befreit die Brüste

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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Di 4. Jul 2017, 22:25

Dark Angel hat geschrieben:(04 Jul 2017, 20:21)

Oooh Mann - kannst nicht noch ein bisschen dicker auftragen? Für dich ist auch wirklich alles politisch motiviert gelle.
Auf die Idee, dass die so genannte FKK-Szene gar nix politisches an sich hatte, dass da ein keines Stückchen Freiheit gelebt wurde, auf die Idee kommste nicht.
Nacktheit in der Öffentlichkeit - dann hat jede Strip-Show, egal ob Männlein oder Weiblein, auch was mit faschistischer Körperfixiertheit zu tun? Dann haben wohl die vielen Fitness-Studios, in denen die Leute sich schinden, um einen möglichst "wohl definierten Körper" zu haben, auch was mit faschistischer "Körperfixiertheit" zu tun.
Mannomann, was das denn für ne schräge Denke? Dass Menschen manches einfach nur aus Lebensfreude tun, weil sie Spaß haben (wollen) oder ihnen etwas Spaß/Freude macht, kommt in deiner Denke ganz offensichtlich nicht vor.

Eine Strip-Show hat etwas mit Erotik zu tun. Mit Lebensfreude sowieso. Einfach mal die Olympiade-1936-Leni-Riefenstahl-Filme und die Anhimmelung Riefenstahls durch Emma und Alice Schwarzer schauen, um den Unterschied zwischen Erotik, Lust und Lebensfreude auf der einen und faschistischer Körperfixiertheit auf der anderen Seite zu erkennen. (Und vielleicht auch noch das von der Öffentlichkeit weitgehend vergessene und/oder ignorierte Denkmal der wegen der Olympiade 1936 in Berlin "evakuierten" Roma und Sinti in Berlin-Marzahn besuchen).
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Di 4. Jul 2017, 23:37

Dark Angel hat geschrieben:(04 Jul 2017, 20:21)
Auf die Idee, dass die so genannte FKK-Szene gar nix politisches an sich hatte, dass da ein keines Stückchen Freiheit gelebt wurde, auf die Idee kommste nicht.

Zumindest in der DDR-Gesellschaft war die FKK-Szene ein Stückchen eingebildeter Freiheit bei ansonsten vollkommener Konformität mit dem System und darüberhinaus so hochgradig stasi-verseucht wie vielleicht nur noch die NVA. Es gibt zahllose Artikel, Berichte, Analysen, die das belegen. Es ist unglaublich, was da an DDR-Gesellschaftsverteidigungsmythen noch heute immer wieder vorgebracht wird. Es war kein Stückchen "gelebte Freiheit" sondern ein Stückchen sorgfältig behördengeplanter Freiheit. Tatsächliche Freiheit in einem sozialistischen Staat ist diskonform und risikobehaftet. Das schließt Lebenslust und Erotik (ganz anderer Art) keineswegs aus.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Quatschki » Mi 5. Jul 2017, 06:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 00:37)

Zumindest in der DDR-Gesellschaft war die FKK-Szene ein Stückchen eingebildeter Freiheit bei ansonsten vollkommener Konformität mit dem System und darüberhinaus so hochgradig stasi-verseucht wie vielleicht nur noch die NVA.

Wie muß man sich das vorstellen?
Wenn eine Familie oder eine Gruppe Jugendlicher an den Strand oder Waldteich fährt und nackt statt in textil baden geht, wo soll denn da bitte das "System" lauern?
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Jul 2017, 07:11

Quatschki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 07:54)

Wie muß man sich das vorstellen?
Wenn eine Familie oder eine Gruppe Jugendlicher an den Strand oder Waldteich fährt und nackt statt in textil baden geht, wo soll denn da bitte das "System" lauern?

Die FKK-Zentren waren vor allem die großen Campingplätze entlang der Ostsee-Küste. Vor allem im FKK-Mekka Prerow. Man musste sich für einen Platz dort vorher anmelden.
Wenn sich Tausende in den Sommermonaten auf den Weg nach Prerow machten, war alles schon vorab geregelt. Für die Leitung des Campingplatzes gab es keine Überraschungen: Die Zeltscheine waren lange vorher vergeben, man wusste genau, wer kam. Alle Gäste wurden auf die verschiedenen Blöcke verteilt. Genau wie in Markgrafenheide wurde darauf geachtet, dass sich bei aller internationaler Solidarität die Nationen doch nicht zu sehr vermischten. So bekamen die Tschechen, für die die Ostsee eine Art "heimisches Meer" war, einen eigenen Platz zugewiesen. Bis zu 1.200 Personen schlugen hier am Tag ihre Zelte auf. Wer auf dem Zeltplatz nicht selber kochen wollte oder konnte, ging zum "Fuchsbau", einer Selbstbedienungsgaststätte mit Massenabfertigung.

Um die kulturelle Nähe von DDR-System und Nazideutschland regelrecht körperlich zu spüren, muss man nur mal den gigantomanischen (nicht fertiggestellten) Kdf-Bau in Prora (Rügen) besuchen.

Und es ist inzwischen weitgehend vergessen, dass es auch in Hinsicht auf Kultur, Freizeit, Musik etc. in der DDR eine oppositionelle Szene gab. Die zwar gewissermaßen schwierig lebbar war. Die aber dennoch existierte. Und die, das kann ich dir hundertprozentigversichern, alles mögliche war aber eines gewiss nicht: Prüde, lustfeindlich und verkopft.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon garfield336 » Mi 5. Jul 2017, 07:24

Donnie hat geschrieben:(11 May 2016, 01:36)

Weil der Busen sowas ähnliches wie die Muschi ist, aber der Bart keinesfalls sowas ähnliches wie der Penis.
ein Busen erregt den Herrn, ein Bart die Dame hingegen nicht.

ist das verständlich erklärt für einen Schulanfänger?



i


Ich errege beim Anblick vieler weiblichen Geschöpfen.

Um das zu verhindern, müsste Frau schon eine afghanische Burka tragen.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Billie Holiday » Mi 5. Jul 2017, 07:43

garfield336 hat geschrieben:(05 Jul 2017, 08:24)

Ich errege beim Anblick vieler weiblichen Geschöpfen.

Um das zu verhindern, müsste Frau schon eine afghanische Burka tragen.


Bevor ich eine Burka anziehe, verlange ich von Männern, die sich nicht im Griff haben, sich die Augen rauszureißen.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon garfield336 » Mi 5. Jul 2017, 07:55

Billie Holiday hat geschrieben:(05 Jul 2017, 08:43)

Bevor ich eine Burka anziehe, verlange ich von Männern, die sich nicht im Griff haben, sich die Augen rauszureißen.


Erregt werden heisst nicht jemanden zu belästigen.


hmmm oder doch? manche finden es ja bereits als Belästigung wenn man nur in ihre Richtung schaut. :|
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mi 5. Jul 2017, 09:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 Jul 2017, 23:25)

Eine Strip-Show hat etwas mit Erotik zu tun. Mit Lebensfreude sowieso. Einfach mal die Olympiade-1936-Leni-Riefenstahl-Filme und die Anhimmelung Riefenstahls durch Emma und Alice Schwarzer schauen, um den Unterschied zwischen Erotik, Lust und Lebensfreude auf der einen und faschistischer Körperfixiertheit auf der anderen Seite zu erkennen. (Und vielleicht auch noch das von der Öffentlichkeit weitgehend vergessene und/oder ignorierte Denkmal der wegen der Olympiade 1936 in Berlin "evakuierten" Roma und Sinti in Berlin-Marzahn besuchen).

Nee ich schaue mir gar nichts an! Nur weil du, in deiner schrägen Denke, bei jeder menschlichen Lebensäußerung, jeder Erscheinung, jedem Trend irgend einen politischen Zusammenhang und/oder politische Motivation herbei phantasierst, ist dieser Zusammenhang noch lange nicht gegeben. Du kriegst gar nicht mit, dass du damit ganze Menschengruppen denunzierst - jawohl denunzierst(!) - und ihnen politische Sichtweisen und Einstellungen unterstellst, die gar nicht vorhanden waren.
An irgendeine "Lebensreformbewegung" oder "faschistische Körperfixiertheit" hat von den DDR-Nackedeis nicht ein einziger gedacht. Die wollten Spaß haben, ein bisschen "aus der Reihe tanzen" - mehr war da nicht.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mi 5. Jul 2017, 09:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 08:11)

Die FKK-Zentren waren vor allem die großen Campingplätze entlang der Ostsee-Küste. Vor allem im FKK-Mekka Prerow. Man musste sich für einen Platz dort vorher anmelden.

Man musste sich für jeden Campingplatz vorher anmelden!
Camping war so ungefähr die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen, wenn man keinen FDGB- oder Betriebsferienplatz bekommen hat.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Anderus » Mi 5. Jul 2017, 09:12

Interessant, was hier den Usern, außerhalb der Weinstube, alles zum Thema nackte Brüste einfällt. Es ödet an. Schreibt was zum Thema Brüste, oder lasst die Tastatur in Ruhe.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Keoma » Mi 5. Jul 2017, 09:15

Dutteln sind leiwand.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mi 5. Jul 2017, 09:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 00:37)

Zumindest in der DDR-Gesellschaft war die FKK-Szene ein Stückchen eingebildeter Freiheit bei ansonsten vollkommener Konformität mit dem System und darüberhinaus so hochgradig stasi-verseucht wie vielleicht nur noch die NVA. Es gibt zahllose Artikel, Berichte, Analysen, die das belegen. Es ist unglaublich, was da an DDR-Gesellschaftsverteidigungsmythen noch heute immer wieder vorgebracht wird. Es war kein Stückchen "gelebte Freiheit" sondern ein Stückchen sorgfältig behördengeplanter Freiheit. Tatsächliche Freiheit in einem sozialistischen Staat ist diskonform und risikobehaftet. Das schließt Lebenslust und Erotik (ganz anderer Art) keineswegs aus.

Erzähle keinen Stuss, vonwegen "sorgfältig behördengeplanter Freiheit"! Was FKK anging konnten die Behörden gar nicht anders, als entsprechende "Möglichkeiten" zu schaffen, ganz einfach weil sie es nicht verhindern konnten.
Noch Anfang der Siebziger räumte die Polizei regelmäßig die "wilden Badestrände" an denen nackt gebadet wurde.
Und stell dir vor, sogar Stasi-Mitarbeitet oder NVA-Angehörige waren Menschen, die in ihrer Freizeit mal "austeigen" wollten, mal einfach tun und lassen wollten, was ihnen gefiel.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Quatschki » Mi 5. Jul 2017, 10:53

Dark Angel hat geschrieben:(05 Jul 2017, 10:04)

Man musste sich für jeden Campingplatz vorher anmelden!
Camping war so ungefähr die einzige Möglichkeit Urlaub zu machen, wenn man keinen FDGB- oder Betriebsferienplatz bekommen hat.

Für ein bis zwei Nächte konnte man auch so unterkommen, wenn Platz war.
Aber was hat die staatliche Vergabe der Übernachtungsplätze mit Nacktbaden zu tun?
In den 80er Jahren war Nacktbaden landesweit Normalität
Auch im Binnenland gab es überall offizielle FKK-Bäder und unzählige wilde Badestellen
Dabei ging es auch nicht um Freiheit oder Rebellion, sondern um gleichmäßige Bräunung als Schönheitsideal und die Vermeidung umständlichen Hantierens mit nassen Badetextilien.
Zurück ging das ziemlich genau ab dem Moment, als nach der Währungsunion mit Praline, Männermagazin und den BILD-Girls eine andere Art, Nackte ins Bild zu setzen, an den Kiosken auftauchte
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mi 5. Jul 2017, 11:23

Quatschki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 11:53)

Für ein bis zwei Nächte konnte man auch so unterkommen, wenn Platz war.
Aber was hat die staatliche Vergabe der Übernachtungsplätze mit Nacktbaden zu tun?

Gar nichts. Das versucht nur Schoko in Bezug auf FKK-Campingplätze zu suggerieren.

Quatschki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 11:53)]In den 80er Jahren war Nacktbaden landesweit Normalität
Auch im Binnenland gab es überall offizielle FKK-Bäder und unzählige wilde Badestellen
Dabei ging es auch nicht um Freiheit oder Rebellion, sondern um gleichmäßige Bräunung als Schönheitsideal und die Vermeidung umständlichen Hantierens mit nassen Badetextilien.

Stimmt es ging nicht um Rebellion und noch viel weniger um "sorgfältig behördengeplante[r] Freiheit.".
Die DDR-Führung musste irgendwann einsehen, dass sie FKK nicht verbieten konnte, also hat sie sich damit arrangiert.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Jul 2017, 11:32

Dark Angel hat geschrieben:(05 Jul 2017, 10:17)

Erzähle keinen Stuss, vonwegen "sorgfältig behördengeplanter Freiheit"! Was FKK anging konnten die Behörden gar nicht anders, als entsprechende "Möglichkeiten" zu schaffen, ganz einfach weil sie es nicht verhindern konnten.
Noch Anfang der Siebziger räumte die Polizei regelmäßig die "wilden Badestrände" an denen nackt gebadet wurde.
Und stell dir vor, sogar Stasi-Mitarbeitet oder NVA-Angehörige waren Menschen, die in ihrer Freizeit mal "austeigen" wollten, mal einfach tun und lassen wollten, was ihnen gefiel.

Es gilt da zu unterscheiden. Natürlich ist Nacktbaden als Privatvergnügen nicht nur nicht zweifelhaft sondern es geht im Prinzip niemanden etwas an, woran man Vergnügen findet oder nicht (solange man sich an Recht und Gesetz hält). FKK ist - neben anderem - jedoch Teil einer soziokulturellen Erscheinung, die man allgemein unter "Lebensreform-Bedwegung" zusammenfasst. Und nun sage nicht, dass alle damaligen und heutigen FKK-Anhänger es von sich weisen würden, nicht nur ihrem Privatvergnügen nachzugehen sondern auch "Teil einer Bewegung" zu sein.

Es gibt die eher harmlose Variante der Ostalgie-Reflexionen nach dem Muster: Klar war das ein Unrechtssystem aber dafür hatten wir ... Ich brauche gefühlt nur ein zwei Stunden den Sender MDR laufen zu lassen, um etwas von der Art zu hören.

Beschäftigt man sich etwas näher mit der Entstehung der Lebensreform ab Ende des 19. Jahrhunderts kommen aber eben noch ganz andre Dinge zum Vorschein. Der grundsätzliche Beweggrund war ein Reflex gegen die Moderne in Wissenschaft, Kunst und Technik. Besonders ab etwa 1910. Und natürlich und ohne Zweifel gab es eine gegenseitige Affinität und Überschneidungen zwischen Lebensreforrmern und aufkommendem Nationalsozialismus. Biologismus und Körperfixiertheit führen beinahe zwangsläufig dazu. Und von allen Teilen der Lebensreform-Bewegungen war die FKK-Bewegung ohne Frage die den Nazis und vor allem auch dem Antisemitismus naheste. "Mensch und Sonne - Arisch-olympischer Geist" von Hans Surén (einem der ideologischen Vorkämpfer des Nudismus) war einer der absoluten Bestseller während der Nazi-Herrschaft. Und Surén wurde aber andererseits noch in den 50ern Ehrenmitglied des FKK-Verbands.

"Unreflektiert" würde ich es nennen, diese Zusammenhänge und Tatsachen einfach auszublenden.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Dark Angel » Mi 5. Jul 2017, 12:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 12:32)

Es gilt da zu unterscheiden. Natürlich ist Nacktbaden als Privatvergnügen nicht nur nicht zweifelhaft sondern es geht im Prinzip niemanden etwas an, woran man Vergnügen findet oder nicht (solange man sich an Recht und Gesetz hält). FKK ist - neben anderem - jedoch Teil einer soziokulturellen Erscheinung, die man allgemein unter "Lebensreform-Bedwegung" zusammenfasst. .

Ja und? Dann fasst man das eben allgemein unter "Lebensreform-Bewegung" zusammen. Allerdings hat die "Lebensreform-Bewegung" nichts mit "faschistischer Körperfixiertheit" zu tun.
Die "Lebensreform-Bewegung" entstand bereits vor 1900 und war eine Bewegung, die sich gegen die negativen Folgen der Industrialisierung und Urbanisierung richtete. Dabei wurden auch Erkenntnisse aus Medizin und Naturwissenschaften einbezogen. Unterstützung fand die die "Lebensreform-Bewegung" auch durch die zunehmende Frauenbewegung, die sich insbesondere gegen die einengende Mode (Korsetts) stark machte und auch in Kunst und Archtitektur fand diese Bewegung ihren Niederschlag - hier sei als Beispiel "Bauhaus" zu nennen.
Die deutsche "Lebensreform-Bewegung" hat ihre Vorläufer bzw Pendants in der britischen "Arts and Craft Movement" und im amerikanischen "Prairie Style". Letztere führte u.a. zur Einführung erster Nationalparks in den USA. Insgesamt bildet die "Lebensreform-Bewegung" den Vorläufer der heute etablierten Ökologie - sowohl als wissenschaftliche Forschungsrichtung als auch als "Lebenseinstellung".
Die deutsche "Lebensreform-Bewegung" hatte um 1920 herum bereits ihren Zenit überschritten. Als sie von den Nazis gleichgeschaltet und instrumentalisiert wurde, führte sie mehr oder weniger ein Nischendasein.
Eine "Wiederbelebung" der "Lebensreform-Bewegung" nach dem WK2 fand nicht statt, auch wenn einzelne Teilbereiche einen Aufschwung erlebten.

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 12:32)
Und nun sage nicht, dass alle damaligen und heutigen FKK-Anhänger es von sich weisen würden, nicht nur ihrem Privatvergnügen nachzugehen sondern auch "Teil einer Bewegung" zu sein

Doch genau DAS sage ich, weil es "die Bewegung" gar nicht mehr gibt und es sich tatsächlich um ein Privatvergnügen handelt, welches viele Menschen miteinander teilten/teilen.
"Teil einer Bewegung sein" existiert lediglich in deinem Kopf, basierend auf einseitiger und viel zu kurz greifender - auf die NS-Zeit reduzierten und reduzierenden - Sichtweise.

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 12:32)
Es gibt die eher harmlose Variante der Ostalgie-Reflexionen nach dem Muster: Klar war das ein Unrechtssystem aber dafür hatten wir ... Ich brauche gefühlt nur ein zwei Stunden den Sender MDR laufen zu lassen, um etwas von der Art zu hören.

Das hat nichts aber auch gar nichts mit "Ostalgie-Reflektion" zu tun, sondern mit Einbeziehen aller bekannten Fakten - Fakten, die DU wieder mal ausblendest, um Zusammenhänge herzustellen, die in dieser Form gar nicht existieren.
Aus einem Privatvergnügen eine politische Bewegung konstruieren, ist wirklich mehr als schräg!

Vor allem Künstler und Intellektuelle tummelten sich nackt an Badeorten wie Ahrenshoop. Überall sei eine "große Sympathie für die Freikörperkultur" anzutreffen, warnten Beobachter. In der SED witterte man Dekadenz und Verfall und verbot das Nacktsein in der Öffentlichkeit weitegehend - ein schwerer Fehler.
Nicht nur in der Partei regte sich Protest. Von jetzt an, wurde das Umgehen des Verbots auch noch zum Volkssport für junge Leute: Bei sogenannten "Kamerun"-Festen tanzten halbnackte und martialisch körperbemalte Jugendliche um Totempfähle. Angezogenen Badegästen konnte es passieren, dass sie ausgezogen und nackt an Bäume gebunden wurden. Mancher angezogene Sittenwächter wurde von einer Horde nackter vollbekleidet ins Wasser geworfen.
Bis 1956 dauerte der Kulturkampf. Dann gab die SED klein bei und erlaubte das Nacktbaden in ausgewiesenen Zonen, die sich aber immer schneller ausdehntenDer bekannte Hallenser Psychiater Hans-Joachim Maaz sieht im Nacktsein der DDR-Bürger vor allem einen "Befreiungsakt": "FKK war eine Möglichkeit, sich außerhalb der DDR-Zivilisation anders zu geben, freizügig zu sein", so Maaz. Gerade bei der öffentlichen Nacktheit sei es paradoxerweise um die Verteidigung der Privatsphäre gegangen, glaubt auch Volkskundler und Soziologe Schmoll.


So viel zu deinem "Teil einer Bewegung" sein und "nationalsozialistische Parallelen"!

schokoschendrezki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 12:32)Beschäftigt man sich etwas näher mit der Entstehung der Lebensreform ab Ende des 19. Jahrhunderts kommen aber eben noch ganz andre Dinge zum Vorschein. Der grundsätzliche Beweggrund war ein Reflex gegen die Moderne in Wissenschaft, Kunst und Technik. Besonders ab etwa 1910. Und natürlich und ohne Zweifel gab es eine gegenseitige Affinität und Überschneidungen zwischen Lebensreforrmern und aufkommendem Nationalsozialismus. Biologismus und Körperfixiertheit führen beinahe zwangsläufig dazu. Und von allen Teilen der Lebensreform-Bewegungen war die FKK-Bewegung ohne Frage die den Nazis und vor allem auch dem Antisemitismus naheste. "Mensch und Sonne - Arisch-olympischer Geist" von Hans Surén (einem der ideologischen Vorkämpfer des Nudismus) war einer der absoluten Bestseller während der Nazi-Herrschaft. Und Surén wurde aber andererseits noch in den 50ern Ehrenmitglied des FKK-Verbands.

Ja - siehe oben - dann beschäftige dich auch etwas näher und nicht nur einseitig, wie du das so gerne tust ==> siehe oben.
Um 1910 gab es noch keinen "aufkommenden Nationalsozialismus"! Anfänge des Nationalsozialismus gibt es erst nach dem WK1, mit der Gründung der DAP im Jahre 1919. Als dieser gesellschaftliche Relevanz erhielt, hatte die "Lebensreform-Bewegung" ihren Zenit bereits überschritten.
Es gab keine "gegenseitigen Affinitäten und Überschneidungen", auch wenn einzelne führende "Lebensreformer" der NSDAP beitraten. Instrumetalisierung von Grundgedanken einer Bewegung hat nichts mit Überschneidung zu tun. Die Nazis haben vieles "einverleibt" und instrumentalisiert, was ihren Zielen förderlich erschien. Das bedeutet noch lange nicht, dass es sich dabei um "Affinitäten und Überschneidungen" handelt. Du konstruierst einen Zusammenhang, weil due einen Zusammenang sehen willst!
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Quatschki » Mi 5. Jul 2017, 14:55

Die Moderne hatte eine ganze Menge Strömungen
wozu Sport und Bemühungen um Volksgesundheit ebenso gehörten, wie die Reform des Wohnens und Arbeitens, die Entstehung des Naturschutzes, das Streben nach Luft, Licht und Erholung in Verbindung mit sozialen Reformen und Sehnsucht nach einem neuen Lebensgefühl
Alles so ab 1910 entstanden als Antwort auf den bis dahin grassierenden Manchesterkapitalismus mit seinem Dreck und Massenelend.

Diese Entwicklungen zu denunzieren und schlecht zu machen, nur weil unter anderem auch der Nationalsozialismus mit seiner Leitidee der "gesunden" Volksgemeinschaft daran Anleihe genommen hat, erscheint mir ziemlich absurd.
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Jul 2017, 15:10

@Dark Angel. Auch wenn es natürlich Instrumentalisierungen der Lebensreformer durch die Nazis gab: Stelle diesen Lebensreformern bitte keinen Persilschein aus. Insbesondere die wichtigsten Väter der FKK-Bewegung und des Nudismus, neben Surén Heinrich Pudor und Richard Ungewitter waren derart extreme Rassenfanatiker und Antisemiten, dass die nicht etwa von den Nazis "instrumentalisiert" wurden sondern in der Anfangszeit des NS-Regimes selbst diesen Nazis unheimlich waren. Das muss man sich vorstellen!

Um 1910 gab es noch keinen "aufkommenden Nationalsozialismus"? (bzw. schlimmer noch: Rassismus) Wenn das Thema nicht so bitterernst wäre, man könnte lachen.

Richard Ungewtter 1910:
Würde jedes deutsche Weib öfter einen nackten germanischen Mann sehen, so würden nicht so viele exotischen fremden Rassen nachlaufen […] Aus Gründen der gesunden Zuchtwahl forde ich deshalb die Nacktkultur, damit Starke und Gesunde sich paaren, Schwächlinge aber nicht zur Vermehrung kommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Ungewitter

Soll ich dich das nächste mal daran erinnern, wenn wenn es darum geht, ob das Kopftuch einfach nur eine Kopfbedeckung oder ein Bekenntnis zur Frauenunterdrückung ist? Ob das Kopftuch Bekenntnis zu Rückständigkeit ist oder von Islamisten dafür instrumentalisiert wird?
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 5. Jul 2017, 15:21

Quatschki hat geschrieben:(05 Jul 2017, 15:55)

Die Moderne hatte eine ganze Menge Strömungen
wozu Sport und Bemühungen um Volksgesundheit ebenso gehörten, wie die Reform des Wohnens und Arbeitens, die Entstehung des Naturschutzes, das Streben nach Luft, Licht und Erholung in Verbindung mit sozialen Reformen und Sehnsucht nach einem neuen Lebensgefühl
Alles so ab 1910 entstanden als Antwort auf den bis dahin grassierenden Manchesterkapitalismus mit seinem Dreck und Massenelend.

Diese Entwicklungen zu denunzieren und schlecht zu machen, nur weil unter anderem auch der Nationalsozialismus mit seiner Leitidee der "gesunden" Volksgemeinschaft daran Anleihe genommen hat, erscheint mir ziemlich absurd.


Die Lebensreform war ein Teil der Gegenmoderne. Das ist der wesentliche Punkt.

Eine der bis heute maßgeblichen Richtungen der Lebensreformer, die Anthroposophie Steiners hat nix, aber auch gar nix mit Manchesterkapitalismus und Dreck zu tun. Damit befassten sich Sozialdemokraten und Kommunisten. Rudolf Steiner und vor allem seine Anhänger haben niemals eine Fabrik oder ein Bergwerk von innen gesehen. Weitaus prägender für Steiner war eine Vorlesung von Einstein, die er als junger Mann besuchte und desssen Inhalt er eben nicht kapiert hat. Seine Notizen dazu:
Rudolf Steiner hat geschrieben: Der Relativitätstheorie muß eine Absolutitätstheorie von Totalsystemen entgegengesetzt werden.

Das war 1920! Hört man da etwas heraufdämmern? Ich schon!
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Re: befreit die Brüste

Beitragvon Quatschki » Mi 5. Jul 2017, 16:51

Ist doch Quatsch.
Du greifst dir einen heraus, von dem du glaubst, dass er zu deiner Argumentation passt
Ich kenn den Mann nicht und glaube nicht, dass viele Leute ihn kennen.

Wenn ich mir den Wiki-Artikel zur Lebensreform anschaue, finde ich eine Reihe von Namen, die bis heute hoch verehrt werden, nach denen Straßen benannt sind und deren soziales Wirken beispielhaft war. Tätige Praktiker, die unser Land zum Besseren verändert haben.

Zum Beispiel gibt es hier in Volkersdorf bei Dresden die Waldteichfreunde e.V. Die baden seit über 100 Jahren nackt. Nicht aus Ideologie, sondern weil sie es schön finden. Gleich in der Nähe die Wirkungsstätte von Friedrich Eduard Bilz, das Bilz-Sanatorium und das Bilz-Wellenbad mit der Wellenmaschine von 1912. Nur wenige Kilometer weiter die erste deutsche Gartenstadt Hellerau von Karl Schmidt, auch so einem Lebensreformer. Heute komplett denkmalgeschützt.
Wer einmal dort wohnen darf, zieht nicht mehr weg, weil es einfach Lebensqualität ist.
Und seine Hellerauer Werkstätten waren jahrzehntelang beispielhaft für deutsche Arbeits- und Ausbildungskultur wie auch für innovative Möbeldesigns, ebenso praktisch wie sozial, weil bezahlbar für alle.

Da kannst du deine Ideologie drehen wie du willst. Was die Menschen gut, schön und nützlich finden, werden sie adaptieren. Egal von wem es gebaut ist. Was ihnen schadet und ihre Lebensqualität subjektiv und objektiv zerstört, werden sie verwerfen. Egal wie "moralisch" oder sozialistisch es sein mag.

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