Der langsame Tod der Rockmusik

Moderator: Moderatoren Forum 5

Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11816
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Di 3. Apr 2018, 12:27

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(03 Apr 2018, 13:23)

Unternehmerboss Mentalitaet? Ist mir zu links aussen solche Begriffe. Genauso wie Major Label.

Ich trenne Musik von Politik! Und von wegen Dylan nicht im Bad der Menge? Jeder Kuenstler lebt vom Bad in der Menge! Selbst die Dorfband freut sich wenn der Laden voll ist, die Leute happy und die Groupies willig sind.

Sex Drugs & Rock n Roll

Du. Mein schlechter Eindruck vom Pink-Floyd-Konzert-Publikum in Lissabon hat absolut nix mit Politik sondern ausschließlich etwas mit sozusagen spontaner menschlicher Antipathie zu tun.

Die verschiedenen Formen von ostentativer Publikumsverachtung bei Künstlern wie Miles Davis oder Bob Dylan wären noch mal ein Thema für sich .... Vielleicht muss man auch mal 2,3 Dylan-Konzerte miterlebt haben.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
imp
Beiträge: 8075
Registriert: Fr 14. Jul 2017, 19:37
Benutzertitel: Man On The Silver Mountain

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon imp » Di 3. Apr 2018, 16:30

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2018, 09:34)
Prägend für die Entwicklung der Rockmusik der letzten 20 bis 25 Jahre ist aus meiner Sicht die noch Ende der 80er ziemlich unvorhersehbare Renaissance von Indie- und die eben nicht völlige Dominanz von Major-Labeln. Von The Smiths, Dinosaur. Jr, They Might Be Giants, Sonic Youth bis hin zu Bright Eyes oder Arcade Fire. Das sind oder waren jüngst die Innovativen.

Das ist eben die Frage, ob das für "die Rockmusik" wirklich prägend war oder "nur" eine vorübergehend mal bedeutende Nebenlinie, wie es sie immer mal gegeben hat. Gotthard als typisches 90er-Phänomen braucht The Smiths überhaupt nicht. Belle and Sebastian, da ist der Bezug schon eher erkennbar. Das ist jetzt willkürlich gewählt. Diese schöne Zersplitterung und Breite ermöglicht es, alte Denkweisen von "kommerziell-massenkompatibel" vs "Anspruch" zu überwinden. Was da für die Rockmusik gilt, lässt sich leicht auf Punk, Metal, diverse Elektropop-Formate und Jazz erweitern.
Life is demanding without understanding.
Benutzeravatar
TheManFromDownUnder
Beiträge: 1321
Registriert: Do 8. Feb 2018, 04:54
Wohnort: Queensland Australien

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon TheManFromDownUnder » Mi 4. Apr 2018, 00:19

schokoschendrezki hat geschrieben:(03 Apr 2018, 13:27)

Du. Mein schlechter Eindruck vom Pink-Floyd-Konzert-Publikum in Lissabon hat absolut nix mit Politik sondern ausschließlich etwas mit sozusagen spontaner menschlicher Antipathie zu tun.

Die verschiedenen Formen von ostentativer Publikumsverachtung bei Künstlern wie Miles Davis oder Bob Dylan wären noch mal ein Thema für sich .... Vielleicht muss man auch mal 2,3 Dylan-Konzerte miterlebt haben.


Ich wuerde es noch nicht mal durch ein Dylan Konzert aushalten. Er ist ein hervorragender Songschreiber und Komponist aber ein lausiger Saenger. Ich ziehe cover versions von Dylan vor. Ich denke da an Manfred Mann's Earth Band und Jimi Hendrix usw.
Support the Australian Republican Movement
Benutzeravatar
Keoma
Beiträge: 12142
Registriert: Mi 25. Jun 2008, 12:27
Benutzertitel: Drum Legend
Wohnort: Österreich

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Keoma » Mi 4. Apr 2018, 06:23

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(04 Apr 2018, 01:19)

Ich wuerde es noch nicht mal durch ein Dylan Konzert aushalten. Er ist ein hervorragender Songschreiber und Komponist aber ein lausiger Saenger. Ich ziehe cover versions von Dylan vor. Ich denke da an Manfred Mann's Earth Band und Jimi Hendrix usw.


