Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Moderator: Moderatoren Forum 2

Benutzeravatar
Laertes
Beiträge: 651
Registriert: So 1. Nov 2015, 07:56
Benutzertitel: E PLURIBUS UNUM

Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Laertes » Fr 26. Mai 2017, 08:01

Bleibtreu hat geschrieben:(25 May 2017, 17:06)
Nur als Abstecher und zur Information, sonst verzetteln wir uns im Strang wieder zusehends.


Abgeleitet aus diesem und anderen Beiträgen im Thread zum Terroranschlag in Manchester möchte ich hier doch gerne die Frage diskutieren, wie Radikalisierung bis hin zum Terrorismus vom gesellschaftlichem Umfeld, vom ideologisch-religiösen Überbau und der gezielten Steuerung durch externe Interessengruppen zusammenhängt.

Dabei geht es mir primär um die Radikalisierung von Menschen in westlichen Gesellschaften, die dort geboren wurden oder seit ihrer Kindheit dort gelebt haben. Ausklammern möchte ich Terroristen, die mit einem Auftrag hierher geschickt werden, weil das für mich ein Kriegsakt ohne binnengesellschaftliche Ursachen ist.

Nicht beschränkt auf islamistischen Terror, sondern auch bezogen auf separatistisch, rassistisch, nationalistisch, kommunistisch oder anti-imperialistisch motivierten Terror in westlichen Ländern, begangen von den eigenen Bürgern.
Right is right and left is wrong.
Benutzeravatar
Adam Smith
Beiträge: 24791
Registriert: Mi 18. Jan 2012, 21:57

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Adam Smith » Fr 26. Mai 2017, 08:08

Warum sollte es sich in westlichen Ländern anders verhalten als sonst überall auf der Welt? Es gibt dafür keinen Grund.
Benutzeravatar
Laertes
Beiträge: 651
Registriert: So 1. Nov 2015, 07:56
Benutzertitel: E PLURIBUS UNUM

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Laertes » Fr 26. Mai 2017, 08:10

Meine eigenes Modell dazu:

Ich sehe immer folgende Faktoren in dem Prozess, der zur Radikalisierung führt:

P: die Person, die sich radikalisiert
G: die Gesellschaft, in der sie lebt
Z: die auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abziehende Gruppierung, die P in seiner Radikalisierung bestärkt und anleitet
U: die Utopie, die Z als bessere, weil widerspruchsfreie, Alternative zu G anbietet.

Damit die Rechnung aufgeht bedarf es weiterer Prämissen:

- G muss eine Gesellschaft voll ungelöster, verdrängter Widersprüche zwischen eigenem Anspruch und Alltagsrealität sein. Das gilt m. E. für jede Gesellschaft, egal ob westliche Demokratie oder autoritäre islamische Republik.

- P muss eine Persönlichkeit haben, die die immanenten Wiedersprüche der Gesellschaft schlecht verträgt, der sie als Bigotterie, Dekadenz oder schreiende Ungerechtigkeit empfindet

- Z muss für P ein Weltbild, die Utopie U (Kommunismus, nationale Unabhängigkeit, ethnisch reine Gesellschaft, Reich Gottes auf Erden, Kalifat,...) im Angebot haben, der die Widersprüche von G fremd sind (in der Theorie). Und Z muss P bestärken in seiner Radikalisierung mit der Botschaft, dass G tatsächlich verkommen ist, dass P zu den Auserwählten gehört, die das klar sehen und das Gewalt der legitime und notwendige Wege zur Zerstörung on G und Etablierung von U ist.

Als treibende Kräfte sehe ich somit G und Z in diesem perfiden Spiel. G weil es unfähig ist realistisch, offen und konstruktiv mit seinen inneren Widersprüchen umzugehen. Z weil er die unvermeidlichen Widersprüche von G wider besseres Wissen für seine revolutionären Pläne nutzten kann. Und wieder G wenn es Z (ein weiterer innerer Widerspruch) im Inneren ungestraft gewähren lässt.

Aber natürlich spielt auch eine Rolle wie sehr U latent den Kern zu gewalttätiger Durchsetzung und Alleinvertretungsanspruch in sich trägt. Eine Utopie bedingungsloser Nächstenliebe, lässt sich schwerer als Legitimation zu Terror heranziehen, als eine martialische, auf Weltherrschaft und Extinktion aller anderen Ideen gerichtete.
Right is right and left is wrong.
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3658
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Europa2050 » Fr 26. Mai 2017, 09:57

Laertes hat geschrieben:(26 May 2017, 09:10)

Meine eigenes Modell dazu:

Ich sehe immer folgende Faktoren in dem Prozess, der zur Radikalisierung führt:

P: die Person, die sich radikalisiert
G: die Gesellschaft, in der sie lebt
Z: die auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abziehende Gruppierung, die P in seiner Radikalisierung bestärkt und anleitet
U: die Utopie, die Z als bessere, weil widerspruchsfreie, Alternative zu G anbietet.

Damit die Rechnung aufgeht bedarf es weiterer Prämissen:

- G muss eine Gesellschaft voll ungelöster, verdrängter Widersprüche zwischen eigenem Anspruch und Alltagsrealität sein. Das gilt m. E. für jede Gesellschaft, egal ob westliche Demokratie oder autoritäre islamische Republik.

- P muss eine Persönlichkeit haben, die die immanenten Wiedersprüche der Gesellschaft schlecht verträgt, der sie als Bigotterie, Dekadenz oder schreiende Ungerechtigkeit empfindet

- Z muss für P ein Weltbild, die Utopie U (Kommunismus, nationale Unabhängigkeit, ethnisch reine Gesellschaft, Reich Gottes auf Erden, Kalifat,...) im Angebot haben, der die Widersprüche von G fremd sind (in der Theorie). Und Z muss P bestärken in seiner Radikalisierung mit der Botschaft, dass G tatsächlich verkommen ist, dass P zu den Auserwählten gehört, die das klar sehen und das Gewalt der legitime und notwendige Wege zur Zerstörung on G und Etablierung von U ist.

Als treibende Kräfte sehe ich somit G und Z in diesem perfiden Spiel. G weil es unfähig ist realistisch, offen und konstruktiv mit seinen inneren Widersprüchen umzugehen. Z weil er die unvermeidlichen Widersprüche von G wider besseres Wissen für seine revolutionären Pläne nutzten kann. Und wieder G wenn es Z (ein weiterer innerer Widerspruch) im Inneren ungestraft gewähren lässt.

Aber natürlich spielt auch eine Rolle wie sehr U latent den Kern zu gewalttätiger Durchsetzung und Alleinvertretungsanspruch in sich trägt. Eine Utopie bedingungsloser Nächstenliebe, lässt sich schwerer als Legitimation zu Terror heranziehen, als eine martialische, auf Weltherrschaft und Extinktion aller anderen Ideen gerichtete.


