Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

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Moses
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Moses » So 23. Apr 2017, 17:06

Könnt Ihr das Thema NATO bitte in einem anderen Strang vertiefen? Hier geht es um die Türkei, die EU und/oder Vorderasien.

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H2O
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon H2O » So 23. Apr 2017, 17:47

Audi hat geschrieben:(23 Apr 2017, 18:02)

Wozu denn? Was und wie sollte die sich ändern? :?:


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King Kong 2006
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Pax Ottomana und das Leiden der Araber und Jerusalems

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 1. Mai 2017, 07:45

Der stellvertretender Ministerpräsident Numan Kurtulmuş verweist noch einmal auf die Rolle und Bedeutung des Osmanischen Reiches in der Region und die Verantwortung, die sich daraus auch für Jerusalem ableitet.

Turkey Deputy PM: ‘The Muslim world must not forget Jerusalem’

Policies in Muslim countries pushed Jerusalem into background over the last decade, says Numan Kurtulmus, Turkey's deputy PM


“Unfortunately, we see a Jerusalem that is under the occupation of Zionism, as well as Israel’s violation of international law,” said Numan Kurtulmus. “But it is also important that the Islamic world needs to look at itself as well.”


Innere Krisen und Konflikte in der islamischen Welt hätten von dem Thema Jerusalem abgelenkt. Wobei interessant ist, was genau für Jerusalem steht.

Speaking at a conference in Istanbul on Jerusalem in the Ottoman era, Kurtulmus said that over the last decade, no Muslim country has made Jerusalem a top issue, partially as a result of the conflicts plaguing Muslim regions.

But now Jerusalem’s importance for the Muslim world is growing, he added.


Dabei weist er noch einmal auf die Zeit des Osmanischen Reiches hin, die nach seiner Auffassung vorbildlich war.

“Humanity needs to learn lessons from Pax Ottomana,” Kurtulmus said, referring to the centuries of peace in the Middle East under Ottoman rule.


Israel occupied the West Bank, including East Jerusalem, during the 1967 Middle East War. It annexed the entire city in 1980, claiming it as Israel’s “eternal” capital – a move never recognised by the international community.

International law views the West Bank and East Jerusalem as “occupied territory” and considers all Jewish settlement-building activity on the land illegal.

Palestinians accuse Israel of waging an aggressive campaign to “Judaise” the historic city with the aim of erasing its Arab and Islamic identity and driving out its Palestinian inhabitants.

Kurtulmus also stressed how some 1,500 Palestinians in Israeli prisons are now on hunger strikes. The Israelis “are trying to end the hunger strikes with every kind of torture and pressure,” he said. “These Palestinians are spiritually offended.”

https://www.middleeastmonitor.com/20170 ... jerusalem/


Offenbar sieht sich Ankara als eine Schutzmacht der islamischen Welt. Die Erinnerung des Osmanischen Reiches wird wachgerufen. Am Beispiel Jerusalems wird dies thematisiert.
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 1. Mai 2017, 08:10

Ein wichtiger Punkt ist die Revitalisierung der Religion. In der Türkei speziell die Neuausrichtung des laizistischen Staatsmodells. Dies war früher mal vom Vorbild Frankreich geprägt, In dieser Hinsicht jedenfalls bildet die Türkei zusammen mit Russland und Osteuropa einen auch geographisch zusammengehörenden Block. Auch dort gibt es eine massive Revitalisierung der Religion. Wenn auch einer anderen.
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Ordnungsmacht oder Auffangbecken?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 5. Mai 2017, 16:50

Fehler der türkischen Außenpolitik

Erdogans Syrien-Debakel

Die Türkei wollte den Nahen Osten nach ihren Wünschen umbauen. Das geht schief - auch weil Präsident Erdogan in Syrien einen Fehler nach dem anderen macht. Nun droht die nächste Eskalation.


