Kommt der Westen zur Vernunft?

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Senexx
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Senexx » So 15. Apr 2018, 13:26

DarkLightbringer hat geschrieben:(15 Apr 2018, 14:13)

Erstmal muss der Feind aufgeklärt werden.

Dem "strategischen Denken" des Threaderstellers würde ich aber vom Grundsatze her zustimmen wollen.

Es ist viel Auflärungsarbeit nötig. Nicht nur bei der Feindaufklärung.

Generell ist das politische Denken zu wenig strategisch orientiert. Und wird vielfach von Emotionen beherrscht.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Tom Bombadil » So 15. Apr 2018, 14:33

3x schwarzer Kater hat geschrieben:(15 Apr 2018, 13:44)


Da sind keine Parolen oder Forderungen, es handelt sich lediglich um meine Schlussfolgerung bzgl. möglicher Folgen grenzenloser und "alternativloser" Toleranz der Intoleranz (und nein, damit ist nicht einzig und alleine der Islam gemeint, sondern auch rechts- und linksextreme Ideologien). Anscheinend hat bei euch Naziparanoiden aber das Wort "Kultur" getriggert, tut mir leid, war keine Absicht, ihr könnt auch "Werte" (wie Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte etc. pp.) dafür nehmen, vllt. wird es für euch dann klarer.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon KarlRanseier » So 15. Apr 2018, 15:11

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Apr 2018, 15:33)

Da sind keine Parolen oder Forderungen, es handelt sich lediglich um meine Schlussfolgerung bzgl. möglicher Folgen grenzenloser und "alternativloser" Toleranz der Intoleranz (und nein, damit ist nicht einzig und alleine der Islam gemeint, sondern auch rechts- und linksextreme Ideologien). Anscheinend hat bei euch Naziparanoiden aber das Wort "Kultur" getriggert, tut mir leid, war keine Absicht, ihr könnt auch "Werte" (wie Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte etc. pp.) dafür nehmen, vllt. wird es für euch dann klarer.



Du möchtest also eine "gelenkte Demokratie", in der es Toleranz nur in sehr engen Grenzen gibt und in der Kritiker der Machtverhältnisse, also "Extremisten", zumindest mundtot gemacht werden?

Ich dachte immer, Demokratie würde u.a. bedeuten, dass man auch Andersdenkenden nicht das Wort verbietet, und zwar auch dann nicht, wenn sie sich außerhalb des jeweiligen Mainstreams befinden? :?:
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon zollagent » So 15. Apr 2018, 15:16

KarlRanseier hat geschrieben:(15 Apr 2018, 16:11)

Du möchtest also eine "gelenkte Demokratie", in der es Toleranz nur in sehr engen Grenzen gibt und in der Kritiker der Machtverhältnisse, also "Extremisten", zumindest mundtot gemacht werden?

Ich dachte immer, Demokratie würde u.a. bedeuten, dass man auch Andersdenkenden nicht das Wort verbietet, und zwar auch dann nicht, wenn sie sich außerhalb des jeweiligen Mainstreams befinden? :?:

Kritiker sind nicht immer Extremisten. Das ist wieder mal nur das Opferspielen, das du offenbar sehr verinnerlicht hast, mit all den Thesen, bei denen du feststellen mußtest, daß sie nicht mehrheitsfähig sind. In einer Demokratie wird auch niemand "mundtot" gemacht.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Polibu » So 15. Apr 2018, 15:46

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Apr 2018, 12:11)

Entweder wird man in den westlichen Demokratien wieder härter und ist bereit, sich und seine Kultur zu verteidigen oder man wird untergehen.


Das ist eine sachliche und absolut korrekte Einschätzung.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Tom Bombadil » So 15. Apr 2018, 16:14

KarlRanseier hat geschrieben:(15 Apr 2018, 16:11)

Du möchtest also...

Möööp, falsch. Versuche es weiter.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon H2O » So 15. Apr 2018, 16:47

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Apr 2018, 12:11)

Entweder wird man in den westlichen Demokratien wieder härter und ist bereit, sich und seine Kultur zu verteidigen oder man wird untergehen.


