Blick nach Russland Sammelstrang

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Bielefeld09
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Bielefeld09 » Do 17. Mai 2018, 00:09

DarkLightbringer hat geschrieben:(17 May 2018, 00:49)

Von wem wurde geantwortet ?

Es gab davor schon mal die Orangene Revolution, ohne russische Intervention.
Außerdem wollten doch die Europäer die Assoziation, um die guten Beziehungen zu vertiefen.

Das Baltikum stellt für niemanden eine Bedrohung dar, die haben praktisch nicht mal eine eigene Luftwaffe.


Eigentlich ist es die Russische Föderation, die allerlei Anstrengungen unternimmt, um Europa zu zersetzen. Und in der Ukraine ist es sogar ein heißer Krieg, in dem fast täglich geschossen wird.

Dieser Dialog des sprechenden Gewehrlaufs wird mit beredtsamen Sanktionen beantwortet, die für die aggressive Seite mit hohen Kosten und Verlusten verbunden ist. Wenn dieser "Dialog" dieser Art etwa 20 Jahre lang fortgesetzt wird, verliert nicht die Ukraine die Krim, sondern das Moskauer Regime verliert Russland.

Und du träumst russische Träume.
Gut ist das.
Der Rest ist anders.
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SirToby
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon SirToby » Do 17. Mai 2018, 06:08

van Kessel hat geschrieben:(16 May 2018, 23:22)

klar, die 'echten' Bayern lieben halt eine rechte Wirtshausprügelei, ist schon genetisch.

Das ist auch der Grund, weshalb ein Königsberger die 'reine Vernunft' ins Spiel brachte, welche die Möglichkeit lieferte, sich anders zu verhalten. Aber klar ist auch, dass die Beton-Atlantiker noch immer vom Kalten Krieg träumen, wo es 'klare Kante' gab, wer zu welchem Lager gehörte.

Diese Angst der Deutschen, sich nach 70 Jahren abzunabeln, ist schon befremdlich - scheinbar als Untertanen geboren. Verstärkt wird diese Eigenschaft durch die letzten Grokos und sonstiger 'Atlantiker' welche meinen, ohne Amerika ginge unsere Welt unter. Sie ist schon vor 70 Jahren untergegangen.

Man kann das iranische Öl (denn darum geht es dem Trump ja in Wahrheit, weil er sein Dreckszeugs verscherbeln will) auch in Euro bezahlen, oder Anlagen und Geschäfte in Euro begleichen. Wer fesselt die Welt an den Dollar?

Dieser Präsident bekämpft den alten US-Präsidenten (Obama) und den jetzigen russischen Präsidenten, weil er seiner Klientel versprochen hat, sich für sie einzusetzen. Deutschland aber zuerst! Und niemand schreibt uns vor, mit wem wir reden und Handel treiben. Oder bezahlt uns der Trump unsere Arbeitssuchenden und Rentner? Früher sorgte man sich um die Salamitaktik der Russen und bekämpfte sie zu Recht. Trump macht dies aber genau so. Ihn interessieren keine Ergebenheitsgesten, Kniefälle oder Verträge. Deutschland und die europäische Gemeinschaft (und zu Europa gehört nicht nur geografisch auch Russland), ist unser Schicksal; nicht die USA, China, Indien oder Afrika.

Krisen belasten die Außenwirtschaft, diese wiederum ist aber Treibriemen der Binnenwirtschaft, denn nur wer Arbeit hat, kann sich in Deutschland etwas kaufen. Trump greift mit seinen 'Dekreten' massiv in die deutsche Außenwirtschaft ein. Deshalb muss Trump in Europa isoliert werden; unisono! Schon sein Versuch bei den Macron- und Merkel-Besuchen die Europäer zu 'werten' hätte nicht mit einer Schnute beantwortet werden müssen, sondern mit einem sofortigen Besuch Merkels in China oder Russland.

Die europäischen Auxiliaries sollten sich wirklich den berühmten Ladestock in den Rücken schieben.


Zugegeben: im kalten Krieg war nicht alles besser, aber vieles einfacher, für beide Seiten.

