Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

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Joker
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Joker » Mo 17. Apr 2017, 17:43

DarkLightbringer hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:40)

Nun, eines Tages wird die Türkei wieder frei sein. Wer denkt noch an die Militärjunta in Griechenland? Oder in Portugal?

Erdogan setzt bei seiner Politik stark auf die Religion
Das gab es bei deinen Beispielen nicht
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 17. Apr 2017, 17:48

Joker hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:43)

Erdogan setzt bei seiner Politik stark auf die Religion
Das gab es bei deinen Beispielen nicht

Das war in Spanien oder Portugal nicht viel anders, sog. Klerikalfaschismus.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Joker » Mo 17. Apr 2017, 17:49

DarkLightbringer hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:48)

Das war in Spanien oder Portugal nicht viel anders, sog. Klerikalfaschismus.

Blödsinn
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Hyde
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Hyde » Mo 17. Apr 2017, 17:52

Mehmet hat geschrieben:(17 Apr 2017, 17:23)
Ich kann daran nichts ändern, das musst Du/Ihr euren Politikern klar machen.


Da ich davon ausgehe, dass du in Deutschland lebst, sind es auch deine Politiker. Die deutschen Politiker entscheiden über deine persönliche Zukunft, über die Schulen deiner Kinder, über deine Steuern und Abgaben, über deine Zukunftschancen, über deine Rente - nicht Erdogan.

Daher habe ich noch nie ganz verstanden, warum viele Migranten die deutsche Politik als etwas Fremdes begreifen, obwohl es ja gerade die DEUTSCHE Politik ist, die Einfluss auf ihr ganz persönliches Leben hat. Was in der türkischen Politik geschieht, hat keine Auswirkungen auf einen Deutschtürken aus Düsseldorf. Was aber Hannelore Kraft und Angela Merkel entscheiden, hat sehr große Auswirkungen auf einen Deutschtürken aus Düsseldorf.

Daher ist es ziemlich unlogisch bzw man schneidet sich ins eigene Fleisch, wenn man sich als Migrant mehr mit der Politik seines Herkunftslandes als mit der Politik seines Wohnlandes beschäftigt, wo der eigene Lebensmittelpunkt ist. Würde ich in die USA auswandern, dann würde mich ja auch zukünftig vor allem die amerikanische Politik interessieren, nicht mehr die deutsche, da die deutsche Politik ja keine Auswirkungen mehr auf mich und meine Lebenssituation hat. Dann wären die amerikanischen Politiker für mich als amerikanischer Migrant MEINE Politiker, und nicht die von "euch Ur-Amerikanern", die mich als Migrant nichts angingen...

Das ist eben die Krux. Als Migrant kann man nicht verlangen, dass man von der einheimische Bevölkerung als "einer von uns" angesehen wird, wenn man sich SELBST nicht mal als Teil dieses Landes begreift.
Zuletzt geändert von Hyde am Mo 17. Apr 2017, 17:57, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 17. Apr 2017, 17:54

Joker hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:49)

Blödsinn

Ist so.

Der Begriff Klerikalfaschismus (seltener auch Klerikofaschismus) bezog sich seit seiner Entstehung um 1930 besonders auf eine Annäherung kirchlicher Amtsträger und konservativer, meist katholischer Parteien an faschistische Parteien oder Regierungen in manchen Staaten Europas und Lateinamerikas.
https://de.wikipedia.org/wiki/Klerikalfaschismus
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Hyde » Mo 17. Apr 2017, 18:03

DarkLightbringer hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:40)
Nun, eines Tages wird die Türkei wieder frei sein. Wer denkt noch an die Militärjunta in Griechenland? Oder in Portugal?


Das ist der Trost in solchen Momenten, nichts hält für ewig, kein Diktator ist unsterblich. Auch in Spanien gab es eine Zeit nach Franco.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 17. Apr 2017, 18:09

Hyde hat geschrieben:(17 Apr 2017, 19:03)

Das ist der Trost in solchen Momenten, nichts hält für ewig, kein Diktator ist unsterblich. Auch in Spanien gab es eine Zeit nach Franco.

In den Städten Istanbul, Ankara und Izmir überwog das Nein-Lager, der knappe Vorsprung wurde vor allem in Zentralanatolien geholt, vielleicht auch in Deutschland und sonstigen Ländern.

"Der Kampf um die Demokratie in der Türkei ist mit dem 16. April nicht vorbei", sagt der sozialdemokratische Abgeordnete Sezgin Tanrikulu.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/t ... 43600.html

Das erinnert ein wenig an den Untergang der Weimarer Republik. Damals widersetzte sich bekanntlich die SPD dem Ermächtigungsgesetz.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Frank_Stein » Mo 17. Apr 2017, 18:12

Moses hat geschrieben:(17 Apr 2017, 18:38)

Ich vermute, dass in es in Zukunft egal ist, ob der Kritiker neutral ist oder nicht - wenn der Sultan erst die Todesstrafe wieder eingeführt hat, dann war die Kritik wohl das letzte was derjenige geäußert hat.



ja natürlich - wenn mir jemand mit dem Strick winkt - und das betrifft vor allem die Journalisten, die gern - wenn sie mal Kritik äußern - als Terrorunterstützer bezeichnet werden - dann hat das natürlich Auswirkungen auf das, was bereichtet wird - und dafür, dass wirklich kein kritisches Wort in den Zeitungen erscheint, wird schon die redaktionelle Kontrolle der Zeitung sorgen, die sich natürlich um den Fortbestand ihres Blattes Sorgen machen und darum, dass sie ihren Job gern behalten wollen.

eine umfassende und vor allem neutrale Berichterstattung wird dadurch nicht begünstigt

ich danke Gott, dass wir hier noch in einer relativ stabilen Demokratie leben und ich bete, dass uns das auch in Zukunft erhalten bleibt
Wer die Rente für die Zukunft sicherer machen will, investiert heute mehr in Kindergärten und Schulen.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Kardux » Mo 17. Apr 2017, 18:28

Mehmet hat geschrieben:(17 Apr 2017, 17:09)

Also ich bin ganz sicher nicht für irgendwelche Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei. Die braucht wohl kein Mensch!

Ich weiß auch gar nicht ob das mit der Todesstrafe eher ein Druckmittel ist, als das Erdogan das wirklich vor hat. Auf der anderen Seite wird sich bei der Todesstrafe ebenfalls kaum was zwischen den Ländern ändern. Bis auf die Aussage der EU, dass dann die Aussicht eines EU-Beitritts endgültig vom Tisch wäre. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, zu einem EU-Beitritt würde es sowieso nie kommen. Also seitens der Türkei und den Auflagen nicht. Die EU müsste da eher so einiges lockern für.


Ihr Erdoganfanboys seit besser als die besten Synchronschwimmer. Seitdem die AKP heute versucht hat die Wogen zu glätten und sich wieder ganz sanft der EU nähert, verändert sich auch die große Eier-Rhetorik von türkischen Internetrambos. Lustige Entwicklung, wie ich finde. Wenn Sie nicht für Spannung zwischen beiden Ländern sind, weshalb bezeichneten Sie noch vorher die Türkei als großes Land, das viel wichtiger und mächtiger als Deutschland wäre?
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon jellobiafra » Mo 17. Apr 2017, 18:34

Eine türkische Parralellgesellschaft gab es ja bereits in Deutschland, das ist nichts neues. Mit dem Referendum wird deren Bedeutung geringer und nicht größer. Erdogankritische Türken in der zweiten und dritten Einwandergeneration werden erkennen, dass es eine Alternative zu einer autoritären Türkei für sie gibt und das ist das demokratische Deutschland. Sie werden feststellen, dass sie mehr Gemeinsamkeiten mit ihren deutschen, italienischen und polnischen Nachbarn, Kollegen, Mitschülern und Kommilitonen haben als mit türkischen Erdoganfans. Was mich am meisten überrascht hat am Referendum, war die niedrige Wahlbeteiligung in Deutschland. Wenn man an die Intensität des Wahlkampfes denkt, ist 50 % schon ziemlich erbärmlich. Außerdem hat Erdogan sein Ziel erreicht, er wird in Zukunft die Türken in Deutschland nicht mehr brauchen. Sie haben ihre Schuldigkeit getan als Stimmvieh.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Frank_Stein » Mo 17. Apr 2017, 19:49

jellobiafra hat geschrieben:(17 Apr 2017, 19:34)
Außerdem hat Erdogan sein Ziel erreicht, er wird in Zukunft die Türken in Deutschland nicht mehr brauchen. Sie haben ihre Schuldigkeit getan als Stimmvieh.



er wird sich mit so wenig nicht zufrieden geben - das Ziel ist das Großosmanische Reich - dazu braucht er die Türken in Europa
daher möchte er ja auch nicht, dass sich "seine Türken" hier in Deutschland assimilieren - er sieht sich als ihre Vertreter
und erhofft sich, das der Einfluss der Deutsch-Türken auf die Politik zu seinen Gunsten ist.
Wenn beispielsweise die SPD um die Stimmen der Türken mit deutschem Pass wirbt dann läuft das über Zugeständnisse
bei Bildung, politische Zugeständnisse wie Beitrittsverhandlungen, Visafreiheit usw.

Die doppelte Staatsbürgerschaft macht es möglich und sollte daher dringend abgeschafft werden.
Wer die Rente für die Zukunft sicherer machen will, investiert heute mehr in Kindergärten und Schulen.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon garfield336 » Mo 17. Apr 2017, 19:55

67% Das soll das Wahlergebnis in Luxemburg sein.

bei 9000 abgegebenen Stimmen.


pikant: Es leben nur 500Türken in Luxemburg.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Kardux » Mo 17. Apr 2017, 20:01

garfield336 hat geschrieben:(17 Apr 2017, 20:55)

67% Das soll das Wahlergebnis in Luxemburg sein.

bei 9000 abgegebenen Stimmen.


pikant: Es leben nur 500Türken in Luxemburg.


Die Wahl wurde auch in der Türkei getürkt.

Ein schlechtes Zeugnis stellen Wahlbeobachter der türkischen Führung aus. Das Referendum über das Präsidialsystem habe internationalen Standards nicht entsprochen. Die Reaktion aus Ankara: Die Kritik sei "inakzeptabel".

http://www.dw.com/de/erdogan-l%C3%A4%C3%9Ft-wahlbeobachter-kritik-nicht-gelten/a-37807362

Hat man denn wirklich was Anderes erwartet?

Jetzt belohnt Erdogan auch seine fleißigen Wähler - das Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe soll kommen.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon garfield336 » Mo 17. Apr 2017, 20:22

Kardux hat geschrieben:(17 Apr 2017, 21:01)

Die Wahl wurde auch in der Türkei getürkt.


http://www.dw.com/de/erdogan-l%C3%A4%C3%9Ft-wahlbeobachter-kritik-nicht-gelten/a-37807362

Hat man denn wirklich was Anderes erwartet?

Jetzt belohnt Erdogan auch seine fleißigen Wähler - das Referendum zur Wiedereinführung der Todesstrafe soll kommen.


Ich kann mir vorstellen dass es in Auslandsvertretungen Personen mehrfach abgestimmt haben.

Das ist das was man hier vermutet.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 17. Apr 2017, 20:32

Mehmet hat geschrieben:(17 Apr 2017, 16:49)

Weder weiß man was derjenige gewählt hat, oder ob überhaupt gewählt wurde - noch ob der derjenige nicht seinen Wohnsitz in der Türkei oder in Deutschland hat.

doch. daß er (i.e. der »gewählte« erdogan) namentlich richterliche befehle mißachtet. daß er sich nicht schert um demokratische mores.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 17. Apr 2017, 20:48

Mehmet hat geschrieben:(17 Apr 2017, 17:09)

Also ich bin ganz sicher nicht für irgendwelche Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei. Die braucht wohl kein Mensch!

Ich weiß auch gar nicht ob das mit der Todesstrafe eher ein Druckmittel ist, als das Erdogan das wirklich vor hat. Auf der anderen Seite wird sich bei der Todesstrafe ebenfalls kaum was zwischen den Ländern ändern. Bis auf die Aussage der EU, dass dann die Aussicht eines EU-Beitritts endgültig vom Tisch wäre. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind, zu einem EU-Beitritt würde es sowieso nie kommen. Also seitens der Türkei und den Auflagen nicht. Die EU müsste da eher so einiges lockern für.

@mehmet, an deiner stelle würde ich auch die türkei verteidigen. ich tue es auch bei NL. nur sollst du unterscheiden können/müssen zwischen land und individuum.
trump ist faul, aber darum sind die USA es noch nicht. so kann man über erdogan auch den stab brechen: man kann ihn keinen demokrat nennen. das hat er genügsam bewiesen (negieren richterbefehle); daß auf alle weisen beschränken von oppositionsmeldungen beim referendum. vllt/vermutlich ist er auch noch korrupt (telefongespräch mit sohn).

es könnte sein, daß erdogan ist wofür atatürk gewarnt hat, der islambefürworter. derjenige der versucht die zeit künstlich zurückzudrehen. das ist eine sache der türkei.
was aber keine sache der türkei ist, ist daß auf dem hoheitsgebiet von anderen ländern die türkei meint das recht zu haben was und wie einwöhner der anderen länder sich benehmen sollen. auch wenn es menschen betrifft die (evt. auch) die türkische nationalität haben.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 17. Apr 2017, 20:54

Mehmet hat geschrieben:(17 Apr 2017, 17:51)

Aber warten wir erstmal ab wie sich das alles nun in der Türkei entwickelt. Ich aber glaube, dass es kaum Änderungen geben wird.

ich erinnere mich noch ganz gut, daß ein premier verhaftet wurde und gehängt. je von menderes gehört? ich hoffe daß derartige spannungen die türkei erspart bleiben.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon jellobiafra » Mo 17. Apr 2017, 21:09

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/deutschtuerken-tuerkei-referendum-volksabstimmung-recep-tayyip-erdogan

Ein interessanter Artikel aus der Zeit, der ein wenig Versachlichung liefert.

Schaut man sich dagegen an, wie nur in Deutschland abgestimmt wurde, sieht das Ergebnis auf den ersten Blick ganz anders aus: Bei Ja machten laut vorläufigem Ergebnis 63,1 Prozent der hier lebenden Wahlberechtigten ein Kreuz. Es ist jedoch falsch, anhand dieser Zahl generelle Rückschlüsse auf die Einstellung von Deutschtürken zu ziehen. Daher ein paar Details: In Deutschland leben laut Statistischem Bundesamt 2,9 Millionen Menschen, die aus der Türkei stammen. Von ihnen sind 1,43 Millionen wahlberechtigte türkische Staatsangehörige. Rund 46 Prozent – also etwa 661.000 Personen – haben von diesem Recht Gebrauch gemacht. Mit Ja gestimmt haben etwa 416.000 der in Deutschland lebenden Wahlberechtigten.


Ich will das Ergebnis nicht schönreden, denn aus meiner Sicht ist jede Stimme für die Verfassungsänderung eine zu viel. Dennoch sollten in der Diskussion über die Demokratiefähigkeit von Deutschtürken nicht alle in einen Topf geschmissen werden. Wer alle in Deutschland einbezieht, die hätten abstimmen dürfen, dem fällt auf, dass nur 29 Prozent von ihnen für die Machterweiterung Erdoğans gestimmt haben, der Rest hat entweder mit Nein gestimmt oder ist nicht zur Wahl gegangen. Aus dem Wahlergebnis lässt sich also weder schließen, die Mehrheit der Deutschtürken sei für den Demokratieabbau in der Türkei, noch, sie sei "Feuer und Flamme" für den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und dessen Plan, sich mit mehr Macht auszustatten.

Es ist falsch und fatal, jetzt von der gescheiterten Integration der Deutschtürken zu sprechen. Damit nämlich stößt man auch all diejenigen vor den Kopf, die für den "Reis", den Führer, wie Erdoğan von seinen Anhängern betitelt wird, keinerlei Sympathie hegen.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon H2O » Mo 17. Apr 2017, 22:05

jellobiafra hat geschrieben:(17 Apr 2017, 22:09)

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-04/deutschtuerken-tuerkei-referendum-volksabstimmung-recep-tayyip-erdogan

Ein interessanter Artikel aus der Zeit, der ein wenig Versachlichung liefert.


Sicher ist es auffällig, daß noch nicht einmal 50% der wahlberechtigten "Deutschtürken" an dieser so heiß diskutierten Richtungswahl teilgenommen haben.

Aber eine Beruhigung würde ich aus diesem Ergebnis wirklich nicht ableiten. Denn in der deutschen Öffentlichkeit war klar zu erkennen, daß wir Deutschen uns für ein "Nein" aussprachen. Aus den Wahlenthaltungen kann niemand ein "Nein" ableiten; allenfalls Gleichgültigkeit und Unlust, sich der Mühe einer Briefwahl aus zu setzen.
    Von ihnen sind 1,43 Millionen wahlberechtigte türkische Staatsangehörige. Rund 46 Prozent – also etwa 661.000 Personen – haben von diesem Recht Gebrauch gemacht. Mit Ja gestimmt haben etwa 416.000 der in Deutschland lebenden Wahlberechtigten.

Mich beruhigt keineswegs, daß in unserem Lande 416.000 Türken leben und arbeiten, die einer gelenkten islamischen Demokratie zustimmen. Wenn man bedenkt, welche Drohungen und Beleidigungen ihr Idol gegen unser Land vorgetragen hat, dann halte ich deren Zustimmung für eine jederzeit abrufbare Bedrohung unserer Gesellschaft.

Ich halte es auch für unredlich, mit Zahlenspielen diese Lage zu verharmlosen. Man sollte sich an die Zahl "400.000" halten. Diese Zahl ist zweifelsfrei nachgewiesen. Ein Grund für unsere Innenminister, sich diese Mitbewohner unseres Landes unter dem Gesichtspunkt "innere Sicherheit" sehr genau an zu sehen.
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Re: Referendum zur Verfassungsänderung in der Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 17. Apr 2017, 22:41

zur ergänzung noch das folgende:
erdogan hat reagiert auf die befindungen der »kontrolleure« aus dem westen. er nennt sie kreuzritter o.ä. und behauptet daß die befunde absolut unwahr sind. na ja, er benützte stärkere worte. er soll, so sagte er, sie dann auch komplett negieren. nicht einmal lesen ?!

die nicht gestempelten formulare scheinen aus dem kurdischen gebiet zu kommen. ein gebiet wo etwa 80 prozent anti-erdogan/AKP ist. vielsagend ist daß da erdogan anscheinend noch 40% der stimmen bekommen hätte. noch bedeutender - wenn es wahr ist - ist, daß die anderthalb millionen stempellosen formulare fast ausschließlich JA-stimmen sind.

trump hat übrigens erdogan angerufen und ihn gratuliert.


die folgen für die türkei kann ich schwer einschätzen, denn da scheint die wirtschaft in einer spirale nach unten zu gehen. wohl aber sehe ich konsequenzen für die türken im westen.
arbeitgeber werden vermutlich noch weniger türken anstellen.
Zuletzt geändert von Nomen Nescio am Mo 17. Apr 2017, 23:02, insgesamt 1-mal geändert.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
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