Braucht es eine neue Elitenausbildung?

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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Di 17. Okt 2017, 18:38

Alter Stubentiger hat geschrieben:(17 Oct 2017, 15:29)

Bei den Medizinern gibt es einen extremen Numerus Clausus. Also bekommen Auswendiglerner die Studienplätze.
Ich finde das ist der grundsätzlich falsche Ansatz. Man sollte die Abiturienten zu einer Lehre verpflichten in denen sie alle grundsätzlichen praktischen Fähigkeiten erlernen müssen. Wo sie den Umgang mit Patienten erlernen. Und nur wer so die Realitäten in den Praxen und Krankenhäusern kennengelernt hat sollte berechtigt sein dann die anspruchsvolleren Fertigkeiten in einem Studium zu erwerben.


Ja, durchaus ein möglicher Ansatz. Es liegt natürlich auf der Hand dass es problematisch werden kann wenn jemand aufgrund solcher abstrakter Fähigkeiten Mediziner wird, und dann in der Praxis plötzlich am handwerklichen scheitert und die Nadel daneben sticht, um es mal plastisch auszudrücken. Ich vergleiche das immer mit dem Fußballspielen. Die "Praktiker", die Profifußballer, die lernen das nur in der Praxis, von der "Pieke" auf. Die Sportwissenschaftler, das ist dann was anderes. Aber wenn ich jemanden suche der einen Freistoß schießt, dann brauch ich jemanden der das in der Praxis gelernt hat. Wie gesagt, müsste man dann mal wirklich durchspielen was wir von solchen Akademikern wie Medizinern erwarten. Wenn wir uns "Handwerksmediziner" wünschen, dann muss die Praxis wichtiger werden. Die Frage bleibt dann, was man mit den "Auswendiglernen" macht und was mit den "verrückten Genies". Studieren die dann auch Medizin? Oder was anderes wo ihre Fähigkeiten besser ausgehoben sind?
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Di 17. Okt 2017, 18:40

Bielefeld09 hat geschrieben:(17 Oct 2017, 19:12)

Geld zählen hat aber nichts mit Elitentum zu tun.
Und Mafia und korrupte Strömungen war hier ja nicht das Thema!
Nordkoreas Präsident ist in der Schweiz im Internat erzogen worden.
Auch er ein Elitetyp?
Bestimmt?!


Geldadel oder jede Frm von "Aristokratie" ist jetzt nicht unbedingt das was ich unter "Elite" verstehe^^.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Bielefeld09 » Di 17. Okt 2017, 18:58

Maltrino hat geschrieben:(17 Oct 2017, 19:40)

Geldadel oder jede Frm von "Aristokratie" ist jetzt nicht unbedingt das was ich unter "Elite" verstehe^^.

Was wäre denn dann die " neue Elite"?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon apartofme » Di 17. Okt 2017, 19:34

Maltrino hat geschrieben:(16 Oct 2017, 01:18)

Ja, sie "ist" Arbeit, als ist das auch gut? Ist das immer gut? Ich will jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich hab mich mal mit einem medizinischen Verfahren beschäftigt und weil in einem Internetforum ein User Fragen gestellt hat die darauf deuteten, dass bei dem User vielleicht so ein Verfahren angewendet wird, habe ich versucht vor diesem Verfahren zu "warnen" bzw. zumindest dazu ermuntert ganz genau nachzufragen was gemacht werden soll. Warum ich das getan hatte? Weil ich der Überzeugung war, dass das besagte Verfahren totaler Müll ist. Aber das Problem war: Das ganze Verfahren ist so kompliziert aufgebaut und mit so vielen Formeln, Fachbegriffen und Abkürzungen versehen, dass es für kaum jemanden verständlich ist. Egal ob Internetuser oder Ärzte mit denen ich darüber gesprochen hab, keiner war in der Lage auf meine Einwände im Detail einzugehen weil gesagt wurde "Dafür muss man Medizin und Physik studiert haben und sich jahrelang mit dem Thema beschäftigt haben". Kurz: Die Leute die dieses Verfahren sich ausgedacht haben haben KNÜPPELHART gearbeitet, so dass jeder der die Formelsammlung sieht vor Ehrfurcht erstarrt. Das Problem ist nur: Das Verfahren ist Müll. Die Formeln sind vielleicht jede für sich richtig. Aber das gesamte Verfahren ist Müll.

