Abschaffung von Bargeld

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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 28. Jun 2017, 02:30

BlueMonday hat geschrieben:(22 Jun 2017, 11:26)
Wobei Bitcoin auch schon wieder fast ein alter Hut ist ... und der Thread dreht sich immer noch um die Zukunft der Pferdekutsche :).

:p Ja, das ist schon richtig. Wenn mans aus der Perspektive unhinterfragter Praktikabilität und vor allem realistischer Zukunftsprognosen betrachtet. Wobei der Hinweis auf die Unpraktibilität mobiler Plattenspieler eben auch wieder die ziemlich unvorhergesehene Renaissance von Vinyl-Musik-Kulur ignoriert.

Der Aspekt Recht auf Anonymität bzw. Dystopie Gläserner Bürger ist dagegen völlig untergegangen. Und das sind auch nur die extremen Auswüchse. "Kundenbndung" ist das Stichwort. Ich nehme nie, niemals im Leben auch nur irgendein Angebot zur Kundenbindung an. Ganz grundsätzlich und immer. Vom Klo in einem Einkaufszentrum, das irgendein Einlöseticket auswirft (keine Ahnung, worin die "Einlösung" eigentlich besteht) bis zu irgendwelchen abstrakten Kundenbindungseinlösungen. Das Prinzip der völligen, totalen persönlichen Unabhängigkeit steht so heilig darüber, dass ich nicht einmal darüber nachdenke.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Mi 28. Jun 2017, 15:39

franktoast hat geschrieben:(21 Jun 2017, 17:14)
Ich denke auch, dass es abgeschafft wird. So wie die Mini-Disc-Player, Rührenfernseher oder Analogfotografie. Das liegt mal wieder an den profitgierigen Konzernen.

Technischer Fortschritt hat nicht zwangsweise etwas mit Profitgier von Konzernen zu tun. Das sind zwei paar Schuhe.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon unity in diversity » Mi 28. Jun 2017, 15:57

Raskolnikof hat geschrieben:(28 Jun 2017, 16:39)

Technischer Fortschritt hat nicht zwangsweise etwas mit Profitgier von Konzernen zu tun. Das sind zwei paar Schuhe.

Richtig.
Echte Märkte funktionieren im Selbstlauf.
Eingriffe richten nur Schäden an.
Vor allem, wenn eine ungewählte und selbsternannte Finanzelite ganz genau weiß, was das Volk braucht, oder nicht braucht.
Wir legen fest..., hat noch nie irgendwo langfristig geklappt.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Positiv Denkender » Mi 28. Jun 2017, 16:21

frems hat geschrieben:(28 Jun 2017, 01:04)

Eine weitere positive Begleiterscheinung des Bargelds auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit und Selbstabschaffung:


https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... rerin.html

Dazu gehörst du sicher auch . Das verwundert aber nicht .Gegen Diesel schimpfen aber die tausenden Auslieferungsfahrzeuge der
Zustelldienste (alle Dieselautos ) für richtig befinden .Der EH wird nicht aussterben da kannst du sicher sein .
Sobald Bargeld verboten worden ist melde dich wieder . Du erlebst es genauso wenig wie diejenigen die noch geboren werden .
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Mi 28. Jun 2017, 16:33

Unser Wahrsager mit der größten Glaskugel hat gesprochen. :D
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Positiv Denkender » Mi 28. Jun 2017, 16:42

Raskolnikof hat geschrieben:(28 Jun 2017, 17:33)

Unser Wahrsager mit der größten Glaskugel hat gesprochen. :D

Mit Wahrsager kannst du nur dich gemeint haben . Man muss nicht Wahrsager sein um zu wissen das Bargeld nicht von der Regierung abgeschafft wird.
Typen wie du betätigen sich als Wahrsager . Du behauptest doch Bargeld wird verboten .Warum nennst du nicht einfach Termin und Datum wenn
Bargeld nirgendwo mehr als Zahlungsmittel akzeptiert wird . Einfach mal Datum welches Jahrtausend o.ä.
Es gibt nur wenige die deinem Verein angehören . Damit musst du leben .
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon frems » Mi 28. Jun 2017, 17:49

Positiv Denkender hat geschrieben:(28 Jun 2017, 17:21)

Dazu gehörst du sicher auch . Das verwundert aber nicht .Gegen Diesel schimpfen aber die tausenden Auslieferungsfahrzeuge der
Zustelldienste (alle Dieselautos ) für richtig befinden .Der EH wird nicht aussterben da kannst du sicher sein .
Sobald Bargeld verboten worden ist melde dich wieder . Du erlebst es genauso wenig wie diejenigen die noch geboren werden .

Du hast wirklich Probleme, alter Mann. Da steht auch nicht, dass der EH aussterben wird, sondern dass prekäre Jobs wie Kassierer wegfallen. Wenn niemand mehr Bargeld im EH nutzt, ist es auch egal, ob es gesetzlich abgeschafft wurde oder nicht. Zumal es ja gerade Ihr vom Lande seid, die mit Abstand am häufigsten im Internet bestellen, während Großstädter noch bevorzugt selbst einkaufen. Fürs Dorfsterben seid ihr halt selbst verantwortlich, nicht das "böse" Internet, das kein Bargeld mag. Davon abgesehen: es ist in der Tat sinnvoller, wenn ein Kleintransporter 50 Haushalte am Tag der Reihe nach beliefert statt dass 50 Greise sich als Verkehrsrisiko auf den Weg machen, um für Kleinkram einen Haufen Schrott in Bewegung zu setzen. Meld Dich doch wieder, wenn Du geistig in der Lage bist, das Thema zu erfassen. Ob ich das jemals erleben werde, bezweifle ich aber in der Tat sehr stark.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 28. Jun 2017, 20:21

Ich würde gern auf einen aktuellen essayistischen Beitrag zum (2007 verstorbenen) französischen Philosophen und Medientheoretiker Jean Baudrillard verweisen. Um das Problem von dieser Sicht sozusagen mit dem Auge einen Zentimeter vor dem Mikrochip mal auf eine Sicht 10 km weg davon zu richten. Das Problem besteht nicht in dem Nachweis der Praktikabilität oder Unpraktibaliität irgendeiner gegebenen Technologie, sondern darin, dass heute Technologiegebrauch sich von einer ganz wesentlichen menschlichen Fähigkeit losgesagt hat: Der der Selbsthinterfragung. Die jeweils selbstverständlich zu sowohl positiven wie auch negativen Resultaten kommen kann. Die aber notwendigerweise stattfinden muss. So wie in der Wissenschaft das Prinzip des Peer-Review nicht der eigentliche Gegenstand und dennoch unverzichtbar ist.

Jean Baudrillard warf der Moderne vor, die Menschen mit ihrem Fortschrittsgedanken zu betören, sie glauben zu lassen, es wird immer weiter alles besser, damit sie sich dann bereitwillig einer eingleisigen technologischen und technokratischen Herrschaft unterwerfen. Und das kann nur geschehen, weil die Moderne vorgibt, ständig neue Lösungen für das Leben der Menschen auf dieser Erde zu produzieren und sich dabei selbst niemals hinterfragt.


https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/baudrillard/-/id=660374/did=19383192/nid=660374/1dg8v1x/index.html
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Positiv Denkender » Do 29. Jun 2017, 16:11

frems hat geschrieben:(28 Jun 2017, 18:49)

Du hast wirklich Probleme, alter Mann. Da steht auch nicht, dass der EH aussterben wird, sondern dass prekäre Jobs wie Kassierer wegfallen. Wenn niemand mehr Bargeld im EH nutzt, ist es auch egal, ob es gesetzlich abgeschafft wurde oder nicht. Zumal es ja gerade Ihr vom Lande seid, die mit Abstand am häufigsten im Internet bestellen, während Großstädter noch bevorzugt selbst einkaufen. Fürs Dorfsterben seid ihr halt selbst verantwortlich, nicht das "böse" Internet, das kein Bargeld mag. Davon abgesehen: es ist in der Tat sinnvoller, wenn ein Kleintransporter 50 Haushalte am Tag der Reihe nach beliefert statt dass 50 Greise sich als Verkehrsrisiko auf den Weg machen, um für Kleinkram einen Haufen Schrott in Bewegung zu setzen. Meld Dich doch wieder, wenn Du geistig in der Lage bist, das Thema zu erfassen. Ob ich das jemals erleben werde, bezweifle ich aber in der Tat sehr stark.
E

Wem wolltest du mit ihr vom Lande meinen ? ich kaufe in Kaufhäusern , Fachgeschäften auch wenn du meinst Städte mit über 550 000 Einwohnern zu den Dörfern zählen zu müssen .Ich habe noch nie per Internet etwas bestellt und werde es auch in Zukunft nicht tun .Wenn du nun meinst gerade "Greise " würden
online einkaufen irrst du wie immer . Das du Menschen ab 50 als Greise titulierst ist deiner schlechten Erziehung geschuldet . Deinen Altersrassismus hast du ja oft genau zur Schau gestellt. Die Menschen werden aber weiterhin Bargeld im EH nutzen auch wenn du deshalb vor Wut platzt .Du gehörst einer verschwindenden
Minderheit an auch wenn du das bestreitest .Ein Kleintransporter schafft 50 Kunden am Tag .? Wenn ist es deine Generation, die online bestellt bestimmt nicht
die Greise . Einige 100 Auslieferungsfahrer toben schon in einer Stadt herum . Greise fahren selten Auto die nutzen den ÖPNV oder fahren Taxe.
Du solltest nicht ständig deine Hirnlosigkeit herauskehren . Wer Städte mit über 500000 Einwohner als Dorf bezeichnet kann nicht normal sein.
Ich kenne zwar viele Greise in ländlichen Gebieten nur die fahren in die EKZ wie Posthausen oder in den EKZ an den Stadträndern um dort einzukaufen .Auf Dörfern gibt es seit zig Jahren kaum noch EH .Das du von der Entwicklung des EH seit 1949 keine Ahnung hast ist nicht schlimm ,nur solltest du Grünschnabel der das Glück hatte in diesen Wohlstandsstaat hinein geboren zu sein nicht so große Töne spucken .
Frage wenn denn tatsächlich Fahrverbote für Diesel ausgesprochen werden trifft das die Zustellfahrzeuge der Auslieferungsfirmen besonders .
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon frems » Do 29. Jun 2017, 17:55

Positiv Denkender hat geschrieben:(29 Jun 2017, 17:11)
ich kaufe in Kaufhäusern

Mehr als "ich, ich, ich" gibt's bei Dir wohl auch nicht. Davon abgesehen glaube ich Dir auch, dass Du nicht fähig bist, anders einzukaufen.

Wenn du nun meinst gerade "Greise " würden
online einkaufen irrst du wie immer .

Habe ich nicht geschrieben und folglich nicht gemeint.

Das du Menschen ab 50 als Greise titulierst ist deiner schlechten Erziehung geschuldet .

Ich hatte halt die besten Vorbilder.

Du gehörst einer verschwindenden
Minderheit an auch wenn du das bestreitest .

Schließlich ist das Bargeld überall auf den Vormarsch und wird jedes Jahr beliebter, während fortschrittliche Bezahlmethoden auf dem Rückzug sind. Ganz genau so ist es, Mr. Polyhistor. :p

Du solltest nicht ständig deine Hirnlosigkeit herauskehren .

Okay.

Ich kenne zwar viele Greise in ländlichen Gebieten

Das würde ich sicherlich nie bezweifeln.

Auf Dörfern gibt es seit zig Jahren kaum noch EH .

Sagte ich ja schon: vor allem die Landeier kaufen am liebsten online und jammeren dann darüber, dass die Läden schließen oder aus Kostengründen mal schauen, wie sie günstiger werden können, z.B. durch moderne Bezahlungsmethoden und/oder Abbau von unnötigen Jobs. Darum ging's in dem Artikel nämlich: dank des technischen Fortschritts wird man keine Kassierer mehr benötigen, deren Hauptaufgabe darin besteht, das Geld von tattrigen Greisen nachzuzählen, um ihnen fünfmal mitzuteilen, dass da noch etwas fehlt.

nur solltest du Grünschnabel der das Glück hatte in diesen Wohlstandsstaat hinein geboren zu sein nicht so große Töne spucken .

Du weißt nicht einmal in welchem Land ich geboren bin, Herr Alleswisser. Wer hat Dich eigentlich (v)erzogen? Und für den Wohlstand hast Du doch nie etwas geleistet, sondern wurdest nur von der Gesellschaft ausgehalten. (Kann ich nicht wissen, aber wenn man schon einfach Behauptungen vor den Latz kriegt, kann man es ja auch mal so zurückgeben)

Frage wenn denn tatsächlich Fahrverbote für Diesel ausgesprochen werden trifft das die Zustellfahrzeuge der Auslieferungsfirmen besonders .

Ich habe mich nirgends dafür ausgesprochen und das weißt Du. Es ist hier auch nicht das Thema. Da mir aber klar ist, dass der geistige Verfall altersbedingt bei Dir schon gut zugeschlagen hat, kann ich's gerne wiederholen, auch wenn mir ebenso klar ist, dass die gut erzogene Generation Deines Schlags morgen in einem anderen Strang wieder diese Lüge aufstellt und ablenken will: ich würde mir noch immer wünschen, wenn die Luftwerte in Ballungszentren ohne Fahrverbote möglich wären. Das hat man aber vertrödelt und braucht vielerorts nun kurzfristige Maßnahmen, weil die Gerichte es so entschieden haben. Da führt dann kein Weg dran vorbei. Das hätte man frühzeitig angehen müssen, z.B. indem man auf die Experten hört statt auf Krakeeler, deren Bildung aus BILD-Überschriften besteht. Hat man aber nicht. So ist das halt. Davon abgesehen ist Deine Konklusion so schrottig wie Deine Prämisse: Das Zauberwort heißt nämlich Ausnahmeregelung.
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Beitragvon schokoschendrezki » Do 29. Jun 2017, 22:24

frems hat geschrieben:(29 Jun 2017, 18:55)
Sagte ich ja schon: vor allem die Landeier kaufen am liebsten online und jammeren dann darüber, dass die Läden schließen oder aus Kostengründen mal schauen, wie sie günstiger werden können, z.B. durch moderne Bezahlungsmethoden und/oder Abbau von unnötigen Jobs. Darum ging's in dem Artikel nämlich: dank des technischen Fortschritts wird man keine Kassierer mehr benötigen, deren Hauptaufgabe darin besteht, das Geld von tattrigen Greisen nachzuzählen, um ihnen fünfmal mitzuteilen, dass da noch etwas fehlt.

Parallel dazu: Die Tatsache, dass man als Student nicht mehr persönlich im Prüfungsamt erscheinen muss, um sich zu einer Prüfung anzumelden, und dass man als Lehrender per Pin/Tan-Verfahren Notenverbuchungen von zu Hause oder von irgendwo aus der Welt vornehmen kann und dass das irgendjemand auf systemtechnischer, programmtechnischer, serverseitigen Basis, verstehen, abbilden, kodieren, überwachen muss, bildet den Hintergrund dafür, dass ich auf relativ zuverlässige Art über ein ausreichendes und regelmäßiges Einkommen verfüge. Soweit so gut und soweit "Ich ich ich". Aber meinst Du, das hindert mich daran, über die HIntergründe, Risiken, den eigentlichen Wesenskern dieser Entwicklungen kritisch nachzudenken? Ich kenne die meisten Zimmer dieses vermeintlichen Zauberschlosses "Technologie". Und ich kann nur sagen: Dahinter ist nix! Außer regelmäßige zirkuläre Übernahme von Gegebenheiten. Und für Beteiligte (wie mich) regelmäßige zirkuläre Vorgaben. Den entscheidenden Fragen des Lebens bringt uns Technologie keinen Schritt näher.

Ich kann es auch drastischer formuilieren: Der Imperativ "Sei mit dem aktuellen Stand der Technolgie vertraut" hat mit dem Wunsch zu tun "Sichere mir auch fürderhin ein sorgenfreies Einkommen". Gilt ganz auch auf mich persönlich bezogen. Das ist aber das wesentlich kleinere Problem. Das eigentliche Problem besteht darin, statt über den Sinn des Universums über Bitübertragungsraten nachzudenken.
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Re: "

Beitragvon frems » Fr 30. Jun 2017, 08:56

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jun 2017, 23:24)

Parallel dazu: Die Tatsache, dass man als Student nicht mehr persönlich im Prüfungsamt erscheinen muss, um sich zu einer Prüfung anzumelden, und dass man als Lehrender per Pin/Tan-Verfahren Notenverbuchungen von zu Hause oder von irgendwo aus der Welt vornehmen kann und dass das irgendjemand auf systemtechnischer, programmtechnischer, serverseitigen Basis, verstehen, abbilden, kodieren, überwachen muss, bildet den Hintergrund dafür, dass ich auf relativ zuverlässige Art über ein ausreichendes und regelmäßiges Einkommen verfüge. Soweit so gut und soweit "Ich ich ich".

Das kam sehr unerwartet. Aber wenn Du etwas Feldforschung betreiben möchtest, dann geh doch mal zur Straße des 17. Juni (Hauptgebäude beim Ernst-Reuter-Platz) und stell Dich vors PA. Spätestens bei freien Modulen und der Thesis sieht es etwas anders aus. ;)

Aber meinst Du, das hindert mich daran, über die HIntergründe, Risiken, den eigentlichen Wesenskern dieser Entwicklungen kritisch nachzudenken? Ich kenne die meisten Zimmer dieses vermeintlichen Zauberschlosses "Technologie". Und ich kann nur sagen: Dahinter ist nix! Außer regelmäßige zirkuläre Übernahme von Gegebenheiten. Und für Beteiligte (wie mich) regelmäßige zirkuläre Vorgaben. Den entscheidenden Fragen des Lebens bringt uns Technologie keinen Schritt näher.

Ich halte destruktive Ablehnung ohne Bezug zu Inhalten nicht für "kritisch". Da schaut der Laie aufs Kleine und will aufs Ganze schlussfolgern, statt dass er das große Ganze analysiert und damit die Entwicklung im Kleinen versteht. Folglich kommt es zur Affektheuristik, wo irgendeine unbedeutende Randnotiz ("Hipster kaufen Schallplatten") überrepräsentiert wird, um auf ein völlig anderes Sachgebiet abzulenken und mitzuteilen, es sei irgendwie per Naturgesetz sinnvoll, Veränderungen immer abzulehnen und nur an jenem festzuhalten, was es vor dem eigenen 30. Geburtstag schon gab. Das ist ziemlich schwach.

Ich kann es auch drastischer formuilieren: Der Imperativ "Sei mit dem aktuellen Stand der Technolgie vertraut" hat mit dem Wunsch zu tun "Sichere mir auch fürderhin ein sorgenfreies Einkommen". Gilt ganz auch auf mich persönlich bezogen. Das ist aber das wesentlich kleinere Problem. Das eigentliche Problem besteht darin, statt über den Sinn des Universums über Bitübertragungsraten nachzudenken.

Das Leben durch Modernisierung bequemer zu machen, hat nicht zwangsläufig mit monetären Aspekten zu tun, auch wenn die Folge oftmals ist, dass man viel Geld spart. Es wäre aber ein Trugschluss, dies als einzigen Grund gleichzusetzen. Wer etwas mit der Entwicklung von Technologien zu tun hat, würde auf diese plumpe Rechnung nicht hereinfallen.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon BlueMonday » Fr 30. Jun 2017, 10:21

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 Jun 2017, 03:30)

:p Ja, das ist schon richtig. Wenn mans aus der Perspektive unhinterfragter Praktikabilität und vor allem realistischer Zukunftsprognosen betrachtet. Wobei der Hinweis auf die Unpraktibilität mobiler Plattenspieler eben auch wieder die ziemlich unvorhergesehene Renaissance von Vinyl-Musik-Kulur ignoriert.

Der Aspekt Recht auf Anonymität bzw. Dystopie Gläserner Bürger ist dagegen völlig untergegangen. Und das sind auch nur die extremen Auswüchse. "Kundenbndung" ist das Stichwort. Ich nehme nie, niemals im Leben auch nur irgendein Angebot zur Kundenbindung an. Ganz grundsätzlich und immer. Vom Klo in einem Einkaufszentrum, das irgendein Einlöseticket auswirft (keine Ahnung, worin die "Einlösung" eigentlich besteht) bis zu irgendwelchen abstrakten Kundenbindungseinlösungen. Das Prinzip der völligen, totalen persönlichen Unabhängigkeit steht so heilig darüber, dass ich nicht einmal darüber nachdenke.


Ja, Blockchain/Bitcoin etc. ist ja eben eine Antwort auf das Anonymitätsbedürfnis der Menschen, die - statt ergebnislos über den absehbaren Untergang der physischen Geldform (die ja nun auch keine sonderliche Anonymität mit sich bringt) zu lamentieren - entwickelt wurde und nun um Etablierung ringt. Bitcoin u.ä. ist praktisch eine Abbildung von Warengeld wie Gold in der virtuellen Sphäre. Das ist ja der eigentliche Paradigmenwechsel um den es ginge. Weg vom zentralistischen Fiatgeld (ob nun als "Bargeld" oder in elektronischer Form) hin zu einer dezentralen Form, die praktisch jeder in Umlauf bringen kann wie einen geschürften Goldklumpen..
Von David Friedman gibt es u.a. zu dem Thema Anonymität einen modernen Klassiker: http://www.daviddfriedman.com/Future_Imperfect.html
Letztlich: "Living with Change", Leben in einer sich ständig ändernden Welt, womit wohl manche große Probleme zu haben scheinen und lieber am Alten und Gewohnten festhalten wollen, was freilich auf lange Sicht aussichtslos sein wird...

Und die Einstellung zur "Kundenbindung" ändert sich wohl auch, sobald man mal selbst von Kunden leben muss. Das ist doch eigentliche Frage: Begebe ich mich in das Umfeld der (globalen) Arbeitsteilung und des (globalen) Austausches, wo eben Menschen voneinander spürbar und zunehmend abhängen. Bei jedem Vertrag muss man sich ja letztlich offenbaren, eine Identität haben, weil Verträge eine zeitliche Dimension haben. Ansonsten blieben ja nur "on the spot"-Transaktionen auf niedrigem Niveau. In der Spieltheorie würde man vom wiederholten Gefangendilemma sprechen, also dass sich vermeintliche soziale Dilemmata auflösen, sobald Wiederholungen ins Spiel kommen. Kurz gesagt, es geht um Reputation. Und davon hängen ja jene mehr als ab, bei denen du als Kunde einkaufen willst. Die können das schwerlich anonym. Denn Reputation kann es nur geben, wenn man wiedererkannt wird, also eine Identität hat. Als Kunde lebt man ja fast schon in einer Luxussituation. Man wählt unter unzähligen Angeboten aus, fliegt wie ein Schmetterling, der sich ungern einfangen lässt, von Blüte zu Blüte. Ein Versandhändler, der am Tag hunderte vielleicht tausende Sendungen verschickt, meinst du, dass er jemanden ganz konkret, als einzelne Person in Erinnerung behält? Der Kommissionier im Versandlager, der mit deiner Adresse für einen Moment in Kontakt kommt? Der Normalfall ist doch da ein völliger professioneller Abstand. Der Anbieter will halt seine Socken verkaufen, möglichst viele davon und sonst nix. Der ist maximal an deiner Person als potentieller Sockenkäufer interessiert. Wer du sonst bist, was du sonst tust, was du mit den Socken anstellst ... vollkommen egal.
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Re: "

Beitragvon BlueMonday » Fr 30. Jun 2017, 11:04

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 Jun 2017, 23:24)

"Ich ich ich".

Ich kann es auch drastischer formuilieren: Der Imperativ "Sei mit dem aktuellen Stand der Technolgie vertraut" hat mit dem Wunsch zu tun "Sichere mir auch fürderhin ein sorgenfreies Einkommen". Gilt ganz auch auf mich persönlich bezogen. Das ist aber das wesentlich kleinere Problem. Das eigentliche Problem besteht darin, statt über den Sinn des Universums über Bitübertragungsraten nachzudenken.



"In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, daß auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt."
-- Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, Friedrich Nietzsche

Oder so gesehen: Sinnfragen, die Frage nach dem großen Warum und Wieso - werden nur auf irgendeinen Gehalt stoßen können, wenn sie mit Ichbezug gestellt werden. Irgendein Gehalt, ein Verständnis kann nur in sich selbst gefunden werden. Der Sinn an einer Sache wird so gefunden und dieser selbst erzeugte Sinn geht vielleicht nach einiger Zeit wieder verloren, aber er hat immer mit einem selbst zu tun und ändert vielleicht die eigene Handlungsrichtung - mit dem Zweck sich selbst zu bewegen, irgendwo anzukommen, sich von etwas zu lösen. Man selbst ist der Grund dieser Bewegungen und die Welt ist der Raum dafür. Diese Ichbezüglichkeit ist kein "Egoismus", sondern Demut, die die Grenzen der eigenen Möglichkeiten sichtbar macht - Abbau von zentralistischer Machbarkeitshybris.

Gerade diese gesellschaftsweiten Bewegungen, Instititutionen, Gewohnheiten, diese Verklumpungen, diese Herdenbildung, diese Verlangsamung bis hin zur Erstarrung im Staat ohne Alternativen... ist zum großen Teil Selbstvergessenheit, fehlender "Egoismus". Dieses Aublasen, die Inflationierung kleinster Schicksale, diese ungeheuren Problematisierungen und Dramatiserungen in der politischen Sphäre, dieser Aktionismus, wenn mal ein paar Menschen auf etwas ungewöhnlichere Weise sterben, neben den Millionen, die ganz "normal" Tag für Tag dahinscheiden, weil das Leben immer sein Ende zu finden hat, diese hysterische Weltrettung, die immer wieder die eigenen Möglichkeiten völlig überschätzt und grob und übereilt Schaden anrichtet, um daraus die nächsten Probleme zu konstruieren.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Raskolnikof » Fr 30. Jun 2017, 13:54

Positiv Denkender hat geschrieben:(24 Jun 2017, 12:06)
Wie sieht das denn bei Empfängern staatlicher Sozialleistungen aus ? Bekommen diese Menschen Kreditkarten ? Sorry diese Menschen möchte der Tausendsassa RA ja vom Geldverkehr ausschließen .

Du solltest nicht immer wieder ein neues Fass aufmachen sondern dich erst einmal den an dich gestellten Fragen stellen, siehe:
viewtopic.php?f=4&t=54658&start=3240#p3925863
Bereitet dir Die Antwort dieser Fragen Probleme?
Natürlich erhält kein Hartz IV-Empfänger eine Kreditkarte. Hat dich der Teufel geritten? Voraussetzung für eine Kreditkarte ist nun mal eine gewisse Bonität des Kunden. Zudem habe ich dir gesagt, dass die Kreditkarte für mich einen gewissen Mehrwert hat. Das muss ja nicht für jeden Verbraucher zutreffen. Du benötigst die ganz sicherlich nicht! Nebenbei: Da jeder Hartz IV-Empfänger einen Rechtsanspruch auf die Eröffnung eines Girokontos hat und ihm dies jede Bank und Sparkasse ermöglichen muss (natürlich nur auf Guthabenbasis) bekommt er damit dann automatisch auch eine Girokarte, mit der er seine Einkäufe unbar bezahlen kann. Wo ist das Problem?
Positiv Denkender hat geschrieben:(22 Jun 2017, 19:20)
Mir reicht der nächste Automat der Sparkasse.

Ja dir. Du kommst ja auch nicht viel rum in der Welt. Ich bin jetzt gerade im Urlaub. Da würdest du mit deiner Sparkassenkarte kläglich scheitern. Ich allerdings mit meiner Girocard auch. Mit meiner Kreditkarte bin ich da aber überall flüssig. Ích kann überall meine Einkäufe tätigen ohne dass irgendwelche Gebühren anfallen. Jeder Geldautomat spuckt mir Bares aus sofern ich denn welches benötige, dies ebenfalls ohne Kosten oder Auslandseinsatzgebühren.
Voraussetzung ist natürlich die "richtige" Kreditkarte. Und das ist ganz bestimmt nicht die, die vom Sparkassenverbund herausgegeben wird. Wie gesagt, VISA ist nicht = VISA!
Du hättest keine Vorteile von der Kreditkarte, das stimmt. Andere aber schon. Warum haben denn 62 Prozent aller volljährigen Bundesbürger eine Kreditkarte, Tendenz steigend? Zum Angeben? Das war einmal.
Positiv Denkender hat geschrieben:(28 Jun 2017, 17:42)
Man muss nicht Wahrsager sein um zu wissen das Bargeld nicht von der Regierung abgeschafft wird. (...) Du behauptest doch Bargeld wird verboten .

Niemals habe ich das behauptet. Warum lügst du ständig?
Ja, das Ende des Bargeldes ist eingeläutet. Das ist überhaupt keine Frage. Aber wie gesagt, es wird nicht durch den Gesetzgeber abgeschafft. Es werden die Verbraucher sein, die durch ihr Bezahlverhalten selber dafür sorgen, dass das Bargeld ausstirbt.
Der Supermarkt und Discounter der Zukunft sieht ja so aus, dass es da keine Kassiererinnen mehr gibt. Alle Waren sind da mit einem RFC-Chip bedruckt. Da braucht der Einkaufswagen an der "Kasse" nicht mehr aus- und wieder eingeräumt zu werden. Die Waren werden bereits während des Einkaufes erfasst und an der Kassen unbar bezahlt. In den USA gibts derartige Märkte bereits. In Deutschland wird diese Technik bereits seit langer Zeit u.a. von der Metro-Gruppe erprobt und wohl bald eingeführt. Dort ist es dann aus mit Bargeld. Seitens des Gesetzgebers wird es da keine Probleme geben. Schließlich sind Gesetze nicht in Stein gemeißelt.
Ja PD, diese neue, andere Welt wirst du ja nicht mehr erleben. Ist das nicht beruhigend? Du wirst bis zu deinem Lebensende mit Bargeld zahlen können und wirst wohl auch mit dem von dir so hart verteidigtem Diesel zu deiner letzten Ruhestätte gefahren. Es sei dir gegönnt! :)
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Beitragvon schokoschendrezki » Fr 30. Jun 2017, 20:39

frems hat geschrieben:(30 Jun 2017, 09:56)
Ich halte destruktive Ablehnung ohne Bezug zu Inhalten nicht für "kritisch". Da schaut der Laie aufs Kleine und will aufs Ganze schlussfolgern, statt dass er das große Ganze analysiert und damit die Entwicklung im Kleinen versteht. Folglich kommt es zur Affektheuristik, wo irgendeine unbedeutende Randnotiz ("Hipster kaufen Schallplatten") überrepräsentiert wird, um auf ein völlig anderes Sachgebiet abzulenken und mitzuteilen, es sei irgendwie per Naturgesetz sinnvoll, Veränderungen immer abzulehnen und nur an jenem festzuhalten, was es vor dem eigenen 30. Geburtstag schon gab. Das ist ziemlich schwach.

Natürlich ist das schwach. Aber die Gesamtheit aller verfügbaren, dagewesenen und erwartbaren Technologie ist eben auch - einerseits "immerhin", andererseits aber eben doch "nur" Technologie. Das Kleine, der aktuelle Stand auf einem Stecknadelknöpfchen in den Weiten des Universums, das man versehentlich und als Laie für das Ganze oder auch nur Wesentliche halten kann. Nur eben einige Niveaustufen über der bloßen Ablehnung einer konkreten neuen Technologie aus Gewohnheit.

Sich und anderen dies bewusst zu machen: Das ist das, was ich an Menschen wie Baudrillard bewundere. Auch wenn einige seiner Ansichten, Reflexionen usw. - gelinde gesagt - etwas verstörend wirken. Die Kernaussage, dass Technologie zunehemend die Fähigkeit zur Selbsthinterfragung verliert, ist richtig. Und das Ergebnis dieser Selbsthinterfragung muss ja keineswegs immer oder auch nur überwiegend negativ ausfallen. Aber sie sollte stattfinden und unterschiedliche persönliche Ergebnisse dieser Hinterfragung sollten nebeneinander koexistieren können.
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Beitragvon schokoschendrezki » Fr 30. Jun 2017, 20:52

BlueMonday hat geschrieben:(30 Jun 2017, 12:04)

"In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der "Weltgeschichte": aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mußten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es gibt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten. Könnten wir uns aber mit der Mücke verständigen, so würden wir vernehmen, daß auch sie mit diesem Pathos durch die Luft schwimmt und in sich das fliegende Zentrum dieser Welt fühlt."
-- Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, Friedrich Nietzsche

Oder so gesehen: Sinnfragen, die Frage nach dem großen Warum und Wieso - werden nur auf irgendeinen Gehalt stoßen können, wenn sie mit Ichbezug gestellt werden. Irgendein Gehalt, ein Verständnis kann nur in sich selbst gefunden werden. Der Sinn an einer Sache wird so gefunden und dieser selbst erzeugte Sinn geht vielleicht nach einiger Zeit wieder verloren, aber er hat immer mit einem selbst zu tun und ändert vielleicht die eigene Handlungsrichtung - mit dem Zweck sich selbst zu bewegen, irgendwo anzukommen, sich von etwas zu lösen. Man selbst ist der Grund dieser Bewegungen und die Welt ist der Raum dafür. Diese Ichbezüglichkeit ist kein "Egoismus", sondern Demut, die die Grenzen der eigenen Möglichkeiten sichtbar macht - Abbau von zentralistischer Machbarkeitshybris.

Gerade diese gesellschaftsweiten Bewegungen, Instititutionen, Gewohnheiten, diese Verklumpungen, diese Herdenbildung, diese Verlangsamung bis hin zur Erstarrung im Staat ohne Alternativen... ist zum großen Teil Selbstvergessenheit, fehlender "Egoismus". Dieses Aublasen, die Inflationierung kleinster Schicksale, diese ungeheuren Problematisierungen und Dramatiserungen in der politischen Sphäre, dieser Aktionismus, wenn mal ein paar Menschen auf etwas ungewöhnlichere Weise sterben, neben den Millionen, die ganz "normal" Tag für Tag dahinscheiden, weil das Leben immer sein Ende zu finden hat, diese hysterische Weltrettung, die immer wieder die eigenen Möglichkeiten völlig überschätzt und grob und übereilt Schaden anrichtet, um daraus die nächsten Probleme zu konstruieren.



Natürlich: Bevor ich über die Welt als Ganzes nachdenke, muss ich unter Umständen dafür sorgen, dass mein Kind früh in die Schule kommt oder meinen behinderten Eltern was eingekauft wird. (Ich kenne beide Grundsituationen). Aber erstens: Die Distanz dazu zu finden, muss nicht zwangsläufig mit dem Bedürfnis nach Selbstüberhöhung sondern kann auch mit der Demut vor der Weltkomplexität zu tun haben. Und vor allem zweitens: Ich sehe es als eine moralische Verfehlung an, die Chance, die sich aus der Abwesenheit wirklicher existenzieller Probleme (Hunger, Überleben usw.) für uns als jetzt nicht winziger aber doch relativ kleiner Minderheit gegeben ist, nicht für anderes als für Telekommunikationsdienstleistungspreisvergleiche zu nutzten.
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Beitragvon frems » Sa 1. Jul 2017, 12:41

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 Jun 2017, 21:39)

Natürlich ist das schwach. Aber die Gesamtheit aller verfügbaren, dagewesenen und erwartbaren Technologie ist eben auch - einerseits "immerhin", andererseits aber eben doch "nur" Technologie. Das Kleine, der aktuelle Stand auf einem Stecknadelknöpfchen in den Weiten des Universums, das man versehentlich und als Laie für das Ganze oder auch nur Wesentliche halten kann. Nur eben einige Niveaustufen über der bloßen Ablehnung einer konkreten neuen Technologie aus Gewohnheit.

Maschinenstürmer sind kein neues Phänomen. Fortschrittsängste -- ob nun aufgrund Bildungsdefiziten, allgemeiner Bedenkträgerei oder spätrömischer Dekadenz -- muss man schon ernstnehmen. Nur nützt die Promenadologie fernab der Raumwissenschaften eher wenig, um zu verstehen, dass die gesamte Zivilisation der Menschheit vom Fortschritt abhängt. Ohne ihn geht es nicht und wir könnten weder unseren Lebensstandard haben, noch über 7 Milliarden Menschen ernähren. Ich kann aber gut verstehen, dass es manch einem Bürger ab einem gewissen Alter zu anstrengend wird, sich mit Neuem zu beschäftigen und man auf das Unbekannte, Fremde erst einmal mit Ablehnung reagiert.

Sich und anderen dies bewusst zu machen: Das ist das, was ich an Menschen wie Baudrillard bewundere. Auch wenn einige seiner Ansichten, Reflexionen usw. - gelinde gesagt - etwas verstörend wirken. Die Kernaussage, dass Technologie zunehemend die Fähigkeit zur Selbsthinterfragung verliert, ist richtig. Und das Ergebnis dieser Selbsthinterfragung muss ja keineswegs immer oder auch nur überwiegend negativ ausfallen. Aber sie sollte stattfinden und unterschiedliche persönliche Ergebnisse dieser Hinterfragung sollten nebeneinander koexistieren können.

Eine Aussage ist nicht richtig, weil sie einem gefällt. Da braucht man etwas mehr. In diesem Falle scheitert sie schon daran, dass das eigene Dogma nicht hinterfragt wird, sondern mit hanebüchenen Randnotizen -- fernab einer Einordnung mittels einer systemischen, holistischen Analyse -- aufrechtgehalten.
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon schokoschendrezki » So 2. Jul 2017, 15:13

@frems; Nur in Bezug auf die Generationenfrage. Halte mich zur Zeit gerade in Bratislava/Slowakei auf. Gerade im Sommer hat man den Eindruck, mindestens 10 Prozent der europäischen 15- bis 35-jährigen treibe sich in den Sommernächten, fasziniert von alten Weinstuben, historischen Bierkellern oder Kaffeehäusern mit k.u.k.-Patinage in der barocken Altstadt von Bratislava in Junggesellen- oder Junggesellinnen-Abschriedsreisegruppen herum ...

Gerade habe ich mir anstelle dessen - mit einer Mischung aus Schauer und Faszination - den stillgelegten Rest eines absurden (mindestens) 21-stöckigen Hotelkomplexes ("Hotel Kyjew") angeschaut. 70er-Jahre Architektur. Stahl, Beton, Technikbegeisterung ... Heute klebt am Empfangseingang ein gelbes Plakat mit Käufersuche und weiter oben scheißen die Tauben den Betonklotz zu. Die Liste derartiger technologischer Sackgassen ließe sich endlos fortsetzen. Aber erstens: Dass Abschaffung von Bargeld nicht zu diesen Sackgassen gehören wird, glaube ich auch. Und zwar so sehr wie die 70er-Jahre-Architekten an ihre damalige Ästhetik glaubten.

Nur nützt die Promenadologie fernab der Raumwissenschaften eher wenig, um zu verstehen, dass die gesamte Zivilisation der Menschheit vom Fortschritt abhängt.

"Fortschritt", im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ist eine vektorielle Größe, Das heißt, er hat nicht nur einen Betrag sondern auch eine Richtung. Was u.a, zur Folge hat, dass etwas betragsmäßig Fortschrittllicheres aber Richtungsunbewussteres eher im Kreis laufen und zum Ausgangspunkt zurückkehren kann, als etwas betragsmäßig weniger Fortschrittliches dafür aber sorgsam Richtungwählenderes. Nur ist das Menschen, die von Logik und Mathematik nix verstehen, nicht immer ganz einfach zu erklären.
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Re: Abschaffung von Bargeld

Beitragvon Positiv Denkender » So 2. Jul 2017, 16:59

frems hat geschrieben:(29 Jun 2017, 18:55)

Mehr als "ich, ich, ich" gibt's bei Dir wohl auch nicht. Davon abgesehen glaube ich Dir auch, dass Du nicht fähig bist, anders einzukaufen.


Habe ich nicht geschrieben und folglich nicht gemeint.


Ich hatte halt die besten Vorbilder.


Schließlich ist das Bargeld überall auf den Vormarsch und wird jedes Jahr beliebter, während fortschrittliche Bezahlmethoden auf dem Rückzug sind. Ganz genau so ist es, Mr. Polyhistor. :p


Okay.


Das würde ich sicherlich nie bezweifeln.


Sagte ich ja schon: vor allem die Landeier kaufen am liebsten online und jammeren dann darüber, dass die Läden schließen oder aus Kostengründen mal schauen, wie sie günstiger werden können, z.B. durch moderne Bezahlungsmethoden und/oder Abbau von unnötigen Jobs. Darum ging's in dem Artikel nämlich: dank des technischen Fortschritts wird man keine Kassierer mehr benötigen, deren Hauptaufgabe darin besteht, das Geld von tattrigen Greisen nachzuzählen, um ihnen fünfmal mitzuteilen, dass da noch etwas fehlt.


Du weißt nicht einmal in welchem Land ich geboren bin, Herr Alleswisser. Wer hat Dich eigentlich (v)erzogen? Und für den Wohlstand hast Du doch nie etwas geleistet, sondern wurdest nur von der Gesellschaft ausgehalten. (Kann ich nicht wissen, aber wenn man schon einfach Behauptungen vor den Latz kriegt, kann man es ja auch mal so zurückgeben)


Ich habe mich nirgends dafür ausgesprochen und das weißt Du. Es ist hier auch nicht das Thema. Da mir aber klar ist, dass der geistige Verfall altersbedingt bei Dir schon gut zugeschlagen hat, kann ich's gerne wiederholen, auch wenn mir ebenso klar ist, dass die gut erzogene Generation Deines Schlags morgen in einem anderen Strang wieder diese Lüge aufstellt und ablenken will: ich würde mir noch immer wünschen, wenn die Luftwerte in Ballungszentren ohne Fahrverbote möglich wären. Das hat man aber vertrödelt und braucht vielerorts nun kurzfristige Maßnahmen, weil die Gerichte es so entschieden haben. Da führt dann kein Weg dran vorbei. Das hätte man frühzeitig angehen müssen, z.B. indem man auf die Experten hört statt auf Krakeeler, deren Bildung aus BILD-Überschriften besteht. Hat man aber nicht. So ist das halt. Davon abgesehen ist Deine Konklusion so schrottig wie Deine Prämisse: Das Zauberwort heißt nämlich Ausnahmeregelung.

Zauberwort Ausnahme ? Da werden die Ausnahmen zu Regel. Kontrollierbar ist das eh nicht .
Ich kann ja zufrieden sein dass mein geistiger Verfall erst im Alter eingetreten ist .

[Mod: Beleidigungen entfernt ]

Dein Glück, dass in diesem Staat auch Leute wie dich durchgeschleppt werden .
de
Zuletzt geändert von Skull am So 2. Jul 2017, 17:15, insgesamt 1-mal geändert.

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