Ich habe immer schon gesagt, Dylan ist der einzige Songschreiber den ich kenne, wo jede Interpretation eines seiner Songs besser ist als seine.
Eventuell "Knocking on heavens door" im Film ausgenommen.
Moralische Entrüstung ist Eifersucht mit einem Heiligenschein.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11816
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 4. Apr 2018, 07:32

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 Apr 2018, 17:30)

Das ist eben die Frage, ob das für "die Rockmusik" wirklich prägend war oder "nur" eine vorübergehend mal bedeutende Nebenlinie, wie es sie immer mal gegeben hat. Gotthard als typisches 90er-Phänomen braucht The Smiths überhaupt nicht. Belle and Sebastian, da ist der Bezug schon eher erkennbar. Das ist jetzt willkürlich gewählt. Diese schöne Zersplitterung und Breite ermöglicht es, alte Denkweisen von "kommerziell-massenkompatibel" vs "Anspruch" zu überwinden. Was da für die Rockmusik gilt, lässt sich leicht auf Punk, Metal, diverse Elektropop-Formate und Jazz erweitern.

Ja. Prägend nicht als musikalischer Einfluss sondern als ein Beispiel und Beleg für dieses postmoderne Anything Goes. Und wirtschaftlich gesehen für dieses Phänomen der Nischenbesetzung.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11816
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Do 5. Apr 2018, 08:38

Wobei ich zugeben muss: Alles was ich in diesem Thread als Gegenargumente zum angeblichen Tod der Rockmusik geschrieben habe, gilt in Gänze nur ungefähr und etwa bis zum Ende der letzten Dekade. In einem Artikel des Musikexpress zum Thema wird das Ende der produktiven Phase der Rockmusik auf 2008 datiert. Und neben dem innermusikalischen Grund der mangelnden Innovativität wird als wesentlich wesentlicher ein anderer Grund herausanalysiert: Es macht keinen Sinn, die Welt aus den Fugen mit Rockmusik heben zu wollen, wenn die Politik selbst es bereits tut. Die Welt von 1945 bis 2010 war zwar gewaltsam, ungerecht, stark polarisiert was Wohlstand und Wirtschaftskraft anbelangt ... aber sie war in gewisser Hinsicht verlässlich. In negativer wie positiver Hinsicht. Selbst wenn wir nur die drei größten Weltmächte anschauen: USA, China, Russland. Keine Rockrevolte könnte auch nur von der Radikalität der Veränderungen träumen, die dort real in jüngster Zeit stattgefunden haben.

Interessanter Artikel auch und gerade in politischer Hinsicht jedenfalls: https://www.musikexpress.de/wieso-rockn ... gt-987541/
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11816
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Do 5. Apr 2018, 09:27

Den SPH Band-Contest für Berlin konnte ich voriges Jahr bis zum Finale live beobachten. Was man tatsächlich zugeben muss: Es herrscht eine aus meiner Sicht irritierende Konventionalität vor. Man könnte es vielleicht auch als einen Mangel an Innovation bezeichnen. Aber auf der anderen Seite: Sämtliche Veranstaltungen waren immer proppevoll. Also an Mangel an Zulauf und populärem Interesse stirbt die gitarrenbetonte Rockmusik auch jenseits von den Großen Namen in nächster Zeit bestimmt nicht.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1820
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Progressiver » Do 5. Apr 2018, 19:37

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Apr 2018, 09:38)

Wobei ich zugeben muss: Alles was ich in diesem Thread als Gegenargumente zum angeblichen Tod der Rockmusik geschrieben habe, gilt in Gänze nur ungefähr und etwa bis zum Ende der letzten Dekade. In einem Artikel des Musikexpress zum Thema wird das Ende der produktiven Phase der Rockmusik auf 2008 datiert. Und neben dem innermusikalischen Grund der mangelnden Innovativität wird als wesentlich wesentlicher ein anderer Grund herausanalysiert: Es macht keinen Sinn, die Welt aus den Fugen mit Rockmusik heben zu wollen, wenn die Politik selbst es bereits tut. Die Welt von 1945 bis 2010 war zwar gewaltsam, ungerecht, stark polarisiert was Wohlstand und Wirtschaftskraft anbelangt ... aber sie war in gewisser Hinsicht verlässlich. In negativer wie positiver Hinsicht. Selbst wenn wir nur die drei größten Weltmächte anschauen: USA, China, Russland. Keine Rockrevolte könnte auch nur von der Radikalität der Veränderungen träumen, die dort real in jüngster Zeit stattgefunden haben.