Als Prediger in der Wüste machen wir beiden uns bestimmt sehr gut! Mich wundert zum Beispiel, mit welcher Gelassenheit Mitbürger und Regierende den beklagenswerten Zustand der Bundeswehr und des Grenzschutzes bestehen lassen. Die Innere Sicherheit läßt zu wünschen übrig, die äußere desgleichen. Bislang konnte man sich noch unter den Schirm der USA ducken, wenn es ganz dicke zu kommen drohte. Ist diese gewohnte Verantwortung Dritter für unsere Sicherheit weiterhin gewährleistet? Wenn da mal nicht in den USA jemand eine Strichliste führt, wie oft unser Land sich gemeinsamem Vorgehen gegen einen gemeinsamen äußeren Gegner entzogen hat? Wenn man sich solche Freiheiten gönnt, dann sollte man wohl in der Lage sein, den Übermut Halbstarker dämpfen zu können, den wir hier von Zeit zu Zeit erlebt haben.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 16. Apr 2018, 07:22

Es ist schon viele male und zu recht darauf hingewiesen worden: Die Wahrnehmung einer scheinbar zunehmenden Krisenhaftigkeit der Welt ist eben das: Eine Frage der Wahrnehmung und vor allem auch der Wandlung der Medien und nur sehr bedingt eine Frage der Realität. Zumindest wenn man den betrachteten Zeitraum auf mehr als nur ein paar Jahre ausdehnt. Herausragend in dieser Hinsicht 2011 das Buch des Harvard-Forschers Steven Pinker: "The Better Angels of Our Nature: Why Violence Has Declined" (deutsch als: "Gewalt: Eine neue Geschichte der Menschheit" erschienen). Nur als ein Aspekt von vielen: Solange die gewaltsame Tötung von Menschen (Mord, Totschlag, Krieg, Terror) nicht auf absolut Null Komma Null sinkt, wird es grundsätzlich und immer Titelblatt-Schlagzeilen mit Berichten über gewaltsame Tötungen geben.

Die großen Massaker der jüngeren Vergangenheit spielten sich irgendwo in Indonesien oder Südamerika ab. Die großen Hungersnöte jügerer Zeit irgendwo in Äthiopien, Bangla Desh oder Biafra. Während gleichzeitig in der Bundesrepublik manchmal tagelang die Forderungen des Flughafenpersonals nach mehr Gehalt die Meldung Nummer Eins war. Das Gefühl wachsender Krisenhaftigkeit täuscht.

Massive Probleme gibt es natürlich dennoch. Aber diese nicht gerade kleinen Probleme der Gegenwart und Zukunft sind allesamt Probleme, die die ganze Menschheit betreffen.Es nützt also nichts, eine Einigelung dieses sogenannten "Westens" als Wertegemeinschaft zu betreiben.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 16. Apr 2018, 09:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 08:22)

Zumindest wenn man den betrachteten Zeitraum auf mehr als nur ein paar Jahre ausdehnt.

Das Problem dabei ist, dass du nicht zu weit zurückgehen kannst, der Kalte Krieg war geprägt von Stellvertreterkriegen, die deutlich mehr Opfer gefordert haben als die jetzigen Konflikte, alleine in Südostasien hat der Vietnamkrieg das Maß übererfüllt.
Die Wahrnehmung von Krisen liegt nicht nur an der Zeit, sondern auch am Ort. Wenn sich irgendwo tausende Kilometer entfernt Afrikaner mit Macheten abschlachten, dann ist das weniger präsent als wenn in Berlin ein LKW in eine Menschenmenge rast. Das liegt in der Natur des Menschen. Die Krisen sind deutlich näher an Europa herangerückt, das fing mit Jugoslawien an und ist derzeit mit dem islamistischen Terror präsent. Ja, früher gab es die RAF, die hat sich ihre Ziele aber eher in den Eliten gesucht, der normale Bürger war da weniger gefährdet. Und selbstverständlich spielen die Medien auch eine Rolle. Wenn "damals" in Freiburg eine Frau vergewaltigt wurde, dann hat man das kaum mitbekommen, heute sind die Onlinezeitungen sofort voll davon, es wird getwittert und geteilt, was das Zeug hält, und nicht zuletzt diskutieren wir hier auch über so etwas. Dadurch rückt einem so etwas auch näher auf den Pelz, das ist die Kehrseite der Informationsgesellschaft.
Unser Staat mit seinen Organen muss sich wandeln, er muss transparenter werden, öffentlicher, verständlicher, ich glaube, dann wäre schon viel gewonnen.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon relativ » Mo 16. Apr 2018, 09:31

