Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

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Progressiver
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Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 17:38

Die Philosophen der Aufklärung hatten zwar tolle Werte. Spätestens seit Hitlers Machtübernahme und den darauffolgenden Barbareien sollte aber allen klar sein, daß deren Ideale so gut wie nicht überlebt bzw. sich durchgesetzt hatten. Die KZ-Wärter unter Himmler spielten zwar klassische Musik und waren scheinbar ganz feingeistig. Aber andererseits vergasten sie gleichzeitig Millionen von Menschen, während der Großteil der Deutschen aus strammen Mitläufern und Untertanen bestand, die niemals in Massen den offenen Aufstand gegen das System wagten, sondern stattdessen treu bis in den eigenen Tod für die Obrigkeit kämpfte.

Wenn man die Zeit weiter zurückdreht, wird dieser Geist schon viel früher sichtbar. Einerseits galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. Andererseits wird dieser Geist schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten treffend mit Heinrich Manns Roman "Der Untertan" beschrieben, in dem die Hauptperson, kurz gesagt, vor allem Obrigkeitshörigkeit statt Zivilcourage zeigt.

Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken. Und ließ man sich früher für Kaiser, Gott, Vaterland, den vergötterten Hitler einspannen, so glauben viele immer noch, daß die kirchliche wie weltliche Obrigkeit quasi heilig sei. Merkel ist sonderbar beliebt. Und anstatt sich eigene Gedanken zu machen und, wie Stephane Hessel es forderte, Widerstand gegen die Zustände zu leisten und alles, zumindest mal philosophisch betrachtet, in Frage zu stellen, bejubelt man lieber die Kanzlerin und zeigt fröhlich Kadavergehorsam.

Also: Woran also ist das "Sapere aude!" der Aufklärung in Deutschland gescheitert und wo liegen die Ursachen dafür?
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Adam Smith
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Adam Smith » Fr 17. Mai 2013, 17:43

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 18:38 hat geschrieben:Also: Woran also ist das "Sapere aude!" der Aufklärung in Deutschland gescheitert und wo liegen die Ursachen dafür?


Die Aufklärung ist am Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gescheitert.
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Sri Aurobindo
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Sri Aurobindo » Fr 17. Mai 2013, 17:44

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 18:38 hat geschrieben:Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken.

wer soll denn demonstrieren?

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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon ralphon » Fr 17. Mai 2013, 18:54

Ich kann mich nicht daran erinnern dass jemand im Bekanntenkreis die Kanzlerin bejubelt hätte :|
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Officer Barbrady » Fr 17. Mai 2013, 19:12

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 17:38 hat geschrieben:Die Philosophen der Aufklärung hatten zwar tolle Werte. Spätestens seit Hitlers Machtübernahme und den darauffolgenden Barbareien sollte aber allen klar sein, daß deren Ideale so gut wie nicht überlebt bzw. sich durchgesetzt hatten. Die KZ-Wärter unter Himmler spielten zwar klassische Musik und waren scheinbar ganz feingeistig. Aber andererseits vergasten sie gleichzeitig Millionen von Menschen, während der Großteil der Deutschen aus strammen Mitläufern und Untertanen bestand, die niemals in Massen den offenen Aufstand gegen das System wagten, sondern stattdessen treu bis in den eigenen Tod für die Obrigkeit kämpfte.

Wenn man die Zeit weiter zurückdreht, wird dieser Geist schon viel früher sichtbar. Einerseits galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. Andererseits wird dieser Geist schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten treffend mit Heinrich Manns Roman "Der Untertan" beschrieben, in dem die Hauptperson, kurz gesagt, vor allem Obrigkeitshörigkeit statt Zivilcourage zeigt.

Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken. Und ließ man sich früher für Kaiser, Gott, Vaterland, den vergötterten Hitler einspannen, so glauben viele immer noch, daß die kirchliche wie weltliche Obrigkeit quasi heilig sei. Merkel ist sonderbar beliebt. Und anstatt sich eigene Gedanken zu machen und, wie Stephane Hessel es forderte, Widerstand gegen die Zustände zu leisten und alles, zumindest mal philosophisch betrachtet, in Frage zu stellen, bejubelt man lieber die Kanzlerin und zeigt fröhlich Kadavergehorsam.

Also: Woran also ist das "Sapere aude!" der Aufklärung in Deutschland gescheitert und wo liegen die Ursachen dafür?


Du siehst das völlig falsch. Deutschland ist heute eine in sich ruhenden, friedliche Nation...

Man sollte das nicht als "obrigkeitsstaatliches Denken" diagnostizieren. So etwas wie ein "Deutsches Gen", das uns zu tumben Gefolgsleuten eines "Führers" macht, gibt es ohnehin nicht. Das würde jedes andere "Volk" brüsk zurückweisen...
Zuletzt geändert von Officer Barbrady am Fr 17. Mai 2013, 19:19, insgesamt 2-mal geändert.
Leute, hört auf das, was der kleine grüne Mann euch sagt!

http://m.youtube.com/watch?v=BQ4yd2W50No
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Cat with a whip » Fr 17. Mai 2013, 19:44

Die Idee der Aufklärung hat die Nazibarbarei überlebt, genauso wie sie z.B. sonstigen heutigen Angriffen aus religiösen Kreisen besteht. Sie ist jeweils in dem Maße existent, wie sie bewahrt und verteidigt wird.

Gerade Merkel hatte ja einmal einen gescheiten Satz gesagt, der mancherorts bewusst falsch verstanden werden wollte: "Denn wir haben wahrlich keinen Rechtsanspruch auf Demokratie und soziale Marktwirtschaft auf alle Ewigkeit."
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Jekyll » Fr 17. Mai 2013, 20:06

Die Aufklärung war doch so eine Art Modeerscheinung unter den Gelehrten. Mit dem Ottonormalbürger hatte dieser Hype nie wirklich was zu tun gehabt.
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Adam Smith
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Adam Smith » Fr 17. Mai 2013, 20:20

Jekyll » Fr 17. Mai 2013, 21:06 hat geschrieben:Die Aufklärung war doch so eine Art Modeerscheinung unter den Gelehrten. Mit dem Ottonormalbürger hatte dieser Hype nie wirklich was zu tun gehabt.


Nö. Das ist richtig. Und in Bezug auf den Islam stimmt das schon mal gar nicht.
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Bukowski » Fr 17. Mai 2013, 20:47

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 17:38 hat geschrieben:Die Philosophen der Aufklärung hatten zwar tolle Werte. Spätestens seit Hitlers Machtübernahme und den darauffolgenden Barbareien sollte aber allen klar sein, daß deren Ideale so gut wie nicht überlebt bzw. sich durchgesetzt hatten. Die KZ-Wärter unter Himmler spielten zwar klassische Musik und waren scheinbar ganz feingeistig. Aber andererseits vergasten sie gleichzeitig Millionen von Menschen, während der Großteil der Deutschen aus strammen Mitläufern und Untertanen bestand, die niemals in Massen den offenen Aufstand gegen das System wagten, sondern stattdessen treu bis in den eigenen Tod für die Obrigkeit kämpfte.

Wenn man die Zeit weiter zurückdreht, wird dieser Geist schon viel früher sichtbar. Einerseits galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. Andererseits wird dieser Geist schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten treffend mit Heinrich Manns Roman "Der Untertan" beschrieben, in dem die Hauptperson, kurz gesagt, vor allem Obrigkeitshörigkeit statt Zivilcourage zeigt.

Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken. Und ließ man sich früher für Kaiser, Gott, Vaterland, den vergötterten Hitler einspannen, so glauben viele immer noch, daß die kirchliche wie weltliche Obrigkeit quasi heilig sei. Merkel ist sonderbar beliebt. Und anstatt sich eigene Gedanken zu machen und, wie Stephane Hessel es forderte, Widerstand gegen die Zustände zu leisten und alles, zumindest mal philosophisch betrachtet, in Frage zu stellen, bejubelt man lieber die Kanzlerin und zeigt fröhlich Kadavergehorsam.

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Quatsch mit Soße. - Die Aufklärung ist gerade in Deutschland in Höchstform, mal ganz wertfrei konstatiert, denn das ist auch ambivalent zu betrachten.
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 23:10

Matthias Pochmann » Fr 17. Mai 2013, 17:44 hat geschrieben:wer soll denn demonstrieren?

Rentner?
oder die drei jungen Leute?
;)

Inzwischen formieren sich Massen im Internet!


Nein, sie sitzen vereinzelt vor ihren Rechnern. Jeder für sich. Zumindest, was Deutschland betrifft. ;)

Wenn aber etwas passieren soll, müßten die Leute sich dort auch organisieren und gemeinsam auf die Straße gehen.

Gerade das Internet hilft der Aufklärung zu neuer Kraft!


Wer des Recherchierens mächtig ist, wird auch viele Informationen finden. Aber wieviele Leute informieren sich auch im Internet vor allem über BILD.de? Und wieviele hängen nicht auch irgendwelchen Verschwörungstheorien nach oder verblöden eher noch, weil sie nur irgendwelche Unterhaltungsvideos auf youtube angucken?
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 23:11

Bukowski » Fr 17. Mai 2013, 20:47 hat geschrieben:
Quatsch mit Soße. - Die Aufklärung ist gerade in Deutschland in Höchstform, mal ganz wertfrei konstatiert, denn das ist auch ambivalent zu betrachten.


Wie meinst Du das speziell?
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon GG146 » Sa 18. Mai 2013, 00:01

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 18:38 hat geschrieben:Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken.


Das kann man wohl sagen.

Ich habe hier auf dem Forum erst kürzlich zu lesen bekommen, dass auch Immanuel Kant ab und zu aus einem angeblichen Bauchgefühl heraus (in Metaphysik der Sitten!) daneben gelegen hätte und dass wir heute ja sowieso "auf den Schultern" der frühen Aufklärer stünden.

So einfach ist das, wenn der Diskussionspartner (bzw. -gegner) anderer Meinung ist als man selbst und zufällig einen I. Kant auf seiner Seite hat.

Da ist wirklich Hopfen und Malz verloren.
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Cerberus
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Cerberus » Sa 18. Mai 2013, 00:12

Progressiver » Fr 17. Mai 2013, 17:38 hat geschrieben:Die Philosophen der Aufklärung hatten zwar tolle Werte. Spätestens seit Hitlers Machtübernahme und den darauffolgenden Barbareien sollte aber allen klar sein, daß deren Ideale so gut wie nicht überlebt bzw. sich durchgesetzt hatten. Die KZ-Wärter unter Himmler spielten zwar klassische Musik und waren scheinbar ganz feingeistig. Aber andererseits vergasten sie gleichzeitig Millionen von Menschen, während der Großteil der Deutschen aus strammen Mitläufern und Untertanen bestand, die niemals in Massen den offenen Aufstand gegen das System wagten, sondern stattdessen treu bis in den eigenen Tod für die Obrigkeit kämpfte.

Wenn man die Zeit weiter zurückdreht, wird dieser Geist schon viel früher sichtbar. Einerseits galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. Andererseits wird dieser Geist schon zu Kaiser Wilhelms Zeiten treffend mit Heinrich Manns Roman "Der Untertan" beschrieben, in dem die Hauptperson, kurz gesagt, vor allem Obrigkeitshörigkeit statt Zivilcourage zeigt.

