Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon DGDG » Di 17. Jul 2018, 17:05

Alexyessin hat geschrieben:(17 Jul 2018, 15:24)

Um es mit den Worten von Winston Churchill zu sagen:
Demokratie ist eine schlechte Regierungsform aber es ist die Beste die wir haben.
Und ich weiß nur über meine Verwandten, was eine Diktatur ist - und zum Glück ist unsere Demokratie sehr weit von so was entfernt. ( Was jetzt nicht heißt, das hier nicht einiges schief läuft )


Natürlich kann man das derartig romantisch sehen, überall auf der Welt findet man jedoch Beweise dafür, dass die politische Meinung eines großen Teiles der Bevölkerung (hint: Die mit wenig Geld) einen bestenfalls schwindenden Einfluss auf die Politik hat - egal, ob in einer föderalen Republik oder in einer parlamentarischen Demokratie. Staatsformen, die auf genau das hinauslaufen (sprich: die Macht des Geldes), als "das Beste" zu bezeichnen, halte ich jedoch für gewagt. Nicht falsch verstehen - ich habe selbstverständlich auch keine Patentlösung, aber wer den Willen zur Verbesserung verliert, der kann nur schlechter werden.

zollagent hat geschrieben:Koalitionsverträge sind NICHT unverbindlich. Bei einem Bruch der Vereinbarungen durch eine Partei, kann die andere die Koalition verlassen.


Wie du das wichtigste, nämlich die Wahlprogramme, hier außen vorlässt, erstaunt mich. Selektive Wahrnehmung?

Auch ist das Austreten aus einer Koalition für die aktuellen Parteien leider keine Option - Machtverlust usw. Ich wünschte, die SPD würde sich mal am Riemen reißen, den Koalitionsvertrag sprengen und endlich mal für politischen Aufwind sorgen, notfalls in der Opposition - tut sie aber nicht, obwohl eine große Koalition nur eine der kleinsten gemeinsamen Nenner ist. Ist das also wirklich eine Option? Auf dem Papier schon - wenn wir das aber mal realistisch sehen? Man tut hier also nicht, was offensichtlich das Beste wäre => Kontra zu geben, damit niemand die Kontrolle hat und man sich am Ende mal wieder gegenseitig von dem Nutzen der eigenen Ideen überzeugen muss. Bloß keinen Diskurs, bloß keinen Konsens, denn das hat Deutschland längst verlernt. Man weiß also schon gar nicht mehr, wie das geht.

Vorträge bei sogenannten "Debatten", bei denen die eine Seite der anderen nicht zuhört. Lösungsorientiert sieht leider anders aus.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Alexyessin » Mi 18. Jul 2018, 07:12

DGDG hat geschrieben:(17 Jul 2018, 18:05)

Natürlich kann man das derartig romantisch sehen, überall auf der Welt findet man jedoch Beweise dafür, dass die politische Meinung eines großen Teiles der Bevölkerung (hint: Die mit wenig Geld) einen bestenfalls schwindenden Einfluss auf die Politik hat - egal, ob in einer föderalen Republik oder in einer parlamentarischen Demokratie. Staatsformen, die auf genau das hinauslaufen (sprich: die Macht des Geldes), als "das Beste" zu bezeichnen, halte ich jedoch für gewagt. Nicht falsch verstehen - ich habe selbstverständlich auch keine Patentlösung, aber wer den Willen zur Verbesserung verliert, der kann nur schlechter werden.


Die Macht des Geldes kann beschränkt werden und wird es auch. Siehe unsere Rechtssprechung und unser Rechtssystem. Leider ist die Demokratie wie jede andere Regierungsform auch Korruptionsanfällig. Aber dies liese sich auch innerhalb eines bestehenden demokratischen System lösen - sofern du genügend Menschen findest, die sich deiner Idee anschließen.
Das gleiche gilt mEn für die entsprechenden Wahlsysteme. So können wir in Bayern zum Beispiel bei Kommunalwahlen Kummulieren und Panaschieren ( Häufeln, Streichen, Querlistenwählen ) und sowas wünsche ich mir eben auch für die Landtagswahl und Bundestagswahl. Aber ich konnte mich mit dieser Überzeugung das System demokratischer zu machen noch nicht wirklich durchsetzen.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 07:20

DGDG hat geschrieben:(17 Jul 2018, 18:05)

..