Tom Bombadil hat geschrieben:(15 Apr 2018, 15:33)

Da sind keine Parolen oder Forderungen, es handelt sich lediglich um meine Schlussfolgerung bzgl. möglicher Folgen grenzenloser und "alternativloser" Toleranz der Intoleranz (und nein, damit ist nicht einzig und alleine der Islam gemeint, sondern auch rechts- und linksextreme Ideologien). Anscheinend hat bei euch Naziparanoiden aber das Wort "Kultur" getriggert, tut mir leid, war keine Absicht, ihr könnt auch "Werte" (wie Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte etc. pp.) dafür nehmen, vllt. wird es für euch dann klarer.

Es steht hier Global gesehen ein ganz andere Frage im Raum, alsdie kurzsichtige Verteidigung einer Kultur ect.
Hier steht das Zusammenwachsen der Erdbevölkerung auf den Spiel. Soll dieser Prozess umgekehrt werden, weil auf den Weg dahin Probleme auftreten. Sollen sich alle Nationalstaaten wieder zurück in die 30iger Jahre begeben?
Klare Antwort von mir, nein. Die Probleme muessen anders als mit Protektionismus und/oder Kulturellen einigeln gelöst werden, denn dies führt m.M. unweigerlich wieder zu größeren und mehr nonverbalen Auseinandersetzungen.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Wähler » Mo 16. Apr 2018, 09:45

Interessanter Presseclub (+ Nachgefragt) zum Thema: Zurück zum Kalten Krieg?
http://www.ardmediathek.de/tv/Presseclu ... d=51654772
Fazit:
Ohne Russland kommt es zu keiner Lösung im syrisch-nahöstlichen Bürgerkrieg.
Die EU-Außenpolitik muss professioneller werden und das Machtvakum, welches die USA hat entstehen lassen, helfen, mit zu füllen. Deutschland könnte seine guten Kontakte zu Moskau effektiver nutzen.
Der Journalist von der SZ hat durchblicken lassen, dass zunehmend heftigere Kommentare der Bevölkerung in der außenpolitischen Redaktion angekommen sind.
Der Journalist von der Zeit plädierte für mehr "Augenhöhe" im Umgang mit der laut Obama "Regionalmacht" Russland.
Zeitungstexte bei Genios mit Bibliotheksausweis kostenlos: https://www.wiso-net.de/login?targetUrl=%2Fdosearch (Zugang auch bundesweit)
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 16. Apr 2018, 09:57

relativ hat geschrieben:(16 Apr 2018, 10:31)

Hier steht das Zusammenwachsen der Erdbevölkerung auf den Spiel.

Wenn ich schätzen soll, wann die Erdbevölkerung zusammengewachsen ist, dann weiß ich nicht, ob 500 oder 1000 Jahre oder doch "nie" die richtige Schätzung wäre. Die Proletarier aller Länder werden sich in absehbarer Zeit nicht vereinigen und es werden alle Menschen auch nicht so bald Brüder, keine Chance, dazu ist der Mensch noch viel zu sehr "Raubtier".
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon relativ » Mo 16. Apr 2018, 10:21

Tom Bombadil hat geschrieben:(16 Apr 2018, 10:57)

Wenn ich schätzen soll, wann die Erdbevölkerung zusammengewachsen ist, dann weiß ich nicht, ob 500 oder 1000 Jahre oder doch "nie" die richtige Schätzung wäre. Die Proletarier aller Länder werden sich in absehbarer Zeit nicht vereinigen und es werden alle Menschen auch nicht so bald Brüder, keine Chance, dazu ist der Mensch noch viel zu sehr "Raubtier".

