Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

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Kölner1302
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Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Kölner1302 » So 16. Sep 2018, 08:42

Die AFD ist die stärkste Partei in den neuen Bundesländern - der Ex-DDR - und die AFD ist dort besonders stark geworden nach den Ausschreitungen in Chmnitz.

https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html

https://web.de/magazine/politik/afd-umf ... n-33166146

Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?
Zuletzt geändert von Kölner1302 am So 16. Sep 2018, 10:29, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Wähler » So 16. Sep 2018, 09:27

Kölner1302 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 09:42)
Die AFD ist die stärkste Partei in den neuen Bundesländern - der Ex-DDR - und die AFD ist dort besonders stark geworden nach den Ausschreitungen in Chmnitz.
https://www.bild.de/politik/inland/poli ... .bild.html
Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Das Umfrageergebnis ist eher Ausdruck von Rat- und Ideenlosigkeit der gesamtdeutschen Politik auf verschiedenen Politikfeldern. Ich kann nur davor warnen, die Debatte um die Ereignisse in Chemnitz jetzt auch noch zu einer dünnen Ossi-Wessi-Debatte auf Bildniveau hochzukochen. Je mehr Inhaltslosigkeit in den Debatten, um so mehr Politikverdrossenheit und damit um so mehr Zulauf für Rechts- und Linkspopulisten.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Europa2050 » So 16. Sep 2018, 09:59

Wähler hat geschrieben:(16 Sep 2018, 10:27)

Das Umfrageergebnis ist eher Ausdruck von Rat- und Ideenlosigkeit der gesamtdeutschen Politik auf verschiedenen Politikfeldern. Ich kann nur davor warnen, die Debatte um die Ereignisse in Chemnitz jetzt auch noch zu einer dünnen Ossi-Wessi-Debatte auf Bildniveau hochzukochen. Je mehr Inhaltslosigkeit in den Debatten, um so mehr Politikverdrossenheit und damit um so mehr Zulauf für Rechts- und Linkspopulisten.


Es sind ja nicht nur die Ostdeutschen, es sind (bis auf das Baltikum) alle ex-ComeCon-Staaten, bei denen nationalistische, autoritäre teils sogar faschistische Parolen in verschiedener Intensität verfangen und sogar regierungsfähig sind. Wir bekommen es halt nur in Deutschland besser mit.

Im Prinzip ist es der gleiche Effekt, wie nach dem WK1. Alle aus der Konkursmasse dreier Kaiserreiche geschaffenen Demokratien (in dem Fall mit Ausnahme ČSR - die erhielten dieDemokratie bis zum Untergang, und UdSSR - die verfielen in die andere, auch nicht bessere Richtung) fielen binnen 15 Jahren nationalistischen, autokratischen und faschistischen Systemen anheim. Zur Ehrenrettung: Deutschland als eines der letzten - dann aber eben auch brutalsten.

Offensichtlich reicht eine Initialzündung (1918 bzw. 1989) nicht, um Demokratie in der Breite des Volkes zu verankern, nach kurzer Begeisterung sehnt sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Generation, die aus dem Vorsystem stammt, nach dessen „klaren, einfachen Strukturen“ zurück.

Aber was dagegen machen?
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Liegestuhl » So 16. Sep 2018, 10:20

Europa2050 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 10:59)
Offensichtlich reicht eine Initialzündung (1918 bzw. 1989) nicht, um Demokratie in der Breite des Volkes zu verankern, nach kurzer Begeisterung sehnt sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Generation, die aus dem Vorsystem stammt, nach dessen „klaren, einfachen Strukturen“ zurück.


Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Julian » So 16. Sep 2018, 10:25

Europa2050 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 10:59)

Es sind ja nicht nur die Ostdeutschen, es sind (bis auf das Baltikum) alle ex-ComeCon-Staaten, bei denen nationalistische, autoritäre teils sogar faschistische Parolen in verschiedener Intensität verfangen und sogar regierungsfähig sind. Wir bekommen es halt nur in Deutschland besser mit.

Im Prinzip ist es der gleiche Effekt, wie nach dem WK1. Alle aus der Konkursmasse dreier Kaiserreiche geschaffenen Demokratien (in dem Fall mit Ausnahme ČSR - die erhielten dieDemokratie bis zum Untergang, und UdSSR - die verfielen in die andere, auch nicht bessere Richtung) fielen binnen 15 Jahren nationalistischen, autokratischen und faschistischen Systemen anheim. Zur Ehrenrettung: Deutschland als eines der letzten - dann aber eben auch brutalsten.

