Baumsterben in Deutschland

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frems
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Baumsterben in Deutschland

Beitragvon frems » Mo 5. Jun 2017, 15:06

„Die Linde ist am Limit“, sagt Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau bei Würzburg. „Und der Ahorn ist sogar schon drüber.“ Lichte Kronen, verkürzte Vegetationsperioden, frühere Blattfärbung in Richtung Herbst sind dafür sichtbare Anzeichen. Was dann kommt? „Der Baum verhungert regelrecht“, so die Diplom-Biologin.

Typische „Stadtbäume“ wie die Winterlinde, Gemeine Esche, Berg- oder Spitzahorn leiden immer mehr unter citybedingten Stressfaktoren. Dazu gehören Bodenversiegelung, eine hohe Wärmerückstrahlung von den Gebäuden, Schadstoffemissionen sowie Urin- und Salzbelastungen.

https://www.welt.de/regionales/bayern/a ... ueber.html

Vor gut zehn Jahren wurde der Asiatische Laubholzbockkäfer erstmals in Deutschland entdeckt und hat seither schon beträchtlichen Schaden angerichtet. Die zuständigen Landesbehörden stoßen jedoch meist auf wenig Verständnis von Grundbesitzern, wenn diese ihre Bäume fällen sollen. In Magdeburg läuft deshalb gerade eine große Klage. [...]

In Deutschland hat sich der Schädling bereits in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt breit gemacht. In Bayern scheint es dem ostasiatischen Käfer am besten zu gefallen, vor allem das Gebiet Feldkirchen, beim Münchner Flughafen Riem, stellt ein großes Problem dar. Rund 200 Hektar Wald sind mittlerweile von dem Schädling betroffen.

http://www.mdr.de/nachrichten/vermischt ... r-100.html

Nachdem in diesem Jahr bereits Giftraupen Eichen kahl gefressen haben und asiatische Holzbockkäfer über Ahornbäume hergefallen sind, trifft es nun die Eschen: Ein Pilz lässt die Bäume sterben.

https://www.welt.de/wissenschaft/articl ... n-Tod.html

Immer mehr Kastanien in Hamburg werden von einer unheilbaren Krankheit befallen und müssen gefällt werden. Nach Informationen von NDR 90,3 sind bereits weit mehr als zehn Prozent der Bäume betroffen. [...]

7.000 Kastanien stehen an Straßenrändern oder in Parks. Mehr als 800 von ihnen sind bereits erkrankt, wie aktuelle Zahlen der Umweltbehörde zeigen. 250 mussten bereits gefällt werden. Besonders betroffen ist der Bezirk Bergedorf: Dort soll bereits jede dritte Kastanie infiziert sein. Heilbar ist der Bakterienbefall nicht. Die Umweltbehörde kann nur eine Konsequenz aus der Bakterien-Epidemie ziehen: Sie pflanzt keine Kastanien mehr an.

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/ ... en156.html

Nun sind die Ursachen in den obigen Fällen unterschiedlich. Dennoch stellt sich die Frage, ob zukünftige Generationen noch diese Baumarten fernab der Geschichtsbücher kennen werden. Ich muss gestehen, dass mir das Problem der Kastanien erst kürzlich bekannt wurde, als mir ein älterer Bekannter mitteilte, dass die Kastanie in seinem Garten, die sein Vater zu seiner Geburt 1946 pflanzte, von der Bakterie befallen war und gefällt werden musste. Das war schon ein trauriges Ereignis.
Labskaus!

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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon hallelujah » Mo 5. Jun 2017, 15:26

Die andere Seite: versuch mal, einen kranken Baum in einer Stadt fällen zu lassen. Hast sofort einen Aufstand selbsternannter Baumschützer.
Gäbe es einen Gott, hätte er keine Religionen erschaffen.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon Umetarek » Mo 5. Jun 2017, 15:31

Von Buchsbäumen wollen wir gar nicht reden.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon Gilmoregirl » Mo 5. Jun 2017, 15:34