Interessanter Artikel auch und gerade in politischer Hinsicht jedenfalls: https://www.musikexpress.de/wieso-rockn ... gt-987541/


Ich finde den Artikel auch interessant. Vom Bauchgefühl her spricht er mir aus der Seele. Natürlich braucht es aber nicht nur die Rock-Attitüde, sondern man muss bereit sein, auch in politischer Hinsicht zu rebellieren. Wenigstens in Maßen sollte man es sich auch erlauben wollen, seinen Leidenschaften hinzugeben. Ich denke, als Rockmusik entstand, war da auch ein Gefühl der Rebellion gegen die Macht des Faktischen bzw. der autoritären Eltern. Vielleicht konnte die Jugend damals am Anfang auch einfach deswegen leicht rebellieren, weil sie so viele waren. Obwohl natürlich auch "1968" laut einer Sendung, die neulich im Spätprogramm der ARD lief, nur von einem Bruchteil der Jugend getragen wurde. Im Fernsehen lief dagegen "Heintje" und Konsorten. Heute scheint das Pendel dagegen wieder umzuschwingen. Die Jugend ist in Zeiten zunehmender Überalterung eine eher kleine Bevölkerungsgruppe. Ich will auch gar nicht wissen, wie viele dieser nachwachsenden Generation von Helikopter-Eltern vor den Widrigkeiten des Lebens geschützt werden, nur um dann in Schule oder Studium auszubrennen, weil der Leistungsdruck zu Burnoutsyndromen führt. Früher schien es auch einfacher zu sein, zu rebellieren, da die Welt dadurch auch veränderbar schien und da es auch politische Alternativen gab. Heutzutage kann man dagegen wohl froh sein, wenn die Trumps dieser Welt nicht allzu viele Scherben verursachen.

Vielleicht noch ein Wort zu Guns N´ Roses. Erst neulich kam auf arte eine Dokumentation über diese Band. Als sie Anfang der 1990er groß wurde, war sie natürlich wirklich gefährlich. Der Sänger Axl Rose beispielsweise schaffte es schon einmal mit seinen Launen, ein Konzert abzubrechen, so dass die wütenden Fans randalierten. Weiterhin ist es mir aus heutiger Sicht ein Rätsel, wie die Bandmitglieder es hingekriegt hatten, trotz ihrer damaligen Drogenexzesse überhaupt auch nur ein Konzert zu spielen, Platten herauszubringen und, längerfristig gesehen, diese Zeit zu überleben.

Was mich betrifft, werde ich hoffentlich immer wieder neue Musiker finden, deren Musik ich hörenswert finde. Ich brauche auch keinen Stadionrock, Randale und 100.000 gealterte und biertrinkende Fans, die versuchen, zu "Welcome To The Jungle" oder "Paradise City" mitzugröhlen. Aber wie es in dem Artikel stand, schaffen es hoffentlich Trump und Co., die Leute derart zu politisieren, dass sie wieder zu kämpfen anfangen -für ihre eigenen Rechte und eine bessere Zukunft. Aber ob sie dann wieder zu einer Gitarre greifen werden, wird sich zeigen.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
TheManFromDownUnder
Beiträge: 1321
Registriert: Do 8. Feb 2018, 04:54
Wohnort: Queensland Australien

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon TheManFromDownUnder » Fr 6. Apr 2018, 11:56

Progressiver hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:37)


Ich brauche auch keinen Stadionrock, Randale und 100.000 gealterte und biertrinkende Fans, die versuchen, zu "Welcome To The Jungle" oder "Paradise City" mitzugröhlen. Aber wie es in dem Artikel stand, schaffen es hoffentlich Trump und Co., die Leute derart zu politisieren, dass sie wieder zu kämpfen anfangen -für ihre eigenen Rechte und eine bessere Zukunft. Aber ob sie dann wieder zu einer Gitarre greifen werden, wird sich zeigen.


Du hast etwas gegen "Aeltere" die Fun haben ihre Musik zu hoeren? Ich sehe Musik nicht ausschliesslich als ein politisches Instrument um gegen das Establishment zu wettern. Guitarren gegen Maschinenpistolen ist sowieso romatisierter Widerstand.Woodstock Nostalgie. War Fun aber Zeiten aendern sich. Ich sehe Musik als Entspannung und Bereicherung. Ich bin kein Fan von Stadium Rock aber wenn ich Stones, Santana, Sting und andere hoeren will dann gibt es keine Alternative.