Wie du das wichtigste, nämlich die Wahlprogramme, hier außen vorlässt, erstaunt mich. Selektive Wahrnehmung?

Auch ist das Austreten aus einer Koalition für die aktuellen Parteien leider keine Option - Machtverlust usw. Ich wünschte, die SPD würde sich mal am Riemen reißen, den Koalitionsvertrag sprengen und endlich mal für politischen Aufwind sorgen, notfalls in der Opposition - tut sie aber nicht, obwohl eine große Koalition nur eine der kleinsten gemeinsamen Nenner ist. Ist das also wirklich eine Option? Auf dem Papier schon - wenn wir das aber mal realistisch sehen? Man tut hier also nicht, was offensichtlich das Beste wäre => Kontra zu geben, damit niemand die Kontrolle hat und man sich am Ende mal wieder gegenseitig von dem Nutzen der eigenen Ideen überzeugen muss. Bloß keinen Diskurs, bloß keinen Konsens, denn das hat Deutschland längst verlernt. Man weiß also schon gar nicht mehr, wie das geht.

Vorträge bei sogenannten "Debatten", bei denen die eine Seite der anderen nicht zuhört. Lösungsorientiert sieht leider anders aus.

Genau das Letztere ist doch das Gejammer über angeblich "undemokratische Gesellschaftsformen" und "hört nicht auf den Willen des Volkes". Wer Augenblicksstimmungen folgt, wird nie eine nachhaltige Politik machen können. Daß es in einer Regierungspolitik auch Sachzwänge gibt, die im Wahlprogramm nicht berücksichtigt wurden, vielleicht, weil man sie nur in der Verantwortung kennenlernt, läßt du einfach mal unerwähnt. Und ein Kompromiß, und von dem lebt nun mal die Demokratie, von Interessenausgleichen, ist konkretes Handeln und Berücksichtigen anderer Auffassungen. Einfach mal Opposition um der Opposition willen schafft nichts, baut nichts auf und führt auch die Gesellschaft nicht weiter. Fakt ist, daß jeder die Möglichkeit hat, sich in unserer Gesellschaft zu äußern, das Koalitionsrecht läßt ihm auch die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zusammenzutun, um den eigenen Interessen Gewicht zu verleihen und - leider - ebenso Fakt ist, daß nicht mehrheitsfähige Interessen eben keine Berücksichtigung finden. Da kann man sich noch so sehr als "das Volk" gebärden, man ist es nicht, wenn man nicht Mehrheiten hinter sich hat.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon DGDG » Mi 18. Jul 2018, 09:35

Alexyessin hat geschrieben:(18 Jul 2018, 08:12)

Die Macht des Geldes kann beschränkt werden und wird es auch. Siehe unsere Rechtssprechung und unser Rechtssystem. Leider ist die Demokratie wie jede andere Regierungsform auch Korruptionsanfällig. Aber dies liese sich auch innerhalb eines bestehenden demokratischen System lösen - sofern du genügend Menschen findest, die sich deiner Idee anschließen.
Das gleiche gilt mEn für die entsprechenden Wahlsysteme. So können wir in Bayern zum Beispiel bei Kommunalwahlen Kummulieren und Panaschieren ( Häufeln, Streichen, Querlistenwählen ) und sowas wünsche ich mir eben auch für die Landtagswahl und Bundestagswahl. Aber ich konnte mich mit dieser Überzeugung das System demokratischer zu machen noch nicht wirklich durchsetzen.


Natürlich kann etwas dagegen getan werden => wird es allerdings nicht. Lobbyismus ist derzeit stark wie nie zuvor und Menschen mit mehr Einkommen haben mehr Einfluss, auf die Politik, als die mit wenig. Von der Regierung selbst festgestellt und auch so bestätigt. Das Problem daran ist, dass Korruption heutzutage nicht mehr Illegal ist, wenn man es Lobbyismus nennt. Der Gedanke, dass System demokratischer zu machen, ist nicht meiner. Mir geht es darum, die dem System angedachte Demokratie wiederherzustellen. Man muss es gar nicht besser machen, als es sein könnte, aber es sollte schon so gut sein, wie es sein kann. Dazu muss diese Korruption weg und dazu muss man das auch mal öffentlich Thematisieren und sich damit auseinandersetzen.

