender Studies" im Blog deliberation daily:

http://www.deliberationdaily.de/2018/03 ... r-studies/

Ich zitiere mal aus dem von Dir verlinkten Artikel:
Die Kritik kommt daher vor allem aus zwei Quellen: einmal von denen, die mit dem ganzen Feminismus-Projekt ohnehin über Kreuz liegen, und einmal von einigen Naturwissenschaftlern.

Letztere sind natürlich Kronzeugen. Wer kann höhere Ansprüche der Wissenschaftlichkeit von sich behaupten als der Zweig, der durch rigorose Tests und Experimente die Falsifizierbarkeit seiner eigenen Thesen zum Leitbild gemacht hat? Der altbekannte Snobismus der Naturwissenschaften gegenüber den Gesellschaftswissenschaften feiert hier fröhliche Urständ.

Naturwissenschaftler als „altbekannte Snobisten“!

Und dann noch dieses widerliche Anbiedern, dass viele Wissenschaften es in der Anfangszeit schwer hatten. Ja, richtig, aber es ist eben die Methodik, welche den Zweig da heraus führt. Genau diese Methodik ist bei Genderwissenschaften aber hochproblematisch weil oft erkennbar Interessen- und nicht faktengeleitet.

Genderwissenschaften müssen sich naturwissenschaftlichen Standards nähern, oder man muss sie als das bezeichnen was sie sind: Ein Zweig der Geisteswissenschaften, der von einer zeitgeistlichen Ideologie mE nicht zu unterscheiden ist.
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon Fliege » Do 11. Okt 2018, 20:50

Watchful_Eye hat geschrieben:(11 Oct 2018, 18:35)
Einen guten Einstieg zum Bekehren von Freunden bietet auch die Doku "Hjernevask" (6 Teile). (Ich hatte vor langer Zeit mal versucht, dazu eine Diskussion zu starten, die aber eher unterging.)

Die von dir verlinkte Dokumentation (deutsche Version) passt vorzüglich hierher und auch dein Diskussionsversuch von 2013. :-)
(Ich schaue mir beides gerade an.)
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Re: Neue "Sokal"-Affäre – Genderologen und Pseudo-Feministen aufs Kreuz gelegt

Beitragvon lila-filzhut » Fr 12. Okt 2018, 00:00

Die Selbstreflexivität feministischer Wissenschaft ist faszinierend, meiner Einschätzung nach im Wissenschaftsspektrum einmalig: Immer wieder überprüft sie ihre Begriffe, Theorien und Annahmen und bedenkt die Auswirkungen ihrer Forschungen (z.B. der sex-gender-Trennung); das treibt ihre Innovativität an.


http://www.helga-bilden.de/Artikel/Femi ... chung.html
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