Ich persönlich wäre ja durchaus mal froh, wenn Öl endlich mal in Euro abgerechnet würde: Würde die Wechselkursschwankungen entfallen lassen und die Petrodollar-"Theorie" als den antiamerikanischen Schwachsinn entlarven, der sie ist...
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Alexyessin » Do 17. Mai 2018, 06:54

van Kessel hat geschrieben:(16 May 2018, 23:22)

klar, die 'echten' Bayern lieben halt eine rechte Wirtshausprügelei, ist schon genetisch.

Das ist auch der Grund, weshalb ein Königsberger die 'reine Vernunft' ins Spiel brachte, welche die Möglichkeit lieferte, sich anders zu verhalten. Aber klar ist auch, dass die Beton-Atlantiker noch immer vom Kalten Krieg träumen, wo es 'klare Kante' gab, wer zu welchem Lager gehörte.


Es träumt niemand vom Kalten Krieg. Die Entscheidungen von Russland hat Russland ganz alleine getroffen. Vom Westen unbeteiligt. Bitte bei den Tatsachen bleiben, gell.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Selina » Do 17. Mai 2018, 07:59

Wenn ich sagte, die Wahrheit liegt immer zwischen den Extremen, dann meinte ich damit natürlich nicht, die Wahrheit liege zwischen Krieg und Frieden, @DarkLightbringer, sondern ich meinte natürlich die "Wahrheit" (eine absolute gibt es ja nicht, daher die Anführung) hier in dieser Diskussion. Das heißt, Kriegsrhetorik (siehe Uthoff-Anstalts-Satire) ist das eine Extrem und Verharmlosung und Bagatellisierung wäre das andere. Die "Wahrheit" befindet sich aber dazwischen, nämlich in einer möglichst sachlichen und unaufgeregten Analyse und in der Beschreibung dessen, was man sich in Zukunft im Zusammenleben der Staaten wünscht. Das kann man der jeweils anderen Seite sagen.

Was ich die ganze Zeit lang versuche zu erklären, ist: Man kann Russland durchaus kritisch sehen, man kann die Krim-Annexion verurteilen und man kann kritisch auf das russische Oligarchen-System schauen. Aber, jetzt kommt das Aber: In der Diplomatie und beim Verhandeln (das ist immer und überall schon so gewesen) sprechen Gegenseiten trotzdem miteinander. Das ist einfach dringend notwendig, will man die Eskalations-Spirale stoppen. Siehe der Aufruf von Vollmer, Verheugen und co.

Und @Alexyessin, ja klar, auch ich mag Stoiber nicht, vor allem nicht innenpolitisch. Aber in so angespannten weltpolitischen Zeiten wie jetzt ist es einfach dringend geboten, über alle Gräben hinweg miteinander Frieden zu schließen oder wenigstens miteinander zu reden. Nicht, dass es eines Tages mal zu spät ist dafür. Das bedeutet doch nicht, die Versäumnisse und Fehler des anderen zu ignorieren oder zu verschweigen. Das bedeutet einfach nur, miteinander zu reden, aufeinander zu hören. Denn jede einzelne, dem jeweils anderen vorgeworfene Handlung sieht aus der Sicht der jeweils anderen Seite nun mal anders aus. Es gibt nun mal komplizierte geopolitische Interessen der verschiedenen Seiten. Aber: Jedes einzelne Gespräch, jedes einzelne Wort, jeder Handschlag ist mehr wert, als nur einen einzigen Bomber mehr der ohnehin schon enormen Aufrüstung hinzuzufügen. Das dürfte/sollte doch eigentlich Konsens sein.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon DagDag » Do 17. Mai 2018, 08:35

DarkLightbringer hat geschrieben:(16 May 2018, 17:48)

4.000 Mann hat man zur Ostflanke geschickt, auf der anderen Seite stehen 30.000 Mann, dazwischen irgendwo nuklear bestückbare Iskander-Raketen.

Die 4.000 Mann sind sicherlich gerührt, wenn sie als gleichwertig wahrgenommen werden.

;)

Eben. Aber ich frag mich auch immer, warum man so ein gigantisches Treiben in der Normandie betrieb.
Ein paar hundert hätten es sicher auch getan. :D

Es zeigt Putins Gedankenwelt, der ernsthaft einen Angriff seitens der EU befürchtet.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon DarkLightbringer » Do 17. Mai 2018, 08:44

DagDag hat geschrieben:(17 May 2018, 09:35)

Eben. Aber ich frag mich auch immer, warum man so ein gigantisches Treiben in der Normandie betrieb.
Ein paar hundert hätten es sicher auch getan. :D

Yep, oder die glorreichen Sieben, wie im Western. Ob sich die russische Seite auch eingekreist fühlen würde, wenn man lediglich 7 Männekens ins Nirgendwo von Estland abstellen würde?

