Krise der "Leitmedien"

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Polibu
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Polibu » Do 18. Jan 2018, 20:31

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:29)

Die Leitmedien behandeln nunmal die Themen , die die Bevölkerungsmehrheit interessieren und nicht das, was eine rechte Minderheit aufgeilt.


Ja natürlich. :D

Du meinst wohl eher was die Bevölkerungsmehrheit zu wissen hat. :)
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon think twice » Do 18. Jan 2018, 20:33

Polibu hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:31)

Ja natürlich. :D

Du meinst wohl eher was die Bevölkerungsmehrheit zu wissen hat. :)

Kennst du sonst noch jemanden, der BKA-Statistiken verschlingt und zerpflueckt, ausser den Rechten? Ich nicht.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Polibu » Do 18. Jan 2018, 20:40

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:33)

Kennst du sonst noch jemanden, der BKA-Statistiken verschlingt und zerpflueckt, ausser den Rechten? Ich nicht.


Du bist nicht der Meinung, dass sich der Gesetzgeber solche Statistiken mal anschauen sollte?
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Do 18. Jan 2018, 20:42

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:33)

Kennst du sonst noch jemanden, der BKA-Statistiken verschlingt und zerpflueckt, ausser den Rechten? Ich nicht.


Doch, ich mache das auch; aber nur um nach zu prüfen, was an den Thesen eines Sarrazin oder ähnlichem Kaliber dran ist. Heute schenke ich mir das, weil die Debatte auf der Seite eingefroren zu sein scheint.
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Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jan 2018, 20:48

Brainiac hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:15)

Vielleicht wäre die Krise der "Leitmedien" dann behoben, wenn diese sich, gerade im Sinne ihrer schärfsten Kritiker, mehr der "Leitkultur" (was immer das genau sei) verpflichtet fühlten. ;)

Im Grunde ein Paradoxon, dass zwei mit "Leit" beginnende Begriffe bei Vertretern eines bestimmten politischen Spektrums so emotional gegensätzlich belegt sind.

Ich hab' jetzt 'ne ganze Weile über diese Aussage nachgedacht ... aber verstehen tu ' ich sie immer noch nicht.

Nur mal so zur Motivationserkärung: "Leit"-irgendwas ist bei Menschen, die mit einem kritischen Geist in einem staatsozialistischen System aufgewachsen sind, mit zwei Assoziationen verbunden: Mit der beanspruchten "Leit-"Funktion staatsozialistischer Medien. Das ist ja sicher noch verständlich. Und auch weniger wesentlich als: Mit der Aushebelung eines transparenten Rechtsstaats durch irgendwelche schwammigen und auslegbaren Vorstellungen wie "Leitkultur". "Leitkultur" hier und heute ist das, was das Leitbild einer sogenannten "sozialistischen Persönlichkeit" zu DDR-Zeiten war. Das ist der HIntergrund für den extremen Widerstand eines Teils der heutigen Menschen gegen dieses Konzept. Es gab ja kürzlich eine Diskussion hier zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern. Das ist strafgesetzlich verboten. Es steht auf einem ganz anderen Blatt, wie das entsprechende Strafgesetz zur Zeit t-dt mal entstanden ist Und es ist nochmal eine andere Frage, dass dieses Gesetz zum Zeitpunk t+dt von der Legislative noch mal anders eingebracht (vermutlich verschärft) wird. Aber hier und jetzt und zum Zeitpunkt t ist jeweils immer ziemlich klar, was strafbar ist und was nicht. Und in dieser Art und Weise tritt das Konzept des Rechtsstaats an die Stelle von Konzepten wie "Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit" oder "Leitkultur". Der Rechtsstaat ist eine Errungenschaft moderner Gesellschaften, die sich frei denkende Menschen niemals, niemals wieder nehmen lassen werden.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Do 18. Jan 2018, 20:49

Polibu hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:40)

Du bist nicht der Meinung, dass sich der Gesetzgeber solche Statistiken mal anschauen sollte?