Welche neuen Bands bringen eigentlich guten Rock?

Hier ist es so das die jungen Leute genauso verrueckt nach Cold Chisel oder Midnight Oil sind wie wir Grossvaeter.
Support the Australian Republican Movement
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 71045
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Blutgrätsche
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Fr 6. Apr 2018, 13:12

Progressiver hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:37)

Vielleicht noch ein Wort zu Guns N´ Roses. Erst neulich kam auf arte eine Dokumentation über diese Band. Als sie Anfang der 1990er groß wurde, war sie natürlich wirklich gefährlich. Der Sänger Axl Rose beispielsweise schaffte es schon einmal mit seinen Launen, ein Konzert abzubrechen, so dass die wütenden Fans randalierten. Weiterhin ist es mir aus heutiger Sicht ein Rätsel, wie die Bandmitglieder es hingekriegt hatten, trotz ihrer damaligen Drogenexzesse überhaupt auch nur ein Konzert zu spielen, Platten herauszubringen und, längerfristig gesehen, diese Zeit zu überleben.


Kurz dazu. Die Gunners sind Ende der 80er großgeworden. Was sie damals berühmt gemacht hat war der gnadenlose Abgesang auf die LA Hairspray "Rocker" sowie die rauhere, wieder dem Blues zugewandte Rockmusik.
Und technisch gesehen haben die Gunners nur 1 1/2 LPs rausgebracht bevor der erste Exit wegen den Drogen kam. Auf der Illuion 1 & 2 spielt der Orginaldrummer nur noch auf Civil War mit. Danach als Izzy rausging wars dann eh vorbei.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Progressiver
Beiträge: 1820
Registriert: Sa 31. Mär 2012, 23:37
Wohnort: Baden-Württemberg

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Progressiver » Fr 6. Apr 2018, 20:39

TheManFromDownUnder hat geschrieben:(06 Apr 2018, 12:56)

Du hast etwas gegen "Aeltere" die Fun haben ihre Musik zu hoeren? Ich sehe Musik nicht ausschliesslich als ein politisches Instrument um gegen das Establishment zu wettern. Guitarren gegen Maschinenpistolen ist sowieso romatisierter Widerstand.Woodstock Nostalgie. War Fun aber Zeiten aendern sich. Ich sehe Musik als Entspannung und Bereicherung. Ich bin kein Fan von Stadium Rock aber wenn ich Stones, Santana, Sting und andere hoeren will dann gibt es keine Alternative.

Welche neuen Bands bringen eigentlich guten Rock?

Hier ist es so das die jungen Leute genauso verrueckt nach Cold Chisel oder Midnight Oil sind wie wir Grossvaeter.


Da habe ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt? Ich meinte das so: Als Rockmusik entstand, war die Rebellion nicht einfach nur eine Attitüde, sondern Ausdruck eines allgemeinen Gefühls, gegen die Äteren aufbegehren zu müssen. Irgendwie gab es seinerzeit dann auch noch politische Alternativen, über die man diskutieren konnte. Mittlerweile gibt es aber nichts mehr davon. Die Jugend rebelliert nicht mehr, obwohl sie es in Zeiten von Trump und Co. doch eigentlich müsste. Die kommerziell erfolgreichen Künstler sind auch nur noch -mit Ausnahmen- irgendwie geldgeil und stromlinienförmig. Und irgendwie scheinen uns die kreativen Köpfe zu fehlen, die die Massen beglücken können. Damit meine ich: Die Musikwelt ist in den Nischen vielfältiger geworden. Aber dass ein einziger Musikstil -und sei es ausgerechnet ein Rockrevival- die Leidenschaft einer ganzen Generation entfacht, wird wohl nicht mehr passieren. Ein ähnlich unkreatives Bild zeigt sich in der Politik. Auch da dominiert der Mainstream derart die Bühne, dass wirkliche Alternativen weder entwickelt noch diskutiert werden. Die gesellschaftlichen Verwerfungen sind auch in Deutschland groß. Die Klimaerwärmung tut ihr übriges. Und die Trumps und Co. dieser Welt zerdeppern gerade alles Porzellan, das sie finden können. Aber es werden nur die Alternativen "Weiter So" und "totale Zerstörung jetzt sofort" debattiert. Wo aber sind die Ideen und die klugen Köpfe, die Deutschland, Europa und den Rest der Welt mit frischen Gedanken vorwärts bringen wollen? Wo sind ferner gerade in Deutschland die Charismatiker in der Politik, die auch fähig sind, die Leute wieder für eine zukunftsorientierte Politik zu begeistern? Zu Beginn der 1970er konnte ein Willy Brand die Massen nicht nur an die Wahlurnen locken. Er hatte es auch geschafft, viele Jungwähler für die SPD und die Demokratie zu gewinnen, die ansonsten eher noch weiter links standen.

Und mit den Älteren, die alkoholisiert zu Guns N` Roses-Klassikern auf Konzerten mitgröhlen, will ich mich auch nicht identifizieren müssen. Ihre Musik habe ich auch gehört. Slash ist einer der besten Gitarristen der Welt. Aber ein Konzert mit 100.000 Besuchern und überteuerten Karten brauche ich für mich selbst nicht.

Was die Jugend betrifft: Die ist nicht nur verweichlicht. Ich sehe es sogar als positiv an, dass sich beispielsweise das Frauen- und Männerbild bei den Jüngeren im Vergleich zu Zeiten von AC/DC oder Guns N´ Roses gewandelt hat. Auch große Künstler müssen sich nicht mehr unbedingt durch Drogen selbst zerstören. Und die Frauen laufen zumindest meines Wissens auch nicht mehr Sturm und wollen unbedingt mit ihrem stark maskulinen Idol als Groupies unbedingt Sex haben, sondern im besten Fall lieber selbst gute Musik machen. Die Triade "Sex, Drugs and Rock N´ Roll" kann ich so also nicht mehr sehen. Wenigstens die Rockmusik sollte uns aber erhalten bleiben, finde ich.
"Skepsis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Philosophie." (Denis Diderot)
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11816
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 7. Apr 2018, 19:48

Progressiver hat geschrieben:(05 Apr 2018, 20:37)
Was mich betrifft, werde ich hoffentlich immer wieder neue Musiker finden, deren Musik ich hörenswert finde. Ich brauche auch keinen Stadionrock, Randale und 100.000 gealterte und biertrinkende Fans, die versuchen, zu "Welcome To The Jungle" oder "Paradise City" mitzugröhlen. Aber wie es in dem Artikel stand, schaffen es hoffentlich Trump und Co., die Leute derart zu politisieren, dass sie wieder zu kämpfen anfangen -für ihre eigenen Rechte und eine bessere Zukunft. Aber ob sie dann wieder zu einer Gitarre greifen werden, wird sich zeigen.

Als ein Tip (von mehreren natürlich): Die Musik-Szene im kanadischen Montreal. Als "Post Rock" - und damit eigentlich genau im Sinne des Threadtitels - hat man einige der bekanntesten Vertreter eingestuft. Allen voran natürlich "Godspeed You! Black Emperor". Und mit Recht wehren sie sich gegen solche Verortungen. GY!BE sind in ihrer Art eine Singularität und ein Unikat. Und damit genau das, was der Perspektive von Rockmusik fehlt. Ausgründungen wie * Silver Mt. Zion, die völlig untergegangene und vergessene jiddische Musik mit Rockelementen verknüpfen, sind ein Beispiel dafür, dass es eben auch Sachen aus dem Bereich gibt, die spannend sind und neugierig machen.

Jazz hat im Verlaufe seiner Entwicklung etliche harte Zäsuren und Umbrüche erlebt. Von New Orleans über orchestralem Swing, Bebop, Modern Jazz, Free Jazz, Jazzrock bis hin zu Polish Jazz und Roma Jazz. Solche spannenden Umbrüche fehlen der Rockmusik von heute. Statt mal neugieirig zu sein und nach Polen zu fahren, um dort die ungemein innovative Jazz-Szene kennenzulernen, geht man zu den Rolling Stones ins Olympiastadion (was für'n Scheiß!) und sehnt sich nach Pink Floyd statt nach Pink Freud, Generell sind neue Regionen wie Kanada/Montreal oder Osteuropa oder (in ganz speziellen Bereichen) Ex-Sowjetunion viel viel spannender in Sachen Rockmusik als die Klassiker USA und UK.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6206
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 12:18

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Apr 2018, 16:40

Progressiver hat geschrieben:(30 Nov 2017, 22:49)
Jetzt gibt es zwar immer noch Bands und Künstler wie Green Day, ...