In diesem spezifischen Beispiel kann ich das natürlich nicht beurteilen (vielleicht kannst du die entsprechende Publikation mal verlinken). Grundsätzlich kann es aber natürlich bei der Kollaboration von Wissenschaftlern ganz unterschiedlicher Fachrichtungen zu Fehlern kommen, die sich dann durchaus auch durch den gesamten Peer-Reviewing-Prozess schleichen können. Die steigende Komplexität dieser Studien insbesondere im mathematisch-statistischen Bereich kann auch dazu führen, dass diejenigen, die die Studie für das entsprechende Fachblatt evaluieren sollen, diese Fehler übersehen oder sogar, weil sie die technischen Grundlagen gar nicht beherrschen, die Methode einfach abnicken, um sich vor ihren Kollegen nicht zu blamieren. Gleichzeitig lastet auf den beteiligten Mathematikern ein großer Druck, die Methode entsprechend der gewünschten Ergebnisse anzupassen (was in vielen Fällen durchaus möglich ist) oder die Resultate anderer Modelle, die zu gegenteiligen Ergebnissen führen, vollkommen unerwähnt zu lassen - auch weil die entsprechenden Mediziner ihnen in vielen Arbeitskonstellationen mehr oder weniger weisungsbefugt sind. Das kann ein großes Problem sein.

So weit, daraus zu schließen, dass das gesamte System korrupt ist, würde ich aber nicht gehen wollen. Starke Hierarchien können in der Forschung jedoch zu großen Problemen führen, von daher kann ich deine Forderung nach Gleichberechtigung bei der wissenschaftlichen Kollaboration durchaus sehr gut nachvollziehen.

Ob flache Hierarchien zu besseren Forschungsergebnissen führen, kann ich dabei allerdings nicht unbedingt sagen. In Deutschland gibt es aufgrund der unterschiedlichen finanziellen Zusammensetzung der Hochschulen und Forschungsinstitute und einer anderen Arbeitskultur weit weniger starke Hierarchien unter Wissenschaftlern als beispielsweise in den USA. Trotzdem würde ich mal behaupten, dass die USA uns in der Forschung in vielen Bereichen doch um einiges voraus sind.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon frems » Di 17. Okt 2017, 21:43

apartofme hat geschrieben:(15 Oct 2017, 23:52) Mein Bruder schreibt derzeit z.B. gerade seine Bachelorarbeit über ein sehr spezifisches Problem bei der Gesichtserkennung, muss hierzu eben auch die relevante Literatur zitieren und sogar eine eigene Studie durchführen.

Ist ja auch normal. In der Thesis soll der Student zeigen, dass er (in kleinerem Umfang als in der Masterarbeit oder gar Dissertation, klar) wissenschaftlich arbeiten kann. Dazu gehört das Aufstellen einer Forschungsfrage, ggf. auch eines -designs, korrektes Zitieren, ggf. Anwendung der Argumentationstheorie, Durchführung von Studien oder Feldforschung, korrekte Nutzung von gelernten Methoden (z.B. Datenauswertung, statistische Tests) etc. pp. Bei einer Dissertation zeigt der Doktorand auch in erster Linie, dass er eigenständig über einen längeren Zeitraum ein komplexes Thema bearbeiten kann. Um eine Demonstration des Wissens einer ganzen Fachdisziplin oder um eine bahnbrechende Entdeckung geht's da nicht. Ersteres ist unmöglich, letzteres kommt (meist) erst danach.

