Krise der "Leitmedien"

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Wähler
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Wähler » Mo 23. Apr 2018, 17:19

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 17:58)
Es wird immer Leitmedien geben. Die Gesellschaft ist im Umbruch und das spiegelt sich auch in den Medien und ihrer Struktur wider. Diesen Umbruch zu beleuchten wäre interessanter als undifferenziertes Krisengerede.

gallerie hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:09)
...Unsinn, der begriff der Leitmedien gab es in den 70er und 80er Jahren (Tagesschau und Co.).
Im Zeitalter des Internet gibt es nur Meanstream Medien, die ihren Profit als Freiberufler in Lügenpropaganda zu glauben finden.
Eine gute Story verkauft sich nur wenn sie blutrünstig erscheint. Fake news sind überall zu finden.
Die deutsche Presselandschaft hat sich als Büttel der Macht verkaufen lassen, sogar in einer Selbstzensur wie sie in diktatorischen zu finden ist.

Über die Qualität von medialer Meinungsbildung zur Mehrheitsfindung lässt sich sicherlich diskutieren. Die politische Kultur oder Unkultur einer Gesellschaft spiegelte sich bisher in der Menschheitsgeschichte allerdings immer in Leitmedien wider, auch in einer Oligarchie wie in Russland.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon gallerie » Mo 23. Apr 2018, 17:26

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:19)

Über die Qualität von medialer Meinungsbildung zur Mehrheitsfindung lässt sich sicherlich diskutieren. Die politische Kultur oder Unkultur einer Gesellschaft spiegelte sich bisher in der Menschheitsgeschichte allerdings immer in Leitmedien wider, auch in einer Oligarchie wie in Russland.

...es geht nicht um Qualität sondern um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht.
Der Wahrheitsgehalt einer Nachricht spiegelte sich in dem Wissen der Vorkommnisse wieder.
Und nicht in Vermutungen und Kommentaren!
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Wähler » Mo 23. Apr 2018, 17:33

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:19)
Über die Qualität von medialer Meinungsbildung zur Mehrheitsfindung lässt sich sicherlich diskutieren. Die politische Kultur oder Unkultur einer Gesellschaft spiegelte sich bisher in der Menschheitsgeschichte allerdings immer in Leitmedien wider, auch in einer Oligarchie wie in Russland.

gallerie hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:26)
...es geht nicht um Qualität sondern um den Wahrheitsgehalt einer Nachricht.
Der Wahrheitsgehalt einer Nachricht spiegelte sich in dem Wissen der Vorkommnisse wieder.
Und nicht in Vermutungen und Kommentaren!

Die deutliche Trennung von Bericht und Kommentar, sowie Faktenchecking, beziehungsweise Entlarven von Falschmeldungen machen journalistische Qualität aus. Medien haben aber auch eine wichtige Aufgabe bei der demokratischen Mehrheitsfindung. Ein mehr oder weniger qualitätvolles Leitmedium hatte in der Geschichte entsprechend viele Leser, Zuhörer und Zuschauer.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon gallerie » Mo 23. Apr 2018, 17:39

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:33)

Die deutliche Trennung von Bericht und Kommentar, sowie Faktenchecking, beziehungsweise Entlarven von Falschmeldungen machen journalistische Qualität aus.

...da bin ich bei dir!!!!
Allerdings sind diese Tugenden in der deutschen Medienlandschaft nicht mehr besetzt!
Selbstzensur oder konformes Abnicken scheinen die Attribute des deutschen Journalismus zu sein!
AK 2.0, (Aktuelle Kamera 2.0) sind schon in aller Munde; ich denke zu recht!
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 23. Apr 2018, 17:50

Skeptiker hat geschrieben:(11 Feb 2018, 20:31)

Und Sie wollen mir was von Medienkompetenz erzählen? Die falschen Kanäle sind eben wenn man sich seine Informationen nur aus einseitigen Quellen holt ohne deren Plausibilität zu prüfen.

Also ich habe nun verstanden. Medienkompetenz bei Ihnen ist es, sich ordentlich und am besten ausschließlich aus dem ÖR-Fernsehen zu informieren - bei den Profis halt, seriös! Wer Inhalte prüft wird nur von bösen Mächten und Verschwörern verführt.

Mit einer solchen Medienkompetenz sind Sie der perfekte Staatsbürger - für Nordkorea.


dazu gehört nun ein bisschen Leseverständnis um den Beitrag von Cat zu verstehen. Obwohl ich mit ihr in der Regel nur wenig Übereinstimmung habe, da ich mich gerade wirtschaftspolitisch eher rechts/liberal verorte, muss ich ihr dennoch in diesem Punkt vollkommen recht geben. Sie hat die Situation genau erfasst.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Wähler » Mo 23. Apr 2018, 17:54

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:33)
Die deutliche Trennung von Bericht und Kommentar, sowie Faktenchecking, beziehungsweise Entlarven von Falschmeldungen machen journalistische Qualität aus. Medien haben aber auch eine wichtige Aufgabe bei der demokratischen Mehrheitsfindung. Ein mehr oder weniger qualitätvolles Leitmedium hatte in der Geschichte entsprechend viele Leser, Zuhörer und Zuschauer.

gallerie hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:39)
...da bin ich bei dir!!!!
Allerdings sind diese Tugenden in der deutschen Medienlandschaft nicht mehr besetzt!
Selbstzensur oder konformes Abnicken scheinen die Attribute des deutschen Journalismus zu sein!
AK 2.0, (Aktuelle Kamera 2.0) sind schon in aller Munde; ich denke zu recht!