Deine Erklärungsansätze halte ich für durchaus bedenkenswert, insbesondere weil sie aufzeigen, das zu solchen Entwicklungen mehrere Faktoren gehören. Einen will ich mal rauspicken (ohne die anderen zu negieren):

Als besonders gefährdet sehe ich die zweite (oder auch dritte Generation) von Migranten:

- die Entscheidung in's fremde Land zu gehen, haben nicht sie getroffen, sondern ihre Eltern,
- die Negative Situation im Heimatland (politisch oder wirtschaftliche Migrationsgründe) haben sie nicht bewusst erlebt, daher haben Sie auch nicht die Dankbarkeit der ersten Generation gegenüber dem Gastland,
- sie sind aber oft noch nicht in der Kultur des Gastlandes angekommen, empfinden sich als fremd, anders.

Da können bei vielen eben Zerrbilder entstehen, die hier alles schlecht und dort alles gut sehen.

Der eine versucht von hier dortige Systeme zu unterstützen (Erdogan-Abstimmung bei Türken, Putinfans unter Deutschrussen) der andere geht eben dann zurück um für die gute Sache zu kämpfen (IS, aber auch Deutschrussen im Donbas) andere begehen hier für ein vermeintliches Paradies erweiterten Suizid.

Leider fällt mir zur Analyse aber auch keine Lösung ein ...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
Senexx
Beiträge: 6967
Registriert: Di 25. Apr 2017, 08:21
Benutzertitel: Catalunya nou Estat d'Europa

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Senexx » Fr 26. Mai 2017, 10:03

Laertes hat geschrieben:(26 May 2017, 09:01)

Abgeleitet aus diesem und anderen Beiträgen im Thread zum Terroranschlag in Manchester möchte ich hier doch gerne die Frage diskutieren, wie Radikalisierung bis hin zum Terrorismus vom gesellschaftlichem Umfeld, vom ideologisch-religiösen Überbau und der gezielten Steuerung durch externe Interessengruppen zusammenhängt.

Dabei geht es mir primär um die Radikalisierung von Menschen in westlichen Gesellschaften, die dort geboren wurden oder seit ihrer Kindheit dort gelebt haben. Ausklammern möchte ich Terroristen, die mit einem Auftrag hierher geschickt werden, weil das für mich ein Kriegsakt ohne binnengesellschaftliche Ursachen ist.

Nicht beschränkt auf islamistischen Terror, sondern auch bezogen auf separatistisch, rassistisch, nationalistisch, kommunistisch oder anti-imperialistisch motivierten Terror in westlichen Ländern, begangen von den eigenen Bürgern.

Dieser catch-all-Ansatz ist zum Scheitern verurteilt.
Hinweis aus gegebenen Anlass: Ich verwende niemals "copy paste". Jede Zeile ist selbst verfasst.
Zusatzhinweis: Trollbeiträge und ad-personam und Spam werden von mir ignoriert.
Benutzeravatar
Bleibtreu
Moderator
Beiträge: 7547
Registriert: Mi 27. Feb 2013, 11:58
Benutzertitel: freigeist
Wohnort: Tel Aviv // Paris

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Bleibtreu » Fr 26. Mai 2017, 19:26

Laertes hat geschrieben:(26 May 2017, 09:01)

Abgeleitet aus diesem und anderen Beiträgen im Thread zum Terroranschlag in Manchester möchte ich hier doch gerne die Frage diskutieren, wie Radikalisierung bis hin zum Terrorismus vom gesellschaftlichem Umfeld, vom ideologisch-religiösen Überbau und der gezielten Steuerung durch externe Interessengruppen zusammenhängt.

Dabei geht es mir primär um die Radikalisierung von Menschen in westlichen Gesellschaften, die dort geboren wurden oder seit ihrer Kindheit dort gelebt haben. Ausklammern möchte ich Terroristen, die mit einem Auftrag hierher geschickt werden, weil das für mich ein Kriegsakt ohne binnengesellschaftliche Ursachen ist.

Nicht beschränkt auf islamistischen Terror, sondern auch bezogen auf separatistisch, rassistisch, nationalistisch, kommunistisch oder anti-imperialistisch motivierten Terror in westlichen Ländern, begangen von den eigenen Bürgern.

Die Frage ist sehr interessant, aber schwierig, weil hier generalisiert und alles in einen Topf geworfen werden muss und das haut nicht recht hin. Das Thema ist viel zu komplex, um es auf wenige Bausteine herunter zu brechen, um Gemeinsamkeiten, "eine durchgaengige Linie", durch alle Terrorismen [IRA, ETA, rote Brigaden, RAF, NSU, DAESH und alle moeglichen islamischen TerrorGruppierungen etc] zu finden; die einerseits bei den genuin europaeischen regional/national begrenzt und nichtreligioes sind und andererseits beim islamischen Terrorismus religioes sind, die Selbstvernichtung als Teil des Ziels gilt, die Weltherrschaft und die Vernichtung aller Andersdenkenden angestrebt und weltweit agiert wird. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine Herrschaft des Todes. Hier tun sich ganz gewaltige Unterschiede auf. Wenn wir nach Gemeinsamkeiten fuer alle suchen, bleiben nur noch Brocken wie "alle versuchen ihre Ziele mit Gewalt und Terror durch zu setzen" uebrig. Ob uns das jetzt weiter bringt? Das wussten wir doch sicherlich schon vor der Fragestellung.

Einen sehr guten Ansatz sehe ich in dem ZDF Interview mit Marwan Abou Taam, dass ich in dem Beitrag verlinkte, aus dem du meinen letzten Satz zitiert hast. https://www.zdf.de/kultur/forum-am-frei ... u-100.html

Grundsaetzlich haben wir es mit Individuen zu tun, jeder Terrorist hat seine ganz eigene persoenliche Motivation, die sich aus seiner Sozialisierung und seinem Umfeld speist. Seine eigene persoenliche Vita, wie er zum Terrorismus kam. Es sind Menschen auf der Suche, wie es Marwan Abou Taam treffend nennt. Welche Beduerfnisse diese Menschen auch immer haben, sie werden von der jeweiligen terroristischen Ideologie [religioes oder politisch] befriedigt. Dem einen bietet sich die Moeglichkeit seine Gewalt-, Mord und MachtPhantasien auszuleben, Vorurteile werden bedient, antrainierte Verhaltensmuster. Der andere will seine Ideologie [religioes oder politisch] durchsetzen mit der er sich identifiziert oder ihn hat sein "Gerechtigkeits"Sinn dazu getrieben, etc pp Es treffen natuerlich nicht nur einzelne Aspekte, sondern auch mehrere gleichzeitig zu. Es betrifft Maenner, wie Frauen; Juengere und auch Aeltere. Ungebildete, Gebildete, Intelligente, Minderbegabte, Arme und Wohlsituierte...

Auf den Punkt "gezielte Steuerung durch externe Interessengruppen" gehe ich nicht ein, da er mE nicht uebergreifend auf alle Terrorismen zutrifft.

