Selbstjustiz

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Zweiundvierzig

Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Di 24. Jun 2014, 16:24

Billie Holiday » Di 24. Jun 2014, 16:51 hat geschrieben:
ein_Bürger » Di 24. Jun 2014, 16:37 hat geschrieben:
... weil du den Schwerpunkt der Bestrafung auf Vergeltung denn auf Prävention und Resozialisierung verlagerst. Die erschafft aber mehr Kriminalität. Dabei soll die Iustizia Frieden und Gerechtigkeit, nicht Gewalt und Rechtlosigkeit befördern.



Wer die Energie, Kriminalität und Fähigkeit besitzt, andere, meistens schwächere zu vergewaltigen oder zu verprügeln, ist nicht resozialisierbar.


Diese Behauptung entsprich nicht der Realität. Sexualstraftaten weisen (neben Tötungsdelikten) die niedrigsten Rückfallquoten auf. Siehe: http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/200 ... 1_book.pdf (S. 186ff., insb. 200ff.)

Ein Vergewaltiger ist kein Bankräuber oder Einbrecher, der Dein Geschmeide klaut und kaputte Türen hinterläßt.


Das entbindet die Rechtsprechung nicht von Recht und Gesetz, und befreit auch nicht den Gesetzgeber von den Schranken des verfassungsrechtlich verbrieften und über die Ewigkeitsklausel gesicherten Rechtstaatsgebotes.
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hafenwirt
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 16:25

Blasphemist » Dienstag 24. Juni 2014, 15:56 hat geschrieben: Ist schon witzig zu sehen, wie wenig dir körperliche Unversehrtheit wert ist.
Vielleicht findest du es lustig wenn du nach einer Schlägerei 5 Zahnarztsitzungen brauchst, bis du wieder feste Nahrung zu dir nehmen kannst. Aber schön zu sehen, dass du so gewalttolerant bist.


Das stimmt doch gar nicht. Ich habe dir nur geschrieben, welche Folgen es hätte, wenn jede Gewalttat mit Knast bestraft werden würde (statt z.B. Geldstrafen).

- Die Justiz wäre noch überlasteter als ohnehin schon.
- Die Gefängnisse müssten drastisch ausgebaut werden.
- Beides kostet den Steuerzahler mehr Geld.
- Wenn der Vater im Knast sitzt, kann er nicht für die Familie da sein.
- Und der Arbeitgeber wird es auch nicht gut finden, wenn der Arbeiter 2 Wochen im Bau sitzt -> Entlassung.

Wir reden hier ja nicht nur von Intensivtätern o.ä., sondern eben ganz normalen Bürgern quer durch alle Schichten der Gesellschaft, die im Leben eine Verfehlung eingehen.
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jack000
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon jack000 » Di 24. Jun 2014, 16:35

ein_Bürger » Di 24. Jun 2014, 17:24 hat geschrieben:
Billie Holiday » Di 24. Jun 2014, 16:51 hat geschrieben:

Wer die Energie, Kriminalität und Fähigkeit besitzt, andere, meistens schwächere zu vergewaltigen oder zu verprügeln, ist nicht resozialisierbar.


Diese Behauptung entsprich nicht der Realität. Sexualstraftaten weisen (neben Tötungsdelikten) die niedrigsten Rückfallquoten auf. Siehe: http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/200 ... 1_book.pdf (S. 186ff., insb. 200ff.)

Der Experte Pfeiffer sagt zu dem Thema:
Studie zu Vergewaltigungsprozessen
Mehr Fälle, weniger Urteile
Die Chancen, dass in Deutschland nach einer Vergewaltigung der Täter verurteilt wird, sind stark gesunken. Das geht aus einer Studie hervor - die als Grund auch die Arbeitsbelastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft nennt.

[...]
Im Jahr 1994 wurden Pfeiffer zufolge mehr als 6100 Fälle von Vergewaltigung angezeigt. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 7000. Gleichzeitig, so eine Studie des Instituts, kommt es aber immer seltener zu einer Verurteilung. Noch vor 20 Jahren wurden knapp 22 Prozent der Angezeigten verurteilt. Im Jahr 2012 waren es der Studie zufolge nur noch etwas mehr als acht Prozent.

http://www.tagesschau.de/inland/studie- ... ng102.html

=> Die Zahl steigt also, da offensichtlich in der Risikobewertung die Täter nicht groß davon ausgehen für ihre Taten belangt zu werden.
Es wird sogar nicht mehr im PF geleugnet: "Ja die Gewalt gegen Frauen hat bedingt durch Zuwanderung zugenommen, und jetzt?"
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Blasphemist » Di 24. Jun 2014, 17:03

hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 17:25 hat geschrieben:
Blasphemist » Dienstag 24. Juni 2014, 15:56 hat geschrieben: Ist schon witzig zu sehen, wie wenig dir körperliche Unversehrtheit wert ist.
Vielleicht findest du es lustig wenn du nach einer Schlägerei 5 Zahnarztsitzungen brauchst, bis du wieder feste Nahrung zu dir nehmen kannst. Aber schön zu sehen, dass du so gewalttolerant bist.


Das stimmt doch gar nicht. Ich habe dir nur geschrieben, welche Folgen es hätte, wenn jede Gewalttat mit Knast bestraft werden würde (statt z.B. Geldstrafen).

- Die Justiz wäre noch überlasteter als ohnehin schon.
- Die Gefängnisse müssten drastisch ausgebaut werden.
- Beides kostet den Steuerzahler mehr Geld.
- Wenn der Vater im Knast sitzt, kann er nicht für die Familie da sein.
- Und der Arbeitgeber wird es auch nicht gut finden, wenn der Arbeiter 2 Wochen im Bau sitzt -> Entlassung.

Wir reden hier ja nicht nur von Intensivtätern o.ä., sondern eben ganz normalen Bürgern quer durch alle Schichten der Gesellschaft, die im Leben eine Verfehlung eingehen.

Ich glaube nicht, dass wir von ganz normalen Bürgern reden. Die Gefahr Opfer einer Gewalttat eines ganzen normalen Bürgers zu werden geht gegen null. Es ist ein bestimmtes Milieu welches zu Gewalttaten neigt. In der Regel hat auch der normale Bürger mit diesem Milieu kaum Kontakt, außer es kommt zu einem wirklich blöden Zufall.
Zuletzt geändert von Blasphemist am Di 24. Jun 2014, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Di 24. Jun 2014, 17:08

jack000 » Di 24. Jun 2014, 17:35 hat geschrieben:
ein_Bürger » Di 24. Jun 2014, 17:24 hat geschrieben:
Diese Behauptung entsprich nicht der Realität. Sexualstraftaten weisen (neben Tötungsdelikten) die niedrigsten Rückfallquoten auf. Siehe: http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/200 ... 1_book.pdf (S. 186ff., insb. 200ff.)

Der Experte Pfeiffer sagt zu dem Thema:
Studie zu Vergewaltigungsprozessen
Mehr Fälle, weniger Urteile
Die Chancen, dass in Deutschland nach einer Vergewaltigung der Täter verurteilt wird, sind stark gesunken. Das geht aus einer Studie hervor - die als Grund auch die Arbeitsbelastung bei Polizei und Staatsanwaltschaft nennt.

[...]
Im Jahr 1994 wurden Pfeiffer zufolge mehr als 6100 Fälle von Vergewaltigung angezeigt. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 7000. Gleichzeitig, so eine Studie des Instituts, kommt es aber immer seltener zu einer Verurteilung. Noch vor 20 Jahren wurden knapp 22 Prozent der Angezeigten verurteilt. Im Jahr 2012 waren es der Studie zufolge nur noch etwas mehr als acht Prozent.

http://www.tagesschau.de/inland/studie- ... ng102.html

=> Die Zahl steigt also, da offensichtlich in der Risikobewertung die Täter nicht groß davon ausgehen für ihre Taten belangt zu werden.


Im Iran kann für Alkoholkonsum die Todesstrafe verhängt werden (und das wird sie auch), dennoch säuft sich die iranische Bevölkerung ins Delirium.

Wer sich also über die niedrigen Aufklärungsquoten von diversen Delikten sowie die Handlungsunfähigkeit von Polizei und Justiz beschwert, sollte deren Handlungsfähigkeit wiederherstellen, statt gelegentlich ein Bauernopfer wegzusperren.



PS: Wobei man sich schon fragt, wie die Aufklärungsquote in einem solch höchstpersönlichen Bereich gesteigert werden kann... der Schwerpunkt sollte hier wohl eher im verantwortungsvollen und sorgsamen Umgang mit seinen Sexualkontakten liegen.
Zuletzt geändert von Zweiundvierzig am Di 24. Jun 2014, 17:24, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Di 24. Jun 2014, 17:10

Blasphemist » Di 24. Jun 2014, 18:03 hat geschrieben:
hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 17:25 hat geschrieben:
Das stimmt doch gar nicht. Ich habe dir nur geschrieben, welche Folgen es hätte, wenn jede Gewalttat mit Knast bestraft werden würde (statt z.B. Geldstrafen).

- Die Justiz wäre noch überlasteter als ohnehin schon.
- Die Gefängnisse müssten drastisch ausgebaut werden.
- Beides kostet den Steuerzahler mehr Geld.
- Wenn der Vater im Knast sitzt, kann er nicht für die Familie da sein.
- Und der Arbeitgeber wird es auch nicht gut finden, wenn der Arbeiter 2 Wochen im Bau sitzt -> Entlassung.

Wir reden hier ja nicht nur von Intensivtätern o.ä., sondern eben ganz normalen Bürgern quer durch alle Schichten der Gesellschaft, die im Leben eine Verfehlung eingehen.

Ich glaube nicht, dass wir von ganz normalen Bürgern reden. Die Gefahr Opfer einer Gewalttat eines ganzen normalen Bürgers zu werden geht gegen null. Es ist ein bestimmtes Milieu welches zu Gewalttaten neigt. In der Regel hat auch der normale Bürger mit diesem Milieu kaum Kontakt, außer es kommt zu einem wirklich blöden Zufall.


Selbstverständlich reden wir hier von "ganz normalen Bürgern", andernfalls wären es ja Intensivstraftäter.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 17:16

Blasphemist » Dienstag 24. Juni 2014, 17:03 hat geschrieben:In der Regel hat auch der normale Bürger mit diesem Milieu kaum Kontakt, außer es kommt zu einem wirklich blöden Zufall.


- Kneipen
- Discotheken
- rundherum um Fußballspiele der Bundesliga
- Volksfeste wie das "Oktoberfest", Karneval, oder auch nur Schützenfeste / Altstadtfeste etc.
- Häusliche Gewalt gegen Ehefrau/Ehemann/Kinder

Alles Orte bei denen jegliche Gesellschaftsschicht anwesend ist. Und du scheinst bei keiner dieser Veranstaltungen/Orte jemals gewesen zu sein, um zu erkennen, dass da auch ganz normale deutsche Familienväter der Mittelschicht sich gegenseitig verprügeln.
Zuletzt geändert von hafenwirt am Di 24. Jun 2014, 17:17, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Billie Holiday » Di 24. Jun 2014, 17:26

hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 18:16 hat geschrieben:
Blasphemist » Dienstag 24. Juni 2014, 17:03 hat geschrieben:In der Regel hat auch der normale Bürger mit diesem Milieu kaum Kontakt, außer es kommt zu einem wirklich blöden Zufall.


- Kneipen
- Discotheken
- rundherum um Fußballspiele der Bundesliga
- Volksfeste wie das "Oktoberfest", Karneval, oder auch nur Schützenfeste / Altstadtfeste etc.
- Häusliche Gewalt gegen Ehefrau/Ehemann/Kinder

Alles Orte bei denen jegliche Gesellschaftsschicht anwesend ist. Und du scheinst bei keiner dieser Veranstaltungen/Orte jemals gewesen zu sein, um zu erkennen, dass da auch ganz normale deutsche Familienväter der Mittelschicht sich gegenseitig verprügeln.


:D
grundgütiger Himmel, ich verpass echt was in meinem kleinen Bundesland, dort wo immer eine frische Brise weht.

Nee, hier prügeln normale Familienväter nicht so ohne weiteres gewohnheitsmäßig aufeinander ein.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 17:36

Billie Holiday » Dienstag 24. Juni 2014, 17:26 hat geschrieben:Nee, hier prügeln normale Familienväter nicht so ohne weiteres gewohnheitsmäßig aufeinander ein.


http://www.shz.de/lokales/holsteinische ... 94141.html
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Billie Holiday » Di 24. Jun 2014, 17:37

hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 18:36 hat geschrieben:
Billie Holiday » Dienstag 24. Juni 2014, 17:26 hat geschrieben:Nee, hier prügeln normale Familienväter nicht so ohne weiteres gewohnheitsmäßig aufeinander ein.


http://www.shz.de/lokales/holsteinische ... 94141.html


immer diese Jugend.....

man muß sich die Hörner abstoßen :)
Wer mich beleidigt, bestimme ich.
K. Kinski
Zweiundvierzig

Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Di 24. Jun 2014, 17:54

Zuweilen lassen auch rüstige Rentner ihrer Wut freien Lauf:

München (rpo). Weil ein Nachbarschaftsstreit eskalierte, griff ein älterer Mann in München zur Waffe und drückte ab. Dabei wurden fünf Menschen verletzt. Der Schütze verschanzte sich anschließend in seiner Wohnung. Dort versuchte er sich mit einem Schuss in den Kopf selbst zu töten. Bei der Polizeiaktion kam es zu beinahe tödlichen Verwirrungen.

Horror in einem Münchner Mietshaus: Die Wut über den Lärm seiner Nachbarn hat einen 66-Jährigen Rentner zum Amokläufer werden lassen. Knapp 30 Mal feuerte Walter S. mit einem Gewehr durch die Wohnungstüren seiner Nachbarn und schoss auf zwei Bewohner im Treppenhaus.

Ein 54-jähriger Bosnier der dem ausgerasteten Rentner das Gewehr aus der Hand riss, hätte seinen Heldenmut fast mit dem Leben bezahlt: Ein bereits zum Tatort geeilter Polizist schoss auf den Helfer, weil er ihn wegen der Waffe in der Hand für den Täter hielt. Bilanz der Bluttat: Fünf teils Schwerverletzte.


http://www.rp-online.de/panorama/deutsc ... -1.1622581

Mutmaßliches Motiv: Rentner erschoss Landrat wegen Wut auf Behörden

Das Motiv für die tödlichen Schüsse auf den Landrat in Hameln scheint gefunden: Demnach soll der tatverdächtige Rentner aus Frust getötet haben - weil ihm die Zwangsversteigerung seines Hauses und Führerscheinverlust drohten.

Hameln - Am Freitag wurde Landrat Rüdiger Butte (SPD) in seinem Büro im Kreishaus Hameln erschossen. Ein 74-Jähriger gilt als tatverdächtig. Er tötete sich selbst mit einem Revolver.



http://www.spiegel.de/panorama/justiz/h ... 97231.html

Trauriges Fazit:

Senioren sind nicht nur Opfer von Verbrechen, sondern immer öfter auch selbst Täter. Am häufigsten begehen sie Diebstähle

Am Kriminalgericht Moabit wird zurzeit eine nicht ganz alltägliche Schlägerei verhandelt: Zwei Männer und eine Frau, alle über 70, gerieten im Altersheim in Streit. Der Angeklagte boxte die alte Frau mitten ins Gesicht und würgte ihren Ehemann, als der schon am Boden lag. Jetzt muss der Täter sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. "Dass Senioren klauen, das gab es früher schon, aber dass sie sich im Altersheim kloppen, das ist schon eine neue Entwicklung", sagt Amtsrichter Sascha Daue. Da alte Menschen heute bis ins hohe Alter aktiv bleiben, werden sie zunehmend auch für Polizei und Justiz ein Thema. Die Zahl der kriminellen Senioren in Berlin ist seit der Wende gestiegen. Im Jahr 1991 zählte das Landeskriminalamt (LKA) 5 963 Tatverdächtige über 60 Jahre, 2003 waren es 7 403. Das ist ein Ansteig um rund 24 Prozent. Der Anteil der über 60-Jährigen in der Bevölkerung stieg im selben Zeitraum nur um 22 Prozent.


http://www.berliner-zeitung.de/archiv/k ... 38890.html
Postnix

Re: Selbstjustiz

Beitragvon Postnix » Mi 25. Jun 2014, 07:24

Manchmal braucht einer halt ein bisschen Prügel, und manchmal auch einen Schuss vor den Bug. Kein Grund zur Aufregung.

Das ist aber was ganz anderes als im vorliegenden Fall.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Dampflok94 » Mi 25. Jun 2014, 08:35

Billie Holiday » 24. Jun 2014, 16:12 hat geschrieben:
Dampflok94 » Di 24. Jun 2014, 16:02 hat geschrieben:Warum? Nur deswegen? Richter sind an die gesetze gebunden. Und die sehen nun mal bei Vergewaltigung einen Strafrahmen vor, der eben auch ggf. eine Bewährung erlaubt. Außerdem ist immer der Einzelfall zu betrachten.


ja, es gibt einen Strafrahmen

man hat also die Möglichkeit, eine der Tat und der Folgen für das Opfer angemessene Strafe zu verhängen

wenn man denn die Schwere anerkennt...

Das ist doch abhängig vom Einzelfall. Und nur da kann man das diskutieren. Eine Pauschaldiskussion ist hingegen völlig unergiebig.

Wenn behauptet wird, Richter würden häufig die Schwere unterschätzen, dann wäre zu klären, ob das bei Richterinnen eigentlich anders ist.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Mi 25. Jun 2014, 12:31

Dampflok94 » Mi 25. Jun 2014, 09:35 hat geschrieben:
Billie Holiday » 24. Jun 2014, 16:12 hat geschrieben:
ja, es gibt einen Strafrahmen

man hat also die Möglichkeit, eine der Tat und der Folgen für das Opfer angemessene Strafe zu verhängen

wenn man denn die Schwere anerkennt...

Das ist doch abhängig vom Einzelfall. Und nur da kann man das diskutieren. Eine Pauschaldiskussion ist hingegen völlig unergiebig.

Wenn behauptet wird, Richter würden häufig die Schwere unterschätzen, dann wäre zu klären, ob das bei Richterinnen eigentlich anders ist.


Bei der Verurteilung von Vergewaltigerinnen?
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Dampflok94 » Mi 25. Jun 2014, 12:48

ein_Bürger » 25. Jun 2014, 13:31 hat geschrieben:
Dampflok94 » Mi 25. Jun 2014, 09:35 hat geschrieben:Das ist doch abhängig vom Einzelfall. Und nur da kann man das diskutieren. Eine Pauschaldiskussion ist hingegen völlig unergiebig.

Wenn behauptet wird, Richter würden häufig die Schwere unterschätzen, dann wäre zu klären, ob das bei Richterinnen eigentlich anders ist.


Bei der Verurteilung von Vergewaltigerinnen?

Letzteres kommt vor, ist aber selten.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Mi 25. Jun 2014, 13:14

Dampflok94 » Mi 25. Jun 2014, 13:48 hat geschrieben:
ein_Bürger » 25. Jun 2014, 13:31 hat geschrieben:
Bei der Verurteilung von Vergewaltigerinnen?

Letzteres kommt vor, ist aber selten.


Könnte trotzdem gender-interessierten Doktoranden (m/w/intersexuell) zahlreiche schlaflose Nächte bereiten.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Gregorius I » Mi 25. Jun 2014, 14:01

ein_Bürger » Di 24. Jun 2014, 15:45 hat geschrieben:
Blasphemist » Di 24. Jun 2014, 15:07 hat geschrieben:Bei Gewalt gegen Menschen sollte es keine Bewährung geben. Wenn die Hemmschwelle bei dieser Art von Gewalt so niedrig ist, ist eine Wiederholungstat sehr wahrscheinlich.


Laut empirischen Untersuchungen wirken Freiheitsstrafen kriminogener als das Befolgen von Bewährungsauflagen. Das ist auch logisch: wer unter Aufgabe seines sozialen Umfeldes in hochkriminelles Milieu gedrängt wird, passt sich diesem an. Im Ergebnis legt die Befriedigung der Rachegelüste des Pöbels den Grundstein für kriminelle Lebensentwürfe und verfestigt diese.



Eiei. Na, dann besteht für Herrn Hoeneß ja keine Hoffnung mehr - empirisch, verstehst. :p
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Gregorius I » Mi 25. Jun 2014, 14:05

hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 15:51 hat geschrieben:
Billie Holiday » Dienstag 24. Juni 2014, 14:05 hat geschrieben:wo liegt das Problem, bei schwerwiegenden Straftaten von Bewährung abzusehen?

Eine Vergewaltigung ist nicht das gleiche wie Zerstörung von Dingen oder schwarz fahren....

Einen Richter, der Bewährung verhängt bei Vergewaltigung, darf man ruhig kritisieren.


Das kann man ruhig machen, passiert doch aber auch bis auf wenige Ausnahmefälle, die dann auch kritisiert werden. Oder wie oft hört man von Bewährungsstrafen bei Vergewaltigung im Vergleich zu den anderen Urteilen, die nicht in der Zeitung stehen? Zweiteres ist doch die Regel.

Billie Holiday » Dienstag 24. Juni 2014, 14:05 hat geschrieben: Eine Vergewaltigung ist nicht das gleiche wie Zerstörung von Dingen oder schwarz fahren....


In einer Gesellschaft in der Kapital und Besitz so enorm wichtig ist wie die unsrige, ist auch Zerstörung von Dingen eine schlimme Straftat. Siehe den Vergleich von Linksextremisten (Sie zünden Mülltonnen an!) und Rechtsextremisten, welche morden. Viele sehen das als gleich schlimm an. Die Versicherungen! Wer soll das bezahlen?



Eine Gesellschaft, die Straftaten, begangen an ersetzbaren materiellen Gütern, nicht selten strenger bestraft als Straftaten, begangen an vielleicht nicht wiederherstellbarer Gesundheit bzw. am Leben der Opfer, hat den Bezug zu einer redlichen Abwägung von gerechter und ungerechter Sanktion schon weitgehend verloren.
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Gregorius I » Mi 25. Jun 2014, 14:12

ein_Bürger » Di 24. Jun 2014, 16:37 hat geschrieben:
Billie Holiday » Di 24. Jun 2014, 16:34 hat geschrieben:
das ist mir alles klar

ich kritisiere diesen sehr großen Strafrahmen bei Delikten, deren Folgen das Opfer langfristig schädigt und beeinträchtigt.


... weil du den Schwerpunkt der Bestrafung auf Vergeltung denn auf Prävention und Resozialisierung verlagerst. Die erschafft aber mehr Kriminalität. Dabei soll die Iustizia Frieden und Gerechtigkeit, nicht Gewalt und Rechtlosigkeit befördern.



Haben sich "Prävention und Resozialisierung", die unsere Strafgesetzgebung seit Jahrzehnten prägen, denn nicht letztlich als untauglich erwiesen, die Verbrechensrate zu verringern? Könnte nicht eine konsequente und harte Bestrafung von Verbrechern eher dafür sorgen, die Kriminalität effektiver zu bekämpfen? Hat die Gesellschaft denn nicht sogar einen Anspruch darauf, dass Verbrecher nachhaltig aus dem gesellschaftlichen Leben entfernt, also für lange Zeit eingesperrt werden?
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Re: Selbstjustiz

Beitragvon Zweiundvierzig » Mi 25. Jun 2014, 14:13

Gregorius I » Mi 25. Jun 2014, 15:05 hat geschrieben:
hafenwirt » Di 24. Jun 2014, 15:51 hat geschrieben:
Das kann man ruhig machen, passiert doch aber auch bis auf wenige Ausnahmefälle, die dann auch kritisiert werden. Oder wie oft hört man von Bewährungsstrafen bei Vergewaltigung im Vergleich zu den anderen Urteilen, die nicht in der Zeitung stehen? Zweiteres ist doch die Regel.



In einer Gesellschaft in der Kapital und Besitz so enorm wichtig ist wie die unsrige, ist auch Zerstörung von Dingen eine schlimme Straftat. Siehe den Vergleich von Linksextremisten (Sie zünden Mülltonnen an!) und Rechtsextremisten, welche morden. Viele sehen das als gleich schlimm an. Die Versicherungen! Wer soll das bezahlen?



Eine Gesellschaft, die Straftaten, begangen an ersetzbaren materiellen Gütern, nicht selten strenger bestraft als Straftaten, begangen an vielleicht nicht wiederherstellbarer Gesundheit bzw. am Leben der Opfer, hat den Bezug zu einer redlichen Abwägung von gerechter und ungerechter Sanktion schon weitgehend verloren.


Diese Behauptung entspricht nicht dem abstrakt angedrohten Strafmaß.

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