Trockene Winter mit kurzen aber knackigen Kälteperioden, furztrockene Sommer und das ein paar Jahre in Folge haben vielen Bäumen zugesetzt. Es gibt viel Totholz an den Bäumen.
Etliche Schädlinge tun ihr Übriges. Schlimm nur, dass vielerorts die Schädlinge geschützt werden. Ich denke da nur an den Eichenprozessionsspinner und die Moniermotte, die die Kastanien befällt.
Den Unmweltschützern ist es schnurz, dass Menschen nicht mehr nach draußen konnten, weil in der Eiche die Raupen saßen und die Kronen kahl fraßen---bloß keine Chemie!!!! Zum Glück hat Brandenburg vor Jahren reagiert und ließ die Chemiekeule gegen die Eichenraupe zu.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon ebi80 » Mo 5. Jun 2017, 17:05

Liegt auch an der monotonen Landschaft, die der Mensch geschaffen hat. Viele dieser Schädlinge finden so ein wahres Paradies vor und vermehren sich prächtig. Das Problem mit Chemiekeulen besteht darin, daß diese Keulen nicht nur gegen diese Schädlinge wirken, sondern auch gegen nützliche Insekten die eh vom austerben bedroht sind.
Durch den Einsatz dieser Stoffe, schädigt man gleichermaßen auch die Insekten an denen es eh schon mangelt.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon Quatschki » Mo 5. Jun 2017, 17:15

Bekenntnis zur Globalisierung heißt eben auch "Cameraria ohridella welcome!"
Auch die Pflanzen müssen ihr Zusammenleben täglich neu aushandeln.
Was menschlicher Wahn erschuf, kann durch menschliche Einsicht überwunden werden.
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Beitragvon schokoschendrezki » Do 13. Jul 2017, 20:52

Apropos Bäume: Vorgestern habe ich meine seit einiger Zeit traditonelle alljährliche Plattensee-Fahrradumrundung absolviert (210 km, Anfang Juli oft bei um die 35 Grad ...) um zu verifizieren, ob ich mich bereits als "alten Mann" zu betrachten habe :p ... aber nicht das ist das Thema) Den Abend davor, also vorvorgestern gabs ein Wetter-Event, das mich doch in einiges Erstaunen versetzte.

So sahs auf einem kleinen Stück des Südufers des Plattensees auf einer Fläche zirka 50m mal 2 Kilometer einen Tag danach durchgängig aus:

http://www.kabolz.de/balaton/DSCN0082.JPG

Es gibt auch ein kurzes Video zu dem Originalereignis:

http://www.wetteronline.de/wetterticker ... 7119564963

Mal abgesehen vom Jahrhundert-Hochwasser 2002, wo ich von einem kleinen Flüsschen hochgebogene Schienstränge sah (Weißeritz), habe ich ein solches Bild von Wetterkatastrophen-Folgen in Mitteleuropa noch nie gesehen. Ich weiß inzwischen, dass weder der althergebrachte Begriff "Windhose" zutrifft noch dass es sich quasi um eine kleinere Form von Tornados handelt. Der korrekte Fachbegriff lautet "Downburst". Eine "Fallböe" in der Regel als örtlich stark begrenzte Begleiterscheinung von starken Gewiitern.

Ein bissel Nachdenken darüber und zum eigentlichen Thema: Umgebende Gebiete waren wahrscheinlich eher deshalb nicht betroffen, weil die typische normale Vegetation eher mediterran geartet ist. Weinanbau und mehr flache flexible Gewächse ... Die Kiefern auf den betroffenen Grundstücken gehören irgendwie gar nicht dahin. Sieht aus wie ein Stück Süd-Brandenburg in der Toskana. Es wurden aus meiner Sicht wirklich nur und ausschließlich Kiefern umgeknickt.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon Quatschki » Do 20. Jul 2017, 16:28

Kleiner Downburst. Ein bißchen mehr Power und auch die kleinen Gehölze wären weg gewesen.

2010 habe ich mir zeitnah die Schäden nach dem Großenhain-Tornado angeschaut.
Unter anderem Stammbruch einer gesunden Eiche mit Stammdurchmesser >1m. An dem Restbaum auf dem Kirchhof Walda kann man noch heute die ungeheuren Kräfte erahnen.
Reihenweise entwurzelte Feldrandgehölze, als ob ein Riese Unkraut gejätet hat,
Der Großenhainer Stadtpark ein Baum-Mikado.
Das ehemals gut begrünte Gelände um den Flugplatz komplett entbaumt. Nicht auszudenken, wenn dort noch die Russischen Jagdbomber mit ihren Kernwaffen stationiert gewesen wären.
Und das war nur F2-F3.
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon immernoch_ratlos » Sa 22. Jul 2017, 12:10

Na da passt doch diese recht aktuelle Meldung : Quelle : FAZ "Zu leicht entflammbar - Portugal will weniger Eukalyptus anbauen" Und (wie immer) ist es der angeblich "denkende Mensch" (Homo Sapiens in der Selbstdarstellung), der lediglich erntet was er zuvor "gesät" hat - ja ich weiß Bäume werden meist gepflanzt...
FAZ hat geschrieben:Im 20. Jahrhundert hatte sich die Waldfläche in Portugal auf fast 40 Prozent des Staatsgebiets fast verdreifacht. Waldbesitzer pflanzten vor allem die schnell wachsenden und deshalb besonders lukrativen Eukalyptus-Bäume. Sie machen heute mit 812 Millionen Hektar den größten Anteil der Wälder aus und verdrängten den bisher dominierenden Mischwald mit seinen vielen Kiefern und Korkeichen. Der Eukalyptus ist allerdings leicht entflammbar und beschleunigte den jüngsten Brand auf fatale Weise.
Dabei beeinträchtigt dieses "Unkraut" die lokale "Umwelt" ganz erheblich :
Portugalforum hat geschrieben:- Enormer Wasserverbrauch dieser ursprünglich aus Australien eingeführten Baumart,
- kein Hort in solch einer Monokultur für die ursprüngliche heimische Tier- und Pflanzenwelt.
- Enorme Waldbrandgefahr - Eukkalyptus brennt wegen der ätherischen Öle wie Zunder.


Nun ja, wegen des Klimawandels (den es ja nicht gibt) werden dort inneraustralische Verhältnisse einfach nur vorweggenommen. Wie überall zu beobachten interessieren die eventuellen Nachkommen kaum noch - hier die Google Übersetzung aus dem portugiesischen (2013) :
Quelle hat geschrieben:„Ich bin nicht überrascht, [mit den neuen Daten]“, sagt João Soares, ehemaliger Generaldirektor der Wälder. „Eucalyptus die einzige Art ist, die eine gewisse Rentabilität an die Eigentümer gibt“, fügt er hinzu. Ein Ökosystem mit Niederschlagsmengen von mehr als 800 mm pro Jahr, kann ein Hektar Eukalyptus ergibt, nach zehn Jahren, viertausend Euro; in dem Kiefernwald, dauert es 35 Jahre, bis Sie Qualitätsholz für Möbel genießen können, zum Beispiel. Das Wachstum von Eukalyptus in dem Land die dominante Spezies zu werden „die Reaktion der Forstwirte zu wirtschaftlichen Bedingungen ist sie konfrontiert“, stimmt Americo Carvalho Mendes, Professor an der Katholischen Universität und Verbandschef.

""Não estou nada surpreendido [com os novos dados]", diz João Soares, ex-director-geral das Florestas. "O eucalipto é a única espécie que dá alguma rendibilidade aos proprietários", acrescenta. Num ecossistema com níveis de precipitação superiores a 800 milímetros por ano, um hectare de eucalipto pode render, ao fim de dez anos, quatro mil euros; no pinhal, são precisos 35 anos até que se possa aproveitar madeira de qualidade para mobiliário, por exemplo. O crescimento do eucalipto até se transformar na espécie dominante do país "corresponde à resposta dos produtores florestais às condições económicas com que se deparam", concorda Américo Carvalho Mendes, professor na Universidade Católica e dirigente associativo."
Wer jetzt lebt will auch jetzt die Früchte seiner Aktivitäten genießen - sche... auf kommende Generationen. Ach ja - die Verarbeitung erfolgt hauptsächlich auch in dt. Papierfabriken... ja weil "wir" wohl der viertgrößte Papierverbraucher der Welt sind :dead:
"Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." (aus China)
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Re: Baumsterben in Deutschland

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Sa 22. Jul 2017, 16:47

Fangen wir diesen Winter an und hören auf, die Städte zu pökeln. Es gibt andere Wege, Straßen und Gehsteige passierbar und sicher zu halten. Salz im Boden wirkt sehr langfristig nach.
Striving for Excellence, Demonstrating Integrity, Activating Leadership, Acting Sustainably, Enjoying Participation, Living Diversity, Eating Meat.

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