Genau diese undifferenzierte Betrachtung stört mich. Es gibt nach wie vor investigativen Journalismus, Wikileaks, Luxemburg Leaks, Panama Papers, Paradise Papers und Daphne Project, heutzutage in Medienkooperationen. Beim Spiegel kommt auf jeden zweiten Journalisten ein Dokumentar, der jede Zeile eines zu veröffentlichen Artikels gegencheckt.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon gallerie » Mo 23. Apr 2018, 18:02

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:54)

Genau diese undifferenzierte Betrachtung stört mich. Es gibt nach wie vor investigativen Journalismus, Wikileaks, Luxemburg Leaks, Panama Papers, Paradise Papers und Daphne Project, heutzutage in Medienkooperationen. Beim Spiegel kommt auf jeden zweiten Journalisten ein Dokumentar, der jede Zeile eines zu veröffentlichen Artikels gegencheckt.

...investigativen Journalismus?
Da muss ich laut lachen.
Es gibt so gut wie keine fest angestellten Journalisten mehr.
Das sind alles Freiberufler, und tun genau was ihr Kunde wünscht!
Tolle Stories zu liefern, denn nur die bringen ein Honorar.
Da wird häufig gern gelogen oder Sachverhalte konstruiert.
Ich kann dir da Beispiele ohne Ende liefern, sogar mit Ross und Reiter.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Alexyessin » Mo 23. Apr 2018, 18:38

Excellero hat geschrieben:(23 Apr 2018, 17:08)

Es ist nicht alles VT was nicht im Mainstream steht.


Erkenne VT Nummer 1: Der Mainstream........
Erkenne VT Nummer 2: Keine seriöses Quellen zu
Erkenne VT Nummer 3: Behauptung ohne Grundlage.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Mo 23. Apr 2018, 19:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:25)

ÖR-(Papier)-Zeitungen ... das kann ich mir auch nur sehr schwer vorstellen. Der ÖR-Hörfunk dagegen ist schon jetzt so etwas wie ein Migrationsraum für Interessierte. Frei ohnehin von technisch allzu aufwändigen optischen Inszenierungen. Frei vor allem auch vom gewichtigsten Kostenfaktor Sportübertragungsrechte der TV-Sender. Etwas abseits vom Mainstream-Fokus, mit Kosten, die auch die Geizigen nicht allzusehr verärgern ... sehe ich im ÖR-Hörfunk das Zukunfts-Medium für politische Berichterstattung und Kommentierung.


Legen wir uns einmal nicht unbedingt auf Papier als Trägermaterial fest, sondern mehr auf die ausführliche Darstellung einer Nachricht, für die es im Hörfunk selten genug den zeitlichen Raum gibt. Praktisch also das, was man den ÖRR schon vorgeworfen hatte, und wo sie wohl wieder einige Schritte zurück gewichen sind. Das ist natürlich nur etwas für die Zeitgenossen, die auch lesen wollen. Ich stelle mir dabei ein Wochenblatt wie DIE ZEIT vor, etwa mit dem Qualitätsanspruch. Für das elektronische Abonnement bezahle ich heute doch auch meinen Beitrag... mit dem Vorteil, daß ich die Zeitung überall auf der Welt im PDF-Format so lesen kann, wie ich im Internetradio den Deutschlandfunk und Konsorten hören kann. Das ist schon heute eine gute Sache... nur was wird geschehen, wenn die Zeit als unabhängige Wochenzeitung gar nicht mehr erscheint?

Danach sieht es derzeit aber wirklich noch nicht aus!
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Wähler » Di 24. Apr 2018, 06:32

Wähler hat geschrieben:(23 Apr 2018, 18:54)
Genau diese undifferenzierte Betrachtung stört mich. Es gibt nach wie vor investigativen Journalismus, Wikileaks, Luxemburg Leaks, Panama Papers, Paradise Papers und Daphne Project, heutzutage in Medienkooperationen. Beim Spiegel kommt auf jeden zweiten Journalisten ein Dokumentar, der jede Zeile eines zu veröffentlichen Artikels gegencheckt.

gallerie hat geschrieben:(23 Apr 2018, 19:02)
Es gibt so gut wie keine fest angestellten Journalisten mehr.
Das sind alles Freiberufler, und tun genau was ihr Kunde wünscht!

https://www.djv.de/startseite/info/them ... ancen.html
Deutscher Journalisten Verband Arbeitsmarkt und Berufschancen:
"160.000 Erwerbstätige ordnet die Arbeitsagentur 2011 dem publizistischen/journalistischen Berufsfeld zu, davon 68.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 68.000 Freie."
Du verbreitest falsche Informationen. ;)
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon gallerie » Fr 27. Apr 2018, 17:38

Wähler hat geschrieben:(24 Apr 2018, 07:32)

https://www.djv.de/startseite/info/them ... ancen.html
Deutscher Journalisten Verband Arbeitsmarkt und Berufschancen:
"160.000 Erwerbstätige ordnet die Arbeitsagentur 2011 dem publizistischen/journalistischen Berufsfeld zu, davon 68.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und 68.000 Freie."
Du verbreitest falsche Informationen. ;)