Was ein Betreuer dann damit macht, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Das Problem der ungefragten Weiternutzung hat man aber auch bei Kooperation mit Unternehmen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Letzteres hatte ich selbst einmal, weil meine Betreuerin gehofft hat, meine Arbeit könnte bequem als ein Baustein bzw. Puzzlestück in eine mehrjährige Studie (Drittmittel) geschoben werden, wodurch sie mich entsprechend einengen wollte und Kritik am Gesamtvorhaben nur schwerlich akzeptierte. Ging halt schon in Richtung Gefälligkeitsstudie, aber Oberhand behält ja zum Glück die Uni, weshalb's mir egal sein konnte.

Die Überprüfung von Plagiaten wird zunehmend schwieriger, aber insbesondere was die mathematisch orientierten Wissenschaften angeht denke ich nicht, dass es so unheimlich viele davon gibt.

Ist genau genommen leichter geworden. Deshalb flogen in den letzten Jahren auch einige ältere (mittlerweile digitalisierte) Dissertationen auf, z.B. von Schavan, die keinerlei Schuld eingestehen wollte, sondern meinte, dass die Standards damals halt so niedrig waren und es normal war, teilweise zu plagiieren. Heute jagt man eine -- oftmals obligatorisch abzugebende -- PDF in ein entsprechendes Programm, das Zugriff auf Unmengen von Werken hat und sie in wenigen Sekunden abgleicht. Früher wurde man nur erwischt, wenn der Betreuer/Prüfer sich beim Lesen daran erinnerte, dass er einen (fast) identischen Absatz zufällig irgendwo schon mal gelesen hat. Bei der Menge an Fachartikeln, Abschlussarbeiten usw. im deutschsprachigen Raum war das entsprechend unwahrscheinlich. Heute müsste man schon selbstständig bspw. einen fremdsprachigen Artikel übersetzen und bei den Zitaten bzw. dem Literaturverzeichnis darauf achten, andere Quellen als im "Original" zu finden und zu nennen. Bei dem Aufwand lohnt sich das kaum. Aber wie Du schon sagtest: bei mathelastigen Disziplinen ist das selten bzw. deutlich schwieriger als in anderen Bereichen.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Di 17. Okt 2017, 23:40

Bielefeld09 hat geschrieben:(17 Oct 2017, 19:58)

Was wäre denn dann die " neue Elite"?


Ich wollte das hier grad mit komplizierten Worten erklären aber ich habe gesehen, dass es bei Wikipedia eigentlich schon steht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Elite

Man kann also zwischen "Leistungseliten/Funktionseliten" und "Machteliten" unterscheiden. Und interessant auch, dass die "ökonomischen Eliten" zum Bereich der "Machteliten" gerechnet werden. Und was ich meine sind natürlich die "Leistungseliten/Funktionseliten".

Aber dieses ganze Thema ist halt sehr heikel wenn man es politisch diskutiert, wahrscheinlich weil diese beiden Bereiche oft vermischt werden. Ich kann mich dran erinnern, dass ich als junger naiver politisch engagierter Mensch bei einer Gelegenheit bessere "Förderung für Hochbegabte" aber auch für "Minderbegabte" gefordert habe. Ziel war es zu erreichen, dass jemand der das Talent zum Astrophysiker hat dieses auch ausleben kann und jemand der dieses Talent nicht hat, aber vielleicht bei guter Förderung ein guter Hausmeister werden kann, dies auch schaffen kann. Mir ging es also um "Leistung" um "Fähigkeiten" und "Funktionen" die ein Mensch ind er Gesellschaft erfüllen kann. Als Antwort kam aber von vielen, die ich als "Wutbürger" (links wie rechts) bezeichnen würde: "Nee, wir wollen keine Elitenförderung". Da war ich total baff, weil ich dachte die "bösen" Eliten, das seien die "Machteliten" und "ökonomischen Eliten", die ja oft auch aus Zufall an der (ökonomischen) Macht sind.