Führt die Krise mit Europa die Türkei näher an Handlungsoptionen in Vorderasien? Oder verkompliziert die Situation dort vor Ort das Verhältnis zum Westen?

Der frühere türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu hat einen Begriff geprägt, der heute fast wie eine Parodie klingt: "Null Probleme mit Nachbarn", sagte der AKP-Politiker vor einigen Jahren, sei das Leitmotiv türkischer Außenpolitik.

Inzwischen hat sich dieses Prinzip ins Gegenteil verkehrt: Die Türkei war noch nie so einsam wie im Jahr 2017.

Recep Tayyip Erdogan hat viel dafür getan, sein Land zu isolieren: Er unterdrückt die Opposition in der Türkei, beschimpft die Europäer als "Faschisten" und "Terror-Unterstützer". Sein gefährlichstes, und möglicherweise folgenschwerstes Spiel betreibt der türkische Präsident aber gegenwärtig im Nahen Osten - im Irak und in Nordsyrien.


Hat Erdogan noch genügend Bodenhaftung, oder fühlt er sich legitimiert durch das Referendum, seine Politik fortzuführen?

Der türkischen Regierung ist es durch ihre Attacken gegen die YPG gelungen, gleich zwei Weltmächte, die USA und Russland, gegen sich aufzubringen.

Erdogan scheint das nicht zu kümmern. Er hat weitere Angriffe "über Nacht" in Syrien angekündigt. Sein Berater, Ilnur Cevik, drohte am Mittwoch sogar damit, die Türkei könnte US-Truppen in Syrien bombardieren, sollten diese weiter die YPG unterstützen.


Erdogan ist ein brillanter Innenpolitiker. Er versteht es besser als jeder seiner Rivalen, die türkische Gesellschaft zu lesen. Doch in der Außenpolitik reiht er seit Jahren eine Fehlentscheidung an die andere. In Syrien hat er sein Land auf diese Weise in eine Sackgasse manövriert, aus der es nun kaum mehr einen Ausweg gibt.


Tasächlich könnte man den Eindruck gewinnen, das er Innen- mit Außenpolitik verwechselt. Sprich den Erfolg seines Machterhalts und Ausschaltung der Opposition ähnlich mit der Ausschaltung von Kräften, die ihm im Weg stehen im Ausland anzuwenden.

Die imperialistischen Ambitionen der Türkei, von Beobachtern als "Neo-Osmanismus" beschrieben, haben sich nie erfüllt. Dies liegt vor allem daran, dass Erdogan die Dynamiken in der Region nicht verstanden hat - und bis heute nicht versteht
.

Türkei schafft es nicht syrische Gebiete zu sichern

Erdogan sah auch eine zweite Entwicklung nicht kommen: Den Vormarsch der YPG in Nordsyrien. Die Kurden waren unter Assad marginalisiert. Doch sie erkämpften sich im Laufe des Kriegs Territorium und, durch ihre säkulare Rhetorik, Sympathien des Westens.

US-Präsident Donald Trump betrachtet, wie schon sein Vorgänger Barack Obama, die YPG, trotz aller Drohungen aus Ankara, als Schlüsselpartner beim Sturm auf die IS-Hochburg Rakka. Erdogan versucht, diesen Vorstoß unbedingt zu verhindern. Er weiß, dass den Kurden nach einer erfolgreichen Operation in Rakka Gebietsansprüche kaum noch streitig zu machen wären.


Die Türkei läuft Gefahr, sämtliche Ziele in Syrien zu verfehlen: Sie wird Assad nicht los und muss stattdessen zusehen, wie die PKK/YPG einen eigenen Staat errichtet.

Die Koalition aus Assad, Russland und Iran hat von der Türkei unterstützten Rebellen zudem bis in die Provinz Idlib zurückgedrängt. Experten gehen davon aus, dass das Regime früher oder später auch Idlib einnehmen wird. Den Aufständischen, darunter etliche Dschihadisten, bliebe nur noch die Flucht über die Grenze - in die Türkei.