...2011. wie du schreibst,
und zudem ordnet die Arbeitsagentur 2011 diese Journalisten zum publizistischen/journalistischen Berufsfeld zu.
Die Orden alles irgendwie zu. um sich nicht schlecht in ihren Arbeitslosendaten zu blamieren.
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Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon EinePerson » So 8. Jul 2018, 20:43

Was ist die Rolle der Medien, was treibt sie an? In Wessen Interesse handeln sie? Berichten sie „die Wahrheit“? Wieso findet man bei so vielen Themen so eine Homogenität der Meinungen in den Medien? Um den Rahmen dieses Beitrags nicht völlig zu sprengen, muss ich mich hier einer Reihe von Verallgemeinerungen bedienen. „Die Medien“ ist so eine. Da kann es durchaus Unterschiede von Zeitung zu Zeitung, von Fernsehsender zu Fernsehsender, etc geben. Details können geklärt werden, wenn sich ein Gespräch ergibt.

Die Medien stellen sich selbst gerne als unabhängige Quellen von wahrer Berichterstattung dar. Als die Institution in unserer Gesellschaft, welche das Volk über die wahren Begebenheiten informiert, die Politik kontrolliert durch ihre wahre Berichterstattung und allgemein im Interesse des Volkes handelt.

Das ist meiner Meinung nach eine falsche Darstellung. Herman und Chomsky haben zur besseren Beschreibung der Medien ein Propaganda-Modell entworfen. Dieses Modell beinhaltet 5 Filter der Medien, welche Selektieren, was der Medienkonsument zu lesen/hören/sehen bekommt und was nicht.
http://www.surfacenoise.info/neu/1220Su ... aganda.pdf
https://www.youtube.com/watch?v=MW8OIWCgPKo
https://www.youtube.com/watch?v=34LGPIXvU5M


1) Sie verweisen darauf, dass die meisten Medien profit-orientierte Unternehmen sind – hier stoßen wir auf den ersten Filter. Das ist ein sehr, sehr wichtiger Punkt, den man bedenken muss, wenn man über Medien spricht. Es handelt sich bei Medien nicht um erkenntnistheoretische Philosophen, deren einzige Motivation das Ausgraben von Wahrheiten ist, sondern es handelt sich um Unternehmen, die Profite erwirtschaften sollen! Diese Medien-Unternehmen sind häufig im Besitz von reichen Personen oder Familien, oder von anderen Unternehmen. Und diese reiche Menschen, Familien oder Unternehmen habe ihre eigenen (profit)-Interessen, bzw. Weltanschauung, die sie durch ihre Medien verwirklicht sehen wollen.

Der amerikanische Sender NBC gehört z.B. dem multinationalen Unternehmen General Electrics. Dieses Unternehmen stellt unter anderem Waffen und Atomkraftwerke her. Es wird den Geschäftsführer von NBC so wählen, dass dieser ihre Interessen verfolgt. Der Geschäftsführer wiederum sucht sich nach denselben Kriterien seine Chefredakteure und die ihre Journalisten. Am Ende erhält man eine Berichterstattung, welche eher pro-Waffenexporte und pro-Atomkraft ist. Welche eher pro-Interventionismus ist (Krieg in anderen Ländern befördert den Waffenverkauf), das wird dann natürlich als humanitärer Einsatz verkauft.

Ein weiteres gutes Beispiel für die Unterordnung von wahrer Berichterstattung unter Profitstreben ist die Springerpresse. Die Bildzeitung fuhr über Jahre hinweg eine Propagandaoffensive gegen die gesetzliche Rentenversicherung. Bald sei sie unbezahlbar wegen dem demographische Wandel. Es ist richtig, dass durch den demographischen Wandel immer wenige Junge immer mehr Alte versorgen müssen. Aber was die Bildzeitung, wie auch die anderen Medien uns verschweigen ist, dass die Wirtschaft einen kontinuierlichen Produktivitätszuwachs leistet. Das bedeutet, pro Arbeiter wird immer mehr hergestellt, oder anders ausgedrückt, durch das Produktivitätswachstum braucht eine Gesellschaft immer weniger Junge Menschen um eine gleiche Anzahl an alten Menschen zu versorgen. Man muss also diese beiden Effekte gegeneinander aufrechnen, um zu sehen, ob die gesetzliche Rentenversicherung noch bezahlbar sein wird oder nicht. Aber das machen unsere Medien nicht, sie erzählen uns lediglich etwas von dem demographischen Wandel – wieso? Wieso finden wir hier kaum eine wahre Berichterstattung?