Und diese "neuen Eliten", von denen ich hier (etwas oberflächlich) rede, wären dann natürlich Menschen die eine bestimmte Fähigkeit haben und deshalb eine bestimmte "Leistung" erbringen können. Und das kann dann übrigens auch ein Mensch sein, der von kleinauf Hausmeisterservice gelernt hat, der weiß wie man mit einer Nadel Blut abnimmt oder eben einer der dafür sorgt, dass trotz unüberschaubarer Wissensflut das Wissen genau an die Stelle kommt wo es gebraucht wird. Und je weniger Leute so eine Fähigkeit haben, desto mehr kann man natürlich von "Elite" bzw. "Leistungselite/Funktionselite" sprechen.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon apartofme » Mi 18. Okt 2017, 02:29

frems hat geschrieben:(17 Oct 2017, 22:43)
Ist genau genommen leichter geworden. Deshalb flogen in den letzten Jahren auch einige ältere (mittlerweile digitalisierte) Dissertationen auf, z.B. von Schavan, die keinerlei Schuld eingestehen wollte, sondern meinte, dass die Standards damals halt so niedrig waren und es normal war, teilweise zu plagiieren. Heute jagt man eine -- oftmals obligatorisch abzugebende -- PDF in ein entsprechendes Programm, das Zugriff auf Unmengen von Werken hat und sie in wenigen Sekunden abgleicht. Früher wurde man nur erwischt, wenn der Betreuer/Prüfer sich beim Lesen daran erinnerte, dass er einen (fast) identischen Absatz zufällig irgendwo schon mal gelesen hat. Bei der Menge an Fachartikeln, Abschlussarbeiten usw. im deutschsprachigen Raum war das entsprechend unwahrscheinlich. Heute müsste man schon selbstständig bspw. einen fremdsprachigen Artikel übersetzen und bei den Zitaten bzw. dem Literaturverzeichnis darauf achten, andere Quellen als im "Original" zu finden und zu nennen. Bei dem Aufwand lohnt sich das kaum. Aber wie Du schon sagtest: bei mathelastigen Disziplinen ist das selten bzw. deutlich schwieriger als in anderen Bereichen.

Das Abgleichen von Studentischen Arbeiten, Dissertationen, etc. hatte ich jetzt so gar nicht im Hinterkopf, sondern eher das tatsächliche Abkupfern von Ideen bei wissenschaftlichen Publikationen, ohne eben den entsprechenden Urheber zu zitieren. Da wird es eben schwieriger, überhaupt zu sehen, was es an wissenschaftlicher Forschung überhaupt schon zum Thema gegeben hat.

Beispiel aus meinem Umfeld, erst letzte Woche passiert: Ein Team aus einer amerikanischen Universität hat eine Studie zum Thema Bevölkerungswachstum durchgeführt. Das ganze soll dann in einem recht angesehenen Fachblatt veröffentlicht werden. Peer Reviewing geht ohne Probleme durch, bis ganz kurz vor der Veröffentlichung doch noch jemand beim Editorial Board auf den Trichter kommt, dass eine Studie über dasselbe Thema bereits ein Jahr vorher von einem österreichischen Institut durchgeführt wurde. Streng genommen natürlich kein Plagiat, aber es verdeutlicht einfach, dass es selbst für diejenigen, die über die Veröffentlichung entscheiden sollen, sehr schwer ist, sich auf dem Laufenden zu halten.
Spezielle Pointe: Die österreichische Studie wurde in demselben Fachblatt veröffentlicht. Vermutlich der einzige Grund, weshalb's überhaupt bemerkt wurde.

Oder noch eins, auch keine zwei Monate her: Ein Statitiker hat die Idee, mit einem relativ komplexen Modell, das sonst in dem entsprechenden Fachbereich eher nicht zum Einsatz kommt, eine bestimmte Hypothese zu überprüfen und bekommt dafür dann auch auf der entsprechenden Fachkonferenz eine Auszeichnung. Der Statistiker wechselt daraufhin den Job und der ehemalige Chef des Statistikers präsentiert die Idee des Statistikers (weil er gerade keine eigene hat) auf der nächsten Fachkonferenz als seine eigene, obwohl er überhaupt null Plan davon hat, was da überhaupt gemacht wurde. Hat keiner gemerkt, unter anderem vermutlich auch deshalb, weil das Modell so kompliziert ist, dass sich auf der Konferenz gar niemand findet, der sich überhaupt trauen würde, Fragen dazu zu stellen.

Aber naja, du wirst schon Recht haben, dass es solche Sachen schon immer gab, aber im Allgemeinen gibt es halt auch unter Fachleuten immer weniger Leute, die jegliche relevante Literatur zu einem bestimmten, selbst sehr abgegrenzten Bereich kennen.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 18. Okt 2017, 14:30

Maltrino hat geschrieben:(17 Oct 2017, 19:38)

Ja, durchaus ein möglicher Ansatz. Es liegt natürlich auf der Hand dass es problematisch werden kann wenn jemand aufgrund solcher abstrakter Fähigkeiten Mediziner wird, und dann in der Praxis plötzlich am handwerklichen scheitert und die Nadel daneben sticht, um es mal plastisch auszudrücken. Ich vergleiche das immer mit dem Fußballspielen. Die "Praktiker", die Profifußballer, die lernen das nur in der Praxis, von der "Pieke" auf. Die Sportwissenschaftler, das ist dann was anderes. Aber wenn ich jemanden suche der einen Freistoß schießt, dann brauch ich jemanden der das in der Praxis gelernt hat. Wie gesagt, müsste man dann mal wirklich durchspielen was wir von solchen Akademikern wie Medizinern erwarten. Wenn wir uns "Handwerksmediziner" wünschen, dann muss die Praxis wichtiger werden. Die Frage bleibt dann, was man mit den "Auswendiglernen" macht und was mit den "verrückten Genies". Studieren die dann auch Medizin? Oder was anderes wo ihre Fähigkeiten besser ausgehoben sind?

Die Auswendiglerner werden schnell merken ob die Ausbildung in der Praxis das Bild des Berufs vermittel das sie erwarten. Und ob sie den praktischen Anforderungen genügen. Dann können sie ja ganz schnell was anderes studieren wo reine Kopfarbeiter gefragt sind.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Mi 18. Okt 2017, 15:18

Alter Stubentiger hat geschrieben:(18 Oct 2017, 15:30)

Die Auswendiglerner werden schnell merken ob die Ausbildung in der Praxis das Bild des Berufs vermittel das sie erwarten. Und ob sie den praktischen Anforderungen genügen. Dann können sie ja ganz schnell was anderes studieren wo reine Kopfarbeiter gefragt sind.


Man "kann" auch sein Geld den Armen geben statt es für Bier rauszuhauen, machen halt nur die wenigsten...
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Bielefeld09 » Fr 20. Okt 2017, 22:22

Maltrino hat geschrieben:(18 Oct 2017, 00:40)

Ich wollte das hier grad mit komplizierten Worten erklären aber ich habe gesehen, dass es bei Wikipedia eigentlich schon steht:
https://de.wikipedia.org/wiki/Elite

Man kann also zwischen "Leistungseliten/Funktionseliten" und "Machteliten" unterscheiden. Und interessant auch, dass die "ökonomischen Eliten" zum Bereich der "Machteliten" gerechnet werden. Und was ich meine sind natürlich die "Leistungseliten/Funktionseliten".

Aber dieses ganze Thema ist halt sehr heikel wenn man es politisch diskutiert, wahrscheinlich weil diese beiden Bereiche oft vermischt werden. Ich kann mich dran erinnern, dass ich als junger naiver politisch engagierter Mensch bei einer Gelegenheit bessere "Förderung für Hochbegabte" aber auch für "Minderbegabte" gefordert habe. Ziel war es zu erreichen, dass jemand der das Talent zum Astrophysiker hat dieses auch ausleben kann und jemand der dieses Talent nicht hat, aber vielleicht bei guter Förderung ein guter Hausmeister werden kann, dies auch schaffen kann. Mir ging es also um "Leistung" um "Fähigkeiten" und "Funktionen" die ein Mensch ind er Gesellschaft erfüllen kann. Als Antwort kam aber von vielen, die ich als "Wutbürger" (links wie rechts) bezeichnen würde: "Nee, wir wollen keine Elitenförderung". Da war ich total baff, weil ich dachte die "bösen" Eliten, das seien die "Machteliten" und "ökonomischen Eliten", die ja oft auch aus Zufall an der (ökonomischen) Macht sind.