Offensichtlich reicht eine Initialzündung (1918 bzw. 1989) nicht, um Demokratie in der Breite des Volkes zu verankern, nach kurzer Begeisterung sehnt sich ein nicht zu unterschätzender Teil der Generation, die aus dem Vorsystem stammt, nach dessen „klaren, einfachen Strukturen“ zurück.

Aber was dagegen machen?


Was für ein Kurzschluss. Nur weil die Leute keine unkontrollierte Masseneinwanderung und keine übermäßige Abgabe nationaler Souveränität an die EU wünschen, wollen sie noch lange nicht die Demokratie abschaffen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Europa2050 » So 16. Sep 2018, 10:30

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:20)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.


Da bin ich bei Dir - zum Glück ist dem nicht so.

Aber sicher ein Prozentsatz, den wir in 70 Jahren Bundesrepublik so nicht kannten, findet Rechtsstaat, Pressefreiheit, Multilateralismus etc. überflüssig. Die gibt’s auch im „Westen“, aber eine Häufung östlich des Eisernen Vorhangs ist doch auszumachen (wie gesagt nicht nur in der Ex-DDR).
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Europa2050 » So 16. Sep 2018, 10:33

Julian hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:25)

Was für ein Kurzschluss. Nur weil die Leute keine unkontrollierte Masseneinwanderung und keine übermäßige Abgabe nationaler Souveränität an die EU wünschen, wollen sie noch lange nicht die Demokratie abschaffen.


Naja, in Russland haben sie es schon geschafft, in der Ukraine war man auch schon fast so weit und in Polen und Ungarn wird dran gearbeitet.

Und das hat ausnahmsweise mal gar nix mit Flüchtlingen zu tun!

Und ja, die Aufgabe von Souveränitätsrechten an die EU stört beim autokratisieren gewaltig. Ich kann Kaczynski und Orbán fast schon fluchen hören ... :mad2:
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Teeernte » So 16. Sep 2018, 10:47

Ganz im GEGENTEIL.....der Ossi wünscht nur das selbe Recht ...

Der grösste "Fehler" .....die eingeborenen "Büttel" im Osten schlechter zu stellen. (Polizei, Lehrer...."Nicht" verbeamtete Angestellte) - die "ziehen" nun nicht mit.

Früher sind die Bürgerbewegungen gegen den DDR Staat die treibende Kraft einer verpassten Änderung der Politik...

Was ist von denen "Übreiggeblieben" ? Runde Tische ? ...Bürgerstunden ? Ahhh..... Geschlossene Erholungsgebiete ...Froschbrücken und FledermausHäuser.

Den einzigen geschaffenen Wertgegenstand - nach 15 Jahren endlich abbezahlt... ....vermiest, den Betrieb verteuert und in Städten verboten...den WERT auf NULL gesetzt.

um 1500 im Sherwood Forest...
Nun ist es genug...streicht die Küchenabfälle für die Aussätzigen und Waisen, keine Gnade mehr bei Hinrichtungen und sagt Weihnachten ab..


Nehmt dem Arbeitslosen das letzte Hemd , dem Bauern die letzte Kuh.....streicht dem Kleinunternehmer den Kaffe und sagt die Weihnachtseinkaufstage ab.
Die müssen dann um ihr überleben BETTELN....jede Woche ...jeden Monat. .....und AUTOFAHREN für alte (Ost Nachwende) Autos (mit Insassen) ist zu verbieten.

Selbst Bei der Polizei werden die kleinen mieser bezahlt ....die Grossen nehmen sich ihren Anteil - die Polizei ist GENAU so teuer - wie in Bayern pro Kopf.. plus 1000de nicht bezahlte Überstunden...

Die Bürger bekommen eine Ordere de Mufti und sollen übers Stückchen springen - MIT-ARBEIT ? Demokratie ....ist nich...!

Es reicht - wenn die Ossis die STIMME abgeben.

Die haben sich nun ANGEPASST und geben die Stimme DEM, der sich "RAUS TRAUT" - den Kopp in den Propagandawind hält.

.....bitte lasst UNTERSTELLUNGEN ....ich bin Wendegewinner ...und Beobachter.