Doch, das muß er sogar. Aus allgemeinem Volksgemurmel kann man keine halbwegs sachgerechte Bewertung ableiten. Aber mit bloßem Ansehen der BKA-Statistik ist da nichts getan. Dann ergeben sich Fragen, die geklärt werden wollen, bevor Schlüsse gezogen werden dürfen. Und dabei lernt unsereiner meist, daß der erste Schluß ein Trugschluß war. Weil aber viele Leser auf halber Strecke aufgeben, sind die Schlüsse oft sehr widersprüchlich, im Guten wie im Bösen.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon think twice » Do 18. Jan 2018, 20:49

H2O hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:42)

Doch, ich mache das auch; aber nur um nach zu prüfen, was an den Thesen eines Sarrazin oder ähnlichem Kaliber dran ist. Heute schenke ich mir das, weil die Debatte auf der Seite eingefroren zu sein scheint.

Und hast du auch schon festgestellt, dass die Statistiken gar nicht viel Spannendes her geben, ausser, man rechnet hoch und quer und vermutet .... Oder man ignoriert 100 Seiten, was es alles an Kriminalität gibt und stürzt sich lediglich auf die Rubrik "Fluechtlingskriminalitaet." ;)
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Watchful_Eye » Do 18. Jan 2018, 20:56

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:29)

Die Leitmedien behandeln nunmal die Themen , die die Bevölkerungsmehrheit interessieren und nicht das, was eine rechte Minderheit aufgeilt.

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:33)

Kennst du sonst noch jemanden, der BKA-Statistiken verschlingt und zerpflueckt, ausser den Rechten? Ich nicht.

Es ist meines Erachtens genau umgekehrt. Einzelfälle sind es, die das Blickfeld verzerren, beispielsweise Terroranschläge. Sie emotionalisieren den Sachverhalt, schüren Wut und Angst. Das Medium solcher Einzelfälle sind die Medien. Das kann man den Medien im Falle einer sachgerechten Umsetzung nicht zum Vorwurf machen, aber sie es nunmal.

Statistiken hingegen sind so emotionslos, wie es nur geht. Das, was vielleicht Angst oder Wut schürt, ist kein zerfetztes Kind, kein fieses Gesicht, sondern die pure Information. Sie obliegen natürlich auch einer Interpretation und können manipulativ gedeutet werden. Grundsätzlich transportieren sie aber Fakten. Es ist irrational, sie zu ignorieren.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Do 18. Jan 2018, 21:01

think twice hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:49)

Und hast du auch schon festgestellt, dass die Statistiken gar nicht viel Spannendes her geben, ausser, man rechnet hoch und quer und vermutet .... Oder man ignoriert 100 Seiten, was es alles an Kriminalität gibt und stürzt sich lediglich auf die Rubrik "Fluechtlingskriminalitaet." ;)


Na ja, einfach ist die Sache wirklich nicht. Erst wenn man -zig Fragen kreuz und quer abgeglichen hat, gewinnt man ein vertretbares Bild. Diese Geduld hat nicht jeder... vielleicht auch nicht die Gabe, solche Fragen zu stellen, um sie dann zu klären.
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Beitragvon Brainiac » Do 18. Jan 2018, 21:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:48)

Ich hab' jetzt 'ne ganze Weile über diese Aussage nachgedacht ... aber verstehen tu ' ich sie immer noch nicht.

Nur mal so zur Motivationserkärung: "Leit"-irgendwas ist bei Menschen, die mit einem kritischen Geist in einem staatsozialistischen System aufgewachsen sind, mit zwei Assoziationen verbunden: Mit der beanspruchten "Leit-"Funktion staatsozialistischer Medien. Das ist ja sicher noch verständlich. Und auch weniger wesentlich als: Mit der Aushebelung eines transparenten Rechtsstaats durch irgendwelche schwammigen und auslegbaren Vorstellungen wie "Leitkultur". "Leitkultur" hier und heute ist das, was das Leitbild einer sogenannten "sozialistischen Persönlichkeit" zu DDR-Zeiten war. Das ist der HIntergrund für den extremen Widerstand eines Teils der heutigen Menschen gegen dieses Konzept. Es gab ja kürzlich eine Diskussion hier zum Thema sexueller Missbrauch von Kindern. Das ist strafgesetzlich verboten. Es steht auf einem ganz anderen Blatt, wie das entsprechende Strafgesetz zur Zeit t-dt mal entstanden ist Und es ist nochmal eine andere Frage, dass dieses Gesetz zum Zeitpunk t+dt von der Legislative noch mal anders eingebracht (vermutlich verschärft) wird. Aber hier und jetzt und zum Zeitpunkt t ist jeweils immer ziemlich klar, was strafbar ist und was nicht. Und in dieser Art und Weise tritt das Konzept des Rechtsstaats an die Stelle von Konzepten wie "Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit" oder "Leitkultur". Der Rechtsstaat ist eine Errungenschaft moderner Gesellschaften, die sich frei denkende Menschen niemals, niemals wieder nehmen lassen werden.