Derzeit ist es eben ein korruptes System. Klar, offensichtlich und durch die Regierung bestätigt.

zollagent hat geschrieben:Genau das Letztere ist doch das Gejammer über angeblich "undemokratische Gesellschaftsformen" und "hört nicht auf den Willen des Volkes". Wer Augenblicksstimmungen folgt, wird nie eine nachhaltige Politik machen können.


Zu sagen, dass der durchschnittliche Bürger ohnehin keine langfristig sinnvollen Entscheidungen treffen kann, und daher von Politikern bevormundet werden muss, ist schon n bisschen gewagt.

zollagent hat geschrieben:Daß es in einer Regierungspolitik auch Sachzwänge gibt, die im Wahlprogramm nicht berücksichtigt wurden, vielleicht, weil man sie nur in der Verantwortung kennenlernt, läßt du einfach mal unerwähnt.


Ja, die lasse ich tatsächlich unerwähnt, weil diese im Zusammenhang irrelevant sind. Es geht nicht um Probleme, die mehr oder weniger nebenbei auftreten, sondern um das wissentliche Ignorieren des Wahlprogrammes (also, dem Versprechen an die Wähler, deren Interessen umzusetzen, oder es zumindest zu versuchen).

zollagent hat geschrieben:Und ein Kompromiß, und von dem lebt nun mal die Demokratie, von Interessenausgleichen, ist konkretes Handeln und Berücksichtigen anderer Auffassungen.


Ja, genau diese Kompromisse sind es, um die es geht und diese sehe ich halt nicht. Diese findet man nur, wenn man sich einander auch zuhört und vorallem nicht korrupt ist. Zuhören mag ja noch stattfinden, auch wenn ich mir das in Anbetracht des üblichen Gesichtsausdrucks der Vertreter im Plenum kaum vorstellen kann, aber die Korruption ist vorhanden und daher ...

zollagent hat geschrieben:Einfach mal Opposition um der Opposition willen schafft nichts, baut nichts auf und führt auch die Gesellschaft nicht weiter.


... sollte es meiner Meinung nach eine Opposition geben, die dieser entgegensetzt. Es geht nicht darum, um der Opposition willen in diese zu gehen, sondern um den Geldinteressen dort oben etwas entgegen zu setzen. Üblicherweise nutzt man den Diskurs, um zum Pudels Kern zu kommen und die schlechten Ideen auszusieben. Man kann auch mit einer parlamentarischen Opposition Gesetze machen, nur wird das deutlich schwerer und man muss gute Kompromisse machen und nicht "irgendeinen, mit dem man irgendwie leben kann".
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Alexyessin » Mi 18. Jul 2018, 09:57

DGDG hat geschrieben:(18 Jul 2018, 10:35)

Natürlich kann etwas dagegen getan werden => wird es allerdings nicht.


Du kannst die Menschen in einer Demokratie nicht dazu zwingen sich demokratisch zu betätigen. Die Freiheit sich nicht einzumischen gehört zur Freiheit dazu.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 10:09

DGDG hat geschrieben:(18 Jul 2018, 10:35)

...

Zu sagen, dass der durchschnittliche Bürger ohnehin keine langfristig sinnvollen Entscheidungen treffen kann, und daher von Politikern bevormundet werden muss, ist schon n bisschen gewagt.


Das ist nicht gewagt, das ist Fakt. Schon allein wegen des möglichen Informationsstandes. Im Übrigen muß niemand "bevormundet" werden, der seine Quellen richtig nutzt. Die "Bevormundung" willst doch du einführen. Oder wäre der Kommunismus nicht mehr die Ideologie der Verbote? Das wäre mir neu.