Aber auch heute noch hat man nicht gerade den Eindruck, als ob die Aufklärung und ihre Werte und Tugenden viel Erfolg gehabt hätten, denn der "deutsche Michel" ist immer noch obrigkeitshörig, anstatt Zivilcourage zu zeigen und für seine eigenen Interessen zu kämpfen bzw. in Massen zu demonstrieren oder zu streiken. Und ließ man sich früher für Kaiser, Gott, Vaterland, den vergötterten Hitler einspannen, so glauben viele immer noch, daß die kirchliche wie weltliche Obrigkeit quasi heilig sei. Merkel ist sonderbar beliebt. Und anstatt sich eigene Gedanken zu machen und, wie Stephane Hessel es forderte, Widerstand gegen die Zustände zu leisten und alles, zumindest mal philosophisch betrachtet, in Frage zu stellen, bejubelt man lieber die Kanzlerin und zeigt fröhlich Kadavergehorsam.

Also: Woran also ist das "Sapere aude!" der Aufklärung in Deutschland gescheitert und wo liegen die Ursachen dafür?


Aus Tradition. Man sollte dazu beachten, dass ein "Norm-Bürger" gleich welchen Staates, generell zunächst daran ausgerichtet ist, was ihn satt macht, dazu die Gruppendynamik - also, wozu man sich dann gerne zugehörig fühlen mag usw.. Bei uns entwickelte sich nun mal das Bild des stolzen Deutschen anhand von Fleiß, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Gehorsam. (Weiß nicht ob die Preußen hier den Hauptausschlag gaben) Man hatte jedenfalls mit bestimmten Dingen (bzw. Handlungen) als große Gemeinschaft Erfolg, etwas was auch von anderen erkannt und geachtet wurde - darauf baut folgend die Erziehung auf. So wird dem Deutschen von der Wiege an die "deutsche Art" vermittelt. Bei anderen Gemeinschaften setzten sich andere "Wesensarten" durch. So erkennt man leicht z.B. die Wesensart der alten Konquistadoren (Raubrittertum unter christlichen Flaggen) in vielen lateinamerikanischen Staaten wieder (eigentlich in allen). Eines aber haben alle Massen aller Staaten gemeinsam: Sie sind alle nicht aufgeklärt. Wenn anderswo die Menschen auf die Barrikaden gehen, dann sicher nicht, weil sie aufgeklärter wären, sondern eben schlicht deren Kultur so gestrickt ist. So wie wir von klein auf zum "Deutschen" geprägt werden, so die z.B. zum "Spanier" oder "Franzosen" oder wen auch immer. Echte Aufklärung, allerdings, die sehe ich in keinem Staat, in keiner Kultur. Dafür gibt es schlicht zu wenige "Sinnierende" und - naturbedingt - keine von denen in Machtfunktionen. Wie also bringt man Aufklärung an Kinder, wenn doch schon die Lehrer nicht aufgeklärt sind und wenn dort, wo die Macht sitzt, alles vorhanden ist, nur eben keinerlei Interesse an Aufklärung für das Volk? Vielleicht wird das Net dazu einmal führen (vielleicht auch nicht). Wenn, dann würde ich mal schätzen, gehen da noch etliche Generationen ins Land. Das Problem ist hier das gleiche: Kaum einer weiß wirklich was, kaum einer denkt wirklich selbst (behaupten tun es aber alle, während sie alle am nachplappern (am "MITREDEN") sind), wie die wilden Hühner; jeder für sich sucht seine Körner "seht mich, hört mich, ich bin dabei, ich gehöre hier zu dieser Gruppe und wir sind für folgendes...". Wie nun solle sich etwaige Bewusstheit einiger einzelner Exemplare gegenüber diverser Gruppenmeinungen durchsetzen? Also, ich sehe das mit der Aufklärung sehr sehr schwierig.
Dirk Müller zum Thema Ukraine/Krim: https://www.youtube.com/watch?v=K_YWdaQhRU4
Daylight

Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Daylight » Sa 18. Mai 2013, 00:33

@ Progressiver

1. An der Egozentrik, an der Eitelkeit und an der unstillbaren Gier der meisten Menschen.

2. Und ...last but not least, an fehlender Zivilcourage, an generationenübergreifendem Duckmäusertum, schiere Angst, das bequeme, sorglose Leben für höhere Werte zu gefährden oder gar aufgeben zu müssen.

Erkennen Sie die große Schnittmenge und die innere Kausalität beider Bereiche? :)
Zuletzt geändert von Daylight am Sa 18. Mai 2013, 00:35, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Watchful_Eye » Sa 18. Mai 2013, 00:48

Bukowski » Fr 17. Mai 2013, 20:47 hat geschrieben:Quatsch mit Soße. - Die Aufklärung ist gerade in Deutschland in Höchstform, mal ganz wertfrei konstatiert, denn das ist auch ambivalent zu betrachten.
Besser hätte ichs nicht sagen können. :thumbup: Man muss in seinen Erwartungen auch mal ein bisschen realistisch bleiben.
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon odiug » Sa 18. Mai 2013, 03:00

Also ich werde immer sehr skeptisch, wenn man die Auflkaerung gleichsetzt mit den moralischen Intentionen der Aufklaerer.
Moderatoren sind die Herren des Forums :x
Aber wir sind edel und gut, gerecht und unbestechlich und sorgen uns innig um das Wohlergehen unsrer Foristen.
Ich habe nun eine deutsche Tastatur ... äöüß :cool:
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Jekyll » Sa 18. Mai 2013, 04:53

Bukowski » Fr 17. Mai 2013, 20:47 hat geschrieben:
Quatsch mit Soße. - Die Aufklärung ist gerade in Deutschland in Höchstform, mal ganz wertfrei konstatiert, denn das ist auch ambivalent zu betrachten.
Ach ja? Dann erzähl mal, wie man diese angebliche Hochform-Aufklärung in Deutschland auch "ambivalent" betrachten kann. Und zwar schön wertfrei konstatiert, und ganz ohne ad hominem. Kriegst du das hin?
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Sir Porthos

Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Sir Porthos » Sa 18. Mai 2013, 04:58

Jekyll » Sa 18. Mai 2013, 04:53 hat geschrieben:Ach ja? Dann erzähl mal, wie man diese angebliche Hochform-Aufklärung in Deutschland auch "ambivalent" betrachten kann. Und zwar schön wertfrei konstatiert, und ganz ohne ad hominem. Kriegst du das hin?


Ad hominem lieben wir doch alle !

Da kann jeder mitlabern, ohne Ahnung von der Materie zu haben.
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Jekyll » Sa 18. Mai 2013, 05:06

Sir Porthos » Sa 18. Mai 2013, 04:58 hat geschrieben:
Ad hominem lieben wir doch alle !

Da kann jeder mitlabern, ohne Ahnung von der Materie zu haben.
Das liegt in der Natur von öffentlichen Foren. Hat auch was mit demokratischen Selbstverständnis zu tun.

Aber zurück zu meiner Frage - kannst du sie beanworten (solange Buki nicht zugegen ist)?
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Re: Woran scheiterte die Aufklärung in Deutschland?

Beitragvon Jekyll » Sa 18. Mai 2013, 05:18

Das Einzige, was in Deutchland "in Hochform" ist, ist die Wirtschaft (insgesamt betrachtet). Ob und inwieweit die Aufklärung in den Köpfen und Herzen der Menschen hierzulande immanent ist, ob das Ganze auch Substanz hat und nicht etwa schmückendes Beiwerk ist (a la "zuerst kommt das Fressen, dann die Moral"), wird sich herausstellen, wenn die Wirtschaft und sonstige materielle Rahmenbedingungen nicht mehr so optimal sind.

Obwohl...hatten wir in diesem Land diese Prüfung eigentlich nicht schon gehabt? Ich denke, die Analyse samt der Skepsis des Threaderstellers ist in diesem Punkt absolut zutreffend.
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