Na, was ich meine (und was mich etwas verwundert), ist, dass Vertreter eines bestimmten konservativ / rechten Spektrums eine "Leitkultur" fordern, aber die "Leitmedien" ablehnen, zumindest wie sie heute sind (würden diese mehr für die dort gewünschte "Leitkultur" eintreten, wäre das ggf anders). Die wollen also geleitet werden und dann wieder doch nicht. :D
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon H2O » Do 18. Jan 2018, 21:12

Watchful_Eye hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:56)

Es ist meines Erachtens genau umgekehrt. Einzelfälle sind es, die das Blickfeld verzerren, beispielsweise Terroranschläge. Sie emotionalisieren den Sachverhalt, schüren Wut und Angst, verzerren das Bild. Das Medium solcher Einzelfälle sind die Medien. Das kann man den Medien im Falle einer sachgerechten Umsetzung nicht zum Vorwurf machen, aber sie es nunmal.

Statistiken hingegen sind so emotionslos, wie es nur geht. Das, was vielleicht Angst oder Wut schürt, ist kein zerfetztes Kind, kein fieses Gesicht, sondern die pure Information. Sie obliegen natürlich auch einer Interpretation und können manipulativ gedeutet werden. Grundsätzlich transportieren sie aber Fakten. Es ist irrational, sie zu ignorieren.


Ich glaube, daß beides wahr ist. Mich lassen schreckliche Bilder auch nicht unberührt. Und es ist wohl wahr, daß ganz bestimmte Medien sich mit besonderem Eifer auf genau diese Form der Nachrichten stürzen.

Auch eine "kalte" Statistik kann Gefühle aufkochen lassen; insbesondere dann, wenn sie dazu eingesetzt werden soll, vorhandene Wut weiter an zu fachen, nun unter dem Mantel angeblicher Objektivität. Wie vieles an diesen Aufregern gerät durch nachfolgende Aufschlüsselung der Daten in den Bereich des ganz gewöhnlich Erwartbaren! Ich habe mich vor einigen Jahren damit mehrmals gründlich auseinander gesetzt... und hinterher war ich tatsächlich besser unterrichtet als nach den ersten 20 Minuten... und etwas gelassener.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Excellero » Do 18. Jan 2018, 21:22

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Jan 2018, 20:06)

Nicht die Medien "bilden" Meinung sondern ich selbst. Medien wie Spiegel, ZEIT, FAZ, TAZ, telepolis, dradio usw. usf. bilden ein Mosaik aus Quellen, von denen keines primär "meinungsbildend" für mich ist. Aufmachung, logische Konsistenz und vor allem Sprache liefern - abgesehen von den Inhalten - ein Netz von Kriterien, aus dessen Gesamtheit sich ein eigentlich - gemessen an den ja durchaus vorhandenen Partikularinteressen - erstaunliche Verifikationsinstrumentarium ergibt. Man darf nur nicht auf irgendwas gepolt und nur und ausschließlich bei sich selbst sein.


Erstmal Glückwunsch. Entscheidend ist aber nicht nur die quantität der Quellen, sondern auch deren Spektren. Wenn man immer nur Mainstream ließt, dann kann man sich das ganze sparen. Denn grundsätzlich gleichen die sich alle. Wenn ich die FAZ les weiß ich auch was ein Spiegel oder die Zeit schreibt. Z.B. mit der Sache in Syrien... hat irgendein Blatt oder Magazin oder sonst was vom Mainstream auch nur ein Wort des Zweifels geschrieben? Oder 2015 als die "Flüchtlingswelle" los schwappte, oder die Anti Trump Kampagne, oder die legendären Weißhelme, oder jüngst die bejubelei der angeblich geringen Arbeitslosigkeit... wenn wir nur 2 Millionen Arbeitslose haben wieso beziehen dann 4 Millionen Harz4? Auch solche Fragen werden nicht gestellt...
Die elementare Gleichschaltung und tendenzielle und selektive Berichterstattung ist doch überhaupt der Grund für das immer weiter fallende Vertrauen und letztlich auch die einbrechenden Auflagezahlen. Das passiert weil nicht die Wahrheit geschrieben wird, weil nicht die Realität beschrieben wird. Und nicht weil irgendwelche alternativen Medien nur lügenbasierte Propaganda verbreiten. Das wiederum will aber keiner wahr haben.
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Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jan 2018, 21:27