Das mal auf die schnelle von mir als Einstieg hingeworfen. :)

[Ich bin mir nicht sicher, ob der Strang in diesem Subforum richtig aufgehoben ist. Deine Fragestellung bezieht sich nicht explizit auf Deutschland - es geht um Terrorismus allgemein.]
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. // Moderatorin im Forum 2
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
Concordia - Integritas - Industria
Benutzeravatar
Laertes
Beiträge: 651
Registriert: So 1. Nov 2015, 07:56
Benutzertitel: E PLURIBUS UNUM

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Laertes » Sa 27. Mai 2017, 22:55

Bleibtreu hat geschrieben:(26 May 2017, 20:26)
Die Frage ist sehr interessant, aber schwierig, weil hier generalisiert und alles in einen Topf geworfen werden muss und das haut nicht recht hin. Das Thema ist viel zu komplex, um es auf wenige Bausteine herunter zu brechen, um Gemeinsamkeiten, "eine durchgaengige Linie", durch alle Terrorismen [IRA, ETA, rote Brigaden, RAF, NSU, DAESH und alle moeglichen islamischen TerrorGruppierungen etc] zu finden; die einerseits bei den genuin europaeischen regional/national begrenzt und nichtreligioes sind und andererseits beim islamischen Terrorismus religioes sind, die Selbstvernichtung als Teil des Ziels gilt, die Weltherrschaft und die Vernichtung aller Andersdenkenden angestrebt und weltweit agiert wird. Also im wahrsten Sinne des Wortes eine Herrschaft des Todes. Hier tun sich ganz gewaltige Unterschiede auf. Wenn wir nach Gemeinsamkeiten fuer alle suchen, bleiben nur noch Brocken wie "alle versuchen ihre Ziele mit Gewalt und Terror durch zu setzen" uebrig.


Einerseits hast du natürlich völlig Recht mit deinem Einwand.

Andererseits finde es wichtig ein Modell davon zu haben, warum Menschen in westlichen Gesellschaften diesen Weg einschlagen. Hier im Forum gibt zwei dominierende Trivialmodelle: Jemand radikalisiert sich zum Terroristen weil er a) Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft ist oder weil er b) Muslim ist. Wie heißt es so schön: Alle Modelle sind falsch, aber manche sind nützlich. Die vorgenannten Modelle a) und b) halte ich für unnütz und sogar schädlich. Wer als Gutmensch oder völkischer Isotionalist in seiner Filterblase lebt, der hat sich natürlich bereits auf ein Modell festgelegt - da ist es Energieverschwendung ein Umdenken bewirken zu wollen.

Aber dem Rest von uns würde ein rationales statt emotionales (postfaktisches) Modell nützen -zumindest, wenn es deutlich näher an der "Wahrheit" wäre. Gedankenspiel: Partei X setzt sich dafür ein, dass als Maßnahme gegen islamistische Radikalisierung in deutschen Moscheen nur noch in deutscher Sprache gepredigt werden darf. Bei einer rationalen Herangehensweise gäbe es jetzt zwei Fragestellungen: 1) Wäre das gemessen an meinem Modell überhaupt eine geeignete Präventionsmaßnahme? Und 2) Ist mir der Sicherheitsgewinn den Verlust an Freiheit in diesem Fall überhaupt wert?
Right is right and left is wrong.
Benutzeravatar
Ger9374
Beiträge: 2667
Registriert: Sa 19. Nov 2016, 05:39
Benutzertitel: Einigkeit,Recht und Freiheit!!

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Ger9374 » Sa 27. Mai 2017, 23:15

Wenn ein Individuum , sich bedeutungslos sehend
die möglichkeit erahnt eine Aufwertung seines Daseins zu erkennen durch Religion oder Doktrin
wendet es sich diesem zu. Dem Leben einen Sinn
Geben.Der/die orientierungslosen erfahren ein Ziel.Auf einmal als Märtyrer, Held gesehen zu werden verfestigt die Bindung zum Opfertod .
Wenn dann noch Verlust Erlebnisse oder Manipulation durch andere eintreten , wird der Weg zum Opfer/Terroristen weiter verfestigt.
Jede meinung ist wichtig,sofern man eine eigene hat!
Benutzeravatar
Bleibtreu
Moderator
Beiträge: 7547
Registriert: Mi 27. Feb 2013, 11:58
Benutzertitel: freigeist
Wohnort: Tel Aviv // Paris

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Bleibtreu » Sa 27. Mai 2017, 23:34

Laertes hat geschrieben:(27 May 2017, 23:55)

Einerseits hast du natürlich völlig Recht mit deinem Einwand.

Andererseits finde es wichtig ein Modell davon zu haben, warum Menschen in westlichen Gesellschaften diesen Weg einschlagen. Hier im Forum gibt zwei dominierende Trivialmodelle: Jemand radikalisiert sich zum Terroristen weil er a) Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft ist oder weil er b) Muslim ist. Wie heißt es so schön: Alle Modelle sind falsch, aber manche sind nützlich. Die vorgenannten Modelle a) und b) halte ich für unnütz und sogar schädlich. Wer als Gutmensch oder völkischer Isotionalist in seiner Filterblase lebt, der hat sich natürlich bereits auf ein Modell festgelegt - da ist es Energieverschwendung ein Umdenken bewirken zu wollen.

Aber dem Rest von uns würde ein rationales statt emotionales (postfaktisches) Modell nützen -zumindest, wenn es deutlich näher an der "Wahrheit" wäre. Gedankenspiel: Partei X setzt sich dafür ein, dass als Maßnahme gegen islamistische Radikalisierung in deutschen Moscheen nur noch in deutscher Sprache gepredigt werden darf. Bei einer rationalen Herangehensweise gäbe es jetzt zwei Fragestellungen: 1) Wäre das gemessen an meinem Modell überhaupt eine geeignete Präventionsmaßnahme? Und 2) Ist mir der Sicherheitsgewinn den Verlust an Freiheit in diesem Fall überhaupt wert?

OK, dann kann ich deine Motivation besser verstehen.

Natuerlich ist es trotzdem notwendig Massnahmen zu ergreifen gegen die Verbreitung von radikal religioesem Gedankengut. Die Maenner und Frauen koennen sich nur an dem infizieren, was ihnen dargeboten wird. Wird es nicht angeboten, kann keine Infektion statt finden. Was denkst denn du, warum die Durchgeknallten aus den GolfStaaten ueberall in der Welt, von Europa, ueber USA, Kanada, Naher und Mittlerer Osten, Indonesien, Pakistan, etc pp ihre Imame, Moscheen und KoranSchulen installieren? Weil sie damit verdammt erfolgreich sind. Genau das ist der Grund, warum Wasteland so sehr dafuer ist, dass diesen Kroeten der Geldhahn abgedreht wird. Bin ich auch. Leider ist es unrealistisch, dass das geschieht - Verneigung vor dem Oel. Also muss in den jeweiligen Laender Massnahmen gegen diese abscheuliche Geisteskrankheit ergriffen werden. Keine Imame, [Hass]Prediger, Moscheen + Koranschulen von diesem Gesindel - aus die Maus.