2) Das bringt uns zum zweiten Filter: Werbe-basierte Medien. Die Haupteinnahmen von Medienunternehmen sind nicht die Einnahmen z.B. im Falle einer Zeitung der Verkauf eben dieser Zeitungen, das macht im Schnitt gerade mal etwa 30% der Einnahmen aus (Fall USA):

http://www.journalism.org/2014/03/26/re ... vertising/

Bei Axel Springer sind etwa 66% des Umsatzes Werbeeinnahmen, siehe Seite 27:

http://www.axelspringer.de/dl/22446733/ ... t_2015.pdf


Die restlichen 70% sind Werbeeinnahmen. Damit sind die Medienkonzerne abhängig von den werbenden Unternehmen, sie sind NICHT unabhängig. Sie sind damit erpressbar, bzw. beeinflussbar. Und nun kommen wir zurück zum Fall der Bildzeitung oder Spiegel und ihrer Lügenkampagne gegen die gesetzliche Rentenversicherung, warum haben sie das gemacht? Weil Maschmayer und Allianz AG (beide Anbieter von privaten Rentenversicherungsverträgen) zu ihren wichtigsten Inseraten gehören. Unternehmen können damit großen Einfluss auf die Medien nehmen, indem sie ihnen entweder Geld in Form von Werbegelder geben und ihnen damit ermöglichen zu wachsen, Marktanteile zu gewinnen, oder ihnen das Geld entziehen und sie damit in einen Wettbewerbsnachteil bringen.

Die höchste Treue halten Medienunternehmen damit nicht ihren Konsumenten, sondern ihren Werbe-treibenden. Sie werden dazu tendieren so zu berichten, wie sie glauben, wie es von ihren Werbe-treibenden erwartet wird.

3) Medien sind abhängig von einem kontinuierlichen Fluss an Informationen und damit von Quellen, die diesen gewährleisten können. Sehr viele Informationen werden von und rund um die Politik, Politikern, staatlichen Institutionen, etc produziert. Die Politik kann bestimmten Medien einen privilegierten Zugang gewähren, z.B. Interviews geben oder verweigern, oder ausgewählte Journalisten mit auf Reisen nehmen, wenn z.B. der Außenminister ins Ausland reist um….z.B. den chinesischen Ministerpräsidenten zu treffen. Die Politik ist einfach bei vielen relevanten Ereignissen an vorderster Front, sie produziert durch ihre Handlungen ja erst diese Ereignisse und dann die News darüber. Damit entsteht ein symbiotisches Verhältnis zwischen Medien und Politik: Du schreibst schöne Stories über mich und mein Handeln und ich gewähre dir weiterhin privilegierten Zugang zu mir und den Politikern, die ich treffe.

Hier ein nun verstorbener Journalist, der auf dem Zenit seiner Kariere sogar als „alpha Journalist“ gehandelt wurde. Er spricht über den Einfluss von Politik und Geheimdiensten auf die Medien und wie er sich selbst oft kaufen lies und schrieb, was die Regierung, bzw. Geheimdienste von ihm erwarteten.
https://www.youtube.com/watch?v=bm_hWenGJKg


Eine weitere wichtige Quelle von Informationen sind sogenannte „Experten“, die bei Unternehmen angestellt sind. Wer wird z.B. befragt, wenn es um wirtschaftliche Belange geht? Das sind meistens Angestellte von Banken – das sind absolut keine unabhängigen, neutralen Quellen, das sind Lobbyisten! Die Medien sind auch an einem engen Kontakt zu diesen bemüht, um eine weitere Quelle von Informationen zu haben. Auch das schafft gewisse Abhängigkeiten. Zum einen können diese Unternehmen Interviews verweigern, wenn in ihren Augen unvorteilhaft über sie berichtet wird, zum anderen können sie durch ihre geäußerte Meinung starken Einfluss auf die Berichterstattung nehmen.

4) Flak: Darunter fallen disziplinierende Maßnehmen gegenüber Journalisten und Medien, die sich in einer Weise verhalten, wie es einflussreichen Personen aufstößt. Das könnte z.B. ein Politiker, ein Bürgermeister, ein CEO eines Unternehmens sein, dass bei einem Medienunternehmen anruft und sich über einen bestimmten Bericht beschwert. Oder es kann auf indirektem Wege laufen, indem ein Journalist oder ein Medienunternehmen öffentlich diskreditiert wird und damit (finanziell) geschädigt und gezüchtigt wird. Wer z.B. in Deutschland im Falle des Syrienkrieges eine öffentliche Haltung einnimmt, die nicht dem Nato-Narrativ folgt, sondern über die Verbrechen der Natostaaten in Syrien berichtet, der wird ganz schnell als Assad-Propagandist oder als Putin-Propagandist, etc in die Schmuddelecke gestellt und sozial geächtet – es spielt keine Rolle, ob man unwiderlegbare Beweise vorbringt – die werden ignoriert, es folgen Angriffe auf deine Person, um dich persönlich zu diskreditieren.

5) Generierung von Feindbildern, die dazu benutzt werden eine übereinstimmende Meinung zu erzwingen, bzw. abweichende Meinungen zu diskreditieren und sozial zu ächten. Beispiele dafür sind „Terrorismus“, „Rassisten“, „Anti-Semiten“, „Putin-Versteher“ etc. Es ist in Deutschland und noch viel mehr in Amerika kaum möglich eine öffentliche, sachliche Diskussion über Putin und seine Politik zu führen. Wer nicht dem Nato-Narrativ folgt, dass die Nato der Hort des Guten und Putin/Russland der Hort des Bösen ist, der landet ganz schnell in der Schmuddelecke und wird diskreditiert, persönlich angegriffen und sozial geächtet. Sachliche Diskussionen werden damit unterdrückt, indem diese Bedrohung immer im Raum steht „wenn du von der akzeptierten Meinung abweichst, dann wirst du sozial geächtet und persönlich angegriffen. Wir werden dich als Putin-Versteher brandmarken, als Unterstützer von Diktatoren, als Unmensch, als Verschwörungstheoretiker, als Bekloppten“. Das kann dann den Job kosten, das kann Ansehen kosten, das kann viel Leid verursachen.

Das sind die 5 Filter, die Herman und Chomsky vorgschlagen haben. Ich würde noch einen weiteren hinzufügen:

6) Kooperation in gemeinsamen Elitenetzwerken zur Meinungskoordination. Elitenetzwerke wie der „Council on Foreign Relations“ , die „Atlantic bridge“, die „Atlantic Council“, die „Bilderbergerkonferenz“, die „Trilateral Comission“ usw. sind sehr exklusive Zirkel, in die nur eine ausgewählte Elite eingeladen wird. In diesen Zirkeln treffen sich einflussreiche Politiker, Unternehmer, Wissenschaftler und Journalisten, Chefredakteure, etc. Im Council on forein relations z.B. waren seit dem zweiten Weltkrieg fast alle US Außenminister, US Verteidigungsminister, US Vizepräsidenten und einige US Präsidenten, neben einflussreichen Unternehmern wie Rockefeller, Banker wie Rothschild, etc.

Uwe Krüger hat im Rahmen seiner Doktorarbeit diese Verbindungen für 4 ausgewählte deutsche Journalisten herausgearbeitet.
https://www.youtube.com/watch?v=PlOqpH-mcJo

In diesen Elitenetzwerken sind die beteiligten Journalisten dann oftmals nicht nur passive Zuschauer, sondern häufig aktiv eingebunden, z.B. in den Vorstand, den Beirat, oder aktive Mitglieder.

Das wird hier von der Anstalt schön satirisch und verständlich aufbereitet:
https://www.youtube.com/watch?v=4sXs6Jiy5Ms


Über all diese Filter findet eine Koordination von Meinungen und Handlungen zwischen Medien, Politik und Unternehmen statt. Medien dienen nach Meinung von Herman und Chomsky zum einen sich selbst – Profitstreben – und zum anderen dienen sie dazu in der Bevölkerung Konsens herzustellen über gemeinsame Meinungen, Haltungen, Verhaltenscodes usw. und diese Meinungen, Haltungen und Verhaltenscodes sind durch die Eliten vorgegeben. Medien dienen damit nicht der Wahrheitsfindung, sondern der Herstellung von Konsens innerhalb der Gesellschaft.



Wer verstehen möchte wieso es in den Medien zu so vielen Themen nur eine Meinung oder nur eine ganz enge Spannweite von Meinungen gibt, muss sich nur die erwähnten 6 Filter ansehen. Zusätzlich muss man sich vor Augen führen, dass die Vielfalt der Medien zu weiten Teilen eine Schein-Vielfalt ist. 5 Verlage kontrollieren in Deutschland fast die Hälfte des gesamten Zeitungsmarktes:
1) Springerpresse
2) DuMont
3) Funke Medien Gruppe
4) MadSack
5) SWMH

Hier wird das satirisch schön aufbereitet und anschaulich dargestellt von „Die Anstalt“ - es ist traurig, aber wenn man eine gute Berichterstattung in Deutschland will, muss man sich oft an Satiresendungen wenden:

https://www.youtube.com/watch?v=MOpNkgFTuBU

Trotz ihrer Größe haben aber auch diese Medienriesen nicht in aller Welt Reporter vor Ort. Es gibt ein paar ganz große, international tätige Nachrichtenagenturen, welche das haben, z.B.
1) Reuters
2) Deutsche Presse Agentur (DPA)
3) Agence France Press (AFP)
und einige mehr.

Diese produzieren das eigentliche Nachrichtenmaterial über internationale Ereignisse, verkaufen diese Nachrichten dann weiter an….die Tagesschau, den Spiegel, die FAZ, die TAZ usw. und dann sieht der Leser: Ja schau mal an, die berichten alle dasselbe! Die sind alle unabhängig voneinander zum selben Ergebnis gekommen, dann muss es ja wahr sein! ….Nein, muss es nicht,...die haben das alle von derselben Quelle abgeschrieben….hier wird eine Scheinvielfalt produziert, die genau das vorgaukeln soll – das alle unabhängig voneinader zum selben Ergebnis gekommen wären….

Darüber hinaus schreiben Journalisten auch gerne voneinander ab, wenn ein angesehener Journalist in der Zeit was schreibt, dann schreibt ein Journalist der FAZ das durchaus mal ab – auch so entsteht Konformität und der Eindruck, dass viele Journalisten unabhängig voneinander zum selben Ergebnis gekommen wären.
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon easylocoman » So 8. Jul 2018, 21:08

Ich habe es nur überflogen, aber das hat mir erst einmal gereicht und es bedarf für mich keiner weiteren Stellungsnahme, ausser dieser:

"Und jetzt? Was machen wir Konsumenten mit dieser Erkenntnis? Was ist die logische Konsequenz?"

Danke für die Ausarbeitung, die passt mir gut in den Kram.
Deine Argumentation ist um so richtiger, je plötzlicher sie zu ignorieren versucht wird. - www.clusev.de
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon imp » So 8. Jul 2018, 22:02

EinePerson hat geschrieben:(08 Jul 2018, 21:43)

Was ist die Rolle der Medien, was treibt sie an? In Wessen Interesse handeln sie? Berichten sie „die Wahrheit“?

Die Mehrheit der Medien sind Werbe- und Zweckerzeugnisse (z.B. documercials, Postwurf, Lehrfilme, Staatsfernsehen, Werbeclips, Imagefilm, "Patienteninformationen"), daneben gibt es das Privatfernsehen bzw Printmedien, die durch gefälligen Inhalt Abonnenten und/oder Werbekunden anziehen wollen, damit hinten heraus ein Gewinn entsteht. Wenn ein bestimmter Bericht netto Abos, Werbekunden, (seltener: Gesellschaftereinlagen oder Spender), Reichweite/Relevanz per Zitat erschließt, ist er gut. Wenn eine bestimmte Tendenz der Berichte Zugang zu exklusiven, verbilligten oder anderweitig geförderten Nachrichtenstoffen bietet, kann die kaufmännische Erwägung dazu drängen, dieser Neigung zu folgen. PR-Arbeit ist teilweise, dem Journalisten mundgerecht nachrichtenwerte Stoffe mit passendem Spin anzudienen. Aktualitätsdruck und große zu leistende Textmengen begünstigen das.
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon easylocoman » Mo 9. Jul 2018, 11:25

Ich habe diesen Beitrag jetzt gründlich gelesen und ich würde ihn auch genauso unterschreiben, weil ich alles darin richtig finde.
So wie die Medien in diesem Beitrag beschrieben werden, Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, so sind sie auch.

Die in Deinem Beitrag enthaltenen Links, habe ich jetzt nicht besucht, weil ich sie zum Teil kenne und mein Schwerpunkt nicht im Thema "Medien" liegt, sondern wie der Konsument mit ihnen umgehen sollte.
Aber die Anstalt möchte ich doch noch schnell erwähne!, denn wie EinePerson schon schreibt, sollte sich jeder in diesem Format über die politische Situation der BRD informieren. Nirgendwo bekommt man besseres Material zu diesem Zweck.
Wobei, es gibt doch sicher noch Material aus "Neues aus der Anstalt". Die Reden von Georg Schramm halte ich persönlich für noch besser, als die von Uthoff und Wagner, wobei diese Zeitgerechter sind.
Deine Argumentation ist um so richtiger, je plötzlicher sie zu ignorieren versucht wird. - www.clusev.de
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Mo 9. Jul 2018, 11:50

easylocoman hat geschrieben:(09 Jul 2018, 12:25)

Ich habe diesen Beitrag jetzt gründlich gelesen und ich würde ihn auch genauso unterschreiben,



Das kann man natürlich nicht. Denn wie üblich gleitet der Threaderöffner in die üblichen Verschwörungstheorien ab (BIlderberger etc.) und er verwechselt auch "Nachricht" mit "Meinung".
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon Maikel » Mo 9. Jul 2018, 12:59

EinePerson hat geschrieben:(08 Jul 2018, 21:43)
Was ist die Rolle der Medien,

Ich habe allgemein ein Problem damit, daß fast alles, was ich über Politik etc. erfahre, nur "gefiltert" über die Medien erfolgt; leider wohl nur erfolgen kann.

Damit bin ich abhängig davon, worüber die Medien berichten, in welcher Form, und worüber sie (ggf. bewußt) nicht berichten.

Das TRUMPeltier hat dieses Problem erkannt, und wendet sich deshalb via Twitter direkt und ungefiltert an die Menschen.

Gerade im Zusammenhang mit dem TRUMPeltier wird das Problem deutlich, daß man, abseits von Twitter&Co., Informationen nur über die Medien bekommt. Da TRUMPeltier und die Medien sich gegenseitig überworfen haben, muß ich davon ausgehen, daß die Informationen, die ich via Medien über das TRUMPeltier bekomme, nicht objektiv sind.

Ich habe allerdings keine bessere Idee; außer der, unterschiedliche Medien zur Information heranzuziehen, und diesen grundsätzlich kritisch gegenüberzustehen.

1) Sie verweisen darauf, dass die meisten Medien profit-orientierte Unternehmen sind
[...]
2) Das bringt uns zum zweiten Filter: Werbe-basierte Medien.

Das könnte man als Pladoyer für unseren gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk (miß)verstehen; am besten ganz ohne Werbung, wie z.B. die BBC in England. Dann müßten aber wohl die Gebühren (noch) höher sein.

Leider sind auch die Journalisten etc. bei den öffentlich-rechtlichen meist nicht neutral.
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon imp » Mo 9. Jul 2018, 13:28

Maikel hat geschrieben:(09 Jul 2018, 13:59)

Ich habe allgemein ein Problem damit, daß fast alles, was ich über Politik etc. erfahre, nur "gefiltert" über die Medien erfolgt; leider wohl nur erfolgen kann.

Ist das so? Veröffentlichen Parlamente und Abgeordnete ihre Reden nicht auch auf Webseiten, auf Facebook, Twitter usw?
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Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon EinePerson » Mo 9. Jul 2018, 16:24

Hallo Sole.survivor@web.de,

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(08 Jul 2018, 23:02)

Die Mehrheit der Medien sind Werbe- ....


da scheinen wir ja nahe beieinander zu sein was dieses Thema angeht.
EinePerson
Beiträge: 86
Registriert: So 22. Apr 2018, 14:24

Re: Die Rolle und Motivation der Medien in unserer Gesellschaft

Beitragvon EinePerson » Mo 9. Jul 2018, 17:45

Hallo easylocoman und Maikel,

ich fasse meine Antwort an euch beide zusammen, da ich den Eindruck habe, dass eine ähnliche Frage bei euch im Raum steht: Wie gehe ich damit um, dass Medien selektieren, interpretieren, teilweise auch lügen, etc?

Ich schreibe euch gerne, welche Schlüsse ich aus meinen Erfahrungen mit Medien und dem, was ich über Medien gelesen habe, ziehe.

    Ein Historiker, den ich sehr schätze, Daniele Ganser, hat in einem seiner Vorträge dazu geraten sich ein Thema auszusuchen, welches das Interesse weckt und mit Medien als vermittelnde Instanz zu tun hat und dann viel Zeit investieren, um es von allen Seiten her zu beleuchten.

    Wie macht man das?

  1. Ich versuche solide Beweise zu finden. Z.B. gibt es in den USA ein Gesetz, das 'Freedom of information act' heißt. Dieses Gesetz erlaubt es US Bürgern die US Regierung auf Herausgabe von geheimen Dokumenten zu verklagen, manche, wenige Dokumente sind davon ausgenommen, aber die meisten können erklagt werden. Das bedeutet, es gibt die Möglichkeit in vielen Fällen einen Einsicht zu erhalten in das innere Treiben des politischen Systems. So musste die US Regierung z.B. folgendes, ehemalig streng geheimes Dokument des US Verteidigungsministeriums (DOD) herausrücken:

    http://www.judicialwatch.org/wp-content ... sion11.pdf

    In diesem Dokument beschreibt das DOD, dass die Aufstände in Syrien von Anfang an von Terroristen/Jihadisten angeführt/getragen wurden und gewalttätig waren und nicht von einfachen, friedlichen Volk. Ebenso wird darin erklärt, dass man den Aufstieg des IS annimmt und dies gut heißt, denn man könne diesen als Werkzeug gegen Assad benutzen. Des weiteren gibt das DOD zu, dass der Westen, die Türkei, Saudi Arabien und Quatar die Jihadisten unterstützen, und einiges mehr.

    Das bedeutet nicht, dass man hier nun die Wahrheit schlechthin ausgegraben hat, wohl aber, dass man die vorherrschende Meinung des DOD und vermutlich der US Regierung sieht. Das kann man nun mit den öffentlichen Aussagen diverser Politiker sowie der Berichterstattung in den Medien vergleichen. Dann kann man sehen, wer liefert mir zutreffende Berichte und wer nicht, wer lügt mich an und wer sagt mir die Wahrheit. Es ist häufig so, dass die veröffentlichte Meinung und die Meinung hinter vorgehaltener Hand voneinander abweiche, manchmal gravierend - das ist so bei vielen Privatmenschen und noch häufiger so bei Menschen in der Öffentlichkeit, wie z.B. Politikern.

    Als nächstes habe ich mir Medien und Personen gesucht, welche diese Informationen vermitteln und ich habe mir diejenigen Medien gemerkt, welche eine völlig andere Story erzählen. So habe ich es mit vielen geleakten und erklagten Dokumenten gemacht - nach einer Weile bekommt man ein recht gutes Gespür dafür, welche Medien eher zutreffende Informationen vermitteln und welche nicht.

    Für mich war es Syrien - das war mein Thema, in das ich mich tief eingegraben habe und anhand dessen ich mir einen ersten Überblick über die Medienlandschaft gemacht habe. Dann kam der regime change in der Ukraine dazu und dann viele andere Themen.

    Anhand dieser Prozedur kam ich zu dem Urteil, dass ich weder den Öffentlich Rechtlichen, noch den gängigen Massenmedien trauen kann. Weder deutschen noch englisch-sprachigen. Die Berichterstattung z.B. zu Syrien ist oftmals völlig auf den Kopf gestellt und ein groteskes Zerrbild. Das bedeutet nicht, dass alles, was die genannten Medien vermitteln falsch wäre, aber meiner Meinung nach vieles - ob es schlecht recherchiert oder vorsätzlich gelogen ist, weiss ich nicht.

    Ich könnte nicht nur Medien als fragwürdig einstufen sondern fand auch Seiten, auf denen ich viele Informationen fand, die sich belegen liesen.

    Zusammenfassend:
    Suche nach geleakten Dokumenten, Dokumente, die der Geheimhaltung unterlagen und dann irgendwie den Weg ans Tageslicht gefunden haben. Suche nach Videos, suche nach Zeugenaussagen, Menschen, die vor Ort dabei waren, etc - merke dir, wer dir diese Informationen vermittelt hat und wer davon stark abweichende Informationen vermittelt.


  2. Seriöse Berichterstattung liefert Quellen zu den gemachten Aussagen, sodass diese für jedermann nachprüfbar sind. Es ist eine der größten Krankheiten unserer Massenmedien, dass sie fast nie Quellen liefern. Und wenn, dann sind es häufig pseudo-Quellen. "Aus Geheimdienstkreisen wurde berichtet"... "die Geheimdienste sind sich einig" das sind keine Quellen - das ist nicht nachprüfbar, jeder kann das behaupten, ob es stimmt oder nicht. Wenn als Quelle ein Artikel angegeben wird, welcher dann selbst keine Quelle für die Behauptung enthält, dann ist das ebenso keine Quelle. Wenn als Quelle einfach die Meinung von einer Person wiedergegeben wird, dann ist das zwar insofern eine Quelle, als der Ursprung referenziert wird, aber das heißt noch lange nicht, dass diese Person auch die Wahrheit spricht/ weiss wovon sie spricht. Meiner Meinung nach wird vorsätzlich auf die Angabe von Quellen in den Massenmedien verzichtet. Ich glaube damit sollen 1) Informationen schwer nachprüfbar gemacht werden 2) Es soll Recherchezeit gespart werden 3) Es soll möglich bleiben einfach von anderen Artikeln abzuschreiben, die auch keine Quellen angeben und 4) Das Volk soll dahingehend konditioniert werden, dass es unbewiesene Behauptungen - Geschichten!! - als bewiesene Tatsachen akzeptiert.

    Wenn ein Artikel kaum oder keine Quellen für die gemachten Aussagen enthält, sei sehr skeptisch!
  3. Es ist nicht hilfreich, viele Artikel zu lesen, ohne die gemachten Aussagen gründlich zu recherchieren. Wenn du bereit bist, sagen wir, täglich 30 Minuten Zeit in Nachrichten zu investieren, dann fokussiere dich lieber auf eines oder wenige Themen und investiere ausreichend Zeit, anstatt zig Artikel zu lesen und nichts zu recherchieren. Es ist gefährlich das zu tun - was du liest wird teilweise in deinem Gedächtnis hängen bleiben und Einfluss auf dich haben, selbst wenn du dir heute denkst: Oh, diesem Bericht glaube ich nicht! In einem Jahr wirst du vermutlich nur noch Bruchstücke davon erinnern und nicht mehr, dass du ihm nicht getraut hast. Diese bruchstückhaften Erinnerungen werden dich dazu verleiten, diesen Informationen tendenziell eher zu glauben (siehe dazu den illusion of truth effect).
  4. Achte auf die Sprache, in welcher ein Artikel verfasst ist! Ist die Sprache sachlich und eher deskriptiv oder sehr emotional und moralisch wertend? Werden rhetorische Techniken verwendet? Z.B. Strohmannargument, Scheinargument, Falsches Dilemma, Argumentum ad personam, Erhöhungen, Beschwichtigungen, Unterstellungen, Angstargument, Hassargument, Neidargument, Nazi-Vergleiche, usw. usf. Wenn du diese bei einem Artikel, einem Autor antriffst, sei sehr skeptisch!
  5. Stelle Vergleiche an, um zu sehen, ob ein Medium wirklich versuch neutral und sachlich zu berichten. Z.B. kannst du die Berichterstattung über die Belagerung von Aleppo durch Terroristen (al-Nusra, FSA und untergebene Fraktionen) und die Bombardierung durch die syrische und russische Armee mit der Belagerung von Mosul durch Terroristen (ISIS) und die Bombardierung durch die USA, Irak, UK, etc vergleichen - wie schreiben dieselben Medien/Autoren darüber? Gibt es Unterschiede in der Sprache? Gibt es Unterschiede in den Wertungen? Gibt es Unterschiede in der Häufigkeit der Berichterstattung und dem Grad an Details? usw.
  6. Schau dir an, in welche Netzwerke/Zusammenhänge ein Medium/ein Autor eingebunden ist. Von wem sind sie/ist er (finanziell) abhängig? Welche Motive treiben die Person an?
  7. Versuche dich nicht mit deinen Meinungen und Weltanschauung zu identifizieren! Das ist ein sehr wichtiger Punkt. An etwas anzuhängen, sowohl durch Mögen als auch durch Aversion macht blind(er) - je stärker der emotionale Bezug, desto blinder wird man. Versuche eine Distanz zu halten zu seinen eigenen Meinungen und Weltanschauungen. Versuche offen zu bleiben. Umgebe dich nicht nur mit solchen, die deiner Meinung sind, suche aktiv nach Gegenmeinungen - geb ihnen einen Chance! Versuche öfter mal deine eigene Meinung zu widerlegen, suche aufrichtig und ehrlich nach Beweisen, dass eine bestimmte Meinung, die du hast, falsch ist!
  8. Wenn jemand zu Hass und Krieg aufruft sei skeptisch! Wenn er das ganze als humanitäre Mission ausgibt, sei noch viel skeptischer! Wenn Politiker oder Journalisten davon reden, dass eine militärische Intervention in einem anderen Land notwendig ist um....Frieden herzustellen, um einen 'Bösewicht' von der Macht zu entfernen, um Frauenrechte zu fördern, um Demokratie zu fördern, etc....sei sehr, sehr skeptisch!
  9. Wenn Politiker für gravierende Handlungen, z.B. militärische Einsätze, Vorwurf von Hackerangriffen, oder Giftgasangriffen keine Beweise vorlegen, sondern darauf verweisen, dass aus gründen nationaler Sicherheit, oder zum Schutze von Geheimagenten, oder um weitere Ermittlungen zu schützen keine Beweise vorgelegt werden können, aber gleichzeitig einfordern, dass man ihnen alles glaubt und ihren Kurs mitträgt - sei sehr skeptisch! Wenn jemand will, dass du ihm folgst, dann soll er dir Beweise für seine Behauptungen liefern!

Falls mir mehr einfällt, werde ich die Liste fortsetzen.

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