Und diese "neuen Eliten", von denen ich hier (etwas oberflächlich) rede, wären dann natürlich Menschen die eine bestimmte Fähigkeit haben und deshalb eine bestimmte "Leistung" erbringen können. Und das kann dann übrigens auch ein Mensch sein, der von kleinauf Hausmeisterservice gelernt hat, der weiß wie man mit einer Nadel Blut abnimmt oder eben einer der dafür sorgt, dass trotz unüberschaubarer Wissensflut das Wissen genau an die Stelle kommt wo es gebraucht wird. Und je weniger Leute so eine Fähigkeit haben, desto mehr kann man natürlich von "Elite" bzw. "Leistungselite/Funktionselite" sprechen.

Schon witzig,
wer bestimmt denn die Entwicklung von Deutschland?
Doch nicht die Bildungs -" Eliten ".
Schon eher der Geldadel.
Aber mehr Bildung für alle ist eben nicht schlecht für die Gesellschaft.
Aber das war hier doch sicherlich nicht gemeint, oder?
Auch wenn es mal falsch rüberkommt, es ist nie persönlich gemeint. Sorry :( :(
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Sa 21. Okt 2017, 00:24

Bielefeld09 hat geschrieben:(20 Oct 2017, 23:22)

Schon witzig,
wer bestimmt denn die Entwicklung von Deutschland?
Doch nicht die Bildungs -" Eliten ".
Schon eher der Geldadel.
Aber mehr Bildung für alle ist eben nicht schlecht für die Gesellschaft.
Aber das war hier doch sicherlich nicht gemeint, oder?


Falls du das mit der "Elitenförderung" meinstest: Keine Ahnung was die Leute meinen die bei sofort sofort "Elitenförderung" sehen. Meine Absicht war es natürlich jeden (also alle...) nach den jeweiligen Fähigkeiten zu fördern. Aber vermutlich sehen das einige so: Wenn "Bildung für alle" gerufen wird, dann ist das gut und "gegen die Eliten". Wenn jemand sagt, dass bei den "allen" auch "Hochbegabte" oder "Superschlaue" oder sonst welche Talente dabei sind, dann dann ist es sofort "Elitenförderung". Um dem gerecht zu werden, und dem Vorwurf des "Elitenförderns" aus dem Weg zu gehen, müsste man wahrscheinlich so vorgehen: Man testet alle Schüler auf besondere Talente, Begabungen, IQ, Sprachtest, Hörtest, Sehtest, sportliche Talente, Ausdauer, Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit usw. Und alle die gut abschneiden, die fördert man nicht, sondern nur die anderen. Wobei ich grad merke. Genau das passiert ja in den meisten Schulen... Und genau das kriegen ja bestimmte Vereine oder Interessengruppen zu hören wenn sie zu Bildungsministern laufen: "Wieso? Die guten müssen doch nicht extra gefördert werden, nur die schwachen!". Ja toll. Aber das führt dann leider auch dazu, dass alle nur die "normale" Bildung bekommen, und die bei denen ein Defizit festgestellt wurde bekommen neben dieser normalen Bildung noch ein Zusatzangebot. Auf den ersten Blick nachvollziehbar, auf den zweiten Blick ungerecht, da einige Schüler doppelt viel Leistung von Staat (Bildungssystem) bekommen. Dumm gelaufen, äh ich meine: Dumm lernt gut. Alle anderen dann aber nicht. Wobei ich trotzdem froh bin, dass sich bei mir damals der "Legasthenieverdacht" nicht bestätigt hat. Auf die zusätzliche Leistung für Legastheniker hab ich gerne verzichtet.
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Bielefeld09 » Sa 21. Okt 2017, 01:00

Maltrino hat geschrieben:(21 Oct 2017, 01:24)