Erdogan wollte sein Land zu einer Ordnungsmacht im Nahen Osten machen. Nun droht es zu einem Auffangbecken für Extremisten zu werden.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 46223.html


Aber wie könnte sich die Türkei anders verhalten? Eine Maßnahme wäre die "Nullprobleme Politik" mit den Nachbarn wieder aufzunehmen. Das bedeutet aber automatisch Ambitionen aufzugeben. Dafür ist Erdogan nicht (mehr) der Typ. Und wenn die Reise nicht gen EU geht, muß es in der Region sein?
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Israel erhofft sich eine Klarstellung

Beitragvon King Kong 2006 » Di 9. Mai 2017, 21:46

ANALYSIS: TURKEY'S ERDOGAN STAKES HIS CLAIM TO JERUSALEM

Jerusalem affords Turkey’s leaders a destination, to renew talk of “Al-Aqsa” and the need to play a role in the Israel-Palestinian negotiations

According to local reports, Erdogan called Israel racist and discriminatory, while describing the blockade of Gaza as having “no place in humanity.”


Es sollten auch mehr Muslime nach Jerusalem pilgern.

Offenbar spielt es auch eine Rolle, daß Ankara einen Freund in der Trump-Administration verloren hat. General Flynn galt als Türkeifreundlich. Das Problem war aber, daß er auch mit dem Kremel zu gut konnte. Ankara will etwas in die Hand bekommen, was die USA von der kurdischen YPG wegzieht.

Erdogan also called on Muslims to visit Jerusalem.

“We should be visiting Al-Quds more often,” he said referring to Jerusalem by its Islamic name. He claimed that while 400,000 Russians had visited the holy city in 2015, Turks only numbered 26,000.

If Turkey can show that it is playing a role in the Palestinian issue, perhaps claiming to bring Hamas on board a peace agreement, this will position Turkey in the good graces of Trump. Turkey lost one of its key avenues to Trump when US General Michael Flynn was forced out. Erdogan will be in the US on May 16 and his advance team is in Washington trying to coax the US back into the Turkey camp, away from the Syrian Kurdish YPG. Jerusalem will be on the agenda.

http://www.jpost.com/Israel-News/Analys ... lem-490217


Derweil hat Israel für diese Manöver kein Verständnis.

AFTER ERDOGAN RANT, ISRAEL QUESTIONS TURKISH AMBASSADOR

http://www.jpost.com/Middle-East/After- ... try-490202
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Ger9374 » Fr 12. Mai 2017, 03:50

Die Kurden , vor allem die YPG wird für ihr
Wohlverhalten gebietsambitionen hegen dürfen.
Da wird es nur um die Lage der Gebiete gehen.
Da darf dann vielleicht die Türkei was zu sagen.
Verdient oder nicht soll jeder selbst beurteilen.
Aber ohne die Kurden gäbe es weiter den IS Staat.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Grenzbefestigungen

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 10. Jun 2017, 20:05

Also erstmal wird gen Vorderasien eine Wallanlage gebaut. Gegen Syrien, Irak und Iran.

Turkey plans to build walls along borders with Iraq, Iran

ANKARA, Turkey — Turkish President Recep Tayyip Erdogan says his country plans to build walls along its borders with Iraq and Iran, similar to the one currently being erected along the frontier with Syria.

Erdogan said Thursday that Turkey has so far completed the construction of a 650-kilometer (403-mile) stretch of the wall along the 911-kilometer border with Syria.

https://www.washingtonpost.com/world/mi ... f980d34d0c


Ein Großteil der Grenzen der Türkei sind dann befestigt. Die Kurdenproblematik und der IS wird genannt. Primär wird es wohl der am südlichen Horizont immer größer werdenden Schatten Kurdistans sein, als Auslöser.
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Bessere Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran?

Beitragvon King Kong 2006 » Sa 1. Jul 2017, 16:59

Die Beziehungen der Beiden sind in den letzten Jahren kontinuierlich schlechter geworden. In Fragen Syriens, Iraks, der Kurden, Hamas usw. Jetzt, über die Krise zwischen Qatar und Saudi-Arabien, könnten sie wieder besser werden. Sicher nicht als Auslöser. Aber beide unterstützen Doha gegen Riad.

TURKEY’S POWER-PLAY IN QATAR LEADS TO WARMER RELATIONS WITH IRAN

Interessant ist die Kombination Qatar, Türkei und Iran in Sachen Konfessionalität. Bis dato gilt die Türkei als Vertreter der Sunniten, ebenso Qatar. Saudi-Arabien ebenso. Die Beziehungen zu Salafisten sagt man allen Dreien nach. Der Iran gilt als Vertreter der Schia (und gerne anderer Minderheiten wie Christen etc.).

In recent years the Middle East has been seen through a sectarian lens. Iran, Syria, Hezbollah and Houthis in Yemen on one side are opposed by Sunni states. Conflict in Iraq and Syria symbolize this cleavage. However the relations between Qatar, Iran and Turkey creates a third sphere and counterbalance to the sectarian divide. Both Turkey and Qatar supported the rebels against Assad and both have close relations with Hamas. Iran also support Hamas financially. Qatar has had cordial relations with Hezbollah in the past.

http://www.jpost.com/Arab-Israeli-Confl ... ran-498468


Diese Kombination eröffnet Räume, die Konfessionsübergreifend sind.
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Ankara veröffentlicht Details zur US-Präsenz

Beitragvon King Kong 2006 » Do 20. Jul 2017, 06:41

Was hat das zu bedeuten?

USA verärgert über Preisgabe militärischer Details

Ortsangaben zu zehn Einsatzbasen, teilweise mit Besatzungsstärke: Die staatliche türkische Nachrichtenagentur hat Details über das US-Militär in Syrien veröffentlicht. Das Pentagon äußerte sich besorgt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 58802.html


Ist das eine Retourkutsche dafür, daß die USA Gülen beherbergen und die Waffenlieferungen an die Anti-Assad Gegner einstellen?
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Adam Smith
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Re: Ankara veröffentlicht Details zur US-Präsenz

Beitragvon Adam Smith » Do 20. Jul 2017, 07:31

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Jul 2017, 07:41)

Was hat das zu bedeuten?



Ist das eine Retourkutsche dafür, daß die USA Gülen beherbergen und die Waffenlieferungen an die Anti-Assad Gegner einstellen?

Es könnte sein, dass es hier eher um die Kurden geht. Die erobern gerade zum Unwillen von Erdogan Rakka.
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Beitragvon King Kong 2006 » Do 20. Jul 2017, 15:39

Adam Smith hat geschrieben:(20 Jul 2017, 08:31)

Es könnte sein, dass es hier eher um die Kurden geht. Die erobern gerade zum Unwillen von Erdogan Rakka.


Auf jedenfall ist es ein Konfrontationskurs mit dem Westen. Mit den USA und der EU/Deutschland (siehe jüngste Krise). Das kann auch ein Zeichen stärkerer Emanzipation sein. Das klassische Rollenmodel der Türkei in der Nachkriegsordnung des WWII erscheint obsolet.

Passend zu den veröffentlichten Details der Basen eines weiteren NATO-Mitglieds, hier den USA sind die Äußerungen des iranischen Chefs der IRGC General Jafari (dort eingliedert sind auch die Raketenstreitkräfte), daß die USA nach den weiteren Ankündigungen von Sanktionen die US-Basen doch vielleicht außerhalb eines 1000 km Radius um den Iran herum aufbauen sollten. ;)

Iran warns US to 'disassemble military bases within 1,000km' over sanctions

http://news.sky.com/story/iran-warns-us ... s-10954354


Die Beziehungen der beiden Regionalmächte Türkei und Iran in Vorderasien sind wieder besser geworden. Natürlich ist vieles zweckgebunden.

The growing partnership between Turkey and Iran

http://www.nrttv.com/EN/birura-details.aspx?Jimare=6669


As Turkey and NATO Drift Apart, Russia, China, and Iran Stand to Gain

Read more at: http://www.nationalreview.com/article/4 ... imir-putin
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Re:

Beitragvon Adam Smith » Do 20. Jul 2017, 17:16

King Kong 2006 hat geschrieben:(20 Jul 2017, 16:39)

Auf jedenfall ist es ein Konfrontationskurs mit dem Westen. Mit den USA und der EU/Deutschland (siehe jüngste Krise). Das kann auch ein Zeichen stärkerer Emanzipation sein. Das klassische Rollenmodel der Türkei in der Nachkriegsordnung des WWII erscheint obsolet.


Die Türkei hat die zweitgrößte Armee der NATO. Sie hält sich aus dem Grund für stärker als Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Eher auf Augenhöhe mit den USA. Aus dem Grund darf sie dann auch gestaltend eingreifen.
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Re: Re:

Beitragvon King Kong 2006 » Do 20. Jul 2017, 20:54

Adam Smith hat geschrieben:(20 Jul 2017, 18:16)

Die Türkei hat die zweitgrößte Armee der NATO. Sie hält sich aus dem Grund für stärker als Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Eher auf Augenhöhe mit den USA. Aus dem Grund darf sie dann auch gestaltend eingreifen.


Das mag sein, das dies eine gewisse Haltung mitbegründet, ist aber Rethorik.

Ähnlich sieht es wohl auch GB und Frankreich (die weitaus Einsatzstärker mit ihren Flotten und Rüstungsindustrie sind - oder Atomstreitkräften). Sie haben theoretisch nicht nur regionale, sondern auch globale Fähigkeiten. Da hat sogar Russland Schwierigkeiten mitzuziehen. Sie hängen glorreichen alten Zeiten nach. Gerade die Briten. Reine Zahlen sagen nichts. Demnach müsste China und Indien den USA überlegen sein. Auch sagen sogar Waffensysteme nicht viel aus. Saudi-Arabien hat feinste Waffensysteme. Faktisch ist ihre Kampfkraft gleich Null.

Natürlich hat die Türkei bedeutende Streitkräfte. Aber ich glaube, daß ihre Haltung eher aus der Osmanischen Tradition heraus zu sehen ist. Auch gestaltend. Faktisch ist sie aber in der Region nicht in dem Maße gestaltend wie es die USA, Iran oder Russland sind. Das mag ein Grund sein, weshalb man in Ankara nicht mehr zufrieden mit der Rolle ist, die man zugedacht bekommen hat. Innerhalb des westl. Bündnisses. Es hat ganz klar Vorteile in der NATO zu sein oder EU-Aspirant. Aber es bringt nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten. Während der Iran quasi vogelfrei dort Truppen und Material vom Libanon bis zu Irak hin und herschiebt, weil er praktisch niemanden Rechenschaft schuldig ist (auch vertraglich), kann/muß die Türkei im Rahmen der Interessen des westlichen Bündnisses und der EU Rücksicht nehmen. Natürlich hat es auch seinen Preis "Vogelfrei" zu sein. Einen sehr hohen.

Ich kann mir vorstellen, daß im Angedenken der großen Zeit des Osmanischen Reiches die heutige Türkei sich sehr in Ketten hängend fühlt. Symbolisch gesprochen. Die Türkei muß sich erst finden, wer sie ist und wohin die Reise geht. Und sich das Recht zu nehmen stärker gestaltend in Eigenregie zu sein hat einen Preis. Es ist die Frage, was man will und was man bereit ist dafür zu bezahlen.
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Do 20. Jul 2017, 22:53

Die Türkei muss der EU keine Rücksichten nehmen.
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 21. Jul 2017, 07:01

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(20 Jul 2017, 23:53)

Die Türkei muss der EU keine Rücksichten nehmen.


Naja, Brüssel und die versammelten Hauptstädte liegen Ankara natürlich sofort in den Ohren, wenn sie zwielichtige Gruppen dort unterstützen. Wie gehen sie mit den Flüchtlingen um? Produzieren sie durch ihre Politik diese mit? Menschenrechte usw. Das sind die Themen die muß sich die Türkei anhören. Wenn sie weiterhin Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit der EU hat oder gar mit bilateralen Beziehungen mit Einzelstaaten, wie Deutschland hat.

Die Türkei kann natürlich - im Rahmen bestehender Verträge und Gesetze - machen was sie will. Aber dann ist auch mit Ärger mit der EU und anderen Projekten dahinsichtlich zu rechnen. Da muß sich die Türkei entscheiden. Genauso wie man als dt. Staatsbürger eigentlich nicht zwei Herren dienen kann. Entweder man lebt als dt. Staatsbürger oder als türkischer und akzeptiert eher Erdogan als Berlin. Entweder die Türkei nimmt ihre Rolle als Regionalmacht wahr oder sie ist ein Rad in der NATO bzw. im Kontext der EU. Beides ist schwer zu vereinbaren. Freizeit und Beruf(ung).
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 21. Jul 2017, 07:12

King Kong 2006 hat geschrieben:(21 Jul 2017, 08:01)

Naja, Brüssel und die versammelten Hauptstädte liegen Ankara natürlich sofort in den Ohren, wenn sie zwielichtige Gruppen dort unterstützen. Wie gehen sie mit den Flüchtlingen um? Produzieren sie durch ihre Politik diese mit? Menschenrechte usw. Das sind die Themen die muß sich die Türkei anhören. Wenn sie weiterhin Interesse an einer vertieften Zusammenarbeit mit der EU hat oder gar mit bilateralen Beziehungen mit Einzelstaaten, wie Deutschland hat.

Ich denke, dieses Kapitel ist abgeschlossen. Die EU kann die Kündigung von Verhandlungen androhen und auch durchführen, sicher wird die türkische Regierung dazu auch entrüstete Antworten schicken, aber einen wichtigen Effekt hat es nicht. Erdogan die Chance zu geben, aus der EU-Nummer rauszukommen und die anderen auch noch als Verursacher zu haben, das ist große Kunst.

Genauso wie man als dt. Staatsbürger eigentlich nicht zwei Herren dienen kann. Entweder man lebt als dt. Staatsbürger oder als türkischer und akzeptiert eher Erdogan als Berlin.

Das sehe ich weniger als Problem an. Der Mensch mit seiner Privatmeinung kann doch zujubeln, wie er will. Vor ein paar Jahren haben manche noch vor Freude ejakuliert, wenn der Obamba irgendwo aufgetreten ist und eine Rede geredet hat. Ganz so hart ist die Freude heute indessen nicht mehr. Die 68er haben ständig irgendwelchen ausländischen Staatsonkels zugewunken, wenn Gelegenheit war. Mit einer Staatsbürgerschaft ist man nicht auf ein politisches Programm eingeschworen. Die PKK, das sind ja letztlich auch alles irgendwo Staatsbürger.
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Powerwolf » Fr 21. Jul 2017, 11:09

Nachdem die Türken mehrheitlich Erdogan unterstützen und damit auf westliche Werte pfeifen, wäre es imho das Beste, wenn sie sich Russland annähern, die EU vergessen und aus der Nato austreten.
Im Gegenzug tritt mittelfristig die Ukraine EU und Nato bei.
Dann sind alle zufrieden, oder? ^^
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Fr 21. Jul 2017, 12:12

Powerwolf hat geschrieben:(21 Jul 2017, 12:09)

Nachdem die Türken mehrheitlich Erdogan unterstützen und damit auf westliche Werte pfeifen, wäre es imho das Beste, wenn sie sich Russland annähern, die EU vergessen und aus der Nato austreten.
Im Gegenzug tritt mittelfristig die Ukraine EU und Nato bei.
Dann sind alle zufrieden, oder? ^^

Die Ukraine kann der NATO nicht brei täten, da sie ungeklärte Grenzkonflikte mit Kleinrussland hat.
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Re: Die Türkei nach dem Ende des Kalten Krieges - Vorderasien statt EU?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 21. Jul 2017, 14:00

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(21 Jul 2017, 08:12)

Ich denke, dieses Kapitel ist abgeschlossen. Die EU kann die Kündigung von Verhandlungen androhen und auch durchführen, sicher wird die türkische Regierung dazu auch entrüstete Antworten schicken, aber einen wichtigen Effekt hat es nicht. Erdogan die Chance zu geben, aus der EU-Nummer rauszukommen und die anderen auch noch als Verursacher zu haben, das ist große Kunst.


Solange die Kündigung der Beitrittsverhandlungen nicht ausgesprochen ist, gilt die Aufgabe der Türkei den gemeinsamen Besitzstand auf dem von der EU definierten Level zu erreichen. Da kann sich die Türkei, ja, da muß sie sich ständig etwas anhören. Wenn die Türkei darauf keine Lust mehr hat, dann muß sie die Beitrittsverhandlungen und Bemühungen kündigen. Tut sie nicht, also gelten entsprechende Prozedere. Daran muß sich die Türkei orientieren. Und das kann die EU dann auch ständig einfordern.

Das sehe ich weniger als Problem an. Der Mensch mit seiner Privatmeinung kann doch zujubeln, wie er will. Vor ein paar Jahren haben manche noch vor Freude ejakuliert, wenn der Obamba irgendwo aufgetreten ist und eine Rede geredet hat. Ganz so hart ist die Freude heute indessen nicht mehr. Die 68er haben ständig irgendwelchen ausländischen Staatsonkels zugewunken, wenn Gelegenheit war. Mit einer Staatsbürgerschaft ist man nicht auf ein politisches Programm eingeschworen. Die PKK, das sind ja letztlich auch alles irgendwo Staatsbürger


Natürlich kann man zujubeln wenn man will. Ich kann auch Trevor Philips aus Los Santos zujubeln und trotzdem Deutschland als maßgeblich betrachten. Aber ich käme nicht auf die Idee den und seine Interessen maßgeblicher als die meines realen Lebensmittelpunktes zu betrachten. Wenn aber ein Mitbürger in Deutschland, ein Türke Ankara als "Heimat" und maßgeblich sieht, ist das ein ganz anderes Thema als aus Begeisterung einen Promi zuzujubeln. Aus TV oder der Politik. Das ist ein großes Integrationsthema. Wenn in Deutschland jemand Obama zujubelt, egal ob "Biodeutscher" oder mit türkischen Hintergrund ist das die Kategorie Jubel für ein Individuum, einen Promistar. Nicht Integration. Auf der Mikroebene ist das das Thema Integration. Auf nationalstaatlicher, genauer gesagt, supranationaler Ebene ist das die "Integration der Türkei" in der EU.

Ärgerlich ist nur, daß nicht offen ausgesprochen wird, daß das Thema obsolet ist. Brüssel versucht durch die Beitrittsverhandlungen die Türkei zu steuern. Ankara hat so lange mitgemacht, wie es sich ebenso davon Vorteile verspricht. Unter Erdogans Sicht zumindest überwiegen nun die Nachteile. Somit stellt die AKP-Führung immer mehr die Rücksichtnahme auf die EU in Frage. Regionalmacht und was das praktisch bedeutet, Innenpolitisch und Außenpolitisch, die Ambitionen sind nicht so gut kompatibel mit "ein Teil der großen EU" zu sein.
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