Es zeigt Putins Gedankenwelt, der ernsthaft einen Angriff seitens der EU befürchtet.
Das glaube ich weniger. Man möchte Europa zersetzen und das Bündnis spalten.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon van Kessel » Do 17. Mai 2018, 09:19

Alexyessin hat geschrieben:(17 May 2018, 07:54)

Es träumt niemand vom Kalten Krieg. Die Entscheidungen von Russland hat Russland ganz alleine getroffen. Vom Westen unbeteiligt. Bitte bei den Tatsachen bleiben, gell.
welche Tatsachen? Wir äußern hier Ansichten, Meinungen. Und diese Ansichten, Meinungen haben sich bei Jedem unterschiedlich gebildet. Wahrheiten liegen auch im Auge des 'Betrachters'.

Staaten werden von Personen vertreten. So hat nicht Russland Entscheidungen getroffen, sondern Politiker (so ähnlich wie es ein H'itler beschloss, den 'Barbarossa' von der Leine zu lassen). Und so musste Russland reagieren, bis weit in die Gegenwart hinein (wird des Öfteren ausgeblendet).
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Alexyessin » Do 17. Mai 2018, 09:29

van Kessel hat geschrieben:(17 May 2018, 10:19)

welche Tatsachen? Wir äußern hier Ansichten, Meinungen. Und diese Ansichten, Meinungen haben sich bei Jedem unterschiedlich gebildet. Wahrheiten liegen auch im Auge des 'Betrachters'.

Staaten werden von Personen vertreten. So hat nicht Russland Entscheidungen getroffen, sondern Politiker (so ähnlich wie es ein H'itler beschloss, den 'Barbarossa' von der Leine zu lassen). Und so musste Russland reagieren, bis weit in die Gegenwart hinein (wird des Öfteren ausgeblendet).


Gut, dann halt die russische Regierung unter der Führung Putin seit 2002.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 09:29

Selina hat geschrieben:(16 May 2018, 15:55)

Du hast wirklich eine blühende Fantasie. Wie lange die einmal vermittelten Feindbilder doch immer fortbestehen. Was das Knäblein mal in Kindheit und Jugend gelernt hat, behält es fest und unverrückbar in sich bewahrt bis ins Erwachsenenalter. Schon verrückt. Der Unterschied ist nur: Es gibt kein sozialistisches Weltsystem mehr, was es zu bekämpfen gilt. Russland ist genauso ein kapitalistisches Land wie Deutschland, Frankreich, die USA und dergleichen mehr. Alles eins. Daher wirkt die Aufrechterhaltung oder Wiederbelebung des alten antrainierten Feindbildes aus Kindheitstagen so kurios. Da würde ich wirklich empfehlen, wieder zum Niveau der Brandtschen Entspannungspolitik zurückzugelangen oder mindestens zum Klima der Verständigung der 90er Jahre. Alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer.

Du vergißt da aber einen wesentlichen Punkt, Russland ist im Gegensatz zu den von dir genannten westlichen Staaten ein autoritärer, repressiver Staat, der von einer dünnen Schicht von Großmogulen geleitet wird, die fast ausnahmslos aus der Nomenklatura der früheren Sowjetunion stammen. Von daher ist eine Fortschreibung des damaligen diktatorischen Systems durchaus gegeben. So was wie der "amerikanische Traum" wäre in Russland nicht möglich, weil der Kuchen bereits verteilt ist und die Teilstückinhaber sehr rabiat auf mögliche Konkurrenz reagieren. Die Gleichsetzung mit demokratischen Ländern ist ein beliebtes Spiel der Fans, ergibt aber ein verfälschtes Bild. Unrechtsstaaten mit Rechtsstaaten zu vergleichen, ist genau so nützlich wie der Vergleich von Krokodilen und Gänseblümchen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 09:38

Selina hat geschrieben:(16 May 2018, 16:32)

Ja, es werden alle kritisiert. Woran es dem Westen nur mangelt, ist Selbstkritik. Und wenn man sich die acht Minuten Uthoff-Satire, die ich weiter oben verlinkte, mal anschaut, sieht man, was ich meine: Da wird sich ein Weltbild zurechtgebastelt, was lediglich den eigenen Interessen entspricht. Das ist Hetze und Kriegsrhetorik, als könne man es gar nicht erwarten, endlich abdrücken zu dürfen.