DGDG hat geschrieben:(18 Jul 2018, 10:35)Ja, die lasse ich tatsächlich unerwähnt, weil diese im Zusammenhang irrelevant sind. Es geht nicht um Probleme, die mehr oder weniger nebenbei auftreten, sondern um das wissentliche Ignorieren des Wahlprogrammes (also, dem Versprechen an die Wähler, deren Interessen umzusetzen, oder es zumindest zu versuchen).


Irrelevant? Diese Probleme treten nicht "nebenbei" auf, sondern sie ergeben sich aus der Sache selbst. Schon allein, wenn man eine Koalition eingeht, gehört eben dazu, daß jede Seite gibt und nimmt. Und da fallen halt mal die eine oder andere Aussage aus dem ursprünglichen Wahlprogramm in die Rundablage. Das hat was mit dem Demokratieding zu tun, weißt du? :D

DGDG hat geschrieben:(18 Jul 2018, 10:35)Ja, genau diese Kompromisse sind es, um die es geht und diese sehe ich halt nicht. Diese findet man nur, wenn man sich einander auch zuhört und vorallem nicht korrupt ist. Zuhören mag ja noch stattfinden, auch wenn ich mir das in Anbetracht des üblichen Gesichtsausdrucks der Vertreter im Plenum kaum vorstellen kann, aber die Korruption ist vorhanden und daher ...


Was man nicht sehen will, das kann man nicht sehen. Natürlich ist eine Koalitionsvereinbarung eine Mischung aus mindestens zwei Wahlprogrammen. Und es dürfte sehr selten sein, daß die alle so kompatibel wären, daß auch alle Vorhaben darin Platz finden. Und wenn dir nichts anderes einfällt, als Korruption zu vermuten, wenn deine politischen Ansichten keinen Widerhall finden, dann tust du mir leid. Der Korruptionsvorwurf findet wohl eher Raum da, wo nicht mehr hinterfragbare Politiker eine nicht mehr wechselbare Machtposition einnehmen, also nicht mehr durch einen politischen Gegenpart abgelöst werden können, genau das, was bei einer kommunistischen Gesellschaftsordnung prägend wäre. Politiker, die auf Zeit gewählt sind, sind da weniger anfällig. Macht korrumpiert und nicht mehr ablösbare Macht gibt dafür mehr Freiraum.


DGDG hat geschrieben:(18 Jul 2018, 10:35)... sollte es meiner Meinung nach eine Opposition geben, die dieser entgegensetzt. Es geht nicht darum, um der Opposition willen in diese zu gehen, sondern um den Geldinteressen dort oben etwas entgegen zu setzen. Üblicherweise nutzt man den Diskurs, um zum Pudels Kern zu kommen und die schlechten Ideen auszusieben. Man kann auch mit einer parlamentarischen Opposition Gesetze machen, nur wird das deutlich schwerer und man muss gute Kompromisse machen und nicht "irgendeinen, mit dem man irgendwie leben kann".


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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 18. Jul 2018, 10:10

zollagent hat geschrieben:(17 Jul 2018, 15:49)

Koalitionsverträge sind NICHT unverbindlich.

Koalitionsverträge strotzen vor Konjunktiven, ja, es werden auch konkrete Ziele benannt, aber wenn sie nicht erreicht werden, hat das auch keine Konsequenzen, außer vllt. an der Wahlurne.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 10:11

Tom Bombadil hat geschrieben:(18 Jul 2018, 11:10)

Koalitionsverträge strotzen vor Konjunktiven, ja, es werden auch konkrete Ziele benannt, aber wenn sie nicht erreicht werden, hat das auch keine Konsequenzen, außer vllt. an der Wahlurne.

Oder, wie ich schon erwähnte, durch das Ende einer Koalition. Könnte ja auch mal sein, oder? ;)
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon KarlRanseier » Mi 18. Jul 2018, 10:16

Ein Parteiensystem öffnet dem Lobbyismus Tür und Tor. Das ist nicht nur in Deutschland so, wo man direkt beobachten kann, wie z.B. Energieriesen und Autokonzerne die Politik bestimmen.

