Sammelstrang: Quo vadis, Europa und EU?

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Alter Stubentiger
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Alter Stubentiger » Sa 26. Nov 2016, 14:12

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2016, 11:33)

Na ja, geht also! Ja, die USA haben die EU überhaupt erst möglich gemacht, und der letzte Präsident Obama hat sehr eindringlich die Briten davor gewarnt, sich von der EU ab zu wenden. Ohne den Schutz der NATO und ihrer Führungsmacht USA wären Balten, Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Rumänen und Bulgaren nicht in der EU. Kann man gut finden oder schlecht, wenn man bösartig veranlagt ist.

Ich unterscheide Regierungen und Staat, weil in einer Demokratie Mehrheiten die Regierung und Regierungspolitik stellen. So weit ganz in Ordnung.

Beim BREXIT haben 52% der Wahlteilnehmer entschieden, daß Schluß sein soll mit der EU. Haben jetzt "die Briten" entschieden? In der Türkei haben 50% der Menschen Erdogans AKP gewählt. Waren das nun "die Türken"? Sind Kurden keine türkischen Staatsbürger?


Die Franzosen haben die EU erst möglich gemacht. Genau gesagt De Gaulle. Es waren vor allem die Franzosen die nach dem zweiten Weltkrieg erkannt haben daß die Strategie Deutschland nach dem ersten Weltkrieg zu demütigen und finanziell auszubluten direkt in den zweiten Weltkrieg geführt hat. Die Amerikaner hatten eine andere Rolle. Sie wollten ein militärisches Gegengewicht weil sie schnell gemerkt haben daß Stalin sie über den Tisch gezogen hat und womöglich ganz Europa erobern wollten. Das damalige Amerika fühlte sich bedroht.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Sa 26. Nov 2016, 15:03

Alter Stubentiger hat geschrieben:(26 Nov 2016, 14:12)

Die Franzosen haben die EU erst möglich gemacht. Genau gesagt De Gaulle. Es waren vor allem die Franzosen die nach dem zweiten Weltkrieg erkannt haben daß die Strategie Deutschland nach dem ersten Weltkrieg zu demütigen und finanziell auszubluten direkt in den zweiten Weltkrieg geführt hat. Die Amerikaner hatten eine andere Rolle. Sie wollten ein militärisches Gegengewicht weil sie schnell gemerkt haben daß Stalin sie über den Tisch gezogen hat und womöglich ganz Europa erobern wollten. Das damalige Amerika fühlte sich bedroht.


Ja, Europa hat viele Väter... was biologisch gesehen ja Unsinn wäre. Aber so erzählt man sich das heute. ;)
http://www.europa.augsburg.de/fileadmin ... der_EU.pdf

Aber ohne den Schutzschirm der USA wäre aus diesem Traum nie etwas geworden; dafür hätten wir vermutlich heute so manches Problem mit Rußland nicht zu lösen :D
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 30. Nov 2016, 09:29

Wie sollte sich eine "neue EU" außenpolitisch ausrichten? Die rechten Populisten erhalten maßgeblich aus Furcht vor dem Verlieren im Globalismus Zulauf. Auch viele Radikale in der Welt haben zum Teil nicht unberechtigte Sorgen wegen der Globalisierung. Was z.B. auch den Zulauf zu extremistischen Strömungen in Nahost und Afrika erklärt.

Wie kann aber ein exportorientierter Kontinent auf Globalisierung verzichten? Den Hardlinern in Afrika und Nahost freut das. Oder in China und Russland. Bleibt weg.

Populismus in Europa

Was die neuen Rechten stark macht

Frankreich, Deutschland, Österreich, die Niederlande - der Zulauf zu Europas neuen Rechten ist ungebrochen. Eine Studie aus 28 Ländern zeigt: Der Erfolg der Populisten speist sich vor allem aus der Angst vor Globalisierung.


Europaweit sind die Menschen in der Frage der Globalisierungsangst uneins: Eine Mehrheit der EU-Bürger sieht die internationale Verflechtung von Politik und Wirtschaft als Chance (55 Prozent), 45 Prozent ahnen darin eine Gefahr. Außerdem gilt europaweit: Städter kommen mit der Globalisierung besser zurecht als die Landbevölkerung. Gebildete fürchten sie weniger als Befragte mit vergleichsweise niedrigem Bildungsniveau.

Die Autoren betonen, dass Globalisierung in der öffentlichen Debatte meist eine Chiffre für Automatisierung, Migration und internationales Bankenwesen ist. Der Umfrage zufolge fürchten globalisierungskritische Menschen in erster Linie Einwanderung. Sie sehen Migration häufiger als Problem, haben weniger Kontakt mit Ausländern und äußern häufiger ausländerfeindliche Gefühle. Sie sind skeptischer gegenüber der EU und der Politik im Allgemeinen.

Besonders stark sind diese Ängste erwartungsgemäß bei Anhängern rechtsnationaler und populistischer Parteien ausgeprägt: Bei den Anhängern der deutschen AfD fürchten sich 78 Prozent vor der Globalisierung. Bei dem rechtsnationalen Front National sind es 76 Prozent, bei der österreichischen FPÖ 69 Prozent.

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 23655.html


Die Sorgen sind ernst zu nehmen. Alleine schon deshalb, weil in z.B. auch Demokratien gewählt werden kann. Und wessen Sorgen man nicht ernst nimmt, der stimmt an der Wahlurne ab. Sieht man an Brexit, Trump, aber auch an Putin, Erdogan, Netanjahu oder Ahmadinejad.

Man kann sehr schwer beides haben, Globalisierung als Wirtschaftsmoment und Sendungsbewußtsein und Abschottung. Sieht man am Brexit. Die Mehrheit der Briten will mehr Autonomie und Souveränität, gleichzeitig aber alle "Freiheiten" des Handelns. Geht nicht.

Eine Möglichkeit wäre zumindest das Gefühl zu vermitteln, daß man (als die hiesigen Eingeborenen) mit entschiedenerer Härte gegen "Bedrohungen" und Gesetzesverstösse vorgehen würde. Praktisch, sich weiter zu öffnen und somit verwundbarer zu machen, aber wenn es gefährliche Entwicklungen gibt auch schnell, entschieden und wirkmächtig handeln zu können und auch zu wollen! Von "Menschen, die uns geschenkt werden" will keiner etwas hören. Und sich nicht gefühlt der Globalisierung zu ergeben. Sonst bekommen wir hier in Europa auch Sammelbecken, wie z.B. in Afrika und Asien von Globalisierungsverlierern/Imperialismusverlierern die sich dann allen möglichen Heilsbringern an den Hals werfen. Die Europäer sind da gar nicht so verschiedenen vom Rest der Welt. ;)
Wenn man zuviel weiß, wird es immer schwieriger, einfache Entscheidungen zu treffen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mi 30. Nov 2016, 12:00

King Kong 2006 hat geschrieben:(30 Nov 2016, 09:29)

Wie sollte sich eine "neue EU" außenpolitisch ausrichten? Die rechten Populisten erhalten maßgeblich aus Furcht vor dem Verlieren im Globalismus Zulauf. Auch viele Radikale in der Welt haben zum Teil nicht unberechtigte Sorgen wegen der Globalisierung. Was z.B. auch den Zulauf zu extremistischen Strömungen in Nahost und Afrika erklärt.

Wie kann aber ein exportorientierter Kontinent auf Globalisierung verzichten? Den Hardlinern in Afrika und Nahost freut das. Oder in China und Russland. Bleibt weg.





Die Sorgen sind ernst zu nehmen. Alleine schon deshalb, weil in z.B. auch Demokratien gewählt werden kann. Und wessen Sorgen man nicht ernst nimmt, der stimmt an der Wahlurne ab. Sieht man an Brexit, Trump, aber auch an Putin, Erdogan, Netanjahu oder Ahmadinejad.

Man kann sehr schwer beides haben, Globalisierung als Wirtschaftsmoment und Sendungsbewußtsein und Abschottung. Sieht man am Brexit. Die Mehrheit der Briten will mehr Autonomie und Souveränität, gleichzeitig aber alle "Freiheiten" des Handelns. Geht nicht.

Eine Möglichkeit wäre zumindest das Gefühl zu vermitteln, daß man (als die hiesigen Eingeborenen) mit entschiedenerer Härte gegen "Bedrohungen" und Gesetzesverstösse vorgehen würde. Praktisch, sich weiter zu öffnen und somit verwundbarer zu machen, aber wenn es gefährliche Entwicklungen gibt auch schnell, entschieden und wirkmächtig handeln zu können und auch zu wollen! Von "Menschen, die uns geschenkt werden" will keiner etwas hören. Und sich nicht gefühlt der Globalisierung zu ergeben. Sonst bekommen wir hier in Europa auch Sammelbecken, wie z.B. in Afrika und Asien von Globalisierungsverlierern/Imperialismusverlierern die sich dann allen möglichen Heilsbringern an den Hals werfen. Die Europäer sind da gar nicht so verschiedenen vom Rest der Welt. ;)


Dieses kleine Europa kann sich nicht in eine Wohlfühl-Kuschel-Ecke zurück ziehen. Unsere einzige Überlebensstrategie bleibt uns: Das hartnäckige Streben nach Wissen und Können, das uns einen Vorteil gegenüber weniger hartnäckig-ehrgeizigen Regionen dieser Welt sichert.

Wir Deutschen müssen uns nun doppelt in Acht nehmen: Einerseits dürfen wir uns auf keinen Fall den Rückzugsgedanken einiger Nachbarn anschließen... das wird bestimmt nichts. Und wir dürfen Bündnissen mit gleichgesinnten Regionen dieser Welt nicht ausweichen, nur weil wir zufällig in einem sich abschottenden Europa zu Hause sind. Ein Bündnis der Selbstaufgeber rettet uns in Zukunft auf jeden Fall nicht!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 30. Nov 2016, 15:22

H2O hat geschrieben:(30 Nov 2016, 12:00)

Dieses kleine Europa kann sich nicht in eine Wohlfühl-Kuschel-Ecke zurück ziehen. Unsere einzige Überlebensstrategie bleibt uns: Das hartnäckige Streben nach Wissen und Können, das uns einen Vorteil gegenüber weniger hartnäckig-ehrgeizigen Regionen dieser Welt sichert.

Wir Deutschen müssen uns nun doppelt in Acht nehmen: Einerseits dürfen wir uns auf keinen Fall den Rückzugsgedanken einiger Nachbarn anschließen... das wird bestimmt nichts. Und wir dürfen Bündnissen mit gleichgesinnten Regionen dieser Welt nicht ausweichen, nur weil wir zufällig in einem sich abschottenden Europa zu Hause sind. Ein Bündnis der Selbstaufgeber rettet uns in Zukunft auf jeden Fall nicht!


Denke ich auch.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Mi 30. Nov 2016, 17:18

King Kong 2006 hat geschrieben:(30 Nov 2016, 15:22)

Denke ich auch.


Ja, so weit sind wir in der EU schon: Daß Europäer der ersten Stunde daran denken müssen, nicht in einer Ansammlung von egoistischen Duckmäusern unter zu gehen!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Do 1. Dez 2016, 01:11

H2O hat geschrieben:(26 Nov 2016, 15:03)

Ja, Europa hat viele Väter... was biologisch gesehen ja Unsinn wäre. Aber so erzählt man sich das heute. ;)
http://www.europa.augsburg.de/fileadmin ... der_EU.pdf

Aber ohne den Schutzschirm der USA wäre aus diesem Traum nie etwas geworden; dafür hätten wir vermutlich heute so manches Problem mit Rußland nicht zu lösen :D


Aus dem Traum wurde ein böser Traum, besonders das südliche Europa erfreut sich einer nie dagewesenen Jugendarbeitslosigkeit.
Einem unverbesserlichen Altreporter entfuhr es neulich in einer Talkrunde: "Das Wunder" von Europa, er meint die EU.
:dead:
Schutzschirm der USA ? Na ja, die hat ja mit Stalin im besten Einvernehmen die die Spaltung Europas mitentschieden.

.
.. ich denke, alles was mal anfing hat eine Ende, das Leben geht weiter mit dem Neuen, und das ensteht gerade.
Wir kommen nicht umhin, auch dem Osten die Hand zu reichen.
Trump setzt ja das Signal, er sagt, die USA ist nicht mehr der Weltpolizist.
:cool:
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 1. Dez 2016, 08:55

Satori hat geschrieben:(01 Dec 2016, 01:11)

Aus dem Traum wurde ein böser Traum, besonders das südliche Europa erfreut sich einer nie dagewesenen Jugendarbeitslosigkeit.
Einem unverbesserlichen Altreporter entfuhr es neulich in einer Talkrunde: "Das Wunder" von Europa, er meint die EU.
:dead:
Schutzschirm der USA ? Na ja, die hat ja mit Stalin im besten Einvernehmen die die Spaltung Europas mitentschieden.

.
.. ich denke, alles was mal anfing hat eine Ende, das Leben geht weiter mit dem Neuen, und das ensteht gerade.
Wir kommen nicht umhin, auch dem Osten die Hand zu reichen.
Trump setzt ja das Signal, er sagt, die USA ist nicht mehr der Weltpolizist.
:cool:


Die Jugendarbeitslosigkeit in den Südstaaten hat aber Ursachen, die in einer ziemlich dummen Bildungs- und Wirtschaftspolitik zu finden sind. Daraus müssen die Menschen sich selbst befreien; Beispiele, wie so etwas geht, gibt es genug, nicht nur innerhalb der EU. Aber machen müssen diese Menschen schon noch selbst... auch die jungen Menschen dort. Willkommen in der Wirklichkeit, auch willkommen in Deutschland, aber dann auch machen!
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Do 1. Dez 2016, 10:02

Eine "neue EU" wird es lt. Berlin nicht mit der Türkei geben?

EU-Beitritt der Türkei hat sich für Merkel erledigt

http://derstandard.at/2000048544836/EU- ... l-erledigt
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon ciesta » Do 1. Dez 2016, 10:14

Ich bin gestern über einen Artikel auf eine Veröffentlichung von 2003!!! aufmerksam geworden.
http://www.cap.lmu.de/download/2003/200 ... narien.pdf
Europas Zukunft - 5 Szenarien
vom
Centrum für angewandte Politikforschung in München

Ist sehr zu empfehlen und leider findet man auch sehr viele Parallelen zu einem nicht so tollen (um nicht zu sagen Worst-Case) Szenario.
Sehr beeindruckend, was bereits 2003 an Problemen und Möglichkeiten in der Wissenschaft kursierten.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Do 1. Dez 2016, 10:26

King Kong 2006 hat geschrieben:(01 Dec 2016, 10:02)

Eine "neue EU" wird es lt. Berlin nicht mit der Türkei geben?


Manchmal dauert es etwas länger, bis der Groschen fällt! Der EU-Beitritt der Türkei hatte sich aus meiner Sicht schon erledigt, als Frankreich und Österreich den EU-Beitritt der Türkei von einer Volksabstimmung abhängig machen wollten. Heute habe ich gelernt, daß Frankreich dazu sogar ein Gesetz erlassen hat!

Will sagen, daß die Türkei selbst in der hohen Zeit unter Außenminister Gül und Ministerpäsident Erdogan gar keine Aussicht auf einen erfolgreichen Abschluß der Beitrittsverhandlungen hatte. Im Grunde haben sich beide Seiten munter an der Nase herum geführt. Deshalb pfeift die türkische Regierung auch auf dieses Affentheater, aber dann doch wieder vorsichtig, um die wirtschaftlichen Vorteile im Austausch mit der EU nicht zu gefährden.

Die EU hat jedoch nicht die Kraft, diesen Vorgang nüchtern so um zu gestalten, daß daraus ein umfassender wirtschaftlicher Bund werden kann, der aufgrund der Gegensätze im täglichen Leben der jeweiligen Mehrheiten aber nicht zu einer Art Volksgemeinschaft entwickelt werden soll.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Fr 2. Dez 2016, 04:09

H2O hat geschrieben:(01 Dec 2016, 08:55)

Die Jugendarbeitslosigkeit in den Südstaaten hat aber Ursachen, die in einer ziemlich dummen Bildungs- und Wirtschaftspolitik zu finden sind.


Dann hat die EU aber eine ziemlich dumme Politik in Südeuropa gemacht.

Daraus müssen die Menschen sich selbst befreien


Das find ich auch, die Menschen müssen sich selbst befreien.

.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Satori » Fr 2. Dez 2016, 05:22

Alter Stubentiger hat geschrieben:(26 Nov 2016, 14:03)

So gesehen könnte ein Trump vielen Dauernörglern die Augen öffnen. Wenn Trump so richtig loslegt dürfte sich schnell Ernüchterung einstellen bei den Leuten die solche Populisten für Problemlöser halten.


Obama war ja ein echter Populist ( yes we can yes we can ) :D
Aber wo war der Change, den er vesprochen hat ?

Auch Trump wird an den Erwartungen gemessen.
Die Frage bleibt, ob überhaupt ein Präsident etwas ändern kann.
Wieviel Macht hat ein gewählter Präsident überhaupt. :?:


"Die Welt gehört einer unsichtbaren Gruppe"

sagte Hans-Jürgen Jakobs, Ex-"Handelsblatt"-Chefredakteur, gerade im Zdf Spätprogramm,
da ging es um sein neues Buch.

Viele der Dauernörgler wissen das vielleicht,
die medial hochgepriesene "Demokratie" ist nur ein gute Show, aber die,
die wirklich was zu sagen haben, die werden nicht vom Volk gewählt.

.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Wähler » Fr 2. Dez 2016, 07:24

H2O hat geschrieben:(01 Dec 2016, 08:55)
Die Jugendarbeitslosigkeit in den Südstaaten hat aber Ursachen, die in einer ziemlich dummen Bildungs- und Wirtschaftspolitik zu finden sind. Daraus müssen die Menschen sich selbst befreien; Beispiele, wie so etwas geht, gibt es genug, nicht nur innerhalb der EU. Aber machen müssen diese Menschen schon noch selbst... auch die jungen Menschen dort. Willkommen in der Wirklichkeit, auch willkommen in Deutschland, aber dann auch machen!

Was soll das denn mit der Selbstbefreiung konkret bedeuten? Der einzelne junge Mensch wird auswandern, wenn er der Jugendarbeitslosigkeit nicht anders entgehen kann. Die zuständigen Politiker brauchen eine Konfrontation mit den Praktiken in anderen EU-Ländern, damit sie einen mehr oder weniger vorhandenen Reformwillen auch zielgerichtet umsetzen können. Hier sollten die EU-Instiutionen Hilfe leisten und den Ideenaustausch zwischen den Fachpolitikern der einzelnen EU-Staaten stärker fördern.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 2. Dez 2016, 08:34

Wähler hat geschrieben:(02 Dec 2016, 07:24)

Was soll das denn mit der Selbstbefreiung konkret bedeuten? Der einzelne junge Mensch wird auswandern, wenn er der Jugendarbeitslosigkeit nicht anders entgehen kann. Die zuständigen Politiker brauchen eine Konfrontation mit den Praktiken in anderen EU-Ländern, damit sie einen mehr oder weniger vorhandenen Reformwillen auch zielgerichtet umsetzen können. Hier sollten die EU-Instiutionen Hilfe leisten und den Ideenaustausch zwischen den Fachpolitikern der einzelnen EU-Staaten stärker fördern.


Tja, die Sache mit dem "Hilfe und Beratung anbieten" wird in diesen Ländern gern als "arrogante Einmischung" zurück gewiesen, oft begleitet von ziemlich bösartigen Reden... bis hin zu "Maul halten". Diese Beispiele der Widerwilligkeit habe ich nun nicht im unmittelbaren Zugriff. Aber an das Verhalten der griechischen Politik werden Sie sich doch erinnern, oder an das der französischen Sozialisten? Die Leute haben eben andere Vorstellungen von einer EU als wir hier im Norden.

Nicht ohne Grund hatte ich auf "Willkommen in Deutschland" hingewiesen. Ja, ja, die Sprachkenntnisse, das schlechte Wetter, die Entfernung... Irgendwann liegt das Kind dann wirklich im Brunnen.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon H2O » Fr 2. Dez 2016, 08:43

Satori hat geschrieben:(02 Dec 2016, 04:09)

Dann hat die EU aber eine ziemlich dumme Politik in Südeuropa gemacht.



Das find ich auch, die Menschen müssen sich selbst befreien.

.


Das ist ein gern geübtes Verfahren: Wenn die Politik im Lande etwas so richtig verbockt hat, dann waren es "die in Brüssel" oder gleich "die in Berlin". Nö, wer sein Land von der Herstellung ordentlicher alltäglicher Gebrauchsgüter abmeldet, den Staatsdienst aufbläht, und seiner Jugend nur noch "Hilfsarbeiter oder Professor" zu bieten hat, der wird beides nicht erreichen.

Aus dieser Falle müssen die Menschen sich dort selbst befreien oder auswandern dahin, wo dieser Irrweg nicht beschritten wurde.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Kibuka » Fr 2. Dez 2016, 09:47

Wenn die EU scheitert, dann scheitert sie an den linken Gutmenschen, die den Rechtsbruch in der EU salonfähig gemacht haben.

Seit Jahren werden Regeln mit Füssen getreten. Zuletzt hat man Schengen beerdigt.

Schon damals pfiff Eichel auf den blauen Brief aus Brüssel.

Ganz Europa krankt an dieser laissez faire Politik. Und Merkel ist die Ikone dieses Politikstils. Die Kanzlerin der absoluten Planlosigkeit, die alles alternativlos geschehen lässt.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 2. Dez 2016, 10:01

Der (relativ wahrscheinliche) künftige Präsident Frankreich umreißt seine Europa-Politik mit dem Begriff "Gemeinschaft der Nationen". Er will die Rolle der Nationen stärken und gleichzeitig eine stärkere und selbstbewusstere EU. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. Und er befindet sich damit so ziemlich auf einer Linie mit den starken Männern Osteuropas: Kaczynski und Orbán. Letzterer hat als Privatinitiative persönlich mit Großanzeigen in britischen Zeitungen gegen den Brexit geworben. Man hats nur nicht so recht gemerkt und wahrgenommen, weil Ungarn eben doch ein relativ kleines Land ist. Die Fillons und Orbáns wollen eine EU der Vaterländer, in der Leute wie sie wieder das Sagen haben. Sie wollen die EU keineswegs abschaffen.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 2. Dez 2016, 10:18

Satori hat geschrieben:(02 Dec 2016, 05:22)

Obama war ja ein echter Populist ( yes we can yes we can ) :D
Aber wo war der Change, den er vesprochen hat ?

Auch Trump wird an den Erwartungen gemessen.
Die Frage bleibt, ob überhaupt ein Präsident etwas ändern kann.
Wieviel Macht hat ein gewählter Präsident überhaupt. :?:

Der Präsident hat nur dann wirkliche Macht wenn Kongress/Senat auch mitspielen. Darum konnte Obama ja auch das Waffenrecht nicht reformieren obwohl ihm dies ein persönliches Anliegen war.
Trump hat zwei Vorteile. Beide Häuser werden von den Republikanern beherrscht. Und Trump ist zuzutrauen daß er Dinge durchzieht einfach weil er es will. Egal ob trifftige Gründe dagegen sprechen.


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die wirklich was zu sagen haben, die werden nicht vom Volk gewählt.
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Demokratie ist keine Reality-Show. Aber Wähler die Leute wie Trump an die Macht bringen haben offensichtlich nicht verstanden daß das reale Folgen hat.
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Re: Die "neue" EU? Chance in der Krise?

Beitragvon Alter Stubentiger » Fr 2. Dez 2016, 10:22

Kibuka hat geschrieben:(02 Dec 2016, 09:47)

Wenn die EU scheitert, dann scheitert sie an den linken Gutmenschen, die den Rechtsbruch in der EU salonfähig gemacht haben.

Seit Jahren werden Regeln mit Füssen getreten. Zuletzt hat man Schengen beerdigt.

Schon damals pfiff Eichel auf den blauen Brief aus Brüssel.

Ganz Europa krankt an dieser laissez faire Politik. Und Merkel ist die Ikone dieses Politikstils. Die Kanzlerin der absoluten Planlosigkeit, die alles alternativlos geschehen lässt.


Zu zählst ein paar Nebensächlichkeiten auf. Wie gut die EU in der Realität funktioniert wird gar nicht wahrgenommen oder für selbstverständlich gehalten. Als wenn Staaten die nur ihre nationalen Egoismen im Auge haben bessere Politik machen würden...... Das ist lächerlich.
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