Sicher etwas überzogen....aber ...nur etwas.
Zuletzt geändert von Teeernte am So 16. Sep 2018, 10:48, insgesamt 1-mal geändert.
Obs zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass ist:.... Es immer der >>menschgemachte<< Klimawandel. :D
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon BlueMonday » So 16. Sep 2018, 10:47

Europa2050 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 10:59)

Aber was dagegen machen?


Vielleicht ne tiefere, ehrliche Analyse der "Demokratie". Demokratie bedeutet auch - wenn man damit vor allem ein Entscheidungsfindungsverfahren versteht - einen Verlust. Sie scheint sich in immer mehr Bereiche des Lebens auszubreiten, immer mehr wird mehrheitlich-kollektiv entschieden mit schwindender Einflussnahme des Einzelnen. Man fühlt sich entfernt gefällten Entscheidungen ohnmächtig ausgesetzt. Das führt irgendwann zu Reaktionen.
Die Lösung besteht eben in einer Umkehr. Mehr Gewicht für die kleineren Teile. Den Grad der Subsidiarität deutlich erhöhen, statt immer größere Kreise um die Menschen zu ziehen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Europa2050 » So 16. Sep 2018, 11:00

BlueMonday hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:47)

Vielleicht ne tiefere, ehrliche Analyse der "Demokratie". Demokratie bedeutet auch - wenn man damit vor allem ein Entscheidungsfindungsverfahren versteht - einen Verlust. Sie scheint sich in immer mehr Bereiche des Lebens auszubreiten, immer mehr wird mehrheitlich-kollektiv entschieden mit schwindender Einflussnahme des Einzelnen. Man fühlt sich entfernt gefällten Entscheidungen ohnmächtig ausgesetzt. Das führt irgendwann zu Reaktionen.
Die Lösung besteht eben in einer Umkehr. Mehr Gewicht für die kleineren Teile. Den Grad der Subsidiarität deutlich erhöhen, statt immer größere Kreise um die Menschen zu ziehen.


Ja, das kann ich nachvollziehen.

Gleichzeitig wird aber eben die Welt immer kleiner - wir reisen und arbeiten weltweit, kommunizieren zu großen Teilen in der Weltsprache englisch und zahlen in 18+ Ländern mit unserer eigenen Währung, dem Euro.

Mein Sohn hat während seiner Gymnasialzeit dreimal das Bundesland gewechselt (und das nur in Bayern, Sachsen, B-W!). Der letzte Wechsel hat ihn ein Schuljahr gekostet, zu groß waren die Rückstände in der zweiten Fremdsprache. Das ist eben der Preis der Subsidiarität.

Es bleibt eben schwierig, und manche, die aus ihrem Dorf nicht rauskommen und Fremde höchstens im Fernsehen sehen, werden
das als Luxusproblem empfinden. Ich wäre lieber in „one world“ und bin als (im internationalen Vergleich) wohlhabend geborener auch bereit dazu angemessen beizutragen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Ebiker » So 16. Sep 2018, 11:27

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:20)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.


Genau, und sie haben ein sehr feines Gespür dafür in welch grosser Gefahr sie ist
Eines Tages werden Millionen Menschen die südliche Hemisphäre verlassen, um in der nördlichen Hemisphäre einzufallen. Und sie werden sie erobern, indem sie sie mit ihren Kindern bevölkern.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon H2O » So 16. Sep 2018, 11:43

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:20)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.


Meine Einschätzung: Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, manche Mühlen viel zu langsam. Jede Entscheidung wird hin und her diskutiert, wo längst eine Entscheidung erwartet worden wäre. Die Leute gehen ausdauernd auf die Straße, beschimpfen die politische Klasse und wünschen sich kurze Entscheide in spontanen Volksabstimmungen.

Viele Leute im Osten wünschen sich eine "andere Demokratie", wo "das Volk" zugleich Regierung, Amt und Gericht ist. Im Grunde die ungebremste Macht der größten Schreihälse.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Ammianus » So 16. Sep 2018, 11:49

Europa2050 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:00)

Ja, das kann ich nachvollziehen.

Gleichzeitig wird aber eben die Welt immer kleiner - wir reisen und arbeiten weltweit, kommunizieren zu großen Teilen in der Weltsprache englisch und zahlen in 18+ Ländern mit unserer eigenen Währung, dem Euro.

Mein Sohn hat während seiner Gymnasialzeit dreimal das Bundesland gewechselt (und das nur in Bayern, Sachsen, B-W!). Der letzte Wechsel hat ihn ein Schuljahr gekostet, zu groß waren die Rückstände in der zweiten Fremdsprache. Das ist eben der Preis der Subsidiarität.

Es bleibt eben schwierig, und manche, die aus ihrem Dorf nicht rauskommen und Fremde höchstens im Fernsehen sehen, werden
das als Luxusproblem empfinden. Ich wäre lieber in „one world“ und bin als (im internationalen Vergleich) wohlhabend geborener auch bereit dazu angemessen beizutragen.


Du sprichst hier einen ganz wesentlichen Punkt an. Es hat sich in den Ländern des Westen jeweils eine breite international aufgestellt Elite herausgebildet. Du beschreibst das sehr gut im ersten Absatz. Wie umfassend das ist, kann man auch an der prozentualen Zahl der Abiturienten jedes Jahrgangs verfolgen. Die lag früher mal bei ca. 10 % und noch früher deutlich darunter. Für diese Eliten ist die Welt ein gewaltiges Dorf - zu mindest, was ihre Schicht angeht, die Kontakte pflegt. Doch diese obere Schicht ist zwar so groß wie nie zuvor, die Mehrheit der Bevölkerung aber besteht aus denen, die du in deinem letzten Absatz beschreibst.
Dazu muss man sich einfach nur die Bildungs- und Einkommenspyramiden ansehen. Natürlich sind die Übergänge in jeder Beziehung fließend und auch Akademiker wählen die AfD. Trotzdem ist da eine deutliche Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Die hat es zwar schon immer gegeben, wird jetzt aber auffälliger.
Und um beim Strangthema zu bleiben: In den östlichen Bundesländern dürfte die Spitze der Pyramide deutlich kleiner sein. Auch gehen viele von denen mit höherer Bildung in den alten Westen, ins EU-Ausland oder die Vereinigten Staaten. Zurück bleiben die ganz normalen mit einfachem Schulabschluss, erlerntem Beruf die im TV "Bares für Rares", Fußball und "Musikantenstadel" sowie alle möglichen anderen für sie geschaffenen Formate genießen. Die leben in einer ganz anderen Welt, die für viele aus den Eliten vollkommen fremd ist.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Raul71 » So 16. Sep 2018, 11:50

H2O hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:43)

Meine Einschätzung: Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, manche Mühlen viel zu langsam. Jede Entscheidung wird hin und her diskutiert, wo längst eine Entscheidung erwartet worden wäre. Die Leute gehen ausdauernd auf die Straße, beschimpfen die politische Klasse und wünschen sich kurze Entscheide in spontanen Volksabstimmungen.

Viele Leute im Osten wünschen sich eine "andere Demokratie", wo "das Volk" zugleich Regierung, Amt und Gericht ist. Im Grunde die ungebremste Macht der größten Schreihälse.
Nein. Nur sind die Ostdeutschen nicht so traditionell mit den etablierten Parteien verbunden. Ich wage die Behauptung, dass im Westen sehr viele z.B. die CDU bzw. die SPD wählen, obwohl sie mit ihrer Politik derzeit überhaupt nicht einverstanden sind. Es bröckelt aber immer mehr, wie man sieht.
Das heißt, auch die Westdeutschen wollen keine andere Republik, sondern eine beträchtliche Veränderung der Politik.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Skull » So 16. Sep 2018, 11:55

Raul71 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:50)

Das heißt, auch die Westdeutschen wollen keine andere Republik, sondern eine beträchtliche Veränderung der Politik.

Und welche ? :D

Einig ist sich ja die unterschiedliche Bevölkerung ... in deutschen Landen ... nicht.

Zu eigentlich fast gar keinem Thema.
Auch wenn es EINFACH ... die Menschen so formulieren, das sie keinen Einheitsbrei und weniger Kompromisse wollen.

Bei fast jedem THEMA hat man dann unterschiedliche Meinungen.

Und egal welche Entscheidung die "Politik" trifft...eine grosse Minderheit kritisiert dann diese Entscheidung. :D

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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon H2O » So 16. Sep 2018, 12:30

Ammianus hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:49)

Du sprichst hier einen ganz wesentlichen Punkt an. Es hat sich in den Ländern des Westen jeweils eine breite international aufgestellt Elite herausgebildet. Du beschreibst das sehr gut im ersten Absatz. Wie umfassend das ist, kann man auch an der prozentualen Zahl der Abiturienten jedes Jahrgangs verfolgen. Die lag früher mal bei ca. 10 % und noch früher deutlich darunter. Für diese Eliten ist die Welt ein gewaltiges Dorf - zu mindest, was ihre Schicht angeht, die Kontakte pflegt. Doch diese obere Schicht ist zwar so groß wie nie zuvor, die Mehrheit der Bevölkerung aber besteht aus denen, die du in deinem letzten Absatz beschreibst.
Dazu muss man sich einfach nur die Bildungs- und Einkommenspyramiden ansehen. Natürlich sind die Übergänge in jeder Beziehung fließend und auch Akademiker wählen die AfD. Trotzdem ist da eine deutliche Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Die hat es zwar schon immer gegeben, wird jetzt aber auffälliger.
Und um beim Strangthema zu bleiben: In den östlichen Bundesländern dürfte die Spitze der Pyramide deutlich kleiner sein. Auch gehen viele von denen mit höherer Bildung in den alten Westen, ins EU-Ausland oder die Vereinigten Staaten. Zurück bleiben die ganz normalen mit einfachem Schulabschluss, erlerntem Beruf die im TV "Bares für Rares", Fußball und "Musikantenstadel" sowie alle möglichen anderen für sie geschaffenen Formate genießen. Die leben in einer ganz anderen Welt, die für viele aus den Eliten vollkommen fremd ist.


Natürlich werden leistungsfähige und gut ausgebildete Leute dorthin gehen, wo sie erwartungsgemäß wirtschaftlichen Erfolg haben... macht doch wohl jeder von uns so, wenn ihn nicht ganz wichtige Bindungen daran hindern.

Diese wirtschaftliche Macht ist aber nicht in Neufünfland zu Hause... mit erfreulichen Ausnahmen, selbstverständlich.

Auch im Westen, in den alten Bundesländern, gibt es diese "Klasse", die sie beschreiben. Vermutlich hat die aber einen wirtschaftlichen Vorteil durch die Nähe der großen Unternehmungen, während im Osten vielleicht oft Hoffnungslosigkeit um die Ecke lugt. Das paßt natürlich nicht zu den Erwartungen, die immer wieder geweckt werden. Und dann kommt eben das ganz große Thema, daß da plötzlich Leute erscheinen, die die Mittel beanspruchen und auch erhalten, die doch eigentlich ihnen zustehen. Wenn dann Rattenfänger mit ihren Schalmeien durch das Land ziehen und diese Stimmung bedienen, dann ist der Erfolg doch fast sicher.

Frau Wagenknecht hat doch nicht aus Versehen in dieses Horn getutet. Ich bin fast sicher, daß in vielen, vielen Einzelgesprächen genau diese Gefühlslage herüber kommt. Nur daß die AfD eben deutlich schneller diese Lücke im politischen Angebot geschlossen hat.

Auch im Westen kann eine solche Stimmung sich Bahn brechen beim Thema Wohnen. Wenn der verfügbare Wohnraum in Ballungsgebieten sich auch dadurch verknappt, daß Flüchtlinge dort erst einmal untergebracht werden müsen... schon um sie in der Nähe von Ämtern und Schulen zu halten, dann fassen Normalverbraucher bei der Suche nach "bezahlbarem Wohnraum" ins Leere. Zumal man zugelassen hat, Wohnraum und Baugrund zu Spekulationszwecken auf zu kaufen. "Die Politik" angeblich machtlos, alles im Rahmen der Gesetze. Man sollte sich nicht zu sicher sein, daß hier im Westen sich keine Wut ansammelt, die mit den üblichen Beschwichtigungen nicht mehr ein zu dämmen ist. Im Bundestag sitzen 709 Traumtänzer herum, die sich um die leicht nachvollziehbaren Gefühle der Normalverbraucher einen Dreck scheren.

Natürlich wird die AfD recht bald auf diesem Klavier spielen... wer denn sonst?

Das Machen bleibt den Altparteien überlassen... wie zuvor das Unterlassen.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Odin1506 » So 16. Sep 2018, 13:10

Ich denke mal die Fragestellung ist schon mal falsch. Die Ostdeutschen wollen keine andere Republik, die Ostdeutschen wollen nach 29 Jahren endlich genauso viel wie die Westdeutschen. Und ich denke, das die Ostdeutschen auch soziale Sicherheit haben wollen.
Wenn man sich die AfD genau anschaut, dann ist diese Partei nur eine rechstkonservative Partei, die genauso die Ostdeutschen verblendet hat wie einst die Kohl-Regierung.
Schauen wir uns dochmal die Parteien im großen und ganzen an. Wenn man die Bundestagsdebatten, die Parteitage usw. nimmt, dann haben immer nur die anderen Schuld an der Miesere. Ich habe noch nie erlebt das eine Partei, ist egal welche man nimmt, sich für eine katastrophale Politik entschuldigt und die ihre Fehler zugegeben hat.
Ich bin keine Signatur, ich putze hier nur!!! :p
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Wähler » So 16. Sep 2018, 13:15

http://www.genios.de/presse-archiv/arti ... 42468.html
FAZ 19. Mai 2017 Extremismus als Stadt-Land-Problem
Die von Iris Gleicke, der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, initiierte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Rechtsextremismus nicht ausschließlich ein Ost-West-, sondern auch ein Zentrum-Peripherie-Problem ist, das durch regionale Faktoren befördert werde wie etwa die DDR-Sozialisation sowie die Folgen der Transformation zur Marktwirtschaft, die im Osten zwangsläufig eine größere Rolle spielten. Das Göttinger Institut für Demokratieforschung um den Politologen Frank Walter befragte dafür Bürger in Freital und Heidenau, wo es 2015 zu besonders heftigen fremdenfeindlichen Ausschreitungen gekommen war, sowie im für seine rechtsextreme Szene bekannten Erfurter Stadtteil Herrenberg.

"Dabei stießen die Forscher auch auf große Unterschiede zwischen urbanen Milieus wie in Erfurt, wo ein breites Bündnis fremdenfeindlichen Umtrieben entgegentritt, und kleinstädtischen Umgebungen wie in Heidenau und Freital, wo genau das fehle. Die Bewohner Letzterer fühlten sich demnach gleich dreifach benachteiligt und geringgeschätzt: als Landbewohner gegenüber Städtern, als Ostdeutsche gegenüber Westdeutschen sowie als Deutsche gegenüber vermeintlich privilegierten Ausländern."
Es geht wohl weniger um politische Überzeugungen, als um lokale und regionale gesellschaftliche Befindlichkeiten.
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon Fliege » So 16. Sep 2018, 13:18

Liegestuhl hat geschrieben:(16 Sep 2018, 11:20)

Ich glaube übrigens nicht, dass sich die Mehrheit der Ossis eine Abschaffung der Demokratie wünschen.

Und ich denke, dass sich die Mehrheit oder angehende Mehrheit der Ostdeutschen eine Abschaffung von etwas anderem wünscht, wobei sie sich für dieses etwas andere sogar durchaus schämt.

Ebiker (zu Liegestuhl) hat geschrieben:(16 Sep 2018, 12:27)

Genau, und sie haben ein sehr feines Gespür dafür in welch grosser Gefahr sie ist

Das möchte auch ich meinen.
Zuletzt geändert von Fliege am So 16. Sep 2018, 13:28, insgesamt 1-mal geändert.
Schnittblumen verhalten sich zahm, sind aber nicht immer stubenrein; gelten "als politisch ungefestigt und unklar".
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Re: Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Beitragvon imp » So 16. Sep 2018, 13:27

Kölner1302 hat geschrieben:(16 Sep 2018, 09:42)

Die AFD ist die stärkste Partei in den neuen Bundesländern - der Ex-DDR - und die AFD ist dort besonders stark geworden nach den Ausschreitungen in Chmnitz.

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Wollen die Ostdeutschen eine andere Republik als die Westdeutschen?

Ich denke nicht, dass "die Ostdeutschen" da eine gemeinsame abweichende Vision haben. Dazu ist die Region zu differenziert. Stadt und Land, aufstrebende und schwächelnde Wirtschaft, gut angebund an Hauptverkehrsadern oder Hinterland, grenznah zu starken Bundesländern oder östlichen Nachbarstaaten...

Insgesamt sind manche Teile soziologisch anders durchmischt als durchschnittliche Regionen Bayerns oder Hessens. Dadurch ergibt sich ein in Nuancen und Gewichtungen etwas anderes System, aber das ist mehr eine Frage des wieviel und des was-ist-dringender und wie gesagt innerhalb des Ostens auch differenziert.
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