Lobbyismus und Demokratie sind aber nicht miteinander vereinbar. Es können nicht gleichzeitig "das Volk" und die systemrelevanten Konzerne bestimmen. Demokratie ist allerdings in der Praxis gar nicht gewünscht, sonst könnte man ganz einfach den Lobbyismus per Gesetz zumindest stark zurückdrängen. Lobbyisten nennt man allerdings pol. korrekt "unabhängige Experten".
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon KarlRanseier » Mi 18. Jul 2018, 10:16

Ein Parteiensystem öffnet dem Lobbyismus Tür und Tor. Das ist nicht nur in Deutschland so, wo man direkt beobachten kann, wie z.B. Energieriesen und Autokonzerne die Politik bestimmen.

Lobbyismus und Demokratie sind aber nicht miteinander vereinbar. Es können nicht gleichzeitig "das Volk" und die systemrelevanten Konzerne bestimmen. Demokratie ist allerdings in der Praxis gar nicht gewünscht, sonst könnte man ganz einfach den Lobbyismus per Gesetz zumindest stark zurückdrängen. Lobbyisten nennt man allerdings pol. korrekt "unabhängige Experten".

Die eigentlichen Machthaber müssten ja auch total bescheuert sein, wenn sie sich von Habenichtsen, die arbeiten, hereinreden oder gar freiwillig ihre Profite mindern lassen würden.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Tom Bombadil » Mi 18. Jul 2018, 10:21

zollagent hat geschrieben:(18 Jul 2018, 11:11)

Könnte ja auch mal sein, oder? ;)

Könnte, ist aber sehr selten.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Dieter Winter » Mi 18. Jul 2018, 14:55

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 11:16)

Ein Parteiensystem öffnet dem Lobbyismus Tür und Tor. Das ist nicht nur in Deutschland so, wo man direkt beobachten kann, wie z.B. Energieriesen und Autokonzerne die Politik bestimmen.

Lobbyismus und Demokratie sind aber nicht miteinander vereinbar. Es können nicht gleichzeitig "das Volk" und die systemrelevanten Konzerne bestimmen. Demokratie ist allerdings in der Praxis gar nicht gewünscht, sonst könnte man ganz einfach den Lobbyismus per Gesetz zumindest stark zurückdrängen. Lobbyisten nennt man allerdings pol. korrekt "unabhängige Experten".



Deshalb und auch aus weiteren Gründen wäre eine Demarchie m. E. wünschenswert.

Hier gibt es natürlich verschiedene Ansätze.

Zur Frage des Threadthemas also ein klares Ja.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 16:48

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 11:16)

Ein Parteiensystem öffnet dem Lobbyismus Tür und Tor. Das ist nicht nur in Deutschland so, wo man direkt beobachten kann, wie z.B. Energieriesen und Autokonzerne die Politik bestimmen.

Lobbyismus und Demokratie sind aber nicht miteinander vereinbar. Es können nicht gleichzeitig "das Volk" und die systemrelevanten Konzerne bestimmen. Demokratie ist allerdings in der Praxis gar nicht gewünscht, sonst könnte man ganz einfach den Lobbyismus per Gesetz zumindest stark zurückdrängen. Lobbyisten nennt man allerdings pol. korrekt "unabhängige Experten".

Das ist ein ziemlich allgemein gehaltenes Beschwerdestatement darüber, daß die politische Landschaft nicht ist, wie du sie dir wünschst. Ich sehe unsere Demokratie mit allen ihren Schwächen aber anders und vor allem nicht so feindselig. Genausowenig sehe ich, daß "Konzerne und Energieriesen die Politik bestimmen". Du mußt in einer wahren Hölle leben. :D
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon KarlRanseier » Mi 18. Jul 2018, 17:12

zollagent hat geschrieben:(18 Jul 2018, 17:48)

Das ist ein ziemlich allgemein gehaltenes Beschwerdestatement darüber, daß die politische Landschaft nicht ist, wie du sie dir wünschst. Ich sehe unsere Demokratie mit allen ihren Schwächen aber anders und vor allem nicht so feindselig. Genausowenig sehe ich, daß "Konzerne und Energieriesen die Politik bestimmen". Du mußt in einer wahren Hölle leben. :D



Es wird doch auch offiziell nicht mehr bestritten, dass die Macht vom Kapital ausgeht, oder ist es politisch nicht korrekt, wenn man sagt, wir hätten Kapitalismus?