Am Abdrücker sitzt aber immer noch ein Anderer. Das Bild vom "westlichen Cowboy, der nur darauf wartet, ziehen zu dürfen", ist das, was schon zu Zeiten des Ostblocks ständig gezeichnet wurde. Das zeigt doch, in welcher Zeit du immer noch lebst.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Nomen Nescio » Do 17. Mai 2018, 09:46

Selina hat geschrieben:(17 May 2018, 08:59)

Was ich die ganze Zeit lang versuche zu erklären, ist: Man kann Russland durchaus kritisch sehen, man kann die Krim-Annexion verurteilen und man kann kritisch auf das russische Oligarchen-System schauen. Aber, jetzt kommt das Aber: In der Diplomatie und beim Verhandeln (das ist immer und überall schon so gewesen) sprechen Gegenseiten trotzdem miteinander. Das ist einfach dringend notwendig, will man die Eskalations-Spirale stoppen. Siehe der Aufruf von Vollmer, Verheugen und co.

du redest so einfach, zu einfach, über solche sachen. ukraine z.b. wird - mit recht und nicht nur die ukraine - fragen »wer bezahlt die zeche«?
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 09:51

Selina hat geschrieben:(16 May 2018, 16:42)

Das sollst du doch auch kritisieren. Selbstverständlich. Ich bin halt nur gegen die Glorifizierung des Westens und die Verteufelung Russlands. Die Wahrheit liegt immer zwischen den beiden Extremen ;)

Hast du den Aufruf von den Politikern gesehen, den ich neulich hier verlinkte? Hier bitte, nochmal für dich. Dazu würde mich deine Meinung sehr interessieren.

http://www.antje-vollmer.de/russlandpolitik.htm

Es gibt keine "Glorifizierung des Westens". Wo bitte und von wem wäre die? Für ein Beispiel wäre ich dankbar. Es gibt aber sehr fundierte Kritik an Russlands Handeln. Und DAS dürfte eher der Punkt sein, an dem dein Zorn sich entzündet. ;)
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 09:58

van Kessel hat geschrieben:(16 May 2018, 23:22)

klar, die 'echten' Bayern lieben halt eine rechte Wirtshausprügelei, ist schon genetisch.

Das ist auch der Grund, weshalb ein Königsberger die 'reine Vernunft' ins Spiel brachte, welche die Möglichkeit lieferte, sich anders zu verhalten. Aber klar ist auch, dass die Beton-Atlantiker noch immer vom Kalten Krieg träumen, wo es 'klare Kante' gab, wer zu welchem Lager gehörte.

Diese Angst der Deutschen, sich nach 70 Jahren abzunabeln, ist schon befremdlich - scheinbar als Untertanen geboren. Verstärkt wird diese Eigenschaft durch die letzten Grokos und sonstiger 'Atlantiker' welche meinen, ohne Amerika ginge unsere Welt unter. Sie ist schon vor 70 Jahren untergegangen.

Man kann das iranische Öl (denn darum geht es dem Trump ja in Wahrheit, weil er sein Dreckszeugs verscherbeln will) auch in Euro bezahlen, oder Anlagen und Geschäfte in Euro begleichen. Wer fesselt die Welt an den Dollar?

Dieser Präsident bekämpft den alten US-Präsidenten (Obama) und den jetzigen russischen Präsidenten, weil er seiner Klientel versprochen hat, sich für sie einzusetzen. Deutschland aber zuerst! Und niemand schreibt uns vor, mit wem wir reden und Handel treiben. Oder bezahlt uns der Trump unsere Arbeitssuchenden und Rentner? Früher sorgte man sich um die Salamitaktik der Russen und bekämpfte sie zu Recht. Trump macht dies aber genau so. Ihn interessieren keine Ergebenheitsgesten, Kniefälle oder Verträge. Deutschland und die europäische Gemeinschaft (und zu Europa gehört nicht nur geografisch auch Russland), ist unser Schicksal; nicht die USA, China, Indien oder Afrika.