Brainiac hat geschrieben:(18 Jan 2018, 21:06)

Na, was ich meine (und was mich etwas verwundert), ist, dass Vertreter eines bestimmten konservativ / rechten Spektrums eine "Leitkultur" fordern, aber die "Leitmedien" ablehnen, zumindest wie sie heute sind (würden diese mehr für die dort gewünschte "Leitkultur" eintreten, wäre das ggf anders). Die wollen also geleitet werden und dann wieder doch nicht. :D

O.K. Gut. Darauf hätte ich eigentlich auch kommen können. Ich selbst stoße immer wieder auf diesen Grundwiderspruch, wenns um diesen sehr seltsamen Begriff "Deutungshoheit" geht. Respektive der "Inanspruchnahme" einer solchen. Ich spreche jedem Menschen, der die biblische Genesis wörtlich nimmt, das volle Recht zu, damit eine "Deutungshoheit" in Anspruch zu nehmen. In vollem Umfang und ohne wenn und aber. Und jeder, der das in Frage stellt, macht sich der Propagierung einer Meinungsfreiheitseimschränkung schuldig. Die Frage ist eine ganz andere: Ob man mich zwingen kann, das auch zu glauben und anzunehmen. Man kann es polemisch auch anders formulieren: Die "Inanspruchnahme eine Deutungshoheit" verurteilen zu wollen, ist nix anderes als das Eingeständnis der eigenen Schwäche, seine eigene Position nicht verteidigen und halten zu können und willenlos wie ein Blatt im Wind solchen Deutungshoheitsbeanspruchungen ausgeliefert zu sein. Arme Leute! Mein Beileid!
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jan 2018, 21:33

Excellero hat geschrieben:(18 Jan 2018, 21:22)

Die elementare Gleichschaltung und tendenzielle und selektive Berichterstattung ist doch überhaupt der Grund für das immer weiter fallende Vertrauen und letztlich auch die einbrechenden Auflagezahlen. Das passiert weil nicht die Wahrheit geschrieben wird, weil nicht die Realität beschrieben wird. Und nicht weil irgendwelche alternativen Medien nur lügenbasierte Propaganda verbreiten. Das wiederum will aber keiner wahr haben.

"Gleichschaltung"? Sag mal ehrlich: Lässt du dich wirklich "gleichschalten"? Interpretierst Du die massenhafte Verbreitung und den (immer noch) kommerziellen Erfolg von Produkten wie Spiegel oder FAZ als Zwang oder auch nur Aufforderung, Dich an deren Weltinterpretationen halten zu müssen? Warst Du schon mal in einem Independent-Club-Konzert? Hast du schon mal bei einem Independent-Label geordert? Hast du schonmal darüber nachgedacht, einen vollkommen anders gearteten PKW als einen Mercedes oder natürlich überhaupt kein Auto zu besitzen? Und wenn ja: Hast Du erlebt, dass dich irgendjemand daran hindert?
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Excellero » Do 18. Jan 2018, 22:51

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Jan 2018, 21:33)

"Gleichschaltung"? Sag mal ehrlich: Lässt du dich wirklich "gleichschalten"? Interpretierst Du die massenhafte Verbreitung und den (immer noch) kommerziellen Erfolg von Produkten wie Spiegel oder FAZ als Zwang oder auch nur Aufforderung, Dich an deren Weltinterpretationen halten zu müssen? Warst Du schon mal in einem Independent-Club-Konzert? Hast du schon mal bei einem Independent-Label geordert? Hast du schonmal darüber nachgedacht, einen vollkommen anders gearteten PKW als einen Mercedes oder natürlich überhaupt kein Auto zu besitzen? Und wenn ja: Hast Du erlebt, dass dich irgendjemand daran hindert?


Das gleichschalten bezog sich auf die Medien nicht auf den Konsumenten. Und ja ich habe auch schon mal dran gedacht einen Lexus oder BMW zu kaufen... :thumbup:
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon schokoschendrezki » Do 18. Jan 2018, 23:21

Excellero hat geschrieben:(18 Jan 2018, 22:51)

Das gleichschalten bezog sich auf die Medien nicht auf den Konsumenten. Und ja ich habe auch schon mal dran gedacht einen Lexus oder BMW zu kaufen... :thumbup:

Ja Gut. Aber dann ist es doch kein Problem! Dann können wir nicht von einer "Krise der Leitmedien" sprechen. Es war noch nie, niemals anders, als dass es eine Mainstream-Darstellung und eine persönliche Ansicht gab. Nie! In den 50er Jahren war bei Springer von "Halbstarken" und bei der Ulbricht-Presse von der "Monotonie des Je-je-je" die Rede. Hat irgendwann mal irgendein ernszunehmender Zeitgenosse auch nur mit der Möglichkeit gerechnet, dass das, was überall erhältlich und gebräuchlich und scheinbar unhinterfragbar ist, auch das ist, was meine persönliche Meinung widerspiegelt? Oder dass man das irgendwie verlangen könnte, ohne die grundsätzlich kommerzielle Ausrichtung der Medien in der spätkapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen? Ich habe überhaupt kein Problem damit. Sollen sie schreiben, was immer sie schreiben wollen. Im Gegenteil: Nur so ist es möglich, Verschränkungen mit kommerziellen Interessen erkennen zu können. Meine eigenen politischen Urteile sind - bis auf gewisse als solche auch erkennbaren - Faktenrecherchen sowieso nicht manipulierbar. Also insofern: Nicht nur "nur zu" sondern "aber bitteschön". In meinem eigenen Interesse.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Polibu » Do 18. Jan 2018, 23:24

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Jan 2018, 23:21)

Ja Gut. Aber dann ist es doch kein Problem! Dann können wir nicht von einer "Krise der Leitmedien" sprechen. Es war noch nie, niemals anders, als dass es eine Mainstream-Darstellung und eine persönliche Ansicht gab. Nie! In den 50er Jahren war bei Springer von "Halbstarken" und bei der Ulbricht-Presse von der "Monotonie des Je-je-je" die Rede. Hat irgendwann mal irgendein ernszunehmender Zeitgenosse auch nur mit der Möglichkeit gerechnet, dass das, was überall erhältlich und gebräuchlich und scheinbar unhinterfragbar ist, auch das ist, was meine persönliche Meinung widerspiegelt? Oder dass man das irgendwie verlangen könnte, ohne die grundsätzlich kommerzielle Ausrichtung der Medien in der spätkapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen? Ich habe überhaupt kein Problem damit. Sollen sie schreiben, was immer sie schreiben wollen. Im Gegenteil: Nur so ist es möglich, Verschränkungen mit kommerziellen Interessen erkennen zu können. Meine eigenen politischen Urteile sind - bis auf gewisse als solche auch erkennbaren - Faktenrecherchen sowieso nicht manipuierbar, Also insofern: Nicht nur "nur zu" sondern "aber bitteschön in meinem eigenen Interesse2.


Die vierte Gewalt im Staat sollte schon ausgewogen berichten. Oder willst du abstreiten, dass die Medien Einfluss in der Gesellschaft haben?
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Excellero » Fr 19. Jan 2018, 07:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(18 Jan 2018, 23:21)

Ja Gut. Aber dann ist es doch kein Problem! Dann können wir nicht von einer "Krise der Leitmedien" sprechen. Es war noch nie, niemals anders, als dass es eine Mainstream-Darstellung und eine persönliche Ansicht gab. Nie! In den 50er Jahren war bei Springer von "Halbstarken" und bei der Ulbricht-Presse von der "Monotonie des Je-je-je" die Rede. Hat irgendwann mal irgendein ernszunehmender Zeitgenosse auch nur mit der Möglichkeit gerechnet, dass das, was überall erhältlich und gebräuchlich und scheinbar unhinterfragbar ist, auch das ist, was meine persönliche Meinung widerspiegelt? Oder dass man das irgendwie verlangen könnte, ohne die grundsätzlich kommerzielle Ausrichtung der Medien in der spätkapitalistischen Gesellschaft in Frage zu stellen? Ich habe überhaupt kein Problem damit. Sollen sie schreiben, was immer sie schreiben wollen. Im Gegenteil: Nur so ist es möglich, Verschränkungen mit kommerziellen Interessen erkennen zu können. Meine eigenen politischen Urteile sind - bis auf gewisse als solche auch erkennbaren - Faktenrecherchen sowieso nicht manipulierbar. Also insofern: Nicht nur "nur zu" sondern "aber bitteschön". In meinem eigenen Interesse.


Es geht doch hier nicht um persönliche Meinungen. Es geht darum daß die Journalisten ihren Job nicht machen. Wenn ein Trump gewählt wird, dann will ich nicht nur alles negative über den Mann wissen, sondern auch mal was positives. Wenn angeblich Assad Giftgas einsetzt dann will ich nicht nur die Regiemchange Version hören vom bösen Diktator, sondern auch mal ein paar Zweifel ob es wirklich Assad war. Unsw. Und dieses Hinterfragen von den offiziellen Versionen kommt eben garnicht mehr vor.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon Dampflok94 » Fr 19. Jan 2018, 09:38

Excellero hat geschrieben:(19 Jan 2018, 07:54)

Es geht doch hier nicht um persönliche Meinungen. Es geht darum daß die Journalisten ihren Job nicht machen. Wenn ein Trump gewählt wird, dann will ich nicht nur alles negative über den Mann wissen, sondern auch mal was positives. Wenn angeblich Assad Giftgas einsetzt dann will ich nicht nur die Regiemchange Version hören vom bösen Diktator, sondern auch mal ein paar Zweifel ob es wirklich Assad war. Unsw. Und dieses Hinterfragen von den offiziellen Versionen kommt eben garnicht mehr vor.

Ich weiß nicht, welche Medien Du so konsumierst. Aber die Leitmedien, um die es hier in diesem Strang geht, tun genau das. Allerdings gewichten sie das natürlich. Man muß denjenigen, die meinen die Erde sei eine Scheibe, nicht den gleichen Platz einräumen wie jenen, die eine Kugel in ihr sehen. Unterschiedliche Positionen können von Medien in unterschiedlicher Art und Weise behandelt werden.
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Re: Krise der "Leitmedien"

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 19. Jan 2018, 10:20

Excellero hat geschrieben:(19 Jan 2018, 07:54)

Es geht doch hier nicht um persönliche Meinungen. Es geht darum daß die Journalisten ihren Job nicht machen. Wenn ein Trump gewählt wird, dann will ich nicht nur alles negative über den Mann wissen, sondern auch mal was positives. Wenn angeblich Assad Giftgas einsetzt dann will ich nicht nur die Regiemchange Version hören vom bösen Diktator, sondern auch mal ein paar Zweifel ob es wirklich Assad war. Unsw. Und dieses Hinterfragen von den offiziellen Versionen kommt eben garnicht mehr vor.

Also zu letzterem nur mal ein (Gegen)beispiel: Mit "Correct!v" hat die ZEIT bereits seit 2014 eine Leserplattform, bei ders nicht einfach - wie sonst oft - ums bloße Kommentieren und "Beschweren" und "Anregen" sondern um sozusagen einen addiitiven Leserjournalismus geht. Lassen wir mal die Frage beiseite, ob sie diesem Anspruch damit genügen. Aber dass ein "Hinterfragen offizieller Versionen" nicht mehr vorkommt ... das stimmt nun wirklich nicht.

Und dass man bei den "Guten" auch mal was "Böses" bringen soll und bei den "Bösen" auch mal was "Gutes": Bitte nicht! Das eigentliche Kerngebot lautet, nach britisch-amerikanischem Vorbild sauber zwischen Kommentar und Berichterstattung zu trennen. Und nicht nach "Gut" und "Böse". Ich will doch keine Kinderzeitschriften. Auch wenn Produkte nach diesen Vorgaben selten geworden sind und man zunehmend auch über den Tellerrand schauen muss. Natürlich gibt es sie. Nur mal zwei Beispiele: Der britische "Guardian" und der österreichische "Standard".
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