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 70410.html

Der Seehofer hatte in einem lichten Moment einmal gesagt, dass diejenigen, die gewählt werden, keine Macht haben, während sich diejenigen, die die Macht haben, keiner Wahl stellen müssen. Das ist doch eine Binsenweisheit.

Oder meinst Du, dass sich VW oder die Deutsche Bank vor einer Wahl fürchten müssen? Nein, das müssen sie nicht, weil sich ihr politischer Einfluss, unabhängig vom Wahlausgang, nicht verringern wird. :thumbup:

Ich lebe nicht in einer Hölle, aber ich behaupte nicht, dass ein korruptes System, in dem die Macht vom Kapital ausgeht, demokratisch sei.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 17:21

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 18:12)

Es wird doch auch offiziell nicht mehr bestritten, dass die Macht vom Kapital ausgeht, oder ist es politisch nicht korrekt, wenn man sagt, wir hätten Kapitalismus?

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 70410.html

Der Seehofer hatte in einem lichten Moment einmal gesagt, dass diejenigen, die gewählt werden, keine Macht haben, während sich diejenigen, die die Macht haben, keiner Wahl stellen müssen. Das ist doch eine Binsenweisheit.

Oder meinst Du, dass sich VW oder die Deutsche Bank vor einer Wahl fürchten müssen? Nein, das müssen sie nicht, weil sich ihr politischer Einfluss, unabhängig vom Wahlausgang, nicht verringern wird. :thumbup:

Ich lebe nicht in einer Hölle, aber ich behaupte nicht, dass ein korruptes System, in dem die Macht vom Kapital ausgeht, demokratisch sei.

Eine marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaft mag nach den Vorgaben von Marxisten kapitalistisch sein, das bedeutet aber eben nicht, "daß die Macht vom Kapital ausgeht". Du kommst wieder mal mit Parolen, statt mit Fakten.

VW oder die Deutsche Bank stellen weder die Regierung, noch können sie ihr Anweisungen erteilen. Verrenn dich ruhig weiter in deine alten Parolen. Ernstzunehmen sind sie nicht.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Alter Stubentiger » Mi 18. Jul 2018, 17:30

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 18:12)

Es wird doch auch offiziell nicht mehr bestritten, dass die Macht vom Kapital ausgeht, oder ist es politisch nicht korrekt, wenn man sagt, wir hätten Kapitalismus?

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 70410.html

Der Seehofer hatte in einem lichten Moment einmal gesagt, dass diejenigen, die gewählt werden, keine Macht haben, während sich diejenigen, die die Macht haben, keiner Wahl stellen müssen. Das ist doch eine Binsenweisheit.

Oder meinst Du, dass sich VW oder die Deutsche Bank vor einer Wahl fürchten müssen? Nein, das müssen sie nicht, weil sich ihr politischer Einfluss, unabhängig vom Wahlausgang, nicht verringern wird. :thumbup:

Ich lebe nicht in einer Hölle, aber ich behaupte nicht, dass ein korruptes System, in dem die Macht vom Kapital ausgeht, demokratisch sei.


Die Demokratie wie wir sie haben hat nun seit 70 Jahren Bestand und funktioniert besser als alles was vorher war. Das heißt nicht dass sie nicht besser sein könnte. Aber leider denken die schärfsten Kritiker man könne mit dem großen Dampfhammer bessere Ergebnisse erreichen. Egal ob diese Kritiker nun Marktradikale oder Marxisten sind. Ihre Lösungen haben in der Praxis keine Verbesserungen gebracht. Also lass uns an der sozialen Marktwirtschaft festhalten und versuchen sie zu verbessern.
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...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon KarlRanseier » Mi 18. Jul 2018, 17:32

zollagent hat geschrieben:(18 Jul 2018, 18:21)

Eine marktwirtschaftlich orientierte Gesellschaft mag nach den Vorgaben von Marxisten kapitalistisch sein, das bedeutet aber eben nicht, "daß die Macht vom Kapital ausgeht". Du kommst wieder mal mit Parolen, statt mit Fakten.

VW oder die Deutsche Bank stellen weder die Regierung, noch können sie ihr Anweisungen erteilen. Verrenn dich ruhig weiter in deine alten Parolen. Ernstzunehmen sind sie nicht.



https://www.heise.de/tp/features/Das-Sc ... ?seite=all
Auf einen Bundestagsabgeordneten kommen 8 Lobbyisten.
Witzig ist, dass in dem Artikel so getan wird, als sei der Lobbyismus irgendwie unerwünscht. Natürlich ist das selbstverständlich gewollt, genau wie die "Steuerschlupflöcher", die ja auch nicht durch die Vielzahl an Steuererklärungen entstanden sind, sondern dadurch, dass sich Interessensverbände durchgesetzt haben...
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon zollagent » Mi 18. Jul 2018, 19:33

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 18:32)

https://www.heise.de/tp/features/Das-Sc ... ?seite=all
Auf einen Bundestagsabgeordneten kommen 8 Lobbyisten.
Witzig ist, dass in dem Artikel so getan wird, als sei der Lobbyismus irgendwie unerwünscht. Natürlich ist das selbstverständlich gewollt, genau wie die "Steuerschlupflöcher", die ja auch nicht durch die Vielzahl an Steuererklärungen entstanden sind, sondern dadurch, dass sich Interessensverbände durchgesetzt haben...

Das alles beweist nun mal nicht deine Thesen. So what?
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Europa2050 » Do 19. Jul 2018, 06:51

KarlRanseier hat geschrieben:(18 Jul 2018, 18:12)

Es wird doch auch offiziell nicht mehr bestritten, dass die Macht vom Kapital ausgeht, oder ist es politisch nicht korrekt, wenn man sagt, wir hätten Kapitalismus?

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 70410.html
Oder meinst Du, dass sich VW oder die Deutsche Bank vor einer Wahl fürchten müssen? Nein, das müssen sie nicht, weil sich ihr politischer Einfluss, unabhängig vom Wahlausgang, nicht verringern wird. :thumbup:
...


VW und die deutsche Bank müssen jeden Tag die Wahl fürchten - die des Kunden. Zwar nicht existentiell, aber auf Dauer genau so vernichtend.

Und genau so, wie Du einer Partei, deine Stimme verweigern kannst, kannst Du einem Unternehmen (und nachdem Du für dein Beispiel so ziemlich die übelsten Vertreter deutscher Wirtschaft ausgesucht hast, fang doch mit diesen an) dein Geld verweigern, z.B. statt Deutscher Bank die Raiffeisenbank (Genossenschaftlich) oder Sparkasse (kommunal) deines Vertrauens.

So - und durch Transparenz und rechtliche Beschränkungen - und kann der Verfilzung von Kapital und Macht begegnet werden.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Re: Ist ein Parteiensystem die beste Form der Demokratie?

Beitragvon Dieter Winter » Do 19. Jul 2018, 07:35

Europa2050 hat geschrieben:(19 Jul 2018, 07:51)

VW und die deutsche Bank müssen jeden Tag die Wahl fürchten - die des Kunden. Zwar nicht existentiell, aber auf Dauer genau so vernichtend.

Und genau so, wie Du einer Partei, deine Stimme verweigern kannst, kannst Du einem Unternehmen (und nachdem Du für dein Beispiel so ziemlich die übelsten Vertreter deutscher Wirtschaft ausgesucht hast, fang doch mit diesen an) dein Geld verweigern, z.B. statt Deutscher Bank die Raiffeisenbank (Genossenschaftlich) oder Sparkasse (kommunal) deines Vertrauens.



Was jetzt? Bank/Sparkasse oder Vertrauen? Die SPK sind kaum besser, als die Deutsche Bank o. ä.:

https://www.handelsblatt.com/finanzen/s ... fcAlV5-ap4

Und wenn Dir VW nicht geheuer ist - na dann kauf halt einen Audi oder einen Seat, oder wie?
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