Nunja wenn du meinst, daß es dir egal isthauptsache zu deinen Lebzeiten soll dieser prozess nicht in Gang gesetzt werden, kannst du persönlich geren diese Ego Einstellung haben. Richtig ist sie m.M. trotzdem nicht.
Btw. du solltest nicht den

Mod - Provo Spam.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 16. Apr 2018, 13:07

Tom Bombadil hat geschrieben:(16 Apr 2018, 10:04)
Das Problem dabei ist, dass du nicht zu weit zurückgehen kannst, der Kalte Krieg war geprägt von Stellvertreterkriegen, die deutlich mehr Opfer gefordert haben als die jetzigen Konflikte, alleine in Südostasien hat der Vietnamkrieg das Maß übererfüllt.
Die Wahrnehmung von Krisen liegt nicht nur an der Zeit, sondern auch am Ort. Wenn sich irgendwo tausende Kilometer entfernt Afrikaner mit Macheten abschlachten, dann ist das weniger präsent als wenn in Berlin ein LKW in eine Menschenmenge rast. Das liegt in der Natur des Menschen. Die Krisen sind deutlich näher an Europa herangerückt, das fing mit Jugoslawien an und ist derzeit mit dem islamistischen Terror präsent.

Das liegt in der Tat in der Natur des Menschen. Aber genau deshalb gibt es wisssenschaftliche Institutionen wie die des Zentrums für Konfliktforschung an der Universität Sydney, die mitt dem jährlichen Global Peace Index versuchen, die weltweite Entwicklung von Gewalt objektiv zu quantifizieren.

Und es gab nicht nur die RAF. Es gab den Nordirlandkonflikt. Mitte der 70er Jahre wurde in Spanien und erst 1989 in Rumänien Diktaturen mit hunderttausenden Todes-Opfern beendet. Das wird verdrängt. In den jüngeren Berichten des Konfliktforschungszentrums wird inzwischen von einem "Wendepunkt" gesprochen. Weltweit kamen 2017 das zweite Jahr in Folge weniger Menschen durch Terrorismus ums Leben. Und im vergleich zu 2014 22 Prozent weniger. Nur in Europa ist sie angestiegen (https://www.rnz.de/politik/hintergrund_artikel,-iep-index-der-weltweite-terror-geht-zurueck-_arid,316812.html). Die entscheidende Frage ist, ob dieser Anstieg in Europa die Folge einer (dauerhaften) Schwerpunktverlagerung ist oder eher eine zeitliche und örtliche "Phasenverschiebung". Ich denke eher, dass der teils drastische Rückgang des Terrorismus in den betroffendsten Ländern (Pakistan, Irak, Nigeria usw.) mittelfristig auch in Europa zu einem Rückgang führen wird. Zumindest wenn Europa zur Vernunft kommt, sich politisch klug verhält und nicht auf Gegenagression, Massenhysterie oder Abschottung setzt.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 16. Apr 2018, 15:02

Russischer Journalist stürzt aus unbekannten Gründen vom Balkon und ist tot.

Borodin hatte zuletzt über Moskaus "Schattenarmee" in Syrien berichtet. (...)
und hatte kürzlich über den Tod mehrerer russischer Söldner der sogenannten Gruppe Wagner in Syrien geschrieben.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 03174.html

Seit 1992 sind 58 Reporter getötet worden, die Verbrechen werden selten aufgeklärt.

Die "Vernunft des Westens" ist die der Aufklärung, die Philosophie und die Kriminalfälle betreffend.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon Selina » Mo 16. Apr 2018, 17:30

Der Schlüssel für die Frage des Threads "Kommt der Westen zur Vernunft?" liegt im Verhältnis zu Russland. Russland gehört wieder an den Verhandlungstisch; ganz ohne Russland geopolitisch und weltumspannend agieren zu wollen, wird immer ins Abseits führen und auf längere Sicht zum Scheitern verurteilt sein. Bei der momentanen zugespitzten Gefahr eines dritten und letzten Weltkrieges gibt es keine Alternative zum Dialog. Man kann weiterhin sehr kritisch betrachten, begleiten und kommentieren, was die Russen national und international tun, aber man sollte den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Davon bin ich felsenfest überzeugt. Und viele vernünftige, weitblickende Politiker auch, wie man zum Glück täglich lesen kann. Und im Übrigen: Zur gewünschten erneuten Dialog-Politik, die man in kleinen wichtigen Schritten wieder aufbauen muss, gehört auch ein gewisses Maß an Selbstkritik der Westmächte. Davon sehe ich im Moment nichts.

Zitat:

Auch der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn warnte davor, zu glauben, dass die Luftschläge nun eine entscheidende Wende in diesem Bürgerkrieg herbeiführen würden. Asselborn bekundete seine Sympathie für die Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der davor gewarnt hatte, alle Kanäle zu Moskau zu verschließen: "Ich bin fest davon überzeugt, dass auch Russland aus diesem Morast raus will. Und dass wir als EU uns auf die Zähne beißen müssen, um wieder zu einem normalen, vernünftigen Verhältnis mit Russland zu kommen. Das ist das Einzige, was uns einer Lösung in Syrien näher bringt."

https://www.tagesschau.de/ausland/eu-syrien-105.html

Zitat:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Präsidenten der USA und Russlands, Donald Trump und Wladimir Putin, zu einer gemeinsamen Friedensinitiative auf. "Die großen Mächte tragen größere Verantwortung. Hier muss ein erster Schritt erfolgen. Das sind Putin und Trump der Welt schuldig", sagte Steinmeier.

In Bezug auf Syrien hatte Außenminister Heiko Maas sich bereits gestern ähnlich geäußert. Nur eine politische Lösung werde dauerhaften Frieden bringen, unterstrich er. Die Bundesregierung werde alle diplomatischen Mittel nutzen, um die Verhandlungen voranzubringen. Dazu werde sie auch ihre Kanäle nach Russland nutzen, um dort auf eine konstruktive Haltung zu dringen, so Maas.


https://www.tagesschau.de/inland/syrien ... d-101.html
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 16. Apr 2018, 19:52

DarkLightbringer hat geschrieben:(16 Apr 2018, 16:02)
Die "Vernunft des Westens" ist die der Aufklärung, die Philosophie und die Kriminalfälle betreffend.

Dass die schwarze Näherin Rosa Parks von einem Busfahrer aufgefordert wurde, ihren Sitzplatz für einen weißen Mann zu räumen ... ist jetzt wie lange her? Und dennoch waren die USA zu der Zeit global gesehen eine Fortschrittsmacht. Wir müssen lernen, diese Ambivalenzen auszuhalten. Eine spontane Antipathie wie die gegen die Politik der Regierung Orbán (die ich teile ...) bemüßigt einen User/eine Userin wie Thnik Twice dazu, ein Land wie UNgarn als "Entwicklungsland" zu bezeichnen, Eine Kurzschlüssigkeit, die von ihm/ihr selbst völlig zurecht als solche bezeichnet werden würde, wenn sie sich gegen Migranten in Deutschland richten würde. Gegen solche Kurzschlüssigkeiten hilft nur eins: Nicht dazuzugehören. Zu welcher Gruppe von Menschen auch immer. Auf kritische Distanz zu bleiben. Keine Vorbilder, keine Leitbilder zu haben. Kein "Fan" wovon oder von wem auch immer sein zu wollen. Keine Identität außer der der eigenen Persönlichkeit zu haben.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 16. Apr 2018, 20:07

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 20:52)

Dass die schwarze Näherin Rosa Parks von einem Busfahrer aufgefordert wurde, ihren Sitzplatz für einen weißen Mann zu räumen ... ist jetzt wie lange her? Und dennoch waren die USA zu der Zeit global gesehen eine Fortschrittsmacht. Wir müssen lernen, diese Ambivalenzen auszuhalten. Eine spontane Antipathie wie die gegen die Politik der Regierung Orbán (die ich teile ...) bemüßigt einen User/eine Userin wie Thnik Twice dazu, ein Land wie UNgarn als "Entwicklungsland" zu bezeichnen, Eine Kurzschlüssigkeit, die von ihm/ihr selbst völlig zurecht als solche bezeichnet werden würde, wenn sie sich gegen Migranten in Deutschland richten würde. Gegen solche Kurzschlüssigkeiten hilft nur eins: Nicht dazuzugehören. Zu welcher Gruppe von Menschen auch immer. Auf kritische Distanz zu bleiben. Keine Vorbilder, keine Leitbilder zu haben. Kein "Fan" wovon oder von wem auch immer sein zu wollen. Keine Identität außer der der eigenen Persönlichkeit zu haben.

So eine Persönlichkeit war Marikka Rökk. Auf die Frage, wie sie zum Dritten Reich gestanden habe, antwortete sie mit ihrem unverwechselbaren ungarischen Akzent: "Ich wollte immer nur tanzen, tanzen, tanzen!"

Ich glaube, die Neutralitätsmasse ist ohnehin viel größer als man meinen möchte.
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 16. Apr 2018, 20:48

DarkLightbringer hat geschrieben:(16 Apr 2018, 21:07)

So eine Persönlichkeit war Marikka Rökk. Auf die Frage, wie sie zum Dritten Reich gestanden habe, antwortete sie mit ihrem unverwechselbaren ungarischen Akzent: "Ich wollte immer nur tanzen, tanzen, tanzen!"


:) Es ist ja nicht so, dass ich nicht verstehen würde, was mit dieser Anspielung gemeint ist ... Kritische Distanziertheit zu einer imaginierten Gemeinschaft wie "Der Westen" (Threadthema) meint aber alles andere als "Gleichgültigkeit politischer Themen im Vergleich mit persönlichen Interessen" und ist auch nur ein notwendiges und kein hinreichendes Kriterium. Marika Rökk war nicht im Mindesten distanziert sondern einfach nur auf ihre persönliche Karriere bedacht. Irrelevant fürs Threadthema. Ganz anders Leni Riefenstahl.

"Der Westen" kommt aus meiner SIcht genau dann zur Vernunft, wenn er diese summarische Begrifflichkeit "Der Westen" kritisch hinterfragt und nicht einfach auf eine Besinnung darauf pocht. Die sogenannten "Werte" erweisen sich in der politischen Realität immer wieder als hohle Phrasen. "Nyugat", der "Westen" hieß in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der bedeutsamsten fortschrittlichen bis avantgardistischen Kunst- und Literaturzeitschriften Europas. Erschienen in Ungarn. Wer von den Westen-Identitären wird diese kennen?
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Re: Kommt der Westen zur Vernunft?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 16. Apr 2018, 21:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(16 Apr 2018, 21:48)

:) Es ist ja nicht so, dass ich nicht verstehen würde, was mit dieser Anspielung gemeint ist ... Kritische Distanziertheit zu einer imaginierten Gemeinschaft wie "Der Westen" (Threadthema) meint aber alles andere als "Gleichgültigkeit politischer Themen im Vergleich mit persönlichen Interessen" und ist auch nur ein notwendiges und kein hinreichendes Kriterium. Marika Rökk war nicht im Mindesten distanziert sondern einfach nur auf ihre persönliche Karriere bedacht. Irrelevant fürs Threadthema. Ganz anders Leni Riefenstahl.

"Der Westen" kommt aus meiner SIcht genau dann zur Vernunft, wenn er diese summarische Begrifflichkeit "Der Westen" kritisch hinterfragt und nicht einfach auf eine Besinnung darauf pocht. Die sogenannten "Werte" erweisen sich in der politischen Realität immer wieder als hohle Phrasen.

Nun gut, dann haben wir drei Modelle: Rökk, Riefenstahl und Scholl. Wenn Schwerwiegendes vor sich geht, ist jede Haltung eine politische. Das Thema hatten wir schon mal vor Jahren, mein Beispiel wäre da wieder "Casablanca" - der Barbesitzer Rick ist nicht ganz unpolitisch, aber desillusioniert. Als es dann drauf ankommt, bricht seine Überzeugung durch.

Was war denn der ursprüngliche "Westen" - ein Fetzen Land im heutigen Griechenland. Und im Osten lagen eben die Perser.
Die Frage nach den "Werten" mag sich ergeben haben, zumindest nach einem bestimmten Autor ergab sich diese Frage sogar ganz vehement. Für die Spartaner galt ausschließlich der individuell zu erreichende Ruhm. Laut "meinem" Autor setzte dem Perikles ganz bewußt das Modell des Stadtstaates entgegen, dessen Gemeinwesen den Ruhm erwirbt. Das Individuum trägt also nur bei und Athen ist nicht nachrangig, sondern vorrangig.
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