Falls du das mit der "Elitenförderung" meinstest: Keine Ahnung was die Leute meinen die bei sofort sofort "Elitenförderung" sehen. Meine Absicht war es natürlich jeden (also alle...) nach den jeweiligen Fähigkeiten zu fördern. Aber vermutlich sehen das einige so: Wenn "Bildung für alle" gerufen wird, dann ist das gut und "gegen die Eliten". Wenn jemand sagt, dass bei den "allen" auch "Hochbegabte" oder "Superschlaue" oder sonst welche Talente dabei sind, dann dann ist es sofort "Elitenförderung". Um dem gerecht zu werden, und dem Vorwurf des "Elitenförderns" aus dem Weg zu gehen, müsste man wahrscheinlich so vorgehen: Man testet alle Schüler auf besondere Talente, Begabungen, IQ, Sprachtest, Hörtest, Sehtest, sportliche Talente, Ausdauer, Merkfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit usw. Und alle die gut abschneiden, die fördert man nicht, sondern nur die anderen. Wobei ich grad merke. Genau das passiert ja in den meisten Schulen... Und genau das kriegen ja bestimmte Vereine oder Interessengruppen zu hören wenn sie zu Bildungsministern laufen: "Wieso? Die guten müssen doch nicht extra gefördert werden, nur die schwachen!". Ja toll. Aber das führt dann leider auch dazu, dass alle nur die "normale" Bildung bekommen, und die bei denen ein Defizit festgestellt wurde bekommen neben dieser normalen Bildung noch ein Zusatzangebot. Auf den ersten Blick nachvollziehbar, auf den zweiten Blick ungerecht, da einige Schüler doppelt viel Leistung von Staat (Bildungssystem) bekommen. Dumm gelaufen, äh ich meine: Dumm lernt gut. Alle anderen dann aber nicht. Wobei ich trotzdem froh bin, dass sich bei mir damals der "Legasthenieverdacht" nicht bestätigt hat. Auf die zusätzliche Leistung für Legastheniker hab ich gerne verzichtet.

Schon witzig, wieder mal!
Wir generieren die Eliten doch aus der Mitte heraus.
Die Führer entstammen doch eher dem rechten politischem Spektrum.
Aber die Elite liegt in der Mitte und entwickelt sich dort.
Das ist aber bekannt!
Was für eine dämliche Frage. :D
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Re: Braucht es eine neue Elitenausbildung?

Beitragvon Maltrino » Sa 21. Okt 2017, 15:38

Bielefeld09 hat geschrieben:(21 Oct 2017, 02:00)

Schon witzig, wieder mal!
Wir generieren die Eliten doch aus der Mitte heraus.
Die Führer entstammen doch eher dem rechten politischem Spektrum.
Aber die Elite liegt in der Mitte und entwickelt sich dort.
Das ist aber bekannt!
Was für eine dämliche Frage. :D


Du sprichst ein bischen in Rätseln, aber gut, ich versuche es mal:

Wenn die "Elite" der "Mitte" entspringt, ist sie dann Elite? Oder einfach nur "extrem normal"?

Wenn "die Mitte" die "Eliten" generiert, wie macht sie das? Sie sucht diejenigen Menschen aus, die ihnen am genehmsten sind? Die Kanzlerin, Hochschul-Direktoren und Professoren werden dort geduldet weil "die Mitte" sie dort akzeptiert? Das heißt die "Elite" muss die "breite Mehrheit", die "normale Mitte" hinter sich haben? Diese Mitte sind keine "Experten" sondern "Normalos". Und dementsprechen sind diese Eliten, die du beschreibst "extreme Normales" ohne besondere Fähigkeiten. Und du sagst, alle anderen "Eliten" die nicht der Mitte entstammen, die gehören dem rechten Spektrum an?

Wenn die Elite der Mitte auf den Pflegenotstand antwortet "Ich weiß nicht was ich noch besser machen soll", dann müssen wir das akzeptieren, weil jeder Lösungsvorschlag der die breite Mehrheit überraschen würde automatisch "rechts" ist?
Wie ihr seht, habe ich jetzt auch ein Profilbild wo das Portrait eines großen politischen Denkers aus der Vergangenheit abgebildet ist. Damit ist jetzt jede meiner Aussagen wahr und absolut seriös.

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