Green Day is Punk... :p

In diesem Sinne will ich in diesem Thread mit euch erörtern bzw. analysieren, wie und warum das so weit kommen konnte. Wer hat die Rockmusik getötet? War es die Musikindustrie? Oder liefen irgendwann die Fans davon, weil ihnen elektronische Popmusik besser gefiel?

Wenn meine Nichte das Maß aller Dinge ist, findet die Jugend (insbesondere die Mädels) von heute findet Rock Musik aggro, und generell gilt: Man kann nicht drauf tanzen.
Desweiteren war Rockmusik früher eine Form von Rebellion gegen die altbackene Mucke der Gruftis (Eltern/Ureltern). Heutzutage erledigen dies andere Musik"stil"richtungen... Z. B. Hip Hop u. so n Zeugs... :dead:
Wenn die Kids auf diese Mo' Money Scheiße abfahren - bitte, sollen sie...

Man kann darüber hinaus wahrscheinlich annehmen, dass die Rockmusik als solche in der alten Form nicht wiederkommt. Da teilt sie dann das Schicksal mit Swing, Blues, Funk, Jazz und vielen anderen Musikstilen, die als Massenphänomen nicht mehr wiederzubeleben sind.

Ja, kann man... Natürlich gibts immer noch neue Rock Bands aber zu 90% treten bei Veranstaltungen wie Wacken, Rock am Ring/-im Park etc. nur Altrocker auf... Da wird das mehr zu so ner Art Nostalgieveranstaltung... Und das selbe gilt für die Rock Radio Sender wie Radio Bob u. Rockland. 90% altes Zeug...
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6206
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 12:18

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Apr 2018, 16:43

Alexyessin hat geschrieben:(01 Dec 2017, 12:44)

Naja, Volksmusik-Rock-Crossover könnte sich Europa mal gönnen :D

Gabs doch schon. Heinos Selbstneuerfindung vorletztes Jahr... :D
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
3x schwarzer Kater
Vorstand
Beiträge: 16042
Registriert: Mo 26. Mai 2014, 15:25
Benutzertitel: Do legst di nieda
Wohnort: Schwaben

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon 3x schwarzer Kater » Do 12. Apr 2018, 16:53

Progressiver hat geschrieben:(06 Apr 2018, 21:39)

Da habe ich mich wohl nicht richtig ausgedrückt? Ich meinte das so: Als Rockmusik entstand, war die Rebellion nicht einfach nur eine Attitüde, sondern Ausdruck eines allgemeinen Gefühls, gegen die Äteren aufbegehren zu müssen. Irgendwie gab es seinerzeit dann auch noch politische Alternativen, über die man diskutieren konnte. Mittlerweile gibt es aber nichts mehr davon. Die Jugend rebelliert nicht mehr, obwohl sie es in Zeiten von Trump und Co. doch eigentlich müsste. Die kommerziell erfolgreichen Künstler sind auch nur noch -mit Ausnahmen- irgendwie geldgeil und stromlinienförmig. Und irgendwie scheinen uns die kreativen Köpfe zu fehlen, die die Massen beglücken können. Damit meine ich: Die Musikwelt ist in den Nischen vielfältiger geworden. Aber dass ein einziger Musikstil -und sei es ausgerechnet ein Rockrevival- die Leidenschaft einer ganzen Generation entfacht, wird wohl nicht mehr passieren. Ein ähnlich unkreatives Bild zeigt sich in der Politik. Auch da dominiert der Mainstream derart die Bühne, dass wirkliche Alternativen weder entwickelt noch diskutiert werden. Die gesellschaftlichen Verwerfungen sind auch in Deutschland groß. Die Klimaerwärmung tut ihr übriges. Und die Trumps und Co. dieser Welt zerdeppern gerade alles Porzellan, das sie finden können. Aber es werden nur die Alternativen "Weiter So" und "totale Zerstörung jetzt sofort" debattiert. Wo aber sind die Ideen und die klugen Köpfe, die Deutschland, Europa und den Rest der Welt mit frischen Gedanken vorwärts bringen wollen? Wo sind ferner gerade in Deutschland die Charismatiker in der Politik, die auch fähig sind, die Leute wieder für eine zukunftsorientierte Politik zu begeistern? Zu Beginn der 1970er konnte ein Willy Brand die Massen nicht nur an die Wahlurnen locken. Er hatte es auch geschafft, viele Jungwähler für die SPD und die Demokratie zu gewinnen, die ansonsten eher noch weiter links standen.

Und mit den Älteren, die alkoholisiert zu Guns N` Roses-Klassikern auf Konzerten mitgröhlen, will ich mich auch nicht identifizieren müssen. Ihre Musik habe ich auch gehört. Slash ist einer der besten Gitarristen der Welt. Aber ein Konzert mit 100.000 Besuchern und überteuerten Karten brauche ich für mich selbst nicht.

Was die Jugend betrifft: Die ist nicht nur verweichlicht. Ich sehe es sogar als positiv an, dass sich beispielsweise das Frauen- und Männerbild bei den Jüngeren im Vergleich zu Zeiten von AC/DC oder Guns N´ Roses gewandelt hat. Auch große Künstler müssen sich nicht mehr unbedingt durch Drogen selbst zerstören. Und die Frauen laufen zumindest meines Wissens auch nicht mehr Sturm und wollen unbedingt mit ihrem stark maskulinen Idol als Groupies unbedingt Sex haben, sondern im besten Fall lieber selbst gute Musik machen. Die Triade "Sex, Drugs and Rock N´ Roll" kann ich so also nicht mehr sehen. Wenigstens die Rockmusik sollte uns aber erhalten bleiben, finde ich.



Das halte ich schon ziemlich für daneben in der Wahrnehmung. Nie gab es eine vielfältigere Rockszene als heute.
„Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem.“ (Karl Valentin)
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6206
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 12:18

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Apr 2018, 16:54

Dampflok94 hat geschrieben:(02 Dec 2017, 20:40)

Tod der Rockmusik? Ich weiß ja nicht. War ja gerade Alice Cooper wieder in Berlin. Und da waren nicht nur die alten Fans da. Auch viele junge Gesichter waren zu sehen. Rockmusik ist zeitlos. :)

Ich war auch bei Alice allerdings in Frankfurt. Hab da niemanden unter 40 gesehen...
Ausserdem gehts ja nicht nur darum, dass kaum junge Leut mehr auf Rock abfahren sondern auch darum, dass es kaum neue Bands gibt. Wie schon in einer anderen Antwort erwähnt: Rock Veranstaltungen u. die Playlists in den passenden Radio Sendern bestehen zu 90% nur aus "Altkram".
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
firlefanz11
Beiträge: 6206
Registriert: Mo 10. Sep 2012, 12:18

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon firlefanz11 » Do 12. Apr 2018, 17:00

Alexyessin hat geschrieben:(20 Feb 2018, 10:14)

Da lob ich mir die Stones. Die klingen wenigstens immer noch so, als wären sie alle auf Dope :D

Weil sie es immer noch sind vermutlich... :D
"Wer hier ist, weil er Hilfe beansprucht, hat eine besondere moralische Verpflichtung, den Helfern nicht das Leben zu zerstören."
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 71045
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Blutgrätsche
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Apr 2018, 17:32

firlefanz11 hat geschrieben:(12 Apr 2018, 18:00)

Weil sie es immer noch sind vermutlich... :D


Na, des kann ich mir nicht vorstellen - in Relation zu früher. Keif hat gemeint, das er seit der Palmenaktion auch kein Koks mehr nimmt, was ich dem wirklich abnehme.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 71045
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Blutgrätsche
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Apr 2018, 17:33

firlefanz11 hat geschrieben:(12 Apr 2018, 17:40)

Green Day is Punk... :p


Punkrock. Richtiger Punk ist vielleicht noch Exploited, wenn es dir überhaupt noch gibt.....
Aber gerade im Indiebereich, wozu ich halt auch Punkrock zähle, gibt's immer wieder neue Bands.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat
Benutzeravatar
Alexyessin
Vorstand
Beiträge: 71045
Registriert: Do 17. Nov 2011, 22:16
Benutzertitel: Blutgrätsche
Wohnort: wo´s Herzal is

Re: Der langsame Tod der Rockmusik

Beitragvon Alexyessin » Do 12. Apr 2018, 17:34

firlefanz11 hat geschrieben:(12 Apr 2018, 17:43)

Gabs doch schon. Heinos Selbstneuerfindung vorletztes Jahr... :D


Stimmt, aber das ist ja keine Volksmusik. Alter Fehler. Volkstümliche Musik wie Schwarzbraun ist die Haselnuss hat mit Volksmusik nicht wirklich was zu tun.
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
Baier is ma ned so - Baier sei is a Lebenseinstellung
Mia glangt das i woas das i kennt wenn i woin dadat

Zurück zu „5. Bildung - Kultur - Medien“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste