Tierversuche in der Automobilindustrie

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frems
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Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon frems » Sa 27. Jan 2018, 22:01

Es ist ja bekannt, dass Tiere genutzt werden, um bspw. Kosmetik- und Pharmaprodukte auszuprobieren. Ich gebe aber gerne zu, dass ich bis heute nicht wusste, dass man Abgase von Fahrzeugen auch an Tieren testet, um zu schauen, wie giftig sie im Vergleich zu den Abgasen anderer Fahrzeuge sind.

Das neueste Kapitel des „Dieselgate“-Skandals von Volkswagen enthält Szenen, die kaum zu glauben sind. Zehn zu Versuchsobjekten degradierte Affen kauern in einem Testlabor im Wüstenstaat New Mexico und atmen stundenlang Abgase eines VW-Beetle ein, während ihnen zur Beruhigung Zeichentrickfilme gezeigt werden. [...]

Die Tests mit den Affen waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Deshalb hatte die EUGT („Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“) – eine von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative – sie beim Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Federführend war laut Studienleiter McDonald dabei VW.

Die Wolfsburger teilten auf Nachfrage mit, die Kritik an der Studie „sehr ernst“ zu nehmen. [...]

Laut Forscher McDonald wollte man die Experimente anfangs sogar mit Menschen durchführen. Doch nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Dieselabgase als krebserregend eingestuft habe, seien wegen rechtlicher Bedenken die Affen zum Einsatz gekommen. Die entscheidenden Anweisungen habe stets VW gegeben. Was damals noch keiner wusste: Der getestete Beetle hatte ebenjene Software zur Abgasmanipulation an Bord, die Volkswagen im darauffolgenden Jahr in eine der tiefsten Krisen der Konzerngeschichte stürzen sollte. [...]

So verwundert es im Nachhinein auch wenig, dass das Testfahrzeug den Gerichtsakten zufolge von VW-Ingenieur James Liang persönlich beim Labor abgeliefert wurde. Liang? Nachdem der „Dieselgate“-Skandal im September 2015 aufflog, kooperierte der langjährige VW-Mitarbeiter als Kronzeuge mit den Strafverfolgern. Im August verurteilte ihn ein US-Richter wegen seiner Rolle in der Abgasaffäre zu drei Jahren und vier Monaten Gefängnis sowie zu einer Geldstrafe von 200.000 Dollar.

Aber was genau versprach man sich von dem Affen-Experiment? Die manipulierten Tests hätten VW Forschungsergebnisse liefern können, um die eigenen – als „sauber“ vermarkteten – Diesel von älteren Autos abzugrenzen. Deshalb wurde bei dem Versuch zur Gegenüberstellung ein Ford-Diesel-Truck des Modelljahres 1999 gewählt – oder anders ausgedrückt: eine ziemliche Abgas-Dreckschleuder. Doch die gewünschten Resultate brachte die Studie letztlich nicht.

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... gasen.html

Wie findet Ihr solche Tests? Moralisch vertretbar, um letztendlich die Gesundheit von Menschen zu schützen? Oder sollte sowas (behördlich?) untersagt werden?
Labskaus!

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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon immernoch_ratlos » So 28. Jan 2018, 11:14

Kein Dementi dafür eine Entschuldigung - weiß man doch, wie sehr die Tierliebe in D verbreitete ist :
Quelle hat geschrieben:Die Tests mit den Affen waren Teil einer Studie, die beweisen sollte, dass die Diesel-Schadstoffbelastung dank moderner Abgasreinigung erheblich abgenommen hat. Deshalb hatte die EUGT („Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor“) – eine von Volkswagen, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative – sie beim amerikanischen Lovelace Respiratory Research Institute in Auftrag gegeben. Federführend war laut dem Studienleiter dabei VW.
Klar, das auch Politik das entsprechend "ungut" findet :
Großaktionär Niedersachsen teilte am Samstag mit, die Vertreter des Landes im Aufsichtsrat drängten auf vollständige Aufklärung der Geschehnisse aus dem Jahr 2014, von denen sie durch die Medien erfahren hätten. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass nie wieder vergleichbare Studien in Auftrag gegeben werden. „Zehn Affen stundenlang mutwillig Autoabgase einatmen zu lassen, um zu beweisen, dass die Schadstoffbelastung angeblich abgenommen habe, ist widerlich und absurd“, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der für das Land Niedersachsen im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt.
Wesentlich gelassener nehmen "die Deutschen Autofahrer" den doch offensichtlichen Dieselskandal - Betrug in "Großindustriellem Ausmaß" hin - ein Ergebnis des alljährlichen DAT-Reports.
Quelle hat geschrieben:Wenige Themen haben die Deutschen Autofahrer auch im vergangenen Jahr so bewegt wie der Diesel-Skandal und seine Auswirkungen. Das macht auch der alljährliche Report der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) deutlich, dessen Ergebnisse am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurden.

Im Vergleich zur Befragung für den Report aus dem Vorjahr, ist der Anteil der Autofahrer, die von einem Bedeutungsverlust des Diesels ausgehen, deutlich um zehn Prozentpunkte auf 38 Prozent gewachsen. Fast jeder vierte Neuwagenkäufer und immerhin noch knapp jeder sechste Gebrauchtwagenkäufer gab an, dass die Diskussion um den Diesel seine Kaufentscheidung beeinflusst habe. Jeder sechste Neu- und jeder fünfte Gebrauchtwagenverkäufer zog daraus Konsequenzen und verkaufte aus Furcht vor Fahrverboten oder einem Wertverlust.

Indes machte sich der Skandal bei den Zulassungszahlungen weniger stark bemerkbar, als man vielleicht hätte erwarten können. Laut dem Kraftfahr-Bundesamt gingen zwar die Neuzulassungen um 13 Prozent zurück. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt nahmen die Besitzumschreibungen gegenüber dem Vorjahr aber um weniger als 3 Prozent ab. Möglicherweise liegt es daran, dass die Autofahrer die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Immerhin fast die Hälfte der Neuwagen- und noch 42 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer glaubt, dass es bezahlbare Nachrüstlösungen für den Großteil der von Fahrverboten bedrohten Pkw geben wird.
Womöglich wären die Reaktionen deutlich harscher, wenn erst einmal die doch recht zahlreichen Hundebesitzer Hunde in D erkennen, welche Gefahr da für ihre "tieflaufenden" geliebten Vierbeiner lauern. Ohne an irgendwelchen "Tierversuchen" beteiligt zu sein, sind Hunde deutlich eher gefährdet, weil sie sich dort bewegen, wo die größte Schadstoffdichte (schon aus logischen Gründen erkennbar) herrscht.

Nun muss sich niemand ernsthafte Sorgen machen - bislang fällt ja weder Hund, noch Katz und Homo Sapiens tot um "nur"weil der zuviel NOx eingeatmet hat. Sorgen müsste sich allerdings die blühende Industrie rund um die davon betroffenen Haustiere machen. Andererseits helfen Gesundheitsschäden (die sich ja glücklicherweise nur statistisch solchen Emissionen zuordnen lassen) der ebenfalls erfreulichen Zunahme von "Tierarztbesuchen", wenn das arme Hundilein nicht nur wegen Nahrungsüberangebot, seiner geldwerten Hilfe bedarf.

Mir tun die armen Affen leid, aber der laufende Großversuch am Menschen ("nebenbei" auch am Hund des Menschen besten Freund) geht ja lustig weiter. Andererseits sollte etwas, was der Wirtschaft in solchem Umfang nutzt, weder an ein paar Affen, noch an "nur" statistisch feststellbaren toten Menschen scheitern. Und sind etwa die Affen tot umgefallen - nein ! - ergo, wenn unsere "nächsten Verwanden" so taff sind, müssen wir uns da wirklich so sehr aufregen :?: Sterben müssen wir doch alle, wer wird da schon an all den unerfreulichen Gründen zuviel Interesse haben :?:

Sollte das immer noch nicht genügend beruhigen, wird sich die eine oder andere "alternative Wahrheit" endlich für Ruhe sorgen.... :thumbup:
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon yogi61 » So 28. Jan 2018, 11:24

Tierversuche machen nur Sinn,wenn man dadurch Menschenleben rettet. Da die Tumorrisiken durch Dieselabgase grundsätzlich bekannt sind, macht das in diesem Zusammenhang natürlich keinen Sinn. Man kann ja die Mortalitätsrate, die durch den Dieselgiftstoff verursacht werden nur schätzen. Wenn solche Studien zum dem Ergebnis kommen, man hätte Diesel irgendwie sauberer gemacht, dann ist das kontraproduktiv, da nur ein Verbot von diesem hochtoxischen Schadstoff wirklich Menschenleben retten könnte.
Zuletzt geändert von yogi61 am So 28. Jan 2018, 17:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » So 28. Jan 2018, 13:31

frems hat geschrieben:(27 Jan 2018, 22:01)

Es ist ja bekannt, dass Tiere genutzt werden, um bspw. Kosmetik- und Pharmaprodukte auszuprobieren. Ich gebe aber gerne zu, dass ich bis heute nicht wusste, dass man Abgase von Fahrzeugen auch an Tieren testet, um zu schauen, wie giftig sie im Vergleich zu den Abgasen anderer Fahrzeuge sind.


https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... gasen.html

Wie findet Ihr solche Tests? Moralisch vertretbar, um letztendlich die Gesundheit von Menschen zu schützen? Oder sollte sowas (behördlich?) untersagt werden?


Wenn man zeigen will, daß Dieselabgase nicht schaden, dann kann man sich als Vorstand öffentlich in einer solchen Gaskammer besichtigen lassen. Das wäre überzeugend. Aber offenbar war sich der VW-Vorstand doch nicht so ganz sicher, und da mußten die Affen eben herhalten. Die können auch keine Wahlzettel ausfüllen.

Mich erstaunt, daß die Verantwortlichen für einen vorsätzlichen Betrug mit der Abgasreinigung nicht im Gefängnis sitzen, um über ihren schäbigen Betrug an der Allgemeinheit gründlich nachdenken zu können. Nicht verwunderlich ist aus meiner Sicht, daß genau diesen Menschenfreunden eingefallen ist, jetzt hochentwickelte Säugetiere diesen Abgasen aus zu setzen. So ist das nun einmal mit der Verkommenheit in diesem unseren Lande.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » So 28. Jan 2018, 13:59

yogi61 hat geschrieben:(28 Jan 2018, 11:24)

Tierversuche machen nur Sinn,wenn man dadurch Menschenleben rettet. Da die Tumorrisiken durch Dieselabgase grundsätzlich bekannt sind, macht das in diesem Zusammenhang natürlich keinen Sinn. Man kann ja die Mortalitätsrate, die durch den Dieselgiftsoff verursacht werden nur schätzen. Wenn solche Studien zum dem Ergebnis kommen, man hätte Diesel irgendwie sauberer gemacht, dann ist das kontraproduktiv, da nur ein Verbot von diesem hochtoxischen Schadstoff wirklich Menschenleben retten könnte.


Grundsätzlich, ausschließlich aber zur Weiterentwicklung der Heilkunst, stimme ich Ihnen zu. Aber sozusagen aus Geschäftssinn, das ist doch Mißbrauch unserer Mitgeschöpfe.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Cat with a whip » So 28. Jan 2018, 16:07

Laut Forscher McDonald wollte man die Experimente anfangs sogar mit Menschen durchführen. Doch nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Dieselabgase als krebserregend eingestuft habe, seien wegen rechtlicher Bedenken die Affen zum Einsatz gekommen.

:D Ja ist denn schon erster April?
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » So 28. Jan 2018, 19:09

Cat with a whip hat geschrieben:(28 Jan 2018, 16:07)

:D Ja ist denn schon erster April?


Das Ding ist bestimmt aufgeflogen nach dem VW-Vorstandsbeschluß, auf einen Selbstversuch zu verzichten. Wer hätte den VW-Vorstand denn bremsen können?
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Tom Bombadil » So 28. Jan 2018, 19:12

frems hat geschrieben:(27 Jan 2018, 22:01)

Moralisch vertretbar, um letztendlich die Gesundheit von Menschen zu schützen? Oder sollte sowas (behördlich?) untersagt werden?

Ich finde so etwas abartig, dass Autoabgase ungesund sind weiß man doch nicht erst seit gestern.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Julian » So 28. Jan 2018, 21:01

Bei Tierversuchen muss man abwägen zwischen dem potentiellen Erkenntnisgewinn und dem Leiden, das man den Tieren zufügt. Grundsätzlich können Tierversuche selbstverständlich auch sinnvoll sein, wenn es um Fragen geht, die die Autoindustrie umtreibt, also etwa die Sicherheit von Insaßen bei Unfällen oder, wie im vorliegenden Fall, wenn es um Abgase geht.

Ob der vorliegende Versuch wissenschaftlich sinnvoll war, kann ich nicht beurteilen. So furchtbar schlimm kann das Ganze auf jeden Fall nicht gewesen sein, wenn man initial in Betracht zog, menschliche Probanden zu verwenden.

Tierversuche im Hinblick auf Atmung und die Auswirkungen schädlicher, inhalierter Substanzen sind gang und gäbe in der Wissenschaft, vor allem in der nicht von der Automobilindustrie getriebenen, auch wenn das selbstverständlich niemand im tierlieben Deutschland wahrhaben möchte.

Erkrankungen des respiratorischen Systems sind von großer medizinischer Bedeutung, ich nenne hier nur einmal den Lungenkrebs und die sehr häufigen, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen. Beide Erkrankungen kann man nur schlecht behandeln; sie führen häufig zum Tode.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Cat with a whip » Mo 29. Jan 2018, 01:58

H2O hat geschrieben:(28 Jan 2018, 19:09)

Das Ding ist bestimmt aufgeflogen nach dem VW-Vorstandsbeschluß, auf einen Selbstversuch zu verzichten. Wer hätte den VW-Vorstand denn bremsen können?


Wir alle inhalieren die Autoabgase. Der Unterschied ist nur dass die Autohersteller sie, den Vorstand und mich also die Allgemeinheit nicht kontrollieren.

Der eigentliche Skandal ist dass sich Vollverblödete über alberne Tierversuche aufregen und man sogar juristische Bedenken hat, während es groteskerweise andererseits völlig legal ist massenweise mit den Stinkern durch Ortschaften zu fahren, es en vogue ist Naturschützer lächerlich zu machen und deren Klagen im Umweltsauland BRD (in dem die Industrie bestimmt wieviel Gift wir einatmen) nicht den Hauch einer Chance haben die Dieselstinker lahmzulegen wie kürzlich gezeigt.

Ansonsten:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 90251.html
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » Mo 29. Jan 2018, 08:09

Cat with a whip hat geschrieben:(29 Jan 2018, 01:58)

Wir alle inhalieren die Autoabgase. Der Unterschied ist nur dass die Autohersteller sie, den Vorstand und mich also die Allgemeinheit nicht kontrollieren.

Der eigentliche Skandal ist dass sich Vollverblödete über alberne Tierversuche aufregen und man sogar juristische Bedenken hat, während es groteskerweise andererseits völlig legal ist massenweise mit den Stinkern durch Ortschaften zu fahren, es en vogue ist Naturschützer lächerlich zu machen und deren Klagen im Umweltsauland BRD (in dem die Industrie bestimmt wieviel Gift wir einatmen) nicht den Hauch einer Chance haben die Dieselstinker lahmzulegen wie kürzlich gezeigt.

Ansonsten:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 90251.html


In dem Punkt rate ich doch zur Mäßigung. Wir sind Kinder unserer Zeit und Nutznießer und Opfer zugleich unserer Fähigkeiten. An formalen Gesetzen zur Verminderung schädlicher Abgase hat es nicht gefehlt; auch hat es (vermutlich) sehr großzügig, sprich: herstellerfreundlich, ausgelegte Grenzwerte gegeben, die in großen Städten inzwischen dauerhaft überschritten werden. Der sofortige wirtschaftliche und anschließend der politische Schaden werden so groß sein, daß sich die Kommunen gar nicht getrauen, nun die Reißleine zu ziehen.

Man muß sehen, daß allen Ermahnungen zum Trotz Jahr für Jahr schwerere Personenwagen mit sehr hoher Motorleistung bestellt und verkauft werden. Keine Bundesregierung oder Kommune hat diese in jedem Falle Einzelentscheidung durch Gesetze vorgeschrieben. Das sind schon Menschen wie Sie und ich. Die sind der Grund für diesen verbreiteten Wahnsinn, und niemand sonst.

Der wirkliche Aufreger bleiben die mit Vorbedacht angelegten Betrugsmanöver der Hersteller, die durch Betrugssoftware große Fortschritte im Fahrbetrieb ihrer Fahrzeuge simuliert haben. Damit können auch Verkehrsforscher keine vorhersagbaren Ergebnisse durch technische Verbesserungen erzielen. Den Staat trifft auf jeden Fall Mitverantwortung daran, weil er die Einhaltung seiner erlassenen Gesetze nicht selbst nach wissenschaftlichen Verfahren überprüft hat. Das ist so wie das Gebot "Du sollst nicht stehlen!", wonach man sein Eigentum nicht unbeaufsichtigt herumliegen lassen soll, man sich aber die Polizei spart, die dann hinter Diebesbanden und Einbrecherbanden herläuft.

Aber der Gipfel der Verkommenheit dieser Generation von Managern der großen Hersteller bleibt natürlich, daß sie die Unschädlichkeit ihrer unterlassenen Abgasbehandlung an jungen Leuten im Klinikum Aachen und an Affen in chinesischen Forschungsinstituten nachweisen wollten. Wie kann man nur... und das trifft diese Institute in gleicher Weise wie ihre Auftraggeber. Mit Geld geht in unserer Gesellschaft offenbar alles. Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz machen sich Gaskammerversuche mit Affen und Menschen ganz vortrefflich!
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 29. Jan 2018, 08:59

H2O hat geschrieben:(29 Jan 2018, 08:09)
Aber der Gipfel der Verkommenheit dieser Generation von Managern der großen Hersteller bleibt natürlich, daß sie die Unschädlichkeit ihrer unterlassenen Abgasbehandlung an jungen Leuten im Klinikum Aachen und an Affen in chinesischen Forschungsinstituten nachweisen wollten. Wie kann man nur... und das trifft diese Institute in gleicher Weise wie ihre Auftraggeber. Mit Geld geht in unserer Gesellschaft offenbar alles. Zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslager Auschwitz machen sich Gaskammerversuche mit Affen und Menschen ganz vortrefflich!

Sie könnten das nicht tun, wenn sie nicht über die enormen finanziellen Mittel verfügten, über die sie nun mal verfügen. Und über die verfügen sie deshalb, weil das Auto als solches nun mal Kultuobjekt und Lustziel einer Mehrheit ist. Jetzt, solange nach der Shoah gibts von Seiten des DFB Worte über die Verstrickung von "Fußball und Endlösung" (so der Titel eines aktuellen entsprechenden Vortrags). Das letzte wäre eine Erzählung nach dem Motto "Die böse Autoindustrie hat uns alle hinters Licht geführt und schreckliche Dinge angerichtet" Die "Autoindustrie" ... das sind wir. Wir alle.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » Mo 29. Jan 2018, 09:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jan 2018, 08:59)

Sie könnten das nicht tun, wenn sie nicht über die enormen finanziellen Mittel verfügten, über die sie nun mal verfügen. Und über die verfügen sie deshalb, weil das Auto als solches nun mal Kultuobjekt und Lustziel einer Mehrheit ist. Jetzt, solange nach der Shoah gibts von Seiten des DFB Worte über die Verstrickung von "Fußball und Endlösung" (so der Titel eines aktuellen entsprechenden Vortrags). Das letzte wäre eine Erzählung nach dem Motto "Die böse Autoindustrie hat uns alle hinters Licht geführt und schreckliche Dinge angerichtet" Die "Autoindustrie" ... das sind wir. Wir alle.


Genau das hatte ich auch versucht, dem erbosten Teilnehmer "mit der Peitsche" zu erklären. Ohne unsere sehr weit verbreitete Sucht nach mehr Stahl und mehr Motorleistung wären wir nicht da, wo wir uns jetzt streiten. Und: Mit Geld geht bei uns offenbar alles... damit kann man unsinnige Autos kaufen, kann Versuche mit Menschen und Tieren beauftragen.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 29. Jan 2018, 10:53

Nun brauchen sich Tierfreunde nicht mehr allein um die Äffchen zu sorgen. "Menschenfreunde" (falls es so was geben sollte) dürfen nun sicher sein, es hat sie gegeben :
Abgasskandal: Autoindustrie unterstützte Abgastests an Menschen hat geschrieben:Laut der Zeitungen wird diese "Kurzzeit-Inhalationsstudie mit Stickstoffdioxid bei gesunden Menschen" in einem Tätigkeitsbericht für die Jahre 2012 bis 2015 erwähnt. Dabei seien an einem Institut des Universitätsklinikums Aachen 25 junge, gesunde Testpersonen untersucht worden, nachdem sie jeweils über mehrere Stunden Stickstoffdioxid (NO2) in unterschiedlichen Konzentrationen eingeatmet hatten. Laut der EUGT habe man im Rahmen der Studie aber keine Wirkung feststellen können.

