Über 10 Jahre hat man an dem Vertrag gearbeitet, immer wieder Änderungen durchgeführt um es allen recht zu machen, nun steht Europa vor der nächsten großen Reform, seit dem Vertrag von Maastricht. Lissabon erweitert dabei den Vertrag von Nizza, der am 11. Dezember 2000 beim Europäischen Rat in Nizza von den Staats- und Regierungschefs beschlossen und am 26. Februar 2001 unterzeichnet wurde.
Der Blockierer und Spassbremser Vaclav Klaus hat nun seine Extrawurst erhalten. Gestern nahmen die Staats- und Regierungschefs auf dem EU-Gipfel die tschechischen Bedingungen zur Ratifizierung an. Tschechien wird mit einer Klausel garantiert, dass die Grundrechte-Charta des Lissabon-Vertrages nicht zu Regressforderungen von nach dem Zweiten Weltkrieg enteigneten Sudetendeutschen und Ungarn führt. Solche Forderungen wurden ohnehin von niemandem erhoben und hätten auch kaum Chancen auf Erfolg gehabt, aber hier geht es offenbar schon lange nicht mehr um das Sachthema, sondern darum, wer sich profilieren kann.
Während Vaclav Klaus nun feiert und seinen Dickschädel durchgeboxt hat, ist diese Klausel für Europa relativ irrelevant. Dagegen ist es für die Tschechen kein Grund zum Feiern. Es bedeutet nämlich in der Praxis das sie die Grundrechtecharta nicht vor dem EuGH einklagen können.
Zitat:
Tschechien begrüßt Ausnahmeklausel bei EU-ReformvertragTschechien hat die auf dem EU-Gipfel beschlossene Sonderklausel für den EU-Reformvertrag begrüßt.
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Ich habe die Entscheidung des EU-Gipfels in Brüssel mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen, dass die tschechische Republik eine bedeutende Ausnahme vom Lissabon-Vertrag erhält", sagte Präsident Vaclav Klaus am Freitag. Das erreichte Ergebnis sei bestmöglich ausgefallen, weshalb er keine weiteren Bedingungen für die Ratifizierung des Vertragswerks stellen wolle.
Tschechien hatte in Brüssel eine Ausnahmeklausel von der EU-Grundrechte-Charta gefordert, damit die nach dem Zweiten Weltkrieg vertriebenen Sudetendeutschen an sein Land keine Ansprüche stellen können. Das Land soll jetzt so wie bereits Großbritannien und Polen in einem Protokoll die Zusage bekommen, dass die Grundrechte-Charta hier nicht gilt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs hatten sich nach jahrelangem Ringen am Donnerstagabend in Brüssel mit Tschechien und damit dem letzten Staat mit Bedenken gegen den Vertrag von Lissabon geeinigt. Mit dem Lissabon-Vertrag sollen die Entscheidungsprozesse in der Gemeinschaft vereinfacht und die EU schlagkräftiger werden.
Tschechien ist das letzte EU-Mitgliedsland, in dem der Vertrag nocht nicht ratifiziert ist. Das dortige höchste Gericht muss in der kommenden Woche noch über eine Verfassungsbeschwerde entscheiden, bevor die letzte juristische Hürde gegen eine Unterschrift von Klaus genommen werden kann. Mit einem Gerichtsbeschluss wird für Dienstag gerechnet. Beobachter rechnen damit, dass die Klage abgewiesen und danach Klaus den Vertrag schnell unterzeichnen wird. Damit würde der EU-Reformvertrag nach jahrelangem Ringen in Kraft treten.
http://de.reuters.com/article/worldNews ... DP20091030 Schwamm drüber, wichtig ist das der Weg zum EU-Vertrag nun endlich frei ist. Sofern alles planmäßig verläuft, wird der Vertrag noch in diesem Jahr in Kraft treten können.