Krisen belasten die Außenwirtschaft, diese wiederum ist aber Treibriemen der Binnenwirtschaft, denn nur wer Arbeit hat, kann sich in Deutschland etwas kaufen. Trump greift mit seinen 'Dekreten' massiv in die deutsche Außenwirtschaft ein. Deshalb muss Trump in Europa isoliert werden; unisono! Schon sein Versuch bei den Macron- und Merkel-Besuchen die Europäer zu 'werten' hätte nicht mit einer Schnute beantwortet werden müssen, sondern mit einem sofortigen Besuch Merkels in China oder Russland.

Die europäischen Auxiliaries sollten sich wirklich den berühmten Ladestock in den Rücken schieben.

Es gibt keine Wahl "Trump oder Putin". Und die Kritik der reinen Vernunft besagt vor allem, in seinen Handlungen Vorbild zu sein. Das sehe ich weder bei Trump noch bei Putin. Europa verhält sich längst anders, als von jenseits des großen Teichs gewünscht. Das war schon zu Zeiten des Irak-Kriegs zu sehen. Übrigens wird auch durch Rückgänge der Außenwirtschaft keineswegs die Binnenwirtschaft beflügelt. Schon allein deshalb nicht, weil wir in Deutschland, besser sogar in Zentraleuropa, einen weitgehend gesättigten Markt haben, der zwar ein gewisses Umsatzvolumen hat, aber wenig Potential für großes Wachstum. Nebenbei, der Dollar ist zwar die Umrechnungseinheit für Ölgeschäfte, aber kein Zwangsumtauschmittel. Es ist keinem Land untersagt, seine Ölimporte mit anderen akzeptierten Devisen oder der eigenen Währung, sofern die natürlich vom Verkäufer akzeptiert wird, zu begleichen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 10:02

van Kessel hat geschrieben:(16 May 2018, 23:41)

in der Antwort auf den Einspruch der 'Hundert' wurde geantwortet:
nicht die EU oder die NATO (dies ist kein Staat) wollten die Schwäche der Russen nutzen, sondern die USA. Europa war mit seiner Erweiterungsbesoffenheit beschäftigt und die NATO plante schon ihre Positionen im Baltikum.

Klar, sie hätten mit Washington sprechen können, warum diese sich im Schwarzen Meer herumtreiben möchten, aber Russland war im Umbruch. Die USA werden Europa mit Soldaten und Waffen fluten (neue Länder tun sich auf diese 'Besatzer' aufzunehmen). Sie werden - wenn es die Europäer nicht selbst tun - die EU vernichten, weil diese Organisation ein Hindernis für den US-Handel darstellt.

Nochmal auch für dich: Die Zeit der "Einflußzonen", die ausschließlich einem Block zustehen, ist und war vorbei. Übrigens ist einer der Anrainer des schwarzen Meeres ein Verbündeter der USA, die Türkei. Ebensowenig sind andere Anrainer keineswegs gehindert, auch US-Schiffe zu Besuchen in ihren Häfen einzuladen. Russland hat da nun mal kein 'Veto-Recht. Die Breshnew-Doktrin ist nun mal tot, auch wenn Russland sie gerne wiederbeleben möchte.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon van Kessel » Do 17. Mai 2018, 10:15

zollagent hat geschrieben:(17 May 2018, 10:58)

Es gibt keine Wahl "Trump oder Putin".
du solltest nicht etwas schreiben, was noch nicht einmal im Ansatz geschrieben wurde. Es mag dich betrüben wenn ich dir empfehle: erst lesen, dann verstehen, dann antworten.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon van Kessel » Do 17. Mai 2018, 10:20

zollagent hat geschrieben:(17 May 2018, 11:02)

Nochmal auch für dich: Die Zeit der "Einflußzonen", die ausschließlich einem Block zustehen, ist und war vorbei. Übrigens ist einer der Anrainer des schwarzen Meeres ein Verbündeter der USA, die Türkei. Ebensowenig sind andere Anrainer keineswegs gehindert, auch US-Schiffe zu Besuchen in ihren Häfen einzuladen. Russland hat da nun mal kein 'Veto-Recht. Die Breshnew-Doktrin ist nun mal tot, auch wenn Russland sie gerne wiederbeleben möchte.
du solltest deine Defizite - die Weltpolitik betreffend - nicht so lauthals äußern. :rolleyes:
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 10:21

DagDag hat geschrieben:(17 May 2018, 09:35)

Eben. Aber ich frag mich auch immer, warum man so ein gigantisches Treiben in der Normandie betrieb.
Ein paar hundert hätten es sicher auch getan. :D

Es zeigt Putins Gedankenwelt, der ernsthaft einen Angriff seitens der EU befürchtet.

Wobei diese 4.000 Mann nicht von der EU entsandt wurden, sondern von der NATO. Und von der baltischen Bevölkerung willkommen geheißen wurden. Anders als die russischen Interventionisten in der Ukraine, die sich nur durch Terror gegenüber der lokalen Bevölkerung halten können.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Do 17. Mai 2018, 10:22

van Kessel hat geschrieben:(17 May 2018, 11:20)

du solltest deine Defizite - die Weltpolitik betreffend - nicht so lauthals äußern. :rolleyes:

...und statt dessen die derjenigen übernehmen, die selbst noch dicke im kalten Krieg steckengeblieben sind? Danke, das ist mir fremd. Wo bitte ist denn hier ein Defizit zu erkennen? Daß US-Schiffe durchaus Häfen von Verbündeten und auch Freunden anlaufen dürfen, dürfte unbestreitbar sein. Das schwarze Meer ist keinesfalls ein Mare Rossija.

Ich denke, die Defizite solltest du in deiner eigenen Gedankenwelt suchen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon DarkLightbringer » Do 17. Mai 2018, 11:35

Selina hat geschrieben:(17 May 2018, 08:59)

Wenn ich sagte, die Wahrheit liegt immer zwischen den Extremen, dann meinte ich damit natürlich nicht, die Wahrheit liege zwischen Krieg und Frieden, @DarkLightbringer, sondern ich meinte natürlich die "Wahrheit" (eine absolute gibt es ja nicht, daher die Anführung) hier in dieser Diskussion. Das heißt, Kriegsrhetorik (siehe Uthoff-Anstalts-Satire) ist das eine Extrem und Verharmlosung und Bagatellisierung wäre das andere. Die "Wahrheit" befindet sich aber dazwischen, nämlich in einer möglichst sachlichen und unaufgeregten Analyse und in der Beschreibung dessen, was man sich in Zukunft im Zusammenleben der Staaten wünscht. Das kann man der jeweils anderen Seite sagen.

Dann würde ich doch den Ausdruck des "Standpunktes" bevorzugen, wenn man keine absolute Wahrheit verkaufen will. Es gibt da so ein Sprichwort: Erfahrene Propheten warten die Ereignisse ab.
Auch die von interessierter Seite oft gepriesene Sendung "Die Anstalt" verkündet eigentlich nicht das Evangelium, sondern bedient den Geschmack des Zielpublikums. Es gab doch sogar mal Gerichtsprozesse, weil auf Basis von Falschbehauptungen zwei Journalisten ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sagen, oder so ähnlich.

Was ich die ganze Zeit lang versuche zu erklären, ist: Man kann Russland durchaus kritisch sehen, man kann die Krim-Annexion verurteilen und man kann kritisch auf das russische Oligarchen-System schauen. Aber, jetzt kommt das Aber: In der Diplomatie und beim Verhandeln (das ist immer und überall schon so gewesen) sprechen Gegenseiten trotzdem miteinander. Das ist einfach dringend notwendig, will man die Eskalations-Spirale stoppen. Siehe der Aufruf von Vollmer, Verheugen und co.
Es wird ja viel gesprochen, in der Ukraine eben mit dem Gewehrlauf. Maas war erst jüngst persönlich in Moskau zum Vorsprechen.

Selbst innerhalb Russlands kam die offizielle Präsidentschaftskandidatin Xenia Sobtschak mal zu Wort und meinte, keinen Menschen würde es interessieren, wie toll die Raketen fliegen können, es brauche stattdessen Sozialwohnungen.
In der entsprechenden Talk Show beschüttete sie noch Schirinowski, den hoch dekorierten Neonazi, mit einem Glas Wasser.

Zum Thema Dialog: Siehe auch den Aufruf der 100 Osteuropa-Experten, "Friedenssicherung statt Expansionsbelohnung", usw.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Selina » Do 17. Mai 2018, 13:32

Zumindest bin ich nicht alleine mit meinen Gedanken zu einer neuen friedlichen Koexistenz und einer Verbesserung der deutsch-russischen Beziehungen. So denken in Deutschland sehr viele Menschen. Nur ein Beispiel:

Zitat:

Erklärung von neun deutschen Partnerorganisationen zu den Beziehungen zu Russland vom 29. März 2018

Die jüngsten politischen Entscheidungen der deutschen Bundesregierung und der EU zu Russland zwingen uns, als VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Vereinen Deutschlands, die sich seit vielen Jahren der Versöhnung und Verständigung zwischen unseren Völkern verpflichtet fühlen, das Vorgehen kritisch zu hinterfragen und auf eine Veränderung zu drängen! Dabei wissen wir uns eins mit vielen Bürgerinnen und Bürgern unseres Landes, die diese politischen Aktivitäten für gefährlich, unangemessen und leichtfertig halten. Statt mit Russland auf allen Ebenen friedliche und gut nachbarschaftliche Beziehungen zu gestalten - wir befinden uns z.B.im besonderen Jahr der Regionalen und Kommunalen Partnerschaften 2017/2018 - wird offensichtlich eine Verschlechterung der Deutsch-Russischen Beziehungen billigend in Kauf genommen.

Wir treten dafür ein, politische Probleme zwischen den Staaten müssen im 21. Jahrhundert in vernünftiger Art und Weise, im Dialog in Achtung voreinander gelöst werden. Schluss mit der Stimmungsmache, von wem auch immer vorgetragen. Unsere langjährigen Erfahrungen in Russland bestärken uns in der Auffassung, dass viele Menschen dort aufgeschlossen und konstruktiv kritisch zugleich unseren Wertvorstellungen von Recht und Freiheit, von Kultur und dem politischen System gegenüberstehen....
Das Programm „Östliche Partnerschaft und Russland“ des Auswärtigen Amtes, getragen von vielen ehrenamtlichen Vereinen, hat in den vergangenen Jahren zu nachhaltig positiven Resultaten auch in den Partnerschaftsbeziehungen mit den Menschen der Russischen Föderation geführt.

Soll das alles umsonst gewesen sein? Warum lassen wir zu, dass bei den Menschen aller Generationen in Russland ein Gefühl
entsteht, dass der Westen und die NATO wieder ihr Land bedrohen? Welche Lehren haben wir Deutschen aus dem 22. Juni 1941 wirklich gezogen? Noch heute wirkt der heimtückische Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion, mehr denn je, wie ein Trauma in allen Bereichen der Russischen Zivilgesellschaft fort. Ist das nicht bekannt? Richard von Weizsäckers eindringliche Bitte an die junge Generation, vorgetragen am 8. Mai 1985 zum "Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus“, war, ist und bleibt die alternativlose Grundlage deutscher und europäischer Politik: „Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß.“


Wir, die VertreterInnen von zivilgesellschaftlichen Vereinen und Verbänden in Deutschland mit aktiven Partnerschaften handeln danach und fordern dieses auch von den politisch Verantwortlichen in Russland und Deutschland ein!

Die UnterzeichnerInnen
:
Herr Dr. Martin Kummer, Deutsch - Russische Freundschaftsgesellschaft in Thüringen e.V.; Frau Prof. h.c. Barbara Lachhein, Gesellschaft für Deutsch-Russische Begegnung Essen e.V.; gezeichnet: Herr Helmut Hinrichs, Gesellschaft Deutschland - Dagestan e.V; Herr Gerhard Laier, Deutsch-Russische Gesellschaft Ettlingen e.V; gezeichnet: Herr Friedhelm Biederbeck, Verein der Elterncafes im Dialog Emden - Archangelsk e.V.; Herr Cyrill Pech, Berliner Freunde Russlands e.V.; gezeichnet: Herr Friedhelm Schulz, Freundeskreis Tula Villingen-Schwenningen e.V.; gezeichnet: Herr Dr. Heinz Wehmeier, Deutsch-Russländische Gesellschaft Wittenberg e.V.; gezeichnet: Herr Prof. Dr. Christian Holtz, Gesellschaft Denkendorf - Krasnaja Presnja Moskau e.V.


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