Die Forschervereinigung, die 2007 von den Autokonzernen VW, Daimler und BMW sowie von dem Zulieferer Bosch gegründet worden war, wurde im Sommer 2017 aufgelöst. Der zuständige Institutsleiter Thomas Kraus sagte der Stuttgarter Zeitung, die 2016 veröffentlichte Studie sei nur eingeschränkt aussagekräftig. Zum einen ließen sich die Befunde nicht auf die gesamte Bevölkerung übertragen, zum anderen sei Stickstoffdioxid nur ein Teil der gesamten Luftbelastung. Der Versuch dürfe daher nicht instrumentalisiert werden, um Entwarnung zu geben.
Das nun die Autoindustrie "besorgt" um ihr Image reagiert - "man" (bei VW bewiesen ! ) entwickelt Betrugssoftware um den Nachweis von Schadstoffemissionen den in- und ausländische staatliche Organisationen zum Schutz von Menschen vorschreiben, betrügerisch zu verfälschen. Und offensichtlich versucht man parallel dazu "wissenschaftliche" Erkenntnisse zu gewinnen, die helfen sollen, die Gefahren welche für die Bevölkerung davon ausgehen, zu verschleiern.

Lahme Statements wie " Versuch dürfe daher nicht instrumentalisiert werden :cool: " sind derart scheinheilig, dass einem dabei das Kotzen kommt. Ist es doch die sehr starke Lobby - zum Teil freiwillige Helferlein die sich auch hier tummeln - welche ständig davon faseln, das man die schädliche Wirkung, ja nicht beweisen könne, weil ja niemand bislang direkt nachweisbar durch Abgase tot umgefallen sei :dead:

Nun die Nazischergen haben sehr wohl "bewiesen", dass man Menschen mit Abgasen umbringen kann. Sicher, die Dossierung war da deutlich höher, als bei der täglichen Exposition der Menschen in großer Zahl und fernab "klinischer Versuche" dabei völlig unfreiwillig ausgesetzt sind. Der perfide Hinweis "niemand sei dabei tödlich verletzt worden" als Alibi lustig weiterzumachen mit "wohl dosierter" Massenvergiftung, ist an Dummheit kaum noch zu überbieten. Gleichzeitig dann noch höhere Zulassungswerte - oder gar Aussetzen der "hinderlichen" Bestimmungen zu fordern, zeigt eindeutig wessen geistigen Kindes solche geradezu kriminellen Vertreter sind.

Würde man sich solcher Argumentation anschließen, könnte man ja aus "guten wirtschaftlichen Gründen" auch gleich alle Maßnahmen des Arbeitsschutzes mit abschaffen. Auch da stirbt niemand in direkter Folge durch die zahlreichen Beeinträchtigungen denen Menschen bei ihrer beruflichen Tätigkeit ausgesetzt sind. "Grenzwerte" sind ohnedies lediglich eine Begrenzung auf eine möglichst geringe Intoxikation (als Intoxikation bezeichnet man das Einwirken von schädigenden Substanzen (Toxinen) chemischer, physikalischer oder biologischer Natur auf den Organismus) , die es ermöglicht, die "sichtbaren" Wirkungen zu vermeiden. Auch um der Verantwortung für etwaige Folgen juristisch einwandfrei zu entgehen.

Nun soll eine durch Betrugssoftware herbeigeführte, in der Realität drastisch höhere Intoxikation, betrügerisch verschleiert werden. Durch nun erwiesene "klinische Versuche" an gesunden Menschen, wollte "man" ganz offensichtlich den "rufschädigenden" Einfluss den solche Eingriffe in die Umwelt nun einmal bei den weniger naiven Zeitgenossen haben, geschickt verschleiern. Im Prinzip ist die Verwendung von "gesundem, nicht vorgeschädigten Material", ein schlimmer Methodenfehler. Realistische Menschenversuche, hätten vom Säugling bis zum Greis, vor erkranktes "Material" der verschiedensten Formen der Erkrankung und deren Schwere, selbstverständlich mit einschließen müssen.

Die Zahl der exponierten hätte deutlich höher sein müssen um eine aussagefähige gaußche Verteilungsfunktion erarbeiten zu können. Leider (aus streng wissenschaftlicher Sicht) sind auch die innerstädtischen Großversuche die in den größeren dt. Städten seit Jahren ablaufen, weitgehend ungeeignet. Über die mehr oder wenige freiwilligen Probanden existieren keinerlei personenbezogene Erkenntnisse (allgemeiner Gesundheitszustand, Alter, Gewicht, Geschlecht und Vorerkrankungen). So muss man die Ergebnisse recht mühsam im Nachlauf herausmathematisieren. Ein Fressen für all die naiven Kritiker, welche genau das als "Verteidigung" für eine "weiter so" nutzen :thumbup:
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 29. Jan 2018, 11:59

H2O hat geschrieben:(29 Jan 2018, 08:09)
Aber der Gipfel der Verkommenheit dieser Generation von Managern der großen Hersteller bleibt natürlich, daß sie die Unschädlichkeit ihrer unterlassenen Abgasbehandlung an jungen Leuten im Klinikum Aachen und an Affen in chinesischen Forschungsinstituten nachweisen wollten.

Im Gegensatz zu den Affen haben sich die Menschen freiwillig dem Stickoxid ausgesetzt.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon immernoch_ratlos » Mo 29. Jan 2018, 12:07

Tom - bei genauer Betrachtung - wie viel "freien" Willen gibt es eigentlich ?
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » Mo 29. Jan 2018, 12:10

Tom Bombadil hat geschrieben:(29 Jan 2018, 11:59)

Im Gegensatz zu den Affen haben sich die Menschen freiwillig dem Stickoxid ausgesetzt.


Das war mir schon bewußt; mich machte stutzig, daß sich in Aachen jungen Leute bereit gefunden haben, sich für solche Versuche zur Verfügung zu stellen. Die werden sich bestimmt nicht ehrenamtlich beworben haben, sondern sie sind sicher gegen Entgelt eingeworben worden. Aachen ist aber bekannt als Standort einiger Hochschulen, und Studierende sind bekannt dafür, daß sie immer knapp bei Kasse sind. Da gehen einige Hemmungen schon einmal verloren.

Jetzt könnte ein "um drei Ecken herum Denker" noch sagen, daß, wenn die Versuche schon Menschen nicht geschadet haben, sie den Affen bestimmt auch zu zu muten waren.

Ich bleibe lieber dabei, mich über die Verkommenheit von Leuten auf zu regen, die solche Dinge eigentlich gut beurteilen können sollten.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 29. Jan 2018, 12:15

Es bleibt jedem Menschen selber überlassen, wie er mit seiner Gesundheit umgeht. Ich weiß nicht, wie die Versuche jetzt genau ausgesehen haben, ein Schachtel Zigaretten zu rauchen ist wahrscheinlich schädlicher. Da finde ich persönlich die Affenversuche viel schlimmer, die hatten keine Wahl, im Gegensatz zu den menschlichen Probanden.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon H2O » Mo 29. Jan 2018, 13:43

Tom Bombadil hat geschrieben:(29 Jan 2018, 12:15)

Es bleibt jedem Menschen selber überlassen, wie er mit seiner Gesundheit umgeht. Ich weiß nicht, wie die Versuche jetzt genau ausgesehen haben, ein Schachtel Zigaretten zu rauchen ist wahrscheinlich schädlicher. Da finde ich persönlich die Affenversuche viel schlimmer, die hatten keine Wahl, im Gegensatz zu den menschlichen Probanden.


Keiner der Versuche hatte Fortschritte der ärztlichen Künste zum Ziel; damit sind solche Versuche grundsätzlich sittlich nicht zu vertreten. Die dafür Verantwortlichen gehören vor Gericht gestellt und ihrer Verantwortung (gutes Wort!) entkleidet: Aufsichtsrat, Vorstand, medizinische Leitung in Aachen. Mit den chinesischen Forschern muß sich die chinesische Justiz befassen.
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Re: Tierversuche in der Automobilindustrie

Beitragvon Tom Bombadil » Mo 29. Jan 2018, 15:27

H2O hat geschrieben:(29 Jan 2018, 13:43)

Keiner der Versuche hatte Fortschritte der ärztlichen Künste zum Ziel; damit sind solche Versuche grundsätzlich sittlich nicht zu vertreten.

Waren die Versuche mit menschlichen Probanden rechtswidrig, ja oder nein?
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