Ebenso, dass eine moderne Lesart des Koran Einzug haelt [liberaler EuroIslam], worum sich Maenner wie Mouhanad Khorchide von der Uni Muenster, verdient machen. Er bildet dort liberale Imame aus. Weg mit der muffigen Vorherrschaft der Orthodoxie und ihren Abartigkeiten. Nicht grundlos wird er dafuer eben von diesen angebellt. Die MuslimVerbaende haben seine Absetzung verlangt, weil er ihrer Meinung nach nicht den richtigen Islam lehrt. Da weisste Beischeid. :| :D

Es gibt noch mehr Raedchen, an denen gedreht werden kann + muss - siehe den Strang zu Manchester.
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. // Moderatorin im Forum 2
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
Concordia - Integritas - Industria
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11681
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon schokoschendrezki » Sa 27. Mai 2017, 23:43

Laertes hat geschrieben:(26 May 2017, 09:10)

Meine eigenes Modell dazu:

Ich sehe immer folgende Faktoren in dem Prozess, der zur Radikalisierung führt:

P: die Person, die sich radikalisiert
G: die Gesellschaft, in der sie lebt
Z: die auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abziehende Gruppierung, die P in seiner Radikalisierung bestärkt und anleitet
U: die Utopie, die Z als bessere, weil widerspruchsfreie, Alternative zu G anbietet.

Damit die Rechnung aufgeht bedarf es weiterer Prämissen:

- G muss eine Gesellschaft voll ungelöster, verdrängter Widersprüche zwischen eigenem Anspruch und Alltagsrealität sein. Das gilt m. E. für jede Gesellschaft, egal ob westliche Demokratie oder autoritäre islamische Republik.

- P muss eine Persönlichkeit haben, die die immanenten Wiedersprüche der Gesellschaft schlecht verträgt, der sie als Bigotterie, Dekadenz oder schreiende Ungerechtigkeit empfindet

- Z muss für P ein Weltbild, die Utopie U (Kommunismus, nationale Unabhängigkeit, ethnisch reine Gesellschaft, Reich Gottes auf Erden, Kalifat,...) im Angebot haben, der die Widersprüche von G fremd sind (in der Theorie). Und Z muss P bestärken in seiner Radikalisierung mit der Botschaft, dass G tatsächlich verkommen ist, dass P zu den Auserwählten gehört, die das klar sehen und das Gewalt der legitime und notwendige Wege zur Zerstörung on G und Etablierung von U ist.

Als treibende Kräfte sehe ich somit G und Z in diesem perfiden Spiel. G weil es unfähig ist realistisch, offen und konstruktiv mit seinen inneren Widersprüchen umzugehen. Z weil er die unvermeidlichen Widersprüche von G wider besseres Wissen für seine revolutionären Pläne nutzten kann. Und wieder G wenn es Z (ein weiterer innerer Widerspruch) im Inneren ungestraft gewähren lässt.

Aber natürlich spielt auch eine Rolle wie sehr U latent den Kern zu gewalttätiger Durchsetzung und Alleinvertretungsanspruch in sich trägt. Eine Utopie bedingungsloser Nächstenliebe, lässt sich schwerer als Legitimation zu Terror heranziehen, als eine martialische, auf Weltherrschaft und Extinktion aller anderen Ideen gerichtete.


Das Problem in diesem Modell sehe ich in der "auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abzielende(n) Gruppierung". Diese wird einfach so als existierend und dann auch noch als die Gruppierung (im Singular) vorausgesetzt und nicht auf deren Motivation(en) und Verhältnis zu den anderen Faktoren eingegangen. Aber vielleicht besteht das Missverständnis auch nur in der Verwendung von "die Gruppierung" anstelle von "einer Gruppierung". Aber selbst dann kann es nicht unwesentlich sein, worin die Ideologie der jeweiligen auf Zerstörung bedachten Gruppierung besteht.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
Teeernte
Beiträge: 14103
Registriert: Do 11. Sep 2014, 17:55

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Teeernte » So 28. Mai 2017, 00:55

schokoschendrezki hat geschrieben:(28 May 2017, 00:43)

Das Problem in diesem Modell sehe ich in der "auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abzielende(n) Gruppierung". Diese wird einfach so als existierend und dann auch noch als die Gruppierung (im Singular) vorausgesetzt und nicht auf deren Motivation(en) und Verhältnis zu den anderen Faktoren eingegangen. Aber vielleicht besteht das Missverständnis auch nur in der Verwendung von "die Gruppierung" anstelle von "einer Gruppierung". Aber selbst dann kann es nicht unwesentlich sein, worin die Ideologie der jeweiligen auf Zerstörung bedachten Gruppierung besteht.


Veränderung = Revolutionäre Situation = https://de.wikipedia.org/wiki/Revolutionäre_Situation - fällt weg da Sieg nicht erreichbar.

Terror Terrorist - geht mit seiner Tat selbst unter - hat "persönlich" davon NICHTS - möglicherweise will er mit der Tat die Familie "FINANZIEREN" >> RENTE für Familien der Täter.... Will es "Jemand" zeigen... (sein "Heldentum" / bzw . einem Gegner)

Ausführende >> Entwurzelte Einzelne. , Die die Tat für einen Anderen (Prediger/Anstifter/Spekulant) ausführen... der wiederum auf "Zulauf" , Aufmerksamkeit, Werbeeffekt, Wohlwollen, Zuwendung, materiellen Wohlstand .... von anderen erhofft.

Im Moment sind es hier fast immer - allein stehende junge Männer muslimischem Glaubens ohne "Abschluss"/Berufsabschluss.. ..- gibt es ein förderndes Netzwerk >> Familie (Renteneinnahme/Ansehen..)

Mit eigener Familiengründung fällt meist der terror... (Verwurzelung)

Fällt der Prediger in "Ungnade"/Breite Ablehnung durch seine Predigt - wird er auf andere Taten schwenken...oder aus der Gesellschaft ganz verbannt werden.

Jedes Bauwerk , in dem Unglaube (= Terrorismus) Krieg ...heiliger Krieg gepredigt wird ist - für ein Jahr - dem Nutzungsrecht zu entziehen..
(Zumauern)
Der Inhaber ist für die Einhaltung haftend. >> Keine Terrorpredigt.. (Hausrecht)
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
Benutzeravatar
Vongole
Beiträge: 1920
Registriert: Di 24. Mär 2015, 18:30

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Vongole » So 28. Mai 2017, 01:32

Bleibtreu hat geschrieben:(28 May 2017, 00:34)

OK, dann kann ich deine Motivation besser verstehen.

Natuerlich ist es trotzdem notwendig Massnahmen zu ergreifen gegen die Verbreitung von radikal religioesem Gedankengut. Die Maenner und Frauen koennen sich nur an dem infizieren, was ihnen dargeboten wird. Wird es nicht angeboten, kann keine Infektion statt finden. Was denkst denn du, warum die Durchgeknallten aus den GolfStaaten ueberall in der Welt, von Europa, ueber USA, Kanada, Naher und Mittlerer Osten, Indonesien, Pakistan, etc pp ihre Imame, Moscheen und KoranSchulen installieren? Weil sie damit verdammt erfolgreich sind. Genau das ist der Grund, warum Wasteland so sehr dafuer ist, dass diesen Kroeten der Geldhahn abgedreht wird. Bin ich auch. Leider ist es unrealistisch, dass das geschieht - Verneigung vor dem Oel. Also muss in den jeweiligen Laender Massnahmen gegen diese abscheuliche Geisteskrankheit ergriffen werden. Keine Imame, [Hass]Prediger, Moscheen + Koranschulen von diesem Gesindel - aus die Maus.

Ebenso, dass eine moderne Lesart des Koran Einzug haelt [liberaler EuroIslam], worum sich Maenner wie Mouhanad Khorchide von der Uni Muenster, verdient machen. Er bildet dort liberale Imame aus. Weg mit der muffigen Vorherrschaft der Orthodoxie und ihren Abartigkeiten. Nicht grundlos wird er dafuer eben von diesen angebellt. Die MuslimVerbaende haben seine Absetzung verlangt, weil er ihrer Meinung nach nicht den richtigen Islam lehrt. Da weisste Beischeid. :| :D

Es gibt noch mehr Raedchen, an denen gedreht werden kann + muss - siehe den Strang zu Manchester.


Ich stimme dir in allem zu, habe aber einen Satz aus deinem Post unterstrichen, weil man ihn auch umdrehen könnte: Wem keine gesellschaftliche Annahme geboten wird, der lässt sich eher inflitrieren von eben jenen bösen Einflussnahmen.

Wir, sprich D, F, GB etc, haben viele Muslime aufgenommen, sei es durch Passgesetz wie in GB und F, sei es in D durch "Gastarbeiter" Asyl und damit verbundenene Familienzusamenführung, oder anderen Gründe.
Nur haben wir diese Menschen nicht ankommen lassen, wir haben sie von Anfang an ausgegrenzt, wir haben sie in Stadtteile gepfercht und gedacht, nun macht mal, Schulen sind ja da, also lernt schön. Zusätzlicher Sprachunterricht? Alphabetisierungskurse für Frauen in 14qm Deutschland?
Wir sind hingegangen und haben gedacht, schlagt sie nur nicht vor den Kopf, setzt euch nicht mit ihnen auseinander, dann bekommen Mädchen halt eine Genehmigung, nicht am Schwimmunterreicht teilzunehmen und Jungs einen Sonderraum in der Schule, um zu beten. und sei es mitten im Unterricht, schlicht aus der Annahme, letzlich kann es uns egal sein oder aus falsch verstandener Solidarität oder gut gemeinter Freundlichkeit.

Dann kam der IS, und anstatt jetzt- spät, aber nicht zu spät, alles zu tun, um zumindest junge Menschen aufzufangen, haben wir gar nichts getan, statt dessen hier was von deutscher Leitkultur gefaselt.
Muslimische Intelektuelle können sich hier kaum durchsetzen, die finden in den Medien statt, aber ihre Worte werden nicht gehört, oder man will sie nicht hören, jedenfalls nicht in den Köpfen, auf die es ankäme.
Benutzeravatar
Bleibtreu
Moderator
Beiträge: 7547
Registriert: Mi 27. Feb 2013, 11:58
Benutzertitel: freigeist
Wohnort: Tel Aviv // Paris

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Bleibtreu » Di 30. Mai 2017, 09:25

Vongole hat geschrieben:(28 May 2017, 02:32)

Ich stimme dir in allem zu, habe aber einen Satz aus deinem Post unterstrichen, weil man ihn auch umdrehen könnte: Wem keine gesellschaftliche Annahme geboten wird, der lässt sich eher inflitrieren von eben jenen bösen Einflussnahmen.

Wir, sprich D, F, GB etc, haben viele Muslime aufgenommen, sei es durch Passgesetz wie in GB und F, sei es in D durch "Gastarbeiter" Asyl und damit verbundenene Familienzusamenführung, oder anderen Gründe.
Nur haben wir diese Menschen nicht ankommen lassen, wir haben sie von Anfang an ausgegrenzt, wir haben sie in Stadtteile gepfercht und gedacht, nun macht mal, Schulen sind ja da, also lernt schön. Zusätzlicher Sprachunterricht? Alphabetisierungskurse für Frauen in 14qm Deutschland?
Wir sind hingegangen und haben gedacht, schlagt sie nur nicht vor den Kopf, setzt euch nicht mit ihnen auseinander, dann bekommen Mädchen halt eine Genehmigung, nicht am Schwimmunterreicht teilzunehmen und Jungs einen Sonderraum in der Schule, um zu beten. und sei es mitten im Unterricht, schlicht aus der Annahme, letzlich kann es uns egal sein oder aus falsch verstandener Solidarität oder gut gemeinter Freundlichkeit.

Interessantes Thema, aber wir kommen damit zu sehr vom Thread ab. ;)

Es gibt von Land zu Land Teils erhebliche Unterschied, wie zwischen Frankreich und Deutschland. Ein gewaltiger Anteil der franz. Migranten sind Franzosen aus den ehemaligen Kolonien.

Werfen wir daher am Besten einen schaerferen Blick auf Deutschland; sonst muessten wir jedes Land mit seinen spezifischen Besonderheiten abackern, was uns noch weiter vom HauptThema entfernt. Ich weiss, alles haengt irgendwie mit allem zusammen, trotzdem koennen wir hier nicht naeher auf jeden Unterpunkt eingehen. Unterschlagen wir auch nicht, dass ein Teil derer, die sich radikalisieren Konvertiten, also Einheimische sind. BioDeutsche oder was weiss ich, wie man die nennen soll. Ist ja pfui diese Gruppe genauer benennen zu duerfen. Welches Wort man verwendet, irgendwer kreischt gleich hysterisch auf. :D

Genau genommen hatten die Arbeiter die ins Land kamen sowenig die Absicht zu bleiben, wie die die sie holten. Es galt also fuer beide Seiten, hier nicht in eine gemeinsame Zukunft zu planen, weil beide Seiten keine gemeinsame Zukunft sahen. Sie wurden auch nicht in bestimmte Viertel gepfercht, sie haben sich dort zusammen gefunden, weil Menschen in der Fremde oft Vertrautes und nicht das Fremde suchen. Hier wird klar die Muttersprache + die eigene Kultur favorisiert und weiter gepflegt. Viele der ersten Generation sind auch zurueck gegangen, um ihre erarbeitete Rente/Angespartes in ihrem HeimatLand zu geniessen. Egal, ob es Italiener, Spanier, Griechen, Jugoslaven oder Tuerken waren. Ein Teil der Kinder der ersten Generation blieb in D, ein Teil kehrte wieder nach D zurueck. Es kamen neue dazu, gingen wieder oder blieben. Welche ueberwiegend blieben waren Palaestinenser, Libanese, allgemein Araber, Afghanen, Afrikaner, Pakistani und die aus Indien. Also die Gruppen, die in ihrem Ursprungsland keine finanzielle Persektive sahen, die auch nur annaehrend der in D gleich kommt.

Ich weiss von den Kindern von Spaniern, Jugoslaven und Italienern der ersten Generation, dass sie in ihrer Schule Nachmittags Unterricht in ihrer HeimatSprache hatten. Ob das auch fuer Tuerken galt, weiss ich nicht. Dass Gastarbeiter gaenzlich im Stich gelassen wurde, kann man also nicht sagen.

- Fakt ist, dass sich nicht um eine Integration von Staats wegen bemueht wurde. [Heute sprechen sich immer noch viele Deutsche dagegen aus, trotz der mehr als offensichtlichen Probleme, weil sie ParallelGesellschaften und "wildes" MultiKulti, wie ich es nennen, totaaal toll + problemlos finden]. :|
- Fakt ist, dass das von vielen der Gekommenen auch nicht gewollt war und immer noch abgelehnt wird.
- Fakt ist, dass sich auch sehr viele die blieben sehr gut selbststaendig in die MehrheitsGesellschaft integriert haben. Darunter kenne ich auch einige aus dem Nahen + Mittleren Osten. Weil sie das Land lieb gewonnen haben und das Leben, das in Deutschland geboten wird, sehr schaetzen.

Deutschland muss sich endlich dazu bekennen, dass es ein EinwaderungsLand ist und entsprechend Vorkehrungen fuer die Einwanderer treffen, die aus NichtEULaendern kommen, und auch Forderungen an sie stellen. Inklusive IntegrationsPaket. Mit Asylanten und Fluechtlingen verhaelt es sich etwas anders, da diese nicht als Einwanderer gelten. Sie sollten allerdings ebenfalls unbedingt in IntegrationsMassnahmen kommen, da davon auszugehen ist, dass ein grosser Teil von ihnen ebenfalls bleiben wird.

Dann kam der IS, und anstatt jetzt- spät, aber nicht zu spät, alles zu tun, um zumindest junge Menschen aufzufangen, haben wir gar nichts getan, statt dessen hier was von deutscher Leitkultur gefaselt. Muslimische Intelektuelle können sich hier kaum durchsetzen, die finden in den Medien statt, aber ihre Worte werden nicht gehört, oder man will sie nicht hören, jedenfalls nicht in den Köpfen, auf die es ankäme.

Wie schon angesprochen, die Maenner und Frauen, die sich radikalisieren und Teils zu DAESH gehen, sind mitnichten nur Migranten oder Abgehaengte, darunter befinden sich auch viele Konvertiten/BioDeutsche und Gebildete. Und mitnichten nur Teenager. Das gern postulierte Klischee vom doofen, jungen, ungebildeten und armen Migranten will sich hier nicht stringent abbilden lassen. Siehe das ZDF Interview mit Marwan Abou Taam + meine Ausfuehrungen an Laertes.

Ich finde das Thema Leitkultur [ohne deutsch!] sehr wichtig. Denn genau hier beginnt eines der GrundProbleme: Die fehlende Identifikation der Zugekommenen mit dem neuen Land resp mit den freien, aufgeklaerten Werten. Der Begriff europaeische LeitKultur wurde uebrigens vom syrisch-deutschen Politikwissenschaftler Bassam Tibi in die politikwissenschaftliche Diskussion eingebracht und spaeter von einigen deutschen Politikern aufgegriffen. In die Begruendung, mit der Tibi die Notwendigkeit einer europaeischen Leitkultur ausfuehrt, reihe ich mich ein.

Im Rahmen seines umfänglichen publizistischen Schaffens hat Tibi mehrere Begriffe geprägt oder mitgeprägt, darunter Leitkultur, Parallelgesellschaft, Euro-Islam und „Scharia-Islam“. In seiner Theorie vom Traum von der halben Moderne, einer kritischen Auseinandersetzung mit den Entwicklungstendenzen der islamischen Zivilisation, unterscheidet er zwei Aspekte: Zum einen die institutionelle Moderne, welche Wissenschaft und Technik sowie die traditionellen Lebensbereiche besetze, und zum anderen die kulturelle Moderne, die für freiheitliche Grundwerte, Menschenrechte, Demokratisierung und Chancengleichheit stehe. Die halbe Moderne sei demnach eine partielle Modernisierung durch Übernahme der Instrumente insbesondere auf den Gebieten Wissenschaft und Technologie bei gleichzeitiger Ablehnung der kulturellen Moderne, d. h. der Werte und Weltsicht der modernen Welt.

In seinem Buch Die fundamentalistische Herausforderung – Der Islam und die Weltpolitik aus dem Jahr 1992 sieht er den islamischen Fundamentalismus nicht als religiöse Richtung, sondern als Ideologie, die aus der Konfrontation des Islam und der nach seiner Ansicht rückständigen islamischen Welt mit der Moderne entstanden sei. Mit Religion hat der islamische Fundamentalismus, Islamismus und Salafismus nach Bassam Tibis Ansicht wenig zu tun. Der Islamismus als primär sunnitisch-arabische Bewegung ist seiner Ansicht nach als Antwort auf die in der muslimischen Welt nicht bewältigte Globalisierung entstanden. Dem Fundamentalismus gehe es dabei um die Zerstörung von Nationalstaaten und die Errichtung einer islamischen Weltordnung inklusive Scharia.

Angesichts ausgreifender islamistischer Strömungen forderte Tibi 1998 in seinem Buch „Europa ohne Identität“ eine „europäische Leitkultur“ und führte diesen Begriff im Rahmen der Diskussion über die Integration von Migranten in Deutschland gegen einen wertebeliebigen Multikulturalismus ins Feld, auch um der fortschreitenden Ausbildung von Parallelgesellschaften entgegenzuwirken. In diesen Zusammenhang gehört auch seine Forderung, die in die europäischen Staaten eingewanderten Muslime müssten die jeweiligen Rechts- und Verfassungsordnungen ihrer Aufnahmeländer respektieren. Tibi entwirft hierfür die Vision eines Euro-Islam. Vom Konzept einer „deutschen Leitkultur“ distanzierte er sich jedoch („Ich habe immer betont, dass es gefährlich ist, von einer deutschen Leitkultur zu sprechen.")


Man beachte, er schrieb dies bereits 1992 und ergaenzte es 1998 mit den Gedanken zu einer europaeischen LeitKultur und der Notwendigkeit eines EuroIslam.

Meines Erachtens sind es gerade die Gebildeten + Kaempfer aus den muslimischen Reihen, die Europa als glaubwuerdige Vorreiter braucht, als ernstzunehmendes Bindeglied zwischen der MehrheitsGesellschaft und den Hinzugekommenen. Maenner, wie Kizilham, Bassam Tibi, Ahmad Mansour, Mouhanad Khorchide, Ourghi, Abdel-Samad. Frauen wie Seyran Ateş, oder Nahed Selim ect pp. Diese benoetigen die Unterstuetzung der Gesellschaft, voran die der Politiker und ebenso die von "Normal"Muslimen. Wer glaubt, die Probleme mit Rumgeeier oder Diffamierungen [du RechtsKnaller, Fascho, Nazi, Rassist...] weiter aussitzen zu koennen, der irrt sich im wahrsten Sinne des Wortes toedlich. :|
•Wer fuer alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. // Moderatorin im Forum 2
https://www.shabak.gov.il/english/Pages/index.html#=2
Concordia - Integritas - Industria
Benutzeravatar
watisdatdenn?
Beiträge: 1965
Registriert: Do 19. Jun 2008, 14:08

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon watisdatdenn? » So 4. Jun 2017, 10:45

Laertes hat geschrieben:(26 May 2017, 09:10)
Meine eigenes Modell dazu:

Ich sehe immer folgende Faktoren in dem Prozess, der zur Radikalisierung führt:

P: die Person, die sich radikalisiert
G: die Gesellschaft, in der sie lebt
Z: die auf Zerstörung der Gesellschaftsordnung abziehende Gruppierung, die P in seiner Radikalisierung bestärkt und anleitet
U: die Utopie, die Z als bessere, weil widerspruchsfreie, Alternative zu G anbietet.

Interessante Analyse und danke an Bleibtreu für den Hinweis auf den Thread.

Die Antwort als Lösung liegt dann für mich auf der Hand:
Man muss "Z" entfernen.


In Polen ist "Z" in Form z.b. von salafisten fast nicht vorhanden.. Kein islamistischer terror -> es funktioniert.

Wie kann man "Z" effektiv aus einer Gesellschaft entfernen?

1) im Fall von Ausländern -> Abschiebung
2) im Fall von deutschen -> ausreisen (z.b. Nach Saudi Arabien) nahelegen. Wenn nicht gewünscht entsprechenden Druck aufbauen (finanziell, freiheitsentzug, öffentlicher pranger), bis diese Leute freiwillig gehen.

Nach entfernen von "Z" wird es immer noch Radikalisierung geben, diese aber weniger koordiniert und effektiv sein sondern eher in Form von Amokläufen stattfinden.
Benutzeravatar
Perdedor
Beiträge: 3275
Registriert: Do 5. Jun 2008, 22:08

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Perdedor » Mo 5. Jun 2017, 02:23

Laertes hat geschrieben:Hier im Forum gibt zwei dominierende Trivialmodelle: Jemand radikalisiert sich zum Terroristen weil er a) Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung durch die Mehrheitsgesellschaft ist oder weil er b) Muslim ist. Wie heißt es so schön: Alle Modelle sind falsch, aber manche sind nützlich. Die vorgenannten Modelle a) und b) halte ich für unnütz und sogar schädlich.


Das Modell a) ist doch ein Beispiel für deinen Faktor G von oben.
Der ungelöste Widerspruch liegt hier z.B. zwischen dem Anspruch auf Chancengleichheit in der Gesellschaft und der realen vorab-Aussortierung bei beruflichen Bewerbungen aufgrund eines arabisch klingenden Namens oder eines sächsischen Hauptschulabschlusses.
Das wird von den Betroffenen als Diskriminierung interpretiert.
In Bezug auf "Islamisten" sagt dazu Europol:
"In general terms, jihadists committing terrorist acts in the EU can be described as a particular
group of mainly young men who have a criminal past, are or feel discriminated, humiliated and
marginalised in society
, with some also having mental health issues, who are not strictly
practising their Islam religion, but have radicalised in a very short period [...]
"
https://www.europol.europa.eu/newsroom/ ... -in-europe


watisdatdenn? hat geschrieben:In Polen ist "Z" in Form z.b. von salafisten fast nicht vorhanden.. Kein islamistischer terror -> es funktioniert.


Das liegt allerdings vor allem daran, dass Polen nicht prominent am Krieg in Syrien teilnimmt. Die Propaganda des IS motiviert in erster Linie Angriffe auf Frankreich, die USA und England. Die brüsseler Terroristen hatten ursprünglich ebenfalls vor in Frankreich zuzuschlagen. Natürlich hätten sie auch nach Polen fahren können, allerdings hätte das nicht gut in die IS Strategie gepasst.
Arbeit. Leben. Zukunft.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11681
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Jun 2017, 07:53

[quote="Perdedor"](05 Jun 2017, 03:23)

Das Modell a) ist doch ein Beispiel für deinen Faktor G von oben.
Der ungelöste Widerspruch liegt hier z.B. zwischen dem Anspruch auf Chancengleichheit in der Gesellschaft und der realen vorab-Aussortierung bei beruflichen Bewerbungen aufgrund eines arabisch klingenden Namens oder eines sächsischen Hauptschulabschlusses.
Das wird von den Betroffenen als Diskriminierung interpretiert.
In Bezug auf "Islamisten" sagt dazu Europol:
"In general terms, jihadists committing terrorist acts in the EU can be described as a particular
group of mainly young men who have a criminal past, are or feel discriminated, humiliated and
marginalised in society
, with some also having mental health issues, who are not strictly
practising their Islam religion, but have radicalised in a very short period [...]
"

Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt man in einer aktuellen Sendung aus der Reihe SWR2Wissen mit dem Titel "Frankreich und der Dschihadismus": http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/frankreich-und-der-dschihadismus/-/id=660374/did=19240522/nid=660374/yv1q4f/index.html. Da geht es ausführlich und genau um das Thema dieses Threads bezogen auf die französische Gersellschaft.

Was mir bislang noch gar nicht klar war: Dass die islamistischen Brandstifter gezielt, bewusst und direkt die politischen Ausgrenzer auf Seiten des FN in ihre Strategie einbeziehen. Sie können damit rechnen, dass die ausgegrenzten Jugendlichen in ihrem Hass damit noch angestachelt werden. Und es kommt zu einer gegenseitigen Aufschaukelung und Radikalisierung.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11681
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 5. Jun 2017, 07:56

watisdatdenn? hat geschrieben:(04 Jun 2017, 11:45)

In Polen ist "Z" in Form z.b. von salafisten fast nicht vorhanden.. Kein islamistischer terror -> es funktioniert.



Die Situation in Polen nenn' ich den Teufel mit dem Beelzebub ersetzen. An der Stelle von Islamisten üben radikale Kathoiliken und Nationalisten ihren Einfluss aus.Man muss einmal eine Demonstration solcher radikalen Nationalisten dort erlebt haben. Es herrscht dabei eine schier unglaubliche Aggresivität. Natürlich hält der liberale Teil Polens gerade auch aktuelle mit großen Demonstrationen dagegen. Aber was dein Beitrag suggeriert: Eine ausgeglichene und friedliche Gesellschaft ... nein, davon ist Polen weit entfernt.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schelm
Beiträge: 19764
Registriert: Fr 21. Aug 2009, 23:29
Benutzertitel: Je suis Köterrasse
Wohnort: Thüringen

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon schelm » Mo 5. Jun 2017, 09:01

Perdedor hat geschrieben:(05 Jun 2017, 03:23)

Das liegt allerdings vor allem daran, dass Polen nicht prominent am Krieg in Syrien teilnimmt. Die Propaganda des IS motiviert in erster Linie Angriffe auf Frankreich, die USA und England. Die brüsseler Terroristen hatten ursprünglich ebenfalls vor in Frankreich zuzuschlagen. Natürlich hätten sie auch nach Polen fahren können, allerdings hätte das nicht gut in die IS Strategie gepasst.

Deine Logik kann ich hier nicht nachvollziehen. Der Krieg in Syrien und die Besetzung von Teilen des Irak wird / wurde auch durch zahlreiche westeuropäische Dschihadisten am Köcheln gehalten. Er ist also nicht primär eine Reaktion auf das Engagement bestimmter westlicher Staaten zur vorgeblichen Verteidigung von Muslimen gegen den Westen, die dabei ggf. durch Terror auch die betreffenden, involvierten Länder attackieren, sondern die Anarchie in Folge des Arabischen Frühling soll benutzt werden zur Errichtung des Traumes der Dschihadisten, einem Kalifat. Man kann logisch konsistent kaum Rächer von Muslimen im Westen sein und andererseits deren größter Schlächter vor Ort.

Nach meiner Auffassung ist das ein Mehrfrontenkrieg, Ziel ist die Errichtung eines Kalifats mit größtmöglicher Ausdehnung; im Idealfall weltweit, deshalb die Attacken auch da, wo es bereits eine radikale Basis gibt, man sich logistisch austauschen kann und nicht da, wo diese Möglichkeiten eben fehlen.

Nehmen wir als Beispiel Anschlag in Stockholm. Was unterscheidet Schweden bezüglich der Nichtteilnahme am Syrienkrieg von Polen oder Tschechien ? Nichts !
Denk ich an D in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, Heinrich Heine.
Benutzeravatar
Perdedor
Beiträge: 3275
Registriert: Do 5. Jun 2008, 22:08

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon Perdedor » Mo 5. Jun 2017, 12:38

schelm hat geschrieben:Der Krieg in Syrien und die Besetzung von Teilen des Irak wird / wurde auch durch zahlreiche westeuropäische Dschihadisten am Köcheln gehalten. Er ist also nicht primär eine Reaktion auf das Engagement bestimmter westlicher Staaten zur vorgeblichen Verteidigung von Muslimen gegen den Westen, die dabei ggf. durch Terror auch die betreffenden, involvierten Länder attackieren, sondern die Anarchie in Folge des Arabischen Frühling soll benutzt werden zur Errichtung des Traumes der Dschihadisten, einem Kalifat.


Es geht um die Motivation der "homegrown" Terroristen, nicht die der Hintermänner im "Kalifat".
Erstere verstehen sich in erster Linie als Verteidiger/Rächer der Moslems, die durch die westliche Koalition unterdrückt/getötet werden.

Siehe auch die vielbeachtete Propagandanachricht des "Sprechers des IS" Abu Mohammad al-Adnani:
"O Americans, and O Europeans, the Islamic State did not initiate a war against you, as your governments and media try to make you believe. It is you who started the transgression against us, and thus you deserve blame and you will pay a great price. [...]

If you can kill a disbelieving American or European – especially the spiteful and filthy French – or an Australian, or a Canadian, or any other disbeliever from the disbelievers waging war, including the citizens of the countries that entered into a coalition against the Islamic State, then rely upon Allah, and kill him in any manner or way however it may be. Do not ask for anyone’s advice and do not seek anyone’s verdict. Kill the disbeliever whether he is civilian or military, for they have the same ruling. Both of them are disbelievers. Both of them are considered to be waging war [the civilian by belonging to a state waging war against the Muslims].
"
https://www.jihadwatch.org/2014/09/isla ... n-of-allah

Er legt also Wert darauf festzustellen, dass der IS zuerst angegriffen wurde und sich nun verteidigen muss. Dschihadisten werden aufgerufen jeden anzugreifen, der einem Land angehört, welches Krieg führt (insbesondere Frankreich wird hervorgehoben).
Dieses Narrativ der Verteidigung der Unterdrückten spielt die entscheidene Rolle bei der Rekrutierung von Terroristen im Westen.

Natürlich ist das Freund-Feind Schema der Is Propaganda nicht überkomplex. Auch wenn Frankreich, die USA und England oft gesondert erwähnt werden, wird der gesamte "Westen" als Agressor wahrgenommen. Irgendwelche ex-Ostblock Staaten, die in Syrien nicht in Erscheinung treten kommen in den Drohungen praktisch nicht vor.
Russland ist hier ein Sonderfall wegen Tschetschenien.
Arbeit. Leben. Zukunft.
Benutzeravatar
schelm
Beiträge: 19764
Registriert: Fr 21. Aug 2009, 23:29
Benutzertitel: Je suis Köterrasse
Wohnort: Thüringen

Re: Radikalisierung zum Terroristen im eigenen, westlichen Land

Beitragvon schelm » Mo 5. Jun 2017, 13:10

Perdedor hat geschrieben:(05 Jun 2017, 13:38)

Es geht um die Motivation der "homegrown" Terroristen, nicht die der Hintermänner im "Kalifat".
Erstere verstehen sich in erster Linie als Verteidiger/Rächer der Moslems, die durch die westliche Koalition unterdrückt/getötet werden.


Siehe auch die vielbeachtete Propagandanachricht des "Sprechers des IS" Abu Mohammad al-Adnani:
"O Americans, and O Europeans, the Islamic State did not initiate a war against you, as your governments and media try to make you believe. It is you who started the transgression against us, and thus you deserve blame and you will pay a great price. [...]

If you can kill a disbelieving American or European – especially the spiteful and filthy French – or an Australian, or a Canadian, or any other disbeliever from the disbelievers waging war, including the citizens of the countries that entered into a coalition against the Islamic State, then rely upon Allah, and kill him in any manner or way however it may be. Do not ask for anyone’s advice and do not seek anyone’s verdict. Kill the disbeliever whether he is civilian or military, for they have the same ruling. Both of them are disbelievers. Both of them are considered to be waging war [the civilian by belonging to a state waging war against the Muslims].
"
https://www.jihadwatch.org/2014/09/isla ... n-of-allah

Nun, aber genau das bezweckt doch die Propaganda des IS. Sie verschleiert ihr eigentliches Ziel der Errichtung eines weltweiten Kalifats nach ihren Vorgaben, welche jedwede liberale Auslegung des Islam ausschließt und tatsächlich ein brutales Unterdrückerregime bedeutet, welches ( vermutlich ) selbst die Taliban in den Schatten stellt. Dazu stellt sich der IS als Rächer und Verteidiger der Muslime als Gesamtheit dar, um so Kämpfer zu rekrutieren. Das kann er aber nur dort, wo bereits ein latentes, gewaltaffines Umfeld herrscht, wo nicht integrierte Personen mit muslimischen Migrationshintergrund keinen inneren Zugang zur westlichen Lebensweise finden, der Westen somit für ihre Misere oder ideologisch als Hort der Dekadenz ausgemacht wird.

Damit rekrutiert man die Kämpfer; wahlweise als " homegrown " Terroristen oder eben an der vordersten Front beim Kampf um das Kalifat. Aus Polen, Tschechien etc. kann man weder für das eine noch andere das Personal rekrutieren.
Denk ich an D in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht, Heinrich Heine.

Zurück zu „21. Innere Sicherheit“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste